Wie entwickelt sich eine Sucht?

Eine Abhängigkeitserkrankung entsteht nicht allein durch die Wirkung einer bestimmten Substanz. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel zwischen Droge, Person und Umwelt. Die sogenannte Sucht-Trias verbindet dabei biologische und psychologische Voraussetzungen mit sozialen Bedingungen und den Eigenschaften der konsumierten Substanz. Persönliche Belastungen, erlernte Bewältigungsstrategien, soziale Beziehungen, Verfügbarkeit und gesellschaftliche Konsumkultur können ebenso eine Rolle spielen wie Wirkstärke, Konsumform und Geschwindigkeit, mit der eine Substanz ihre Wirkung entfaltet.
Die Folge zeigt anhand verschiedener Beispiele, wie sich diese Faktoren gegenseitig verstärken können und warum dieselbe Substanz bei unterschiedlichen Menschen zu völlig unterschiedlichen Konsumverläufen führt. Thematisiert werden persönliche Vulnerabilitäten und Schutzfaktoren, familiäre Erfahrungen, soziale Rollen, Belastungen im Alltag sowie die Funktion, die eine Substanz in einer konkreten Situation übernimmt. Auch hochpotente oder sehr schnell anflutende Substanzen wie Crack oder intravenös konsumiertes Heroin werden in diesen Zusammenhang eingeordnet. Deutlich wird: Eine Substanz kann das Abhängigkeitspotenzial erhöhen, eine Sucht entsteht aber erst aus dem Zusammenspiel von Wirkung, individuellen Voraussetzungen und Lebensumständen.
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Wie entwickelt sich eine Sucht?
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PODCAST-METADATEN
Folge: 38
Erscheinungsdatum: 10.02.2022
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Wie entwickelt sich eine Sucht?
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
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Transkript Beginn
00:11
Ja, hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Und ja, wir bleiben bei den suchttherapeutischen Themen wie angekündigt. Freunde, ich muss lernen.
00:44
Und genau, deswegen sprechen wir heute über die Entstehung von Abhängigkeitserkrankungen, aka Substanzgebrauchsstörungen, aka Sucht, wie man das gerne nennen mag. Und ich freue mich auf jeden Fall richtig krass, dass ihr wieder dabei seid.
01:03
Ich chille gerade noch in einem Tiny House in der Nähe von Frankfurt. Ja, mein Plan war hier tatsächlich so ein bisschen Scheiß wegzuarbeiten. Ja, ich bin leider krank, das hat nicht so super funktioniert. Das heißt, ich chill hier und bin krank und schaue viel zu viel Netflix und habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen.
01:22
Und weil ich ein schlechtes Gewissen habe, dass ich nichts anderes tue, mache ich Podcast-Folgen, weil das ist irgendwie angenehmer und leichter, als sich zu konzentrieren und zu lernen. Geht mir auf jeden Fall besser von der Hand. Und ich trinke massenhaft Tee mit richtig bescheuerten Sprüchen. Was steht denn auf meiner Tasse gerade drauf? Süßer schmeckt, was sauer verdient ist. Ja, danke für nichts.
01:45
Ich habe in meinem Büro auch einen Kalender, da sollen, glaube ich, so diebe Sprüche draufstehen. Da steht original an einem Tag drauf, hier, wasch dich mal, da klappt es auch mit der Nachbarin. Ja, danke dafür. Also ja, so viel zu unnützen Sprüchen, die mein Leben zero bereichern.
02:04
Aber das Thema, über was wir heute sprechen, finde ich sehr, sehr spannend und fand ich vor allem deswegen auch recht akut, mal darüber eine Podcast-Folge zu machen, weil ich ja oft immer sehr ähnliche Gespräche führe. Und zwar geht es meistens darum, dass es irgendwie jemand sagt, die Substanz XY ist so böse und schlimm und man wird sofort abhängig und dies, das…
02:32
Und ich meine, da bist du so, jo, ist halt nicht so, ne? Also keine Substanz alleine ist daran schuld, dass eine Abhängigkeitserkrankung entsteht. Und ja, so die Argumente…
02:43
Wenn ich das erkläre, ich erkläre es euch auch gleich, leuchten erstmal jedem ein. Aber dann kommt wirklich jedes Mal so, ja, das stimmt vielleicht für Amphetamin oder Ecstasy oder was auch immer. Aber nicht für Heroin. Bei Heroin klappt das auf gar keinen Fall. Oder ja, es setzt Heroin mit Crack, was gerade so on Vogue ist. Und ja, da bin ich mal überhaupt nicht der Meinung. Ich meine, klar, Heroin-IV, also intravenös zu konsumieren,
03:13
Führt definitiv oder kann definitiv zu einer schnelleren Abhängigkeit führen, wie wenn ich jetzt zum Beispiel Ecstasy konsumiere. Warum genau, erkläre ich euch dann später. Aber trotz allem, man kann es einfach nicht auf eine Substanz reduzieren, das ist Schwachsinn.
03:31
Und ja, deswegen spreche ich heute mal mit euch ein bisschen darüber, wie eine Abhängigkeitserkrankung entsteht, wie man sich das erklären kann, anhand eines Modells natürlich. Und ich finde, das macht eigentlich schon recht gut klar, warum Heroin alleine ohne alles einen nicht abhängig machen kann. Musik
03:58
Vielleicht habt ihr schon mal vom biopsychosozialen Krankheitsmodell gehört. Das ist ein Krankheitsmodell, was sehr, sehr weit verbreitet ist und was grundlegend, ja eigentlich schon damals eine Revolution war, auf die Sicht, wie Krankheiten eigentlich entstehen und was diese beeinflussen. Und zwar geht es nämlich von der Idee heraus sozusagen, dass man sagt, okay, eine Krankheit ist keine mechanische Sache, sondern sie ist eine
04:27
sondern es hängt eben mit vielen Faktoren zusammen und zwar einmal mit biologischen Faktoren, mit sozialen Faktoren und mit psychologischen Faktoren. So und im Prinzip das Modell, was ich euch heute vorstellen möchte, das nennt sich die Sucht-Trias und diese Sucht-Trias, die lehnt sich im Prinzip an dieses biopsychosoziale Modell an
04:51
und setzt dieses biopsychosoziale Modell in das Verhältnis zur Substanz. Genau, also im Prinzip biopsychosoziales Modell plus Substanz-Substanzeinwirkung. Recht simpel gedacht und finde ich aber dementsprechend auch recht logisch und wirksam. Und wir schauen uns jetzt einfach mal die verschiedenen Faktoren an. Die Sucht-Trias hat im Prinzip drei Faktoren, und zwar Droge, Person und Umwelt.
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Wenn wir uns jetzt den Faktor Person anschauen, da sind im Prinzip beide Punkte und zwar bio und auch biologische und psychologische Faktoren des biopsychosozialen Modells mit rein verwurschtelt. Das heißt, ja, das deckt im Prinzip beide Aspekte ab. Und
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Und zwar gehört in den Rahmen der Person zum Beispiel Persönlichkeitsfaktoren, aber auch biomedizinische Faktoren bzw. auch die allgemeine körperliche Situation, die frühkindlichen Lebenssituationen, eine allgemeine Erwartungshaltung und der Lebensstil. So, jetzt ist das ordentlich vage gehalten.
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Aber es macht halt auch Sinn, es vage zu halten, beziehungsweise auch so groß zu halten, weil genau das ist es. Nehmen wir doch mal an, wir haben eine sehr extrovertierte Person, nennen wir sie mal Natascha. Natascha geht richtig gern auf Partys, ist mit Freunden unterwegs, macht das einfach richtig gerne. Das sind wir so bei den Persönlichkeitsfaktoren. Super sozial und outgoing etc. Und
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Als körperliche Situation ist sie vielleicht super fit und hier kann auch immer die ganze Nacht durchtanzen und verträgt vielleicht auch super viel Alkohol. So ganz natürlich kann sie echt gut Alkohol abbauen und von der frühkindlichen Lebenssituation wurde sie öfters alleine gelassen, deswegen ist es ihr allgemein gerade sehr wichtig, soziale Kontakte zu erweitern.
06:50
So, aber auch der Lebensstil ist allgemein sehr outgang, sehr frei. So, jetzt haben wir zum Beispiel eine Person, die in diesem Rahmen durchaus Kontakt mit Substanzen haben kann oder auch nicht. Das kann aber auch, wenn wir jetzt zum Beispiel eine sehr introvertierte Person nehmen, Linus. Und Linus ist lieber zu Hause und Linus hat…
07:11
einen recht guten Kumpel, mit dem er sich ab und zu gerne trifft, aber sonst bleibt er lieber zu Hause, bastelt sehr, sehr gerne, hat aber auch ein gutes Elternhaus, aber auch alle so ein bisschen still,
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So, ja, er hat so, ja, geben wir ihm vielleicht eine psychische Erkrankung, hat ADS, so, hat ein bisschen Konzentrationsschwierigkeiten, ja, und fühlt sich einfach in Gesellschaft nicht so unwohl, aber ist irgendwie auch dann so ganz zufrieden und ja, sein Lebensstil ist eher so sehr einfach gestrickt, er gibt nicht viel Wert auf Mode oder ja, irgendwas anderes.
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So, und das sind jetzt zwei komplett verschiedene Persönlichkeiten, die man aus den Faktoren basteln kann, die dort genannt sind. So, und die sind jetzt erstmal da und können beide ein Leben mit oder ohne Drogen führen. Und dementsprechend schauen wir uns jetzt im zweiten Schritt Umweltfaktoren an. Und ich spinne diese Geschichte einfach mal ein bisschen weiter und, um es mal blöd zu sagen, versuche diese zwei Personen in Kontakt mit Drogen zu bringen.
08:19
Kommen wir erstmal ganz allgemein zu den Umweltfaktoren. Die Umweltfaktoren, die unterscheiden im Prinzip zwischen sozialem Nahraum, also was ist nah an den Menschen und an den Gesellschaftsaspekt. So und beim sozialen Nahraum kommt zum Beispiel dazu, ob man eine Suchtbelastung in der Familie hat oder allgemeine gefährdende Familiensituation oder auch
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Persönlichkeitsfaktoren, die sind ja auch nicht nur sozusagen von einem selbst abhängig, sondern eben können sie auch aus dem sozialen Raum entwickeln und Einfluss nehmen. Beziehungsweise auch, ob die Persönlichkeitsfaktoren in dem sozialen Nahraum, in dem man unterwegs ist, überhaupt gut ankommen. Dann haben wir da auch noch Belastungen in Schule, Ausbildung, Beruf und Freizeit, aber auch Konflikte, die es allgemein gibt, Partnerschaftsprobleme,
09:09
Mangel an allgemeinen sozialen Ressourcen, also zum Beispiel wenig Freunde, allgemein keine Menschen, an die man sich wenden kann, ein problematischer Status in der Peergroup und auch gemein in sozialen Beziehungen und kritische Lebensereignisse.
09:27
Und dann haben wir als zweiten Faktor die Gesellschaft. Die Gesellschaft, da kann es zum Beispiel eine gefährdende Konkurrenz- und Leistungssituation geben, die allgemein in der Gesellschaft hält oder ein Mangel an Zukunftsperspektiven und Alternativen gibt.
09:43
Es kann Konsumorientierung durch die Gesellschaft geben. Wenn wir jetzt mal ganz stumpf Deutschland nehmen, wo Saufen richtig geil ist, um es mal stumpf zu sagen, ist das zum Beispiel eine Konsumorientierung, die die Gesellschaft auch irgendwie Menschen mitgibt. Das haben wir wirklich an sehr vielen Faktoren. Und Werte und Lebensweisen allgemein, die Drogenkultur, die es eben auch gepflegt wird,
10:08
Also neben Konsumorientierung, da geht es darum, was für ein Konsumverhalten hat und bei Drogenkultur gibt es eigentlich, was für Drogen sind überhaupt verfügbar, welche sind legal, welche sind illegalisiert und diese Aspekte. Und dann gibt es noch die allgemeine geschlechtsspezifische Sozialsituation. Also da haben wir sozusagen einmal den sozialen Nahraum und einmal die Gesellschaft, die eben Einfluss auf die einzelnen Personen nimmt.
10:33
So, dann schauen wir doch mal wieder auf unsere extrovertierte Natascha und unseren introvertierten Linus. Von der extrovertierten Natascha wissen wir ja eigentlich schon, dass sie nur gerne Party macht, gerne mit Freunden unterwegs ist. Aber sie hat so ein bisschen einen problematischen Status in ihrer Peergroup. Das entsteht ein bisschen daraus, dass von ihr schon inzwischen erwartet wird, dass sie jedes Wochenende feiert, jedes Wochenende ja richtig Gas gibt und…
10:59
was mit irgendwelchen Menschen hat und eben, ne, sie hat das so am Anfang so ein bisschen zelebriert und jetzt kommt sie aus dieser Rolle nicht so ganz raus und sie fühlt wie so einen Druck, dass das eben, ja, wie so ihre Identität langsam ausmacht, dass sie sozusagen diese Rolle, die ihr zugesprochen wird von ihrem sozialen Nahraum, auch erfüllen muss. Und so kommt es dazu, dass Natascha auch wirklich jedes Wochenende mega Vollgas gibt und einfach richtig krass feiert.
11:26
Dazu kommt es, dass Natascha eigentlich schon zwei Jahre einen Freund hat und mit dem, der findet irgendwie so die ganze Veränderung, dass sie so plötzlich so krass viel feiert, irgendwie gar nicht mehr witzig und möchte eigentlich gerne, dass sie aufhört. Aber Natascha sind ihre Freunde so wichtig, dass es da wirklich zum Streit kommt und sie sich trennen. Und Natascha ist am Boden zerstört, weil jetzt ist ihr Freund weg und
11:53
Und ja, es führt im Prinzip eigentlich nur dazu, dass sie noch mehr feiert, dass die Wochenenden immer länger werden, dass sie Montag auf der Arbeit fehlt und manchmal schon Freitag krank macht, um länger feiern zu gehen. Und ja, nicht, dass man es falsch versteht, mit feiern meine ich dann eher, das ist vielleicht ein bisschen blöd, wenn noch mehr Alkohol konsumiert auf Partys. Ich glaube, das trifft es mehr auf den Punkt, als es nur feiern zu nennen. Denn feiern kann man auch ohne Substanzen. Sorry für die Ungenauigkeit.
12:22
So, schauen wir uns mal weiter Linus an. Linus hat inzwischen, habe ich ja vorhin gesagt, ein sehr entspanntes Familienleben und ist eigentlich so erstmal auch gut zufrieden. Allerdings als Linus kleiner war, war sein Papa Alkoholiker.
12:38
Und vom Lernen am Modell hat Linus schon sehr früh gemerkt, dass wenn sein Papa aufbrausend war und alles irgendwie kacke war und er von der Arbeit mega gestresst nach Hause kam, der ein Bier getrunken hat und dann ging es ihm besser, dann hat er sich entspannt. Und so hat Linus wirklich auch durchs Lernen am Modell total unterbewusst gelernt, so, ha,
13:00
Wenn Papa Bier trinkt, ist man entspannt. Bedeutet, Bier trinken ist Entspannung. So, das haben wir jetzt mal so ein bisschen als soziale Vorbelastung. So, und jetzt ist es so, dass Linus ja an sich gerne für sich ist und auch nicht gern vor anderen Menschen spricht. Und der hat jetzt seit neuem
13:19
eine neue Stelle angefangen. Und in dieser neuen Stelle, die passt ihm so inhaltlich sehr gut, allerdings ist er da gezwungen, des Öfteren Vorträge zu halten vor seinen Kollegen, seinen Kolleginnen und auch Inputs zu geben und das fällt ihm furchtbar schwer und jedes Mal, wenn er von den Menschen reden muss, dann ist es ihm ganz schlecht und alles total blöd und das ist ihm einfach furchtbar, furchtbar unangenehm.
13:50
So, jetzt haben wir mal diese zwei Storys weiter gesponnen und jetzt kommen wir zum dritten Faktor und zwar dem Faktor Droge, dem Faktor Substanz. Ich habe ja gesagt, jetzt haben wir so dieses biopsychosoziale Modell so ein bisschen abgehakt und jetzt sind wir eben bei der Droge, die das Ganze sozusagen mit dem biopsychosozialen Modell noch weiter verbindet bzw. das Modell erweitert. Und beim Aspekt
14:17
Der Droge schaut man sich einmal die Verfügbarkeit, die Zugänglichkeit und die Griffnähe an. Dann die Art und die Wirkweise, die Dosis, die Dauer und die Intensität der Einnahme. Das sind sozusagen Aspekte, die eben auch in diese Trias mit reinspielen. So.
14:37
Und jetzt schauen wir uns nochmal Natascha in unserem Beispiel an. Und Natascha ist wirklich am Boden zerstört. Wir wissen ja, ihr Freund hat sich jetzt von ihr getrennt aufgrund der ganzen Party. Ja, und plötzlich bietet ihr jemand im Club eine Ecstasy-Pille an. Und sie hat das zwar noch nie gemacht…
14:57
Aber sie nimmt das, die Verfügbarkeit ist im Prinzip da, sie nimmt das auf dieses blöde Gefühl des Verlassenseins und ja, es ist einfach ein Hammergefühl, sie ist wie ausgewechselt, die ganzen Probleme rücken ganz, ganz, ganz weit weg.
15:14
So, und das war echt eine coole Erfahrung für sie und so kommt es jetzt, dass ich sozusagen in ihre Partywochenenden, die sonst eigentlich nur mit Alkohol bestückt waren, Ecstasy mit reinschleicht, auch immer häufiger.
15:27
Und dann merkt sie aber langsam, ah, die Wirkung passt nicht so gut. Aber durch ihre Ecstasy-Erfahrung hat sie sehr schnell dann auch über Ecken einen Dealer kennengelernt. Bei ihrem Dealer gibt es nicht nur Ecstasy, sondern ganz viele andere Substanzen. Das ist echt ein cooler Typ, der wohnt um die Ecke. Alles easy, das heißt, die Verfügbarkeit und die
15:47
Zugänglichkeit ist wirklich total da und so macht Natascha eben Erfahrung mit anderen Substanzen und schafft es so, sich einmal von dieser Trennung zu erholen, treibt aber so Wochenende für Wochenende immer mehr weg. Sie steigert die Dosis und…
16:03
Ja, wie ich schon vorhin gesagt habe, die Wochenenden werden plötzlich immer länger, sie verliert ihren Job, weil sie montags gar nicht mehr auftaucht und Dienstag manchmal auch nicht mehr. Das sorgt dafür, dass Natascha noch mehr sich in dieses Party-Leben, wie sie das noch sagt, reinstürzt. Aber ja, sie fängt dann auch an zu Hause zu konsumieren, sie hat dann schnell kein Geld mehr, um eben alles auf Partys so zu bezahlen.
16:28
Und so fängt es ja auch an, zu Hause zu konsumieren und trägt sich damit im Prinzip immer weiter weg und entwickelt dadurch eine Alkohol- und Amphetaminabhängigkeit. So, ich mache diese Beispiele gerade wirklich grob aus meinem Kopf, also bitte nicht dran stören, wenn die vielleicht nicht 100% aufeinander passen. Ich nutze die Beispiele einfach nur, um diese Zusammenhänge ein bisschen klarer zu machen.
16:53
So, und dann schauen wir nämlich uns auch nochmal Linus an, unseren introvertierten Linus.
17:14
Und dann sagt er so, hey, trink doch mal einfach kurz einen Schluck. Und schiebt ihm so einen Flachmann mit einem schelmischen Grinsen so unter dem Tisch rüber und sagt, trink einfach mal kurz einen Schluck. Und Linus denkt sich erst so, nein, sowas macht er auf gar keinen Fall, auf der Arbeit, safe nicht. Und dann trinkt er einen Schluck.
17:32
Ne, und, und, und, ah, plötzlich war das gar nicht mal so schwer und so seine ganze Nervosität ging einfach weg. Und er stand da im Vortrag und konnte den mal wirklich gut halten, ohne verhaspeln, konnte geradlinig denken, hat auch, ne, er verliert gerne wegen der ADS auch seinen Faden und verliert sich so ein bisschen. So durch weniger Nervosität ging das alles gleich viel, viel besser.
17:55
So, und ihr wisst wahrscheinlich, wo das Beispiel jetzt dorthin geht. Man hat hier die positive Erfahrung, wir haben eine Höhe für Fügbarkeit und Zugänglichkeit von Alkohol in Deutschland prognostiziert.
18:06
Und er merkt eben durch diese kleine Dosis erstmal, dass es hilft. Und so schleicht sich bei Linus der Alkohol in den Alltag ein. Denn er nutzt es wirklich durchgehend darum, soziale Situationen, sich die Nervosität runterzutrinken und somit sozusagen seinem schlimmen Bauchgefühl so zu umgehen und eben in dieser sozialen Situation stattzufinden. Musik
18:34
So, im Prinzip war es da schon mit der Sucht-Trias. Und wie ihr auch an den Beispielen hoffentlich gemerkt habt, diese Sucht-Trias
18:42
gibt keine klaren Punkte vor, was wirklich, sagen wir mal, ein Garant ist, um eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln. Das wäre ja auch irgendwie schräg. Sowohl Natascha als auch Linus hätten auch einfach keine Abhängigkeit entwickeln können, mit genau den gleichen Voraussetzungen.
19:04
Linus hätte zum Beispiel sein Problem merken können und einen Kurs zu machen, um mehr in sozialen Situationen zu interagieren oder eine Therapie zu machen, um vielleicht auch sozialen Ängsten vorgegenzuwirken oder ähnliches.
19:21
Natascha hätte vielleicht auch einfach früher merken können, sie hat keinen Bock auf die Party. Das Schlussmachen ihres Freundes war für sie ein Weckruf und sie merkt, dass sie irgendwas ändern muss, weil ihren Freund wollte sie nicht verlieren wegen dem ganzen Party machen. Und sie fängt an, ihr Leben umzukrempeln und sie kriegt vielleicht ihren Freund nicht zurück, aber merkt, dass sie eben andere Prioritäten setzen. Versteht ihr, was ich meine? Es gibt…
19:45
Jeder hat an jedem Punkt irgendwo auch immer nochmal eine Wahl, anders zu entscheiden, es anders zu machen. Und so kann es sein, dass es vielleicht mal zu einem problematischen Konsum, wie dann zu einem ganz normalen Konsum weggeht, das Gelegenheitskonsum gibt, nur ein Gelegenheitskonsum, oder dass sich eben am Ende wirklich eine handfeste Substanzgebrauchsstörung entwickelt. Aber was hoffentlich sehr klar wird durch diese Sucht-Trias, ist, dass…
20:11
dass eben Faktoren sind, die alle zusammenspielen. So, hätte…
20:18
hätte zum Beispiel Natascha irgendwie kein Amphetamin zur Hand gehabt, gar nicht und da überhaupt keinen Zugang gehabt, die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf Amphetamine Abhängigkeitserkrankungen gemacht hat, entwickelt eher geringer. So, und jetzt schauen wir uns nochmal kurz die Substanzen an. Und zwar, ich habe ja vorhin als Beispiel genannt, so Crack und vor allem Heroin intravenös wird sehr oft genannt als Substanzen, die sofort abhängig machen beim allerersten Mal und dies und das, ne?
20:47
Und ja, das sind halt Substanzen, also vor allem der intravenöse Konsum von Heroin, aber auch
20:55
wenn man Crack raucht, die sehr schnell anfluten und eine sehr intensive Wirkung haben. Und allgemein Substanzen, die sehr, sehr schnell im Gehirn anfluten, also wo man die Bemerkung im Prinzip sofort merkt, die haben allgemein höheres Abhängigkeitspotenzial. Trotz allem, wenn ein Mensch mit einem stabilen Selbstwert und alles sozial super und was auch immer lebt,
21:18
auf die Idee kommt, sich IV-Heroin zu spritzen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Person dadurch, wenn sie sonst auch keine Konsumproblematik hat oder sowas, eine Abhängigkeit entwickelt, recht gering.
21:31
was bei diesem gedachten Beispiel ein bisschen auf einem anderen Platz steht, warum sollte eine Person das tun dann unbedingt, ne? Vielleicht aus Neugierde oder ähnliches, aber ich würde mal behaupten, dass das wirklich eher ein sehr seltener Fall ist, genauso wie bei Crack, ne? Das ist jetzt halt auch keine Substanz, die man mal so auf einer Party zu einem Shot mal kurz wie eine Kippe angeboten bekommt oder ähnliches. Das heißt…
21:57
Also diese Beispiele, die immer genannt werden, sind erstmal allgemein von der Konsumform und von der Substanz her. Substanzen, wo Menschen auch ansprechen, die meistens schon länger mit anderen Substanzen hantieren und da dann irgendwo landen. Und da kann es natürlich sein, dass eine Substanz dann nochmal eine große Attraktivität hat, wenn das Abhängigkeitspotenzial sehr hoch ist.
22:20
Aber da sind wir wieder bei ganz anderen Punkten. Aber die Abhängigkeit an sich ist eben, oder ob man eine Abhängigkeit entwickelt oder nicht, hängt eben von viel mehr Faktoren ab, außer der stumpfen Substanz. Sondern eben auch, wie die Person einfach mal biologisch und psychologisch gestrickt ist und wie die Umwelt ums hier rum auch noch ist.
22:40
Und was man für Risikofaktoren hat, aber was man vielleicht auch gegensätzlich für Schutzfaktoren hat. Es gibt ja nicht immer nur Risikofaktoren oder Vulnerabilitäten, sondern auf der anderen Seite auch immer Schutzfaktoren. Und das gibt sich einfach auch eine Waage.
22:56
Ja, meine Lieben, ich hoffe, euch hat diese Folge gefallen. Ich fand es auf jeden Fall mal ein super wichtiges Thema, das nochmal ganz gründlich durchzusprechen. Ich glaube, hier und da habe ich das tatsächlich auch schon mal angesprochen in meinen anderen Podcast-Folgen, aber hier habt ihr es wirklich nochmal im Großen und Ganzen präsentiert bekommen. Und ja, falls ihr möchtet, ich würde mich richtig krass freuen, wenn ihr auf Spotify mir gerne 5 Sterne dalasst oder auch gerne auf Apple Podcasts, wie ihr das gerne möchtet.
23:25
und
23:27
Ja, wenn ihr Anregungen, Wünsche habt oder was ich auch vielleicht besser machen kann, schreibt mir gerne auf Instagram unter psychoaktiv.podcast oder auch per E-Mail unter psychoaktiv.podcast at gmail.com. Ich bin immer total dankbar, glücklich, wenn ich mich verbessern kann. Und sonst wünsche ich euch einen schönen Tag, Mittag, Abend, wann ihr auch gerade die Podcast-Folge hört. Ich flagge mich jetzt gleich ins Bett und kuriere hoffentlich meine Erkältung jetzt völlig aus.
23:55
Und wir hören uns sehr bald. Ich freue mich jetzt schon drauf. Tschüssi. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.
