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Wenn Gaming zum Familienkonflikt wird | Was Eltern tun können

Medienabhängigkeit und exzessives Gaming belasten nicht nur die betroffene Person selbst, sondern oft auch das gesamte Familiensystem. In dieser Live-Folge geht es um die Frage, was Eltern tun können, wenn ein Kind oder Jugendlicher fast nur noch zockt, Schule, Hobbys und Alltag in den Hintergrund geraten und zu Hause immer mehr Druck entsteht. Gemeinsam mit Christopher Schön wird deutlich: Kontrolle, WLAN-Entzug oder ständige Nachfragen können kurzfristig Handlungsmacht vermitteln, führen aber häufig zu mehr Gegendruck, Konflikten und Distanz.

Im Mittelpunkt steht deshalb ein anderer Zugang: achtsam wahrnehmen, was die Situation bei Angehörigen selbst auslöst, eigene Werte klären und wieder mehr Flexibilität im Handeln gewinnen. Die Folge führt in zentrale Gedanken der Akzeptanz- und Commitment-Therapie ein und zeigt anhand eines konkreten Fallbeispiels, wie Eltern aus der dauerhaften Problemkontrolle herausfinden können. Es geht nicht darum, Gaming zu verharmlosen, sondern darum, Beziehung, Selbstbestimmung und klare, realistische Schritte wieder stärker in den Blick zu nehmen.

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Mein Sohn zockt nur noch, was kann ich tun?

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PODCAST-METADATEN
Folge: 121
Erscheinungsdatum: 09.10.2025
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Mein Sohn zockt nur noch, was kann ich tun?
Sprecher: Stefanie Bötsch, Christopher Schön

Typ: Transkript

00:01
Erst mal mit Achtsamkeit wahrnehmen, was passiert denn jetzt hier gerade, anstatt es sofort wegzumachen. Ich muss, was mir Kontrolle gibt, loslassen. Und das ist natürlich dann auch sehr intensiv. Eigentlich muss jeder Patient und jede Patientin, die zu mir in Behandlung kommt, sich diese Metapher antun. Musik

00:33
Hallo und herzlich willkommen zur wirklich zweiten Live-Aufnahme meines Podcasts Psychoaktiv.

00:54
Und ich finde es immer total besonders, auch vor Publikum mal so ein bisschen Einblicke in eine Podcast-Folge und wie diese entsteht zu geben. Und

01:04
falls hier vielleicht jemand noch nie von Psychoaktiv gehört hat. Ich habe Psychoaktiv vor fünf Jahren gegründet und habe mir zur Aufgabe gemacht, den Themenkomplex Drogen, Konsum und Sucht wirklich so differenziert und wissenschaftlich wie möglich in meinem Podcast zu besprechen. Inzwischen gibt es tatsächlich über 100 Folgen zu wirklich den unterschiedlichsten Themen und

01:28
Jeden Monat wird psychoaktiv von mehreren 10.000 Menschen gehört. Was mich einfach so glücklich macht, dass es so viele Menschen gibt, die sich wirklich auch so viel Zeit auch dazu aufwenden, sich mit diesem sehr wichtigen Thema umzusetzen.

01:44
auseinanderzusetzen. Und diese Folge wird ja auch dann ausgestrahlt. Deswegen möchte ich ganz kurz auch für die Hörer, die heute nicht hier sitzen, erklären, wo wir überhaupt heute sind. Denn ich bin gerade in Wuppertal im Rahmen der Aktionstage Sucht hat immer eine Geschichte mit dem Schwerpunktthema Digitale Medien und mentale Gesundheit. Und es gibt ein wunderschönes Motto meiner Meinung nach, und zwar Mindful Online, Peaceful Offline. Und das ist ein sehr, sehr guter Motto.

02:12
Und da kommen wir auch zum Gast des heutigen Podcasts. Und zwar Christopher Schön. Schön, dass du mit mir heute diese Podcast-Folge machst. Ja, hallo Stefanie. Vielen herzlichen Dank für die Einladung.

02:25
Und ich bin auch froh, hier mit eingeladen worden zu sein, zu diesen Aktionstagen hier in Wuppertal. Vielleicht stelle ich dich einfach mal kurz auch vor. Du bist nämlich Facharzt für Psychiatrie und Suchttherapie. Du bist Suchtmediziner. Du machst den wunderbaren Podcast schön achtsam.

02:41
passt ja auch total zum Motto heute, zu Mindful Online. Und du hast auch einen Ansatz, und zwar den ACT-Ansatz, nach dem du deine Arbeit ausrichtest. Und ich freue mich schon heute, deutlich mehr über diesen Ansatz zu erfahren. Weil ich glaube, der ist auch für die Arbeit, gerade mit Zuchterkrankungen und Konsumproblemen, total wertvoll. Musik

03:06
Wir hatten uns überlegt für heute, dass wir das praktisch aufziehen wollen. Und deswegen habe ich einen Fall mitgebracht. Wir richten heute unseren Blick auch auf die Eltern, die ja auch junge Menschen darin begleiten sollen, dürfen, müssen, sich mit den digitalen Medien besser auseinanderzusetzen. Was natürlich auch ein unfassbarer Druck ist. Und ich weiß auch, dass viele Eltern sich ein bisschen alleingelassen fühlen mit dem Thema.

03:33
Und deswegen dachten wir, wir widmen genau dieser Folge diesem Thema. Chris, es ist eine alleinerziehende Mutter und die ist total erschöpft. Sie hat zwei Söhne, der eine ist schon aus dem Haus und der andere verbringt wirklich extremst viel Zeit vorm Computer. Eigentlich müsste der für die Abi-Prüfung lernen, das ist aber nicht mehr so wichtig.

03:56
Und es entsteht sehr viel Stress zu Hause. Und die Mutter versucht das immer mit guten Zureden und dann aber auch gleichzeitig vielleicht auch mal ein bisschen mit rabiateren Methoden. Das WLAN wird ausgestellt. Der Strom wurde mal gekappt in so einem richtigen Stressmoment. Aber es hat halt auch einfach das Problem, dass dadurch so viel Stress entsteht, dass das kaum aushaltbar ist.

04:18
Und dass man dann eher wieder zurückzuckt, das WLAN wieder einschaltet und einfach auch total überfordert ist mit der Frage: Wie bekomme ich denn meinen Sohn dahin, dass er seine Verpflichtungen wie eben die Schule und er hatte auch mal Hobbys, die jetzt total vernachlässigt werden außerhalb des Zockens, wie man den wieder in die Bewegung bekommt und ja, auch vielleicht sich ein bisschen mehr auf diese Dinge konzentriert.

04:44
Chris, wenn du so einen Fall hörst, was geht dir da so als allererstes durch den Kopf? Dieser Fall ist häufig. Also ich bin als niedergelassener Psychotherapeut, ärztlicher Psychotherapeut, häufig mit diesem Thema beschäftigt.

04:59
Vornämlich sind es die überforderten Mütter, die sich dann trauen, dieses Thema mal anzusprechen. Und wenn die mir ihre Situation erzählen, dann wird erst mal so deutlich, was die für einen Druck erleben in all der ganzen Zeit. Der Ältere aus dem Haus raus scheint irgendwie zu laufen, aber der Jungere bekommt die Kurve nicht. Müsste eigentlich nur noch das Abi finishen, aber das klappt so nicht.

05:28
Und das ist ganz häufig, dass in diesem Fall jetzt diese Mutter sich alleingelassen fühlt. Ich habe das noch mit

05:37
versucht, ihm auch noch mal klarzumachen, was ihm alles droht. Sollte er jetzt nicht wieder zur Schule gehen? Es ist erst mal häufig zu spüren, dass die ein so großes psychisches Leid erleben, was so rüberkommt. Und ich finde, es gehört als Erstes anzuerkennen, was diese Mutter schon geleistet hat.

05:59
Denn das ist oftmals gar nicht so gesehen, sondern häufig gibt es den Druck von Seiten der Gesellschaft, etwas sofort zu machen.

06:07
Das scheint ja nicht richtig zu funktionieren, also gilt es da, Druck auszuüben, damit das in die richtigen Bahnen kommt. Und das führt manchmal sehr viel mehr zu einem Teufelskreis, zu noch mehr Druck und Gegendruck. Und häufig zu so einer Distanzierung zwischen den beiden. Und das ist alles andere als günstig. Nun könnte man ja sich denken, es braucht ja eine schnelle Lösung.

06:32
Und die Idee, dass wenn ich zum Beispiel das WLAN ausschalte oder den Strom kappe, das produziert ja erstmal ein schnelles Ergebnis. Natürlich.

06:44
Übergangsweise ist dieses Gefühl der Hilflosigkeit vielleicht weniger nah. Also ich denke mal, das kennen wir alle, wenn so ein unangenehmes Gefühl wie Hilflosigkeit da ist. Okay, gut, wenn es nicht anders möglich ist, dann kappe ich dann erstmal die technischen Voraussetzungen und so eine Mann kann jetzt erstmal nicht spielen. Das Gefühl der Hilflosigkeit mag vielleicht übergangsweise dann weg sein, jedoch ist

07:12
gibt es dann auch entsprechend Gegendruck und vielleicht auch schlechtes Gewissen. Und das Gefühl der Hilflosigkeit wird dann gepaart mit Ärger wieder hochkommen, sehr viel näher als zuvor.

07:25
Das ist häufig dann der Fall und so bauscht sich das dann immer weiter auf zu so einem wirklich größeren psychischen Leid. Aber hätte die Mutter nicht vielleicht Erfolg, wenn sie das WLAN einfach ausgeschalten lassen würde und nicht wieder zurückzucken würde? Ja, auch das habe ich recht recently eine Patientin gefragt, was denn drohen würde. Sollte sie wirklich sagen, nee, du bekommst jetzt kein Gratis-WLAN mehr von mir.

07:52
Nun heutzutage sind die jungen Menschen sehr kreativ und so können dann auch technische Voraussetzungen wiederhergestellt werden, um dann weiter zu zocken, um weiter in Kontakt zu sein mit Leuten, die online weiterspielen wollen. Das ist häufig nicht ganz einfach, zumal

08:12
Ja, ich bin da auch überfragt, was technisch alles möglich ist. Aber das sehe ich als auch nicht so, ich sage mal, dienlich im Hinblick auf Langzeiteffekt. Wie will ich denn jetzt nur diese Beziehung zu meinem Sohn denn gestalten? Ist das jetzt etwas, was auf Dauer wirklich dienlich ist?

08:30
Das finde ich schwierig. Ich glaube, das ist auch einfach erstmal ein guter Punkt, dass neben dem WLAN zu Hause es ja auch sehr häufig überall anders WLAN gibt. Ich habe die Nacht von gestern auf heute hier im Camper verbracht und hatte Stadt-WLAN. Hat super geklappt. Fuppertal. Auf jeden Fall. Werbung

08:55
Gut, dann kommen wir an dem Punkt, dass sozusagen diese Einschränkungen nur bedingt zum Ziel führen. Und ich meine, genau das beschreibt ja auch diese Frau, dass sie sagt, naja, ich habe es ja probiert, aber im Prinzip halte ich auch den emotionalen Stress, der dadurch erzeugt wird, nicht aus. Aber wenn es nicht über…

09:19
Kontrolle, Regeln oder Konsequenzen funktioniert. Wie hat man denn überhaupt die Möglichkeit, dann Einfluss zu nehmen? Okay, ganz praktisch. Wenn wir uns dann diese verzweifelte Frau vorstellen, die als Mutter häufig diese unangenehmen Gedanken und Gefühle dann erlebt, dann kommt sie ja mit einem ganz bestimmten Anliegen. Und diese Aussage, was kann ich denn jetzt tun, dass der Sohnemann wieder funktioniert,

09:48
Das zeigt ja, dass da ein Bedürfnis ist. Das Bedürfnis ist da, dass es wieder, ich sag mal, wie zuvor so klappt. Und dieses Bedürfnis gilt es ernst zu nehmen. Nur sind auf dem Weg dorthin in Richtung der Bedürfnisse oder der eigenen Werte nun solche unangenehmen Gedanken und Gefühle vorhanden, wie zum Beispiel das Gefühl der Hilflosigkeit, vielleicht auch das Gefühl der Scham,

10:14
Oder dieser Gedanke, ich bin eine schlechte Mutter. Und diese unangenehmen Gedanken und Gefühle sind manchmal so ätzend, dass man die am liebsten schnell weghaben will. Mit dem Resultat, dass wenn wir diesem Impuls, oder die Mutter, wenn sie diesem Impuls nachgibt, möglichst dieses unangenehme Gefühl oder diesen Mix aus Gefühlen und Gedanken wegzubekommen, was passiert? Übergangsweise ist es nicht so nah dran.

10:39
Jedoch entfernt sie sich ja damit dann von der eigentlichen Art, wie sie mit ihrem Sohn in Kontakt tritt. Und das ist etwas, was in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie, das ist meine Art der Verhaltenstherapie, so besonders herausgearbeitet wird. Und das ist etwas, was, wie ich auch ganz zu Anfang sagte, auch von mir erstmal so praktiziert wird, das so anzunehmen, dass diese Frau sagt,

11:05
großen psychischen Druck ausgesetzt ist und dieses Leid gehört erstmal ernst zu nehmen. Und das ist etwas, was vielen auch erstmal hilft. Angenommen gesehen zu werden, kann schon mal ganz, ganz viel Druck rausnehmen. Dass das ein völlig konformes Gefühl ist, Hilflosigkeit zu erleben, diesen Gedanken: Ich bin eine schlechte Mutter.

11:29
Das ist eine völlig typische Reaktion auf diesen Druck, den sie da erlebt. Und das kann schon mal ganz, ganz viel Druck daraus nehmen. Ich finde, da sprichst du auch so einen sehr wichtigen Punkt an, wo ich auch häufig in meiner Angehörigenarbeit immer auch mal wieder Irritation von den Eltern oder auch Partnern erlebt habe, als ich dann angefangen habe, mich sehr für sie als Person zu interessieren.

11:54
Weil häufig ist es ja so bei Angehörigen, da dreht sich alles um die Person, die sich am besten verändern soll. Sei es das Kind, sei es der Partner.

12:03
Und wenn ich dann frage: „Ja, wie geht’s Ihnen eigentlich?“ Dann kommt häufig so: „Ja, das ist… weiß ich nicht. Also darüber habe ich echt schon lange nicht mehr nachgedacht.“ Und manchmal aber auch so ein bisschen so eine Abwehr im Sinne von: „Ich will hier jetzt nicht über mich reden. Mein Partner soll doch aufhören zu trinken. Mein Kind soll doch aufhören zu zocken. Warum soll ich denn jetzt über mich nachdenken?“ Ganz häufig.

12:26
Häufig auch da, wie du es auch in diesem Fall so schön beschrieben hast, es gibt sofort den Impuls, etwas wegzumachen. Das gehört doch jetzt wieder sofort geregelt. Mensch, warum geht der Junge denn nicht in die Schule?

12:39
Und in diesem sofort Wegmachen liegt nach der Akzeptanz- und Commitment-Therapie häufig das größere Problem. Jedoch erst mal mit Achtsamkeit wahrnehmen, was passiert denn jetzt hier gerade, anstatt es sofort wegzumachen, als sei das jetzt ein Problem, das sofort gelöst werden muss. Und ich denke mal, wir gehen auch sicherlich nachher noch mal darauf ein, denn digitale Medien, sie sind so allgegenwärtig,

13:06
Und so verfügbar. Wir können stets beim Warten auf das nächste Event unser Handy zücken und dann „Heyday“ spielen oder irgendwas. Das ist so verfügbar. Und ja, ich habe es mir auch mal kurz runtergeladen, „Heyday“. Das ist so verführerisch. Und das ist etwas, was nicht so aus dieser Gesellschaft rauszunehmen ist. Ich schweife ab, ich merke es.

13:33
Es ist wirklich erstmal wichtig, das mit Achtsamkeit zu begucken. Was ist denn da eigentlich alles? Zwar diesen Impuls, das in die richtige Richtung zu bekommen, aber auch da mit Achtsamkeit erstmal zu gucken, was ist denn da?

13:49
Das ist schon ein großer Gamechanger, machen viele nicht. Du hast ein Problem, geh zur Suchtberatung, die helfen dir da, geh in die Klinik und reiß dich am Riemen, krieg das irgendwie auf die Kette. Das ist so sehr viel mehr in der Gesellschaft so drin. Die Lösung scheint halt auch einfach so einfach zu sein, wenn man eben selbst das Suchtproblem nicht hat.

14:11
dann fühlt sich das manchmal an wie, wenn du nur aufhören würdest zu zocken, das ist doch einfach eine Unterlassung eines Verhaltens, dann hast du weniger Probleme, dann habe ich weniger Probleme, super. Warum kannst du es nicht einfach lassen? Und das zieht sich ja gerade dieser Frust, das ist das Drama der Abhängigkeitserkrankung auch, dass es eben nicht nur die Person selbst betrifft, sondern auch das ganze soziale Umfeld betrifft.

14:36
und es auch eine sehr, sehr große Hilflosigkeit auslöst. Und was ich mich jetzt gefragt habe, Chris, ich weiß, du hast eine wunderschöne Metapher und da würde ich dich einfach auch einladen, die vielleicht mit uns zu teilen, mit der Frage, was kann man denn eigentlich kontrollieren? Okay, also erst mal, was kann man kontrollieren? Ja, okay, dann auch auf die Gefahr hin, dass jetzt so das Gefühl der Enttäuschung hochkommt. Ich gehe es trotzdem mal durch. Wir können kontrollieren, das, was wir sagen können.

15:06
Wie wir es sagen, was wir anpacken, was wir tun, unser Verhalten. In dem entsprechenden Kontext gewählt, das ist das, was wir wirklich kontrollieren können. Was wir nicht so ohne Weiteres kontrollieren können, das ist das, was unter unserer Haut ist, unsere Innenwelt. Mit Gedanken und Gefühlen und Körperempfindungen. Was wir ebenfalls auch nicht so ohne Weiteres, ich würde sagen, gar nicht kontrollieren können, ist die Innenwelt unseres Gegenübers.

15:39
und auch das Verhalten von den Leuten um uns herum. Wir mögen zwar mit denen in einem wertekonformen Kontakt sein, aber ob mein Gegenüber auch diesem so folgt, wie wir uns das wünschen, ist nicht sofort gesagt. Ich meine, wir sind hier gerade an entsprechender Stelle. Wie häufig gibt es auch da

16:04
Wunderbare Gespräche mit Klärung und Erkenntnissen und Motivation, ganz groß, zehn von zehn. Ich mache von nun an täglich Sport und klar, nach der Zeit, wir kennen es alle, dann kommt da so was da rein und dann ist man dann doch nicht mehr so ganz motiviert, das so zu machen wie ganz zu Anfang. Also auch das ist so einer Fluktuation unterworfen.

16:32
Was können wir wirklich kontrollieren? Wir können kontrollieren, was wir sagen, was wir tun, unser Verhalten.

16:39
Und wenn dieses Verhalten nach unseren Werten und Bedürfnissen ausgerichtet ist, da komme ich sicherlich später nochmals drauf zu, dann haben wir unser Teil dazu beigetragen und in die richtige Richtung gebracht. Ich würde an der Stelle mit dieser Metapher gleich weitermachen. Das fände ich super. Meine Lieblingsmetapher, beziehungsweise eigentlich muss jeder Patient und jede Patientin, die zu mir in Behandlung kommt, sich diese Metapher antun.

17:07
Spätestens in der zweiten Sitzung. Ich frage dann so an. Und das wäre jetzt, ich spreche jetzt mit der gestressten Mutter. Okay, was kommt in Ihnen hoch, wenn Sie in dieser Situation mit Ihrem Sohn sind und Sie feststellen, der Sohnemann hat keine Hausaufgaben gemacht, war heute nicht zur Schule. Dann würde die Mutter, so sagte sie mir auch, es kommt Frust, Ärger, Scham hoch und dieser Gedanke, ich bin eine schlechte Mutter.

17:37
Okay. Und dann frage ich Sie: Stellen Sie sich vor, diese unangenehmen Gedanken und Gefühle wären in einem Wasserball. Stellen Sie sich vor, Sie sind an einem Tag im Freibad. Sonne scheint und da ist auch schon so einiges aufgebaut. Sonnenliege, Pommes, Eisbauchkäufer, alles ist am Start. Wunderbar. Der Pool, wunderbar temperiert. Jedoch dieser Wasserball mit diesen unangenehmen Gedanken und Gefühlen ist da. Und Sie sagen sich: So will ich den Tag nicht haben.

18:07
Wäre schöner, wenn der weg wäre. Also, Sie gehen in den Pool, nehmen sich den Wasserball und drücken ihn unter die Wasseroberfläche. Super. Und diese unangenehmen Gedanken und Gefühle sind nicht mehr ganz so nah. So erscheint der Tag erst mal besser. Okay. Jedoch nach einer gewissen Zeit des Runterdrückens werden die Arme schwer. Und einmal unachtsam, was passiert?

18:29
Jo, der Ball kommt wieder hoch. Und nicht nur, dass dieser Ball mit Frust, Ärger und Scham hochkommt, jetzt kommt noch das Gefühl des Ärgers mit dazu. Stellen Sie sich vor, Sie packen den Ärger mit in den Ball und der Wasserball wird größer. Und Sie sagen, so will ich das nicht haben. Shit. Sie nehmen sich wieder diesen Wasserball vor und drücken ihn wieder unter die Wasseroberfläche. Das schaffen Sie auch. Und auch wieder mal sagen Sie sich, ja, ich muss mich halt nur ein bisschen mehr anstrengen.

18:57
Auch da, nach einer gewissen Zeit, es wird wieder anstrengend, einmal unachtsam, kommt dieser Ball wieder hoch. Und jetzt kommt nicht nur dieser schon größer gewordene Wasserball hoch, jetzt kommt das Gefühl der Verzweiflung mit hoch. Auch das mit in den Wasserball reingetan, der Wasserball wird noch größer. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie würden das die gesamte Zeit, so wie in den letzten Jahren so tun. Immer wieder der Kampf mit dem Wasserball an dieser einen Stelle.

19:23
Haben Sie dann überhaupt mal die Chance, in Richtung Sonnenliege, Pommes und Eisverkäufer zu kommen? Nee, eigentlich nicht. Und stellen Sie sich vor, Sie würden das die nächsten Jahre so weitermachen, immer nur an dieser einen Stelle mit diesen unangenehmen Gedanken und Gefühlen kämpfen. Sieht so ein erfüllter Tag im Freibad aus? Nee, eigentlich nicht. Okay. Und dann kommt die alles entscheidende Frage. Sind Sie bereit, auch im Beisein von unangenehmen Gedanken und Gefühlen,

19:52
Zu sagen, ich drücke den Wasserball nicht runter, ich lasse den oben. Denn was habe ich dann frei? Ja, meine Hände. Und wenn die Hände frei sind, so unangenehm auch diese Gedanken und Gefühle sind, haben Sie dann die Möglichkeit, mit dieser in der frei gewordenen Energie in Richtung Sonnenliege zu gehen. Ja, dann schon etwas eher. Okay, und wenn Sie das so täten, haben Sie dann die Chance, einen etwas erfüllteren Tag im Freiberg zu haben.

20:19
Und wenn die Leute und insbesondere dann so eine gestresste Mutter dazu übergeht auch zu sagen: Ja, ich darf auch diese unangenehmen Gedanken und Gefühle so annehmen, wie sie sind. Denn somit habe ich die Chance, diesen Kampf aufzugeben und meine Energien in eine wertekonforme Beziehung mit meinem Sohn bringen. Und somit erarbeiten wir uns: Was ist denn eigentlich für diese Betroffene

20:47
eine wertekonforme Konstellation. Kommt sie auch Ihren Bedürfnissen näher, sodass es für Sie einen etwas erfüllteren Tag bringt. Und wir wissen alle, wenn Angehörige natürlich die Chance haben, ihre Akkus aufzuladen,

21:02
dann sind natürlich dann auch mehr Ressourcen da für die Beziehung zum Beispiel zu dem jungen Erwachsenen da. Und somit ist diese Wasserballmetapher häufig Ausgangspunkt für Gespräche. Ich frage dann auch, in den Folgesitzungen, sehr viel konformer, kommen sie auch im Beisein ihres Wasserballs?

21:25
dem, was ihnen wirklich wichtig ist, an Werten und Bedürfnissen näher? Oder ist jetzt mit dem Wasserball gerade wieder so eine Fusion, ein Verschmolzensein so da, sodass sie nichts anderes mehr vom Freibad sehen?

21:40
So viele Worte. Ich hoffe, das kam rüber, oder? Das kam total rüber. Es ist im Prinzip, wenn wir in diesen ganzen sehr starken, unangenehmen Gefühlen, die so viel Stress auslösen, dass wir natürlich die komplette Flexibilität in unserem Handeln verlieren, weil uns eben diese Gefühle so stark leiten. Das frage ich aber mal so ganz patzig.

22:02
Weil ich mir das sehr gut vorstellen könnte, dass das auch durchaus in meiner Erfahrung mit Angehörigenberatung durchaus ein Thema war, ist, naja, schön und gut, jetzt bin ich vielleicht ein bisschen entspannter, aber ändert nicht so viel daran, dass mein Sohn trotzdem nicht in die Schule geht. Und wir kommen ja immer wieder zurück auf den Punkt von, dass man sich Ergebnisse wünscht, dass man sich klare Veränderungen wünscht bei jemandem,

22:24
dem man bei Jugendlichen ja durchaus auch in der Verantwortung steht. Ich finde, bei Partnerschaften ist es nochmal was anderes. Vielleicht mal Thema für eine andere Podcast-Folge. Aber gerade bei Kindern, umso jünger sie werden, umso mehr Verantwortung trage ich ja auch für das Ergebnis. Und ich kann absolut nachvollziehen, wie schwierig das ist, diesen Wasserball abzulegen.

22:45
auch anzunehmen, weil der Druck besteht ja nicht nur aus einem drin, sondern auch extrem von außen. Absolut, absolut. Mega, Megadruck. Und wir reden jetzt, in deinem Fallbeispiel war es jetzt der 18-Jährige. Und natürlich die Verantwortung der Mutter natürlich, auch dafür zu sorgen, dass dieser die Chance hat, einen Schulabschluss zu bekommen, um die Option zu haben, dann weiterzukommen. Ein Megadruck.

23:12
Deswegen ist das auch so was von wichtig, dieser betroffenen Mutter zu signalisieren, hey, das ist nicht einfach. Nicht einfach. Die Vorstellung, der Ältere ist schon aus dem Haus raus, das läuft da irgendwie so. Aber bei dem Jüngeren kriege ich das irgendwie nicht hin. Wie peinlich. Was denken wohl die Nachbarn? Und Gott, oh Gott. Man hat doch heutzutage so viele Optionen. Hast du denn nicht schon mal und so weiter.

23:39
Da ist ganz, ganz viel Druck drin. Und natürlich …

23:43
Also bitte, ganz klar, meine Patientinnen und Patienten bekommen nicht einfach diese Metapher gesagt und dann läuft das. Also das ist natürlich auch ein Prozess, sich darauf allein einzulassen, diesen Wasserball mal etwas hochkommen zu lassen, ist ein ganz großer Prozess. Wie gesagt, wir kennen das aus unserer Gesellschaft, dann haben wir unser Ziel nicht erreicht. Du hast deinen Sohn nicht geschafft, da durchs Abi zu bekommen und so weiter.

24:12
Das ist natürlich super ätzend, dieses Gefühl zuzulassen. Ja, und auch da gilt es an erster Stelle zu schauen, okay, in welche Richtung will ich. Ziel, das ist auch nochmal eine schöne Formulierung, die du da gebracht hast. Wir sagen auch in unserer Gesellschaft zielorientiert. Ein Ziel gehört aber auch realisierbar zu.

24:35
angepasst formuliert, welches auch zeitlich umgesetzt werden kann. Und wenn nun mal, ich sag mal, das Abitur jetzt nicht das ist, was, ich sag mal, wertekonform ist, sondern vielleicht wirklich too much, dann gilt es auch da mit Achtsamkeit, auch wenn vielleicht Enttäuschungsball hochkommt, zu sagen, okay, gut, dann ist es nicht das Abitur, sondern dann wird geguckt, okay, was kann ich mit der 10. Klasse denn jetzt noch machen?

25:04
Das ist natürlich eine große Sache. Jedoch starr zu sagen, das gehört sich so, das muss jetzt klappen mit Nachhilfe und weiß der Geier und so weiter und Zwangsverpflichtung, das kann, ich sage mal so, noch mehr Leid führen, wie gesagt. Du hast eine schöne Formulierung gebracht, und zwar die Flexibilität. Meinen Patientinnen und Patienten sage ich auch, genauso wie dieser betroffenen Mutter,

25:31
Wenn Sie die Freiheiten haben, selber zu entscheiden, wann drücke ich diesen Wasserball runter und wann gehe ich mal so ein bisschen mehr in Richtung Sonnenliege, dann haben wir Optionen. Und nicht nur diese Starrheit, ich muss doch hier funktionieren. Diese unangenehmen Gedanken und Gefühle oder das Gefühl der Verzweiflung und Scham, das muss jetzt sofort weg.

25:54
Flexibilität ist das, was ich mit den Leuten angehe. Und wenn auch dann mal, ich sag mal, zu altem Verhalten übergegangen wird, wie zum Beispiel, okay, aus lauter Frust habe ich ihm denn jetzt, was weiß ich, irgendwie den Router geklaut oder so. Ja, das mag so sein, dass das auch mal dienlich war in der Situation, kontextabhängig.

26:16
Aber auch da hüten Sie sich davor, dass das wieder zu so was Starrem wird. Starr mit dem Wasserball kämpfen. Ich würde gerne nochmal auf den Aspekt der Ziele tiefer eingehen. Mich interessieren die Ziele meiner Klienten sehr. Und ich wende auch gerne viel Zeit darauf auf, wirklich so viel von dem Ziel meiner Klienten zu erfahren, wie es geht und wirklich das auch so konkret werden zu lassen.

26:42
Und es ist ja gerade bei Angehörigen aber schon häufig so, dass erst mal nur Ziele für andere genannt werden. Also mein Ziel ist es, dass mein Sohn sein Abi macht. Mein Ziel ist es, dass mein Sohn aufhört zu zocken. Und ich glaube auch, und ich glaube, dafür braucht man auch eine hohe Sensibilität in der Beratung, anzuerkennen, dass es erst mal hart ist, für sich zu akzeptieren, dass ich mir selbst keine Ziele für andere setzen kann.

27:09
Und das funktioniert nicht, weil das eben, wie wir vorhin auch drüber gesprochen haben, überhaupt nicht in unserem Kontrollfeld liegt. Was wir aber machen können, ist sozusagen für uns selbst ein Konzept,

27:23
und einen Plan zu machen, der auch unter anderem Einschränkungen des Spielens in irgendeiner Art und Weise sein kann, keine Frage. Aber es muss halt sozusagen in ein stimmiges Konzept gelegt werden und darf auch nicht außerhalb von einer Beziehungsgestaltung mit dem Sohn passieren. Aber das ist erstmal für sich einzusehen, auch als

27:43
vor allem als Elternteil, dass wir trotz allem auch nur eine begrenzte Art von Kontrolle haben. Das ist erst mal auch ein harter Prozess, der Raum braucht, gerade in der Zielklärung, wenn man so einen Beratungsprozess startet. Absolut. Realisierbare Ziele.

27:59
gehören wirklich auch gut besprochen. Ich versuche es zu raffen. Ich denke mal, Sie alle kennen auch Smart Goals. Schon mal sicherlich gehört. Smart Goals, ein Synchronym, S für spezifisch. Welche Zielsetzung kann ich wirklich spezifisch mir überlegen? M für motiviert nach meinen Werten. Da gebe ich ganz, ganz viel Energie drauf. Wie will ich sein?

28:24
zu zum Beispiel meinem Sohn. A für angepasst, R für realisierbar und T für terminiert, dass es auch wirklich zeitlich so drin ist. Und somit versuche ich zum Beispiel dieser betroffenen Mutter zum Beispiel zu klären, okay, was wäre denn ein spezifisches Ziel, Smart Goal, welches diese Kriterien hat.

28:44
Und auch da, ich möchte in einem M, motiviert durch Werte, in einem liebevollen, unterstützenden Kontext mit meinem Sohn sein. Und dann wäre es zum Beispiel auch angepasst und vielleicht auch realisierbar, dass sie sich damit auseinandersetzt, womit zockt er denn überhaupt? Welches Spiel ist es? Ist es irgendwie so ein Gartenspiel oder Age of Empires oder Ego-Shooter?

29:10
Was spielt der denn da eigentlich? Zum Beispiel, das wird einfach nur so in einen Pott gesetzt häufig. Also diese betroffene Mutter, die ich so jetzt vor meinem Auge habe, wusste gar nicht, dass der so eine Mann, League of Legends, in dem Spiel sehr viel mehr die Chatfunktionen nutzt, um mit seiner Peergroup in Kontakt zu bleiben. Das war ihr gar nicht so klar.

29:34
Also sehr viel mehr war ihm daran interessiert, um Mitternacht, wenn die Gang sich dann trifft online, dabei zu sein. Das war sein Bedürfnis und was ihm einfach durch dieses Online-Gaming sehr viel näher war.

29:51
Und somit auch da, die Mutter hatte ich dann dazu bekommen können, smart goals konform zu schauen, okay, was ist es dann eigentlich? Erklär mir doch mal, was du da spielst auf deinem Handy und kann man das wirklich nur am PC oder wer trifft sich denn da? Hast du die schon mal kennengelernt? Um da in so einem Kontakt zu treten, statt sofort weg, weg, weg. Zocken ist doof und so weiter. Zocken ist erlaubt, wenn Schule gemacht ist, entweder.

30:21
Es war natürlich auch für sie ein nicht einfacher Prozess, aber ein realisierbares Goal hatte sie dann geschafft, um da so ein etwas mehr Zugang zu bekommen. Und ich glaube, damit sprichst du auch einen sehr wichtigen Punkt an. Was wir einfach gerade in der digitalen Welt für ein Problem haben, ist wirklich auch erstmal anzuerkennen, dass viel auch des Sozialen und der Freizeitgestaltung digital stattfindet und dafür auch ein ernsthaftes Interesse besteht.

30:49
zu entwickeln. Ich weiß noch bei mir, als ich noch Computer gespielt habe damals als Jugendliche, jetzt habe ich da überhaupt keinen Bezug mehr dazu tatsächlich, war es halt tatsächlich irgendwie, keine Ahnung, ich habe Patterson und Findus gespielt. Das spielt man dann 30 Minuten. Da gibt es jetzt nicht so viel zu erfahren drüber als Eltern. Ich glaube, das kann man dann schon leichter einfach so behandeln wie ein Spiel. Ob ich jetzt eine halbe Stunde Puzzle oder eine halbe Stunde Patterson und Findus spiele, da geht es einfach nur darum, Bildschirmzeit zu begrenzen.

31:16
Und ich glaube, da ist dann doch nochmal ein deutlicher Unterschied, mit was wir heutzutage konfrontiert sind. Denn wir haben komplexe Spiele, also klar, World of Warcraft gab es damals auch schon, aber komplexe Spiele mit sozialem Austausch, wo Peer-Gruppen-Verhalten stattfindet, wo man Menschen kennenlernt. Ich habe mehrere Kumpels, die sagen, ja, den kenne ich nur durchs Zocken. Das ist für mich komplex.

31:39
die jetzt mit der Welt nicht so viel zu tun hat. Aber das sind halt Leute, mit denen man unfassbar viel Zeit verbracht hat, weil man halt einfach auch viel Zeit spielt. Und drauf kommt natürlich auch das ganze Social Media. Und das ist jetzt erstmal auch im ersten Schritt auch…

31:53
zugunsten der Beziehungsbildung mit seinem Kind und die Beziehung nicht zu verlieren, so im ersten Schritt auch erstmal Interesse zu entwickeln, was passiert überhaupt? Es ist halt deutlich komplexer als ein Patterson- und Findus-Spiel. Und zu verstehen, was das Kind auch daraus gewinnt und auch zu verstehen, was schränke ich da ein?

32:11
Absolut. Ja, sehr viel komplexer. Ich hatte neulich noch einen schönen Beitrag gehört über Eskapismus. Eskapismus. 20, 30 Jahre gibt es diesen intellektuellen Begriff. Die 68er hatten dann ganz klar gesagt, also gute Laune, Fernsehen, das ist die Flucht aus der Realität und das gehört verboten. Dalli-Dalli-Shows und so weiter, blöd. Nee, man muss sich der Realität stellen, so.

32:39
Naja, diese Medien haben sich nun geändert. Wir haben alle mindestens ein Smartphone dabei und eine Smartwatch und wir können und so weiter.

32:48
Das ist sehr viel zugänglicher und das ist auch ein bisschen erlaubter. Ich meine, ein ganz blödes Beispiel, es war verpönt, mit einem Handy auf Toilette zu gehen. Heutzutage wird man noch daran erinnert, sein Handy mitzunehmen, wenn man auf Toilette geht. Könnte ja langweilig werden. Könnte langweilig werden, ganz genau. Da hast du nicht was vergessen. Da hat sich so viel verändert und die Entwicklung wird sich nicht wieder zurückdrehen. Das wird nun mal so sein. Und diese sozialen Bedürfnisse, die wir haben, die passieren da.

33:17
Die passieren da. Und jemanden da, ich sag mal, von zu kappen, ganz, ganz schwierig. Ich hatte einen 23-Jährigen, der wie gesagt nur in diesen Online-Foren war. Und letztendlich habe ich dann mit Erschrecken feststellen müssen, dass er ja fast schon therapeutisch mit seiner Peergroup unterwegs war. Er hatte dann so die Eingangsfrage gestellt, sag mal, nervt euch eure Mutter auch? Und dann konnten alle sich sofort so mit einklinken und waren sofort dabei.

33:46
Ich fand das so markant. Häufig, so kenne ich es ja auch als Impuls, ich bin zweifacher Vater, meine beiden Töchter haben auch da einen sehr viel anderen Zugang zu der Online-Welt gefunden. Und wie mein Nachbar dann aber auf einmal meinte, so, machen deine Kinder auch nix? Moment mal, wie nix? Naja, also unsere sind da nur noch online und machen sonst nix.

34:13
Nein, die sind, ich sage mal, in einem Umfeld, wo auch was Bereicherndes, Neues dazu kommt, wo sich ausgetauscht wird. Und definitiv gehört das anerkannt und gewertschätzt. Absolut. Und ich meine, gerade wenn man dann auch in den Kontakt tritt und vielleicht sich mal ein bisschen…

34:33
vielleicht auch eine gewisse Entspannung als Eltern gewinnen, zu sagen: Okay, es geht vielleicht erst mal nicht um Kontrolle und ich muss was durchsetzen, sondern ja, man darf ja trotzdem einem klar sein: Okay, die Computerzeit muss runter. Ich glaube, der war gar nicht 18 in meinem Beispiel, der war nur im Abi. Also ich meine, das muss man natürlich auch sehen. Irgendwann ist es nicht mehr die Aufgabe, dann dürfen Kinder auch auf eigenen Beinen stehen.

34:56
Aber solange minderjährig und solange schulpflichtig, gilt es ja auch so ein bisschen dafür zu sorgen und zu unterstützen, den Weg zu finden. Was aber auch, und das finde ich auch ein wichtiger Punkt, vielleicht auch einfach eine Ausbildung und raus aus der Schule sein kann, wenn das nicht läuft. Also da darf man ein bisschen Flexibilität gewinnen. Das darf einem ja klar sein, aber es ist ja auch wirklich was komplett anderes, wenn man die Regeln mit dem Kind eventuell auch gemeinsam entwickelt, mit einem guten Verständnis für was da eigentlich gerade passiert ist.

35:24
Und zu versuchen zu verstehen, okay, was fehlt vielleicht auch und was wird vielleicht auch digital ersetzt, was braucht es und wie kommen wir da überhaupt hin? Weil Druck fördert Gegendruck und genau die Situation, die wir in unserem Fallbeispiel haben, ist ja genau diese klassische Situation von, okay, ich baue mehr Druck auf, der Druck kommt zurück oder das Kind fühlt sich in die Ecke gedrängt.

35:47
geht noch mehr in die Eskapismushaltung eigentlich, weil es kein Umfeld mehr hat, wo es sich wohlfühlt. Und das kann halt eben eine Situation zu Hause extremst eskalieren. Absolut. Und diese Wasserballmetapher kann man ja auch, ich sag mal, auch weiterhin ausbauen. Welche Bereiche sind es denn, die du an deinem Tag im Freibad auch wirklich explorieren willst? Also die Sonnenliege, wofür steht die denn eigentlich? Sind es die Umgebung?

36:11
Beziehungen, sind es persönliche Interessen, das wäre vielleicht die Pommesbude oder der Eisladen steht für einen erfolgreichen Job, wo ich selbstbestimmt sein kann und meine Zeit selber verplanen kann. Aber

36:27
Auch das, es gibt mehrere Bereiche. Es ist nicht nur eine geradlinige Sache, die wir zu folgen haben, sondern es gibt auch da mit Flexibilität genau zu gucken, was führt denn zu einem erfüllten Tag, wie gesagt, im Freibad oder zu einem erfüllten Leben. Ich gebe in dem Rahmen…

36:42
gerne als Inspiration meinen Klienten mit, dass sie doch mal versuchen sollen, eine Woche oder zwei bis zum nächsten Termin ihren Kindern keine Fragen mehr zu stellen, weil die meistens sind, hast du schon deine Hausaufgaben erledigt? Wie viel hast du heute gezockt? Und immer diese kontrollierenden Fragen gehen. Man ist extremst im Außen oder extremst im Kind.

37:02
Und dann gerade, weil man vielleicht gar nicht mehr weiß, wie diese Sonnenliege ausschaut, deswegen komme ich da gerade drauf, da habe ich so, stellen Sie doch mal zwei Wochen keine Fragen. Nehmen Sie mal sozusagen dieses Bedrängen raus, gucken Sie mal, was entsteht.

37:14
Schlimmer kann es ja aktuell gerade anscheinend eh nicht werden. Dann werden diese Fragen, die nicht gestellten Fragen, die geben einem nur ein falsches Gefühl von Kontrolle. Und gucken Sie vielleicht mal, was für sich entsteht und vielleicht auch, was bei dem Kind entsteht, weil das wird wahrscheinlich auch erstmal maßlos irritiert sein, dass es, wenn es sich bewegt, nicht mit Fragen bombardiert wird. Und das finde ich eigentlich eine schöne Übung,

37:35
und auch eine schöne Erfahrung, die häufig auch zu interessanten Erkenntnissen für viele meiner Klienten führt und auch sehr schwer ist, weil das ist das allererste Mal, wo man dann sagt, okay, ich muss sozusagen das, was ich das Gefühl habe, was mir Kontrolle gibt,

37:48
Und das ist natürlich dann auch sehr intensiv. Also ein mega Beispiel nehme ich gerne als Inspiration heute mit. Definitiv nehme ich das heute mit. Denn das verinnerlicht ja auch dann die Bereitschaft, unangenehme Gedanken und Gefühle hochzulassen. Also sprich, diesen Wasserball hochkommen zu lassen. Dann aber auch das Commitment, jetzt nicht diesem Impuls nochmals zu fragen, hat es denn wirklich die Hausaufgaben gemacht, ja?

38:18
Genau das sind die Grundpfeiler der Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Alles, um einen etwas erfüllteren Tag im Freibad zu haben. Und machen das viele? Können die sich darauf einlassen, eine Woche lang nichts zu fragen?

38:35
Ich habe selten, glaube ich, den Fall, dass es komplett durchgezogen wird, aber es entsteht sofort eine Achtsamkeit, weil ich merke, sobald eine Frage fällt, eine kontrollierende, dass sie sofort denken, ah, Frau Birsch meinte, ich soll das doch mal eine Woche lassen. Und schon dadurch entsteht ja was, dass man irgendwie auch kommt, also dass sozusagen die Frage schon eher eine Eigenreflexion auslöst, als sich so sehr sozusagen auf das Kind dann zu konzentrieren. Und ich merke, dass die Fragen gelten.

39:03
geringer werden über die Zeit. Und auch, dass häufig das Kind anfängt, Sachen zu fragen. Also, das Kind aus der Ecke rauskommt, das eben mit lauter Fragen und Kontrolle in die Ecke gerutscht ist, weil der Druck einfach groß ist. Und dann merkt: Okay, jetzt hab ich plötzlich wieder Raum.

39:20
Und diesen Raum dann auch im besten Falle nutzt, um selbst mal wieder Kontakt aufzunehmen. Und das ist ja was, was viele Eltern gar nicht mehr kennen. Und das ist ja auch was, was sehr viel Trauer auslöst. Dass man das Gefühl hat, man hat die Verbindung zu seinem Kind verloren. Weil eben dieser Druck, der ausgeübt wird, weil es halt einfach nicht läuft, diese Verbindung häufig auch kappt.

39:38
weil der Raum fehlt und vor allem auch der Raum fürs Kind fehlt. Und die Eltern oft auch das Gefühl haben, das Raum fehlt für mich, weil ich mich nur noch auf die Probleme meines Kindes konzentrieren muss. Ja, bin vollkommen bei dir. Eines meiner am häufigsten genannten Werte von den Betroffenen allgemein ist Selbstbestimmtheit.

39:57
Und das finde ich so, so wichtig. Selbst zu bestimmen, wann mache ich das mit dem Wasserball runterdrücken und wann gehe ich dann wirklich zu dem, was mir wirklich von Herzen her wichtig ist. Dass da ganz viel Spiel ist, gar keine Frage. Und wir verfallen auch immer wieder mal in, ach komm, machst du morgen. Jedoch was uns wirklich, wirklich wichtig ist, sollte unser…

40:18
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40:39
Ich mache jetzt mal einen kleinen Sprung, beziehungsweise hast du es ja schon häufig erwähnt, von, gerade meinst du schön, das sind die Grundpfeiler von ACT, von der Akzeptanz-Commitment-Therapie. Ich bin auf diesen Ansatz tatsächlich erst vor ein paar Wochen gestoßen und habe mein erstes Buch dazu gelesen und dachte mir, Wahnsinn, das ist der Ansatz, der auch sehr viel von meiner eigenen Haltung, einer sehr zieloffenen, sehr stark akzeptanzbasierten Haltung widerspiegelt und

41:07
nährt und Konzepte mit reingibt, die ich unfassbar hilfreich finde. Und deswegen finde ich das so schön, dass wir heute darüber reden und dich als Experten für ACT mit dabei haben und dass vielleicht auch einfach mal diesen Ansatz durch den Podcast und heute so auch ein bisschen mehr immer einen Scheinwerfer drauf richten. Und vielleicht magst du uns das jetzt mal so ein bisschen konkreter nennen, was ACT denn eigentlich ist.

41:31
Dankeschön. Deine Fragen bis jetzt haben wunderbar dazu hingeführt. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie ist eine Verhaltenstherapie. Sie gehört zu der dritten Welle der Verhaltenstherapie und wurde in den 80er Jahren nach entsprechender Forschung von Professor Hayes, einem Professor aus Nevada, ins Leben gerufen und mit diesem Namen dann so versehen.

41:57
Und auch das, wie vorhin schon so an diesen praktischen Beispielen genannt, Akzeptanz für das, was du nicht verändern kannst. Unangenehme Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen, die zum Beispiel in so einem Kontext mit Auseinandersetzung mit so einem Mann passieren. Akzeptanz. Dann be open. Offen zu sein, wie gesagt, wäre jetzt der englische Begriff dazu, be open.

42:22
Be present ist jetzt die zweite Säule, wirklich im Hier und Jetzt zu sein. Im Hier und Jetzt zu sein, mit Achtsamkeit nicht zu bewerten, sondern einfach mit Achtsamkeit wahrnehmen, was da jetzt gerade ist, sowohl in der Außenwelt, aber auch insbesondere in der Innenwelt. Und die dritte große Säule, do what matters, ist der Part Commitment.

42:50
Und zwar das Commitment wirklich zu sagen, ich möchte konform meiner Werte wirklich die Beziehung zu meinem Sohn so gestalten, wie ich das für so wichtig erachte. Und so schwierig es mir auch fällt, ich werde ihn jetzt eine Woche lang nicht nerven mit irgendwelchen bohrenden Fragen.

43:09
Und werde jetzt dieses beginnen, in die Richtung dahin zu wirken. Also insgesamt gibt es sechs Säulen, genau sechs Prozesse. Und diese drei Säulen sollen das nochmal so verinnerlichen. Be open, akzeptierende Haltung. Be present, im Hier und Jetzt mit Achtsamkeit darauf schauen. Und do what matters, den Commitment Part wirklich so zu fördern.

43:33
Das in komprimierter Art und Weise. Ich finde es von dem Ansatz her auch sehr spannend, weil ich mir natürlich die Frage gestellt habe, während ich das Buch gelesen habe, könntest du denn eine Grundhaltung

43:47
anhand von EGD formulieren gegenüber der Erkrankungssucht? Weil wir schon auch teilweise sehr rigoros diesem Thema entgegenstehen von der professionellen Suchthilfe, vor allem gegenüber der stationären professionellen Suchthilfe, was sich wahrscheinlich mit dem EGD-Ansatz manchmal so ein bisschen beißt. Jo, also ich selber, für alle die, die hier tätig sind, ich war lange Zeit Oberarzt der Fachklinik Langenberg.

44:13
und kenne somit dann auch so einige Wuppertaler, vielleicht begegnen mir auch noch so einige damalige Patienten noch mal. Somit, ich kenne ganz, ganz viele Innenweltphänomene, die mir Patientinnen und Patienten immer wieder gesagt haben. Zum Beispiel auch unangenehme Gefühle wie Frust, Ärger, Verzweiflung. Verbunden mit diesem Gedanken, wenn ich doch die und die Substanz konsumiere,

44:41
dann habe ich doch zumindest übergangsweise, solange diese Substanz wirkt, etwas Ruhe vor diesem Ball oder vor diesem unangenehmen Gedanken. Und das ist so verdammt nochmal verführerisch. Und wenn dann die entsprechende Verfügbarkeit auch noch dabei ist, oh, dann ist natürlich dann so der Weg dahin sehr easy.

45:04
Und das ist das, was so schwierig ist, denen, ich sag mal, ja, man kann sie nicht einfach wegschnippen, nicht wegkontrollieren. Denn dieses hat sich so verinnerlicht, und du gehst in zahlreichen deiner Podcast-Folgen auch darauf ein, das hat sich so verinnerlicht. Wenn ich doch, ich weiß, dass ich in der und der Dosis dann zumindest das Gefühl der Entspannung habe. Sag ich, anfangs vier Flaschen Bier, dann musste es aber schon fünf, sechs Flaschen sein und so weiter.

45:33
Da kommen dann die entsprechenden Konsequenzen dazu. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie vermittelt, dass diese Gedanken und Gefühle da sein dürfen.

45:44
Und das ist etwas, was in der Gesellschaft nicht so einfach drin ist. Häufig, und so habe ich es auch als Oberarzt erlebt, gehören Strukturen geschafft, wo diese Gedanken tunlichst nicht aufkommen. Sie müssen sich ablenken, sie müssen täglich Sport machen, drei Stunden im Gym und so weiter mindestens. Und wöchentlich zum Psychotherapeuten und so weiter.

46:05
Wie unrealistisch ist das alles? Zumindest nicht auf Dauer haltbar. Und die Akzeptanz- und Commitment-Therapie in dieser annehmenden Haltung ist etwas, was schon irgendwie radikal anders ist. Und das ist etwas, was vielen, ich sage mal, auch so suspekt erscheint. Und definitiv die Krankenkasse bezahlt schon sowas. Dass solche unangenehmen Gedanken und Gefühle und ein Craving-Monster da sein dürfen und

46:31
Nur im Sinne der Selbstbestimmung zu sagen, ich nehme das wahr, aber die AA sagen es ja immer wieder, heute trinke ich nichts. Und dieses Commitment dann so zu halten, ist wirklich schwierig. Deswegen, es ist eine psychische Erkrankung, nicht nur anerkannt und so weiter, sondern es ist eine psychische Erkrankung, womit viele, viele zu tun haben und

46:51
Und du sagst es auch anfangs so, die Leute, die diese Monster, diese unangenehmen Gedanken und Gefühle in diesem Wasserball so nicht kennen und diesen Impuls, dieses möglichst rasch wegzumachen, für die ist das, ich sag mal, so was wie eine Verhaltensstörung und jetzt reiß dich mal zusammen und so weiter, das muss doch jetzt mal machbar sein. Das ist nicht so einfach. Denn diesen Weg zu verlassen, dauerhaft mit diesen Gedanken und Gefühlen, dieses runterzudrücken mit dem Wasserball,

47:20
Für etwas, was einen etwas erfüllteren Tag bringen kann, ist wirklich ein langer Weg und ein großer Prozess, wo sie alle daran beteiligt sind. Und ein Aspekt, den ich sehr wichtig finde, den du erwähnt hast und der mir auch, bevor ich mein erstes Eckbuch gelesen habe, sehr wichtig war in meiner eigenen Praxis, ist wirklich das Thema Werte. Und das war, glaube ich, eine Sache, die mich eben an dem Ansatz auch so gecatcht hat, ist, dass es das Thema Werte so extremst auffasst.

47:47
Weil ich würde mal kurz von meinen Erfahrungen sprechen, bevor ich dir gerne einen Ball weitergebe, dass du das nochmal von deinen Erfahrungen erzählst, ist, dass Krisen im Leben häufig damit einhergehen, dass man auch die Connection zu seinen eigenen Werten verliert, beziehungsweise die eine Zeit lang vergisst.

48:06
Der Stress ist zu groß und mein Wertekompass ist komplett irgendwie aus dem Gleichgewicht geraten. Und so schwere Erkrankungen wie eine Suchterkrankung macht das meistens noch viel stärker, weil man da häufig so Aspekte mit dabei hat, wie dass man Dinge macht, auch unter Konsum, die…

48:26
man auch wenig eventuell kontrollieren kann in der Zeit, die auch vor allem extremst gegen eigene Werte widersprechen. Und in einem Beratungskontext und im Therapiekontext Raum zu geben für die Frage, was sind denn eigentlich ihre Werte? Und sich dafür Zeit zu nehmen, diesen Wertekompass wieder aufzubauen, habe ich in meiner Praxis so gute Erfahrungen gemacht, weil das Leben, man hört ja häufig, wie Gefühle sind ein Kompass durch den Alltag.

48:53
Aber unsere Werte sind mein Kompass durch mein Leben. Das gibt mir Sinn, das gibt mir eine Richtung und es hilft mir auch, Entscheidungen zu treffen für mein Leben. Und deswegen war ich eben so begeistert, was ich schon länger auch gemacht habe, in diesem Ansatz zu finden und hoffe auch, da mehr Input zu bekommen, wie man das vielleicht noch schöner aufnehmen kann im Prozess. Und ja, vielleicht magst du dazu einfach gerne was sagen. Herzlich gerne.

49:18
Auch auf die Gefahr hin, dass ich so einige inhaltliche Dinge, die ich am Donnerstag zu 19 Uhr in meinem Vortrag bringen wollen würde, ich haue es jetzt raus. Die Sache ist, dass die Frage nach den Werten etwas ist, was so entscheidend ist. Ich gehe mit den Leuten dazu über, erstmal zu klären, was sind Werte und was sind Ziele.

49:40
Und dann recht rasch wird deutlich: Ziele kann man abhaken. Okay, einmal die Pyramiden in Ägypten gesehen, abgehakt. So. Werte sind ongoing. Werte Kompass, Werte Leuchtturm sind so schöne Beispiele dafür. Und die Frage nach den Werten ist für mich einfacher, indem ich die Leute frage: Wie wollen sie sein?

50:05
Zum Beispiel an diese Mutter gerichtet: Wie wollen Sie zu Ihrem Sohn sein? Ja, okay. Liebevoll, unterstützend, respektvoll. Okay. Und leben Sie diese Werte auch? Sind Sie liebevoll, respektvoll, was habe ich noch gesagt, unterstützend Ihrem Sohn gegenüber? So.

50:23
Ja, nee, heute nicht. Heute war ich so sauer, das und so weiter. Auch da, im Beisein von diesem unangenehmen Gefühl oder auch bei diesem Gedanken, ich bin eine schlechte Mutter, wirklich zu sagen, okay, wie wichtig ist es dir, diesen Werten zu folgen, liebevoll, unterstützend und was soll es noch, zu sein, respektvoll.

50:47
dann ist es jetzt nun an dir. Entscheide dich, wie willst du heute deinen Tag im Freibad haben? Und dieses Schritt für Schritt, Sisyphos-mäßig, und Sisyphos, ich denke mal, das kennen alle hier, die in der Suchtberatung tätig sind, gilt es auch immer wieder zu machen. Und es ist so spannend zu sehen, was sich dann noch ergibt. Das, worauf wir uns einlassen sollten, und das ist das, was auch dann mit Mindfulness und so weiter und auch Achtsamkeit einhergeht, ist,

51:15
Was nehme ich da wahr, wenn ich dann zum Beispiel dein Beispiel auch mit aufnehmen kann, sich vorzustellen, okay, ich habe jetzt diesen Gedanken, ich bin nicht mehr meinen Werten treu. Okay, ein Gedanke, der in diesem Wasserball hochkommt, kann dazu führen, dass das Gefühl der Enttäuschung hochkommt, auch Wasserball. Und jetzt an der Stelle, so unangenehm das auch ist, ich könnte mich jetzt wieder mit diesem Wasserball nur noch an dieser einen Stelle befassen und mein Ziel ist,

51:43
Sonnenliege aus den Augen verlieren. Da mit Commitment auch weiterhin zu sagen, ich bleibe aber auf Kurs, auch wenn dieser Gedanke da ist, ich habe mich von meinen Werten entfernt. Nimm es wahr als Gedanke,

51:55
Aber entscheide selber zu sagen: Ich will da hin. Das ist so das grobe Konstrukt, wie ich mit den Leuten Wertearbeit mache. Die große Frage ist, wie wir auf die Sonnenliege kommen. Schritt für Schritt, Schritt für Schritt. Und Werte gehören geklärt. Deswegen, ich bin da so bei dir, mit den Leuten wirklich zu schauen: Was führt zu einem erfüllten Leben? Auch jetzt an den, ich sag mal, jungen Sohnemann gesprochen.

52:21
Er würde wahrscheinlich dann auch sagen, naja, es gehören ja schon noch irgendwelche Dinge erledigt, wie Einkäufe und solche Dinge. Und irgendwie Broterwerb gehört ja auch doch dazu. Und somit würde ich mit so einem Faktor,

52:46
jungen Erwachsenen dann auch versuchen, dahin zu wirken. Okay, was kannst du auch da realisierbar an Schritten tun, um einen etwas erfüllteren Tag zu haben? Wie zum Beispiel das Aufnehmen eines Praktikums oder dann doch in die Nachhilfe zu gehen, vielleicht doch eine unterstützende Maßnahme in der Drogenberatung oder so mitzunehmen. So, an der Stelle. Und auch das zieht sich vor Arbeit, aber wenn es uns wichtig ist, einen etwas erfüllteren Tag im Freibad zu haben…

53:16
Okay, Energie da rein. Und ich finde, da sprichst du noch einen ganz wichtigen Punkt an, den ich nochmal betonen möchte. Wenn es darum geht, dass ich mein Kind in die Reflexion bringen möchte und ihm was vorleben möchte, dann muss ich das ja erstmal vorleben. Und wenn ich selbst

53:33
sehr weit weg von mir bin und von meinen Werten und vielleicht auch gar nicht zur Ruhe komme und gar keinen Platz habe, dann wird das sehr schwierig, das auch seinem Sohn vorzuleben und vielleicht auch so Gespräche wie über eigene Werte anzuregen. Weil Jugendliche sind da meistens nicht dumm und sagen, Herr, du machst doch selbst nichts.

53:52
Du sitzt doch auch nur vorm Fernseher, weil du so fertig bist und arbeiten. Und du willst mir jetzt sagen, dass ich meine Freizeit besser verbringen möchte. Jetzt hat man sehr zugespitzt gesagt. Aber ich finde, der Aspekt des Vorlebens, sowohl des Verhaltens, aber auch tatsächlich seine eigenen Werte klar haben, weil dann kann ich meine Werte auch meinem Kind vorleben. Dass das einfach auf gar keinen Fall vergessen werden darf in dem Komplex. Absolut wichtig. Absolut wichtig. Für alle, die in der Kinder- und Jugend auch hier gearbeitet haben. Ich meine, klar.

54:21
Das passiert nur so. Wir werden von unseren Bezugsobjekten geprägt, natürlich. Und das Vorleben ist ganz, ganz entscheidend. Lass uns doch mal versuchen, das Ganze rund zu machen. Wir gehen wieder zurück auf die gestresste Mutter. Die möchte gerne grundlegend, sind wir ja mit der Frage gestartet, wie bewege ich meinen Sohn? Und jetzt vielleicht zum Abschluss dieses Interviews.

54:43
Was haben wir jetzt gesammelt? Wir haben gesammelt, erst mal achtsam auf sich selbst zu gucken. Was macht die Situation überhaupt mit mir selbst als Mutter? Was macht der Stress mit mir? Und auch durch die Akzeptanz und die Präsenz, selbst wieder überhaupt Flexibilität zu erlangen, überhaupt wieder Flexibilität im Handeln zu bekommen und dadurch überhaupt auch wieder reaktionsfähiger wird. Wir hatten den Tipp,

55:06
vielleicht mal eine Woche keine Fragen stellen, um überhaupt wieder Raum zu schaffen, dem Kind Raum zu geben und auch anzuerkennen, dass Druck sehr starken Gegendruck erzeugt. Wir haben den Aspekt der Werte, dass man die häufig in Stresssituationen verliert und dass es total Sinn macht, sich auf diese zu besinnen.

55:23
Und sie vorleben zu können, dem Kind vermitteln zu können, vielleicht mit dem Kind selbst reflektierende Gespräche zu führen und sich auch bewusst machen, dass man vorlebt, nicht nur in seinem Verhalten, sondern auch in seiner psychischen Gesundheit. Und dass natürlich das auch aufs Kind abfärbt und dass es deswegen sehr viel Sinn macht, auch wenn man erstmal möchte, dass ein Problem von jemand anderem gelöst wird, auf sich selbst guckt. Hört sich das rund für dich an? Ich kann dazu kaum noch… Genial.

55:52
Gut, das freut mich, dass ich das alles gut zusammenfassen konnte. Und als allerletzte Frage dachte ich mir vielleicht noch, jetzt haben wir vielleicht ein bisschen was von EGG gehört und ich kann mir vorstellen, dass vielleicht ihr im Zuschauerraum, aber auch Hörer dachten so, ich brauche ein bisschen mehr EGG in meinem Leben. Also ja, Akzeptanz, Präsenz, eine Werteklarheit, das hört sich alles super gut an. Ich glaube, das würde mein Leben deutlich einfacher machen,

56:20
Hast du einen ersten Schritt? Weil das sind ja alles riesengroße Themen. Und wenn ich so gerne meine ersten Schritte Richtung Eck gehen möchte, was wäre denn der erste? Achtsamkeit. Also das ist der aus meiner Sicht erste Schritt. Achtsamkeit. Das, was ich in der Außenwelt mit meinen fünf Sinnen wahrnehme. Und ebenso auch Achtsamkeit für das, was in meinem Wasserball drin ist. An Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen. Mit dieser Achtsamkeit zu starten,

56:46
ermöglicht uns, weitaus mehr zu sehen von dem Freibad als nur diesen Wasserball. Und alles andere ergibt sich dann. Natürlich kann ich auch darauf hinweisen, dass es einen Podcast gibt, der heißt „Schönachtsam“, der auch immer wieder praktische Beispiele bringt und, ich sag mal so, Grundzüge vermittelt.

57:07
Natürlich ist das kein Ersatz für ein gutes Lehrbuch zur Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Da finden Sie ganz, ganz viele Ansätze. Ich plädiere dafür, dass auch dieser Ansatz der Verhaltenstherapie auch, ich sag mal, in der Gesellschaft weitergebracht wird. Und diese Ansätze sind ja jetzt nicht revolutionär neu. Mit Achtsamkeit zu schauen, was kann ich wirklich kontrollieren, das kann sicherlich Einzug finden. Und ich würde mich freuen, wenn das weitergeht.

57:33
Und einige von Ihnen dann auch so nochmal als Reminder vielleicht so mitnehmen. Das würde mich freuen. Finde ich einen mega schönen Abschluss. Ich gebe meinen Klienten im Rahmen der Achtsamkeit immer mit. Das ist häufig, das ist so meine erste Aufgabe, die ich mitgebe, mit achtsamen Atemzügen. Immer wenn ich daran denke, auch wenn es nur einmal am Tag ist, der erste Schritt sein kann. Und sonst kann ich natürlich deinen wunderbaren Podcast empfehlen, der auch wirklich tolle, auch geistige,

58:00
kürzere Impulse teilweise hat, die ich auch die Metapher findet man da noch mal und habe auch echt schon tolle, achtsame Impulse von deinem Podcast bekommen, den ich natürlich auch in den Shownotes verlinke, für die, die gerade zuhören. Und dann würde ich sagen, haben wir da eine runde Sache draus gemacht. Christopher, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, auch an alle Zuschauer heute. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich bin sehr froh, dass ich Teil dieses Aktionstages sein durfte. Und danke schön.

58:35
Musik Musik


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