Drogentrends bei Jugendlichen mit Dr. Bernd Werse

Drogentrends unter Jugendlichen werden in Medien häufig schnell ausgerufen, obwohl einzelne auffällige Fälle oder Szenen wenig darüber sagen, wie verbreitet eine Substanz tatsächlich ist. Gerade Schlagzeilen zu Tilidin, Xanax, Lachgas oder synthetischen Cannabinoiden können den Eindruck erzeugen, ganze Jugendgenerationen würden plötzlich bestimmte Drogen konsumieren. Die Daten aus Frankfurt zeichnen ein deutlich differenzierteres Bild: Alkohol- und Tabakkonsum sind über längere Zeit zurückgegangen, Cannabis bleibt unter den illegalisierten Substanzen mit Abstand am weitesten verbreitet und viele andere Substanzen bewegen sich auf vergleichsweise niedrigem Niveau.
Im Gespräch mit Dr. Bernd Werse vom Center for Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt geht es um die MOSYD-Studie und die Frage, wie Drogentrends überhaupt zuverlässig erfasst werden können. Die Folge spricht über Cannabis, Alkohol, Tabak, psychoaktive Medikamente, Lachgas, synthetische Cannabinoide und den Einfluss von Rap, Medienberichten und selektiver Wahrnehmung auf die Einschätzung von Jugendkonsum. Thematisiert werden außerdem die Veränderungen während der Corona-Pandemie und die Grenzen bestehender Erhebungen. Deutlich wird: Auffällige neue Konsumphänomene können für einzelne Gruppen sehr relevant sein, daraus lässt sich aber nicht automatisch ein allgemeiner Jugendtrend ableiten. Für Prävention und Suchthilfe braucht es deshalb belastbare, regelmäßige Daten statt einzelner Schlagzeilen oder Eindrücke aus besonders konsumaffinen Szenen.
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Drogentrends bei Jugendlichen mit Dr. Bernd Werse
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PODCAST-METADATEN
Folge: 48
Erscheinungsdatum: 30.06.2022
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Drogentrends bei Jugendlichen mit Dr. Bernd Werse
Sprecher: Stefanie Bötsch, Dr. Bernd Werse
Typ: Transkript
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Transkript
00:11
Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Steffi. Zieht’s euch rein! Ja, hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Richtig cool, dass ihr alle wieder mit dabei seid. Ich habe heute auch einen tollen Gast mit dabei und zwar Dr. Bernd Werse.
00:34
Bernd leitet das Center of Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt und macht auch die MOSIT-Studie, über die wir gleich sehr viel erfahren werden. Hallo Bernd, schön, dass du da bist. Ja, hallo Steffi, vielen Dank, dass ich mit dabei sein darf.
00:49
Ja, heute reden wir vor allem über Drogentrends bei Jugendlichen. Aber bevor wir damit gleich ins Thema starten, möchte ich gerne kurz mit dir über deine Rauchererhebung reden, für die du ja noch Leute suchst, die deinen Fragebogen ausfüllen. Magst du kurz was dazu sagen? Ja, also das ist eine Erhebung, die wir zusammen mit Heino Stöver hier von der University of Applied Sciences in Frankfurt und mit noch zwei Kollegen vom
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für interdisziplinäre Suchtforschung in Hamburg durchführen, wo wir einfach mal rausfinden wollen, also wozu es relativ wenig Daten gibt, was den Leuten wirklich hilft, mit dem Rauchen aufzuhören. Also was hilfreich ist und was möglicherweise auch nicht so hilfreich ist,
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Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass es ja nicht gerade wenige Leute gibt, die gar keine professionellen Hilfen oder irgendwelche speziellen Hilfsmittel in Anspruch nehmen dafür. Aber was ihnen tatsächlich eine Hilfe gewesen sein könnte, aber eben auch was für Hindernisse so mit dabei sein können. Deswegen können…
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Sowohl Leute daran teilnehmen, die irgendwann mal mit dem Rauchen aufgehört haben. Das ist auch egal, ob das jetzt letztes Jahr war oder vor 20 oder 30 Jahren. Als auch Leute, die immer noch rauchen, die aber schon mal mindestens einen Aufhörversuch gemacht haben. Also jeden, der das betrifft, das dürften ziemlich viele Leute sein, bitte gerne teilnehmen unter rausstudie.de.
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Ihr findet den Link auch ganz easy in den Shownotes. Da könnt ihr dann einfach draufklicken und wäre richtig cool, wenn sich da ein paar Leute finden würden.
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Ja, wir sprechen heute über Drogentrends von Jugendlichen und ich finde das Thema ja schon sehr interessant. Ich habe eine Hausarbeit in meiner Masterarbeit geschrieben und habe gemerkt, es ist allgemein total schwer, Konsumtrends in der Hausarbeit irgendwie auch zu zitieren, weil man einfach gar nicht viel findet, außer eben die Mosit-Studie, wo du gleich ein bisschen mehr zu erzählen würdest. Wie ist das so in Deutschland? Was…
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Warum gibt es so wenig Daten zu Konsum? Ja, das kann ich auch nicht so wirklich beantworten, aber irgendwie scheint es so ein bisschen am politischen Willen zu fehlen, dem wirklich näher nachzugehen. Also wir haben hier in Frankfurt, sind wir in der privilegierten Position, dass wir schon seit mittlerweile 20 Jahren diese MOSIT-Studie, kurz für Monitoring-System-Drogentrends,
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von der Stadt Frankfurt gefördert bekommen, also seitdem Geld dafür bereitstellt. Und damit sind wir hier in Frankfurt die Einzigen, die sowas machen können, also jedenfalls in der Frequenz. Es gibt außer uns nur noch in Hamburg eine ähnliche Befragung, die sich allerdings dann nur auf eine Befragung unter Schülerinnen und Schülern beschränkt und die auch nur alle
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drei bis vier Jahre stattfindet. Wir machen das jedes Jahr und wir machen auch noch andere Erhebungen. Dazu kann ich auch gleich noch mal ein bisschen mehr sagen. Ansonsten gab es nur hier und da mal in einzelnen Städten oder auch in einzelnen Landkreisen
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oder Regionenbefragung, sodass man zumindest so eine Idee davon hat, wie es woanders aussehen kann. Aber das ist teilweise schon viele Jahre her, dass woanders solche Erhebungen durchgeführt wurden. Ansonsten gibt es in Deutschland zum Drogenkonsum unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen nur die BZGA-Drogenaffinitätsstudie, die sogenannte.
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die aber meiner Meinung nach gerade das, was sie in ihrem Titel hat, nämlich die Drogenaffinität, nicht besonders gut misst, also eigentlich sogar sehr schlecht misst für den Konsum.
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Um legaler Drogen ist es mit Sicherheit nicht schlecht, also gerade so eben die Trends nachzuvollziehen. Was illegale Drogen betrifft, ist es meiner Meinung nach eine ziemliche Katastrophe, denn es ist eine Erhebung, die telefonisch durchgeführt wird, bei der sie auch erst seit ein paar Jahren damit angefangen haben, das über Handys zu machen, ansonsten über Festnetz.
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Dementsprechend aber erstmal keine besonders hohe Ausschöpfungsquote haben, also es nehmen so irgendwie zwischen 35 und etwas über 40 Prozent derer, die angeschrieben oder angerufen werden, auch wirklich daran teil.
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Und da kann man sich vorstellen, dass unter den anderen, die eben nicht daran teilnehmen, viele sind, die deswegen nicht daran teilnehmen, weil sie eben Drogenerfahrung haben und zusätzlich diejenigen, die angerufen werden und dann womöglich noch die Eltern gerade noch dahinter stehen oder so, auch nicht unbedingt die Wahrheit sagen.
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Wir haben auch dazu mal einen Vergleich gemacht vor ein paar Jahren, als es entsprechende Vergleichsdaten noch gegeben hat und kam zu dem Schluss, dass gerade Cannabiskonsum oder auch der Konsum von anderen illegalisierten Drogen deutlich unterschätzt wird mit dieser Erhebung. Das heißt, wir haben da viel schlechtere Daten. Und auf der anderen Seite, das, was wir hier in Frankfurt machen und was eben auch viele andere, ja,
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Leute in anderen Städten und auch in anderen Ländern machen. Zum Beispiel im Rahmen der europäischen Schülerbefragung ESPAT ist klassengestützt, das heißt da kommt man in die Schulen rein, teilt Fragebögen oder in unserem Fall Tablets aus und dann können die Leute selbstständig das ausfüllen, können zwischendurch Fragen stellen und auch da kann man natürlich nicht hundertprozentig sagen, ob die Leute dort wirklich die Wahrheit sagen, aber die
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Wahrscheinlichkeit ist wesentlich höher, wenn eben auch kein Lehrer oder Lehrerin mit im Zimmer ist, wahrheitsgemäße Angaben zu machen. Außerdem ist die Ausschöpfungsquote viel höher. Wir sind da durchweg bei über 80 Prozent derer, die nachdenken.
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normalerweise in der Klasse sitzen sollten, die dann auch tatsächlich da sind und teilnehmen. Und insofern ist das viel zuverlässiger. Und diese europäische Schülerbefreiung gibt es auch übrigens immer noch, wird in den meisten europäischen Ländern durchgeführt, nur in Deutschland fast gar nicht mehr. Zuletzt nur noch in Bayern. Vorher gab es mal ein paar andere Bundesländer, die noch daran teilgenommen haben, aber da man das den Ländern überlassen hat, das zu finanzieren,
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hat da irgendwie, glaube ich, anscheinend außer Bayern keiner mehr Interesse daran. Und das finde ich schon auch so ein bisschen merkwürdig. Das ist total merkwürdig, beziehungsweise auch ein bisschen traurig. Aber wenn wir da mal vielleicht tiefer reinschauen, außerhalb, dass ich in meiner Hausarbeit keine Zielgruppe definieren konnte mit ordentlichen Daten. Für was braucht man denn diese Daten? Ja, naja, also ich meine…
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Da gibt es natürlich viele Gründe dafür und der, sagen wir mal, der hauptsächlichste Grund ist natürlich, dass Jugendliche oder überhaupt junge Menschen immer im Zentrum von Präventionsaktivitäten stehen, was man ja auch einigermaßen logisch erklären kann, weil in diesem Alter irgendwann zwischen…
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naja, so ganz grob gesagt zwischen 13 und 20 oder so, machen die meisten Leute ihre ersten Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen, sofern sie denn welche machen. Es gibt natürlich auch immer noch welche, die sich da komplett abstinenz halten. Und deswegen ist es natürlich schon auch im besonderen Interesse, darauf einzuwirken, dass die Leute nicht zu früh damit anfangen, dass man nicht…
08:08
Und das will man natürlich auch rausfinden. Also ich zumindest finde es eine ganz sinnvolle Sache, rauszufinden, wie sich das auch verändert und ob es nicht möglicherweise auch Drogenphänomene gibt, die irgendwo neu auftauchen und die möglicherweise ein Problem darstellen könnten für junge Leute.
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Da fällt mir auch ganz explizit eben die synthetischen Cannabinoide ein, die wir jetzt erst hatten, wo ich mich ja sehr viel mit dem Thema beschäftigt habe, weil das ja bei mir in der Beratung wirklich exorbitant aufgetreten ist und ich immer noch…
08:45
für meinen einen Artikel, den ich in den Mainthaler Tagesanzeiger veröffentlicht habe damals, werde ich immer noch angerufen aus ganz Deutschland, weil die eben nichts von diesem Konsumtrend wissen oder an keinen Daten zurückgreifen können oder wenig Daten zurückgreifen können. Und so eine Entwicklung könnte man dann wahrscheinlich mit einem besseren Monitoring schneller erfassen und vielleicht auch über eine Lokalzeitung hinaus eben publik machen an die verschiedenen Drogenberatungsstellen, oder? Ja.
09:13
Ja, das ist auch interessant, dass du da jetzt immer wieder deswegen wegen diesem einen Artikel angeschrieben wirst. So ein ähnliches Phänomen gibt es bei uns auch. Also dadurch, dass wir die einzigen sind, die zu eben, sagen wir mal, abseitigeren Drogen auch Daten erheben, werden wir eben auch aus ganz Deutschland angeschrieben, obwohl wir ja nur Daten für Frankfurt erheben, so in etwa.
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Und gerade was dieses Phänomen synthetische Cannabinoide angeht, da waren wir damals, also ein ehemaliger Kollege von mir war damals auch recht geistesgegenwärtig, als das mit Spice losging. Das ist ja jetzt schon 14 Jahre her. 2008 war das ein Thema, dass also Leute, also eine britische Firma eine Kräutermischung legal auf den Markt gebracht hat, in der sich…
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bei der sich dann herausgestellt hat, dass eben synthetische Cannabinoide drin waren und die Wirkung erzeugt hatten. Und wir haben dann damals auch tatsächlich gleich Ende 2008 in unserer damaligen Schulbefragung direkt danach gefragt, wie viele Leute das dann schon konsumiert haben, sodass wir das dann ganz gut nachvollziehen konnten über die Jahre hinweg. Damals waren es sechs Prozent und stieg es mal so ein kleines bisschen an, also mit Konsumerfahrung, also nicht irgendwie regelmäßig Konsumierende.
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Dann ging es ein bisschen nach unten und zuletzt hielt sich das ungefähr so auf demselben niedrigen Niveau. Allerdings gerade was dieses Phänomen, was dich beschäftigt hat, betrifft, da waren wir zugegebenermaßen jetzt ein kleines bisschen spät dran, dass wir jetzt erst in der letzten Erhebung, die wir gemacht haben, wirklich auch explizit danach gefragt haben nach Warnzeichen.
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E-Zigaretten-Liquids, die synthetische Cannabinoide enthalten und haben natürlich auch die ganzen einschlägigen Szenennamen Django und so weiter dann mit in den Fragebogen reingeschrieben. Und aus dieser Erhebung haben wir jetzt leider noch keine Ergebnisse. Wir konnten nur im letzten Jahr feststellen, dass da in dem Fragebogen
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Schon einige Leute bei der offenen Frage, was für eine Droge, von was für einer Droge hast du außerdem noch gehört, da wurde schon am häufigsten Django genannt. Das waren zwar jetzt auch nicht viele, aber das war die häufigste Nennung. Musik
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Dann bleiben wir doch gleich mal bei eurer Studie und schauen uns die MOSIT-Studie an. Und zwar, wie du schon sagst, das macht nicht nur eine Schülerbefragung, sondern eben auch Szenebefragung. Was ich aber heute vor allem anschauen möchte, sind eben die Konsumtrends bei Jugendlichen. Wie ist denn diese Studie aufgebaut? Ja, also wie gesagt, es gibt einmal diese Schulbefragung, wie wir sie mittlerweile geschlechtsneutral nennen, die jedes Jahr stattfindet, die also auch ein
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eine repräsentative Stichprobe von Schülerinnen und Schülern in Frankfurt darstellt. Also sprich, wir sind dann auch an allen Schultypen unterwegs, die relevant sind für diese Altersgruppe. Und die Zielaltersgruppe sind 15- bis 18-Jährige. Es sind dann immer noch ein paar Ältere da mit dabei, die wir mit befragen. Aber das ist so unsere Zielgruppe.
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Das ist aber eben zwar der größte Teil dieser MOSIT-Studie, aber eben nur einer der Teile. Es gibt außerdem noch ein sogenanntes Expertinnen- und Expertenpanel, wo dann Leute drin sitzen aus unterschiedlichen Bereichen der Drogenhilfe, aus der Jugendhilfe, aber auch aus der Strafverfolgung und zweimal im Jahr über ihren professionellen Blick auf das Geschehen berichten.
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Und wir führen außerdem immer noch eine sogenannte Trendscout-Studie durch. Das betrifft dann eher junge Erwachsene, die in bestimmten Ausgeh-Szenen und anderen Gründen
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jugendkulturellen Umfeldern unterwegs sind und die quasi stellvertretend für das Umfeld, in dem sie sich so bewegen, berichten. Sodass man also gerade eben auch aus Bereichen wie der elektronischen Musikszene, wo man auch am ehesten jetzt mit Konsum unterschiedlicher Drogen rechnen kann, was über die neuesten Entwicklungen berichtet.
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Also das wäre das Dritte und das andere hast du eben schon kurz angesprochen, ist die Szenebefragung. Da werden also alle zwei Jahre von uns 150 Leute direkt in Frankfurt auf der Straße beziehungsweise auch in Einrichtungen der Drogenhilfe angesprochen und auch mithilfe eines standardisierten Fragebogens interviewt, um mitzukriegen, was eben auch in diesem ganz harten Bereich,
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in dem Drogen konsumiert werden, was sich dort verändert, eben auch an Konsum, aber eben auch an Begleitumständen und so weiter. Welche Substanzen werden denn bei der SchülerInnen-Befragung abgefragt? Ja, also ich habe es ja eben gerade schon mal kurz angesprochen. Wir sind da durchaus eine der wenigen Institutionen, die auch etwas abseitigere Dinge abfragt. Also natürlich gehört Alkohol und Tabak in unterschiedlichen Bereichen
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Ausprägung dazu, also gerade bei Tabak bzw. Rauchen oder auch Dampfen hat sich das in den letzten Jahren, mussten wir den Fragebogen dann auch mehrfach modifizieren, um eben nicht nur auf E-Zigaretten, sondern auch noch auf Tabakverdampfer einzugehen. Shishas zum Beispiel haben wir auch seit 2006 erhoben.
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kann man auch gleich nochmal dazu sagen, das war quantitativ gesehen der größte Drogentrend, den wir jemals beobachtet haben, das Shisha-Rauchen. Also das waren zeitweise über drei Viertel der Jugendlichen, die es ausprobiert hatten und auch relativ viele, die es mehr oder weniger regelmäßig machen. Aber ja, dazu kommt dann eben
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Also bei Cannabis zum Beispiel fragen wir dann jetzt auch seit einiger Zeit auch noch nach CBD-Cannabis. Wir fragen auch danach, ob die Leute eher Marihuana oder eher Haschisch rauchen. Dann werden natürlich alle gängigen weiteren illegalen Drogen wie Kokain, Speed, MDMA, LSD-Pilze abgefragt, aber auch Ketamin.
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Was haben wir noch mit dabei? Auch Crack und Heroin und Crystal Meth ist mit dabei. Das sind zum Glück aber immer nur relativ wenige unter den Jugendlichen. Also eigentlich sehr, sehr wenige, die damit Konsumerfahrung haben. Lachgas zum Beispiel. Also mir ist zum Beispiel auch keine andere Befragung bekannt, in der nach Lachgas gefragt wird. Auch das war vor einigen Jahren auch mal ein größeres Medienthema.
15:17
Und natürlich jetzt noch relativ aktuell in den letzten Jahren war so die Frage nach psychoaktiven Medikamenten, also Benzodiazepine, Opioide, Stichwort Lean und also codeinhaltige Hustensäfte und sowas in der Richtung. Auch das haben wir alles abgefragt in den letzten Jahren. Werbung
15:44
Und du hast jetzt gerade schon viele Trends genannt, mit denen ich heute einfach auch mit dir ein bisschen draufschauen möchte. Denn was mir heute in der Folge so ein bisschen wichtig ist, so in meiner Bubble oder auch von, was ich auch einfach sehr oft höre von Jugendzentren, von Eltern etc., ist immer dieses, diese Jugendliche, alle machen das. Und dass dann sozusagen so Narrative entstehen, so Ideen entstehen, wie Jugendliche konsumieren, natürlich auch total mediengestützt. Ich habe auch so ein paar gute Ideen,
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gute Überschriften mitgebracht. Und ja, das würde ich jetzt einfach gerne mal mit dir durch die Trends durchgehen und Menschen mal eine Orientierung geben, was das denn ungefähr zahlenmäßig auch bedeutet. Und das Erste, was ich mitgebracht habe, ist, Jugendliche trinken weniger, dafür konsumieren sie mehr illegalisierte Substanzen. Was sagst du dazu, dieser Aussage? Ja, das kann man so sagen wir mal ergreifen.
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Also ist jetzt nicht ganz falsch, sagen wir mal so. Also das ist von der Tendenz her, muss man es allerdings ein bisschen differenzierter betrachten. Gerade was die illegalisierten Substanzen betrifft, ist ja Cannabis immer sehr deutlich vor allen anderen. Also zum Beispiel, also wenn man jetzt hier einfach sich mal so die letzten…
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veröffentlichten Zahlen anguckt, da waren es 29 Prozent, die irgendwann in ihrem Leben mal Cannabis konsumiert haben und das war schon eine relativ niedrige Zahl. Also das ist vor allen Dingen der Corona-Pandemie geschuldet, dass das
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wahrscheinlich, dass es so gesunken ist, während 9% irgendeine andere bisher illegale Substanz konsumiert haben. Also da sieht man schon mal so ein bisschen die Verhältnisse daran, dass das schon sehr unterschiedlich ist. Und bei Cannabis war es so, dass wir vor einigen Jahren einen neuen Peak erreicht hatten, was die Verbreitung, aber eben auch was regelmäßigen Konsum angeht. Seitdem geht es eigentlich jetzt wieder ein bisschen runter. Also das war 2015, 2016 rum.
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Da hatten wir neue Höhen erreicht. Gleichzeitig ist Alkoholkonsum jetzt seit einigen Jahren schon relativ deutlich rückläufig. Also das kann man schon ziemlich eindeutig sagen, gerade was eben auch häufigen Konsum angeht, so mehrmals die Woche oder so, da haben sich schon ziemlich deutliche Rückgänge vollzogen.
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Noch deutlicher ist es beim Rauchen, also beim wirklich Tabakrauchen. Und wenn man da jetzt mal den Zeitraum von 20 Jahren oder 19 Jahren nimmt, weil die letzten Daten sind ja noch aus dem letzten Jahr, da hatten wir Anfang der Nullerjahre noch Drogen.
18:19
zwischen 35 und 40 Prozent der Jugendlichen, die täglich geraucht haben. Zuletzt waren es neun Prozent. Also das ist schon einfach ein sehr, sehr deutlicher Rückgang bei dieser legalen Droge. Ein nicht so deutlicher Rückgang, aber schon auch ein merklicher Rückgang bei Alkohol. Und bei den illegalen Drogen hält sich das bei Cannabis
18:40
Naja, also wie gesagt, es ging mal so ein bisschen nach oben, jetzt wieder ein bisschen nach unten, aber so, dass es jetzt nicht deutlich niedriger ist als noch vor 15 Jahren. Und bei allen anderen Drogen hält sich das ungefähr auf einem Niveau. Also insofern kann man schon so sagen, wenn man es jetzt mal relativ betrachtet, gab es eine gewisse Verlagerung von legalen zu illegalen Drogen.
19:02
Was aber nicht heißt, und ich finde, das impliziert dieser Satz auch ein bisschen mehr, dass illegalisierte Substanzen Alkohol aktuell ersetzen in dem Sinne, weil Alkohol oder ist immer noch die Substanz, die am meisten konsumiert wird, die wird weniger. Illegalisierte Substanzen haben wir einen kleinen Anstieg oder steigt es an, aber das heißt jetzt halt nicht, dass, keine Ahnung, Opiate gerade Alkohol besiegen im Jugendkonsum ist.
19:25
Absolut nicht. Gerade was eben solche Substanzen wie Opioide angeht, da sind die Zahlen auch einfach so viel niedriger als allein schon bei Cannabis und geschweige denn Alkohol, dass das einfach eine absurde Vorstellung wäre, dass das das ersetzen könnte. Und umgekehrt betrachtet, wenn man sich mal die Abstinenzquoten anguckt,
19:45
Also insgesamt kann man sagen, es werden so wenig psychoaktive Substanzen unter Jugendlichen konsumiert wie noch nie zuvor. Also da kann man sich, wenn man sich hier mal so die Grafik derer anguckt, die noch nie irgendeine legale oder illegale Droge konsumiert haben oder auch die, die das im letzten Monat nicht gemacht haben, das ist wirklich sehr, sehr deutlich angestiegen, gerade in den letzten Jahren, wo das mit dem Rauchen und mit dem Alkohol insbesondere runterging.
20:11
Das ist auch eine super spannende Entwicklung, die wahrscheinlich auch ein bisschen einhergeht, dass sozusagen dieses gesundheitsfokussierte und Fitness ja in der Jugendzeit auch für viele immer mehr eine Rolle spielt, dass sich das ja über die Zeit auch entwickelt hat, so nach rein selbstbeobachteten.
20:27
Ja, es ist auf jeden Fall eine sehr plausible Erklärung dafür, genau. Du hast gerade schon die Corona-Pandemie erwähnt und es kam auch schon ein bisschen raus aus dem, was du gesagt hast, dass der Konsum weniger geworden ist. Das deckt sich ja…
20:41
Nichts so ganz mit der Berichterstattung. Wie war das denn? Wie wurde denn Corona konsumiert? Ihr habt ja eine extra Studie dafür gemacht. Ja gut, also die extra Studie, die wir dafür gemacht haben, das war eine kleine, explorative, qualitative Studie, bei der wir auch zugegebenermaßen uns auch ziemlich viel vorgenommen hatten. Also auch die wurde uns freundlicherweise von der Stadt Frankfurt gefördert.
21:09
Und wir hatten also vor, quasi so einen Überblick zu gewinnen über das Feierverhalten in Frankfurt generell. Und zwar einerseits in Parks, also das, was jeder so sehen konnte, wenn man so vorbeigefahren ist.
21:30
Aber eben auch in Partyszänen selbst, also wie sich da möglicherweise das Verhalten verändert hat, so auch mehr in private Räume verlagert hat und so weiter. Und aber eben auch noch der Umgang damit. Also wir haben dazu zum Beispiel auch zwei Polizisten interviewt, wie sich das so verändert hat. Und…
21:53
Die Sache ist, also wenn man das jetzt noch mal zusammennimmt mit den Daten, die wir in Mosit erhoben haben und mit dem, was es sonst so an Daten zum Konsum von Alkohol und anderen Drogen gab, ist das Bild schon ziemlich differenziert und ambivalent so in etwa. Und wenn ich es mal so versuchen soll, auf den Punkt zu bringen, was jetzt die jungen Leute angeht, es gab viel weniger Gelegenheiten zu gemeinschaftlichem Konsum.
22:21
Und Konsum von Alkohol und anderen Drogen spielt sich unter Jugendlichen auch insbesondere in Gemeinschaft ab. Und das schlug sich sehr deutlich in den Zahlen nieder, die wir erhoben haben, zum Beispiel was Alkohol betrifft oder vor allen Dingen was Alkohol betrifft. Also während es im Jahr 2019 noch 36 Prozent waren, die sich mindestens einmal im Vormonat betrunken hatten oder die betrunken waren mindestens einmal vorher in dem Monat zuvor,
22:50
Und das war schon eine relativ niedrige Zahl, die war schon einigermaßen deutlich zurückgegangen, waren es danach noch 23 Prozent im Jahr 2020. Und einige andere Kennzahlen für den Alkoholkonsum sind auch runtergegangen, aber das war so ziemlich so mit das Deutlichste, also regelmäßiger Konsum.
23:07
und sich ab und zu betrinken, ging relativ deutlich runter. Auch der Cannabiskonsum ging weiter runter, aber eben nicht ganz so deutlich. Wissen wir jetzt nicht, wie viel da der Corona-Pandemie geschuldet ist. Aber es ist zumindest zu vermuten, dass es auch eine Rolle spielt, weil das ja auch meistens in…
23:25
geselliger Runde sozusagen passiert und da kann man also wirklich sagen, unter Jugendlichen ist es schon wirklich einfach extrem davon abhängig, in welcher Gesellschaft man sich befindet. Wir hatten nämlich außerdem noch aus eigenem Antrieb eine Online-Befragung für Leute, die
23:40
also für Erwachsene, die regelmäßig Cannabis konsumieren, online gestellt. Und da kamen wir, also das waren dann vor allen Dingen Leute, die sowieso häufig konsumieren. Und da kamen wir dann zum Schluss, dass da in der Tendenz eher ein bisschen mehr konsumiert wurde in der Pandemie. Und beim Alkohol gibt es ja auch Untersuchungen darüber, dass insgesamt der Alkoholkonsum in der Pandemie leicht zurückgegangen ist. Was
24:07
damit zu tun hat, dass es eben auch weniger Gelegenheiten gab, in Kneipen oder auf Festen oder so zu konsumieren, aber das zum großen Teil ausgeglichen wurde durch häuslichen Konsum, der wohl zugenommen hatte. Aber gerade bei den Jugendlichen kann man sagen, es wurde doch einfach insgesamt weniger konsumiert wegen der wenigen Gelegenheiten.
24:29
Ja, ich glaube, das vergisst man auch manchmal als erwachsene Person, wenn man Artikel liest, dass ja bei Jugendlichen Konsum auch einfach noch ganz anders stattfindet. Und klar, erwachsene Menschen konsumieren auch in Gesellschaft, aber halt auch doch häufiger alleine, als es jetzt Jugendliche tun würden. Ja, ich hatte vorhin schon die Opiate erwähnt. Vor allem Tilidin war ja sehr lange auch in aller Munde. Ja, das ist…
24:56
Nee, nicht die beste Formulierung. Ich habe da einen schönen Titel rausgebracht. Tilidin, die neue Lifestyle-Droge der Jugendlichen. Tilidin gehört gerade zu den meistdiskutiertesten Drogen und findet immer mehr Einzug in den Alltag der Jugendlichen. Was sagst du dazu? Ja, also…
25:14
In dieser Absolutheit ist das Blödsinn, um es mal kurz zu formulieren. Wir haben in unserer, also in dieser Schulbefragung, habe ich ja vorhin schon mal kurz angesprochen, fragen wir nach psychoaktiv wirkenden Medikamenten und das machen wir jetzt schon seit einigen Jahren und haben da unterschiedliche Kategorien, haben diese Kategorien aber auch
25:38
analog zu dem, was sich so in der Jugendkultur getan hat, auch immer wieder angepasst, indem wir zum Beispiel andere Beispiele reingebracht hatten. Während wir vor einigen Jahren nur noch generell nach Opioiden gefragt haben, geben wir jetzt Beispiele wie zum Beispiel Tididin, aber eben auch Lin, also dieser codeinhaltige Hustensaft mit Limo vermischt und so weiter.
25:59
sodass die meisten, die sowas ausprobiert haben, dürften schon dann wissen, was sie da ankreuzen. Zusätzlich haben wir ja auch noch Erkenntnisse aus unserer Trendscout-Studie, wo also auch gerade aus der Rapper-Szene, in der das ja vor allen Dingen propagiert wurde, mehrere Leute mit dabei sind. Und überall hören wir im Grunde genommen, also gerade Tilly Dean,
26:21
spielt da wirklich eine sehr geringe Rolle. Also das ist auf jeden Fall, das konnte man wirklich jetzt kaum als Trend bezeichnen, während man von den Rappern durchaus gehört hat, dass sowas wie dieses Lean, aber eben auch so Benzodiazepine wie Xanax, also so wie es in den USA zumindest vermarktet wird,
26:40
dass das da schon ein größeres Thema war, also jetzt mal unabhängig davon, wie viel es tatsächlich konsumiert wurde, war Tilli Dean jetzt nie so richtig so ein Riesenthema gewesen, abgesehen davon, dass eben der erfolgreichste deutsche Rapper das halt…
26:57
das Thema so überhaupt auf die Tagesordnung gebracht hat, mehr oder weniger. Und jetzt so insgesamt bei den Jugendlichen erheben wir das, wie gesagt, jetzt auch schon seit ein paar Jahren und dann konnten wir auf sehr niedrigem Niveau so kleinere Ausschläge sehen, sodass wir vor drei Jahren schon mal so einen etwas höheren Wert hatten für Erfahrungen mit Opioiden insgesamt, also Tididin
27:17
Lean und alles andere zusammen. Und im letzten Jahr gab es jetzt auch bei den psychoaktiven Medikamenten einen merklichen Ausschlag nach oben. Aber insgesamt Opioide und alles andere. Da ist dann zum Beispiel auch noch Ritalin mit dabei etc. Und das ist alles ein bisschen angestiegen, sodass wir jetzt bei 3% sind, die
27:38
die überhaupt Erfahrungen mit medizinischen Opioiden insgesamt haben, wo man aber davon ausgehen kann, dass die wenigsten davon jetzt tatsächlich Teledin ausprobiert haben. Es gibt ja noch so einige andere medizinische Opioide. Aber gerade das, was wir eben von den Trendscouts gehört haben, ist das da jetzt nur wirklich nicht so das große Thema. Ich will jetzt nicht ausschließen, dass es in manchen Städten vielleicht Szenen von Leuten gibt, in denen es verbreiteter ist. Aber in Frankfurt zumindest ist es kein großes Thema.
28:07
Ich habe auch zu dem Benzos eine großartige Schlagzeile mitgebracht. Das war gefährlicher Drogentrend, warum die Jugend lieber Xanax nimmt. Früher haben junge Menschen Cannabis geraucht oder Alkohol getrunken. Inzwischen greifen sie häufiger zu Medikamenten. Das ist ja auch sehr absolut. Ja, ja.
28:23
Ja, die Jugend, genau, warum die Jugend jetzt lieber Xanax konsumiert, klar, ist natürlich komplett übertrieben. Der andere Satz, sie greifen häufiger zu Medikamenten, ist dann eben jetzt doch nicht so ganz falsch, wie man jetzt eben auch an unseren Daten ablesen kann.
28:40
Aber gerade Benzos, also Benzodiazepine, waren jetzt unter diesen Substanzen, die wir da abgefragt haben, hatten da den niedrigsten Wert. Da waren wir immer noch bei 1% Lebenszeitprävalenz, also Leute, die es überhaupt mal ausprobiert haben.
28:54
Und daran hatte sich auch relativ wenig geändert. Also auch da hörten wir jetzt aus Rapper-Szene, dass es da durchaus ein Thema ist und dass es da auch durchaus Leute gibt, aber eher so Leute, die wirklich aktiv sind in der Szene, die das dann auch mal ausprobieren oder vielleicht auch mal häufiger machen. Aber quantitativ betrachtet ist es absolut zu vernachlässigen.
29:16
Und das ist halt auch so ein bisschen der Punkt. Ich von meiner Arbeit in der Drogenberatung kann schon sagen, dass ich ein subjektives Gefühl habe und deswegen finde ich dieses Gespräch auch gerade so wichtig, weil ich bekomme durchaus die Jugendlichen rein, die sehr viel Erfahrung auch schon mit Medikamenten haben. Das ist schon Arbeitsalltag für mich geworden, dass vor allem junge Menschen
29:34
viel mit Medikamenten zu tun haben. Und aus dieser Erfahrung, wenn das sozusagen mein Arbeitsalltag ist und ich sonst mit Jugendlichen nicht so viel zu tun habe, kommt man dann viel mehr auf die Idee, das sei ein riesengroßes Problem. Das gleiche hatte ich mit synthetischen Cannabinoiden. Mir wurde die Drogenberatung eingerannt. Und ich glaube, selbst da wäre es super interessant mal gewesen, in meinem Kindeskreis dann eine quantitative Erhebung zu machen. Weil ich hatte wirklich…
30:00
Weil auch jeder Jugendliche kam so, Frau Pitsch, alle machen das, alle, alle. Und ich hatte irgendwie das Gefühl, die stehen da alle da und jeder raucht das und immer wieder sich da rauszuholen und so, ja, ich arbeite in einer Drogenberatung. Hier geht es nur um Drogen, das ist mein ganzer Job. Und das wäre mir super interessant gewesen, das auch mal wirklich aufs Große zu sehen, weil die Panik ist dann halt immer automatisch so enorm groß. Ja,
30:24
Ja, aber waren das denn dann welche, die gesagt haben, alle nehmen das, aber ich selber nicht? Oder waren das dann Leute, die auch eigene Erfahrungen hatten? Die kamen wegen ihrem eigenen Konsum zu mir und so habe ich das ja im Prinzip damals ausgepackt. Also das war, ja, da kam einer, der hat gemeint, der hätte eben dieses CBD und es würden gerade alle rauchen. Dann habe ich das eben mal eingeschickt, um zu gucken, was das jetzt eigentlich ist und alles.
30:49
Und dann kam immer mehr, also die wirklich ein heftiges Problem entwickelt haben. Und alle haben aber auch wirklich gesagt, das tun alle. Also alle Jugendlichen haben mir das auch so konstant weiterberichtet, das macht jeder hier. Man muss halt auch sagen, diese Jugendlichen haben ja auch keinen Kreis von 200 Leuten, sondern die haben so ihren Freundeskreis.
31:07
wahrscheinlich, in denen bestimmt auch viel konsumiert werden. Und das ist ja auch immer in der Drogenberatung. Ich bekomme Jugendliche, die in einem Freundeskreis eingehören. Es kann gut sein, dass in dem Freundeskreis Drogen weit verbreitet ist, aber das sind vielleicht
31:19
würde ich sagen, vielleicht drei Leute in einer Klasse von 30 Leuten. Aber das vergisst man halt schnell mal, wenn man halt wirklich nur mit jungen Menschen zu tun hat, die eben in diesen Klicken und in diesen Konsumverbünden drinnen sind. Also das ist so meine Erklärung. Ja, also das ist aber auch so ein Phänomen, was es…
31:38
Ja, was sich auch so ein bisschen durchzieht, also so das Phänomen der selektiven Wahrnehmung im Grunde genommen. Also ich kann mich auch noch an ein Interview, was ich damals so am Anfang meiner wissenschaftlichen Karriere gefühlt habe mit einer jungen Frau, die einfach sehr intensive Erfahrungen mit allen möglichen Drogen inklusiven verbreitet.
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inklusive Opiaten hatte, die meinte ja, sie hatte irgendwann das Gefühl, alle Leute nehmen harte Drogen und alle Leute waren aber eben nur alle Leute aus ihrem engeren Freundeskreis, der sich halt so nach und nach immer weiter auf die zugespitzt hatte, die eben diese in Anführungsstrichen harten Drogen genommen haben und das, da
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Da gibt es ja sogar auch in der Prävention Ansätze, die dann damit arbeiten, solche Vorstellungen quasi gerade zu rücken. Wie nennt sich das dann nochmal? Bis wir den Namen vergessen. Aber es ist jedenfalls so ein Präventionsansatz, wo quasi jungen Leuten dann…
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Ihren Vorstellungen davon, wie viele Leute denn bestimmte Drogen konsumieren, dann die tatsächlichen Zahlen entgegengehalten werden, um das so ein bisschen gerade zu rücken und diese Normalität sozusagen aus ihren Köpfen rauszubekommen, so in etwa?
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Das ist ja auch mega sinnvoll. Ich meine, gerade mit, wir hatten Tilidin, wir hatten Xanax, wir hatten jetzt synthetische Cannabinoide, wir hatten ja so ein paar Substanzen, wo die Sau richtig durchs Dorf getrieben wurde die letzten Jahre. Und es ist immer, die Jugendlichen machen das. Und ich finde, das ist halt irgendwie auch total unfair gegenüber die Gesamtjugend, wenn immer so getan wird, dass das sozusagen der Zeitgeist, der aktuell unter 18-Jährigen ist. Das ist vielleicht auch einfach ein bisschen unfair für Menschen, die halt auch
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Ja, also ich meine, es ist ja nicht so ganz von der Hand zu weisen, dass das irgendwie was mit Zeitgeist in Anführungsstrichen zu tun hat. Also es wurde ja zum Beispiel jetzt gerade mit
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Downern insgesamt, also Benzos und Opioiden, wurde ja so ein bisschen gesagt, ja, das passt in die Zeit. Und wenn man sich halt eben so die Musikszene, also gerade auch so die Rap-Szene anguckt, auch so der Sound, der da so seit einigen Jahren verbreitet ist, das passt ja auch alles irgendwie ganz gut.
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so zu downern, so in etwa. Und mit Sicherheit gibt es, beziehungsweise nicht nur mit Sicherheit, sie geben ja teilweise selber damit an und zeigen es in ihren Videos, dass es gerade unter den Rappern selbst mit Sicherheit nicht wenige gibt, die sowas konsumieren. Nur, wie gesagt, die Fallhöhe sozusagen zu den Rezipienten ist dann doch relativ hoch und
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zum Beispiel jetzt an Kodeinhaltigen Hustensaft zu kommen, der womöglich auch noch Promethazin enthält, so wie das, was in den USA dann vor allen Dingen konsumiert wird, ist halt dann doch nicht so leicht. Also ist es dann doch wieder viel leichter, an Gras zu kommen beispielsweise. Oder
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Ich meine, vorher, über Jahre hinweg, wurde von Rappern auch der Konsum von Kokain propagiert und große Berge von Koks in ihren Videos gezeigt und so. Und trotzdem konnten wir in unseren Erhebungen nicht ablesen, dass der niedrige Anteil der Jugendlichen, die Kokain-Erfahrung haben, jetzt sich irgendwie nennenswert geändert hätte. Also da muss man, das muss man halt auch immer noch so ein bisschen ins Verhältnis rücken.
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Aber ja, also insofern geht da so ein bisschen quasi das, was so als Zeitgeist propagiert wird, was sich aber vor allen Dingen eben in so einer Elite der Jugendkultur sozusagen abspielt, dann doch nicht unbedingt konform mit dem Alltag der Jugendlichen selbst.
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Ja, und das finde ich einfach so wichtig, immer mal wieder ins Verhältnis zu setzen und sich aber auch vielleicht als Praxisfachkraft, wie in der Drogenberatung, sich das auch immer wieder klar zu machen, weil das ist vielleicht auch dann ein bisschen weniger frustrierend, wenn man eben die ganze Zeit mit Jugendlichen arbeitet, die so einen extremen Konsum hat, dass es eben auch noch viele andere gibt. Ich finde, wenn man das manchmal den ganzen Tag macht, dann vergisst man das auch.
35:37
Du hast vorhin erzählt, ihr habt auch mal Lachgas erhoben. Und das finde ich tatsächlich ganz interessant, weil bis heute auch noch das immer mal wieder an mich herangetragen wurde, sei es über meinen Podcast oder über meine Drogenberatung, so, ah, was ist denn eigentlich mit diesem Lachgas? Deswegen habe ich auch eine Folge drüber gemacht, was Lachgas überhaupt eigentlich ist. Aber auch, warte mal, da hatte ich doch auch, Experten waren vor Sommertrend. Lachgas ist nicht zum Lachen.
36:02
Ist eine Schlagzeile von 2018. Ja, das passt auch ganz gut, wenn man sich hier so unsere Daten anguckt, 2018. Aber auch interessant, dass dann gleich von Sommertrend geredet wird. Das hört sich an so, ach naja, heute trägt man das und das oder dieses Getränk ist gerade angesagt. Und jetzt, oh doch, jetzt ist der Sommertrend Lachgas angekommen.
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Es ist auch wieder so schön ambivalent, wie so in den Medien dann teilweise damit umgegangen wird, dass man das einerseits als Trend ausruft, aber gleichzeitig ganz furchtbar davor warnt, in etwa.
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Ja, also Lachgas, das erheben wir tatsächlich seitdem wir angefangen haben mit dieser Mosel-Studie, also seit 20 Jahren und über lange Zeit hinweg waren es immer so zwischen drei und sechs Prozent der Jugendlichen, die das irgendwann mal ausprobiert haben. Das heißt also, es war schon immer irgendwie ein gewisses Thema gewesen.
36:58
Und im Jahr 2018 hatten wir dann tatsächlich auch den Höchstwert erreicht mit 11%. Das heißt, da gab es mal so eine Zeit, in der Lachgas anscheinend irgendwie populärer wurde. Wir haben auch versucht, dem irgendwie auf den Grund zu gehen, womit das zusammenhängt.
37:15
hängen könnte. Also zum Beispiel aus der Trendscout-Studie hatten wir jetzt keinerlei Hinweise dafür, dass es in irgendwelchen bestimmten Szenen irgendwie eine Rolle spielen würde. Wir haben auch mal so versucht zu recherchieren, ob es jetzt vielleicht irgendwie mehr Leute im Internet, also YouTuber oder wie auch immer geben würde, die das propagieren. Und ich meine, klar gibt es auch Videos dazu, in denen
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gezeigt wird, wie das gemacht wird, aber auch da konnte man jetzt nicht feststellen, dass das jetzt besonders stark angestiegen wäre. Also aus irgendeinem Grund gab es zu diesem Zeitpunkt einfach mehr Jugendliche, die das ausprobiert haben. Und es wurde zusätzlich auch nochmal zu einem Thema, dadurch, dass es in den
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ein größeres Thema wurde, dass da Leute, also vor allem Geschäftemacher, auf die Idee gekommen sind, Lachgas jetzt nicht nur als Sahnekapseln zu verkaufen, sondern schon fertig in Luftballons gefüllt, direkt vor den Clubs an die Leute weiter zu verkaufen oder
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Es gab auch einen Unternehmer, der dann irgendwie eine Lachgas-Lounge direkt in Grenznähe zu Deutschland aufgemacht hat und gedacht hat, dass er damit sich furchtbar viele Kunden heranziehen würde. Und tatsächlich war es auch in manchen, vor allen Dingen wohl migrantischen Kreisen in den Niederlanden, das habe ich von einem niederländischen Kollegen mitbekommen, auch teilweise ein größeres Problem, dass da viele das…
38:38
Oder was heißt viele, aber zumindest ein gewisser Anteil, das exzessiv konsumiert hat und dann eben auch negative Begleiterscheinungen und dass überall diese Sahnekapseln rumlagen in der Öffentlichkeit. Aber das hat sich in Deutschland jetzt nie wirklich so manifestiert und warum das da jetzt zu diesem Zeitpunkt so angestiegen war…
38:57
Können wir, wie gesagt, nicht genau sagen. Und man muss auch immer noch dazu sagen, diese Zahl, 11 Prozent, sind welche, die das mal ausprobieren. Und gerade bei Lachgas ist der Anteil derer, die das jetzt mehr als nur ausprobieren, ganz besonders gering. Also wir haben…
39:13
In der letzten Erhebung waren es 4% derer, die überhaupt mal Lachgas ausprobiert haben, haben das mehr als 10 Mal gemacht. Und das ist bei allen anderen Drogen, die wir da abgefragt haben, ist dieser Wert höher. Also sprich, bei den meisten Jugendlichen ist das ein Partyspaß, den man mal ausprobiert, aber der dann wahrscheinlich auch nicht so beeindruckend ist, dass man das jetzt unbedingt wiederholen muss.
39:37
Ich kenne das eben auch voll viel aus Festivals, dass das öfters mal vorkommt, dass halt ein paar Kapseln mit eingepackt wurden oder sowas. Aber das ist ja dann auf jeden Fall nichts, was das ganze Festival durchzieht, sondern da macht man mal eine Runde und fertig ist. Und ich könnte mir vorstellen, dass das vielleicht, ich denke mal so, vielleicht funktioniert das einfach auch so, wie im Internet was viral geht.
39:58
Also klar, ohne Algorithmus, aber jemand sieht es, findet es cool und ist vielleicht zu motiviert und zeigt es dann ganz vielen und die finden es witzig und nehmen es dann auch nochmal weiter. Und dass es dann sozusagen wie so ein Lauffeuer einfach mal durchgeht. Naja, eben. Es können ja Sachen nicht nur im Internet viral gehen, sondern ja auch…
40:16
in Kreisen, in lokalen Kreisen von Jugendlichen und vielleicht war das hier einfach zu dem Zeitpunkt so der Fall gewesen. Und gerade, weil du eben Festivals angesprochen hast, da ist es vielleicht auch deswegen beliebt, weil das kann einem ja auch nicht abgenommen werden, wenn man am Eingang durchsucht wird, weil das ist ja eine legale Droge. Das stimmt allerdings, da hat man erstmal kein Problem. Musik
40:39
Ja Bernd, ich bin ziemlich durch mit den Trends, die ich mir so rausgesucht habe. Habe ich irgendwas vergessen, wo du findest, da sollten wir vielleicht auch nochmal drauf schauen? Vielleicht einfach nochmal so ganz kurz so insgesamt zu den gängigsten illegalisierten Drogen, jetzt abgesehen von Cannabis. Oder beziehungsweise fangen wir nochmal kurz mit Cannabis an. Wie gesagt, da hatten wir, also erstaunlich war, dass im letzten Jahr der Wert für die Lebenszeitprävalenz auf einen neuen Tiefstwert sogar gefallen ist mit 29%.
41:08
Das hängt aber unserer Meinung nach vor allen Dingen mit dem Anti-Rauch-Trend zu tun, dass es also einfach immer weniger Leute gibt, die überhaupt die Schwelle überschreiten, irgendwas Rauchbares auszuprobieren und da Cannabis ja in den meisten Fällen immer noch geraucht wird, hat das wahrscheinlich damit zu tun, der Anteil derer, die
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mehr oder weniger regelmäßig konsumieren, also gemessen in der 30-Tages-Prävalenz, Konsum in den letzten 30 Tagen, ist jetzt nicht so deutlich abgefallen. Er lag jetzt zuletzt bei 15%, lag auch schon mal über 20%, aber wie gesagt, so 15% ist so ungefähr so ein Mittelwert aus den ganzen, aus den letzten 20 Jahren. Das heißt, es gibt…
41:51
Es gibt anscheinend deutlich weniger Jugendliche, die Cannabis ausprobieren, aber es gibt ungefähr genauso viele wie in den ganzen letzten Jahren, die das mehr oder weniger regelmäßig betreiben. Und wenn man sich jetzt die anderen illegalen Drogen anguckt, da sind es eigentlich immer Ecstasy, beziehungsweise MDMA, Speed und Kokain gewesen, die so…
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in wechselnder Reihenfolge auf den ersten Plätzen lagen, was so die Konsumerfahrung anging. Da gab es auch immer mal so gewisse Schwankungen, dass es mal bei dem einen ein bisschen mehr, bei dem anderen ein bisschen weniger wurde. Aber letztlich hat sich das immer so irgendwas um die
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4-5% Lebenszeitprävalenz bei all diesen Substanzen gehalten. Das heißt, da hat sich wirklich relativ wenig geändert über die ganzen letzten 20 Jahre hinweg. Und das gilt auch für alle anderen illegalen Drogen. Also auf den nächsten Plätzen folgen dann LSD und Pilze. Das war nur so ganz am Anfang. Vor 20 Jahren war Pilze mal noch etwas angesagter gewesen.
42:58
Aber ansonsten auch gleichbleibend niedrige Anteile, die das irgendwann mal ausprobieren. Sodass man wirklich sagen kann, zumindest bei den Jugendlichen, kann man da jetzt nicht gerade irgendwelche merklichen Trends feststellen, was diese gängigsten illegalen Drogen angeht. Das ist ja auch sehr spannend, weil das sind ja im Prinzip auch die Substanzen, die so am weitesten bekannt sind und am weitesten verbreitet. Aber das ist, glaube ich, dann auch eher…
43:26
Kommt dann wahrscheinlich auch ein bisschen später, dass das vielleicht auch eine andere Relevanz bekommt als Jugend.
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Ja, also das ist wohl wahr, aber wir haben ja wie gesagt auch immer noch ein paar ältere mit dabei in unserer Stichprobe, aber auch wenn man sich die anguckt, sind die Schwankungen auch nicht so besonders groß. Klar liegen da natürlich die Werte höher für Konsumerfahrung, weil viele halt dann doch erst, dann vielleicht erst mit 18 das erste Mal koksen oder eine Pille schmeißen oder so, aber auch da wenig Änderungen im Grunde.
43:59
Werbung. Eine Frage habe ich noch. Ich weiß nicht, ob die überhaupt in der Musikstudio ausschlagen würde, aber hat die Möglichkeit…
44:15
Online Drogen zu verkaufen, Einfluss auf Trends. Ja, also ich meine, das will ich jetzt mal nicht so ganz von der Hand weisen. Das ist auch ein Thema, mit dem wir uns in anderen Studien beschäftigt haben in der Vergangenheit. Und wir kennen auch einiges, was es aus dem Ausland gibt. Und da war vor allen Dingen Australien so ein Beispiel gewesen, wo man wirklich sagen konnte, da konnten…
44:43
da gab es
44:45
schon nennenswerte Anteile von Leuten, die sonst womöglich nicht an bestimmte Drogen geraten wäre, wenn es nicht den Online-Handel gegeben hätte. Also da gibt es so diverse Studien darüber, die das belegt haben, was aber natürlich eben auch mit der Lage von Australien zu tun hat, dass dort eben bestimmte Substanzen besonders teuer sind, weil es eben besonders aufwendig ist, sie in so ein relativ abgelegenes Land reinzuschmuggeln. Ähm,
45:14
Und ansonsten in all den Erhebungen, die wir so zu diesem Thema gemacht haben, nimmt der Onlinehandel immer nur einen sehr, sehr geringen Anteil ein. Also jetzt auch zum Beispiel, als wir zuletzt nach Cannabiskonsum in der Corona-Pandemie gefragt haben, waren es…
45:33
Ich weiß es nicht mehr genau, aber wenigstens, also jedenfalls ganz, ganz wenige Prozent, die gesagt haben, dass sie überhaupt über Online-Handel sich Cannabis besorgen will. Bei anderen Drogen mag das vielleicht noch anders aussehen, aber auch da, da hatten wir vor ein paar Jahren mal eine größere Befragung dazu gemacht und auch das, was jetzt vielleicht noch naheliegender ist, sind synthetische Drogen sich im Internet zu bestellen, weil sie eben auch nicht…
45:57
stark riechen und unauffälliger verpackt werden können. Auch das sind immer nur doch ziemlich geringe Anteile, die sich das besorgen. Und die allermeisten haben entweder Privatdealer oder eben Bekannte in ihrem Bekanntenkreis, die ihnen irgendwie was mitbringen, egal um welche der illegalisierten Drogen es geht.
46:20
Zählt da bei Onlinehandel auch Telegram und Instagram und so dazu? Weil da fällt mir halt eben gerade ein, auch das war ja eine hohe Diskussion in letzter Zeit, dass junge Menschen eben über Telegram oder über Instagram sehr entspannt Drogen beziehen können beziehungsweise sogar aktiv angesprochen werden. Zählt das bei den Erhebungen beim Onlinehandel dazu? Darüber gibt es bisher relativ wenig und ich muss auch sagen, da bin ich auch…
46:49
Da bin ich auch gerade so ein bisschen verärgert, weil wir haben schon mehrere Anträge jetzt gestellt. Gerade letzte Woche wurde uns ein weiterer Antrag, den wir mit europäischen Kolleginnen zusammengestellt haben, auch schon wieder abgelehnt, um eben genau dieses Thema, also da war dann zwar auch noch der Darknet-Handel mit dabei, aber vor allen Dingen eben Handel über Social Media, das mal näher zu erforschen. Es gibt einfach total wenig darüber.
47:15
Was ich dazu sagen kann ist, also oder mein Eindruck ist zumindest, also wenn, wo es irgendwie am ehesten eine Rolle spielt, ist in großen Städten. Weil die meisten Leute, die Drogen über Social Media anbieten, verschicken das dann nicht per Post, sondern machen dann Treffpunkte aus mit anderen Leuten. In Berlin ist das wahrscheinlich ein größeres Thema als zum Beispiel in Frankfurt. Auf dem Land dürfte es wahrscheinlich nur eine äußerst geringe Rolle spielen.
47:43
Ja, die meisten Telegram-Gruppen wurden ja auch wieder geschlossen. Ich habe ja in viele mal reingeschaut und es sind viele auch inzwischen schon wieder geschlossen worden. Genau, aber würde mich auch echt mal interessieren, weil ich mir halt auch gut vorstellen kann, dass junge Menschen einen Kauf über Instagram, wo sie sich dann treffen oder einen Kauf über Telegram, wo sie sich dann treffen, gar nicht für sich als Online-Handel definieren, was jetzt halt nicht im Darknet erworben wurde.
48:04
Ja gut, also zumindest in der letzten Befragung, die wir gemacht haben, da hatten wir dann schon auch explizit danach gefragt, Darknet oder Social Media. Also es kommt natürlich immer, das ist auch vielleicht nochmal so ein generelles Thema bei sozialwissenschaftlichen Befragungen, weil wir danach halt auch immer wieder gefragt werden. Es ist einfach total wichtig, wie man die Fragen stellt und dass man eben die Leute wirklich danach abholt. Und wir haben da selber auch öfter sicherlich auch schon Fehler gemacht, dass…
48:32
dass wir Fragen dann nicht so gestellt haben, dass jeder, den es betrifft, entsprechend darauf antworten kann. Aber es gibt zum Beispiel auch Themen, gerade neue psychoaktive Substanzen ist so ein Thema, wo es auch total schwierig ist, die Fragen wirklich vernünftig zu formulieren, weil es da einfach…
48:52
viele gibt, die gar nicht so genau wissen, was sie da jetzt irgendwie so konsumiert hatten, wenn sie irgendwo mal an irgendeinem Joint gezogen haben, in dem vielleicht synthetische Cannabinoide drin waren oder sie es auch gar nicht so genau wussten, ob da jetzt wirklich welche drin waren oder wie das überhaupt heißt, was da drin gewesen sein könnte. Bei den anderen NPS ist es noch schwieriger, da haben wir mittlerweile die Frage aus dem Fragebogen gestrichen, weil da hatten wir auch mal gefragt, haben sie schon mal andere
49:20
zum Beispiel Research Chemicals, sogenannte Badesalze oder sowas konsumiert. Und dann gab es immer so zwei bis drei Prozent, die das angekreuzt hatten. Und dann hat man eine offene Frage gestellt. Ja, was war es denn, was wir beim letzten Mal konsumiert hatten? Und da standen
49:35
reihenweise Sachen drin, die gar nicht in die Kategorie reingepasst haben. Da kam dann Benzodiazepine oder jemand hat dann Weed reingeschrieben. Also sprich Leute, die noch nicht mal wussten, dass es eine andere Bezeichnung für Gras geben könnte, so in etwa. Also gerade bei
49:56
jüngeren Jugendlichen gibt es halt auch einfach noch sehr viel Unwissen und da ist es tatsächlich nicht ganz so leicht, auch das zu erfragen, was sie da jetzt schon alles konsumiert haben. Ja, das stimmt. Da muss man halt auch wirklich immer sehr gut nachdenken. Ich finde es auch bei den synthetischen Cannabinoiden auch einfach mit das beste Beispiel, weil, nee, das sind keine synthetischen Cannabinoide, das ist Django. Nein, das ist Ballerliquid. Ballerliquid und Django ist nicht das Gleiche. Also da habe ich auch schon ganz…
50:22
viele Dinge gehört, wo auch super viel Aufklärungsarbeit erstmal notwendig ist. Oh ja, gerade da ist das ja wirklich ein sehr interessantes Thema, auch dass es dann eben Leute gab, die das dann als CBD-Liquid vertrieben haben, was natürlich komplett irreführend ist. Also CBD ist ja eine Substanz, die überhaupt nicht psychoaktiv wirkt und damit dann tatsächlich einige dieser unwissenden Jugendlichen in trügerischer Sicherheit wiegen, so in etwa.
50:51
Ja Bernd, ich bin ziemlich durch mit meinen Fragen. Ich würde mal mit dir einen Blick in die Zukunft richten. Was wünschst du dir, also es hat mir ja schon ein paar Sätzen rausgehört, was wünschst du dir für die Zukunft, was Erhebungen angeht, Konsumtrends angeht? Wenn du mal träumen dürftest, was wäre es? Ja, also tatsächlich bin ich schon seit langem, versuche ich immer mal wieder so ähnliche Erhebungen, wie wir in Frankfurt machen, auch woanders durchführen zu können.
51:20
Das ist mir bisher noch nicht geglückt, so in etwa. Also das wäre schon mal ganz gut, wenn man sowas auch auf lokaler Ebene woanders durchführen könnte. Obwohl, nee, teilweise ist es schon geglückt. Also was wir zum Beispiel jetzt zuletzt gemacht haben, vor ein paar Monaten, war eine Szenebefragung, also was die harte Szene angeht in Mannheim, die so ein bisschen nach dem Vorbild unserer Frankfurter Szenebefragung gelaufen ist. Also da kann man schon sagen, hier und da gab es dann schon noch mal so
51:48
von dem, was wir in Mosit gemacht haben, in andere Bereiche, aber viel zu wenig einfach. Und viele andere Städte und Regionen wissen einfach quasi gar nichts darüber, was unter ihren jungen Leuten oder auch nicht ganz so jungen Leuten los ist, was den Drogenkonsum angeht.
52:07
Und insofern wäre es dann auch sinnvoll, auch einfach mal wieder bundesweit eine Schulbefragung durchzuführen und ganz simpel sich zum Beispiel wieder dieser S-Part-Schulbefragung anzuschließen, die seit vielen Jahren in den meisten anderen europäischen Ländern auch durchgeführt wird. Also das wäre schon mal eine gute Grundlage, um einfach vernünftigere Zahlen zu haben in dieser Richtung.
52:29
Was es ja noch gibt, sind Abwasseruntersuchungen. Findest du die sinnvoll, wenn die auch irgendwie regelmäßiger durchgeführt werden?
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Naja, bei Abwasseruntersuchungen gibt es mehrere Problematiken. Einerseits können, also so wie ich das mitbekomme, ich bin jetzt kein Experte dafür, aber so wie ich es mitbekommen habe, ist das so halbwegs zuverlässig, was Kokainkonsum angeht, weil es da eben ein bestimmtes Abbauprodukt gibt, was man gut messen kann. Aber wenn man sich schon mal die gängigen synthetischen Drogen, Speed oder Ecstasy anguckt,
53:01
Da gab es zum Beispiel bei so europäischen Studien gab es dann extreme Ausschläge in manchen Städten in den Niederlanden und in Belgien, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass dort diese Drogen auch produziert werden und dann vieles quasi unbegrenzt.
53:20
ungenutzt so im Abwasser gelandet ist. Also es war einfach nicht wirklich vernünftig zu erklären, warum jetzt in Antwerpen, keine Ahnung, zehnmal so viel Ecstasy konsumiert wird wie in anderen europäischen Städten. Das kommt einem nicht wirklich logisch vor. Das heißt also allein, was den Gesamtkonsum betrifft, ist das teilweise schon…
53:43
schwierig zu sagen und was man überhaupt nicht mit solchen Abwasseruntersuchungen aussagen kann, ist wie viele Leute konsumieren wie viel. Sind das jetzt ganz viele Leute, die wenig konsumieren oder sind das ganz wenige Leute, die viel konsumieren oder so, was ja noch einen sehr großen Unterschied daraus macht, denn es gibt ja relativ unproblematischen Konsum und es gibt eher problematischen Konsum und ja, das ist natürlich ein großer Unterschied.
54:07
Ja, ich glaube 2017 wurde in Frankfurt eine Abwasseruntersuchung gemacht. Ich habe sie mir auf jeden Fall mal angeschaut und da hat an einem Mittwoch MDMA gepiekt ohne Ende. Also auch viel krasser als am Wochenende. Und ich habe dann mal versucht, an was das liegt, ob da irgendwie ein Festival war oder keine Ahnung. Aber habe da auch für mich kein Ergebnis rausgebracht. Womöglich war es einfach nur ein Dealer, dem die Polizei auf den Fersen war und der sein Päckchen irgendwo in den Gully geschmissen hat.
54:36
Ja, stimmt. Und damit sehr, ja klar, daran habe ich tatsächlich gar nicht getan. Ich habe nach Festivals gesucht. Ja, Bernd, das war es tatsächlich auch schon mit meinen Fragen. Voll cool, dass du da warst. Ich habe super viel gelernt und ich glaube, viele, die auch so hören, auch. Und ja, gerne mal wieder. Ja, vielen Dank. Es hat mir auch viel Spaß gemacht, doch mal so einiges über unsere Festivals
55:00
Forschungen zu Drogentrends zu erzählen und auch so über die Hindernisse, mit denen man so zu tun hat. Ja, ich hoffe, dass es in Zukunft weniger Hindernisse gibt und Forschung uns deutlich erleichtert wird. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.
