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Shisha (Wasserpfeife, Hookah)

Shisha-Rauchen wird häufig als mildere Form des Tabakkonsums wahrgenommen, auch weil der Rauch durch Wasser geleitet wird und dadurch weniger schädlich erscheinen kann. Tatsächlich kühlt das Wasser den Rauch vor allem ab, während viele gesundheitsschädliche Stoffe weiterhin eingeatmet werden. Durch die langen und tiefen Züge kann dabei eine große Rauchmenge aufgenommen werden, und auch das Abhängigkeitspotenzial bleibt relevant, weil Shisha-Tabak Nikotin enthält. Hinzu kommen Risiken durch Passivrauch und Kohlenmonoxid, besonders in schlecht belüfteten Räumen.

Im Gespräch mit Carsten Wirth, Referent für Suchtprävention beim Verein für Arbeits- und Erziehungshilfe, geht es darum, welche Mythen sich rund um Wasserpfeifen halten und wie Jugendliche ihren Konsum einschätzen. Die Folge spricht über Gruppendynamik, die Verbreitung von Shisha-Rauchen unter jungen Menschen und darüber, warum klassische Abschreckung in der Prävention oft zu kurz greift. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Risiken so vermittelt werden können, dass sie weder verharmlost noch überzeichnet werden. Deutlich wird: Entscheidend ist nicht nur, wie schädlich eine einzelne Konsumsituation ist, sondern auch, welche Rolle Shisha im Alltag übernimmt und ob sie zu einer von mehreren Möglichkeiten wird, mit Stress, Langeweile oder sozialen Situationen umzugehen.


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Shisha (Wasserpfeife, Hookah)

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PODCAST-METADATEN
Folge: 23
Erscheinungsdatum: 20.05.2021
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Shisha (Wasserpfeife, Hookah)
Sprecher: Stefanie Bötsch, Carsten Wirth
Typ: Transkript

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00:11

Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Steffi. Zieht’s euch rein.

00:22

Ja, hallo und willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Ich bin heute mal nicht in meinem Kleiderschrank, sondern beim VAE, dem Verein für Arbeits- und Erziehungshilfe. Hier bin ich eingeladen worden, um mit Carsten Wirth über Shisha-Wasserpfeifen zu reden. Hier ist die Fachstelle der Prävention,

00:42

und Carsten ist Referent für Suchtprävention, macht hier ja was zu Drogensucht und Prävention im Allgemeinen zum Thema Abhängigkeit und hat so seine speziellen Themen in Alkohol, Cannabis und auch E-Produkte. Hallo Carsten, schön, dass du heute da bist.

00:58

Hallo, schön, dass ich da sein darf.

01:00

Ja, richtig spannendes Thema hast du. So, wenn ich das richtig verstanden habe, ist ja deine Hauptarbeit auch, in die Schulen zu gehen und mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen über Wasserpfeifen, Shisha und Tabakprodukte zu reden, unter anderem.

01:14

Genau, also wir gehen als Fachstelle Prävention an Schulen, werden angefragt von Lehrern oder Beratungslehrkräften und werden nach unterschiedlichen Themen gefragt, und Tabak oder Shisha ist eben eins davon.

01:27

Ja, fangen wir vielleicht erstmal ganz grundlegend an: Was ist eigentlich eine Shisha? Bei uns hieß es damals noch WAPF, aber ich glaube, das ist so die dörflichste, deutscheste Abkürzung für Shisha. Von was reden wir da eigentlich, wenn wir von einer Shisha reden?

01:42

Genau, eine Shisha ist eine Wasserpfeife, und im Prinzip wird mit der Wasserpfeife oder der Shisha Tabak konsumiert. Und man kann sich das eigentlich so in vier Bauteilen vorstellen, eine Shisha. Einmal wie eine bauchige Vase eigentlich mit Wasser, wo auch Blumen reinkommen.

02:01

Das ist die Bowl, so sieht das aus. Und statt den Blumen ist aber oben drauf die Rauchsäule. Da werde ich gleich was zu sagen, und die Rauchsäule ist die Verbindung zwischen der Bowl und dem Kopf. Und in den Kopf kommt eben der Tabak, der Shisha-Tabak, und letztendlich auch die Kohle. Und über den vierten Bestandteil,

02:22

nämlich den Schlauch, zieht man sozusagen den Rauch und damit den Tabak in den Körper ein.

02:32

Wenn man über den Schlauch ja den Tabak einzieht, dann geht es ja wahrscheinlich über die Bowl, wo Wasser drin ist. Da gibt es ja, glaube ich, viele Mythen drum, wie gut das filtert. Wie gut filtert Wasser den Rauch?

02:44

Genau, vielleicht, ich komme gleich dazu, vielleicht noch davor. Genau, wenn man am Mundstück des Schlauchs zieht, entsteht ein Unterdruck, und dementsprechend wird der Tabak, der oben im Kopf ist, erhitzt durch die Kohle, die oben drauf liegt, und dadurch entsteht eben diese Rauchentwicklung.

03:04

Und ich hatte eben schon die Rauchsäule angesprochen. Die Rauchsäule ist so vielleicht 15 Zentimeter lang und hat als Sinn, den Rauch abzukühlen. Und da kommen wir zum Wasser, der hat nämlich genau denähnlichen Sinn. Der kühlt den Rauch ab und filtert so gut wie gar nichts. Also es ist ein starker Mythos,

03:23

dem wir in oder den ich in meiner Arbeit auch immer wieder begegne. Letztendlich filtert er zwar ein paar wasserlösliche Stoffe, aber die Hauptsubstanzen, die auch gesundheitsschädlich sind, die werden eben nicht gefiltert, sondern im Gegenteil, das Wasser kühlt den Rauch ab, sodass ich noch mehr Rauch einnehmen kann.

03:45

Also kurz, es macht es einfach viel leichter, viel mehr zu rauchen und so viel, viel mehr Nikotin auch und alles andere mit aufzunehmen.

03:52

Genau, im Prinzip entsteht eine größere Rauchentwicklung. Ich kann noch tiefer einziehen. Wenn man sich vorstellt, wie eine Zigarette geraucht wird, dann geht das relativ schnell, also in unter einer Sekunde ist der Zug. Und bei einer Shisha zieht man vielleicht drei Sekunden, und dementsprechend kann der Rauch tiefer in die Lunge gelangen.

04:11

Man hört ja des Öfteren Aussagen wie: „Ein Shisha-Kopf, ein gerauchter Kopf ist ungefähr so viel wie zehn Zigaretten.“ Dann habe ich aber auch schon gehört, ist so viel wie eine Packung Zigaretten. Also gefühlt habe ich schon hunderttausend Angaben dafür gehört, wie man das vergleichen kann. Kann man die Schädlichkeit so umrechnen? Geht das überhaupt?

04:32

Ja, ganz klar geht das nicht, aber man kann das messen am Cotinin. Das ist ein Abbauprodukt von Nikotin, und man kann das miteinander vergleichen. Und tatsächlich ist es so, dass wenn man einen Kopf Shisha raucht, kann man grob sagen, muss man dazu, dann ist der Cotininausstoß so groß,

04:53

wie wenn man zehn Zigaretten raucht. Dann kommt es aber nochmal drauf an, wie häufig raucht man eine Shisha, wie intensiv raucht man sie allein oder zusammen. Aber so als Richtwert sind es zehn Zigaretten, kann man sagen.

05:07

Wie hoch schätzt du denn das Abhängigkeitspotenzial von Wasserpfeifen ein?

05:14

Es ist unterschiedlich. Also es kommt auf die Menge an, tatsächlich, die man raucht, ob man gelegentlich raucht, vielleicht einmal im Monat, oder das eben einmal täglich raucht. Letztendlich ist Shisha-Tabak derselbe Tabak, der auch in Zigaretten vorkommt, mit dem Unterschied, dass der eben feucht gemacht wird und mit Aromen eben bestückt wird,

05:36

sodass er geschmackvoller ist. Aber genauso wie von Zigaretten kann man auch von Shisha-Rauchen abhängig werden, weil man eben Nikotin zu sich nimmt.

05:48

Du hast ja gerade gesagt, dass der Tabak schön feucht gehalten werden muss, und da gibt es ja Zusätze wie zum Beispiel die Molasse. Was ist genau Molasse? Und ja, wie ist diese zu bewerten?

06:04

Molasse ist ein zäher Sirup, der meist aus Zuckerrohr gewonnen wird, der eben wo der Tabak drin eingelegt wird, und der sorgt für das Rauchverhalten. Also je feuchter der Tabak ist, desto mehr Rauch entwickelt sich eben. Und je mehr Rauch sich entwickelt, desto mehr Rauch atmet man auch ein, und desto tiefer kommt er in die Lunge.

06:26

Von daher ist da natürlich eine Gefährdungsbeurteilung ganz klarersichtlich. Und je mehr Rauch sich entwickelt, also je feuchter der Tabak ist, desto gefährlicher ist es, weil man es viel intensiver zu sich nimmt und konsumiert.

06:38

Jetzt hatten wir ja eine Einschätzung, wie das Schadenspotenzial zu bewerten ist für die konsumierende Person. In der letzten Folge haben wir sehr viel übers Passivrauchen geredet. Wie ist denn der Passivrauch von der Wasserpfeife zu bewerten?

06:55

Genau, also kurzfristige Folgen können Hustenanfälle oder Kopfschmerzen oder Kurzatmigkeit sein. Wenn man langfristig denken will, dann Atemwegserkrankungen, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das sind Folgen, die man anhand der Passivbelastung eben messen kann. Wir hatten vorhin darüber gesprochen,

07:16

der Vergleich zwischen Shisha-Rauchen und Zigarettenrauchen, wie ist das eigentlich zu sehen? Das kann man natürlich beim Passivrauchen auch machen, oder könnte man machen, aber da ist sich die Forschung nicht so ganz einig. Also da muss noch ein bisschen irgendwie nachgeschaut werden und geforscht werden. Aktuell ist davon auszugehen,

07:35

dass die Belastung mindestens gleich hoch ist beim Shisha-Rauchen wie auch beim Zigarettenrauchen. Nichtsdestotrotz, es wird mehr Rauch ausgeblasen, mehr Kohlenmonoxid. Und was man eben schon festgestellt hat, ist, dass in verschiedenen Shisha-Bars eben zu Kohlenmonoxid-Vergiftungen gekommen ist,

07:55

sodass man, wenn man denn in solche Lokalitäten geht, immer schaut, dass es eine gute Belüftung gibt. Und bei Anzeichen von Kopfschmerzen oder so sollte man sich überlegen, ob man nicht an die frische Luft geht. Genau.

08:09

Der Vorteil, den halt die Shisha hat, im Gegensatz zur Zigarette, was ich mir denken kann, ist halt mehr auf Räumlichkeiten begrenzt. Also mit meiner Shisha gehe ich nicht durch einen Club und rauche. Nicht zwangsweise jetzt ein Tanzclub. Man hat die Shisha-Bars, und ich denke auch im Rahmen der Abhängigkeitsentwicklung, es ist halt wirklich nichts, was man wie bei einer Zigarette sofort zurückgreifen kann, oder?

08:30

Das ist ja eher ein Schutzfaktor schon, wie eine Wasserpfeife an sich aufgebaut ist und die Konsumart der Wasserpfeife aufgebaut ist, dass es nicht so schnell in irgendwelche Sachen eskalieren kann.

08:42

Das ist richtig, wobei ich persönlich ein bisschen die Gefahr auch sehe, dass es eben was sehr Gruppendynamisches ist. Das heißt, wenn man hier, wir sitzen ja in Frankfurt, am Main entlangläuft bei einem sonnigen Tag, wird man immer wieder der Shisha am Main begegnen. Und da sitzen, da hast du recht, wenige Leute alleine,

09:01

aber eben Gruppen, die gemeinsam eben rauchen und konsumieren. Es gibt aber auch immer wieder Erzählungen von Schülerinnen in unserem Fall, die während dem PlayStation-Zocken sich selbst zu Hause eine Shisha anmachen und eben alleine rauchen. Und da ist schon davon auszugehen, oder das sind die Erfahrungen und Erzählungen,

09:21

die wir eben mitkriegen oder die ich mitkriege, dass es anfing in der Gruppe und dann eben sich vermehrt hat und dann eben nach Hause getragen wurde, auch alleine.

09:31

Also dass der Individualkonsum durchaus dann übergeschwappt ist von der Gruppendynamik.

09:36

Genau.

09:36

Wie verbreitet ist denn das Shisha-Rauchen überhaupt? Ist das noch so ein Ding, oder reden wir hier von Einzelfällen?

09:43

Ja, also es gibt in Frankfurt die Mossad-Studie. Die Mossad-Studie, die überprüft die 15 bis 18-jährigen Schülerinnen und Schüler zu ihrem Drogenkonsum und fragt da jährlich nach. Und 2019 haben angegeben, 45 Prozent aller 15 bis 18-jährigen Schülerinnen und Schüler,

10:04

dass sie schon mal in ihrem Leben Shisha geraucht haben. Das heißt, im Prinzip jede Zweite, jeder Zweite. Genau. Man muss aber auch sagen, dass dadurch, dass die Mossad-Studie jährlich abfragt, hat man einen ganz guten Vergleichswert. Und 2014, also fünf Jahre vor der letzten Messung,

10:25

war der Wert noch bei knapp zwei Drittel aller Befragten. Das heißt, der Konsum geht nach unten.

10:34

Ich habe in einem Gespräch mit dem Herrn Stüver gelernt, dass E-Zigaretten und E-Shishas kein Synonym sind. Die Frage wollte ich gleich an dich weiterspielen. Was ist denn bitte der Unterschied zwischen einer E-Zigarette und einer E-Shisha?

10:51

Genau, vielleicht sagt man dazu erstmal, dass es die Unterscheidung gibt in dem Produkt oder in den Produkten. Jetzt bei der Mossad-Studie aber zum Beispiel werden die zwei Kategorien zusammengezählt, weil die Unterscheidung recht schwer ist und teilweise verschwimmt. E-Shishas im Klassischen waren Wegwerfprodukte,

11:11

also einmal konnte man sie benutzen und danach wegwerfen. Das Mundstück ist eher auch dem der richtigen Shisha vergleichbar. Und E-Shishas sind selten mit Nikotin. Andersrum aber sind E-Zigaretten,

11:32

kann man auch ohne Nikotin rauchen. Man kann sich verschiedene Liquids reinmachen mit verschiedenen Aromen. Von daher merkt man schon in meiner Erklärung, dass das so ein bisschen verschwimmt. Und deswegen zumindest bei der Mossad-Studie oder aber auch bei mir, wenn ich in Unterrichten bin, dass eigentlich als ein Thema verwendet wird.

11:49

Das heißt aber auch, wenn ich das richtig verstanden habe, ist einer der Merkmale von E-Shishas, dass sie im Prinzip nicht individuell befüllbar sind, oder kann man das nicht so pauschal sagen?

12:00

Die würden dann in verschiedenen Geschmacksrichtungen verkauft werden.

12:03

Also die kommen sozusagen als fertig rauchbares Produkt und nicht irgendwie mit einem Pot, den ich selbst auffüllen kann als Konsument?

12:10

Genau. Also es gibt ja auch bei E-Zigaretten unterschiedliche Möglichkeiten. Es gibt ja E-Zigaretten, wo man sich sein Liquid sozusagen selbst zusammenmischt, auch in den Geschmacksrichtungen, die man mag. Oder es gibt Potsysteme wie Juul beispielsweise oder MyPlu, wo man sich schon fertig gemischte Liquids kauft und die sozusagen in seine E-Zigarette reinstöpselt.

12:31

Undähnlich wäre das dann bei E-Shishas, dass man im Prinzip sich ein fertiges Produkt mit einer fertigen Mischung an Aroma kauft.

12:39

Okay, jetzt habe ich es auch verstanden. Dankeschön.

12:45

Kommen wir wieder zurück zur Wasserpfeife oder zur Shisha. Das ist ja das zentrale Thema. Und eine Shisha ist ja jetzt kein deutsches Kulturprodukt, sondern kommt woanders her. Vielleicht magst du ein bisschen erzählen, aus welchen Kulturen die Shisha kommt, in welchen Kulturen sie verankert ist und wie sie sich in Deutschland etabliert hat.

13:08

Genau. Die Shisha kommt, so wie wir sie kennen, aus Indien und den arabischen Ländern. Das ist nicht so ganz klar, tatsächlich. Und etabliert hat sie sich in Deutschland so um die Jahrtausendwende. Ich bin Mitte 30, ich bin damit aufgewachsen, muss man sagen, in meinem Jugendalter. Ich möchte behaupten,

13:28

dass Menschen, die 50 sind, da noch nicht so viel mitbekommen haben. Genau, man kann sagen, Mitte der Jahrtausendwende hat sich etabliert und ist eben bei uns in Deutschland angekommen.

13:41

Ja, ich bin auch damit recht aufgewachsen. Bei uns war das ein großes Thema. Ich habe ja in Lateinamerika eine Zeit lang gelebt, die fanden das mega schräg. Also überhaupt, dass das konsumiert wird, das fand ich ganz spannend, weil für mich war das dann damals auch schon ein recht normales Produkt, das irgendwie jeder hatte oder jeder mindestens mal konsumiert hatte damals.

14:01

Und wenn man dann aber noch ein bisschen weiter auf der Weltkugel spaziert, ist es dann plötzlich nicht mehr so viel Thema.

14:08

Genau. Und wie der Konsum hier in Deutschland ist, das ist ein bisschen schwierig zu bewerten, tatsächlich, weil wo fangen kulturelle Wurzeln an, in welcher Generation?

14:22

Letztendlich sieht man, das hatte ich ja eben schon gesagt an der Mossad-Studie, dass ungefähr jede zweite Schülerin und Schüler zwischen 15 und 18 Jahren schon mal an der Shisha gezogen hat. Und dementsprechend gibt es da keinen speziellen Trend. Was man sicherlich aber sagen kann, das waren allerdings, muss ich dazu sagen, Einzelanfragen,

14:42

dass wir auch schon von Schülerinnen und Schülern aus der Grundschule gehört hatten, die mal an der Shisha gezogen haben. Und da kann man dann schon das eher auch auf arabische Wurzeln zurückführen, weil das eben in der Kultur gewachsen ist. Es ist so ein bisschen wie in Deutschland gab es ja mal auch die Unsitte, dass Kinder am Bierschaum nippen durften oder den wegtrinken durften.

15:04

Das lag auch daran, dass eben Alkohol ja in gewisser Weise Kulturgut war.

15:09

Und da ist halt eben gerade der Punkt, sodass man sagt: „So hey, zieh doch mal an der Shisha, ist ja nicht so wild.“ Und dass da so ein bisschen die grundlegende Aufklärung fehlt oder einfach kann man das so vergleichen, wie du schon sagst, mit der Unsitte oder dieses Nipp mal am Bier oder du darfst ein bisschen Schaum trinken an sehr kleinen Kindern und dass das gar nicht tiefer hinterfragt wurde.

15:26

Das ist zumindest in diesen Einzelfällen der Fall gewesen. Ich will das gar nicht verallgemeinern, also das ist mir auch nochmal wichtig klarzustellen. Aber es gibt es auf jeden Fall tatsächlich, dass da so ein unbedarfter Zugang ist. Gleichzeitig hatte ich mich auch in Vorbereitung auf das Gespräch nochmal mit einem jungen Mann aus Syrien unterhalten und hatte ihn gefragt,

15:48

wie Prävention eigentlich in Syrien aussieht. Und er hatte da ganz klar auch nochmal gesagt, dass auch Sozialpädagoginnen da Prävention betreiben und eben über die Wasserpfeife sprechen und dass es eben schädlich ist. Genau.

16:04

Werbung.

16:08

Dein Schwerpunkt ist ja jetzt hauptsächlich in die Schulen zu gehen und über Shishas zu reden. Magst du vielleicht mal einen Einblick geben, wie das ganz praktisch aussieht?

16:19

Gerne. Also vielleicht fängt man einfach erstmal ganz grob an. Wir kriegen Anfragen von Lehrern oder Beratungskräften, die aus welchen Gründen auch immer uns anfragen für Themen.

16:32

Oftmals, weil sie mitkriegen, dass Konsum schon stattgefunden hat, oftmals aber auch einfach ganz präventiv gedacht.

16:42

Und ich komme dann hin, in der Regel 90 Minuten dauert unser Workshop, und die Lehrkräfte verlassen den Klassenraum und ich biete den Jugendlichen die Möglichkeit, mich mit Fragen zu bewerfen. Das machen wir sehr methodisch oder ich mache das sehr methodisch.

17:02

Das heißt, wir fangen an, wir sprechen erstmal: „Was ist eigentlich Prävention? Warum bin ich eigentlich hier?“ Dann haben wir innerhalb der Fachstelle verschiedene Spiele entwickelt, wo es einfach so Fragen-Antworten-Spiele gibt.

17:15

Es gibt Würfel, wo die E-Zigarette, die Shisha und die Zigarette abgebildet sind und wir dazu Fragen beantworten. Und letztendlich geht es uns darum, dass Schülerinnen und Schüler am Ende die Wahrheit wissen.

17:36

Wir kommen nicht mit Schockbildern. Das ist keine Art der Prävention, die wir verfolgen, sondern es geht darum, dass irgendwann jede Schülerin und jeder Schüler vor der Entscheidung steht: „Willst du mal an der Shisha rauchen oder nicht? Willst du mal ziehen?“ Und sie sollen sich dafür entscheiden aufgrund von Fakten und nicht von Mythen, die sie irgendwann mal gehört haben.

17:59

Das hatten wir auch gerade vorhin schon. Selbst ich hatte ein paar Mythen am Start. Um Substanzen, um legale genauso wie über illegalisierte Substanzen ranken sich so viele Mythen. Das ist auch ein bisschen Grund der Podcast, wo es immer auch sehr wichtig ist, Menschen zu informieren, Entscheidungen überhaupt zu verhelfen. Das ist manchmal eine ganz schön große Aufgabe.

18:19

Ja, schon. Also wir hatten es ja eingangs mit dem Wasser. Wie viel filtert das Wasser eigentlich wirklich? Und das ist schon auch spannend, womit man konfrontiert wird. Auch wie viel Zigaretten sind denn, wenn ich einmal an der Shisha ziehe? Und da sind Zahlen von 200, 500.

18:40

Also es kommt immer darauf an, mit welchem Alter wir arbeiten. Oder genau, aber es ist schon einfach, es herrschen sehr viele Unklarheiten.

18:51

Hast du so neben den, wie viele Zigaretten in so einem Pot drin sind, noch andere Mythen, mit denen du mal konfrontiert wurdest, die erzählenswert sind?

19:01

Ja, also es sind dann, also das sind vor allem die Hauptdinger, die uns eigentlich oder mir immer wieder begegnen. Dann gibt es ja die Shisha, ich hatte sie ja vorhin nur in Grundaufbau erzählt. Es gibt dann auch noch einen Teller, wo man die Kohle abklopft und was es damit eben auf sich hat und wofür das alles gut wäre.

19:21

Oder es gibt so Zwischenstücke, die die Molasse auffangen, damit sie eben nicht in die Rauchsäule. Und dass das ja auch nochmal ein spezieller Filter wäre. Und wenn der als Totenkopf ist, dann ist der besonders effektiv, weil genau, das sind immer sehr individuelle, sehr kreative Anfragen.

19:42

Anfragen und was ich da vor allem auch raushole, immer mit der Idee der Schadensminimierung. Also zu sagen, naja, es ist nicht gar so schädlich und dass sozusagen viele Mythen sich darum ranken, dass der Konsum sozusagen weniger schädlich ist, obwohl wir hier eigentlich ein Produkt ohne Filter haben.

20:01

Und das finde ich ganz spannend, wenn man da mal drüber nachdenkt, wo ich dann auch frage, da hat ja die Tabakindustrie, das zieht sich ja auch durch die ganzen Zigaretten und so weiter, volle Arbeit geleistet, dass man immer versucht, das Rauchen per se vom Schaden herunterzuspielen. Oder glaubst du nicht, dass man das vergleichen kann?

20:18

Doch, das glaube ich schon.

20:20

Also es wird auch immer wieder, genau, es ist nochmal, fällt mir jetzt gerade ein Mythos beispielsweise auch, dass ich glaube, es ist mittlerweile verboten, ich bin mir ehrlicherweise nicht ganz sicher, aber dass immer auf einer Shisha-Verpackung stand: „Ohne Teer.“ Und Tabak ist aber per se ohne Teer.

20:40

Also Teer ist kein Inhaltsstoff von Tabak, sondern Teer entsteht bei der Verbrennung im Prinzip. Und man macht sozusagen Werbung und gaukelt was vor, was überhaupt nicht mehr der Wahrheit entspricht. Das ist ungefähr so, wie wenn ich sagen würde, ich habe hier ein Auto mit Benzin und das ist total umweltbewusst, weil ich fahre es nicht. Also die Schadstoffe entstehen ja durch den Verbrennungsmotor und so.

21:03

Und da wird schon auch was vorgegaukelt, was eigentlich überhaupt nicht der Wahrheit entspricht.

21:08

Das zieht sich wohl ziemlich durch die Industrie durch. Was sind denn so die größten Herausforderungen in deiner Arbeit?

21:17

Die größte Herausforderung, finde ich persönlich, ist so eine Mischung zu finden aus Nicht-Konsumierenden, nicht neugierig zu machen und schon mal Konsumierende nicht zu bestätigen. Also weil wir hatten das eben mit diesem Mythos, ein Einzug an der Shisha sind, sagen wir mal, 200 Zigaretten.

21:36

So, jetzt hatten wir vorhin ja gesagt, ein Kopf Shisha sind im Vergleich bei 10 Zigaretten. So, wenn ich, der Mythos ist ja sozusagen schlimmer als die Wirklichkeit. Und dann eben zu vermitteln, dass aber auch 10 Zigaretten, obwohl es jetzt nicht 200 sind, sehr schädlich und gerade auch im Jugendalter,

21:56

während der Körper sich nicht auch entwickelt, einfach Einflüsse hat. Da eben so eine Mischung zu finden, aufzuklären und gleichzeitig nicht zu verharmlosen, weil eben die Mythen oftmals sehr viel schlimmer sind als die Wahrheit, aber die Wahrheit ja trotzdem halt schlimm genug.

22:12

Wenn es Mythen gibt, die sind entweder sehr verharmlosend oder drehen völlig durch nach oben.

22:17

Genau. Und also was wir auch, wir sammeln natürlich Risiken, das ist natürlich auch irgendwie, dürfen die Jugendlichen sich darüber Gedanken machen. Da kommen ja auch die ganzen Grit-Arten und Bronchitis und bis zu Herzinfarkten und Durchblutungsstörungen, was ja auch alles richtig ist. Und dann gibt es natürlich nochmal soziale Risiken auch.

22:37

Also es kann ja auch Abgrenzung sein, dass es einfach jemand nicht so cool findet. Aber es ist natürlich auch ein Grund, kann auch Integration sein und Gruppendynamik. Und wir sammeln auch Gründe, warum man eigentlich anfängt, eine Shisha zu rauchen oder warum man die raucht. Und auch da muss man natürlich ganz sensibel mit den Jugendlichen darüber sprechen,

22:57

dass es natürlich Gründe sind, aber keine Gründe, die man verfolgen sollte.

23:00

Du hattest ja gerade auch noch gemeint, dass die Risiken zum Rauchen, sei es jetzt für Wasserpfeife oder auch für die Verbrennungszigarette, ja eigentlich recht klar sind den Jugendlichen. Aber was kommt, ist immer: „Ja, Krebs, Blutdruck, dies, das.“ Um ehrlich zu sagen, mich als Jugendliche wird das nicht jucken. Also es ist irgendwas,

23:20

was in 20, 30 Jahren passiert und es ist vielleicht blöd, aber das wird ja nicht morgen passieren. Weil es ist ja keine kurzfristige Konsequenz, sondern langfristige. Und vor allem, wenn man auf Jugendliche schaut und auch die Entwicklung, auch die Entwicklung des präfrontalen Kortex, wo es darum geht, sozusagen Langzeitfolgen abzuschätzen,

23:39

ist im Jugendalter ja noch gar nicht groß entwickelt. Das heißt, so ein bisschen über Krebs zu reden, ist ja eigentlich ganz praktisch, weil damit muss ich mich ja jetzt nicht sofort beschäftigen. Was sind denn da so kurzzeitige Nebenwirkungen, die für Jugendliche wirklich auch wichtig sind?

23:53

Also ich würde dem so ein bisschen widersprechen, tatsächlich. Weil, also ich gebe dir in allem recht, was du sagst, aber man muss die Dynamik unseres oder meiner Arbeit sehen. Und da ist oftmals eine Klasse und in der Klasse gibt es oftmals auch Personen, die sich öffnen und die von ihrem Umfeld erzählen. Und da kommt es sehr häufig vor,

24:13

dass gerade von rauchenden Eltern erzählt wird oder Verwandten und wie die erkrankt sind. Wobei ich aber auch sagen muss, es nimmt keinen großen Anteil an unserem Workshop, weil, wie du das auch sagst, es geht mehr darum, einfach den Jugendlichen das klar zu machen. Und wenn ich über Krebs rede, dann ist das für viele sehr abstrakt.

24:32

Aber es wird dadurch Thema, dass es oftmals eben Verwandte gibt, die die was erlebt haben oder Bekannte und das sozusagen in die Klasse getragen wird und dann auch darüber gesprochen wird.

24:44

Ah, okay, das macht natürlich Sinn. Die hatte ich da in die Rechnung nicht mit einbezogen. Und trotz allem nochmal auf die kurzfristigen Gründe gedacht, für was lohnt es sich kurzfristig für Jugendliche nicht anzufangen oder anzufangen?

24:57

Gut, also natürlich ist es einfach, worüber wir oft gehen, ist beispielsweise der Sport. Dass man eben sagt, die Lungenfunktion wird eingedämmt und wollt ihr nicht. Oftmals sind gerade bei den Jungs, sie wollen gerne Fußballer werden. So ist immer so ein Berufswunsch und da kann man eben das als Thema nehmen, darüber zu sprechen. Genau.

25:20

Und ich meine, das merkt man auch ziemlich schnell. Also wer mal geraucht hat, der wird merken, dass es sich ganz schön schnell gar nicht mal so gut mehr joggt.

25:28

Ja, genau.

25:29

Genau. Ja, ich glaube, wir sind ziemlich mit unseren Themen durch. Fällt dir noch was ein, was man unbedingt ansprechen sollte?

25:39

Ja, ich glaube, zum Thema Shisha war es das, was man oder was mir noch einfällt. Wir beenden unsere Workshops oftmals mit was Positivem, weil wir reden oft über Substanzen und was haben das eigentlich für Risiken. Jetzt bei Shisha und es geht ja aber darum, eben nicht abhängig zu werden in der. Und da gibt es zwei Modelle,

25:58

die wir machen und eins davon ist das Klaviermodell. Vielleicht ist das einfach auch ein ganz schöner Abschluss. Weil wir haben ja ganz viele negative Einflüsse, die auf unser Leben wirken. Und wir sind nicht immer mit was Positivem konfrontiert, sondern auch mit was Negativem. Und dann ist die Frage, welche Ressourcen können wir eigentlich anzapfen, damit es uns wieder besser geht.

26:19

Und man kann sich das vorstellen wie so eine Klaviatur, also am Klavier die Tasten und dass jede Taste steht für eine Möglichkeit, wie ich auf was Schlechtes reagiere. Das kann Sport sein, das kann mit Familie treffen sein, das kann Essen sein. Und das kann vielleicht auch mal ein Bier sein oder Alkohol oder eine Shisha rauchen. Oder es sind eben ganz viele Facetten.

26:39

Und diese ganze Klaviatur sind meine Möglichkeiten, wie ich auf was Schlechtes reagiere. Und jetzt kommt es darauf an, wie viele Tasten davon bespiele ich. Und wenn ich nur eine Taste bespiele, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich von dieser Taste abhängig werde, relativ groß. Also wenn ich auf alles reagiere mit Shisha rauchen,

26:58

dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich von Shisha rauchen abhängig werde, relativ groß. Und wichtig ist für unser aller Leben, ist eben, dass wir nicht nur die Klaviatur beschriftet haben, sondern dass wir eine ganze Reihe an Tasten haben, die wir bespielen, damit es eine Lebensmelodie gibt. Und mit dieser Lebensmelodie klingt dann eben unser Leben und dann ist es auch egal,

27:19

dass Tasten vielleicht auch eher mal schädlich sind, gesundheitsschädlich, wie es jetzt das Shisha rauchen ist. Aber solange das eben nur ein paar Mal bespielt wird, haben wir eine geringe Wahrscheinlichkeit, davon abhängig zu werden.

27:32

Und so vielleicht als Schlusssatz von mir müssen wir alle schauen, dass wir eine möglichst toll klingende Melodie zusammenkriegen in unserem Leben.

27:43

Das ist wirklich eine mega gute Metapher und auch ein wunderschönes Abschlusswort. Ich glaube, dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen. Carsten, danke, dass du heute da warst in meinem Podcast. Hat super viel Spaß gemacht und ja, bis zum nächsten Mal vielleicht.

27:59

Vielen Dank.

28:13

Das war psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Steffi.


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