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Lachgas / Distickstoffmonoxid

Lachgas, chemisch Distickstoffmonoxid, wird seit mehr als 200 Jahren sowohl medizinisch als auch zu Rauschzwecken genutzt. Im Freizeitkonsum ist vor allem der sehr kurze, schnell einsetzende Rausch charakteristisch: Euphorie, veränderte Wahrnehmung, intensiveres Hören, Kribbeln und teilweise dissoziative oder halluzinogene Effekte können innerhalb weniger Sekunden auftreten und ebenso schnell wieder abklingen. Die Wirkung entsteht dabei nicht durch Sauerstoffmangel, sondern wird unter anderem mit einer Blockade von NMDA-Rezeptoren in Verbindung gebracht. Sauerstoffmangel kann allerdings als eigenständiges Risiko entstehen, wenn beim Konsum nicht ausreichend Luft aufgenommen wird.

Die Folge zeichnet die ungewöhnlich lange Geschichte von Lachgas nach, von frühen Selbstversuchen im 18. Jahrhundert bis zur Nutzung in Zahnmedizin und Anästhesie. Gleichzeitig geht es um akute Risiken, psychische Abhängigkeit und mögliche Folgen häufigen Konsums. Besonders wichtig ist der Zusammenhang mit Vitamin B12: Regelmäßiger Lachgaskonsum kann einen Mangel begünstigen und dadurch neurologische Beschwerden wie Taubheitsgefühle, Koordinations- oder Bewegungsstörungen auslösen. Thematisiert werden außerdem Sauerstoffmangel, Verletzungsrisiken durch Druckgasbehälter, Mischkonsum und die Umweltwirkung von Distickstoffmonoxid. Deutlich wird: Der kurze Rausch kann darüber hinwegtäuschen, dass häufiger oder unsachgemäßer Konsum erhebliche neurologische und körperliche Folgen haben kann.


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Lachgas / Distickstoffmonoxid

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PODCAST-METADATEN

Folge: 44
Erscheinungsdatum: 05.05.2022
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Lachgas / Distickstoffmonoxid
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript

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00:11

Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi. Zieht’s euch rein! Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Und ja, heute sprechen wir über eine Substanz und zwar über Lachgas. Eigentlich ein Gas und keine Substanz.

00:39

Ja, und eigentlich, muss ich ganz ehrlich zugeben, wollte ich mir ein einfaches Leben machen. Ich bin tatsächlich aktuell ein bisschen knapp dran. Heute ist Montag, am Donnerstag kommt die Folge raus. Das heißt, normalerweise habe ich ja eigentlich so einen Sweetspot und bereite immer so zwei Folgen im Voraus vor, dass ich ein bisschen ein entspannteres Leben habe. Das klappt gerade nicht so gut.

01:04

Ja, und dann dachte ich mir so letzte Woche, ja, okay, nicht so wild. Ich nehme einfach irgendeine Substanz, wo es einfach nicht so viel zu recherchieren gibt. Vor allem bei vielen illegalisierten Substanzen, aber allgemein manche Substanzen, da findet man, auch wenn man richtig ordentlich recherchiert, nicht gar so viele Informationen. Und dementsprechend kann ich da auch super schnell eine Folge dazu recherchieren. So, das war auf jeden Fall mein Plan.

01:29

Ja, Leute, was soll ich sagen? Lachgas ist deep. Also ich habe da richtig krass viel darüber gefunden. Es wird eine richtig geile Folge. Kurz zu recherchieren, das hat sich leider für mich letzte Woche nicht verwirklicht. Ich war wieder stundenlang dran gesessen, um für euch ein geiles Skript zu bauen. Aber ich bin super zufrieden mit dem Ergebnis und es ist super spannend. Also was will ich sagen? Es ist wirklich geil, super spannend.

01:53

Und ja, ihr könnt euch auf die Folge heute freuen. Bevor wir gleich starten, würde ich euch einfach noch bitten, falls ihr es noch nicht gemacht habt und falls ihr Bock habt, vielleicht meinen Podcast zu bewerten. Das geht sowohl auf Spotify als auch auf Apple Podcasts. Ihr könnt auch gerne euren Freundinnen, euren Freunden, euren Bekannten, euren…

02:15

Kollegen, Kolleginnen, wen auch immer, gerne von meinem Podcast erzählen, wenn ihr den feiert. Ja, freut mich, macht meinen Podcast größer, macht auch die Mission, verteilt die Mission ein bisschen, Menschen mehr über Substanzen aufzuklären. Und ja, ich finde, das reicht an Vorgeplänkel und wir starten jetzt in den Podcast rein und schauen uns Lachgas ein bisschen genauer an. Musik

02:44

Dass ich mal eine Folge über Lachgas mache, wurde sich vor allem von mehreren Fachkräften gewünscht, die mit Jugendlichen arbeiten. Und aus dem Kontext kenne ich es tatsächlich auch am meisten und auf Festivals. Ich finde irgendwie Lachgas ist auch was, was ich sehr oft auf Festivals mitbekomme.

03:02

Ja, bei Lachgas handelt es sich um die Stickstoffmonoxid, um es mal beim richtigen Namen und nicht beim Szenenamen, kann man es eigentlich fast nicht nennen, wenn man mal überlegt, dass der Szenename Lachgas schon 200 Jahre alt ist. Aber ja, wir reden eigentlich von die Stickstoffmonoxid. Manche kennen das vielleicht aus dem Freizeitkonsum, wie ich schon meinte, so eben aus Festivals, beziehungsweise ja vielleicht auch mal in der Jugend ausprobiert, aber vielleicht

03:31

vielleicht kennen das auch andere Menschen einfach vom Zahnarzt. Denn Lachgas findet sich ganz offiziell in der Humanmedizin wieder. Und zwar auch nicht nur beim Zahnarzt, sondern auch vor allem in früheren Zeiten eben auch beim normalen Arzt. Beim Zahnarzt

03:46

Bei erdlichem Gebrauch wird das Lachgas über eine Nasenmaske dem Patienten der Patientin zugeführt. Wenn ihr euch mal diese Nasenmasken anschaut, die schauen einfach original aus wie eine Rudolf-Red-Nose-Rain-Tier-Maske. Ich hatte auf jeden Fall so eine als Kind, die auch geleuchtet hatte. Und ganz genau so sahen meiner Meinung nach diese Nasenmasken aus. Ich habe das tatsächlich vorher noch nie gesehen.

04:10

Genau, aber das ist sozusagen eine Nasenmaske, nicht so wie man vielleicht denkt mit diesen Beatmungsmasken beim Arzt, die eben auch noch den Mund abdecken, sondern es geht nur über die Nase, macht ja auch irgendwie Sinn, wenn es vor allem beim Zahnarzt genutzt wird, dass der Mund nicht abgedeckt ist.

04:25

Und im Freizeitkonsum wird es vor allem in Luftballons inhaliert. Und es gibt vor allem kurzen, intensiven, euphorischen Kick. Aber zur Wirkung kommen wir gleich. Wir schauen uns nämlich jetzt erst mal die Geschichte an. Und die Geschichte war tatsächlich der Part meiner Recherche, wo ich dachte, ja krass, hätte ich nicht gedacht. Also schauen wir da mal rein. Musik

04:48

Die Stickstoffmonoxid wurde schon um 1772 von Presley, einem englischen Chemiker, hergestellt und drei Jahre später in dem Buch Experiments and Observations on Different Kinds of Air, also Experimente und Beobachtungen verschiedener Arten von Luft, jetzt mal grob übersetzt, beschrieben. Das heißt, die Stickstoffmonoxid ist einfach schon über 200 Jahre alt, die Entdeckung. Also ich glaube…

05:17

Nein, das ist nicht die älteste Substanz, die wir hier durchnehmen. Sorry, das war gerade kurz in eine komplett falsche Richtung gedacht.

05:24

Naja, 20 Jahre später, im Jahre 1799, wurde dann Nachgas wieder interessant. Es ist dann ein bisschen eingeschlafen. Und zwar hat Thomas Beddows, ein englischer Physiker, und der war auf der Suche nach einem Heilmittel für Atemwegserkrankungen. Da hat ihn vor allem Tuberkulose interessiert. Tuberkulose hat damals echt gewütet und er wollte das eben heilen. Und er stellte den 20-jährigen Davy ein.

05:51

Und der hat sozusagen die ganzen Experimente mit den verschiedenen Gas, mit denen Beddow experimentiert hat, geleitet, während Beddow die Patienten behandelt hat. Gleichzeitig hat James Watt eine Maschine erfunden, mit der Beddows und Davies den PatientInnen besser die Gase verabreichen konnten. Also der hat im Prinzip die erste Gasbeatmungsmaske oder wie man sowas nennt erfunden, was halt zu den Zeiten schon echt krass war.

06:20

Und Davy testete Lachgas aber nicht nur erstmal an Tieren, wie er das am Anfang gemacht hat, sondern eben auch an Menschen und vor allem auch an sich selbst. Und nachdem er selbst mehrere Monate Lachgas zu sich genommen hat, war er sich sicher, dass Lachgas nicht schädlich für den Menschen war. Ihm ging es ja immer noch gut. Und kurzerhand Freunde, Freundinnen, Wissenschaftler, Wissenschaftlerin und auch ein paar Patienten, Patientin eingeladen, um einfach mal selbst das Gas zu inhalieren.

06:48

Und er hat schon vorher immer voll das euphorische, glückliche Gefühl gespürt und auch seine ganzen Gäste und Gästinnen konnten eben dieses tolle, euphorische Gefühl wahrnehmen. Und so kam es dazu, dass Davy immer wieder mehr angefangen hat, immer wieder Leute einzuladen, mit der Aufforderung, eben auch ihre Erfahrung mit dem Gas aufzunehmen. Im Jahre 1800 publizierte er dann sein Ergebnis in einem Buch

07:15

Nehmer schon zu dieser Zeit den analgetischen Effekt von Lachgas beschreibt, also die schwertstillende Wirkung und auch das Potenzial von Lachgas für Operationen.

07:26

Außerdem, ich meine, ich sage es jetzt schon die ganze Zeit, aber Davy war schon die Person, die das Wort Lachgas etabliert hat, da er und auch seine Freunde, Freundinnen und Bekannten einen eben angenehmen kurzen Rausch verspürt hatten, bei dem sie dann auch vor allem zum Ende hin richtig dolleherzhaft lachen mussten. Und so entstand dann, ja, sehr naheliegend der Begriff Lachgas.

07:49

Das Ding war allerdings, dass Davy immer mehr von dem Lachgas abhängig wurde. Und er hat halt gerade noch so die Kurve bekommen…

07:56

Und er hat sich dann einfach anderen Themen gewidmet. Allerdings, nachdem er halt immer Leute eingeladen hat, um eben Lachgas zu konsumieren, das galt für ihn damals natürlich vor allem wissenschaftlichen Zwecken, ist die Idee, Lachgas zu Freizeitzwecken zu konsumieren, schon zu dem Zeitpunkt immer verbreiteter geworden. Und zwar nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den USA. Das heißt, die ersten Lachgas-Partys, Leute, sind einfach schon 200 Jahre her. Wie krass ist das denn?

08:26

Auch wenn Davy schon im Jahre 1800 auf die anergetische Wirkung hingewiesen hat, hat es doch trotzdem noch 44 Jahre gedauert, bis diese anergetische Wirkung noch mal tiefer angeschaut wurde. Und zwar war das der Zahnarzt Wells. Er ließ auf einer Wanderbühne als besondere Vorstellung Zuschauer*innen Lachgas einatmen.

08:49

Damals machte er die Entdeckung, dass eine Person, die sich eine klaffende Unterschenkelwunde zuzog, keine Schmerzreaktion gezeigt hat. Und er erkannte einfach die Bedeutung der Beobachtung. Ja, ich habe dem gerade Lachgas gegeben und jetzt hat er eben aus Versehen sich so eine krasse Wunde zugefügt und checkt es nicht mehr und hat daraus eben den richtigen Schluss gezogen und so seine erste Weisheitszahn-OP unter den Einfluss von Lachgas durchgeführt.

09:15

durchgeführt, ohne dass er selbst dabei Schmerzen gespürt hat. Dies wiederholte er dann gleich mal an 15 anderen Patient*innen, wo es ja nur in zwei Fällen nicht geklappt hat und das war für ihn als Quote erstmal gut genug. Wells wollte dann seine Erfindung auch der Öffentlichkeit zeigen und zur Schau stellen. Das ist ihm leider missglückt und ja, die Vorstellung verließ Wells leider als sehr gebrochener Mann und hat sich vier Jahre selber dann suizidiert.

09:42

Erst im Jahr 1863 wurde dann Lachgas mehr und mehr in der Zahnmedizin eingesetzt und Wells‘ Assistent Colton hat dann mehr als 25.000 Patientinnen in seiner Klinik damals mit diesem Gas behandelt. Lachgas wurde allerdings sich als nicht stark genug eingeordnet, dass man Menschen damit in Narkose legen kann. Es wurde um 1876 jedoch als erster Schritt einer Narkose genutzt,

10:08

Also man hat erstmal ein wenig Lachgas und dann die stärkeren Narkosegase wie Chloroform genutzt, um Menschen eben in eine Narkose zu legen. Inzwischen wird Lachgas in der Medizin noch gegen Schmerzen bei mäßig schmerzhaften chirurgischen Eingriffen genutzt. Hier gibt es dann eine fixe Kombination aus 50% Lachgas und 50% Sauerstoff, um eben einem Sauerstoffmangel vorzubeugen.

10:31

Wenn man Lachgas nun googelt, taucht vor allem der zahnmedizinische Nutzen auf. Und zwar wird Lachgas gerne bei Angstpatientinnen im Zahnarzt genutzt, damit die überhaupt eine Behandlung zulassen können, aber darüber hinaus auch eben eine positive Erkrankung.

10:47

Erfahrung machen können. Das gleiche ist bei Menschen, die einen hohen Würgereflex haben. Auch bei denen wird Lachgas angewendet, damit die eine Behandlung zulassen können. So viel zu der spannenden und reichen Geschichte zu dieser Substanz. Wir gehen jetzt weiter zum Freizeitkonsum. Wir wollen uns gar nicht so sehr mit dem medizinischen

11:08

nutzen, aufhalten, denn ja, hier gibt es ja schon hauptsächlich um Freizeitkonsum. Also schauen wir mal, was die Wirkung von Lachgas mit sich bringt. Werbung

11:25

Lachgas flutet super schnell an und wieder ab. Das bedeutet, der Rausch ist super kurz und das bedeutet tatsächlich wirklich maximal zwei Minuten, wenn man Glück hat, aber eher ein paar Sekunden bis zu einer Minute, also ein wirklich langer,

11:41

kurzer Rausch. Man bekommt ein enormes Glücklichkeitsgefühl, das oft eben dazu führt, dass man lacht, daher eben auch der Name, wie wir das schon in der Geschichte gehört haben. Auch die Akustik ändert sich in dem Sinn, dass man lauter und intensiver hört. Der Blick wird unscharf. Zum Teil kann es tatsächlich zu halluzinogenen Wirkungen kommen und manche KonsumentInnen erleben eine bewusstseinserweiternde Wirkung bis hin zu Verlust der eigenen Person, also so eine gewisse Ich-Auswahl

12:10

Und rein körperlich reden viele von einem angenehmen Prickeln und Kribbeln am Körper und ein sanftes Wärmegefühl. Wir haben hier also einen kurzen intensiven Wohlfühlrausch als erwünschte Wirkung. Wie entsteht diese Wirkung im Gehirn?

12:32

Es besteht so ein bisschen der Urban Mythos, also ich habe das auf jeden Fall so gehört und viele, die ich gefragt haben, sind auch davon ausgegangen, dass die Wirkung von Lachgas dadurch entsteht, dass dem Gehirn der ganze Sauerstoff entzogen wird. So, das ist zum Glück nicht so. Ähm…

12:53

Aber ich fand das ganz witzig, weil ich hatte das irgendwie auch mal so erzählt bekommen. Und dann habe ich, wenn ich immer recherchiere, dann frage ich immer so die Leute um mich rum. Und das kannte irgendwie jeder und wurde oft auch nicht so ganz hinterfragt. Jetzt, wo ich mal in Ruhe darüber nachdenke, ja, es ist zum Glück nicht so. Also ja, die Wirkung kommt eben nicht dadurch, dass das Sauerstoff dem Gehirn entzogen wird,

13:20

Allerdings muss man auch dazu sagen, dass die Wirkung von Lachgas im Gehirn nicht so ganz geklärt ist. Lachgas setzt auf jeden Fall an mehreren Rezeptoren im Gehirn ein und die anästhetische, halluzinogene und auch euphorische Wirkung wird, wie man annimmt, vor allem über die Interaktion mit dem NMDA-Rezeptor dem Ganzen zugeschrieben. Lachgas ist nämlich ein NMDA-Antagonist.

13:50

Das sind auch andere Substanzen wie zum Beispiel Ketamin, DXM oder auch Opiate. Und der NMDA-Rezeptor zählt zu den Glutamatrezeptoren. Das heißt, der Rezeptor wird normalerweise von Glutamat aktiviert. Die NMDA-Rezeptoren helfen…

14:08

Unter anderem elektrische Signale zwischen den Neuronen zu senden. Also wenn genügend NMDA-Rezeptoren blockiert sind, können die Neuronen nicht mehr untereinander wirklich kommunizieren und es kommt zu einer Anästhesie. Also ja, dem Ausschalten des Empfindens, wenn man so will. Aber eben auch zu Halluzinationen und außerkörperlichen Wahrnehmungen. Davon geht man auf jeden Fall aus. An sich ist halt an diesem Punkt zu sagen, und das hört man vielleicht auch ein bisschen raus, wie ich das beschreibe, dass…

14:33

dass wir halt wirklich nur sehr bedingt wissen, was in unserem Gehirn und in unserem Körper in dem Sinne abgeht.

14:41

Und ja, ich hatte ja am Anfang diese nautische Metapher gemacht, die auch für viele Substanzen relativ geil funktioniert hat. Aber wenn sich halt die Wissenschaft nicht mal richtig klar ist, wie das Ganze funktioniert und es sehr komplexe Zusammenhänge gibt, wie eben bei diesen NMDA-Rezeptoren, die eben für diese Kommunikation zwischen Neuronen sorgt, ja, was will man sagen, dann klappt meine geile Metapher leider nicht mehr so gut.

15:07

weil das einfach viel zu komplex ist. Also wir können leider, auch wenn ich es gerne hätte, das nicht einfach in eine kleine Metapher packen und damit alles erklären. Es funktioniert, um die Grundlagen zu verstehen und das Grundsystem zu verstehen, aber wie man das jetzt hier eben auch bei Lachgas sieht, ist es eher schwierig.

15:27

Aber wie gesagt, es gibt ein Erklärungsmodell für die Wirkung von Lachgas und das ist eben die Interaktion als Antagonist mit den NMDA-Rezeptoren. Also dass sozusagen durch das Lachgas NMDA-Rezeptoren blockiert werden und dadurch eben die Kommunikation zwischen den Neuronen gestört ist und es dadurch eben einmal zur Anästhesie kommt, eben zu diesem Nicht-Empfinden und eben auch zu diesen Halluzinationen und außerkörperlichen Wahrnehmungen.

15:57

Schauen wir uns nun mal die Nebenwirkungen an. Also es gibt einmal akute Nebenwirkungen, die man also schon bei dem Konsum merkt. Das ist erstmal ein großer Druck aufs Innenohr. Dadurch kann es zu Schädigungen am Ohr kommen, vor allem wenn man eine Mittelohrentzündung hat. Das heißt kein Lachgas bei Mittelohrentzündungen. Das kann richtig blöd ausgehen.

16:21

Außerdem kann es eben durch diesen Druck im Ohr zu einem Schwindelgefühl kommen und das eben aufgrund dieses Druckanstiegs.

16:30

Das Weitere, und daher kommt wahrscheinlich auch dieser Mythos, dass die ganze Wirkung kommt, weil man keinen Sauerstoff hat, kann es eben auch dazu kommen, dass man eben durch geringe Sauerstoffbeimischung bewusstlos werden kann, weil einfach zu wenig Sauerstoff ans Gehirn kommt. Und so kann es natürlich auch im schlimmsten Fall zu Organschäden kommen. Wenn ihr euch an die Geschichte erinnert, da habe ich gesagt, dass in der Medizin

16:53

immer 50/50 gemischt wird zwischen Sauerstoff und dem Gas, damit es eben genau zu diesem Effekt nicht kommt.

17:01

Wir reden gleich nochmal im Safer-Use-Teil über diesen Aspekt, aber na klar, wenn kein Sauerstoff ans Gehirn kommt, kann es eben sein, dass man bewusstlos wird und dass es eben auch zu Schäden kommen kann. Kurz nach dem Konsum kann es zu einem Down kommen, wie man das vielleicht auch von anderen Substanzen kennt, wie zum Beispiel MDMA, aber natürlich in kürzerer Art und Weise. Und man hat

17:24

bei Lachgas auch ein ziemlich hohes Craving, also dass man nach dem einen Konsum sehr schnell wieder Bock hat, also sofort wieder Bock hat, weiter zu konsumieren. Schauen wir uns auch noch gleich die Langzeitnebenwirkung ein. Durch die Belastung im Ohr kann es eben zum Schädigungen des Ohrs kommen bis hin zum Gehörverlust. Bei regelmäßigen bis täglichen Konsum beeinflusst das Lachgas, dass man sich zufügt, den Vitamin B2 Haushalt und das zwar ordentlich,

17:50

Der B2-Vitamin-B2-Haushalt ist wichtig für den Schutz unserer Nerven und wenn es eben zu einem Mangel kommt, was bei häufigen Konsum guter Fall sein kann, kann es eben zu verschiedenen neurologischen Störungen wie Koordinations- und Bewegungsprobleme kommen, aber auch Taubheitsgefühle.

18:13

Hallo, hier ist 2025 Steffi und mir ist in dieser Folge der Fehler unterlaufen. Es geht natürlich nicht um Vitamin B2, sondern Vitamin B12. Also Lachgas baut einen Mangel oder kann einen Mangel von Vitamin B12 auslösen, was eben auch zu diesen Nervenstörungen führen kann.

18:37

Lachgas wird ja auch in der Medizin verwendet und da ist es typisch, dass man sozusagen nach einer Lachgas-Session, zum Beispiel nach dem Zahnarzt, auch Vitamin B12 supplementiert. Es gehört also auch in den Rahmen von Safer Use, ab und zu mal sich seinen Vitamin B12-Wert checken zu lassen und bei Bedarf diesen zu supplementieren, wenn man eben einen Mangel aufbaut. Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß mit dem Rest der Folge.

19:10

Und wenn man eben nicht aufpasst, kann es zu Sauerstoffmangel kommen.

19:14

und dadurch zu Hirn- und Organschäden. Ist der Sauerstoffmangel im Blut zu extrem, besteht eben auch zusätzlich eine Erstickungsgefahr. Wenn wir uns noch das Thema Abhängigkeitserkrankungen bzw. Substanzgebrauchsstörungen in Bezug auf Lachgas anschauen, ist eine physische, also eine körperliche Abhängigkeit bis jetzt nicht bekannt. Allerdings kann es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen, vor allem durch dieses krasse Craving, was man nach dem Konsum hat.

19:40

Und weil der Rausch eben so schnell ist. Also diese schnelle Anfluten und Rausfluten. Musik

19:49

Lachgas ist ca. 1 Stunde nach der Einnahme nicht mehr nachweisbar. Also wir haben hier eine sehr kurze Nachweisbarkeitszeit. Und beim Mischkonsum sollte von anderen Downern abgesehen werden, also kein Alkohol, GHB, GBL, Opioide oder Benzodiazepine. Denn durch die Mischung von Lachgas und eben diesen Downer kann es zu einer Erhöhung des Sedierungseffekts kommen und somit auch zu einer Ohnmacht.

20:14

Außerdem kann es beim Mischkonsum von Lachgas und anderen Downern wahrscheinlicher sein, dass man einen Filmriss bekommt, aber auch Übelkeit und Erbrechen. Beim Konsum von Lachgas gibt es einige Safer-Use-Regeln, die man beachten soll. Lachgas wird hauptsächlich in so Kapseln verkauft. Das sieht ein bisschen aus wie so, ja, so…

20:38

Ich finde ein bisschen wie das obere von Zeppelinen, nur aus Eisen. Aber vielleicht bin ich die Einzige, die diese Assoziation damit hat. Und man sollte niemals das Lachgas direkt aus diesen Gaskapseln konsumieren. Das Gas ist nämlich an sich sehr, sehr kalt. Und wenn man das sozusagen direkt aus dieser Kapsel konsumiert, kann es dazu kommen, dass man eben eine Erfrierung an der Lippe oder auch in der Erfrierung am Kehlkopf kommt und da eben auch Gewebe abstirbt.

21:07

Außerdem hat so eine Gaskapsel echt ordentlich Druck und bei unsachgemäßiger Öffnung kann das halt echt durch den Raum schießen. Und vor allem, wenn man das dann auch noch mit Nägeln oder ähnliches öffnet, kann sich da wirklich ein Geschoss bilden oder ein Geschoss daraus werden, was einfach unfassbar gefährlich werden kann. Wie ich jetzt schon sehr oft gesagt habe, ist es super wichtig, beim Lachgaskonsum Sauerstoff zuzuführen. Also nicht irgendwie…

21:31

durch den Ballon einatmen und gar keinen Sauerstoff zuzufügen, sondern wirklich schauen, dass man vorher tief einatmet, den Luftballon immer wieder absetzt, nachatmet und schauen, dass man eben auch seinen Körper mit Sauerstoff anreichert. Allgemein soll von einem Konsum mit einer großen Flasche und einer Sauerstoffmaske abgesehen werden, weil da ist dann meistens gar kein Sauerstoff mehr dabei.

21:54

Tut man das eben nicht, also man schaut nicht auf die Sauerstoffversorgung, kann es eben zu einer Sauerstoffunterversorgung kommen, also einer Hypoxie. Dadurch können halt Hirnzellen irreparabel beschädigt werden und im Extremfall kann es zu einem apallischen Syndrom kommen, also ein wachchromatöser Zustand. Andere wichtige Safer-Use-Regel, die vielleicht auch ein bisschen obvious ist, Gas ist brennbar, also weg.

22:16

mit allen Feuern in der Nähe und auch nicht mit dem Feuerzeug öffnen oder ähnliches. Und Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen, mit einer Rippenfraktur, also ein Knochenbruch der Rippen, einer Mittelohrentzündung und Menschen, die irgendwann mal einen Tauchunfall erlitten haben und Schwangere und Stillende sollten allgemein vom Konsum absehen. Musik

22:40

Schauen wir uns mal den legalen Status an. Denn Lachgas ist weder im BTMG, also im Betäubungsmittelgesetz, noch im NPSG, dem neuen psychoaktiven Stoffengesetz, erfasst. Es fällt allerdings unter das Arzneimittelgesetz § 2. In diesem Gesetz geht es um den Verkauf von Arzneimitteln. Wir haben ja schon gelernt, dass Lachgas ein Anästhetikum ist und somit eben unmittelbar.

23:04

ein ganz normales Arzneimittel. Das heißt, Lachgas zu verkaufen mit dem Ziel, dass es Menschen zu Rauschzwecken konsumieren, ist damit nicht erlaubt. Das zählt aber nicht für den industriellen Verkauf, weil da ist es ja eben für was anderes gedacht. Ja, wo ich bei meiner Recherche zu Lachgas nicht dran vorbeigekommen bin und jetzt auch beschlossen habe, das einfach mal mit in diese Folge zu packen,

23:32

ist der Impact von Lachgas auf die Umwelt. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, okay, was hat Lachgas mit der Umwelt zu tun? Oder euch ist das völlig klar und ich bin die Person, die sich damit vorher nie richtig ordentlich beschäftigt hat. Aber ja, wir nehmen das jetzt einfach mal rein. Lachgas hat nämlich an sich ein sehr hohes Treibhauspotenzial. Vielleicht ein ganz kurzer Einschub, was überhaupt der Treibhauseffekt ist. So, jetzt wird es richtig oft zu meinen normalen Themen.

23:59

Im Prinzip bedeutet ja Treibhaus, ist ja das gleiche wie ein Gewächshaus, wie ein Glashaus. Und der Treibhauseffekt kann man genau mit so einem Gewächshaus auch vergleichen. Die Sonne kann eben ungehindert in das Gewächshaus scheinen, die Wärme kann aber aufgrund des Gewächshauses nicht einfach so entweichen. Das Gewächshaus unserer Erde ist, wenn man es mal so sagen möchte, die Atmosphäre, die unter anderem aus Gasen wie Stickstoff, Sauerstoff und Argon bestehen.

24:26

Tagsüber erwärmt die Sonne eben die Erde und nachts entweicht die Wärme wieder. Die Wärme geht zwar teilweise durch die Atmosphäre, aber ein Teil wird eben wieder zurückreflektiert. So wird es eben auch nachts auch nicht unfassbar kalt, deswegen ist erstmal der grundlegende Treibhauseffekt sehr wichtig für unser Überleben hier auf der Erde.

24:45

Das Problem ist aber, dass wenn zu viele Gase in der Atmosphäre sind, immer mehr Sonne auf die Erde als Wärmestrahlen zurückgestrahlt werden und sich dadurch eben die Erde immer mehr erhitzt. So und was hat das jetzt mit Lachgas zu tun? Lachgas verweilt super lange in der Atmosphäre. Man spricht hier von etwa 120 Jahren.

25:07

Lachgas ist zwar nicht so stark konzentriert in der Atmosphäre, ist aber laut Umweltbundesamt 300 Mal so schädlich wie CO2. Aber Lachgas ist allerdings nicht nur ein Produkt aus der Medizin oder des Freizeitkonsums, sondern eben auch ein Teil von stickstoffhaltigen Düngemitteln in der Landwirtschaft oder Prozesse in der chemischen Industrie sowie auch Verbrennungsprozesse. Also Lachgas wird eben ja bei verschiedenen Tätigkeiten in Industrie und Landwirtschaft auch erzeugt.

25:33

Und geht damit eben in die Atmosphäre und beschürt den Treibhauseffekt. Ja, so viel zu Umwelt und Geografie mit Steffi. Ich fand das einfach super wichtig, bei dem Thema auch mal zu erwähnen. Beziehungsweise ich habe einfach so viel darüber gelesen, dass ich das dann auch einfach gerne hier loshaben wollte. Ich will es ja nicht umsonst gelesen haben.

25:56

Aber mit diesem kleinen Einschub zu Treibhauseffekt und Lachgas sind wir auch am Ende dieser Folge angekommen. Ich hoffe, ihr fandet Lachgas genauso spannend wie ich und wart auch überrascht, was es dazu alles zu erzählen geht. Ich war es auf jeden Fall und hatte dementsprechend auch groß viel Spaß, das alles zu recherchieren.

26:17

Genau. Und sonst gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Ich gehe jetzt am Samstag schön mit meinen zwei besten Kumpels in Urlaub und lasse mir in Slowenien ein bisschen die Sonne auf dem Bauch scheinen. Und ja, dann hören wir uns in alter Frische in zwei Wochen, beziehungsweise wann auch immer du gerade diese Folge hörst, in der nächsten Folge. Bis dann. Tschüss. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.


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