Suchtverlagerung – Was wissen wir eigentlich darüber?

Suchtverlagerung beschreibt die Vorstellung, dass sich eine Abhängigkeit auf eine andere Substanz oder ein anderes Verhalten verschiebt. Aus einer Alkoholabhängigkeit kann beispielsweise ein problematischer Konsum anderer Substanzen entstehen, ebenso kann exzessives Arbeiten, Essen, Sport oder Sexualverhalten die Funktion eines früheren Konsummusters übernehmen. So plausibel dieses Konzept zunächst wirkt, ist die wissenschaftliche Grundlage erstaunlich dünn. Gerade deshalb ist Vorsicht angebracht, wenn Suchtverlagerung als nahezu zwangsläufige Folge einer früheren Abhängigkeit dargestellt wird.
Die Folge ordnet ein, was über solche Verlagerungsprozesse tatsächlich bekannt ist und welche psychologischen Mechanismen sie erklären könnten. Im Mittelpunkt stehen erlernte Konsummuster, klassische und operante Konditionierung sowie die Frage, ob eine neue Substanz ähnliche Funktionen übernimmt wie die alte. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen zu kontrolliertem Konsum und Selbstheilung, dass Verläufe deutlich dynamischer sein können: Konsum kann sich auf andere Substanzen verlagern, aber auch wieder reduzieren oder insgesamt zurückgehen. Deutlich wird: Entscheidend ist weniger, ob nach einer Abhängigkeit überhaupt wieder konsumiert wird, sondern ob sich die zugrunde liegenden Muster, Funktionen und Bewältigungsstrategien tatsächlich verändert haben.
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Suchtverlagerung – Was wissen wir eigentlich darüber?
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PODCAST-METADATEN
Folge: 56
Erscheinungsdatum: 01.12.2022
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Suchtverlagerung – Was wissen wir eigentlich darüber?
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
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Transkript BEGINN
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Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein! Diese Podcast-Folge wird euch präsentiert von Safe Party People Frankfurt.
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Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Schön, dass ihr wieder alle mit dabei seid. Und Leute, es war so, so geil. Die letzte Folge über HHC kam so gut bei euch an. Es gab so viele Diskussionen, so mega viele Liebe-Nachrichten, die einfach danach kamen. Ich habe mich mega gefreut, habe natürlich das ganze Loop auch an Fabi weitergegeben, der ja natürlich die größte Arbeit am letzten Interview gemacht hat. Logischerweise, er wurde ja auch interviewt.
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Und ja, hat mich auf jeden Fall mega, mega gefreut und ich wollte mich an dieser Stelle einfach bedanken bei den Leuten, die so viel mitdiskutieren, mir Nachrichten schreiben, meinen Podcast bewerten oder auch weiterempfehlen, weil das hilft halt wirklich super, um das Thema weiterzubringen, um den Podcast weiterzubringen und einfach mit Leuten ins Gespräch zu kommen über das Thema psychoaktive Substanzen und ja,
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Deswegen mache ich das hier ja und deswegen hat mich auch die Reaktion auf die HC-Folge so mega gefreut, weil einfach so viele Menschen…
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ja, angefangen haben, über das Thema zu sprechen. Und das fand ich einfach mega, mega geil. Also danke, danke dafür. Heute kommen wir zu einem Thema, das eigentlich nicht geplant war, weil ich hatte ein Interview geplant, aber ich bin krank. Das hört man vielleicht ein bisschen an meiner Stimme. Und dementsprechend habe ich ein anderes Thema vorgezogen, was ich ja öfter schon gewünscht wurde, und zwar das Thema Suchtverlagerung.
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Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich habe mich eventuell auch ein bisschen vor dem Thema gedrückt, weil es kam wirklich schon öfters der Wunsch. Aber es ist genau das eingetreten, was ich befürchtet habe und warum ich mich immer so darum gedrückt habe. Die wissenschaftlichen Quellen zum Thema Suchtverlagerung sind noch weniger vorhanden wie beim Suchtgedächtnis. Also wirklich gehende Leere. Das heißt, diese Folge wird…
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wird sehr viel von meinem gesunden Menschenverstand und meinem Wissen als Suchttherapeutin gespickt sein. Ich habe natürlich Theorien und Quellen rausgezogen und versucht damit, das Phänomen greifbarer zu machen oder auch für euch eine Orientierung zu geben.
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es gibt halt wirklich kaum was. Ich habe immer, wenn ich so eine Recherche anfange, dann gebe ich erst mal das Stichwort hier in dem Falle Suchtverlagerung in Researchgate ein. Es kamen einfach drei Paper und die haben das nur am Rande erwähnt. Also das ist ungefähr die Grundlage, auf der ihr euch das vorstellen könnt. Dementsprechend schwer war es für mich, eine Folge zu machen. Aber
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Umso mehr finde ich es eigentlich wichtig, genau darüber zu sprechen, weil es halt auch einfach deutlich macht und klar macht, was für große Forschungslücken wir noch haben und wie viel einfach als gesetzt angenommen wird, obwohl wir sehr wenig darüber wissen. Aber gut, genug von dem Vorgeplänkel. Wir starten rein. Musik
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Starten wir erstmal mit der Grundlage. Was ist eigentlich Suchtverlagerung? Verlagerung von einer Sucht in die anderen. Das heißt, ich ersetze eine Abhängigkeit mit einer anderen. Dafür gibt es sehr viele verschiedene Beispiele. Also es kann einmal innerhalb von den psychoaktiven Substanzen stattfinden. Das heißt, ich switche von Alkohol auf Cannabis, von Lack
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Benzodiazepin auf Alkohol, von Kokain auf Amphetamin. Das heißt, ich ersetze einfach eine Substanz durch die anderen, aber mein Konsummuster fällt weiterhin in das der Abhängigkeit rein. Ein bisschen komplizierter wird es, wenn man sozusagen seine Abhängigkeit, seine stoffgebundene Abhängigkeit mit Alkohol
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einer, mit einer Verhaltensweise ersetzt, die man in einem exzessiven Maße ausübt, weil für viele Verhaltensweisen gibt es zum Beispiel dann auch keine Diagnose. Dementsprechend ist es dann auch schon wieder ein bisschen schwammig, aber was damit aber gemeint ist, ganz deutlich, ist sozusagen, ich höre auf, eine Substanz, eine psychoaktive Substanz zu konsumieren und dafür habe ich eventuell extremst viel Sex oder exzessiven Sex. Ich kaufe sehr viel. Ich
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esse sehr viel oder ich höre auf zu essen oder ich arbeite extremst viel. Das heißt, ich ersetze ein exzessives Verhalten, was mit psychoaktiven Substanzen zu tun hat, mit einem exzessiven Verhalten auf einer Verhaltensebene. In dem Rahmen ist mir, glaube ich, auch das Thema Suchtverlagerung tatsächlich das aller aller aller
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allerersten Mal begegnet, da war ich noch ein Kind, da ging es darum, dass eine Bekannte von meinen Eltern das Rauchen aufgehört hat und dadurch eben oder danach sehr viel angefangen hat zu essen und dadurch sehr viel Gewicht gewonnen hat. Daher kommt auch immer so ein bisschen dieses Narrativ oder diese Idee, dass das Rauchen aufzuhören ja dick macht, weil man dann halt eben dieses Ersatzverhalten anfängt.
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Genau und da ist mir das auch so zum ersten Mal begegnet. Ich glaube, das haben wahrscheinlich auch schon mehrere von euch gehört, aber wie gesagt, es gibt es halt eben halt auch in super vielen anderen Facetten. Aber auch in der Suchttherapie ist das Thema Suchtverlagerung tatsächlich sehr groß.
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Also das Thema Suchtverlagerung ist, als ich noch im abstinenzorientierten Bereich gearbeitet habe, erstmal ein extremst großes Thema, weil das Suchtverlagerung sozusagen mit an die Abstinenz gekettet wird. Im Sinne von, ja, auch wenn du jetzt nur eine Alkoholabhängigkeit hast, solltest du auch nicht plötzlich Experimente mit Amphetamin machen.
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Auch wenn du da noch keine Abhängigkeit hast, kann es zu einer Suchtverlagerung kommen und dann hast du halt einfach die Abhängigkeit getauscht. Also das ist so das Narrativ dabei, was den Klienten und Klientinnen so mitgegeben wird und dadurch wird einfach darauf hingewiesen, dass der sicherste Weg für keine neue Abhängigkeitserkrankung die Abstinenz ist. Was ja auch erstmal, wenn man es genau so nimmt, stimmt.
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aber ist vielleicht auch ein bisschen einseitig gedacht. Aber auch unter meinen Klienten, Klientinnen hatte ich es auf jeden Fall auch schon öfters, dass eine Suchtverlagerung stattgefunden hat. Tatsächlich, wenn ich so an meine Klientin zurückdenke, ist es oft sozusagen der Tausch von illegalisierten Substanzen auf Alkohol. Und den Sprung finde ich erstmal auch sehr nachvollziehbar, weil…
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Vor allem mit illegalisierten Substanzen ja eben auch noch der ganze Rattenschwanz der Prohibition mit dranhängt und sozusagen der Wechsel auf Alkohol den ja schon sozusagen so zunichte macht, wenn man dann eben eine legale Substanz konsumiert und das eben auch schon mal als enorme Verbesserung wahrgenommen wird, weil man eben nicht mehr ja diese ganzen prohibitionistischen Probleme hat und auch gesellschaftlich anerkannter konsumieren kann, weil eben Alkohol gesellschaftlich anerkannt ist zu konsumieren.
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Also den Switch habe ich schon tatsächlich sehr oft auch mitbekommen bei Klienten, Klientinnen von mir, aber natürlich auch schon in andere Richtung, keine Frage. Also rein anekdotisch kann ich durchaus sagen, ja, ich weiß, was mit Suchtverlagerung gemeint ist. Ich finde es auch nicht an den Haaren herbeigezogen.
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Und ich habe es auf jeden Fall auch schon öfters mitbekommen. Denn an sich ist ja die Grundlage auch erstmal was komplett Natürliches, was man auch in ganz vielen anderen Verhaltensweisen in unserem Alltag entdeckt. Und zwar, wir wollen ein Verhalten ändern und suchen ein Ersatzverhalten dafür. Und dieses Ersatzverhalten kann sowohl förderlich als auch weniger förderlich für uns sein. Und genau darum geht es ja auch heute.
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in der Suchtverlagerung, nur dass wir eben halt noch den Einfluss von psychoaktiven Substanzen mit dabei haben. Aber wir bleiben jetzt halt auch beim Substanzkonsum und schauen mal rein, was ich sonst noch zu dem Thema gefunden habe. Musik
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Wie schon bereits am Anfang erwähnt, habe ich absolut keine Studie gefunden. Falls ihr eine kennt, schickt sie mir gerne zu, die den Gegenstand der Suchtverlagerung wirklich nur das unter die Lupe nimmt, weil das hätte ich mir tatsächlich gewünscht. Aber
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Unter den wenigen Quellen, die ich habe, habe ich zwei interessante Aspekte zum Thema Suchtverlagerung gefunden. Und zwar tauchen die in der akzeptanzorientierten Suchtforschung auf. Und zwar einmal in der Evaluation des KISS-Programms. KISS ist das Konsumkontrolltraining. Darüber habe ich auch eine Folge gemacht. Diese findet ihr unter der Folge 47. Da geht es um kontrolliertes Suchtverlagerung.
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trinken und kontrollierter Konsum. Und die zweite Studie, die ich gefunden habe, geht mit dem Thema Selbstheilung einher. Auch darüber gibt es schon eine ausführliche Folge und das ist die Folge 49. Ich fand es ja natürlich schon mal sehr auffällig, dass das Einzige, was ich wirklich so zur Suchtverlagerung finde, ich in der akzeptanzorientierten Forschung finde,
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Macht aber auch unter dem Sinn wieder Sinn, weil es ist halt eben auch ein Narrativ der konservativen Suchtforschung oder der konservativen Suchthilfe. Und wenn man dann eben in andere Ansätze forschen möchte, kommt dann halt immer gerne diese Argumentation. Ja, aber Suchtverlagerung, was damit? Oder Suchtgedächtnis hier, das könnt ihr euch jetzt nicht anders ausdenken. Und ich finde es halt wahnsinnig wild oder das wird mir jetzt in der Folge nochmal klarer, wie es mir schon nach dem Suchtgedächtnis geht.
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Klar geworden ist, dass da gefühlt fast mit Plattitüden um sich geworfen wird, weil sozusagen der Grundgegenstand noch gar nicht richtig erforscht ist oder auch überhaupt keinen Konsens dazu gibt. Deswegen kann ich es irgendwie nur sehr schwer nachvollziehen, warum das dann immer wieder so einen großen Platz einher nimmt. Da denke ich mir doch so, ja, dann muss man doch erstmal die Grundlage erforschen, bevor man das als Argument nutzt.
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Aber das mal beiseite, schauen wir uns an, was diese zwei Studienergebnisse sagen. Bei der Evaluation des Konsumkontrollprogramms, auch KISS genannt, wurden 59 Menschen, die eben an KISS teilgenommen haben, untersucht. Und zwar gab es sowohl Interviews als auch Urinkontrollen, wo sozusagen die Aussagen von den Interviews auch durch Urinkontrollen nochmal gegengetestet wurde. Und dabei geht es hauptsächlich um die Substanzen Heroin, Kokain, Cannabis, Crackpotatoes.
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Benzodiazepine und Alkohol. Und genau da sollte eben geschaut werden, ob Teilnehmer, Teilnehmerinnen von diesem Programm eben ja einfach ihren Konsum verlagert haben. Also keine Ahnung, Hauptsubstanz Heroin und plötzlich dann richtig dolle angefangen haben, Benzodiazepine zu konsumieren. Das war im Prinzip auch das, was nicht
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nicht vorgeworfen wurde, sondern was sozusagen die Besorgnis war von diesem Konsumkontrollprogramm. Ja und raus kam bei dieser Studie, dass es eben nicht zu einer Suchtverlagerung kam, sondern dass es eher einen Carry-Over-Effekt gab. Also, dass auch wenn eine andere Substanz bei der Person im Mittelpunkt stand und sie an dieser Substanz und an den Umgang mit dieser Substanz in dem Konsumkontrollprogramm gearbeitet hat, der Konsumkontrollprogramm
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der Konsum der anderen Substanzen, die auch eine Rolle gespielt haben, aber vielleicht nicht so eine übergeordnete, auch runtergegangen ist. Das heißt sozusagen, dass der allgemeine Konsum runtergegangen ist. Es gab einen Carry-Over-Effekt und es wurde einfach im Allgemeinen weniger. Bei der Selbstheilungsstudie nach Klingemann, da wurde eben auch subjektiv,
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Suchtverlagerungen explizit angeschaut, weil auch das sozusagen immer ein bisschen die Besorgnis an der ganzen Sache war, ob das wirklich eine Selbstheilung war oder ob das sich einfach verlagert. Und da war eben auffällig, dass die Menschen, die eine Alkoholabhängigkeit haben, überhaupt keine Suchtverlagerung hatten.
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und die Menschen, die eine Heroinabhängigkeit hatten, da es aber durchaus zu Suchtverlagerungen kam. Und zwar wurden da 34 Heroinfälle angeschaut. Davon haben 15 eine Suchtverlagerung vorgewiesen. Und diese Verlagerung ging eben auf Cannabis, Alkohol
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oder eben auch ein Umstieg zu Kokain. Aber was hier auffällig war, dass 10 der 15 nur an einem Zeitpunkt eine Suchtverlagerung aufgewiesen haben. Was bedeutet, dass es zwar eine Zeit lang eine Suchtverlagerung gab, aber die dann auch wieder aufgrund der eigenen Selbstheilungsenergien oder Selbstheilungsfähigkeiten wieder in den Griff bekommen wurden. Also die wurden nämlich auch über 14 Jahre immer mal wieder angeschaut. Aus diesen zwei Beispielen können wir uns eigentlich zwei wichtige Dinge rausnehmen.
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aus der Selbstheilungsstudie: Ja, es gibt eine Suchtverlagerung, aber auch eine Suchtverlagerung ist dynamisch, also kann sozusagen auch beeinflusst werden.
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Sollte eigentlich klar sein, aber ich betone es trotzdem immer wieder gerne. Und aber noch viel spannender, selbst im Substanzkonsum, das zeigt ja die KISS-Studie, muss es keine Suchtverlagerung geben, sondern wenn Konsumkompetenz erlernt wird, es eben nicht zu einer signifikanten Suchtverlagerung kommt, sondern dass es eher einen Carry-Over-Effekt gibt.
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Beziehungsweise die Studie weist darauf hin, es hat natürlich eine sehr geringe StudienteilnehmerInnen-Lage, das ist leider so, aber es weist auf jeden Fall darauf hin, dass sozusagen das Erlernen von Konsumkompetenz irgendwie ja einen Einfluss haben muss auf das Thema Suchtverlagerung. Werbung
13:26
Wenn man sich mit dem Thema Suchtverlagerung auseinandersetzt, kommt man fast automatisch oder es ploppt auf jeden Fall zumindest mal in den populärwissenschaftlichen Quellen auf, das Thema Kreuztoleranzen. Eine Kreuztoleranz bedeutet an sich, dass der Konsum von einer Substanz auch die Toleranz einer anderen Substanz verändert. Und dafür gibt es sozusagen verschiedene Substanzpaare, die man da ausmachen kann, bei denen das zutrifft.
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Das sind einmal zum Beispiel verschiedene GABA-B-Argonisten wie Gamma-Hydroxybuttersäure, also GHB, Baclofen und Phenibut.
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aber auch zwischen den psychedelischen Serotonin-Argonisten wie LSD, Psilocybin oder Mescalin, dann noch zwischen Amphetamin, Metamphetamin und Ephedrin. An dieser Stelle würde ich auch noch vorsichtig Kokain einwerfen, weil es schon mehrere Studien gibt, die eben auch eine Kreuztoleranz zwischen Amphetamin und Kokain aufzeigen beziehungsweise darauf hinweisen. Dann haben wir die GABA-A-Argonisten, also Alkohol, Benzodiazepine und Barbiturate.
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Und dann zwischen den Opioid-Agonisten wie Codein, Morphin und Heroin. Diese Kreuztoleranzen sind allerdings nur so lange relevant, solange eben auch die Substanz noch im Körper ist, also sie noch nicht abgebaut ist. Wenn sie abgebaut ist, dann ist sozusagen rein pharmakologisch diese Kreuztoleranz erstmal nicht mehr wirklich von Relevanz. Was bedeutet, also ganz typisch ist es zum Beispiel bei Benzodiazepin, wenn jemand über einen langen Zeitraum Benzos eingenommen hat,
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Das reichen im Prinzip auch schon vier Wochen, so lange muss der Zeitraum gar nicht sein oder kommt natürlich auch auf die Höhe an und man die dann absetzt. Braucht es eine ordentliche Zeit, so je nachdem, wie lange man es vorher eingenommen hat, mehrere Wochen bis Monate, bis die Benzodiazepine komplett aus dem Körper sind und wenn ich in der Zeit Alkohol trinke, habe ich in der Zeit eine Fertigungsphase.
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eine viel höhere Alkoholtoleranz. Und wenn man diese Substanzen gleichzeitig einnimmt, dann hat man diese Toleranz E. Das heißt, mit einer Kreuztoleranz kann man eigentlich eine Suchtverlagerung nicht erklären, es sei denn, man nimmt die Substanzen gleichzeitig ein oder im gleichen Zeitraum, dass sich sozusagen eine Abhängigkeit schneller bildet durch die Abhängigkeit einer anderen Substanz. Aber ich würde persönlich schon sagen, dass eines
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Suchtverlagerung rein aufgrund der Wirkung und wie diese Substanzen wirken innerhalb dieser Substanzgruppe rein aus psychologischer Ebene sich schneller einfahren kann, als wenn man auf eine andere Substanzgruppe geht. Aber da kommen wir jetzt auch gleich zu den nächsten Überlegungen und zwar, was kann man eigentlich psychologisch oder auf verhaltenstherapeutische Perspektive zur Suchtverlagerung sagen? Musik
16:07
Wenn wir nun über die verhaltenstherapeutische Ebene reden, möchte ich an dieser Stelle echt auch transparent mit euch sein, weil ich in meiner Ausbildung habe, ja zur Suchtverlagerung tatsächlich nicht viel mehr gelernt, als wenn man es halt mal richtig hart runter bricht zu einmal süchtig, immer süchtig. Also das hört sich jetzt vielleicht echt kacke an, aber im Prinzip ist das ja auch diese abstinenzorientierte Haltung an dem Punkt, dass sozusagen die Abstinenz wie so ein rohes Ei getragen werden muss und da darf überhaupt nichts
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Und an dem Punkt, wo ich über andere Substanzen anders als mit der Abstinenz argumentiere, dann verlasse ich ja sozusagen schon dieses ganze Konstrukt.
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Damit möchte ich euch aber natürlich nicht abspeisen, sondern habe mir natürlich meine eigenen Überlegungen dazu gemacht. Über die klassische Konditionierung und die überrannte Konditionierung setzt sich bei uns in unserem Leben, in unserem Gehirn, in unserem Tun der Konsum an sich fest. Das ist so ein bisschen die Theorie, die man dem Ganzen unter anderem zugrunde liegt. Klassische Konditionierung bedeutet, dass ich sozusagen immer in einer Situation oder
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in einem Raum, in einem was auch immer konsumiere. Damit verbinde ich das mit dem Konsum. Und die operande Konditionierung ist einfach gesagt eben, dass ich daraus einen positiven Effekt rausziehe und dadurch den Konsum wiederhole. Was bedeutet das? In einer sozialen Situation fühle ich mich total unwohl. Ich mag das nicht. Fremde Leute, richtig schwierig. Und dann trinke ich Alkohol.
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Alkohol, zwei, drei Gläser vielleicht und dann fühle ich mich viel entspannter, es ist viel leichter. Ich kann viel leichter in dieser sozialen Situation agieren. Ich habe ein positives Outcome. Ich fühle mich wohler in der sozialen Situation. Und als klassische Konditionierung, wenn ich das immer und immer und immer wieder mache, bedeutet im Prinzip, dass selbst wenn ich aufhöre zu konsumieren, in so sozialen Situationen, wenn ich mich unwohl fühle,
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der Drang wieder zu konsumieren deutlich größer ist, weil ich mir das sozusagen ordentlich eintrainiert habe. Und ich habe eben auch noch diese positive Erwartung im Sinne von, naja und wenn ich halt trinke, dann wird das alles viel einfacher, dann bin ich vielleicht nicht mehr so introvertiert. Das ist damit gemeint.
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Wenn ich davon ausgehe und in solcher Situation einfach die Substanz ersetze, weil ich immer noch nicht weiß, wie ich in solchen Situationen umgehen kann, also nüchtern mit umgehen kann, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass eine Suchtverlagerung deutlich wahrscheinlicher ist. Weil mich locker in sozialen Situationen zu fühlen, das kann ich mit mehreren Substanzen. Das muss nicht Alkohol sein, das kann Speed sein, das kann Kokain sein. Es gibt durchaus viele gesellschaftsfähige Substanzen, die mir diese Situation erleichtern werden.
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Also damit ist ja sozusagen die Lösung meines Problems, also die soziale Situation einfach nur eine andere Substanz. Und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, auch wenn es die Forschungslage nicht hergibt, dass es sich sozusagen auch auf Dauer echt erschwert, da eben kein Ausweichverhalten zu finden oder dass es auf jeden Fall Arbeit ist, das zu festigen.
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Das stützt eine andere Theorie, die wir auch schon im Suchgedächtnis haben und das ist diese Dual Process Theorie. Diese besagt, bezogen auf den Substanzkonsum, dass wenn wir eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt haben, dass das unser automatisiertes Verhalten ist. Und ich vergleiche bei automatisiertem Verhalten das immer am liebsten mit dem Autofahren, weil ich glaube, das ist für die Autofahrer und Autofahrerinnen unter uns das am leichtesten zu verstehen. Das ist ein Verhalten, wo ich überhaupt nicht mehr drüber nachdenken muss.
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Und dem gegenüber steht eben die Abstinenz, das Nicht-Konsumieren. Und das ist eben kein automatisiertes Verhalten, sondern es braucht eine gewisse Anstrengung, damit ich das überhaupt aufrechterhalten kann. Und wenn man jetzt sozusagen den Substanzkonsum als automatisiertes Verhalten sieht, für viele, viele verschiedene Situationen, ist halt eben da der Punkt, dass das eben auch substanzmäßig auswechselbar sein kann. Also, dass man wie schon bei der
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ja, wie schon bei dem Konditionierung, wie ich erklärt habe, dass es da egal ist, welche Substanz man hat, dass man halt immer wieder sozusagen in diese Muster reinfallen kann, wenn man sie eben auch für das Gleiche nutzt, wenn man das so möchte. Was mich an der ganzen Sache etwas stört oder was mich sehr oft daran stört, ist sozusagen, dass es da immer davon ausgeht,
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Also dass die Suchtverlagerungen oder diese Theorien davon ausgehen, dass man eben nichts anderes gelernt haben. Aber, um es mal hart zu sagen, dafür geht man ja auch in die Psychotherapie, um genau eben auf dieser Stelle ein anderes Verhalten zu lernen, anders damit umgehen zu lernen. Und damit kommen wir jetzt ein bisschen zur Zusammenfassung, was so meine weiteren Gedanken dazu sind. Musik
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An sich ist für mich das größte Learning, was ich so aus der Auseinandersetzung mit rausgenommen habe, ist, dass ich das schon nachvollziehen kann, woher die Argumentation kommt. Und zwar eben genau dieses, naja, wenn du es schon mal nicht geschafft hast, in verschiedenen Situationen nicht ohne Substanzen klarzukommen und du in die gleichen Situationen jetzt eine andere Substanz setzt, kann eben die Gefahr entstehen, dass man eben eine erneute Abhängigkeitserkrankung oder, wenn man es halt so möchte, eine Suchtverlagerung macht.
21:17
Aber das ist eben der Punkt. Die abstinenzorientierte Psychotherapie hat überhaupt nichts mit Konsumkompetenztraining zu tun. Das ist kein Thema und es ist auch immer so die Frage, inwieweit sollte es ein abstinenzorientiertes Thema sein, weil die hat natürlich ein anderes Ziel, aber man lernt den Umgang mit Substanzen nicht. Es ist die Aussage, lass es komplett sein, damit fährst du am sichersten und fertig. Ist abstinenzorientiert.
21:45
Solange es klappt, vielleicht auch das effektivste, wenn man so möchte, aber es trifft halt voll selten die Realität von vielen Klienten und Klientinnen, beziehungsweise macht es zum Beispiel Menschen, die dann doch mal was anderes probieren oder doch mal schauen, kann das eben auch dazu führen, dass man da überhaupt keinen Blick drauf hat. Dementsprechend
22:07
fand ich eben die KISS-Studie so extremst interessant, weil das ist ja ein Programm, das einem beibringt, kontrolliert zu konsumieren und einen Konsumumgang zu finden. Und dass es da eben nicht zu Suchtverlagerung kommt, weist ja darauf hin, dass wenn man das beibringt und wenn man das mitgibt, dass es durchaus einen Einfluss hat, eben keine Suchtverlagerung zu entwickeln. Und ja,
22:28
dieser Aspekt wird halt in dem Grundkonstrukt von Suchtverlagerung überhaupt nicht erst mit einbezogen. Hier ergibt sich für mich eigentlich nur ein erheblicher, erheblicher Forschungsbedarf, weil erstmal im ersten Schritt müssten wir wissen, was ist eigentlich Suchtverlagerung? Also wie oft passiert das? Zu welchen Substanzen passiert es? Passiert das vor allem in diesen Gruppensystemen?
22:48
der Kreuztoleranzen, die ich vorher aufgezählt habe, gibt es eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Suchtverlagerung, je länger man abstinent ist. Also es kann ja auch sein, das wird ja auch nicht angeschaut, dass Menschen, keine Ahnung, eine abstinenzorientierte Therapie gemacht haben, zehn Jahre abstinent sind und dann wieder irgendwas
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anfangen zu konsumieren, aber keine Abhängigkeitserkrankung entwickeln. Und ob das vielleicht, je nachdem wie lange man abstinent war, eine andere Auswirkung hat. Das wäre ja alles interessant, weil wenn wir uns jetzt das Psychologische anschauen, was ich vorhin erklärt habe, umso länger man abstinent ist, umso mehr übt man ja ein anderes Verhalten in seinen Problemsituationen ein. Das heißt ja auch, oder das wäre für mich irgendwo logisch, dass sozusagen dieses automatisierte Verhalten immer schwächer wird und
23:35
Oder auch diese Konditionierung einfach durch andere Lernerfahrungen ersetzt wird oder die eben Hand in Hand stehen können. Und das muss ja irgendwo auch einen Einfluss haben, meiner Meinung nach. Ein anderer Aspekt wäre auch zu überlegen, Punkt Abstinenztraining. Also zum Beispiel bleiben wir bei diesen sozialen Situationen, dass sozusagen ein Klient auch die Therapie dafür nutzt. Okay, ich trinke nie wieder in sozialen Situationen, weil das kriege ich nicht hin. Aber…
24:00
wenn ich das sozusagen für mich ausmache, dass wenn ich mit meinem Partner auf dem Balkon ein Glas Wein trinke, das ist kein Problem. Das wäre ja alles interessant mal anzugucken, ob das funktioniert. Und ich will hier an keinem Punkt, bitte nicht falsch verstehen, jetzt hat Menschen ermutigen sozusagen ihre Abstinenz über Bord zu werfen. Hier geht es mir einzig und allein darum auch aufzuweisen, dass es ja sehr viele spannende Punkte gibt, wo man mal hinschauen könnte, wo man sicher weiß,
24:25
wahnsinnig viele interessante Aspekte auch für sich erkennen könnte. Und im Rahmen eines H-Minimization-Ansatzes kann man sich auch überlegen, da ist ja eine Suchtverlagerung erstmal nicht schlecht, wenn man es mal so sagt, weil wenn man von einer Substanz, die schädlicher für einen ist, zu einer weniger schädlichen Substanz umsteigt, dann ist es doch erstmal ein Gewinn, wenn man eben einen H-Minimization-Ansatz fährt. Und da ist vielleicht auch das Thema Suchtverlagerung wichtig,
24:51
beziehungsweise der Begriff Suchtverlagerung nicht das Richtige, sondern eher das Umsteigen auf eine geringere schädliche Substanz. Und das ist für mich, wäre aus einem Haben in den MySation-Brille, erstmal ein positiver Schritt für die eigene Gesundheit. Vielleicht noch abschließend, wie ich das im suchttherapeutischen Setting handhabe mit dem Thema Suchtverlagerung, weil es ist auch vor allem auf dieser Verhaltensebene ein ziemlich großes Thema in der Suchttherapie.
25:20
Und mich hat jemand auf Instagram gefragt, ob man das erstmal in Kauf nehmen sollte, von stoffgebunden auf nicht stoffgebunden eine Suchtverlagerung hinzulegen, mit dem Beispiel Sport. Kann ich mir ohne therapeutische Hilfe, stelle ich mir viele Szenarien vor, wo das auf jeden Fall ein guter Schritt wäre, muss ich ganz ehrlich sagen. Im therapeutischen Setting bin ich da deutlich strenger, weil
25:43
Weil im Prinzip ist es ja auch meine Aufgabe als Suchttherapeutin, meine Klientin darauf hinzuweisen und mit ihm zu erarbeiten, ohne exzessives Ersatzverhalten zum Ziel zu kommen. Und das können ganz viele Themen sein. Da kann Thema sein…
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Irgendwie dauernd sich in jemanden verlieben. Es kann Thema sein, sich dauernd zu tätowieren. Es kann Thema sein, dauernd zum Sport zu gehen. Es kann Thema sein, dauernd richtig viel zu arbeiten und keinen Punkt zu finden. Das alles sind Themen, wo ich sehr drauf schaue, warum, wieso, weshalb und was ist der richtige Methodus.
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Also da bin ich im therapeutischen Setting sehr viel strenger und sehr viel genauer, einfach weil es ganz genau darum geht, da neue Verhaltensweisen, die für einen selbst förderlich sind und keine Ersatzverhaltensweisen oder Ausweichverhaltensweisen zu fördern. Alles, was außerhalb des therapeutischen Settings geht, gilt für mich eigentlich immer, was ist weniger schädlich für einen selbst. Und danach kann man ja erstmal für sich agieren.
26:43
An sich ist abschließend einfach nur zu sagen, dass wir bei einer Suchtverlagerung wieder was haben, worüber wir wenig wissen, wenig über die Dynamik, wenig über die verschiedenen Substanzen, wenig über besondere Gefährdungen oder ähnliches. Ich persönlich würde sagen, die Gefährdung ist dann besonders hoch, wenn der erneute Konsum unachtsam, nicht bedacht, aus Versehen entsteht, wenn er wieder darüber geht, irgendwas zu unterdrücken, gleiche Situationen einfach zuzulassen.
27:10
neu mit anderen Substanzen zu lösen. Also einfach, wenn sich das Muster nicht verändert, aber der Substanzkonsum verändert. Und das ist so ein bisschen der Punkt, wo ich finde, wo die Gefährdung dann besonders hoch ist. Aber grundlegend ist einfach, ja, der Hauptaspekt, dass wir wirklich sehr wenig dazu geforscht haben und ich an dieser Stelle leider mal wieder sehr enttäuscht wurde.
27:32
weil ich mir da ein bisschen mehr erhofft habe. Aber danke, dass ihr wieder mit dabei wart heute. Ich hoffe, ihr seid ein bisschen aufgeklärt als vorher, auch wenn es halt wirklich zu dem Thema nicht so viel zu sagen gab. Aber wir hören uns in zwei Wochen wieder und da gibt es eine besondere Weihnachtsfolge, über die ich mich schon sehr, sehr, sehr, sehr freue. Ich bin total gespannt, wie die läuft. Und bis dann, macht’s gut!
28:00
Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stefanie Bötsch.
