Sexuelle Funktionsstörungen und Drogenkonsum

Sexuelle Funktionsstörungen können Lust, Erregung, Orgasmus oder Schmerzen beim Sex betreffen und entstehen meist nicht durch einen einzelnen Faktor. Psychische Belastungen, körperliche Voraussetzungen, Beziehungserfahrungen und Erwartungen können dabei ebenso eine Rolle spielen wie Substanzkonsum. Alkohol und andere psychoaktive Substanzen können sexuelle Hemmungen reduzieren oder bestimmte Empfindungen verstärken, gleichzeitig aber auch Erektionsprobleme, Orgasmusstörungen oder ein verändertes Körpergefühl begünstigen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Wirkung eine Substanz während des Sex hat, sondern auch, welche Funktion sie langfristig im eigenen Sexualleben übernimmt.
Die Folge erklärt verschiedene Formen sexueller Funktionsstörungen und zeigt, wie Substanzkonsum sowohl Auslöser als auch aufrechterhaltender Faktor sein kann. Wenn Alkohol oder andere Drogen beispielsweise genutzt werden, um Versagensängste, Scham oder Unsicherheit vor sexuellen Situationen zu dämpfen, kann daraus ein Kreislauf entstehen, in dem nüchterne Sexualität zunehmend schwieriger wird. Besonders relevant ist das für Menschen, die über lange Zeit fast ausschließlich unter Substanzeinfluss sexuelle Erfahrungen gemacht haben. Deutlich wird: Beim Ausstieg aus problematischem Konsum kann deshalb auch Sexualität neu gelernt werden müssen, etwa im Umgang mit Nähe, Leistungsdruck, Erregung und einem Körpergefühl, das nicht mehr durch Substanzen verändert wird.
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Sexuelle Funktionsstörungen und Drogenkonsum
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PODCAST-METADATEN
Folge: 33
Erscheinungsdatum: 04.11.202
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Sexuelle Funktionsstörungen und Drogenkonsum
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
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Transkript Beginn
00:11
Ja, herzlich willkommen an alle und willkommen bei einer neuen Folge Psychoaktiv-Podcast.
00:38
Ja, ich glaube, es ist echt schon Ewigkeiten her, dass ich mal wieder alleine eine Podcast-Folge aufspreche und ich freue mich da mega drüber. Ich habe ganz viel neue Technik und die muss ich jetzt auch erst mal lernen. Deswegen ist es auch ganz praktisch, dass ich jetzt erst mal wieder alleine in meinem Kleiderschrank sitze und mich ein bisschen mehr damit auseinandersetze. Bevor wir aber losstarten, möchte ich mich erst mal sehr, sehr, sehr stark bei allen bedanken.
01:03
Es ist für mich unglaublich, was die letzten Monaten passiert ist. Mein Podcast hat fast die doppelte Reichweite erlangt, also es ist einfach explodiert seit August. Es gibt so viele neue Hörerinnen und Hörer, die möchte ich erstmal alle hier begrüßen an dieser Stelle.
01:18
Und ich habe fast 5000 Spotify-Follower. Da bin ich mega dankbar für. Also der Podcast wächst die ganze Zeit und das macht mich wirklich sehr glücklich, dass das Thema so gut ankommt und dass sich so viele Menschen eben auch mit dem Thema beschäftigen. Also wirklich vielen Dank dafür. Und alle, die mir eben auch folgen oder auch Rezensionen auf Apple Podcast schreiben, danke, danke, danke.
01:43
Ich wurde in diesem Rahmen tatsächlich auch öfters gefragt, ob man mein Projekt ein bisschen unterstützen kann und ich habe da länger drüber nachgedacht und habe im Prinzip einen Unterstützungslink jetzt eingerichtet, den ich auch in die Shownotes verpacke. Schauen wir uns doch einfach mal das Thema von heute an. Und zwar geht es heute um sexuelle Funktionsstörungen und was zutrifft.
02:03
dieses Thema mit Substanzkonsum oder Abhängigkeitserkrankungen zu tun haben kann. Über das Thema habe ich erst Referat gehalten, deswegen fand ich das sehr, sehr naheliegend, das eben auch in den Podcast zu verarbeiten und euch an dem Thema teilhaben zu lassen. Denn es ist ein Thema, wo leider viel zu wenig drüber gesprochen wird und wo einfach drüber hinweg geschwiegen wird. Und das finde ich sehr tragisch oder auch sehr traurig und dementsprechend wollte ich in die Richtung erstmal mehr aufklären.
02:33
Ja, warum wird da so wenig drüber gesprochen? Das finde ich schon mal erstmal eine sehr spannende Frage, weil als ich mich damals an die Recherche gemacht habe für mein Referat, war ich erstmal erstaunt, wie extremst wenig es zu diesem Thema gibt.
02:47
Es fängt schon damit an, dass es in Deutschland kaum Studien gibt zu dem Sexualverhalten der Bürger und Bürgerinnen in Deutschland. Und das finde ich schon mal total crazy, weil in anderen europäischen Ländern ist das wirklich Standard und schon seit vielen Jahren, dass eben großflächige Studien angesetzt werden, um einfach erstmal das Sexualverhalten
03:07
zu erfragen. In Deutschland machen wir das tatsächlich erst seit 2017. 2017 gab es nämlich die Pilotstudie Liebesleben und
03:17
wo dann sozusagen die ersten Menschen schon mal befragt worden sind. Und seit 2020 gibt es jetzt die GESET-Studie. Die GESET-Studie, das steht für Gesundheit und Sexualität in Deutschland, wo das eben noch deutlich großräumiger befragt wurde. Davor gab es, glaube ich, 20 Jahre oder so, keine großflächigen deutschlandweiten Studien zu Sexualverhalten. Was meiner Meinung nach schon ziemlich viel sagt.
03:41
An sich stützt sich diese Podcast-Folge heute hier auf zwei Bücher und zwar einmal das Buch »Sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen«. Das ist wenigstens 2018 neu aufgelegt worden und wurde eben erneuert bzw. neu nachrecherchiert.
04:02
Das Gegenstück zu diesem Buch ist Sexualstörungen des Mannes. Das ist das zweite Buch, auf das sich diese Podcast-Folge hauptsächlich stützt. Und das ist halt schon krass, weil das wurde tatsächlich seit 2000 nicht mehr angefasst. Also das ist einfach nicht mehr neu aufgelegt worden, nicht mehr aktualisiert worden. Und das ist schon ein bisschen traurig. Also es sind natürlich nicht die einzigen Bücher, aber trotz allem gibt es allgemein wirklich nicht sehr viele Bücher zu dem Thema, die sich mit Sexualstörungen auseinandersetzen. Und ja…
04:31
So, und die zweite Ankündigung, die ich noch loswerden muss, bevor wir jetzt ins Thema rein starten, ist, dass ich das Thema nochmal gerne von Chemsex abgrenzen möchte. Chemsex, da habe ich schon eine ausführliche Podcast-Folge zu gemacht.
04:44
Wir waren da mit Steve von den Law Rebels, die könnt ihr euch gerne auch noch anhören. Da geht es nämlich um Substanzkonsum, während man Sex hat, wo man sozusagen Substanzkonsum nutzt, um den Sex zu modellieren. Und das ist meistens in der Szene verhaftet von Männern, die Sex mit Männern haben. Das ist ein bisschen was anderes, beziehungsweise passt es nur teilweise auf das Thema, was wir heute haben. Also wenn ihr euch besonders für Campsex interessiert, könnt ihr euch einfach die Folge anhören von mir und Steve. Musik
05:15
Bevor wir uns jetzt gleich dem Thema von sexuellen Funktionsstörungen widmen, müssen wir zuallererst uns damit beschäftigen, wie Sex in der Theorie ausschaut und welche verschiedenen Phasen beim Sex definiert sind, denn darin sind tatsächlich teilweise auch die Funktionsstörungen manifestiert. Dafür gibt es ein lineares Modell. Das lineare Modell ist schon recht alt, das ist von 1977, wird aber auch noch öfters herangezogen.
05:42
Dieses Modell teilt im Prinzip den Geschlechtsverkehr in verschiedene Phasen ein. Wir haben zuallererst die Erregungsphase. In der Erregungsphase hat die Frau verstärkte Durchblutungen im Geminitalbereich. Es kommt zu vaginaler Lubrikation, also die Frau wird feucht. Es kommt zum Anschwellen der Brüste, Aufrichten der Brustwarzen, Anstieg von Erregung und mit einem erhöhten Pulsschlag und Blutdruck. Beim Mann bildet sich eine Erektion, je nach Alter eben langsamer oder schneller.
06:12
und die kann auch während der Erregungsphase mal ab- und zunehmen. Weiter geht’s dann mit der Plateauphase. Bei der Plateauphase bei der Frau beschreibt es einen kurzen Zeitraum von einer maximalen Erregung vor dem Eintreten des Orgasmus. Der hintere Teil der Vagina dehnt sich aus, der vordere Teil zieht sich stärker zusammen, die Klitoriseichel zieht sich unter der Vorhaut zurück und die Gebärmutter verändert die Lage in ihrer Beckenhöhle. Beim Mann kommt es eben zum Anschwellen und der Verfestigung der Erektion.
06:44
Was hier an dem Punkt vielleicht recht spannend ist, dass eine Erektion parasympathisch gesteuert ist, das heißt, man kann sie nicht direkt beeinflussen. Allerdings, was direkt beeinflusst werden kann, ist der Ejakulationsprozess, also der Punkt, wo man wirklich kommt. So, dann kommt die Orgasmusphase, die eben einfach den Orgasmus beschreibt. Und dann geht es eben weiter mit der Rückbildungsphase. Bei der Frau geht dann sozusagen alles zurück an seinen Platz und beim Mann erschlafft die Erektion. Musik
07:17
So, bei diesem Modell gab es einige Kritik. Es ist ein sehr stringentes, sehr starres Modell der verschiedenen Phasen. Und einer der Hauptkritiken war einmal daran, dass Sex nicht immer im Orgasmus enden muss, was dieses Modell absolut nicht zulässt.
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Und der andere Punkt ist eben, dass vor allem die Sexualität der Frau deutlich komplexer ist, anstatt ich habe eine sexuelle Erregung und dann wird das alles eingeleitet. Natürlich kann das auch bei Männern komplexer sein, aber vor allem aufgrund dessen wurde ein neues Modell gemacht, beziehungsweise ein anderes Modell gemacht. Und zwar das Kreismodell. Das ist auch noch nicht ganz so alt. Das Kreismodell ist nämlich aus dem Jahr 2005 hergestellt.
07:57
Das Kreismodell bezieht dann mit ein, dass es unterschiedliche Gründe für Sex gibt. Das sind nicht nur sexuelle Gründe, sondern auch der Wunsch nach allgemein Intimität und Nähe, Entspannung, aber auch Pflichtgefühl können bei Männern und Frauen eben auch bei längeren Partnerschaften von einer höheren Bedeutung gewinnen.
08:14
Das Kreismodell bezieht mit ein, dass es eben ganz unterschiedliche Gründe geben kann, um eben Sex zu initiieren oder überhaupt Sex zu haben. Da gibt es einmal Annäherungs- und Vermeidungsmotive, also man möchte dem Partner vielleicht näher sein oder man möchte einen Streit vermeiden in der Partnerschaft. Es gibt individuelle Motive, zum Beispiel Erhöhung des Selbstwerts oder interpersonelle Motive, zum Beispiel den Partner zufriedenstellen,
08:39
Von diesen Gründen ist dann letztendlich abhängig, wie groß die Motivation und die Bereitschaft ist, Sex zu initiieren oder eben sexuellen Handlungen einzuwilligen. Neben den Gründen, um eben Sex zu haben bzw. nicht zu haben, wird dann gleichzeitig auch noch auf den Kontext der sexuellen Situation geschaut. Und da geht es eben darum, ist man zu zweit oder ungestört oder kommen vielleicht die Kinder bald nach Hause.
09:04
Aber auch die sexuellen Stimuli, also zum Beispiel wie das Vorspiel läuft, welche Qualität es hat, wie lange es dauert. Und neben den direkten Kontextfaktoren werden darüber hinaus auch noch Kontextfaktoren im immer weiteren Sinne angeschaut. Hier gehört zum Beispiel dazu, was für psychologische Kontextfaktoren es gibt, wie zum Beispiel Leistungsdruck oder Angst, dass es nicht klappt. Oder aber auch biologische Kontextfaktoren. Hat man zum Beispiel eine Erkältung, die man eigentlich immer noch auskuriert.
09:33
Und je nach Kontext und sexuellen Stimuli kommt es dann eben zu einer sexuellen Erregung, die ist entweder hoch oder niedrig. Und das führt zu einem sogenannten responsiven Verlangen. Und auch das ist dann je nach sexuellen Erregung entweder hoch oder niedrig.
09:48
Was bedeutet dann sozusagen das responsivee Verlangen? Also entweder, wenn das sexuelle Erregung hoch ist und das responsivee Verlangen dann eben auch hoch ist, dann geht man ja der Tätigkeit nach und lässt sich in die Situation fallen. Oder wenn das eben alles eher negativ ist und man sich eben aus Pflichtbewusstsein in diese sexuelle Situation begibt oder auch aus negativen Gründen für einen, dann kommt es eben eher zu einem niedrigen responsiven Verhalten. Und es bedeutet auch, dass das Erlebnis
10:18
mit großer Wahrscheinlichkeit eher als negativ wahrgenommen wird. Und dann kommen wir auch schon zu dem letzten Aspekt und zwar: Was sind dann die Konsequenzen? Ich habe ja gerade schon die verschiedenen zwei Möglichkeiten im Prinzip gesagt oder es sind natürlich viel mehrere Möglichkeiten, ich habe eher so Schwarz-Weiß-Möglichkeiten genannt. So, habe ich jetzt ein gutes sexuelles Erlebnis, in dem ich mich wohl gefühlt habe, in dem alles gut war, dann sind die Konsequenzen ja eher eine Zufriedenheit, eine Entspannung, ich fühle mich meinem Partner, meiner Partnerin näher.
10:47
Wenn das aber alles eher negativ verläuft, dann kommen eher sehr negative Konsequenzen für einen raus. Man fühlt sich ja vielleicht nicht wohl in seinem Körper oder auch irgendwie auf Abstand mit seinem Partner, mit seiner Partnerin. Und das kann dann wieder dazu führen, dass es zu negativen Kontextfaktoren beim nächsten Mal wird. Also wenn ich zum Beispiel eine positive Erfahrung habe, dann freue ich mich vielleicht auf das nächste sexuelle Erlebnis. Im Gegensatz, wenn die Erfahrung eher blöd war, eher negativ war, dann…
11:15
dann versuche ich vielleicht auch, nächstes sexuelles Erlebnis aus dem Weg zu gehen. So, ich hoffe, mit diesen zwei Modellen habe ich euch Sex in der Theorie ein bisschen näher gebracht. Ich finde vor allem das Kreismodell wirklich auch sehr spannend, weil das wirklich auch deutlich flexibler ist und vor allem auch nicht zwangsmäßig in einem Orgasmus enden muss.
11:37
Und ja, dafür ist das lineare Modell recht starr. Aber wenn wir uns gleich die sexuellen Funktionsstörungen anschauen, werdet ihr sehr schnell merken, dass vor allem die Sexualstörungen des Mannes ganz stark an diesem linearen Modell orientiert sind und es somit viel leichter zu verstehen ist, wie diese sexuellen Funktionsstörungen eigentlich aufgebaut sind.
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Bevor ich euch die Diagnosemöglichkeiten der verschiedenen sexuellen Funktionsstörungen beschreibe, möchte ich euch erstmal kurz erklären, wie sexuelle Funktionsstörungen allgemein beschrieben werden. Da gibt es nämlich verschiedene Punkte und zwar unterscheidet man einmal zwischen einer primären sexuellen Funktionsstörung, das heißt, die war einfach schon immer da, und einer sekundären sexuellen Funktionsstörung. Das kann zum Beispiel nach einer Periode kommen, wo alles recht gut lief und plötzlich kommt das eben.
12:28
Dann haben wir einmal auch generalisierte sexuelle Funktionsstörungen. Das heißt, es ist bei jeder Form einer sexuellen Aktivität oder aber auch eine situationsabhängige sexuelle Funktionsstörung, also nur bei sehr bestimmten sexuellen Aktivitäten.
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Und dann gibt es die als dritte Unterscheidung, einmal partnerabhängig. Das ist allerdings ein starkes Indiz für Schwierigkeiten in der Partnerschaft versus partnerunabhängig. Das heißt, ich habe diese Störung, dieses Problem, egal mit welchem Partner, mit welcher Partnerin ich zusammen bin. Starten wir doch mal mit den Funktionsstörungen beim Mann.
13:07
Der erste Grad oder die erste Funktionsstörung, die es eben gibt, ist eine Störung in der Appetenz. Das bedeutet ein geringes sexuelles Interesse, die Person hat einen Mangel, sexuelle Aktivitäten zu initiieren oder eben auch auf die Partnerin, auf den Partner einzugehen. Eine Appetenz kann sich auch in einer sexuellen Abneigung äußern, das heißt man hat Abneigung
13:27
ein deutlich unangenehmes Gefühl bis hin zu einem Ekel, nur bei der Vorstellung, eine sexuelle Beziehung zu führen. So, und wie ihr jetzt vielleicht gesehen habt, ist sozusagen die Störung der Appetenz
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eine Störung der ersten Phase nach dem linearen Modell. Die zweite sexuelle Funktionsstörung ist in der Phase der Erregung. Und das sieht im Prinzip so aus, dass die Erektion sich nicht genug entwickelt oder nicht stark genug entwickelt für die gewünschte sexuelle Aktivität. Bei Störungen in der Erregung heißt es im Prinzip, dass die Erektion sich nicht stark genug entwickelt für
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für die gewünschten sexuellen Aktivitäten. Allerdings ist es meistens so, dass es während dem Vorspiel, während der Annäherung noch eine ausreichende Erektion vorhanden ist und dann an dem Moment, wo man eindringen möchte, also im Moment der Vereinigung, erschlafft sie eben und somit wird eben das Eindringen verhindert. Bevor man natürlich hier eine sexuelle Funktionsstörung
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diagnostizieren kann, muss auf jeden Fall organische Ursachen ausgeschlossen werden. Außerdem kann es zu einer Dyspareunie kommen, das ist allerdings bei Männern sehr selten und das ist eben starke Schmerzen während des Sexualverkehrs. So, die nächste sexuelle Funktionsstörung ist in der Phase des Orgasmus. Da kann es einmal zu einem sehr frühen Samenerguss kommen. Das bedeutet, dass die Person
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kaum oder gar keine Kontrolle über den zeitlichen Ablauf des Ejakulationsprozesses hat. Die nächste sexuelle Funktionsstörung, die man bei einem Mann diagnostizieren kann, ist in der Phase des Orgasmus. Da kann es einmal zu einem frühen Samenerguss bekommen. Das bedeutet, dass die Person keine oder kaum Kontrolle hat über den zeitlichen Ablauf des Ejakulationsprozesses.
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Meistens kommt es tatsächlich als primäre Störung vor. Kommt es als sekundäre Störung vor, liegt es meistens daran, dass man eine lange Zeit sehr, sehr selten Geschlechtsverkehr hatte und dementsprechend eben die Kontrolle über seinen Samaguss deswegen verloren hat. Für diese Diagnose ist es sehr, sehr wichtig, auch die subjektive Zufriedenheit und die eigene Einschätzung des Problems durch den Mann und durch den Partner oder die Partnerin festzustellen.
15:33
weil das eben auch eine große Rolle spielt, liegt das jetzt halt eben daran, dass zum Beispiel der Mann sehr hohe Ansprüche an sich selbst hat. Eine Erektion oder ein Samerguss darf erst nach so und so und so vielen Minuten kommen und vielleicht stört es die Partnerin oder den Partner gar nicht so stark. Und dementsprechend ist es auch hier sehr wichtig, eben in Kommunikation zu treten und auch eben das Problem gut zu erfassen.
15:57
Im Gegenteil zum frühen Samenerguss gibt es eben auch noch den stark verzögerten oder auch ausbleibenden Orgasmus. Das bedeutet im Prinzip, dass der Mann erst nach sehr, sehr langer Zeit oder gar nicht kommt. Und hierfür kann es wirklich verschiedene Ursachen geben.
16:12
Einmal kann es aufgrund einer massiven Gehemdheit sein oder auf einer Bindungsangst oder dass man eben ja sehr spezielle sexuelle Fantasien hat, die eben in dem Sex nicht erfüllt werden und es eben deswegen super schwer ist, auch irgendwie in den Rahmen zu kommen. Aber natürlich kann auch der Missbrauch von Alkohol und Psychopharmaka dazu führen und darüber werden wir später auch nochmal genauer reden.
16:35
Als letzte sexuelle Funktionsstörung, obwohl das so in den Diagnosen gar nicht festgehalten wird, aber es wird sozusagen in Symptomen beschrieben, ist sozusagen in der Phase der Entspannung eine nachorgastische Verstimmung. Das heißt, man hatte Sex, man hatte einen Orgasmus, aber reagiert da eher sehr negativ drauf mit Gereiztheit, innerer Unruhe, Schlafstörung bis hin zu Depressionen, Weinanfälle und einem Missempfinden, komischen Empfinden im Genitalbereich. Musik
17:07
Schauen wir uns doch mal die Sexualstörung bei Frauen an. Hier habe ich tatsächlich nicht wie bei den Männern die ECD10 herangezogen. Die ECD10 ist sozusagen unser Diagnosesystem in Deutschland, sondern die DSM-5. Die DSM-5 ist sozusagen das Diagnosesystem für psychische Erkrankungen aus den USA. Warum habe ich das gemacht? Wir stehen kurz davor, dass die ECD11 herauskommt.
17:31
Und da wird sich recht viel ändern bei den Diagnosen bei den Frauen. Und deswegen fand ich es sinnvoller, mehr auf die Diagnosen von der DSM-5 zu schauen, denn die ECD-11 wird sich ziemlich stark, geht man auf jeden Fall davon aus, eben an der DSM-5 orientieren. Und deswegen stelle ich die Diagnosen von der DSM-5 vor, weil die wahrscheinlich deutlich länger aktueller bleiben, als wenn ich jetzt die alten Diagnosen von der ECD-10 vorstelle. Genau, lange Rede, kurzer Sinn, starten wir rein.
17:59
Als erste Diagnose bei Frauen gibt es eine Störung des sexuellen Interesses bzw. auch der Erregung bei Frauen. Und davon müssen mindestens drei der folgenden sechs Kriterien fehlen oder wirklich stark vermindert sein. Diese Kriterien sind einmal die Interesse an sexuellen Aktivitäten, zweitens auch die sexuellen Fantasien oder Gedanken,
18:20
3. Eine geminderte oder fehlende Initiative zu sexuellen Aktivitäten und auch die Empfänglichkeit gegenüber Initiativen des Partners oder der Partnerin. 4. Die sexuelle Erregung oder Lust bei sexuellen Aktivitäten bei mindestens 75% der sexuellen Begegnungen fehlt oder ist stark vermindert.
18:40
Es gibt ein fehlendes oder vermindertes reaktive Interessen bei jeglichen internen oder externen sexuellen Reizen. Das heißt, man ist wie immun gegenüber sexuellen Reizen. Das macht in einem nichts. Und aber die genitale und nicht genitalen Empfindungen bei sexuellen Aktivitäten sind bei mindestens 75 Prozent der Begegnungen gemindert oder fehlen. Von diesen sechs verschiedenen Items müssen eben drei vermindert sein oder eben fehlen.
19:09
Eine weitere sexuelle Funktionsstörung ist die weibliche Orgasmusstörung. Die weibliche Orgasmusstörung kann immer dann gestellt werden, wenn bei mindestens 75% der Gelegenheiten, wenn eine Frau mit ihrem Partner, ihrer Partnerin sexuell aktiv ist, entweder zu einer deutlichen Verzögerung, eine deutlich reduzierte Häufigkeit, ein komplettes Fehlen oder eine verminderte Intensität des Orgasmus vorliegt.
19:35
Hierbei ist es wirklich wichtig, darauf zu achten, dass eben auch
19:40
die Frau richtig stimuliert wurde. Denn es ist nun mal so, dass viele Frauen nicht durch reine Penetration kommen und eben auch zusätzlich klitorale Stimulation brauchen. Dementsprechend, wenn zum Beispiel eine Frau bei der Selbstbefriedigung sich selbst immer wieder zum Orgasmus bringen kann, aber das nie funktioniert, wenn sie eben mit jemand anderem in sexuelle Interaktion tritt, dann ist halt auch die Frage, ob sie denn richtig stimuliert.
20:06
stimuliert wurde und sie so überhaupt auch eine Chance hat für einen Orgasmus. Weil wenn dem nicht so ist, liegt keine Orgasmusstörung vor. Und als letzte sexuelle Funktionsstörung haben wir die Genitopelvineschmerzpenetrationsstörung. In der ICD-10 heißt es Vaginismus oder Dyspareunie. Und die kann eben vergeben werden, wenn…
20:27
Eines der vier Möglichkeiten von den Symptomen vorliegt, die ich jetzt gleich vorstelle. Das sind einmal Probleme, Geschlechtsverkehr zu haben, Schmerzen im Genital- und Beckenbereich, Angst vor diesen Schmerzen oder vor vaginaler Penetration und eben auch eine Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur bei Versuchen der vaginalen Penetration.
20:48
Hierbei können die Schmerzen brennend stechen, pochen oder auch schneidend sein, so werden sie auf jeden Fall beschrieben. Auch werden die Schmerzen oft an verschiedenen Bereichen lokalisiert. Bei manchen ist es eher im oberflächlichen Bereich der Vulva oder eben am Scheideneingang und bei anderen wirklich tief im Becken. Am häufigsten ist allerdings die sexuelle Schmerzstörung im Bereich der Vulva oder eben im Bereich des Scheidenangangs, das eben schon bei leichten Berührungen ausgelöst wird. Musik
21:17
Ja, jetzt haben wir schon ganz viel über die Theorie des Sexes, sagt man das so? Sexes, was auch immer, gehört und auch wie die sexuellen Funktionsstörungen als Diagnose aufgebaut sind. Jetzt kommen wir aber mal wieder zum eigentlichen Thema dieses Podcasts zurück, denn wir reden ja hauptsächlich hier über Substanzkonsum, Substanzen und Abhängigkeitserkrankungen.
21:39
Und ich werde gleich im komplett letzten Artikel erklären, wie sich sozusagen Substanzkonsum und Sexualstörungen negativ beeinflussen können. Aber bevor ich das mache, möchte ich erstmal eine kleine Übersicht geben, was Substanzen so ungefähr für Auswirkungen auf Sex haben können. Gar nicht im Sinne des Störungsbildes, sondern auf beiden Sichten. Weil auch unter Substanzkonsum können andere schöne sexuelle Erfahrungen gemacht werden oder eben auch negative Erfahrungen.
22:07
Auf jeden Fall ist es hier aber zu sagen, dass allgemein bei Substanzkonsum und Sex es vielen sehr, sehr schwer fällt, safer Sex zu machen. Also man ist dann sozusagen im Eifer des Gefechts und lässt das Kondom weg. Hier sei immer darauf zu achten, wer eben Substanzkonsum und Sex mischen möchte, dass man gut über safer use auch mit der Person, mit der man Sex hat, redet, Kondome dabei hat, auf sich achtet.
22:31
Und eben auch schaut, dass man das mit einer Person macht, der man auch gut vertraut, denn viele Substanzen enthemmen auf einen guten Punkt und kann eben dazu führen, dass man sexuell etwas macht, was man eigentlich nicht machen möchte und stellt damit eben auch immer einen Risikofaktor dar.
22:47
So, das vorab, aber jetzt gehe ich mal ganz kurz drauf ein, was verschiedene Substanzen so ungefähr für einen Einfluss auf Sex haben kann. Ich habe das so ein bisschen kurz rausgesucht. Starten wir mal mit Alkohol. Bei Alkohol haben wir einmal, dass die Hemmungen gesenkt werden. Es kann zu einer Überwindung von Versagensängsten bei Männern kommen oder auch gegen eine Überwindung von Penetrationsängsten bei Frauen. Es kommt allerdings auch zu Erregungsstörungen oder auch Erektionsstörungen.
23:14
Bei Methamphetamin zum Beispiel haben wir eine Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit und auch eine Enthemmung, aber auch einen Einfluss auf eine Erektionsfähigkeit. Bei MDMA wird der Körperkontakt oft viel intensiver erlebt und viel intensiver empfunden. Es gibt einen deutlich gesteigerten Wunsch nach Nähe, allerdings ist auch die Potenz meist stark gemindert. Bei Poppers haben wir eine kurzfristige Schmerzunempfindlichkeit, eine Muskelentspannung,
23:42
ein Abbau von Hemmungen und eine Luststeigerung beim Sex, ein Gefühl von Intimität und eben auch eine Sensibilisierung des Tastzins. Bei Ketamin ist es ähnlich wie beim leichten Alkoholrausch bei niedrigen Dosierungen. Es kommt zu einer Schmerzunempfindlichkeit und wird dementsprechend auch oft dafür eingesetzt, wenn es zu schmerzvolleren Sexpraktiken kommt, wie zum Beispiel Analsex oder Fisten.
24:07
Bei Amphetamin wird zum Beispiel oft berichtet, dass man sehr, sehr lange braucht, bis man zum Ergasmus kommt. Allerdings kann es auch sein, dass man überhaupt keine Erektion sozusagen bei Männern zustande bekommt, wo man überhaupt Sex haben kann. Bei Kokain kommt es oft zu einem extrem starken Verlangen nach Sex. Es kommt auch zu einem großen Lustempfinden beim Sex. Allerdings kann es auch hier zu Erektionsstörungen kommen.
24:30
Und bei Cannabis kann eine kleine Menge von Cannabis zu einer Steigerung der sexuellen Lust führen. Und bei größeren Mengen wurde oft eben gezeigt oder herausgefunden, dass sich eben diese Wirkung umdreht. Genau, so mal ein ganz kurzer Überblick, welche Wirkungen eben diese Substanzen auf Sex haben können.
24:51
Bitte dabei achten, das ist natürlich absolut keine allumfassende Erklärung der Substanzen. Viele der Substanzen habe ich hier auch schon in Substanzfolgen komplett angeführt. Die könnt ihr gerne nachhören, wenn es dann wirklich auch um erwünschte und unerwünschte Wirkungen geht und Risiken. Hier wollte ich einfach nur mal so plakativ zeigen, welche verschiedene Möglichkeiten oder welche verschiedene Einwirkungen Substanzen auf Sex haben. Weil ich glaube vor allem auch, wenn man jetzt in der Beratung arbeitet, kann das sehr hilfreich sein,
25:19
Klienten, Klientinnen zu verstehen, warum welche Substanz wie für Sex genutzt wurde. So, um jetzt zu verstehen, wie sich jetzt der Substanzkonsum sich auf die Entstehung und Aufrechterhaltung von sexuellen Funktionsstörungen auswirken kann, müssen wir uns erstmal ein Erklärungsmodell anschauen, wie überhaupt sexuelle Funktionsstörungen entstehen können. Und um das zu machen, habe ich ein psychosoziales Erklärungsmodell mitgenommen, das eben entworfen wurde, um genau das zu erklären.
25:50
Und da werden eben im ersten Punkt erstmal prädisponierende Faktoren angeschaut. Was sind prädisponierende Faktoren? Das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie begünstigende Grundlagen, ich will jetzt nicht sagen positive Grundlagen für was Negatives, aber wie so ein Boden, auf dem eine sexuelle Funktionsstörung sich entfalten kann.
26:11
Und ja, wie ich schon gesagt habe, es ist ein biopsychosoziales Modell. Das heißt, es gibt eben verschiedene Faktoren, die das machen kann. Auf der psychologischen Ebene haben wir zum Beispiel ein negatives Körperbild oder auch einen Leistungsdruck oder auch dysfunktionale Kognitionen, die einen sehr einschränken im Sexualverhalten.
26:30
Dann kann es biologische Faktoren geben, wie zum Beispiel eine chronische Erkrankung oder auch bei Frauen eine hormonelle Veränderung. Dann gibt es natürlich noch den Faktor der Partnerschaft.
26:41
Und da kann es zum Beispiel eine geringe Zufriedenheit in der Partnerschaft geben oder eben auch wenig Kommunikation. Und am Ende kann es eben auch noch zu soziokulturellen Einschränkungen kommen. Das heißt, dass man vielleicht in einer Familie aufgewachsen ist, wo Sex eher ein Tabuthema war, dass man in einer Gesellschaft aufwächst, wo Sex sehr sündhaft beschrieben wird und das natürlich auch eine große Einschränkung sein kann, sich sexuell zu entfalten oder auch beim Sex wohlzufühlen.
27:11
Das ist im Prinzip die Grundlage, der Nährboden von sexuellen Funktionsstörungen. Und wenn es zu einem sexuellen Problem gibt, gibt es dafür eigentlich immer einen Auslöser. Und diese Auslöser können wirklich sehr vielfältig sein. Das kann sowohl Stress sein, Müdigkeit, man ist abgelenkt von irgendwas anderes, man hat allgemein geringe sexuelle Erregung, wenig Stimulation, aber es kann halt eben auch sein,
27:37
Sex unter Drogeneinfluss inklusive Alkoholeinfluss sein, was am Ende dafür sorgt, dass man ein negatives sexuelles Erlebnis haben kann. So, und jetzt haben wir dieses sexuelle Problem.
27:50
Und das sexuelle Problem kann auch einfach erstmal völlig alleine dastehen und muss auf gar keinen Fall zu einer sexuellen Funktionsstörung werden, wenn man zum Beispiel in Kommunikation mit jemandem tritt, darüber spricht, am besten mit dem Partner, mit der Partnerin darüber spricht, was passiert ist, wo das Problem ist, was man vielleicht irgendwie machen kann, dass sich Menschen mehr wohlfühlen und dann wird sich daraus auch hoffentlich keine sexuelle Funktionsstörung entwickeln.
28:12
Allerdings, und deswegen habe ich ja vorhin von diesen prädisponierenden Faktoren erzählt, also wenn man allgemein schon sehr ungünstig eingestellt ist auf Sex und dann kommt es eben zu einem sexuellen Problem, kann es eben dafür sorgen, dass die Person Scham- und Schuldgefühle bekommt. Und es kommt zu einer ängstlichen Selbstbeobachtung. Das bedeutet zum Beispiel, dass man sich während des Sexes ganz starr selber beobachtet und hinterfragt. So, bin ich denn feucht genug? Ist meine Erektion stark genug? Und durch dieses Gedankenkreisen rund um Sex
28:42
Um diese sexuellen Funktionen macht es das natürlich viel, viel schwieriger. Durch ein sexuelles Problem kann es dann zum Vermeidungsverhalten kommen, dass man das einfach nicht mehr haben möchte und deswegen versucht, Sex immer wieder zu vermeiden. Es kann natürlich auch zu Enttäuschung kommen oder Vorwürfe des Partners.
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zu körperlichen Verkrampfungen und Anspannungen und zu einem niedrigen Selbstwertgefühl und Selbstvorwürfe. Und das sorgt eben dafür, dass sich das immer wieder rückkoppelt und man dementsprechend eben dieses Problem aufrechterhält und am Ende im schlechtesten Fall eine sexuelle Funktionsstörung entwickelt, die dann auch therapeutisch behandelt werden muss wahrscheinlich.
29:23
Packen wir das doch vielleicht mal in ein Beispiel. Gehen wir mal davon aus, ein Mann hat Alkohol getrunken, ein bisschen mehr und möchte an dem Abend mit seiner Freundin Sex haben. So, und genau, sie haben vielleicht Vorspiel, sie haben Sex, aber leider kommt keine Erektion zustande, sodass er keinen Penetrationssex haben kann. Wahrscheinlich liegt es in dem Falle einfach daran, dass der Mann zu viel Alkohol getrunken hat.
29:47
Es kann aber jetzt dazu führen, dass er das alles auf sich selbst münzt. Also dass er sagt, er sei schuld daran für sein sexuelles Versagen und sehr, sehr hart dafür ist. Daraus entstehen Ängste, dass es vielleicht beim nächsten Mal wieder so sein könnte. Und er fühlt sich sehr, sehr unsicher. Er schafft es nicht, mit seiner Frau, seiner Freundin darüber zu reden und beim nächsten Mal sagt,
30:09
Wenn er wieder Sex haben möchte, dann kriegt er so ein bisschen Schiss und dann trinkt er vielleicht bei dem Date mit seiner Frau wieder ein bisschen mehr, weil er schon Angst hat davor, dass es bald wieder Sex geben könnte und er könnte ja schon wieder keine Erektion bekommen. Und ja, er trinkt wieder zu viel und es kommt schon wieder keine richtige Erektion zustande und er kann wieder keinen Penetrationssex haben und so nördlich.
30:29
Könnt ihr euch vorstellen, wie sich so ein Teufelskreis bilden kann, wo man das Gefühl hat, dass sozusagen, also eigentlich ist der Substanzkonsum der Auslöser gewesen, warum es überhaupt so sexuellen Problemen gab, aber hat sich dann sozusagen mit reingeschlichen in so einen Teufelskreis, dass er dann immer wieder gegen die Ängste, gegen das Unwohlsein genutzt worden ist, in der Hoffnung dann überhaupt sozusagen genug Mut in dem Sinne zu haben, Sex zu haben.
30:55
Wenn wir jetzt zum Beispiel auch noch ein anderes Beispiel anbringen, nehmen wir an, eine Frau hat ja neun Partner und ist da so ein bisschen nervös, ist ihr erster Partner und sie hatte eigentlich auch noch nicht so viel Sex vorher und nicht so viel Erfahrung, wenn ihr Partner erfahrener ist. Und ja, sie ist nervös in der Partnerschaft und es kommt zum ersten Sex. Und weil sie so ein bisschen nervös ist, hat sie vorher ein bisschen mehr Alkohol getrunken, damit das eben klappt.
31:23
Durch den Alkohol kommt es zu einer Enthemmung und ja, die Frau gibt sich dem Sex ja hin, aber es fühlt sich am Ende, am nächsten Tag, wenn sie wieder nüchtern ist, eher an wie so ein Kontrollverlust. Und dass das irgendwie alles nicht so ganz 100% war, wie sie das wollte, einfach weil sie auch sehr betrunken war.
31:41
So, das sorgt leider dafür, dass sie wieder noch mehr Angst und Schamgefühle hat aufgrund dieser sexuellen Erfahrung. Und beim nächsten Mal, wenn Sex wieder ansteht, versucht sie auch hier gegen die Angst und Schamgefühle anzutrinken und schafft es so leider nicht, ja, positive Erfahrungen im sexuellen Erleben zu machen, weil sie eben nicht nüchtern auch rangeht und das versucht gemeinsam mit ihrem Partner, mit ihrer Partnerin zu verändern.
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zu experiencen, sondern versucht eben gegen diese unwohlen Gefühle Substanzkonsum einzusetzen. Das waren jetzt einfach mal zwei plakative Beispiele. Da gibt es natürlich auch noch ganz andere Dinge, aber ich wollte das einfach mal so ein bisschen illustrieren beziehungsweise darstellen, wie sowas ausschauen könnte in der Praxis. Aber natürlich gibt es da auch andere Funktionen. Ich meine, so individuell die Menschen sind, so individuelle Möglichkeiten gibt es.
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Die wichtige Message aus diesem Kapitel war dementsprechend für mich, dass Drogen inklusive Alkohol dafür sorgen kann, als Auslöser fungieren kann, dass es zu einem sexuellen Problem kommt.
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und gleichzeitig ein aufrechterhaltender Faktor sein kann, der das sexuelle Problem weiter aufrechterhält. Weil man eben aufgrund der Gefühle, die aus dem sexuellen Problem entstehen, es nicht schafft, mit diesen anders umzugehen, als sie wieder abzudecken und wieder abzudecken und so leider in einen Teufelskreis kommt. So, jetzt sind wir schon fast am Ende dieser Folge.
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Ein ganz wichtiges Thema dürfen wir nicht vergessen und ein ganz wichtiger Aspekt eher. Und zwar haben wir ja gerade eher ein bisschen darüber geredet, wie sich Substanzkonsum und sexuelle Funktionsstörungen gegenseitig bedingen können. Allerdings
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gibt es noch eine andere Form oder noch eine andere Art, wie sowas entstehen kann. Ich habe wirklich viele Klientinnen und Klienten, die wirklich schon sehr lange konsumieren und auch auf einer täglichen Basis konsumieren. Ich habe auch Klienten und Klientinnen, die sehr jung angefangen haben zu konsumieren. Ergo, was man nicht vergessen darf, dass
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viele von den Klienten in der Drogenberatung eventuell schon seit Jahren keinen nüchternen Sex mehr hatten und im schlimmsten Falle noch nie nüchtern eine sexuelle Erfahrung gemacht haben. Und wenn sich dann aus dem Substanzkonsum ein Problem entwickelt, und kann sein, dass sie vorher gar kein sexuelles Problem wirklich wahrgenommen haben, aber geht es jetzt darum, sich aus dem Substanzkonsum herauszuentwickeln, sich vielleicht sogar für eine Abstinenz zu entscheiden?
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ist Sex oft ein sehr, ja auch ein Thema, was mit sehr viel Ängsten behaftet ist, weil man ja noch nie Erfahrungen gemacht hat nüchtern, wenn man eben keine Enthemmung hinten dran hat. Und
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Ja, ich habe oft das Gefühl, innerhalb der Suchthilfe wird dieses Thema so ein bisschen vergessen. Ich muss ganz ehrlich sagen, als ich angefangen habe, in der Beratung zu arbeiten, das erste Jahr, habe ich das auch gar nicht aktiv so groß angesprochen. Ich weiß gar nicht unbedingt, wieso. Ich hatte, glaube ich, das Gefühl, das ist so ein bisschen persönlich, das hat da keinen Platz. Aber man muss dazu sagen, ich habe eine Beratungsstelle oder ich arbeite in einer Beratungsstelle, wo meine Klienten und Klientinnen wirklich auch sehr, sehr regelmäßig kommen können, wo durchaus Platz für solche Themen sind.
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Inzwischen mache ich es so, dass wenn ich sozusagen den anamnestischen Teil am Anfang habe, auch immer eine Sexualanamnese mache. Das mache ich jetzt bestimmt seit zwei Jahren ungefähr. Habe das seit drei Jahren in der Beratungsstelle. Und ich war erstaunt und entsetzt zu einem Teil, was es da für riesengroße Probleme in diesem Bereich Sex einfach gibt für viele Klienten und Klientinnen. Und das hatte wirklich ganz unterschiedliche…
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Ja, ganz unterschiedliche Ursachen. Also wir hatten einmal wirklich erstmal eine Angst, also dass man überhaupt nicht die Überwindung hat, mit jemandem Sex zu haben. Aber was zum Beispiel auch öfters vorkam, dass Männer unter Substanzkonsum sehr lange Sex haben konnten. Wir haben vorhin über Amphetamin gelernt, dass wenn man die Erektion zustande bekommt, man sehr lange Sex haben kann. Und dann kommen diese Männer nach 10 bis 15 Minuten, ne?
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Und dann haben sie das Gefühl, sie sind irgendwie jetzt, sie würden voll schnell einen Orgasmus bekommen, eine Ejakulation bekommen und sie halten gar nicht mehr durch. Und dann geht sozusagen diese negativen Kognitionen gleich weiter. So, man ist kein richtiger Mann mehr und so weiter und so fort. Und das führt sehr oft zu einem Vermeidungsverhalten. Und auch da war ich überrascht.
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wenn ich auch mit Menschen gearbeitet habe, die schon länger abstinent sind, wie lange diese Menschen zum Teil keinen Sex mehr hatten. Einfach weil sie das irgendwie nicht mehr gefühlt haben, weil sie große Ängste hatten und ja, dann einfach in die absolute Vermeidung gegangen sind und so leider ihr Sexualleben einfach nicht mehr gestaltet haben. Dementsprechend finde ich es super wichtig, das Thema Sex zum Thema zu machen in der Beratung.
36:37
Schamgefühle nicht in der Beratung in dem Prinzip fortzusetzen, sondern dem Ganzen auch eine Wichtigkeit zu geben und bei Bedarf auch an weiterführende Stellen weiter zu verweisen, wenn es zum Beispiel den Rahmen sprengt. Aber nicht einfach tot zu schweigen, denn wirklich umso öfter ich das jetzt aktiv auch angesprochen habe, habe ich erst mal gemerkt, wie enorm riesig dieses Thema ist und wie viele sozusagen das als, ja, als, wie kann man das sagen,
37:04
Als Preis der Abstinenz sehen. Ich glaube, das trifft es ganz gut. Ich habe jetzt meinen Drogenkonsum hinter mich gebracht. Ich bin jetzt abstinent. Ich habe ein selbstbestimmtes Leben. Das ist doch schon mal was. Da muss ich mich doch jetzt nicht an meinem Sexualleben aufhängen. Und ich finde nicht, dass man das weiterführen sollte. Musik
37:23
Ja, das waren, glaube ich, nochmal klare Worte am Ende, aus meiner Sicht auf jeden Fall. Wir sind fertig, wir haben heute mal wieder ein sehr suchttherapeutisches Thema gehabt. Mich würde wirklich interessieren, wie ihr das fandet. Ihr könnt mich immer unter Instagram erreichen, da findet ihr mich unter psychoaktiv.podcast oder ihr könnt mir auch einfach eine E-Mail schreiben unter psychoaktiv.podcast at gmail.com.
37:48
Ja, und sonst wünsche ich euch eine wunderschöne Zeit. Wir hören uns in zwei Wochen wieder und bis dahin. Tschüss! Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.
