Needle Spiking und Drink Spiking
Spiking bezeichnet die unwissentliche Verabreichung psychoaktiver Substanzen durch andere Personen. Beim Drink Spiking werden Substanzen einem Getränk zugesetzt, beim Needle Spiking soll die Verabreichung über einen Stich mit einer Nadel erfolgen. Gerade Needle Spiking sorgte zeitweise für große mediale Aufmerksamkeit, obwohl viele grundlegende Fragen offenblieben: Welche Substanzen könnten überhaupt in ausreichend kleiner Menge injiziert werden, wie häufig geschieht das tatsächlich und wie viele berichtete Fälle beruhen auf Stichen ohne Substanzverabreichung? Klar ist jedoch, dass auch ein solcher Stich eine erhebliche Grenzverletzung und Form der Gewaltausübung darstellt.
Im Gespräch mit Tobi Fabi vom Nachtgestalten-Projekt von Basis e.V. geht es um Needle Spiking, Drink Spiking und einen sicheren Umgang mit Verdachtsfällen im Nachtleben. Die Folge ordnet ein, warum GHB und GBL beim Needle Spiking als wenig plausible Erklärung gelten, welche Rolle Nocebo-Effekte und mediale Dynamiken spielen können und weshalb beim Drink Spiking nicht nur sedierende Substanzen relevant sind. Auch Alkohol kann gezielt eingesetzt werden, um die Entscheidungsfähigkeit anderer zu beeinträchtigen. Thematisiert wird außerdem, wie Clubs und Betroffene auf Verdachtsfälle reagieren können. Deutlich wird: Entscheidend ist nicht allein, welche Substanz möglicherweise verabreicht wurde, sondern dass Spiking immer einen Eingriff in Selbstbestimmung und körperliche Integrität darstellt.
Unabhängige Aufklärung fördern. Fachlich weiterdenken.
Mit Psychoaktiv+ unterstützt du die Arbeit hinter Podcast und Magazin. Gleichzeitig kannst du mit der Vertiefungs-Mitgliedschaft auf exklusive Folgen und vertiefende Inhalte für Beratung, Therapie und Prävention zugreifen.
Needle Spiking und Drink Spiking
=========================================
PODCAST-METADATEN
Folge: 58
Erscheinungsdatum: 12.01.2023
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Needle Spiking und Drink Spiking
Sprecher: Stefanie Bötsch, Tobi Fabi
Typ: Transkript
=========================================
00:11
Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein.
00:23
Diese Podcast-Folge wird euch präsentiert von Safe Party People Frankfurt. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Und frohes neues Jahr! Wir haben dieerste Folge im Jahr 2023, und heute sitze ich mit Tobi Fabi bei Basis e.V.
00:44
im Büro. Mit dem wollte ich schon ganz lange eine Folge aufnehmen. Tobi macht das Nachtgestalten-Projekt von Basis e.V. Das Nachtgestalten-Projekt ist eben ein Projekt, was sich so um Safe \& Nightlife bemüht, also zum Beispiel auch Akteure des Nachtlebens schult zu verschiedenen wichtigen Themen, einfach mit dem Ziel, das Nachtleben per se, das Ausgehen, das Feiern für alle Beteiligten sicherer und angenehmer zu gestalten. Tobi, schön, dass du heute da bist.
01:08
Ja, danke, dass ich da sein darf.
01:09
Heute sprechen wir über Needle-Spiking und Drink-Spiking, beides. Bevor wir gleich ins Thema starten, möchte ich an dieser Stelle erst noch mal betonen, dass, auch wenn ich in dieser Folge auch kritisch zu diesem Phänomen nachfragen werde, jedes Opfer zu jeglicher Gewaltausübung eines zu viel ist. Und falls ihr denkt, dass euch jemand Substanzen gegen euren Willen verabreicht hat,
01:30
auf welche Art auch immer, wendet euch bitte so schnell wie möglich an eine Gewaltschutzambulanz in eurer Nähe. Dort habt ihr dann extra geschultes Personal, und die können dann eben die Spuren sichern. Ich habe euch eine Liste zu dieser Gewaltschutzambulanzen in die Shownotes eingefügt, wo ich geschaut habe, dass ich auch Links erwische, die halt mehrere Städte abbilden. Das wirklich auch noch vorab, das finde ich ganz wichtig.
01:51
Und wenn ihr ein Problem mit diesem Thema habt, also Gewaltausübung bzw. sexualisierte Gewalt, das werden heute die Inhalte dieses Podcasts sein. Und falls es euch damit nicht gut geht, dann überspringt die Folge vielleicht oder hört es mit jemandem, der euch da vielleicht unterstützen kann.
02:07
Starten wir ins Thema rein. Und zwar: Spiking ist ja an sich kein neues Thema. Und man entscheidet, wie ich gerade schon gesagt habe, zwischen Drink-Spiking und Needle-Spiking. Und wir schauen uns diese Phänomene heute mal beide an. Und trotz allem soll Needle-Spiking etwas im Vordergrund stehen, denn über Needle-Spiking wird ja vor allem die letzten zwei, drei Jahre wirklich verstärkt geredet.
02:27
Tobi, was ist denn Needle-Spiking?
02:29
Also Spiking generell ist ja kein neues Phänomen, wie du schon gesagt hast. Es beschreibt eben die unwissentlich Verabreichung von psychoaktiven Substanzen durch Dritte. Das Besondere am Needle-Spiking ist jetzt, dass es eben nicht wie beim klassischen Drink-Spiking über irgendwelche Substanzen gemacht wird, die ins Trinken getan werden, sondern eben, dass die Substanz mit einer Nadel verabreicht wird, das heißt eben injiziert wird.
02:50
Das heißt sozusagen, das Phänomen beschreibt, dass Menschen im Club rumgehen und wirklich mit einer Nadel Substanzen bei einem einfügen. Da frage ich mich, das ist ja per se nicht ganz so easy, weil man muss ja, also muss ja entweder intramuskulär gespritzt werden oder intravenös gespritzt. Intravenös kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen auf die Schnelle.
03:09
Was für Substanzen werden denn da verwendet?
03:11
Genau, also wenn wir uns die Substanzen anschauen, dann muss man schon mal direkt sagen, dass wir nicht wissen, welche Substanzen verwendet werden. Also eine Substanz, die immer wieder genannt wird, so ist halt GAB bzw. GBL, aber das können wir eigentlich ausschließen. Um jetzt zu gucken, welche Substanzen verwendet werden können, muss man natürlich schauen, wie eigentlich so Sachen injiziert werden können.
03:31
Da gibt es so, also es gibt unendlich viele Arten, Sachen zu injizieren, aber die vier großen sind halt irgendwie intravenös, was in einem Club-Kontext unmöglich ist. Also wenn man sich vorstellt, einfach so im Club irgendwie eine Party so, dann da eine Vene zu finden, ohne dass die andere Person es merkt, das ist unmöglich so. Dann gibt es, wie du gesagt hast, auch intramuskulär eben.
03:52
Bei intramuskulär tatsächlich theoretisch möglich so, aber auch irgendwie schwer vorstellbar. Also man muss ja erstmal wahrscheinlich durch Kleidung durch irgendwie, man muss dann durch die unterschiedlichen Hautschichten durch, um überhaupt in diesen Muskel reinzukommen. Und man muss dann ja auch aufpassen, dass man irgendwie nicht sowas wie die Knochenhaut zum Beispiel verletzt dabei,
04:13
weil das so schmerzhaft ist, dass das auch der Letzte noch merken wird, egal in welchem Zustand die Person ist so. Und da muss man jetzt auch schauen, wie lange sowas eigentlich dauert bzw. wie viel von der Substanz verabreicht werden muss. Wenn man jetzt zum Beispiel GAB bzw. GBL hernimmt, dann würde es ungefähr zehn Sekunden dauern, bis so eine Substanz,
04:33
eine Menge von der Substanz verabreicht ist, die überhaupt eine Wirkung erreichen würde bei der Person. Und zehn Sekunden im Club-Kontext ist halt eine sehr lange Zeit bei einer Person, die sich am besten nicht bewegen soll irgendwie und die das nicht merken soll. Also auch sehr unwahrscheinlich. Die zwei Verabreichungsformen, die man sich am ehesten vorstellen könnte, nur rein von der Verabreichungsform,
04:53
ist eben intrakutan, also in die Haut, oder subkutan, also unter die Haut. Und hier muss man sagen, dass hier halt nur geringste Mengen möglich sind. Also es ist 0,1 Milliliter so Pi mal Daumen irgendwie. Wenn man jetzt GAB als Substanz anschaut, bräuchte man zwei bis fünf Milliliter. Das heißt, es ist nicht möglich, GAB so zu konsumieren.
05:13
Also jetzt eine lange Antwort auf eine kurze Frage so: GAB, GBL ist nicht möglich eben. Es wäre möglich, irgendwie Substanzen zu nehmen, die, also die müssten halt hochpotent sein, schon bei geringster Menge irgendwie. Und es müsste halt auch möglich sein, die irgendwie subkutan bzw. intrakutan verabreichen zu können.
05:33
Und solche Substanzen sind halt einfach im Zusammenhang von Needle-Spiking auf jeden Fall noch nicht gefunden worden.
05:39
Das heißt, auch alle Opfer, die eben sich betroffen gefühlt haben oder betroffen waren, da konnte im Drogenscreening gar nichts nachgewiesen werden?
05:47
Nee, bis jetzt nicht. Also es gibt da keine Erkenntnisse dazu.
05:50
Und da hatten wir also, da kann ich auch gut verstehen, warum GHB dann auch immer in aller Munde bleibt, weil GHB ist ja durchaus dafür bekannt, dass es unfassbar schnell abbaut. Und damit setzt sich ja im Prinzip das Phänomen dann auch zusammen, wenn es darum geht, dass eine Substanz schnell abgebaut wird, dann sind wir natürlich bei GHB gleich an der richtigen Adresse, weil das ja super schnell abbaut.
06:07
Auf jeden Fall. Also das ist natürlich ein Punkt, der für GHB sprechen würde bzw. GBL auch, aber einfach, man kann nicht so viel verabreichen, dass es wirklich die Wirkung hätte, die für Spiking irgendwie erwünscht ist, über eine Nadel so. Von daher kann man das eigentlich ausschließen.
06:22
Also wenn ich mir jetzt halt vorstelle, ich bin im Club und ich tanze und will Spaß haben und jemand hat wirklich das Ziel, mir heimlich eine Substanz zu injizieren. Warum? Was hat er davon?
06:33
Also zu den Tatmotiven muss man leider auch sagen, dass die weitestgehend unbekannt sind, einfach weil noch keine Täter*innen gefasst worden sind oder kaum Täter*innen gefasst worden sind. Aber was tatsächlich auffällig ist, dass Needle-Spiking bis jetzt halt immer so als einzelne Tat angesehen wird.
06:50
Also Drink-Spiking ist ja oft im Zusammenhang von so Raubdelikten oder sexueller Gewalt und das ist bis jetzt bei Needle-Spiking tatsächlich noch gar nicht der Fall. Also es wirkt so, als ob die Tat selbst häufig das Motiv ist irgendwie. Als ob Täter*innen eben darauf aus sind, irgendwie Leuten einfach eine Spritze zu verabreichen, was ja auch so dieses Phänomen von simulierten Stichen erklären würde.
07:10
Der Ausdruck stammt nicht von mir, sondern kommt aus dieser Steuerung-F-Doku. Das beschreibt eben, dass Leute einfach mit Nadeln bzw. nadelähnlichen Gegenständen gestochen werden, ohne dass irgendeine Form von Substanz verabreicht wird.
07:24
Also auch eine gewisse Machtausübung, Menschen Angst einjagen?
07:28
Ja, auf jeden Fall. Also Machtausübung ist, glaube ich, immer das, was bei Spiking das Hauptding ist, egal in welcher Form. Also egal, was zum Schluss das wirkliche Tatmotiv ist, ist, glaube ich, das eine grundlegende Ding immer Macht.
07:45
Ich hatte schon das Gefühl, jetzt in letzter Zeit, dass das so ein bisschen abgeflaut ist, also dass Needle-Spiking und Drink-Spiking jetzt halt nicht mehr ganz so krass in den Medien vertreten ist, wie es zwischendrin war.
07:55
Allerdings habe ich jetzt halt erst bei der Recherche vor ein paar Wochen einen Artikel dazu gesehen, wo es eben eine Frau erzählt hat, dass sie in Jena eben von zwei Männern mit einem nadelähnlichen Gegenstand in den Hals gestochen wurden. Und in dem Artikel wurde halt auch davon gesprochen, dass es ein Trend ist. Und das würde mich halt echt interessieren. Wir haben jetzt halt schon gehört,
08:14
es wurden keine Substanzen bis jetzt halt nachgewiesen. Sprechen wir hier von einem Trend? Ist das etwas, was häufig vorkommt?
08:21
Ja, hier muss man halt auch wieder sagen, man hat wenig handfeste Daten dazu. Also es gibt laut den Medien irgendwie schon 3000 Fälle in Europa, davon irgendwie 1300 allein im UK so. Aber man muss halt auch hier wieder sagen, man weiß nicht, sind das wirklich Needle-Spiking-Fälle, sind das simulierte Stiche, sind das vielleicht irgendwelche ganz anderen Phänomene,
08:42
die da zum Tragen kommen. Aber ja, laut den Medien ist es schon ein Trend irgendwie, aber ja, wir können jetzt wirklich keine handfesten Daten liefern, wie viele Fälle es da gibt.
08:52
Du hast jetzt halt schon öfters von den simulierten Stichen gesprochen. Wer legt die denn dann als simuliert fest? Wird das dann im Krankenhaus gemacht oder spüren die Menschen dann wirklich auch keine Wirkung von einer Substanz, die injiziert wird? Wer legt sozusagen fest, dass das wahrscheinlich ein Needle-Spiking-Fall ist, wo Substanzen verabreicht wurden und das sind simulierte Stiche?
09:10
Also ich glaube, es wird teils vom Krankenhaus festgelegt und teils von den Betroffenen. Also es gibt ja auch viele Betroffene, die tatsächlich auch keine Symptome haben, sondern am nächsten Tag eben praktisch Einstichwunden finden an sich. Und tatsächlich kann man auch über diesen Nocebo-Effekt tatsächlich auch erklären, dass es auch über simulierte Stiche eben Symptome geben könnte. Also das heißt,
09:29
der Nocebo-Effekt ist so der böse Zwilling vom Placebo-Effekt eben. Das heißt, wenn ich davon ausgehe, dass mir was Schlechtes passiert, kann mir tatsächlich auch was Schlechtes passieren. Das ist so, das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich irgendwie Voodoo so.
09:42
Leute gehen davon aus, dass ihnen irgendwas Schlechtes passiert, wenn, also ich will jetzt auch Voodoo nicht kleinreden so, wenn so einer Puppe irgendwie eine Nadel gestochen wird und dann passiert ihnen aber auch was. Aber man erlebt es auch in so Medizinstudien zum Beispiel.
09:56
Also es gab zum Beispiel in den USA den Fall von einem Studenten, der probiert hat, sich im Rahmen von so einer Medizinstudie mit dem Medikament umzubringen und hat die Monatsration davon halt auf einmal genommen und war dann tatsächlich auch in einem Krankenhaus gelegen in einem wirklich kritischen Zustand. Es hat sich dann aber auch rausgestellt, dass er einfach ein Placebo hatte. Also dass da eigentlich gar keine Wirkung hätte sein können.
10:16
Das heißt, der Nocebo-Effekt ist schon ein reales Ding und es kann auch wirklich Leute in gefährliche Situationen bringen.
10:22
Ah ja, krass, ne? Und wenn man dann sozusagen im Club ist, man hat eine Stichverletzung, man liest die ganzen Fälle über Needle-Spiking, da ist ja wahrscheinlich dann auch jedes Kribbeln, was man im Körper verspürt, erstmal ein Warnzeichen, was sich dann wahrscheinlich auch super hochschaukeln kann für einen.
10:38
Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube, das ist gerade eine sehr angespannte Lage, was Needle-Spiking angeht irgendwie. Das ist natürlich auch eine, also es wurde ja in den Medien auch sehr viel darüber berichtet und teilweise auch sehr reißerisch eben, was glaube ich, das nötigt ja auch dazu beigetragen hat, dass jetzt so eine Panik da ist irgendwie. Und also man merkt schon, wenn man mit Leuten spricht,
10:57
also wenn wir bei der Standarbeit oder bei Vorträgen mit Leuten sprechen, dass schon eine große Unruhe da ist bezüglich Needle-Spiking eben.
11:07
Ich habe jetzt in der Neuen Zürcher Zeitung einen Artikel gelesen und da spricht der Medizinsoziologe Robert Bartholomew und der sagt halt, er sieht tatsächlich Needle-Spiking als modernes Märchen an. Und zwar begründet er das so ein bisschen damit, dass das eben aus einer sozialen Panik entstanden ist,
11:27
weil daserste Mal, als das Phänomen benannt war, war eben eine 19-jährige Britin, die im Krankenhaus aufwachte und eben dieser Einstichstille gefunden wurde. Und dann gab es halt die ersten Berichte und das ging halt auch so mit der Zeit einher, wo gerade ja die Pandemie beziehungsweise die Konsequenzen der Pandemie ein bisschen gelockert wurden, die ersten wieder in Clubs gegangen sind.
11:49
Und da verbindet das dann auch damit, dass sozusagen das mit so einer festen Einstellung einhergeht von eben, dass Frauen, vor allem junge Frauen, nicht sicher sind im Nachtleben und dass da gerne auch gesellschaftlich eben Geschichten drum herum gewoben werden. Und da sich eben eine Unsicherheit immer extremer wurde und extremer wurde und dadurch eben das Ganze so aufgeblasen wurde,
12:10
wie er dann halt sagt, was natürlich auch ein hartes Statement ist, für ihn ist es einfach nur ein modernes Märchen. Was sagst du dazu?
12:17
Also ich habe den Artikel tatsächlich auch gelesen und er hat mich so ein bisschen mit sehr ambivalenten Gefühlen zurückgelassen so. Also ich glaube, er hat schon einen sehr validen Punkt darin zu sagen, also jetzt in Retrospektive auch so, dass es halt irgendwie ein logischer Augenblick war für so eine Angst irgendwie. Also es war, man kam aus der Pandemie wieder irgendwie zurück so.
12:38
Es war ja tatsächlich auch irgendwie komisch, wieder unter Leuten zu sein so. Es war ja nicht nur ein Happy-Gefühl, sondern es war ja auch irgendwie beunruhigend so. Und dass dann halt dieses Phänomen angefangen hat, auch gerade so während der Pandemie mit der Impfung und was auch immer. Also ich will jetzt auch gar keine Verschwörungstheorien hier irgendwie supporten oder wie auch immer,
12:56
aber es war ja für viele Leute doch irgendwie auch so eine Spritze und Impfung und was weiß ich so mit einer Nadel halt mit Angst besetzt. Und dann kommt jetzt so ein Needle-Spiking irgendwie, wo man so völlig ausgesetzt ist, dass irgendwelche Leute einem einfach eine Spritze verabreichen. Von daher ist es, ja, also ich verstehe seinen Gedankengang da schon. Ich tue mich tatsächlich mit diesem modernen Märchen sehr schwierig.
13:18
Einfach auch, weil egal, wir wissen ja nicht viel darüber. Wir wissen nicht, wie es funktioniert, was überhaupt damit auf sich hat. Aber das als modernes Märchen zu bezeichnen, finde ich schwierig, weil es halt doch Betroffene gibt. Es gibt irgendwie, naja, 3000 Fälle laut den Medien und die 3000 Fälle haben ja auch Betroffene so. Und das als modernes Märchen zu bezeichnen,
13:37
finde ich diskreditiert so ihre Betroffenengeschichten. Aber ich glaube, es hat natürlich auch was mit unserer Rolle zu tun. Ich meine, ich bin Sozialarbeiter im Nachtleben, der mit potenziellen Betroffenen arbeitet auch. Und natürlich, wenn jemand herkommt und mir erzählt, die Person erzählt mir so, ich bin gespiked worden, dann glaube ich das natürlich als erstes. Und das wird,
13:56
glaube ich, schwierig, wenn ich davon ausgehe, dass es ein modernes Märchen ist.
13:59
Da stimme ich dir absolut zu. Da habe ich ja genau die gleiche Haltung in dem Prinzip. Und Mediensoziologen haben halt wirklich nochmal eine ganz andere Aufgabe, und zwar zu versuchen, ja eine Situation zu bewerten und zwar so nüchtern wie möglich zu bewerten. Trotz allem frage ich mich halt auch schon, es gibt ja wirklich ein enormes Medienecho gegenüber Needle-Spiking.
14:20
Und wie du halt schon sagtest, wir wissen sehr wenig darüber. Man weiß nicht, wie das irgendwie injiziert wird, wo ich mich dann natürlich auch ein bisschen frage.
14:27
Ja, aber es sind ja auch wahrscheinlich keine zusammenhängenden Täter*innen, die sozusagen zusammenarbeiten und den Masterplan in Needle-Spiking mit Substanzen sozusagen aushecken, sondern da müsste es ja rein theoretisch sehr viele geschickte, einzelne, sehr medizinisch informierte Menschen gewesen sein.
14:48
Ja, also ich verstehe den Punkt auf jeden Fall auch. Also ich glaube schon auch, dass die Medien dazu beigetragen haben, dass es so ein großes Phänomen geworden ist. Also ich glaube, dass es viele Trittbrettfahrer*innen gab irgendwie. Wie gesagt, ich glaube nicht, dass es einfach nur ein urbanes Märchen ist.
15:04
Nee, das auf gar keinen Fall. Und ich meine, schon allein der Aspekt, dass eben Menschen gestochen werden, auch wenn keine Substanzen dabei waren, das zeigt ja auch einfach, dass sozusagen, das ist ja auch eine Tat, die mit einer unfassbaren Angst spielt, die ja gerade auch eben von den Medien mitbefeuert wurden. Und das ist ja real.
15:24
Und wir hatten es gerade vom Nocebo-Effekt, das baut sich ja alles eben drauf auf. Und ist eine große Frage, ob wir irgendwann herausfinden, ob das tatsächlich mal mit Substanzen passiert ist und welche Substanzen da verabreicht werden können. Weil ich habe da tatsächlich auch schon mit mehreren darüber geredet. Und wie du schon sagst, es ist immer so ein bisschen der Konsens, man kann bis jetzt halt noch keine Antwort darauf finden, was das überhaupt sein kann.
15:44
Trotz allem haben wir diese, ja, diese Bedrohung, die einfach in Clubs herrschen, die echt zum Kotzen ist. Das kann ich, finde ich, auch nicht sagen. Weil, wie du sagst, so das Unsicherheitsgefühl ist halt auch durch Pandemie, durch Corona eh schon irgendwie befeuert worden aus verschiedenen Ecken. Und ja, es wäre schön, wenn dann sozusagen das Nachtleben, was ja eigentlich ein Safe Space sein sollte,
16:04
um sich auszuleben, auch ein Safe Space sein kann.
16:07
Auf jeden Fall. Ich glaube, hier ist auch wichtig, nochmal hervorzuheben, dass selbst wenn es sich um einen simulierten Stich handelt, so, dass es immer noch eine schwere Körperverletzung ist. Also der gleiche Paragraf wie Spiking so, es ist 224 im Strafgesetzbuch. Und ja, es ist halt nach wie vor eine krasse Straftat irgendwie und eine krasse Grenzüberschreitung auch so gegenüber Leuten.
16:27
Wie schätzt du das denn ein? Wie hat diese Berichterstattung irgendwelche Konsequenzen gezeigt im Sinne von, dass vielleicht weniger Leute in Clubs gegangen sind oder ja, sich versucht haben, mehr zu schützen? Was gab es für Konsequenzen?
16:39
Die einzige große Aktion, von der ich weiß, war dieses Girls Night in Movement im UK eben nach den ersten Vorkommnissen damals, Oktober, November letzten Jahres, wo halt dann Studierende statt feiern zu gehen, halt auf Demos gegangen sind, um für ein sichereres Nachtleben zu demonstrieren. Ansonsten sind mir jetzt keine größeren Aktionen bekannt.
17:00
Aber ich glaube schon, dass man merkt, dass irgendwie eine Ungewissheit da ist. Natürlich kann diese Ungewissheit auch irgendwie damit zusammenhängen, dass halt, wir sind ja immer noch in der Pandemie, auch wenn sich das Gefühl so post-Corona-mäßig anfühlt, aber dass Leute halt immer noch verunsichert sind, auch irgendwie in den Club zu gehen. Und ich glaube, das Phänomen Needle-Spiking hat halt seinen Soll dazu auch getan, dass Leute da unsicher sind.
17:21
Ja, das kann ich mir auch sehr gut vorstellen.
17:27
Wir hatten das ja schon am Anfang angekündigt, dass wir nicht nur über Needle-Spiking reden, sondern jetzt würde ich nochmal ganz kurz über Drink-Spiking reden. Also im Prinzip psychoaktive Substanzen einem Getränk hinzuzufügen, um eben ja Menschen damit zu beeinflussen. Und im Prinzip war das ja, kam das ja auch immer mal wieder so wellenartig, dass das auch in den Medien mehr berichtet wurde.
17:48
Und Medikamente wie Valium und Flunidrazepam, also Rohypnol, wurden aufgrund der Gefahr, als sogenannte Rape Drug missbraucht zu werden, auch wirklich blau gefärbt. So, wir haben es vorhin auch nochmal gehört, GHB und GBL spielen in dem Aspekt eine Rolle. Gibt es noch andere Substanzen, die beim Drink-Spiking relativ wichtig sind?
18:07
Wichtig ist absolut der falsche Begriff, aber genutzt werden?
18:10
Also genau, wie du schon richtig gesagt hast, ist G wahrscheinlich die Substanz, die gerade irgendwie so ein bisschen die Sau ist, die durchs Dorf getrieben wird. Also es wurde in jedem Fall, also es gibt Fälle, wo es bewiesen ist, dass G dafür auch verwendet worden ist. So bekannt ist wahrscheinlich irgendwie Andrew Luster, der so zwischen 1996 und 2000 in St.
18:29
Barbara sein Unwesen getrieben hat, ohne da jetzt irgendwie näher darauf eingehen zu wollen. Ich glaube, Benzos spielen nach wie vor eine große Rolle, auch wenn mit Valium und Rohypnol zwei Substanzen irgendwie jetzt eingefärbt sind. Wenn wir wahrscheinlich so ein bisschen weg aus Europa gucken, Metachwalon ist eine Substanz, die wahrscheinlich durch den Bill Cosby-Fall halt recht bekannt geworden ist.
18:49
So, Scopolamin wahrscheinlich so Südamerika, Mittelamerika, aber tatsächlich eher in so einem Kontext von Raubüberfällen. Aber ich glaube, generell müssen wir so ein bisschen weg von der Idee, dass es immer um sedierende Substanzen geht. Also deswegen verwenden wir eigentlich auch den Terminus K.O.-Tropfen nicht mehr. Weil ich glaube, es geht nicht primär darum,
19:08
Leute zu sedieren und so diese Sedierung von Personen irgendwie auszunutzen, um halt praktisch seine Macht auszunutzen, sondern ich glaube, es geht hauptsächlich darum, den Willen beziehungsweise die Willensbildung von Menschen irgendwie zu manipulieren. Also das heißt, ich probiere eben durch Spiking Leute dazu zu bringen, was zu machen,
19:27
was sie nüchtern beziehungsweise ohne diese Substanz halt nicht machen würden. Und dafür eignen sich tatsächlich ganz viele Substanzen. Also da kann man auch Stimulanzien verwenden oder empathogene Entaktogene. Und was wir nicht vergessen dürfen, ist, dass die Nummer eins Substanz, die für Spiking verwendet wird, immer noch Alkohol ist.
19:44
Also dass man irgendwie ohne das Wissen der Person irgendwie mehr Alkohol zum Getränke zuschüttet und eben so probiert, die Person in eine Situation zu bringen, wo sie Sachen macht, die sie sonst nicht machen würde. Von daher ist ein sehr breites Spektrum an Substanzen, die genutzt werden können.
19:57
Und da haben wir ja wirklich auch einen klaren Unterschied zu Needle-Spiking. Wir hatten es vorhin bei Needle-Spiking, da geht es ja um die Tat selbst, um den Akt des Stechens, um dieses kurze Moment der Machtausübung. Und hier haben wir aber wirklich, da geht es um Interaktion bei Drink-Spiking. Kann man das schon so sagen, dass das wirklich darum geht, sozusagen mit der Person in eine missbräuchliche Interaktion zu treten?
20:19
Ja, also ich glaube schon, dass das ein sehr großes Tatmotiv ist. Also wenn man sich Statistiken anschaut, dann gibt es auch immer mal wieder die Leute, die das aus Spaß in Anführungszeichen machen. Aber ja, ich glaube generell ist schon so eine Interaktion, Machtmissbrauch, so eine Hauptintention dahinter. Und ich glaube auch,
20:39
dass es eher weniger irgendwie Fremde machen, sondern tatsächlich Leute im Bekanntenkreis irgendwie, die man schon kennt, eher zu so Spiking-Attacken neigen wie irgendwelche Fremden in Bars.
20:49
Was mir gerade noch hängen geblieben ist, du meintest ja auch gerade, Alkohol ist die größte Spiking-Substanz. Und das will ich hier auch wirklich nochmal betonen, weil ich das immer noch mitbekomme, dass Leute es witzig finden, Menschen dann plötzlich so Mischen zu machen mit halb-halb und dann vielleicht doch dreiviertel und wenn sie betrunken sind, dann auch nochmal ein bisschen drauf.
21:06
Und das wird dann noch als großer Spaß auch in manchen Gruppen wirklich irgendwie wahrgenommen. Und das ist eine Körperverletzung, wenn es gegen den Willen von einer anderen Person ist. Und das ist hier nochmal wirklich zu betonen, weil bei Alkohol hört dann immer gerne auch mal die Bewertung, die kritische auf.
21:26
Jetzt haben wir ja diese ganze Berichterstattung über Needle-Spiking und in dem Zuge dessen wird auch immer wieder über Drink-Spiking geredet. Habe ich jetzt aber tatsächlich nicht ganz so viel in den Medien mitbekommen. Spielt das gerade auch medientechnisch oder auch ja trendtechnisch in Anführungszeichen auch wieder eine erhöhte Rolle? Oder ist das so gefühlt gleichbleibend?
21:46
Also es ist auch wieder hier schwierig, darüber irgendwie klare Aussagen zu treffen. Ich glaube, dass gerade ein sehr großes Bewusstsein für Spiking da ist und deswegen wahrscheinlich sehr viel darüber geredet wird. Also wie aber schon jetzt ein paar Mal erwähnt, auch so ist es eben kein neues Phänomen. Es kommt immer mal wieder in Wellen und ich glaube, wir befinden uns gerade schon an dem Punkt, wo auch hier irgendwie eine Welle ist.
22:06
Es lässt sich, glaube ich, halt in den Medien aber nicht so krass verkaufen wie Needle-Spiking. Weil Needle-Spiking ist halt das neue Phänomen. Also es ist ja auch ein schreckliches Phänomen, das viel Angst macht. Drink-Spiking, also nicht, dass es weniger Angst macht, aber es ist halt nicht so fresh zu verkaufen irgendwie. Auch wenn fresh jetzt auf jeden Fall das falsche Wort ist.
22:27
Ja, aber man darf halt einfach auch die Rolle der Medien nicht vergessen. Hier geht es um Klicks, hier geht es um Reichweite, hier geht es um reißerische Titel, um eben die Leute dazu zu bringen, die Zeitschrift zu kaufen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das ist halt eben auch eine große Aufgabe von Medienhäusern. Bevor wir jetzt halt gleich reinstarten, wie man sich selbst schützen kann,
22:48
wollte ich gerne kurz ansprechen, du gendert Täter, Täterinnen. Da würde mich mal interessieren, was uns die Statistiken so sagen. Sind es wirklich gleich viel oder was sagen da die Statistiken?
22:59
Genau, also ich gender das, um einfach auch Männern klar zu machen, dass sie Betroffene werden können. Weil ich glaube, oder so von meiner Erfahrung her, ist glaube ich bei weiblich gelesenen Personen oder bei queeren Personen da irgendwie schon sehr viel Awareness da, aber bei Männern tatsächlich eher weniger. Genau, also ich gender das auch, aber es ist auf keinen Fall irgendwie ein genderneutrales Thema.
23:20
Das ist natürlich, was mit Geschlecht auch immer verbunden ist. Und es ist so, dass irgendwie 75 Prozent der Betroffenen weiblich sind. Also das heißt, man kann schon davon ausgehen, dass auch der Großteil der Täter männlich sind. Genau, aber es gibt eben auch Frauen, die das begehen. Es gibt auch Männer unter den Opfern. Und ja, es gibt ja auch Tendenzen bei Männern,
23:39
eben nicht darüber zu sprechen, weil es irgendwie als unmännlich, auch hier wieder in Anführungszeichen gesehen wird, gespeikt zu werden. Beziehungsweise manche Männer das auch so darstellen, als ob das was Cooles wäre, irgendwie von einer Frau gespeikt zu werden.
23:52
Absolut. Und da ist es halt eben auch wichtig, eben Tür und Tor auch als Hilfsorganisation zu öffnen, dass eben auch wirklich Opfer jeglichen Genders willkommen sind, auch über ihre Erfahrung zu reden.
24:08
Kommen wir mal zu der Praxis, wie ich mich als Person schützen kann. Was rätst du mir, wenn ich jetzt halt mal sage, ich gehe in den Club am Wochenende, was würdest du mir raten, um mich selbst schützen zu können?
24:22
Also auch hier mal vorab will ich sagen, dass es, glaube ich, wahrscheinlich der falsche Weg ist, bei Betroffenen anzufangen und zu sagen, du musst auf das und das aufpassen. Wir sollten uns, glaube ich, auf jeden Fall an Täter*innen wenden eher. Also wir probieren auch mit unseren Infoveranstaltungen, die wir zu dem Thema machen, uns immer an Täter*innen auch zu wenden und irgendwie klar zu machen,
24:40
dass es eben kein Spaß ist und dass die dafür auch tatsächlich richtig belangt werden können. Und dass sie halt auch mit dem Leben von Leuten spielen, einfach weil sie ja nie wissen können, was die Person konsumiert hat schon davor, was für eine Grundkonsistenz die Person irgendwie mitbringt, was für eine Tagesform die Person vielleicht auch hat. Aber ja, es ist wahrscheinlich richtig schwierig, Täter*innen damit irgendwie zu fassen oder nicht zu fassen,
25:02
aber zu erreichen und irgendwie auch einen Veränderungswillen bei denen hervorzurufen. Was wir Betroffenen tatsächlich aber raten, ist irgendwie natürlich sowas wie: Geh mit Leuten weg, denen du vertraust, kenne deine Substanzen. Also wenn du was konsumieren möchtest, dann informiere dich davor irgendwie, um schon mal zu wissen, okay, da wird die Reise hingehen heute Abend.
25:21
So, das ist eine Wirkung, die wahrscheinlich kommt, das sind Nebenwirkungen, die vielleicht kommen können auch, um dann auch irgendwie rechtzeitig zu merken, dass es vielleicht was ganz anderes ist, was die Person mir gegeben hat. Ich glaube, was auch wichtig ist, ist, dass man sich nicht überreden lässt zu Konsum. Also auch gerade, wenn Leute so pushy sind, irgendwie dann trotzdem nein zu sagen.
25:42
Also wir hatten ja auch einen Fall aus Freiburg, der uns erzählt worden ist, wo eine Frau mit ihrem Kumpel in Anführungszeichen irgendwie in eine Bar gegangen ist und er unbedingt ein Bier aufschwätzen wollte. So, sie ist dann mit dem Bier straight irgendwie zur forensischen Klinik in Freiburg gelaufen, auch krasser Move so nebenbei. Und es kam dann raus, dass da eine nicht geringe Menge GHB in dem Getränk war.
26:04
Es hat sich dann rausgestellt, das war so eine verflossene Liebe-Sache irgendwie. Aber ja, sie wurde halt so dann nicht gespeikt. Also lass dich nicht überreden zu Konsum. Genau, dann in der Situation selbst rate ich Leuten immer, auf ihr Gefühl zu hören. Also wenn ihr denkt, irgendwas ist gerade funky, so dann ist es wahrscheinlich auch funky. Und dann ist es irgendwie nicht schlimm zu sagen,
26:24
okay, ich will hier raus aus dieser Situation. Wo ihr aufhören solltet, auf euer Gefühl zu hören, ist, wenn euer Gefühl euch sagt, ich sperre mich jetzt alleine auf der Toilette ein. Weil wenn es euch jetzt noch gut geht, heißt nicht, dass es in drei Minuten auch noch so ist. Und es wird unheimlich schwierig, euch zu finden, wenn ihr auf der Toilette seid und irgendwie umgeht, beziehungsweise euch dann da auch rauszuholen. Was wir Leuten immer raten, ist, sich mitzuteilen.
26:46
Also teilt euch euren Freunden mit, teilt euch euren Freundinnen mit, teilt euch Türstehern mit, Barpersonal irgendwie. Ich sage immer, teilt euch so vielen Leuten mit, wie euch möglich ist, wie mit euch noch angenehm ist, weil ihr wisst ja auch nie, wer der Täter ist, beziehungsweise die Täterin. Ich würde sonst dazu raten, noch, wenn es geht, den Urin zu sichern oder das Getränk eben.
27:05
Weil wir haben ja vorhin schon darüber geredet, dass GHB nur relativ kurz nachweisbar ist. Im Getränk ist es tatsächlich länger. Auch gerade, wenn man das einfriert, kalt lagert, so lang kann man das noch lang nachweisen, was da drin ist.
27:18
Das Getränk einfrieren oder meinen Urin einfrieren?
27:21
Sowohl als auch. Also du kannst entweder das Getränk oder deinen Urin einfrieren. Also es ist halt wichtig, es kalt zu lagern. Ich glaube, es ist auch noch wichtig, wenn ihr merkt, es geht euch nicht gut, dann ruft einen Krankenwagen auf jeden Fall. Also es gibt da auch Methoden, einen Krankenwagen zu rufen, ohne dass die Polizei mitkommt, wenn man das nicht will.
27:36
Ja, da habe ich mal einen Post zu gemacht, der so ein bisschen seine Runden geschlagen hat. Da ging es eben darum, den Rettungswagen zu rufen, ohne dass unbedingt die Polizei mitkommt. Das ist natürlich keine Garantie, dass das per se so funktioniert. Aber im Prinzip ist sozusagen die Haltung, die wir auch von Safe Party People vertreten, ruft den Rettungswagen an,
27:57
alle Symptome schildern und wenn der Rettungswagen dann dort ist, ganz klar sagen, was für Substanzen konsumiert werden. Weil an dem Punkt ist dann eine Schweigepflicht vorhanden und man hat eben die Konsequenzen mit der Polizei nicht. Ich finde das wichtig zu sagen, einfach aus dem Grund, weil vor allem während der Pandemie,
28:16
vor allem wo so viel Hauskonsum bestanden hat, da ist es einfach so gewesen, dass viele aus großer Angst den Krankenwagen nicht gerufen haben, weil sie eben Angst vor der Polizei hatten. Und das sollte wirklich kein Grund sein, dass Menschen sterben müssen. Und dementsprechend wäre das zum Beispiel eine Möglichkeit, um euch zu motivieren, wirklich den Krankenwagen zu rufen, wenn es notwendig ist.
28:36
Genau, also was wir sonst noch Leuten raten, dann natürlich irgendwie einen sicheren Ort aufsuchen. Und im Nachhinein, also am nächsten Tag, sucht euch irgendwie Unterstützung. Also sei es jetzt irgendwie eine Vertrauensperson oder halt professionelle Unterstützung. Gerade auch, wenn ihr ins Krankenhaus geht, wenn ihr zur Polizei geht, ihr werdet nicht nur Leute treffen, die euch Glauben schenken werden.
28:55
Ihr werdet das alles nochmal irgendwie durchleben müssen. So, deswegen holt euch der Support. Und eine Sache, die man, glaube ich, nicht häufig genug betonen kann, ist so, ihr tragt daran keine Schuld. Weil es wird irgendwie Mechanismen geben, die euch sagen, dass ihr Schuld daran habt. Also sei es jetzt von außen oder auch von euch so innerlich. Aber die einzige Person,
29:14
die Schuld hat an Spiking, ist die Person, die gespeikt hat. Also ihr tragt daran keine, egal wie ihr euch verhalten habt, egal was ihr konsumiert habt, wie ihr konsumiert habt, egal wie euer Verhalten ist, so die Schuld liegt nicht bei euch.
29:24
Das finde ich so, so wichtig. Und an dieser Stelle sage ich das nochmal, was ich am Anfang gesagt habe. Ich habe eine Liste von den verschiedenen Gewaltschutzambulanzen euch in die Shownotes gepackt. Da könnt ihr euch informieren, da findet ihr Kontaktstellen, wo ihr euch eben hinwenden könnt, wo man auch nochmal extra geschultes Personal hat für genau diese Fälle.
29:45
Tobi, was können denn Clubs tun, um mit Spiking gut umzugehen?
29:48
Also ich glaube, informiert sein über das Thema ist das Allerwichtigste. Damit fängt alles an. Ich glaube, Clubs sollten sich irgendwie Konzepte zurechtlegen, wie sie mit Spiking umgehen, bevor es Fälle gibt. Weil wenn der Fall dann erstmal da ist, dann ist das Kind halt schon in den Brunnen gefallen irgendwie. Und dann ist erstmal auch Panik bei den Clubs. Ich glaube, für so Türsteher*innen,
30:08
Barpersonal irgendwie, ist es halt glaube ich wichtig, Ansprechpartner zu sein. Einfach, wenn jemand kommt und sagt, oh, ich glaube, ich wurde gespeikt, dass man einfach als Ansprechpartner da ist und dass man den Leuten auch Glauben schenkt. Wir sind keine Kommissare, auch jemand, der an der Tür arbeitet, ist kein Kommissar. Es schadet euch nichts, wenn ihr den Leuten glaubt. Und ich glaube,
30:26
für die Leute ist es extrem wichtig, dass da einfach jemand ist, der nicht per se sagt, nee, stimmt nicht, was du erzählt hast. Das glaube ich, ist das Allerwichtigste. Was ich, glaube ich, tatsächlich wenig bringt, sind so Shame-Kampagnen für einzelne Substanzen. Also so wie diese No-GHB-Kampagne in Berlin irgendwie. Ich glaube, das ist zu kurz gedacht. Das ist auch nicht so,
30:45
dass wenn kein GHB im Club ist, dass man dann sicher ist vor Spiking. Von daher ist es, glaube ich, so Kampagnen, naja, eher schwierig. Auch so eine Zero-Tolerance-Politik gegenüber Substanzen, dass, wenn die an Leuten gefunden werden, dass sie dann lebenslanges Hausverbot kriegen. Das führt nicht dazu, dass es weniger Spiking gibt. Das führt auch nicht dazu, dass es weniger Konsum gibt.
31:04
Das führt nur dazu, dass Leute sich noch weniger Hilfe holen. Und dass Leute, die irgendwie was wie GHB konsumieren, das halt noch heimlicher machen, wie sie es jetzt eh schon machen.
31:16
Und damit eben auch einfach mehr Gefahren wieder entstehen für den Einzelnen. Ja, Tobi, für mich war es das tatsächlich heute mit den Fragen. Gibt es noch was, was wir übersehen haben, was unbedingt noch hinzuzufügen ist?
31:28
Ich glaube, wir haben eigentlich das Allerwichtigste behandelt. Wie gesagt, ich will nochmal betonen, wenn ihr irgendwie Betroffene seid von Spiking, meldet euch, irgendwie sucht euch Hilfe. Und egal, was Leute euch erzählen oder was so eure eigene Psyche euch sagt, so, ihr habt daran keine Schuld. Das ist, glaube ich, das Allerwichtigste.
31:45
Und ich glaube, das lassen wir zum Abschluss einfach so stehen. Das ist einfach wirklich so, so wichtig. Und dann danke ich dir, dass du dir heute die Zeit genommen hast und mit mir mit diesem ja sehr schweren Thema auch, aber wichtigen Thema ins neue Jahr gestartet bist.
31:58
Ja, gerne. Vielen Dank, dass ich da sein durfte.
32:12
Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stephanie Bötsch.
