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Fliegenpilz (amanita muscaria)

Der Fliegenpilz gilt vor allem als giftiger Pilz, besitzt aber zugleich eine lange Geschichte als psychoaktiv genutzte Substanz. Für seine Wirkung sind vor allem Ibotensäure und Muscimol relevant, wobei Muscimol unter anderem durch Trocknung und Erhitzen aus Ibotensäure entsteht. Der Rausch unterscheidet sich deutlich von klassischen Psychedelika wie LSD oder Psilocybin: Beschrieben werden wechselnde Phasen von Wachheit und Schlaf, Verwirrung, veränderte Wahrnehmung, intensive Farben, ein verändertes Zeitgefühl und teils sehr lebhafte Träume.

Die Folge geht der Geschichte des Fliegenpilzes, seiner Verwendung in verschiedenen kulturellen Kontexten und seiner pharmakologischen Besonderheit nach. Thematisiert werden schamanische Anwendungen, historische Berichte über den Konsum von Urin, die Wirkung von Muscimol am GABA-A-Rezeptor sowie mögliche unerwünschte Effekte wie Übelkeit, Schwindel, Angst, Krämpfe oder starke Müdigkeit. Auch die verbreitete Vorstellung vom unmittelbar tödlich giftigen Fliegenpilz wird eingeordnet: Schwere Vergiftungen sind möglich, tödliche Verläufe werden jedoch deutlich seltener beschrieben, als sein Ruf vermuten lässt. Deutlich wird: Der Fliegenpilz ist weder ein gewöhnlicher Speisepilz noch einfach nur ein klassisches Psychedelikum, sondern eine psychoaktive Pilzart mit eigenständigem Wirkprofil und erheblichen Unsicherheiten bei Dosierung und Verträglichkeit.


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Fliegenpilz (amanita muscaria)

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PODCAST-METADATEN

Folge: 59
Erscheinungsdatum: 26.01.2023
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Fliegenpilz (amanita muscaria)
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript

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00:01

Achtung, giftig. Ich glaube, das waren ungefähr die ersten Worte, die ich als kleines Kind von meinen Eltern mitbekommen habe, wenn wir einen Fliegenpilz im Wald gesehen haben. Super giftiger Pilz, niemals pflücken, niemals anfassen, am besten niemals anschauen. Obwohl die auch natürlich wunderschön sind. Der Fliegenpilz ist ein sehr bekanntes Glückssymbol und trotzdem waren nicht nur meine Eltern vor der giftigen Wirkung, sondern wirklich an allen

00:28

Ecken des Internets. Aber ist der Fliegenpilz wirklich so giftig, wie man das schon seit der Kindheit eingebläut bekommen hat? In der heutigen Folge gehen wir der Frage auf die Spur, schauen uns die Wirkung des Pilzes an und welche Komplikationen diese vielleicht auch mitbringt.

00:43

Wir beschäftigen uns damit, warum der Konsum von Urin in Verbindung mit dem Fliegenpilz immer wieder aus verschiedenen Quellen erwähnt wird und warum das eventuell gar nicht so eine schlechte Idee ist. Und zum Schluss gehen wir dann noch auf die rechtlichen Aspekte ein. So viel sei schon mal gesagt, der Fliegenpilz fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Aber trotz allem sollte man einige Dinge beachten. Ich wünsche euch viel Spaß beim Hören.

01:16

Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein!

01:35

Willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv und schön, dass ihr wieder mit dabei seid. Wie schon erwähnt, geht es heute um den Pilz des Jahres 2022. Ich habe mich richtig geärgert, ich bin ein Jahr zu spät dran, hätte irgendwie sehr gut ins letzte Jahr gepasst. Trotz allem sei zu erwähnen, dass die Gesellschaft für Mykologie den Fliegenpilz oder lateinisch Amanita muscaria zum

02:01

Fliegenpilz des Jahres 2022 ernannt haben. Zuallererst habe ich mir die Frage gestellt, woher der Name Fliegenpilz überhaupt kommt. Denn irgendwie, wenn man sich einen Fliegenpilz vorstellt, rote Kappe, weiße Punkte, sieht

02:17

Der Fliegenpilz hat nicht so arg an Fliegen. Hat auch tatsächlich nichts mit dem Aussehen zu tun, sondern dass der Fliegenpilz als Fliegenfalle genutzt wurde. Dafür wurde der Fliegenpilz in kleine Stücke geschnitten und in gezuckerte Milch eingelegt und die Idee war, dass der Geruch die Fliegen anlockt und dann davon naschen und dann sterben.

02:35

Allerdings muss man sagen, dass das mit nicht so viel Erfolg gekrönt ist, denn die Fliegen werden maximal betäubt und wachen später einfach wieder auf, wenn sie wieder, sagen wir mal, nüchtern sind und fliegen dann einfach weiter. Trotz allem war das lange Zeit oder vielleicht auch immer noch eine Praktik, die viel vollzogen wurde und dementsprechend hat der Fliegenpilz auch seinen Namen bekommen. Der Fliegenpilz wächst vor allem unter Laubbäumen, vor allem unter Buchen und Birken, da er mit diesen eben in Symbiose steht.

03:04

Der Fruchtkörper erscheint in Mitteleuropa zwischen Juni bis Winteranfang, aber hauptsächlich von Juli bis Oktober. Ihr habt euch bestimmt schon gedacht, dass wenn wir den Fliegenpilz hier durchnehmen, in dem Podcast besprechen, wird er nicht einfach zum sofortigen Tod führen, weil das wäre irgendwie kein Stoff für eine Substanzfolge. Wir reden heute über den Fliegenpilz aufgrund seiner psychoaktiven Wirkung und die Bedeutung

03:32

Wichtigsten psychoaktiven Komponenten des Fliegenpilz ist Muskimol und Ibotensäure. Muskimol wird erst durch die Dekarboxylierung der Ibotensäure gewonnen und ist nicht natürlich im Fleisch des Pilzes vorhanden. Wie das genau funktioniert, das schauen wir uns später an. Jetzt steigen wir erstmal in die Geschichte ein. Musik

03:52

Der Fliegenpilz hat an sich eine sehr lange Geschichte, in der sich auch viele Mythologien weben. Der Fliegenpilz wurde aufgrund seiner psychoaktiven Wirkung vor allem auch von Schamanen genutzt. Dabei geht man sehr stark davon aus, dass dies wirklich ein weltweiter Brauch ist. Wenn man sich aber so durch die Quellen liest, rücken vor allem die indigenen Völker aus Sibirien immer wieder in den Vordergrund.

04:14

Man geht davon aus, dass die Schamanen die Pilze gesammelt haben und selbst konsumiert haben. Dies dient dazu, hellseherische Trance zu erschaffen, in hellseherischer Trance zu verfallen und die schamanischen Heilkräfte zu mobilisieren. Es gibt mehrere Quellen, die auch immer wieder darauf hinweisen, dass es dann Brauch war, den Urin des Schamanen zu trinken. Dieser gilt auch als sicherer Konsum. Das liegt daran, dass im Körper die Ibuprofen-Säure zu Muskimol abweicht.

04:42

abgebaut wird und zum größten Teil unverändert ausgeschieden wird. Deswegen zählt diese Konsumart auch als sicherer, als die Pilze selbst so zu essen, da die Ebutensäure als Nervengift bekannt ist.

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ist und die für die Wirkung relevante Wirkstoff eben Muskimol ist. Aber darauf kommen wir später auch nochmal, wenn wir uns die Wirkung anschauen. Aber ich wollte damit nur darauf hinweisen, dass tatsächlich schon in der Geschichte und schon im initialen Gebrauch von Fliegenpilzen schon bekannt ist, dass man gemerkt hat, dass sozusagen der Konsum

05:11

von Urin eben als weniger schädlich sich erwiesen hat. Dass der Fliegenpilz für den Schamanismus genutzt wurde, ist uns allerdings erst so im letzten Jahrhundert bekannt worden. Man geht allerdings davon aus, dass dies ein Brauch ist, der bis in die Steinzeit zurückreicht. Allerdings geriet der Brauch auch immer wieder in Vergessenheit, denn es gab ja auch Psilocybelpilze und

05:32

Die hatten halt eine sowohl verträglichere Wirkung als auch eine stärkere visionäre Wirkung, was dafür gesorgt hat, dass eben auch Psilocybe-Pilze mehr genutzt wurden als zum Beispiel der Fliegenpilz. Wie schon gesagt, gibt es viele Geschichten, Erzählungen und Sagen, die mit dem Fliegenpilz in Verbindung gebracht wird.

05:50

In seinem Buch „Der Geheimkult des heiligen Pilzes“ von 1971 hat der Jesuit John Allegro die Theorie aufgestellt, dass Jesus ein Fliegenpilz war und das Urchristentum an sich ein Fliegenpilzkult war. Der Fliegenpilz stellte dabei das Fleisch Christi dar, während der Rotwein das Blut darstellte. Das wurde dann gemeinsam in einem nächtlichen Kulturkreis a.k.a. Abendmahl verspeist.

06:14

Das ist allerdings nur ein Beispiel von mehreren. Es gibt zum Beispiel auch Beispiele aus den griechischen Sagen. Wer also das sehr interessant findet, sollte auf jeden Fall mal in die Richtung googeln. Es gibt wirklich abgefahrene Storys, die mit dem Fliegenpilz in Verbindung gebracht wird. Unter anderem auch, was vielleicht auch Weihnachten mit dem Fliegenpilz zu tun hat. Allerdings ist das ein riesengroßes Foreshadowing. Dazu gibt es dieses Jahr, vielleicht zur Weihnachtszeit, eine Extrafolge.

06:45

Die erste namentliche Nennung des Fliegenpilzes in einem Buch ist in dem Kräuterbuch des Arztes Johannes Hartlieb im Jahr 1440, der den Pilz als Fliegengift anführt. Das hatten wir schon am Anfang, daher kommt ja auch der Name. Die psychoaktive Wirkung wird allerdings erst viel später erwähnt. Im Jahr 1730 erzählte der schwedische Oberst Philipp Johann von Strahlenberg in seinem Buch über seine Kriegsgefangenschaft in Kamtschatka.

07:10

Eine Halbinsel im Osten von Russland, dass vor allem die Reichen vor Ort Fliegenpilze mit heißem Wasser begossen haben, diese gekocht haben und den Sud dann getrunken haben. Auch hier in dieser Beschreibung gibt es wieder Wörter,

07:24

die Erwähnung vom Trinken des Urins. Und zwar, dass die armen Menschen, die sich die Fliegenpilze eben nicht leisten konnten, gewartet haben, dass die Reichen zum Urinieren rauskamen aus ihren Häusern und dann eben ihnen die Holzschüssel hingestreckt haben, damit sie eben den Urin auffangen können und diesen dann trinken können. 1880 wurde dann von einem italienischen Arzt auch empfohlen, auf den Fliegenpilz als Rauschmittel umzusteigen, wenn der Alkohol mal knapp ist.

07:51

Weitere Nennungen gab es auch von Sibirienreisenden, die eben auch immer wieder die psychoaktive Wirkung des Fliegenpilzes in ihren Büchern beschrieben haben. Ich selbst nutze zur Erarbeitung meiner Folgen auch immer gerne das Werk von Dr. Louis Lewin namens Fantastica. Das ist nämlich von 1927 und auch hier wird die Wirkung und das Vorkommen des Fliegenpilzes ausführlich beschrieben. Für mich interessant war auch noch die Behauptung, die ich in einer Quelle gelesen habe, dass Fliegenpilze verursachen,

08:16

… die vor allem in Litauen, in ländlichen Gegenden, auf Hochzeiten eine wichtige Rolle gespielt haben und einfach Teil des Festmahls waren. Ich weiß nicht, ob ihr es wisst, aber das letzte Semester von meinem Bachelor habe ich in Litauen in Viljus gemacht. War eine richtig geile Zeit. Kann ich nur als Auslandssemester empfehlen. War echt richtig spaßig.

08:37

Naja, auf jeden Fall interessieren mich dann solche Sachen dementsprechend auch immer extra. Und ich habe einen Kumpel angeschrieben aus Litauen, ob er davon schon mal gehört hat, dass eben Fliegenpilze in dem zeremoniellen Akt des Heiratens so eine Rolle spielt, beziehungsweise das Teil des Festmahls ist, was ja schon verrückt ist. Er hat es aber tatsächlich noch nie gehört. Also er weiß, dass manche Menschen Fliegenpilze sammeln, um eben die psychoaktive Wirkung auszuschöpfen. Aber im Rahmen von Hochzeiten hat er da tatsächlich noch nie was gehört.

09:06

Ich habe auch keine zweite Quelle dazu gefunden, fand es aber einen interessanten Side-Fact. Der Fliegenpilz wurde aber auch medizinisch angewendet. Im 19. Jahrhundert wurde er als Hausmittel gegen Epilepsie und Fieber verordnet oder auch äußerlich gegen Fistelgeschwüre. Aktuell gibt es auch noch homöopathische Mittel,

09:23

mit dem Wirkstoff des Fliegenpilzes. Und zwar ist das zum Beispiel Muscasan. Das ist zur Behandlung von Übererregbarkeit, von Suchterkrankungen, Verwirrungszustände, Folgen von Drogen- und Medikamentenmissbrauch und Blasen- und Darmentleerungsstörungen. Fand ich ja sehr interessant. Ein anderes wäre zum Beispiel Cefamanid. Das ist zur Behandlung von Erregungs-, nervöse, Erschöpfungs- und Verstimmungszuständen und zur Unterstützung von Behandlung bei Krämpfen und Lähmungen.

09:52

Allerdings, ich möchte es hier betonen, homöopathische Mittel, ja? Kommen wir nun zur erwünschten Wirkung. Man hat ja vielleicht schon, wenn man so ein bisschen die geschichtlichen Schilderungen gehört hat, ein bisschen eine Idee, in welche Richtung es wirkungstechnisch gehen soll. Allerdings

10:09

Allerdings möchte ich vorab erstmal sagen, dass die Wirkung tatsächlich auch als Erkrankung beschrieben wird und zwar dem Pantarina-Syndrom. Dies ist ein Vergiftungssyndrom, das vor allem mit dem Fliegenpilz in Verbindung gebracht wird und woher auch die Annahme stammt, dass der Fliegenpilz so stark giftig ist und zum Tod führt. Allerdings wird in den Symptomen eben auch eine Wirkung beschrieben, die Menschen, die bewusst Fliegenpilze konsumieren, für Rauschzwecke einfach auch abzielen und haben wollen.

10:36

Wenn wir von Vergiftungssyndrom reden, dann verbinden wir das meist automatisch mit einem tödlichen Ausgang oder zumindest, dass es uns sehr, sehr, sehr schlecht geht. In diesem Falle ist es halt auch schlichtweg abhängig vom Ausgangspunkt des Konsumenten. Wenn ich den Fliegenpilz gezielt konsumiere, um eine psychoaktive Wirkung zu bekommen, dann fällt es mir sehr schwer, den Begriff Vergiftung damit in Verbindung zu bringen. Aber da rutschen wir auch, glaube ich, in eine kleine philosophische Debatte.

11:02

Trotz allem möchte ich hier an dem Punkt auch mal den Vergleich ziehen, dass die Alkoholvergiftung in vier verschiedene Stadien eingeteilt ist. Und dabei fängt das erste Stadium einer Alkoholvergiftung bei einer Promille an. Ich habe dafür mal ganz kurz für euch den Promillerechner angehauen, damit ich eine

11:18

Promille erreiche, also als Frau mit einem Körpergewicht von knapp 60 Kilo und einer Größe von 1,70, müsste ich innerhalb von zwei Stunden drei halbe Bier trinken. Also insgesamt 1,5 Liter Bier. Auch das zählt schon als Vergiftung und ich bin mir sicher, dass mehrere das auch für sich selbst jetzt nicht mit dem Wort Vergiftung in Verbindung bringen würden. Betrunken, angetrunken, je nachdem wie viel man verträgt, aber jetzt nicht unbedingt Vergiftung. Also das nur so ein bisschen als

11:46

Benchmark, um vielleicht das noch in ein Verhältnis zu rücken. Und auch wenn das Pantarina-Syndrom sehr schnell mit dem Fliegenpilz in Verbindung gebracht wird, betrifft es halt auch einige andere Pilze, wie zum Beispiel den Pantabils, den Amanita Pantarina, der deutlich stärker ist als der Fliegenpilz und somit wahrscheinlich auch eine Wirkung erzeugt, die wirklich von vielen sehr unerwünscht ist.

12:10

Aber kommen wir jetzt mal wirklich zu den Komponenten der Wirkung. Vorab, die Wirkung hängt immer vom Set und Setting einer Person ab, also auch immer total

12:19

total abhängig davon, in welchem Zustand sich die Person befindet, in welcher Umgebung sie konsumiert und bei Pilzen, vor allem bei Fliegenpilzen, halt auch, ob sie willentlich das essen oder halt vielleicht auch aus Versehen und dann wirklich die Wirkung als Vergiftung wahrnehmen. Aber wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass es um einen willentlichen Konsum sich handelt. Die Wirkung setzt ungefähr zwischen 30 Minuten bis zwei Stunden nach der Einnahme ein und dauert so circa acht Stunden.

12:45

Allerdings habe ich auch hier in anderen Quellen gelesen, dass die Wirkung zwischen 10 und 24 Stunden andauern kann. Da gehen die Meinungen ein bisschen auseinander. Als typische Wirkung werden wellenartige Wechsel zwischen Erwachen und Schlafen beschrieben. In anderen Quellen habe ich allerdings auch gelesen, dass es erst zu einem Rauschzustand kommt und dann so nach zwei Stunden man in einen 10 bis 15 stündigen Schlaf mündet.

13:05

Wichtig oder was man sich da rausziehen kann, ist sozusagen, dass die Wirkung auf jeden Fall auf sich mit Schlaf abwechselt und Schlaf eine Rolle im Wirkspektrum spielt. Es wird berichtet, dass man vor allem am Anfang des Rausches noch gewissermaßen die Kontrolle behält.

13:20

Und man fühlt sich beschwingt und dies wird auch ziemlich oft wie so ein Alkoholrausch verglichen. Das kommt halt aufgrund von einer auftretenden Verwirrung, von Sprachstörungen, von Gleichgewichtsstörungen. Allerdings finde ich diese Vergleiche immer so ein bisschen schwierig, weil es halt so das Ganze etwas vorprimed.

13:37

Man kann es sich vielleicht besser vorstellen, wenn man nur den Alkoholrausch kennt, aber da finde ich halt auch immer schon ein bisschen die Gefahr, weil halt viele Menschen einfach nur den Alkoholrausch kennen und dann immer versuchen, mit dem einzigen Rausch, den sie kennen, Vergleiche zu setzen und damit halt sozusagen die Einzigartigkeit von anderen Räuschen etwas in den Schatten stellt, die eben durch andere Substanzen erzeugt werden. Ich finde das so ein bisschen, wenn Menschen einen immer erzählen, wenn sie irgendwas Neues im Ausland probiert haben, das hätte wie Hühnchen geschmeckt, obwohl es was komplett anderes ist. Das ist so ein

14:06

Bisschen das gleiche Phänomen. Immer halt sozusagen der Versuch, das in eine Schublade reinzustecken, die man eben schon hat. Kann hilfreich sein, kann aber auch sehr in der Wahrnehmung einschränken.

14:17

Zentral ist eben auch eine visuelle und auditive Überempfindlichkeit. Das bedeutet, dass sowohl auch das Sehen und auch das Hören sehr stark intensiviert wird. Außerdem wird immer von Halluzinationen berichtet, von lebhaften Farbwahrnehmungen und das Gefühl von Stillstehen der Zeit. Vor allem, wenn es aber um echte Halluzinationen geht, da streiten sich so die Quellen ein wenig. Und wenn man dann eben in den Schlaf verfällt…

14:42

der ja auch eine große Rolle spielt, hat man meist auch sehr lebhafte Träume. Musik

14:50

Wie entsteht diese Wirkung im Gehirn? Ich habe ein bisschen was zur Pharmakologie, zu Muskimol gefunden. Von dem Inhaltsstoff, von dem wir ja schon wissen, dass er für die psychoaktive Wirkung zuständig ist. Schauen wir also mal rein. Muskimol hat einen ungewöhnlichen Wirkmechanismus, wenn man ihn mit anderen Psychodelika oder Dissoziativa vergleicht. Denn Muskimol ist ein sehr potenter GABA-A-Argonist. Er aktiviert also den Rezeptor für GABA. Das kennen wir vor allem aus Daunern wie Benzodiazepinen oder Opiaten, Allergien.

15:17

Allerdings bindet Muskimol wirklich an der gleichen Stelle wie der körpereigene Neurotransmitter GABA selbst. Benzos und Opiate binden an einer anderen Stelle des Rezeptors. Muskimol hat sich als Partialagonist erwiesen. Das bedeutet, dass er im Vergleich zu Reihenagonisten den Neurotransmitter nur zu einem Teil imitiert und nicht voll.

15:34

Dass Partialagonisten mit dem GABA-Rezeptor eine psychoaktive Wirkung erzeugen, kennt man aber auch schon von anderen Substanzen wie Zolpidem, das auch eben zu einer halluzinogenen Wirkung führen kann. Bei Ibuprofen ist es so, dass sie durch längere Lagerung oder hohe Temperaturen durch Dekarboxylierung in Muskimol umgewandelt wird. Oder halt eben im Körper. Ibuprofen selbst ist als Nervengift bekannt.

15:58

Es ist dementsprechend auch sehr ratsam, die Pilze zu trocknen, um dafür zu sorgen, dass die Ibuprofen-Säure wirklich auf ein sehr geringes Level kommt. Werbung

16:13

Zu den unerwünschten Wirkungen zählen Verwirrung, Schwindel und Müdigkeit, aber auch Unruhe und Angstgefühle, Muskelkrämpfe, Lähmungen und starke Erregung, Mundtrockenheit. Außerdem kann es zu Erbrechen, Speichelfluss und Durchfall kommen. In einer Quelle wurde außerdem darauf hingewiesen, dass auch die Pflückzeit einen Einfluss auf die Wirkung hat. Dabei zeigte sich, dass im September gepflückte Pilze weniger Übelkeit, aber auch weniger narkotische und visuelle Effekte zeigen als im August gepflückte Pilze.

16:42

Diese Aussage stützt sich allerdings auf sechs Einnahmen mit einer Gruppe von fünf Menschen. Also ein sehr kleines Experiment, aber ich fand diese Info so am Rande mal sehr spannend. In seltenen Fällen kann es auch zu Spätfolgen kommen, wie Lustlosigkeit, leichte Ermüdbarkeit und Gedächtnisschwäche.

16:57

Dass man aber an Fliegenpilzen stirbt, ist tatsächlich eher unwahrscheinlich. Auch wenn das Pantherina-Vergiftungssyndrom oft mit dem Fliegenpilz in Verbindung gebracht werden, sind, wie ich schon oben erwähnt habe, die meisten Todesfälle eher mit dem Pantherpilz in Verbindung zu bringen. Der Pantherpilz schaut für meinen wirklich nicht großen Pilzkenner-Blick einfach aus wie ein Fliegenpilz in braun. Also relativ schwer, diesen zu verwechseln. Allerdings ist wohl der Pantherpilz auch leichter mit verschiedenen Schmerzstoffen

17:23

Speisepilzen, wie zum Beispiel den rötenden Wusling oder dem grauen Wusling zu verwechseln. Der Fliegenpilz aufgrund seiner krassen roten Farbe ist tatsächlich eher schwer zu verwechseln.

17:34

Bei Rattenversuchen wurden allerdings eine mittlere letale Dosis herausgefunden. Diese lag bei 45 mg pro Kilogramm oral und bei Mäusen bei 20 mg pro Kilogramm oral. Die mittlere letale Dosis drückt im Prinzip einen Wert aus, bei dem die Hälfte der Versuchstiere gestorben sind. Aber das so direkt auf Menschen umzurechnen ist…

17:54

Allerdings super schwer. Es gibt Quellen, die sagen, dass man ab 10 Pilzen eine tödliche Dosis erreicht oder auch bei 100 Gramm Frischpilzen. Allerdings sind nur sehr, sehr wenige Todesfälle, die sich wirklich auf den Fliegenpilz zurückführen lassen, bekannt. Außerdem gibt es keine Hinweise darauf, dass der Fliegenpilz abhängig machen kann.

18:15

Es gibt sogar Userberichte, die besagen, dass das Verlangen, weiter zu konsumieren, eher abnimmt. Allerdings gibt es da weder Untersuchungen dazu noch wissenschaftliche Quellen.

18:27

Wie schon vorab angeteasert, fällt der Fliegenpilz nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, also dem BTMG. Ist also grundlegend erstmal legal, was den Besitz und das Sammeln angeht. Allerdings gibt es dahingehend ein paar Sachen, die wir vielleicht beachten sollten. Erstmal ist in Deutschland das Sammeln von Pilzen durch das Bundesnaturschutzgesetz beschränkt. Und zwar darf jeder geringe Mengen für den persönlichen Bedarf pflücken.

18:52

Das heißt, wer große Mengen Fliegenpilze pflückt, verstößt dabei gegen das Bundesnaturschutzgesetz. In Deutschland ist der persönliche Bedarf allerdings nicht genau festgelegt. Das ist zum Beispiel in der Schweiz anders, wo die das eben genau festlegen. Das bedeutet natürlich, dass es immer eine Einzelfallentscheidung ist, was persönlicher Bedarf bei einem Fliegenpilz bedeutet. Und da ist halt auch die Frage, ob jemand einem was anhängen möchte oder nicht, muss man ganz ehrlich sagen. Denn

19:18

Man kann da glaube ich schon flexibel argumentieren, dass es vielleicht nicht so viel persönliche Menge gibt, was Fliegenpilze angeht. Es gibt auch noch eine Urtinktur des Fliegenpilzes, das ist ein unverdünntes Extrakt.

19:31

Das eignet sich eben zur Herstellung für homöopathische Arzneimittel und das liegt der Apothekenpflicht. An sich ist aber die Weitergabe von Fliegenpilzen oder seiner Wirkstoffe nicht ganz unproblematisch, beziehungsweise kann problematisch werden. Gibt man zum Beispiel einen Fliegenpilz mit einem Heilversprechen weiter, zum Beispiel mache ich mir jetzt einen Ebay-Shop auf und verkaufe Fliegenpilze, Zitronen,

19:53

als Einschlafhilfe. Dann mache ich mich strafbar auf Grundlage des Arzneimittelgesetzes. Denn bevor ich etwas als Arznei oder als Heilmittel verkaufen kann, darf, muss es erstmal als Arznei zugelassen werden. Auch darf nicht jeder einfach irgendwelche Medikamente verkaufen. Ist natürlich nochmal ein bisschen anders, wenn es so um Nahrungsergänzung geht, aber so tief wollen wir jetzt halt mal nicht reingehen. Ist auf jeden Fall nicht einfach so zu verkaufen.

20:16

Und zu guter Letzt kommt es halt eben auch noch zu dem Aspekt der Körperverletzung, wenn ich Fliegenpilze weitergebe. Also wenn ich an sich berauschende Mittel weitergebe und das zum Beispiel unter einem falschen Vorsatz mache, im Sinne von, ja, die sind voll harmlos, alles easy, Top-Trip, mach dir keine Sorgen.

20:33

Und der hat dann einen total schlechten Trip und dem geht es super schlecht. Und der sieht das eben auch als Körperverletzung an und zeigt einem dahingehend an. Kann einem das durchaus so ausgelegt werden? Ich habe dieses Mal den legalen Status etwas ausführlicher gemacht, weil ich in mehreren Internetquellen den gleichen Satz gelesen habe. Und zwar, wer psychoaktive Pilze trocknet, erwirbt, anbaut oder sonst wie als Rauschmittel verarbeitet,

20:55

Da dieser Satz wirklich gleich in mehreren Internetquellen fast wortwörtlich drinsteht, wollte ich eben das ein bisschen differenzieren. Denn so an sich ist dieser Satz nicht richtig, wie wir gerade an den vorherigen Beispielen gemerkt haben. Ich habe dementsprechend aber auch einfach mit mehreren Experten gesprochen, um den Sachverhalt zu klären. Denn was die ganzen Quellen anging, bin ich da tatsächlich nicht weitergekommen.

21:21

Aber was wir uns merken können, kritisch wird es vor allem, wenn es um die Weitergabe geht und auch beim Pflücken zwecks des Bundesnaturschutzgesetzes. Der Fliegenpilz ist allerdings nicht in allen Ländern legal, zum Beispiel in Australien, Rumänien, sogar in den Niederlanden. Thailand und das United Kingdom regulieren eben den Pilz über ihre Gesetze. Musik

21:43

Was die Nachweisbarkeit betrifft, habe ich leider keine Quelle gefunden, die überhaupt nur Hinweise darauf gibt, wie lange der Konsum von Fliegenpilzen im Urin oder im Blut oder irgendwo nachweisbar ist. Wir haben aber jetzt wirklich an mehreren Stellen dieser Folge gehört, dass man eben den Urin konsumieren kann, weil da eben der Muskimolstoff als Reinstoff mit drinnen ist. So, und das ist das, was wir hier sehen.

22:05

So, das würde für mich bedeuten, dass wenn man es darauf anlegt, dass man es auf jeden Fall im Urin nachweisen kann. Und ich habe auch gelesen, dass es durchaus Verfahren gibt. Aber diese Verfahren…

22:14

ging eher darum, dass man es überhaupt nachweisen kann und nicht wie lange. Ich glaube auch oder ich habe das auch noch nie gehört in irgendeinem Kontext, dass irgendwie auf Muskimol getestet wird im Urin. Also kann mir da tatsächlich aktuell kein Szenario vorstellen. Und was den Mischkonsum angeht, vorab sollte man da immer sagen, dass man den Mischkonsum im besten Fall immer vermeiden sollte, da es in den meisten Fällen zu einem deutlich höheren Risiko kommt.

22:40

Wo man beim Mischkonsum beim Fliegenpilz wahrscheinlich am meisten achten sollte, ist alles, was eben auch an den GABA-Rezeptoren ansetzt. Davon wird im Allgemeinen abgeraten, das dann zu mischen. Damit meine ich zum Beispiel Benzodiazepine, Barbiturate und andere Downer wie Alkohol und Opiate.

22:58

Ja Leute, das war es schon mit dieser Folge zum Fliegenpilz. Ich fand es so cool, diese Folge zu recherchieren, weil ich so viel gelernt habe und selbst nicht so viel über den Fliegenpilz wusste. Und ja, hat super viel Spaß gemacht, die Recherche. Wenn euch diese Folge gefallen hat, sagt es gerne euren Freundinnen und Freunden weiter. Gebt mir ein Like bzw. eine Bewertung über Spotify oder auch über Amazon Podcast geht das oder

23:24

Egal, wo ihr gerade hört und Bewertung abgeben kann. Sowas hilft mir wirklich mega und ich freue mich, wenn wir einfach in einer noch größeren Gruppe über psychoaktive Substanzen reden, dass psychoaktive Substanzen ins Gespräch kommen und man eben aufhört, nur so von Hörensagen Halbwissen zu verbreiten, sondern wirklich wissenschaftlich fundiert versucht, dieses Thema anzugehen. Und sonst sehen wir, beziehungsweise hören wir uns in zwei Wochen. Bis dann. Tschüss.

24:03

Das war psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stefanie Bötsch.


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