Alkoholpolitik und Alkohollobby in Deutschland – ein Fiebertraum

Deutschland zählt zu den europäischen Ländern mit besonders hohem Alkoholkonsum, gleichzeitig sind Bier und andere alkoholische Getränke günstig, nahezu rund um die Uhr verfügbar und umfassend beworben. Diese Rahmenbedingungen sind nicht zufällig entstanden. In dieser Folge geht es darum, wie die Alkoholindustrie politische Entscheidungen beeinflusst und weshalb strengere Regeln zu Werbung, Preisen, Verfügbarkeit und Jugendschutz seit Jahren nur schwer durchsetzbar sind. Im Mittelpunkt steht der Deutsche Brauer-Bund, dessen erklärtes Ziel es unter anderem ist, höhere Biersteuern und Einschränkungen bei Werbung und Sponsoring zu verhindern.
Die Folge untersucht zentrale Lobbystrategien: den personellen Wechsel zwischen Politik und Industrie, Kontakte zu politischen Entscheidungsträger*innen, öffentlichkeitswirksame Ehrentitel und Präventionskampagnen, die freiwillige Selbstregulierung als Alternative zu gesetzlichen Vorgaben darstellen. Dabei wird auch der Gegensatz zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention deutlich. Aufklärung allein kann wenig verändern, wenn Alkohol gleichzeitig billig, leicht verfügbar und gesellschaftlich allgegenwärtig bleibt. Eine wirksame Alkoholpolitik braucht deshalb ein abgestimmtes Gesamtpaket aus unabhängiger Prävention, höheren Steuern, Werbebeschränkungen, klaren Altersgrenzen und weniger Verfügbarkeit – nicht als Verbotspolitik, sondern als gesundheitsorientierte Regulierung.
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Alkoholpolitik und Alkohollobby in Deutschland – ein Fiebertraum
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PODCAST-METADATEN
Folge: 104
Erscheinungsdatum: 16.01.2025
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Alkoholpolitik und Alkohollobby in Deutschland – ein Fiebertraum
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
Transkript Beginn
00:01
Diese Kampagnen sind wirklich beeindruckend. Seit 2005 waren immer Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung im Amt, die fast alle während ihrer Amtszeit Botschafter des Bieres waren. Aber gleichzeitig sind wir auf Platz 5 des höchsten Alkoholkonsums.
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Psychoaktiv, euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein! Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv, dein auditives Drogenlexikon und wissenschaftlicher Partner rund um die Themen Konsum und Sucht. Ach ja, ich versuche gerade ein bisschen…
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Mein Podcast-Thema auf den Kern herunterzusprechen. Ich glaube, da darf ich noch ein bisschen dran arbeiten. Ich habe noch, hier wird nicht verurteilt, sondern Tatsachen geschaffen. Aber es hört sich alles nicht so natural an, wie ich es gerne hätte. Mit was verbindest du psychoaktiv am meisten? Was ist für dich die Essenz dieses Podcasts? Schreibt es mir gerne zum Beispiel in die Kommentare oder auch einfach auf Instagram.
01:30
Instagram oder per E-Mail. Das würde mich tatsächlich sehr interessieren. Allgemein habt ihr mir ja auch schon Feedback gegeben im Zuhörer-Feedback für 2025. Ich wollte einfach von euch ein bisschen mehr wissen, wer ihr seid, auf was ihr Bock habt, wie es weitergehen soll, weil es ist am Ende euer Podcast für euch, euer Safe Space für sehr viel Drogenwissen und
01:58
Natürlich möchte ich die Folgen machen, die ihr wollt und auch hören möchtet. Also wie gesagt, ich bin immer offen für konstruktive Kritik. Dafür braucht es keine Umfrage. Schreibt mir einfach. Ich lerne super gern von euch. Was aber sehr klar wurde durch die Zuhörerumfrage, ist, dass drogenpolitische Themen sehr weit
02:19
weit oben in eurer Präferenz steht, dass ihr da am meisten Bock drauf habt und ich habe auch schon in den Themenwunschformularen häufig gehabt, mach mal mehr zur Alkohollobby. Wir haben das ja schon für die Tabaklobby gemacht, dafür müsst ihr ein bisschen scrollen und zwar zur Folge 21, da nehmen wir die Tabakpolitik auseinander. Heute schauen wir uns…
02:46
Aber die Alkohollobby und die Alkoholpolitik an, passt ja auch noch recht schön zum Dry January. Deswegen dachte ich, okay, ich setze mich hin, ich werde für euch richtig krass recherchieren und heute schauen wir uns das genauer an. Und ja, diese Recherche hat mich echt ein bisschen an meine…
03:06
Rage-Grenze gebracht, denn ich meine, Deutschland und Alkohol, das ist doch unser Kulturgut. Wenn man im Ausland unterwegs ist, ist es ja so, das, was Nicht-Deutsche sehr schnell mit Deutschland verbinden, Bier, Bratwurst und Oktoberfest.
03:23
Und uns stört das halt nicht mal. Ich meine, ist doch geil, dass wir das Bier in unserem Land so stark fördern, obwohl jedes Jahr 74.000 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum sterben. Das sind 200 Tote pro Tag. Oder anders gesagt, alle sieben Minuten stirbt jemand an den direkten oder indirekten Folgen von Alkohol.
03:51
Das bedeutet, während so einer Standardfolge psychoaktiv 40 bis 45 Minuten sterben circa sechs bis sieben Menschen an Alkohol.
04:02
Und ich meine, das liegt halt schlichtweg daran, dass in Deutschland sehr viel Alkohol getrunken wird. Denn im europäischen Vergleich, erstellt von der WHO 2019, ist Deutschland auf dem fünften Platz mit dem höchsten Alkoholkonsum pro Person. Ich meine, wenn das nicht mal eine Platzierung ist, auf die man richtig stolz sein kann.
04:26
Aber okay, ich versuche mal die Ironie runterzuschrauben. Ich sage euch aber gleich, das wird ein bisschen tricky manchmal, weil es echt anstrengend ist, sich die Realität in Deutschland anzugucken. Denn dass wir in Deutschland einen sehr hohen Pro-Kopf-Konsum haben, das ist natürlich kein Zufall.
04:46
sondern hat sehr viel mit dem Kalkül der Alkohollobby zu tun und deren sehr starke Verbindung zur Politik. Und das wiederum führt eben zu einer sehr geringen Regulierung von Alkohol in Deutschland. Und das wiederum hat den direkten Effekt auf den Konsum jedes einzelnen Bürger. Und genau das werden wir uns heute sehr genau in dieser Podcast-Folge anschauen.
05:12
Doch bevor es gleich losgeht, begrüße ich erstmal alle neuen psychoaktiven Mitglieder, die den Podcast finanziell unterstützen. Und zwar geht hier Liebe raus an Oliver, Ingo, Anja und Thomas. Und ein ganz besonderer Dank geht noch raus an Katharina und Johannes für das Abschließen des großen Pakets. Danke, dass ihr mit am Podcast.
05:34
Psychoaktiv wird sich, wenn ich es nicht anders hinkriege, eventuell 2025 ein bisschen ändern, denn ich komme von meinem Sabbatical zurück, es geht zurück auf den Arbeitsmarkt und ich kann psychoaktiv, um ehrlich zu sein, nur noch in dem Rahmen weitermachen, wie er sich gegenfinanziert. Und das ist aktuell leider nur 80% einer Folge pro Monat.
05:58
Und deswegen gebe ich auch aktuell extremst viel Gas, euch ein richtig schönes Mitgliederprogramm zu gestalten. Denn hey, ihr wisst, ich liebe Psychoaktiv. Ich liebe diese Themen für euch aufzuarbeiten. Und ich liebe vor allem diese extremen Deep Dives. Also ich meine, diese Folge habe ich über 15 Stunden recherchiert. Hört sich vielleicht manchmal nicht so an, aber ich checke halt jede Quelle auch nach und gucke, ob es noch andere Sichtpunkte gibt. Es ist einfach sehr viel Arbeit.
06:24
Und was ihr seit letztem Monat könnt, ist zum Beispiel, dass ihr jetzt jeden Monat an einer Abstimmung teilnehmen könnt als Mitglieder und entscheiden könnt, welche Drogenfolge als nächstes drankommt. Dafür habt ihr immer drei Drogen zur Auswahl. Es gibt richtig coole Zusatzartikel, die ihr lesen könnt.
06:41
Und ich versuche wirklich, diese psychoaktive Mitgliedschaft von Monat zu Monat mehr zu gestalten und mache mir Gedanken, dass man sozusagen aus meiner Not den unterfinanzierten Podcast, der ja leider auch keine Werbeverträge bekommt, weil wir hier über Drogen sprechen oder zu wenig Werbeverträge bekommt, weil wir hier über Drogen sprechen, einfach was richtig, richtig Cooles aufzubauen. Und ich bin da.
07:03
vorsichtig, optimistisch, würde ich sagen. Falls ihr das erstmal testen wollt, weil ihr kriegt zum Beispiel auch psychoaktiv werbefrei und es ist vielleicht alles ein bisschen komisch mit einem Extra-Feed, habe ich für euch heute mal eine 30-tägige Probemitgliedschaft freigeschalten. Das heißt, ihr könnt das erstmal 30 Tage testen und gucken, ob ihr da Bock drauf habt und ob das für euch auch cool ist oder was mir am allerliebsten ist, mir Feedback geben, was ihr euch wünscht und was es noch geiler machen kann oder noch mehr ausbauen kann. Ihr
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Ja, und dann freue ich mich, euch als Mitglieder begrüßen zu können. Und jetzt starten wir in den Irrsinn der deutschen Alkohollobby rein. Schnallt euch an, macht nichts, wo Aggressionen vielleicht fehl am Platz sind. Let’s go! Starten wir erstmal ganz grundlegend. Was ist eigentlich die Alkohollobby?
07:55
Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei mir ist es so, dass ich allgemein Lobbyismus sehr negativ wahrnehme. Also allein das Wort Lobbyismus, das hört sich für mich irgendwie schon negativ und ein bisschen stinky an. Doch eine Lobby ist kurz und knapp einfach nur eine Interessensgemeinschaft. Also eine Gruppe, die versucht, die Entscheidungen der Politik mit den unterschiedlichsten Methoden zu beeinflussen.
08:24
Und genau dieser Akt, also die Handlung der gezielten Einflussnahme,
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Auf politische Entscheidungen, das nennt man eben dann Lobbyismus. Und das muss nicht nur negativ sein. Also grundlegend ist eine Interessensvertretung erst einmal ein legitimer Bestandteil von Demokratie. Und vielleicht kennt ihr MyBrainMyChoice. Das ist zum Beispiel eine Lobby für Menschen, die die Interessen von Drogengebrauchenden vertreten und setzt sich sehr für Entstigmatisierung und für eine humanistische Drogenpolitik ein.
08:56
Also am Ende ist die Frage, welche Interesse vertrittst du eigentlich, der springende Punkt, um Lobbyismus einzuschätzen. Und ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die sehr konservativ abstinenzorientiert eingestellt sind und sehr für die Prohibition die Arbeit von My Brain, My Choice als Lobby eher kritisch sehen.
09:18
Also es hat sehr viel damit zu tun, von welcher Richtung und von welcher Überzeugung komme ich, was wünsche ich mir und sind meine Interessen vielleicht auch Teil dieser Interessensvertretung. Das heißt, bleibt am besten flexibel in eurer Denke. Eine Medaille hat halt immer zwei Seiten oder ja, eine Medaille hat zwei Seiten, aber es gibt meistens auch sehr viele Graubereiche. Es ist halt nicht alles schwarz und weiß.
09:42
Aber zurück zur Alkoholindustrie bzw. zur Alkohollobby. In Deutschland ist der allerwichtigste Lobbyverband der Alkoholindustrie der Deutsche Brauerbund. Dann gibt es aber noch andere Lobbyverbände wie den Bundesverband der Deutschen Spirituosenindustrie und Importeure e.V.,
10:00
den Deutschen Weinbauverband und den Verband der privaten Brauereien. Wir schauen uns heute aber maßgeblich die Aktivitäten des Deutschen Brauerbunds an. Das liegt ganz schlicht daran, dass der Deutsche Brauerbund oder auch kurz DBB einfach der mächtigste Player in der Alkohollobby ist und Bier auch das meistkonsumierteste alkoholische Getränk in Deutschland. Ein Schelm, der da Böses denkt. Musik
10:30
Der Deutsche Brauerbund e.V. wurde schon 1871 gegründet und wie
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wie wir jetzt schon gehört haben, ist eben die Lobbyvertretung der Bierindustrie. Was das Ziel des Brauerbundes ist, ist auch an sich kein Geheimnis. Das steht nämlich schlichtweg in der Satzung auf der Website. Dort heißt es wortwörtlich, dass eines der Ziele die Verhinderung der Einführung oder Anhebung von Steuern und Abgaben für Bier ist.
10:59
Und ein anderes Ziel, der Erhalt der wirtschaftlichen Freiheit, Bier weiterhin bewerben und verkaufen zu dürfen, sowie Sponsoring durchführen zu können. Also kurz, sie wollen nicht mehr Steuern zahlen, zu den Steuern kommen wir später nochmal und sie wollen gerne weiter werben dürfen, so wie sie das eben gerne wollen. Der Aktienmarkt.
11:19
Der aktuelle Präsident des DBB ist übrigens Christian Weber. Der ist CEO der Carlsberg Brauerei KG. Deutlich interessanter ist aber, wer Hauptgeschäftsführer ist. Und zwar Holger Eichele. Und das seit 2009. Und das ist deswegen so besonders erwähnenswert, da er der frühere Pressesprecher des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz war. Und das ist halt schon klangweilig.
11:45
Denn das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist das Ministerium, das dafür zuständig ist, dass Bier reguliert wird. Und es ist unfassbar, dass jemand, der so einen Zugriff auf Interne des Bundesministeriums hat, direkt in die Lobby wechseln darf, die genau dann dieses Bundesministerium wieder beeinflusst.
12:08
Allerdings ist es auch kein komplettes Novum, beziehungsweise ist es auch nicht der einzige Fall. Zum Beispiel in der Tabakindustrie gibt es noch Frank Henkler-Stefani und der ist 2021 vom Bundesinstitut für Risikobewertung, wo er an der Zulassung von Produkten wie Tabakerhitzer mitgearbeitet hat, auch direkt in die Tabaklobby gewechselt.
12:30
Ich persönlich finde es tatsächlich sehr absurd, dass es dafür keine Regelung gibt. Also dass man von einer Stelle vom deutschen Staat direkt in ein Lobbyverband wechseln darf. Aber ja, ich mache die Regeln leider nicht, aber es ist krass und ich finde es schon ein Skandal. Und über Frank Henkler-Stefani konnte man tatsächlich ein bisschen mehr lesen.
12:53
Ich habe das Gefühl, aber vielleicht liegt es auch daran, dass es schon so lange her ist, 2009, manche Sachen verschwinden dann vielleicht doch im Internet, dass bei Holger Eichele jetzt nicht so der krasse Aufschrei war. Aber das ist, wie gesagt, absolute Retro-Perspektive.
13:06
Der DBB, der finanziert sich eben durch Mitgliederbeiträge und diese Mitgliederbeiträge kommen natürlich von den einzelnen Brauereien, die Mitglied beim DBB sind. Und im Jahr 2022 standen ihm knapp zwei Millionen Euro zur Verfügung für seine Lobbyarbeit.
13:23
Grundlegend wird der Einfluss der Alkoholobby in Deutschland als sehr hoch eingestuft. Das zeigt zum Beispiel eine Anfrage von der Partei Die Linke, die gefragt hat, naja, wie häufig haben sich eigentlich Vertreter der Politik mit der Alkoholindustrie getroffen? Und da kam eben raus, dass von 2018 bis 2022 es insgesamt 28 Treffen gab. Und davon waren schon zwölf, also fast die Hälfte, alleine mit dem DBB. Doch vielleicht fragt
13:51
Wie genau das denn erreicht wird? Und um das besser zu verstehen, schauen wir uns mal ein paar Lobby-Strategien an. Eine Lobby-Strategie ist das sogenannte Framing. Dabei geht es maßgeblich darum, die Risiken des Alkoholkonsums zu relativieren oder halt in Frage zu stellen. Ein sehr bekanntes Beispiel ist wahrscheinlich das Alkoholkonsum.
14:16
sehr lange und manchmal auch heutzutage noch geglaubt wird, dass geringe Mengen Alkohol gesundheitsförderlich sind. Zum Glück gibt es da deutlich mehr Aufklärung Stück für Stück. Aber wenn man das so möchte, wäre das ein Top Ergebnis einer Verharmlosungsstrategie. Was der Alkohollobby aber da besonders wichtig ist, ist die klare Trennung zwischen missbräuchlichen Gebrauch und unbedenklichen Konsum. Diese
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Diese Trennung wollen sie unbedingt in den Diskussionen beibehalten und unterstützen ihn auch in vielfältigen Präventionskampagnen, zu denen wir aber später gleich noch ein bisschen mehr kommen.
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Bleiben wir erstmal bei dieser Trennung: Die International Alliance for Responsible Drinking, ein internationaler Zusammenschluss der Alkoholindustrie sagt, dass der gesundheitsschädliche Alkoholkonsum von ihnen nicht gewollt ist. Also kurz: Alkohol ja, aber nicht zu viel. Und auch der Braubund hat Kampagnen, die auch immer genau auf diese Dualität hinweisen. Ja klar, gerne ein kühles Bier zum Grillen, alles kein Problem.
15:22
Bitte verantwortungsvoll. So in etwa ist das Image, was man aufrechterhalten möchte und wie man seine schlichtweg gesundheitsschädlichen Branche ein bisschen besseres Image verleihen möchte.
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Aber ist es wirklich so einfach, aufrechtzuerhalten? Dazu hat mir Natalie Stüben, Liebe geht raus, Dankeschön, mir netterweise nämlich Zugriff auf ein Paper gegeben, was jetzt auch bald rauskommen wird. Und dieses Paper hat sich mal genau diese Frage gestellt. Wie viel Umsatz macht eigentlich die Alkoholindustrie,
15:55
mit riskantem oder hochriskantem Alkoholkonsum. Riskanter Konsum entspricht 12 bis 40 Gramm Reinalkohol bei Frauen beziehungsweise 24 bis 60 Gramm Reinalkohol bei Männern täglich und hochriskanter Alkoholkonsum wären dann mehr als 40 Gramm bei Frauen und mehr als 60 Gramm bei Männern. Diese Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass ca. 39% des deutschen Alkoholkonsums
16:24
von Menschen betrieben wird, die in die Risikokonsumgruppe kommen. Und etwa 17 Prozent des Alkoholkonsums wird von der Hochrisikogruppe übernommen. Und wenn man die beiden Gruppen zusammennimmt, sind das etwa 56 Prozent. Aber die Studie geht noch einen Schritt weiter und hat sich dann auch noch den Umsatz angeschaut.
16:45
Und die 17% mit dem Hochrisikokonsum machen ca. 14% des Alkoholumsatzes aus. Da frage ich mich, deutsche Alkoholindustrie, würdet ihr wirklich gerne auf 14% eures Umsatz verzichten, um eine Hochrisikogruppe zu entlasten?
17:02
Aber nehmen wir doch mal die Risikogruppe hinzu, weil ich meine, das ist ja auch nicht das Ziel der Alkoholindustrie, dass es überhaupt eine Risikogruppe gibt. Und die Risikogruppe, also die Gruppe, die 39 Prozent des Alkoholkonsums in Deutschland ausmacht, die übernimmt 36 Prozent des Umsatzes. Das heißt, Hochrisikokonsum plus Risikokonsum machen Alkoholkonsum.
17:26
einen Umsatz für die Alkoholindustrie von circa 50 Prozent des allgemeinen Umsatzes. Und ich meine, da fragt man sich dann halt schon schnell, wie ernst das gemeint ist mit dem verantwortungsvollen Konsum. Denn wenn man nur noch die niedrig riskante Gruppe hätte, dann fehlt einem ja 50 Prozent des Umsatzes. Oder sagen wir mal, alle riskanten und hochriskanten werden dann zu niedrig riskanten Trinkern. Das ist ja trotzdem ein unfassbarer Verlust für die Alkoholindustrie.
17:56
Für die Alkoholindustrie ist genau dieses Image enorm wichtig. Das ist ihr Feigenblatt, wenn man das so möchte. Und deswegen schauen wir uns jetzt die zweite Lobbyismus-Strategie an, und zwar die selbstverpflichtenden Präventionsprogramme der Alkohollobby.
18:16
Ach ja, die Präventionsprogramme der Alkohollobby. Das war ehrlich gesagt mein persönlicher Fiebertraum. Aber schauen wir sie uns erst mal an. Was hat es mit den Präventionsprogrammen der Alkohollobby auf sich und warum machen sie diese überhaupt?
18:32
An sich ist die Idee, dass man politischen Regulierungen zuvorkommt. Also im Sinne, Stopp, Stopp, Stopp, liebe Politik, ihr braucht hier gar nichts wirklich zu regeln oder ins Gesetz zu schreiben. Kein Problem, wir machen unsere Alkoholprävention selbst. Einfach so.
18:48
Aus unserer Tasche, für euch. Und dafür gibt es zum Beispiel in Verbindung mit der Werbebranche eigene Regeln, die man sich auferlegt. Das nennt man Selbstregulierung. Also zum Beispiel, dass in den Werbungen keine Jugendlichen gezeigt werden dürfen oder die, die halt sehr jugendlich und minderjährig aussehen. Außerdem darf die Werbung auch nicht unmittelbar Minderjährige ansprechen. Das heißt, sie machen sich eigene Regeln, um
19:15
wirklich gesetzliche Regelungen vorzubeugen. Außerdem gibt es halt eben auch unterschiedliche Kampagnen und der Deutsche Brauerbund macht zum Beispiel die Kampagne Bier bewusst genießen oder Don’t drink and drive. Die kenne ich tatsächlich. Dann gibt es noch Drink responsibly, dann Schwanger, natürlich ohne Alkohol und dann mein kleiner Liebling Bier und
19:39
Sorry, erst ab 16. Und ich muss schon sagen, diese Kampagnen sind wirklich beeindruckend. Beeindruckend unter dem Aspekt, wie stark man in Präventionskampagnen Alkoholkonsum normalisieren kann.
19:57
und gleichzeitig noch so slightly bewerben kann. Der Spagat gelingt hier echt perfekt. Ich habe hier einen kleinen Einleitungssatz für euch der Internetseite „Drink Responsible“, damit ihr mal versteht, was ich meine. Da steht zum Beispiel: „Wir lieben es, mit Freunden zu lachen und zu feiern, in Clubs zu gehen und zu tanzen, bis die Sonne aufgeht. Zum Ausgehen und Feiern gehört für viele auch ein kühles Bier.“
20:26
Aber versteht ihr, was ich meine? Sie starten schon immer sehr mit diesem normalisierenden Aspekt. Bier gehört halt einfach dazu. Und um das ein bisschen abzuschwächen, kommt halt noch der Begriff für viele dazu. Aber was ich bei der Bier bewusst genießen Kampagne besonders kritisch fand, ist, dass da auf der Seite verschiedene Mythen aufgeklärt wird. Zum Beispiel Mythos Nummer 1. Bier führt zu einem Bierbauch. Und hier habe ich die Antwort euch mal kurz als Zitat auch mitgebracht.
20:55
Denn ich habe fast so ein bisschen Schiss. Ihr glaubt mir nicht, was da steht. Tatsache.
20:58
Tatsache ist, ein Pilz zum Beispiel hat weniger Kalorien als eine vergleichbare Menge Apfelsaft, Milch, Wein, Sekt oder Spirituosen. Eine Studie des Londoner University College ergab, bei Männern stehen Bierkonsum und Übergewicht in keinem Zusammenhang. Bei den Frauen sind die Ergebnisse noch bemerkenswerter. Frauen, die moderat Bier trinken, seien im Durchschnitt sogar etwas dünner als abstinent lebende Frauen, so die Studie.
21:26
Die Verlinkung zu einer Studie habe ich ehrlich gesagt nicht gefunden. Aber klar, in jede gute Präventionskampagne gehört die Aussage: Moderater Bierkonsum macht Frauen schlanker. Das Landesgericht Berlin hat dem DBB 2011 übrigens verboten, mit positiven gesundheitsbezogenen Wirkungen von Bier zu werben. Und ich meine, nichts anderes ist doch diese Aussage.
21:49
Und das halt zusätzlich noch getan als Präventionskampagne für bewussten Konsum. Es ist hart, ich komme aus dem Kopfschnellen nicht mehr raus. Ich finde das absolut perfide. Und damit beenden wir mal den Blog Präventionskampagnen und Selbstverpflichtungen der Alkoholindustrie und schauen uns mal den Kontakt mit der Politik als nächstes an.
22:15
Wie interagiert die Alkohollobby mit der Politik? Wir haben ja schon gehört, dass es durchaus Treffen gibt, wo sich die Lobby mit der Politik austauscht. Der Deutsche Brauerbund hat aber nochmal was ganz Besonderes und zwar einen Ehrentitel. Ehrentitel bitte mit Anführungszeichen denken, die sind bei mir ganz, ganz deutlich. Und zwar der Botschafter des Bieres.
22:39
Und damit werden seit 2002 Menschen ausgezeichnet, die sich durch besonderes Engagement zugunsten des deutschen Bieres engagiert haben. Und dabei wählt der DBB gerne Politiker, die dann ein Jahr lang die deutschen Brauer und das deutsche Bier als Botschafter vertreten. Ich meine, man kann sehr viel gegen die Alkohollobby sagen, aber ich meine, man muss schon lassen, dass das schon absurd smart ist.
23:01
Dass es geschafft wurde, das als Ehrentitel zu verkaufen, auf den Politiker auch noch stolz sind und dann mit wirklich besonderem Engagement das Deutsche Bier als Botschafter vertreten. Das muss man erst mal schaffen.
23:15
Der aktuelle Botschafter des Bieres ist übrigens gerade Dr. Carsten Linnemann. Er ist der Generalsekretär der CDU. Aber es kommt halt noch ein wenig dicker mit dem Botschafter des Bieres. Denn es gab jetzt schon mehrmals Botschafter des Bieres, die gleichzeitig die Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung waren. Und wie wir heute schon ein paar Mal gehört haben, dieses Ministerium soll die Alkoholindustrie regulieren. Wie kann der Bundesminister eigentlich
23:43
der Botschafter des Bieres sein. Erklärt mir das mal. Hallo, hier ist Steffi aus dem Schnitt und bei diesem Aspekt sind mir vielleicht ein bisschen aus Empörung die Pferde durchgegangen und das zu Lasten der Genauigkeit. Also vielleicht noch mal kurz zur Erklärung. Natürlich reguliert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nicht alleine das Bier. Das ist maßgeblich für die
24:10
die Produktion und die Lebensmittelstandards für Bier zuständig und auch für das Reinheitsgebot und den Verbraucherschutz. Zusätzlich, weil Bier eben interdisziplinär geregelt wird, ist das Bundesministerium der Finanzen für die Biersteuer zuständig.
24:26
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz regelt Wettbewerb und die Marktbedingungen. Und das Bundesministerium für Gesundheit übernimmt im Prinzip die gesundheitsbezogenen Aspekte und die gesundheitsbezogene Aufklärung. Also es ist nicht nur das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, aber trotzdem ist diese Doppelrolle meiner Meinung absolut fehl am Platz.
24:50
Schauen wir uns das doch mal an. Cem Özdemir von den Grünen ist aktuell unser Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung und wurde 2014 ausgezeichnet. Gut, das war jetzt zehn Jahre vor seiner Amtszeit.
25:08
Kann man vielleicht noch irgendwie verzeihen, verstehen? Ich weiß es nicht. Aber Julia Klöckner, der CDU, wurde 2018 Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung. Und jetzt haltet euch fest, wurde auch 2018 zur Botschafterin des Bieres ernannt. Davor Christian Schmidt, der CSU, wurde 2014 Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung. Er übte das Amt bis 2018 aus und wurde schon 2014
25:35
2015 zum Botschafter des Bieres an. Und das gleiche gilt für Ilse Aigner, CSU, die von 2008 bis 2013 im Amt war und dann auch 2009 Botschafterin des Bieres wurde. Und bei Horst Seehofer, CSU, war das genauso. Wisst ihr, was das bedeutet? Seit 2005 waren immer Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung im Amt, die fast
26:00
während ihrer Amtszeit Botschafter des Bieres waren. Also zum Wohle der Bierindustrie gehandelt haben. Weil das ist ja ihr Job als Botschafter des Bieres. Und man hat den ja auch gerne angenommen. Also es ist ja nicht so, dass jemand kommt und dir den Botschafter des Bieres aufzwingt. Ich habe dann noch versucht herauszufinden, ob und inwiefern die Alkohollobby
26:24
Parteitage sponsert und das ist tatsächlich etwas schwierig herauszufinden. Während die Grüne und die SPD sehr transparent darüber sind, wer sie sponsert an den Parteitagen, was ich absolut wichtig finde, halten sich CDU, CSU und FDP verdeckt. Diese ganzen Informationen haben die AfD und das Bündnis Sarah Wagenknecht nicht mit eingeschlossen. Es liegt wahrscheinlich einfach daran, dass die Parteien noch relativ neu sind oder auch noch nicht so lange im Bundestag.
26:53
Das heißt, ich habe einfach keine Aussagen zu deren Tätigkeiten gefunden. Also nicht wundern, warum die gerade nicht vorkommen. Genau, und grundlegend ist es ja so, dass erst Beträge ab 10.000 offengelegt werden. Also Sponsorbeträge oder Spendenbeträge, die müssen erst ab 10.000 Euro von den Parteien offengelegt werden. Und wie gesagt, die Grünen und die SPD machen es schon vorher. Die CDU, die CSU und FDP halten sich verdeckt.
27:21
Die Abgeordnetenwatch.de, also die Seite, hat allerdings anhand der Bilder der Parteitage versucht zu rekonstruieren, wer denn der Sponsor war. Denn Parteitage haben so ein bisschen so ein Messeflair, das heißt, die Sponsoren haben dann so Stände beim Parteitag und können eben dort direkt mit Politikern sprechen. Oh.
27:42
Und gut, ich habe die 79 Seiten dieser Liste durchgeschaut und habe nur zwei Alkoholeinträge gesehen. Und zwar hatten die Grünen auf der Bundesdelegiertenkonferenz 2023 die Brauerei Clemens Herle KG und den Brauereiverband als Sponsor. Und zwar einmal mit 1.500 Euro und einmal mit 1.190 Euro. Das war’s. Mehr stand da nichts zu Alkoholsponsoring.
28:08
Aber ganz ehrlich, Freunde, ich glaube nicht, dass diese läppischen 2700 Euro das einzige Geld sind, das von der Alkohollobby in die Politik geflossen sind. Kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Gerade die CDU, die seit Jahren diese wunderbare Doppelrolle als Bundesminister von Landwirtschaft und Ernährung und Bierbotschafter inne hatte, ich kann es mir persönlich einfach nicht vorstellen.
28:33
Oder es ist einfach deutlich verworrener aufgebaut, wie man vielleicht auch denkt. Ich habe hier mal einen kleinen Interviewausschnitt für euch aus der Heute-Show- „Wir saufen zu viel – wie Alkohol uns krank macht“. Kann ich auf jeden Fall sehr empfehlen. War super informativ und wie immer sehr lustig. Und da wurde folgendes Interview geführt: „Kritiker sagen ja, dass die Alkohollobby die Politiker viel zu fest im Griff hat. Wie sehen Sie es?“
29:02
Ich kenne keine Alkoholspieler. Aber Sie sind ja Präsident des, wie sagen Sie es nochmal? Deutschen Institut für reines Bier. Und wer sponsert diesen Verein? Der wird nicht gesponsert, sondern da wird eine Veranstaltung getrieben mit dem Deutschen Brauerbund. Der Deutsche Brauerbund, genau. Und Sie sind CSU-Bundestagsabgeordneter? Genau so ist es. Da kann ich auch keine Verquickung erkennen. Nein, gibt es auch keine. Gibt es auch keine.
29:29
Also wie ihr merkt, es gibt neben direkten Sponsorings, die vielleicht direkt in eine Partei fließen, auch noch andere Wege, wie es gehen kann und wie vielleicht auch die Wege einfach ein bisschen mehr verwischt sind. Aber trotz dem Einfluss der Alkohollobby gab es schon mal aktive Pläne, Alkohol in Deutschland anders zu regulieren. Und wie das gelaufen ist, ist schon ziemlich krass.
29:53
2008 gab es einen Versuch, strengere Maßnahmen zur Alkoholprävention in Deutschland einzuführen. Eine Facharbeitsgruppe hatte ein Aktionsprogramm erarbeitet, das unter anderem Dinge wie Preisregulierung, Warnhinweise, Werbeverbote und eine niedrigere Promillegrenze im Straßenverkehr empfahl. Das klingt ja erstmal vernünftig, oder? Fand die Alkoholindustrie nicht wirklich und war davon natürlich auch nicht begeistert.
30:20
Ich meine, weniger Alkoholverkauf bedeutet für sie halt immer weniger Umsatz. Die damalige Drogenbeauftragte Sabine Betzing wollte aber diese Vorschläge in ihr Programm aufnehmen. Die Lobby hat nicht geschlafen und hat im Prinzip die ersten Maßnahmen ergriffen. Sie haben die vorgeschlagenen Maßnahmen als Verstoß gegen das Wettbewerbsprinzip der Meinungsfreiheit und die freie Berufsausübung verankert.
30:48
Aber Kritik reicht hier natürlich nicht. Lothar Ebberts, der Chef des Bayerischen Brauerverbandes, hat dann eben auch ganz gezielt gearbeitet und wie er sagt, die beste Lobbyarbeit geschieht im Stillen.
31:03
Er schrieb also eine eigene angepasste Version von Betzings Programm und ließ diese eben von verschiedenen einflussreichen Verbänden in Bayern unterschreiben. Wie zum Beispiel dem Hotel- und Gaststättenverband oder dem Verband der Zeitungsverleger. Peter Ramsauer von der CSU-Landesgruppe traf sich dann damals mit Ebberts und später fanden eben noch weitere Anhörungen mit dem DBB und der Werbewirtschaft statt. Das Ergebnis: Der Entwurf von Betzing wurde regelrecht zerlegt,
31:31
Sogar eine Mitarbeiterin aus der Werbeindustrie durfte im Namen der Bundesregierung den Abschnitt über Werbeeinschränkungen ändern. Aus „mehr Schutz für Kinder und Jugendliche“ wurde plötzlich: „kein weiterer Regulierungsbedarf“. Und damit war die Idee von strengeren Regeln für Alkoholwerbung eigentlich erledigt.
31:49
Am Ende schalteten sich dann auch noch Politiker wie der damalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee ein. Er strich die Senkung der Promillegrenze komplett raus. Und so wanderte im Prinzip das ganze Programm in den Papierkorb. Und das ist halt ein Paradebeispiel dafür, wie effektiv Lobbyarbeit hinter den Kulissen eben sein kann, um sinnvolle Ideen durchzusetzen.
32:15
Der nächste Versuch, Alkohol anders zu regulieren, startete erst wieder 2015. Und zwar im Zuge des Präventionsgesetzes wurde die Arbeitsgruppe „Alkoholkonsum reduzieren“ ins Leben gerufen. Da war die Idee echt cool und zwar haben Vertreter von Ärzten, Krankenkassen, Wissenschaft und der Bundesregierung zusammengearbeitet und sollten gemeinsam Strategien entwickeln, um den Alkoholkonsum in Deutschland zu senken. Und auch das scheiterte in der Praxis.
32:44
Offiziell war die Industrie zwar nicht Teil der Arbeitsgruppe, sollte sie auch nicht. Ich meine, die Lobbyverbände wussten natürlich Bescheid und der DBB hatte sich schon an dem Titel gestört. Grundlegend wurde gefordert, man sollte sich doch bitte auf Prävention fokussieren, also auf Aufklärung statt auf Einschränkungen bei Verkauf und Werbung. Der DBB war von der Arbeitsgruppe und natürlich auch mit dem Ziel,
33:10
mehr zu regulieren, nicht wirklich begeistert und hat eben angemerkt, dass man
33:16
man doch bitte mehr Fokus auf Prävention legen sollte, also auf Aufklärung und nicht etwa auf Einschränkungen bei Verkauf und Werbung. Grundlegend kam die Arbeitsgruppe kaum voran. Ihre Arbeit wurde immer wieder blockiert und im Zwischenbericht 2015 hieß es sogar, dass Themen wie Werbung, Preisgestaltung und Verfügbarkeit überhaupt nicht erst diskutiert worden seien. Ende 2017 fand dann die letzte Sitzung der Arbeitsgruppe statt und zwar ergebnislos.
33:45
Diese ganze Arbeitsgruppe hat nichts ändern können und wurden in ihrer Arbeit stetig behindert. Und genau hier kommen wir aber noch zu einem sehr wichtigen Punkt, den wir zum Abschluss dieses Kapitels nochmal betonen müssen. Dieser Aufschrei vom DBB in diesem Kontext nach mehr Prävention, auch das ist ein extremes Feigenblatt. Ich erkläre es euch mal, wieso das so ist. Wir unterscheiden zwischen Verhältnisprävention und Verhaltensprävention.
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Verhaltensprävention ist die Prävention, die an der Person selbst ansetzt und die wir hoffentlich alle mal in irgendeiner Weise erfahren haben. Ich muss sagen, meine Prävention in der Schulzeit war des Grauens, aber ich kenne mehrere Kolleginnen aus der Präventionsarbeit und ich weiß, dass sie einen großartigen Job machen. Doch leider habe ich immer noch das Gefühl, dass gute Prävention als junger Mensch zu genießen mehr oder weniger damit zu tun hat, ob
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Prävention dort, wo man wohnt, ordentlich gegenfinanziert ist und ob es genügend Stunden gibt. Und das ist halt leider häufiger nicht so. Oder man kann das halt nicht in dem Ausmaß machen, wie es vielleicht sinnvoll ist. Und die Verhältnisprävention ist genau das, dass wir die ganze Zeit besprechen und die Lobby eben verhindern möchte. Und das ist eine Veränderung in der Verfügbarkeit und Attraktivität des Alkohols. Und dafür gilt
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Dafür gibt es ganz unterschiedliche Maßnahmen. Das können Erhöhungen der Steuer sein, damit eben die Preise für Alkohol steigen. Es können Werbe- und Sponsoringverbote sein. Es kann eine Einschränkung einer 24/7-Verfügbarkeit sein, die es ja gibt, weil man in Deutschland im Prinzip zu jeder Zeit an Tankstellen Alkohol kaufen kann. Das können aber auch Warnhinweise auf den Flaschen sein oder die Herauslösung von Alkohol aus dem Supermarkt.
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Und zum Beispiel nur noch Verkauf von Leichtbier in Supermärkten. Den Rest gibt es dann in Extraläden, wie es zum Beispiel in Schweden gehandhabt wird. Außerdem kann man auch noch das Mindestalter für Alkohol auf 18 anheben und und und. Also das gehört alles in die Verhältnisprävention rein. Und grundlegend ist es halt wichtig, dass ein Land beides tut und nicht nur ein was und dass man nicht nur am Verhalten betrachtet,
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Ich meine, das ist im Prinzip so, wenn man sich überlegt, die Industrie schmeißt den Menschen Alkohol hinterher, aber man soll doch als Präventionskraft denen bitte sagen, dass sie nicht so viel trinken sollen. Also jetzt sehr überspitzt gesprochen, aber ihr seht wahrscheinlich, dass das nicht so logisch ist. Musik
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Wie steht Deutschland da in der Verhältnisprävention? Wie gut regulieren wir Alkohol zu anderen europäischen Ländern? Oder auch, wie gut funktioniert die Alkohollobby in Deutschland, dass eben mehr Regulierung verhindert wird? Also was ist das ganze Ergebnis der Arbeit, die ich euch gerade vorgestellt habe?
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Wir starten mal mit der Regelung des Mindestverkaufsalters. In Deutschland darfst du ab 16 Jahren Bier und Wein konsumieren. Spirituosen sind ab 18. Mit dem Trinkstart mit 16 Jahren ist Deutschland Teil der 35% europäischen Länder, die das erlauben. Die restlichen 65%, also das entspricht 34 Ländern, haben eine Beschränkung ab 18.
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In Deutschland ist allerdings das sogenannte begleitete Trinken ab 14 auch noch erlaubt. Hier können Kinder gemeinsam mit ihren Eltern in der Öffentlichkeit legal Bier und Wein trinken. Und mit dieser Haltung sind wir in Europa auch alleine. Das findet man sonst nirgendwo anders in Europa. Eigentlich sollte es in dieser Legislaturperiode auch noch verboten werden, aber bis jetzt ist es meines Wissens nicht durch und möglich.
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Ich weiß nicht, ob die neue Landesregierung das wirklich so als Priorität sieht. Dass wir dieses Gesetz überhaupt noch haben, ist für mich absolut absurd und unerklärlich und dass es nicht einfach durchgewunken wurde. Weil ich meine, hassen die Politiker Kinder? Das kann doch nicht euer Ernst sein. Also den Staat Alkohol zu trinken, so weit nach hinten zu verrücken wie möglich, ist sehr sinnvoll für die Entwicklung. Aber ja, so das Gegenargument ist halt immer, naja, es ist doch guterweise
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ist doch gut, wenn die Eltern das erste Mal dabei sind, wenn Kinder Alkohol trinken. Und das ist natürlich Quatsch. Das kann man auch noch mit 16 oder mit 18 verändern.
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Es fördert einfach eine ziemlich hohe Normalität des Alkoholtrinkens. Als nächstes Thema haben wir das Thema Steuern. Denn im Vergleich mit anderen Ländern ist Alkohol in Deutschland tatsächlich relativ günstig. Und ein Grund dafür sind, dass wir Alkohol nicht so hoch besteuern. Und hierfür gibt es die Alkoholsteuern und die sind sogenannte Verbrauchersteuer.
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Verbrauchersteuer sind Steuern, die direkt auf den Konsum bestimmter Produkte erhoben werden, wie Tabak, Energie oder eben alkoholische Getränke. Diese Steuern sollen einerseits Geld in die Startkasse bringen.
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auch eine gewisse Lenkungswirkung entfalten, also den Konsum schädlicher Produkte wie Alkohol und Tabak zu reduzieren. Also, man hört’s raus, Ziel ist es, mit dieser Steuer einen Konsum gewissermaßen zu lenken. In Deutschland gibt es die Biersteuer. Für Bier zahlt man etwa 1,80 Euro pro Liter Reinalkohol. Das ist ziemlich wenig, denn das bedeutet nämlich, also ein Liter Reinalkohol sind circa 20 Liter Bier und darauf gibt es dann halt 1,80 Euro Steuersatz.
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Dann haben wir die Schaumweinsteuer. Diese liegt höher bei 12,36 pro Liter Reinalkohol. Und hier hat mir ein Psychoaktivhörer geschrieben, dass die Schaumweinsteuer ursprünglich 1902 eingeführt wurde, um die kaiserliche Erkrankung.
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Kriegsflotte zu finanzieren. Und das war eben eine Maßnahme, die dann den Schaumweinpreis um 50 Pfennig pro Flasche anhob, was damals rund 20 Prozent des Durchschnittspreises von 2,50 Mark war. Das Schaumweinsteuergesetz ist damit ein Beispiel für ein Gesetz, das eingeführt wurde für…
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einen sehr bestimmten Grund, und zwar die Finanzierung der Kriegsflotte und nach diesem Grund aber nicht mehr abgeschafft wurde. Was in dem Fall echt wünschenswert ist, weil sonst könnte man sich die Frage stellen, ob Schaumwein überhaupt besteuert wird, denn wir besteuern auch Wein nicht, weil die EU das nicht vorschreibt. Crazy.
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Crazy, oder? Das wusste ich vorher auch nicht. Und ja, mit der Schaumweinsteuer finanzieren wir halt seit 120 Jahren die kaiserliche Kriegsflotte. Auch gut. Dann gibt es noch die Zwischensteuer und zwar für hochprozentige Mischgetränke mit etwa 17% Alkoholgehalt.
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da gibt es ungefähr 9 euro pro liter rein alkohol und dann gibt es noch die alkoholsteuer und zwar zahlt man da 13,03 euro pro liter rein alkohol und zu guter letzt die sogenannte alkohol steuern die können sich vielleicht noch ein paar leute erinnern die wurde 2004 eingesetzt und die ist tatsächlich relativ hoch da sind wir bei 55 euro 50 pro liter rein alkohol und da wurde
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Da wurde tatsächlich mal die Steuer genutzt, um den Alkoholkonsum zu lenken. Und zwar wollte man damit die Alkopops unattraktiver für junge Menschen machen, weil die sich halt an junge Menschen gerichtet haben. Diese Steuern wurden seit ihrer Einführung nur sehr rudimentär angepasst. Nicht an die Inflation oder auch nicht an gesundheitspolitischen Gründen.
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Die Biersteuer ist seit 1957 unverändert und alle anderen Steuern seit 1982. Yay, 50 Jahre Stillstand! Unsere Biersteuer ist mit 0,09 Euro pro Liter, also 9 Cent pro Liter Bier, also wir reden jetzt nicht mehr von Reinalkohol, sondern von Bier, ist fast die geringste in Deutschland.
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Die einzigen, die uns noch unterbieten, ist Rumänien und Bulgarien mit 8 Cent. Und Luxemburg hat genauso wie wir 9 Cent. Und falls ihr euch fragt, was der Höchststeuersatz ist, das ist in Finnland mit 1,83 Euro.
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Beim Schnaps mit 5,21 Euro pro Liter Schnaps sind wir ungefähr im unteren Drittel. Da ist auch der höchste Steuersatz 20,14 Euro von Finnland. Dass wir Wein übrigens nicht besteuern, damit sind wir nicht allein in der EU. Das machen andere 15 Länder auch nicht. Und zehn weitere Länder, wie ich schon gesagt habe, die besteuern auch den Schaumwein nicht.
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Und ich finde, das sollte man vielleicht nochmal überdenken, ob es da keine EU-Richtlinien für geben sollte. Kommen wir noch zu den Werbeverboten. Und hier war ich erst einmal überrascht.
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dass die Selbstregulierungsmaßnahmen beim Alkoholmarketing in Europa tatsächlich sehr verbreitet sind. Nur Lettland, Litauen und Luxemburg lassen diese nicht zu. Und an sich ist es auch richtig so, denn sie haben sich halt schlichtweg als unwirksam erwiesen. Sonst erlaubt Deutschland Werbung in Print- und digitalen Medien vollständig
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Aber es gibt halt Einschränkungen, dass sie sich eben nicht direkt an Jugendliche wenden dürfen oder auch Jugendliche nicht zum Konsum animieren können und eben den Konsum auch nicht komplett verherrlichen dürfen. Aber
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Aber könnt ihr euch noch an die Influencer-Werbekampagne von Absolut Vodka erinnern? Das war vor zwei oder drei Jahren, ich glaube, das war noch während der Pandemie auf jeden Fall. Und da wurde ein Absolut Vodka mit 20 Prozent als leichter Sommertrink promotet. Und das halt auch von Influencern wie 24Tim, der nicht nur eine enorme Community hat, dieser
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noch größtenteils minderjährig. Und gerade bei Social Media hat man ja durchaus nochmal anderen Einblick, welche Menschen mit der Werbung erreicht wird, weil man ja die demografischen Daten von den verschiedenen Plattformen hat. Das heißt, wenn ich einen Influencer anstelle, für so etwas Werbung zu machen, der maßgeblich Menschen unter 18 erreicht, für einen leichten Sommertrink mit 20%,
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spricht es keine Jugendlichen an. Erklär mir das bitte. Steuern, Warnhinweise und Altersbegrenzungen sind nur Beispiele. Ich versuche, dass diese Folge nicht komplett aus dem Ufer läuft, deswegen…
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Lassen wir es mal dabei. Warnhinweise auf den Flaschensinn in Deutschland freiwillig. Ich habe aber auch nicht wirklich Daten zu anderen Ländern gefunden. Und ich habe in Deutschland bis jetzt auch nur nicht trinken während der Schwangerschaft verbotens Schild auf dem Bier gesehen. Sonst noch nichts. Und ich habe so sehr häufig das Gefühl, dass man nicht trinken soll während der Schwangerschaft.
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Da ist auch die Alkohollobby für. Und die Alkohollobby bzw. der DBB hat sich auch durchaus für ein Alkoholverbot für Jugendliche unter 16 Jahren ausgesprochen. Und ich habe aber auch das Gefühl, das ist halt einfach Teil der Strategie, dem zuzustimmen, was man noch vertreten kann, um das Große und Ganze zu schützen. Weil man kann halt auch nicht zu allem immer Nein sagen. Aber ziehen wir jetzt mal ein Fazit aus dieser Folge.
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Was haben wir also heute gemacht? Wir haben uns hauptsächlich den Deutschen Brauerbund angeschaut und wir mit Feigenblättern wie eigene Präventionskampagnen versucht, eine Art Image aufzubauen, dass sie vor allem oder die Alkoholindustrie verantwortungsvollen Konsum wollen. Wir haben aber auch gelernt, dass der Hauptumsatz der Alkoholindustrie eben aus dem Risiko und Hochrisiko geschöpft wird.
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Und dass es den natürlich auch zu bewahren gilt. Die Alkoholindustrie möchte ja keine Verluste einstreichen. Und dies wird eben mit klassischen Lobby-Strategien erhalten, wie dem Vergeben des Ehrentitels des Bierbotschafters, eventuellen Sponsoring von Parteitagen oder einfach Druck ausüben, wenn es gerade brenzlig wird, zum Beispiel wenn eine Arbeitsgruppe gegründet wird. Deutschland ist in seiner Alkoholregulation in Europa fast in
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Maßnahmen im unteren Drittel einzuordnen. Aber gleichzeitig sind wir auf Platz 5 des höchsten Alkoholkonsums. Und das hat schlichtweg einen Zusammenhang. Um sinnvolle Alkoholprävention zu betreiben, braucht es ein sinnvolles Gesamtpaket aus Verhaltens- und Verhältnisprävention. Nur die Steuern erheben, nur Werbung einschränken oder nur
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Präventionskampagnen. Das alleine bringt deutlich weniger, als wenn das alles Hand in Hand geht und man einen Gesamtprozess versucht zu erwirken. Also keine Werbung, um Menschen zum Konsum zu motivieren, Steuern anheben, damit die Kaufentscheidung eine überlegte wird.
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Ich bin persönlich ein großer Fan davon, Alkohol aus den Supermärkten rauszunehmen oder zumindest in einen extra Raum zu packen, sodass jeder Alkohol beim Einkaufen vermeiden kann, wenn er das gerne möchte. Und verdammt nochmal, den Alkohol von den Kassen wegzumachen, das ist einfach unmenschlich.
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Und dazu eben bundesweite, gut finanzierte Verhaltensprävention, die natürlich nicht von der Industrie durchgeführt wird, die am allermeisten davon profitiert, wenn Deutschland säuft.
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Und, und das ist mir noch sehr, sehr wichtig am Ende, das hat nichts mit Verbotspolitik zu tun. Das ist ja so das Stichwort, das gerne rumgeworfen wird, wenn man eben mehr regulieren möchte. Nein, das ist eine gesundheitsversorgliche Politik.
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Hier möchte keiner was verbieten. Ich verstehe nicht, wie man das immer so aufbauschen kann. Selbst wenn all diese Maßnahmen durchgeführt werden, gibt es immer noch Bars, gibt es immer noch Biergärten, wird es immer noch Sektempfänge geben. Die Bier- und Alkoholindustrie ist auch so groß und hat so viel Kohle, ich gehe nicht davon aus, dass sie bei mehr Regulierungen zugrunde gehen wird. Aber klar, es kann sein, dass du ein bisschen mehr für Alkohol bezahlen musst. Das kann schon ein Fazit davon sein. Doch
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Was hoffentlich passiert durch eine gesundheitsorientierte Alkoholpolitik, ist, dass wir irgendwann nicht mehr auf Platz 5, sondern vielleicht auf Platz 10 im europäischen Vergleich sind. Denn, und das darf man halt auch nicht vergessen, jährlichen Kosten von schädlichem Alkoholkonsum betragen jährlich 57 Milliarden Euro.
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die wir auf eine oder andere Weise als Gesellschaft tragen. Und dem stehen lächerliche 3,24 Milliarden Euro Steuereinnahmen entgegen. Das heißt 54 Milliarden Euro auf den Nacken von uns allen, dadurch, dass zu viel getrunken wird. Und mit diesen Zahlen, mit dieser Absurdität entlasse ich euch in den Rest des Tages.
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Falls dir die Folge gefallen hat, dann schick sie doch auch gerne an jemanden weiter, der sich vielleicht auch unbedingt mal über die Alkohollobby informieren sollte und vielleicht da auch einfach noch einen guten Blindenfleck hat. Der kann sich ja vielleicht durch diese Folge erinnern.
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ein paar Informationen ranschaffen. Und sonst würde ich mich natürlich freuen, wenn du dir das Mitgliedschaftsprogramm mal gönnst. Wie gesagt, 30 Tage kostenlos, erstmal so zum Testen. Der Link ist in der Folgenbeschreibung. Und jetzt wünsche ich dir noch einen wunderschönen Resttag und wir hören uns in zwei Wochen wieder. Bis dann. Tschüssi.
