Erste Schritte aus der Sucht – über Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz

„Ohne die Droge kann ich das nicht“ – diese Überzeugung kann den Weg aus problematischem Konsum erheblich erschweren. In der zweiten Folge zum Thema Selbstwert sprechen Stefanie Bötsch und Frauke Niehues deshalb über Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz: also darüber, ob Menschen ihre eigenen Stärken wahrnehmen und darauf vertrauen, Herausforderungen bewältigen zu können. Sie zeigen, warum Erfahrungen aus der Zeit des Konsums nicht allein der Substanz zugeschrieben werden sollten und wie sich erkennen lässt, welche Fähigkeiten eine Person selbst eingebracht, entwickelt und trotz schwieriger Bedingungen eingesetzt hat.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Veränderung durch realistische Ziele und kleine, machbare Schritte gelingen kann. Die Folge ordnet ein, warum eine zu hoch gelegte Messlatte Selbstwirksamkeit schwächen kann, wie Rückfälle als Lernschritte betrachtet werden können und weshalb zieloffene Unterstützung neue Erfolgserfahrungen ermöglicht. Mit anschaulichen Übungen und einer angeleiteten Vorstellung vom bereits erreichten Ziel wird erfahrbar, wie der kleinstmögliche nächste Schritt sichtbar werden kann – nicht als geradliniger Weg, sondern als individueller Prozess, in dem vorhandene Fähigkeiten wieder zugänglich werden.
Hier geht es zur Methode „Vom erreichten Ziel zum ersten Schritt“
Unabhängige Aufklärung fördern. Fachlich weiterdenken.
Mit Psychoaktiv+ unterstützt du die Arbeit hinter Podcast und Magazin. Gleichzeitig kannst du mit der Vertiefungs-Mitgliedschaft auf exklusive Folgen und vertiefende Inhalte für Beratung, Therapie und Prävention zugreifen.
Erste Schritte aus der Sucht – über Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz
=========================================
PODCAST-METADATEN
Erscheinungsdatum: 22.10.2026
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Erste Schritte aus der Sucht – über Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz
Sprecher: Stefanie Bötsch, Frauke Niehues
Typ: Transkript
00:02
Es wird ja geschafft, es wird aber zurückgeführt auf die Droge. Und wir erweitern die Ortskenntnis: Was können Sie draus lernen? Und wenn ich einen Schritt noch nicht schaffe, dann ist es noch nicht kleinschrittig genug, dann brauche ich noch einen Zwischenschritt.
00:25
Psychoaktiv, euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Böts. Zieht’s euch rein!
00:36
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Psychoaktiv“, und schön, dass du wieder mit dabei bist. Heute kommt die zweite Folge zum Thema Selbstwert, und auch in dieser Folge ist Frauke Niehues wieder mit dabei. Frauke, schön, dass du auch jetzt wieder mit dabei bist. Ich freue mich. Ich freue mich auf die Folge. Es macht total Sinn, wenn ihr, bevor ihr diese Folge hört, auch noch mal die vorherige Folge anhört, weil da haben wir ganz ausführlich das Selbstwertmodell uns angeschaut. Heute haben wir ein Fokusthema, und zwar das Thema Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz. Und das hat auch einen Grund, warum wir uns gerade diese zwei Ebenen noch mal rausgepickt haben im Kontext von Sucht. Weil gerade am Anfang eines Prozesses ist das sehr häufig ein ganz großes Thema. Also gerade wenn ich mich an meine Zeiten in der Drogenberatung auch zurückerinnere, weiß ich einfach, dass es ganz viel so Themen gibt wie: Ich traue mich ja eigentlich keine Frauen anzusprechen, das heißt ohne Kokain, ohne Konsum.
01:33
Und wenn ich jetzt aufhöre, dann finde ich ja nie eine Freundin. Dann, ne, dann klappt das nicht. Oder: Ich war noch nie ohne Drogen feiern. Und wenn ich jetzt feiern gehen möchte, weil irgendwie mir die Musik gut fällt, das schaffe ich einfach nicht. Und dieses ganz häufig dieses Gefühl: Ich kann es nicht, ich schaffe es nicht, und ich traue es mir auch einfach gar nicht zu, ohne die Droge. Das ist einfach so ein ganz zentrales Thema und natürlich auch ein riesengroßes Hemmnis, loszugehen, weil man dann ganz langsam anfangen muss, sozusagen diesen Selbstwirksamkeitsraum ein bisschen auszubreiten, die ersten Erfahrungen nüchtern zu machen. Aber es ist natürlich auch ein enormes Hemmnis. Bis jetzt war sehr viel, wie ich das auch bearbeitet habe mit Klienten und Klientinnen, natürlich das Ausprobieren, Planen, ne, da sind wir wieder sehr auf der verhaltenstherapeutischen Ebene. Und mit dir möchte ich gerne heute ein bisschen mehr darüber sprechen, wie man gerade diesen Aspekt und diesen Anfang von einem Weg, der ja wirklich auch Klienten sehr viel abverlangt, ein Leben wieder nüchtern zu führen, wie man den besser unterstützen kann oder wie man den besser gehen kann.
02:38
Ja. Und es ist bei der Selbstwirksamkeit ja auch wirklich so, dass ich die ganz viel über Erfahrung von „Ich habe was geschafft“ aufbaue. Und eine Sache im Kontext von Sucht ist ja: Es wird ja geschafft, und es wird aber zurückgeführt auf die Droge. Also ich habe es geschafft, und es wird immer gedacht, es liegt aber nur an der Droge. Das ist schon mal das Erste, was man mal ausprobieren könnte. Vielleicht brauche ich die gar nicht, vielleicht denke ich das die ganze Zeit nur. Erstens. Zweitens kann es hilfreich sein, wenn man jetzt sagt: Ich habe das geschafft, aber nur aufgrund der Droge oder meines Konsums. Dass man überlegt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass 100 Prozent darauf zurückzuführen sind. Also was kann ich schon darüber hinaus? Und wie viel davon, ne, also was, wenn ich jetzt, äh, was sind sozusagen meine, meine Fähigkeiten, die ich habe, die ich natürlich auch eingesetzt habe, um auf eine Party zu gehen oder wie auch immer. Und wie viel davon hat eigentlich die Droge ausgemacht?
03:36
Und das grenzt es schon mal ein bisschen ein. Dann muss ich mich nur noch um den Teilbereich kümmern. Was brauche ich zu meinen mir schon vorhandenen oder gegebenen Fähigkeiten zusätzlich, wobei mir bislang die Droge geholfen hat? Und wie kriege ich das sozusagen selber hin? Das ist aber ein bisschen eine andere Sichtweise als „ohne kann ich gar nichts“ oder „es liegt nur daran“. Und was ich an dem Ansatz sehr schön finde, gerade was du am Anfang gesagt hast, was für mich manchmal ein bisschen übersehen wird, ist, dass die Erfahrungen, die jemand auch im Rausch macht, Erfahrungen sind, die der Körper und man selbst macht. Und ich habe schon manchmal das Gefühl, dass so ein bisschen die Haltung ist: Man muss die Sucht hinter sich lassen, man muss diese Zeit hinter sich lassen. Das kann aber unfassbar viele Jahre und unfassbar viele Erlebnisse des Lebens sein, ne. Und auch wenn etwas im Rausch passiert ist, ist es ja trotzdem passiert. Und man sammelt auch Erfahrungen, auch wenn man sie nicht zu 100 Prozent vielleicht nüchtern so umsetzen kann, ist es, und das fand ich so gut, ist es auch nicht unbedingt 100 Prozent die Droge, weil du warst ja immer mit dabei.
04:39
Ganz genau. Und vielleicht kann ich dazu eine Metapher anbieten oder vielleicht mal ein anderes Beispiel dagegensetzen. Also wenn jemand depressiv ist, dann kriegt er Antidepressiva verschrieben. So. Ist auch eine Substanz. Das heißt, da haben wir eine ganz klare Parallele. Und jetzt ist es oft so, dann nutzen wir häufig die Metapher, dass wir sagen, ähm, Sie können sich das vorstellen wie eine Krücke. Also die Depression zum Beispiel schwächt den Antrieb, ja. Sie haben ganz viele Fähigkeiten, aber der Antrieb ist nicht da, deswegen kommen Sie jetzt nicht in die Umsetzung. Die Person bekommt ein Antidepressivum, und wir sagen, das ist wie eine Krücke, damit Sie sozusagen jetzt anfangen können, laufen zu lernen, ne. Ohne die Krücken geht es am Anfang nicht. Die Muskeln sind vielleicht zu stark abgebaut, ne, oder zu wenig trainiert oder wie auch immer. Und jetzt kriegen Sie sozusagen dieses Antidepressivum als Krücke, machen die Sachen, kommen wieder rein, aber dabei bauen, Sie sind dabei natürlich im Training, Sie bauen dabei natürlich die Muskeln auf.
05:30
Und irgendwann sind die so weit aufgebaut, dann brauchen Sie die Krücke nicht mehr. Und das wäre vielleicht auch eine Metapher, die man übertragen könnte, oder eine Sichtweise, wirklich zu gucken: Was habe ich denn trotzdem trainiert, was habe ich trotzdem aufgebaut? Und vielleicht, ähm, ist die Droge für viel weniger noch irgendwie notwendig oder vielleicht gar nicht mehr, als es das am Anfang war. Ich finde gerade auch, dass in dem Aspekt, was ein Beispiel mir in dem Kontext ja dazugekommen ist, dass ganz viele sagen: Ohne Substanzen kann ich nicht so kreativ sein. Und Schritt für Schritt dann aber auch sehen, dass, wenn Sie es dann doch mal nüchtern ausprobieren, dass vielleicht manchmal, gerade bei Cannabis habe ich das sehr häufig, dass Sie dann merken: Oh, meine Arbeit funktioniert strukturierter, ne. Also vielleicht brauche ich manchmal ein bisschen länger für so einen kreativen Prozess. Das ist durchaus auch was, was zurückgemeldet wird. Aber dadurch, dass es halt zum Beispiel die Arbeit dadurch strukturierter funktioniert und man irgendwie auch geregelter dadurch geht, gewinnt man sozusagen von der Nüchternheit wieder was, was auch das, was vielleicht die Droge einem zusätzlich gegeben hat, dass das wieder ausgeglichen wird.
06:32
Und es ist dann eine neue Erfahrung. Und all das, was Sie sich aufgebaut haben, oder auch diese Kreativität, die vielleicht auch vom Cannabis weiter bezuschusst wurde, darauf können Sie weiter zurückgreifen. Absolut. Und das heißt, es ist ja vielleicht dann auch manchmal der Schritt oder eine Hilfe, sich von diesem einen sehr eingegrenzten Ziel zu lösen und zu sagen: Ja, Kreativität verändert sich. Es ist nicht weg. Es verändert sich. Das heißt, wir sind hier ganz viel in, äh, in Differenzierungen und nicht in diesem Schwarz-Weiß-Denken oder Null oder Hundert, ne. Und das lohnt sich auch, das auszuprobieren und dann auch zu sagen: Okay. Und ich meine, ich will jetzt nicht rosa malen. Es kann sein, dass mir dann manches weniger gelingt, ne, oder ich nicht mehr so kann wie mit der Droge. Aber wenn ich mir das Gesamtergebnis angucke, dann kommt vielleicht was anderes raus, und insgesamt ist das Ergebnis trotzdem wunderbar und hilfreich für mich, ne, und, und, und wertzuschätzen. Und das finde ich, da fällt mir gerade so ein, dass gerade am Anfang in der Suchttherapie so ein bisschen auch der eigene Anspruch entsteht, so: Alles muss gleich viel Spaß machen und gut klappen etc.
07:43
als mit der Droge. Ich muss noch genauso dolle irgendwie so eine Party genießen, egal ob ich jetzt auf MDMA bin oder nicht, wo ich denke, so neurochemisch, schwierig. Erst mal das. Und das darf man nicht so direkt vergleichen. Und Dinge dürfen sich auch verändern, ne. Wo ich mich selbst einbringe im Leben, verändert sich häufig sehr im Verlauf der Nüchternheit, ne. Und genauso ist es ja eben auch bei, wenn es darum geht, sozusagen zu schauen: Okay, was war mir vorher wichtig, ne, aber auch: Wo will ich mich hin entwickeln? Und im Prinzip ist ja die Sucht heraus Entwicklung ein Entwicklungsprozess, wo es dann eben darum geht, so diese ersten Schritte zu gehen. Ja. Ich, ähm, stimme dir dazu. Und ich würde vielleicht gerne noch, ähm, weil was da ja auch so mitschwingt und, und was dabei ja auch eine Rolle spielt in diesem Prozess, wir haben ja gesagt, es ist eine Folge über Fähigkeiten, Präsenz und Selbstwirksamkeit. Und das ist ja eng verknüpft. Und häufig ist es so, auch was du geschildert hast, dass die Leute denken: Ich habe Fähigkeiten nicht.
08:46
Oder: Ich bin süchtig und das heißt, ich, ich kann weniger als andere. Ich habe weniger Fähigkeiten. Und eine Sache, die ich häufig mache für die Fähigkeitenpräsenz, und, und wenn Sie möchten, können Sie das auch, äh, für sich einfach mal aufschreiben, ähm, dass man so guckt: Erstens, wir fangen an mit: Was habe ich schon für schöne Erlebnisse gehabt in meinem Leben? So, schreiben wir alle auf. Und dann schreiben Sie die alle auf und dann gucken Sie sich: Was habe ich schon für Leistungen und Erfolge? Und das sind jetzt nicht nur große Sachen wie zum Beispiel ein Schulabschluss oder so was, falls ich einen habe. Das können auch kleine Sachen sein: Ich hatte einen netten Plausch mit der Nachbarin. Oder: Ich habe mich darüber gefreut, als ich gesehen habe, heute Morgen, dass irgendwie eine Blume aus dem Asphalt hervorbricht. Oder: Ich habe mit fünf Mann tollen Legoturm gebaut oder so was, ne. Also wirklich groß wie klein. Und schreiben Sie die alle auf. Und dann überlegen Sie sich: Welche Fähigkeiten muss ich haben, damit das überhaupt zustande kommen konnte?
09:42
Da ist ja viel für notwendig, ja. So, Punkt eins. Dann, und jetzt kommen wir vielleicht dazu, was hier vielleicht für den einen oder anderen eine hilfreiche Erkenntnis sein kann, wenn wir das haben, erst die schönen Erlebnisse und die Leistungen und Erfolge. Dann ist die nächste Frage: Was haben Sie denn für Schwierigkeiten in Ihrem Leben aktuell oder gehabt in der Vergangenheit? Schreiben Sie die auch mal auf. Und wenn man sich die jetzt anguckt und dann auch wieder so rangeht, dass man fragt: Okay, welche Ihrer Fähigkeiten und Eigenschaften haben Ihnen denn geholfen oder helfen Ihnen, dass Sie diese Schwierigkeiten überwunden haben oder damit umgehen? Und das sind ganz wichtige Fähigkeiten, und das ist oft viel schwieriger und krasser als irgendwie das, was ich für schöne Erlebnisse oder so was brauche. Und eine weitere Frage ist auch: Welche Fähigkeiten und Eigenschaften haben Sie aufgrund der Schwierigkeiten ausgebildet? Und wenn man sich das anguckt, dann sind diese Schwierigkeiten, wenn man guckt, auf welche Fähigkeiten die hinweisen und welche man auch ausgebildet hat und ganz besonders ausbilden musste.
10:51
Also ich denke mir immer, wenn ich mir das angucke, wie manchmal die Lebensbedingungen bei Sucht sind, ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde, ganz ehrlich. Ich finde, es wird ja auch immer gesagt, Süchtige haben Schwierigkeiten der Emotionsregulation, die können das schlechter. Wenn ich mir die Rahmenbedingungen angucke, ich weiß nicht, ob ich das aushalten würde und mit meinen Emotionen klarkommen würde in diesen Bedingungen, ja, muss ich ganz ehrlich sagen. Also Hut ab. Wenn man sich das so anguckt, dann findet man ganz viele Beispiele, wo man sagen muss: Sie haben hier ganz krasse Emotionen ausgehalten. Sie konnten die so regulieren, das ist wirklich bewundernswert und erstaunlich. Ich weiß nicht, ob ich dazu in der Lage wäre, hier in meinem behüteten Leben so, ja. Ich traue mir das ehrlich gesagt gar nicht zu. Da müsste ich sehr viel lernen, bevor ich das so geschafft hätte, wie Sie das geschafft haben in dieser und dieser und dieser schwierigen Situation. Und sich das vor Augen zu führen.
11:42
Mhm. Ich habe die Übung auch mal, ähm, gemacht mit einer sehr, sehr großen Gruppe auch und online. Und es war so schön zu sehen, wie viele Fähigkeiten da einfach entdeckt worden sind, ne, und das dann irgendwie auch so ganz happy zurückgemeldet worden sind. Ich wusste gar nicht, dass ich so viel kann. Ja. Ja. Aber es ist ja schon auch das Problem, so es gibt ja einmal diesen Werkzeugkoffer, diesen, diesen, ne, diesen Fähigkeitskoffer, den man hat. Aber, ne, manchmal ist es ja ganz suspekt, dass jemand zum Beispiel, ne, ich, ich habe das so durchaus, dass ich irgendwie, ne, Klienten habe, die einen Top-Schulabschluss haben, ne, trotz Sucht. Das muss man erst mal schaffen. Und echt viel geschafft, also auch irgendwie so, sagen wir mal, ein Zertifikat haben, dass sie etwas können und sich das überhaupt nicht zutrauen. Und da sind wir dann bei der Selbstwirksamkeit, ne. Die Fähigkeiten sind da, die sind vielleicht auch wirklich bewiesen, schwarz auf weiß, tausend Leute melden einem das rück, trotzdem traue ich mir nichts zu.
12:34
Und dann haben wir ein Selbstwirksamkeitsproblem. Und da geht es dann häufig darum, dass ich mir halt auch zutraue, loszulaufen etc. Das können verschiedene Sachen sein. Ich will mal auf eine Sache eingehen, die vielleicht auch das erklärt, was du oder dieses Phänomen. Ich habe eigentlich ganz viele Fähigkeiten. Also die Selbstwirksamkeit ist natürlich auch ein bisschen beeinflusst davon, wie mein Anspruch ist und wie hoch ich die Latte lege. Also ich mache immer so eine Impact-Technik, um das zu zeigen. Wenn Sie möchten, können Sie das zu Hause mitmachen. Sie brauchen einfach einen Stift mit einer Kappe, zum Beispiel einen Filzstift oder ein Edding oder irgendwie so was. Und jetzt machen Sie mal den Stift von dieser Kappe ab, und den hält man jetzt in der einen Hand, und das sind Sie, also das ist die Person. Und dann hat man ja in der anderen Hand noch den Stift, und dann nehme ich den Stift, und dann mache ich das so, als ob das so eine Hochsprunglatte wäre. Also hier steht die Person, und dann gehe ich mit dem Stift so rüber.
13:22
Also stellen Sie sich vor, das ist die Latte, über die Sie springen sollten. Wie hoch liegt Ihre Latte? Und oft liegt die extrem hoch. Und je höher die liegt, welche Gefühle habe ich? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich da rüberkomme? Und wenn die zu hoch liegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich das schaffe, automatisch sehr gering. Und es ist ein sehr gesundes Verhalten von Menschen, das uns davor schützt, dass wir Energie in sinnlose, erfolglose Sachen investieren. Dass wir abschätzen, wie hoch ist die Erfolgswahrscheinlichkeit, und nur Energie in etwas reininvestieren, was wir uns zutrauen. Und das heißt, eine Geschichte kann sein: Meine Latte liegt viel zu hoch, der Anspruch ist viel zu hoch, ja. Und dass ich dann halt denke: Schaffe ich sowieso nicht, und dann fange ich erst gar nicht an. Dann habe ich natürlich auch kein Erfolgserlebnis. Selbst wenn ich losrenne, habe ich eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich die Latte reiße. Auch dann habe ich ein Misserfolgserlebnis, und das wirkt sich alles negativ auf die Selbstwirksamkeitserwartung aus, und irgendwann laufe ich dann nicht mehr los.
14:18
Und da möchte ich gleich einhaken, weil ich mir gerade gedacht habe, als ich das gemacht habe, das ist mir schon auch nach deinem Seminar noch mal klarer geworden zum Selbst, ähm, zum Thema Selbstwert, ist, dass jemand, der im aktiven Konsum ist und noch nicht sehr weit auch in so einem persönlichen Selbstwirksamkeitsprozess, zu sagen: Abstinenz, sonst keine Therapie, eine enorm hohe Latte einfach ist, die man setzt. Und ich habe ja jetzt in meiner Privatpraxis, ähm, arbeite ich ja nur noch zieloffen, und fast alle, die zu mir kommen, sagen: Ich finde deinen Ansatz ganz gut, weil ich traue mir das noch nicht zu.
14:53
Genau.
14:54
Und im Prozess, ne, ich erinnere mich an eine Klientin, die sagt, ihr Ziel, sie ist gekommen mit einem Joint am Abend, ne, von deutlich mehr. Und sie hat das sehr gut geschafft. Sie hat es großartig geschafft. Und was passiert dann? Aha, ich kann das.
15:07
Ganz genau.
15:08
Ne. Und rausgekommen ist am Ende so: Ah ja, ich will das gar nicht mehr. Weil dann irgendwie das Zutrauen zu sich selbst gestiegen ist. Das heißt, dieser Anstieg, dass ich nicht auch von meinem Gesundheitssystem die Latte so hoch hänge.
15:20
Es muss machbar sein.
15:22
Ja.
15:22
Es muss machbar sein, und es muss realistisch sein. Und das ist halt für viele, die spüren: Das kann ich noch nicht. Ich kann, wenn ich jetzt in Therapie gehe, das Therapieziel werde ich nicht erreichen. Und es ist ja dann auch verboten. Und dann geht halt gar nichts. Dann geht auch nicht das, was in dem Moment möglich wäre. Und wir haben einen ganz negativen Selbstwirksamkeitsteufelskreis sozusagen geschaffen, ne. So könnte man das sehen. Und das, was du ansprichst, dann können wir vielleicht auch noch auf ein weiteres Prinzip kommen, was dann passiert. Also, äh, indem ich die Latte sozusagen, ne, dann auf eine realistische Höhe hänge, die auch schaffbar ist, wo ich mich auch traue, loszurennen. Da haben wir ja noch was drin, und zwar ist es das Prinzip der Kleinschrittigkeit, mit dem ich sehr gute Erfahrungen mache. Ich sage immer, wenn ich jetzt, sagen wir mal, ich habe eine Fünf-Meter-Leiter, wenn die nur drei Sprossen hat, dann werde ich es nicht schaffen. Aber wenn die genug Sprossen hat, wenn es kleinschrittig ist, dann ist es eigentlich kein Problem.
16:14
Und ein Beispiel, was bei Sucht ist, ne, dass ich jemanden hatte, dass wir wirklich sehr, sehr kleinschrittig angefangen haben. Der hat immer abends nach acht hat er gesagt, äh, hat er angefangen zu trinken. Und dann haben wir als erstes überlegt: Würden Sie es bis fünf nach acht schaffen? Ja, das schaffe ich. Okay, machen Sie das mal. Was hat Ihnen dabei geholfen? Ja, ich habe mich abgelenkt. Was haben Sie gemacht? Ich habe die Nachrichten geguckt. Okay. Und in diesen kleinen Schritten sind oft schon die Strategien enthalten. Die erste Strategie ist Ablenkung. Damit konnten wir arbeiten. Wie weit kommen wir damit? Was gibt es alles für Ablenkungen? Und dann konnten wir das immer weiter ausweiten. Und irgendwann hat es nicht mehr gereicht. Dann kam man, dann war sozusagen Ablenkung ausgereizt. Und dann haben wir gemeint: Okay, was ist jetzt? Ja, ich habe so eine Leere. Ich müsste irgendwie jetzt was machen, was mich erfüllt. Okay, was würde Sie für fünf Minuten oder kurz erfüllen? Wie würden Sie ein bisschen mehr erfüllen?
17:00
Ja, ich könnte mit jemandem telefonieren. Wen müssten Sie anrufen? Welches Telefonat wäre erfüllend? Okay, machen Sie das. Ja, es ging. Warum? Was war daran erfüllend? Und so weiter. Das heißt, wir haben hier eine Kombination von Kleinschrittigkeit. Ich frage auch häufig: Was brauchen Sie zusätzlich, um weiterzukommen? Damit einem klar ist, das ist nicht von null an, sondern ich habe schon viel, und jetzt brauche ich noch zusätzlich was für den nächsten kleinen Schritt. Dann zu gucken: Was hat mir da geholfen? Wofür kann ich das noch nutzen? Wie kann ich das aus, ähm, weiten? Und wir haben dann auch immer die Rückkopplung mit einem Erfolgserlebnis. Also wir bleiben weder nur im, im Kognitiven oder im Hypothetischen, sondern wir haben sozusagen so eine Wechselwirkung von Überlegen, von Machen, von Erfahrungen sammeln. Und auch da, nicht jeder Prozess ist dann so, dass es jedes Mal klappt, sondern wenn es nicht geklappt hat: Was brauchen Sie zusätzlich? Was wäre ein kleinerer Schritt, den Sie schaffen können etc.
17:51
Natürlich muss man dann auch manchmal justieren. Auch das gehört dazu. Und da bist du sicherlich Expertin: Umgang mit Rückschlägen. Und was kann man daraus lernen? Und wie kann man die so nutzen, dass es einem weiterhilft? Das wäre dann auch noch ein wichtiges Thema.
18:10
Und das ist ein sehr, sehr wichtiges Thema, weil was ich mir gerade ganz groß auch aufgeschrieben habe: Rückfälle. Der Umgang mit Rückfällen, ne. Also das ist ja das A und O, weil das ist ja gerade häufig so ein sehr prekärer Zeitpunkt im Thema Selbstwirksamkeit, weil man dann etwas, was man über längere Zeit aufrechterhalten hat oder auch über kürzere Zeit geschafft hat, aufrechtzuerhalten. Wo ich auch sage, so zwei, ne, wenn jemand sagt: Ja, es waren nur zwei Wochen. Ich so: Das waren zwei Wochen. Wie ist denn diese zwei Wochen gelungen? Also erst mal mit hohem Fokus auf die Zeit. Wie ist denn die Zeit da gelungen? Und die habe ich auch von dir, die, die Impact-Technik, dass ich dann immer gerne so eine Landkarte raushole und die dann zeige und sage: So hier, von A nach B. Aber manchmal macht man halt Umwege, um von A nach B zu kommen. Aber man lernt da sehr viel, ne. Was haben Sie denn auf dem Weg, kleinen Umweg, dann für sich auch mitgenommen und mitgelernt und miterfahren? Und wenn ich mir da überlege, dass halt manchmal so Rückfälle auch im stationären Bereich, da kommt es dann zu einem Krisengespräch, ne.
19:07
Was ist das dann schon auch für eine Suggestion, die ich gebe, wenn ich sage: Okay, du bist rückfällig geworden, jetzt kommst du zum Krisengespräch.
19:13
Es ist eine Krise. Ich mache es damit auch sofort zur Krise. Und ich finde hilfreicher, genauso wie du es gesagt hast, und vielleicht kann man das noch mal sozusagen einfach in so einem kleinen Spruch, den man sich mitnehmen kann, dass man sagt: Okay, es war ein Rückfall, und Sie wollten auf der geraden Linie von A nach B, von Gießen nach Köln, keine Ahnung, jetzt haben Sie einen Umweg gemacht. Und ich sage dann immer: Umwege erweitern die Ortskenntnis. Das ist das, was du gerade hier aufgegriffen hast. Und, äh, Umwege erweitern die Ortskenntnis. Was haben Sie draus gelernt? Oder was können Sie draus lernen? Lassen Sie uns das genau untersuchen. Und so machen wir diesen Rückfall hilfreich. Und ich erlebe das immer wieder, wenn wir das genau analysieren mit: Was können wir draus lernen? Was sind da für wichtige Informationen, die es beim nächsten Mal weiterhelfen? Dann wird es eine hilfreiche Geschichte. Und es ist auch eine realistische Geschichte einfach.
20:02
Ja, und da gibt es auch noch aus der leistungssensiblen Suchttherapie auch so eine schöne Impact-Technik, ist das auch. Und wirklich auch zum Beispiel zu zeigen, dass man so ein Gummiband hat, also zum Beispiel so zum Fitness. Und dann sagt man: Ja, für Menschen, die keine Abhängigkeitserkrankung haben, da liegt das Gummiband ganz schlaff in den Händen. Das ist einfach nicht so schwer, ne. Und Menschen, die gerade auch frisch auf diesem Prozess sind, da ist sozusagen die Nüchternheit aufrechtzuerhalten, wie als würde man sie die ganze Zeit stretchen. Es ist einfach was anderes. Und diese Gleichheitsidee, es müsste mir so leicht fallen wie, ne, weil jeder kennt halt jemanden, der Alkohol trinkt, so mindestens. Und viele halt eben auch, die andere Sachen konsumieren, die da kein schwerwiegendes Problem draus entwickeln. Und man kommt dann auf die Idee: Es muss mir genauso leicht fallen, ne. Aber auch einfach klar zu haben, ne, das, was ich hier gerade leiste, das ist was anderes. Und da darf ich auch stolz sein, ne.
20:52
Also diese Selbstwirksamkeit, die ich da erlebe, die Fähigkeiten, die ich hier gerade zeige, das ist nicht einfach, das ist was Herausforderndes, und darauf kann man sehr stolz sein.
21:00
Absolut. Und ich brauche die ganze Zeit Energie dafür. Und ich würde noch einen Schritt weitergehen. Auch nicht jeder hat das gleiche Band. Es gibt einfach Leute, die haben ein ganz kurzes Band. Die brauchen immer, ne, die haben irgendwie, vielleicht ist da körperlich was oder wie auch immer, oder die haben schwierige Rahmenbedingungen gehabt, und das Band ist einfach kürzer. Es ist einfach viel, viel schneller gespannt. Es kostet viel, viel mehr Energie, das zu halten. Und es gibt Leute, die haben einfach ein ewig langes Band mitbekommen. Da spielt so viel rein. Ja, da sind wir vielleicht auch immer: Try walking in my shoes, ne, bevor du urteilst. Keiner kann das beurteilen. Band ist nicht gleich Band.
21:32
Absolut. Gibt es, gerade wenn jemand so wirklich noch andere große Sorgen hat: So okay, wie mache ich mich denn jetzt eigentlich auf den Weg? Wie traue ich mir das denn überhaupt zu? Ne, so dieses: Ich, ich, ich weiß, ich, ich habe das schon mal ausprobiert, vielleicht kann ich das auch so ein bisschen. So ich habe das irgendwie kognitiv vielleicht schon so ein Konzept, ne. Das ist ja auch so dieses: Ich habe ganz viel drüber gelesen, aber ich laufe trotzdem nicht los.
21:57
Ja, da habe ich eine Methode auch sogar, äh, mitgebracht, wo wir gedacht haben, dass die sich vielleicht gut eignet, ähm, und man da, ähm, zu Hause vielleicht für sich jetzt auch eine individuelle Lösung findet. Die Lösungen sind fast immer individuell auch, die man braucht, ne. Da gibt es irgendwie kein: Das geht für alle. Und, äh, im Grunde genommen ist das eine Geschichte, also von der Wirkung her jetzt auch sozusagen fachlich oder therapeutisch: Was wirkt bei dieser Methode, die wir gleich machen? Ich würde versuchen, zwei Sachen zu realisieren. Das eine ist, wir sind bei meinem nächsten Teufelskreis. Wenn ich eine geringe Selbstwirksamkeit habe, dann traue ich mir Sachen nicht zu. Und, ähm, ich bin dann wahrscheinlich in einer schlechten Stimmung, ne, negativ. Und wir wissen auch aus der Forschung: Wenn wir in einer schlechten Stimmung sind, dann sehen wir Sachen negativer und uns fallen mehr negative Sachen ein, und wir trauen uns weniger zu. Das heißt, wenn ich in dieser Stimmung bin und ich denke jetzt: Oh, wie kommt man da raus?
22:50
Ich habe weniger Ideen, und die Ideen, die ich habe, sortiere ich auch selbst viel schneller aus, weil ich denke, klappt sowieso nicht. Das heißt, das erste, was wir gleich machen, ist, dass wir versuchen, in einen Zustand zu kommen, wo wir uns als positiv und wirksam erleben. Und das werden wir machen, indem wir uns vorstellen, also je nachdem, welches Thema Sie gleich nehmen möchten, dass man sich vorstellt, man hat es geschafft. Also ich mache mal ein ganz banales Beispiel. Man muss jetzt irgendwie, weiß ich nicht, ein Gutachten schreiben, eine Steuererklärung abgeben, irgendwie so was, ne. Also kennen wir alle, hat man wenig Lust drauf, man hat jetzt irgendwie festgestellt, seit drei Jahren schaffe ich das schon irgendwie nicht, ne. Dass man sich wirklich den Moment vorstellt, wo man sagt: Ich weiß, in dem Moment, ich habe die Aufgabe erledigt. Das kann dann sein: Der Moment, wo ich den Computer zuklappe. Oder wenn es ums Kelleraufräumen geht: Der Moment, wo ich mich umdrehe und sehe den aufgeräumten Keller, ne.
23:38
Oder wenn es um was Soziales geht: Dass ich, äh, sehe, eine Person lächelt mich an. Also der Moment, wo ich wirklich weiß: Ich habe es hinbekommen. Das ist das Zeichen dafür, ja. Dass man sich in den Moment reinversetzt und mal nachfühlt, wie das ist, wie sich dieser Erfolg anfühlt. Und dann gehen wir von da aus rückwärts und sagen: Was war denn kurz vorher? Und wie haben Sie das gemacht? Wie haben Sie das gemacht? So das wäre so das übliche Vorgehen. Ähm, dass wir sozusagen aus diesem Erleben raus rückwärts gehen und schauen: Was hat dazu geführt, ja? Da kommt man oft auf mehr Ideen, als wenn man von „Ich schaffe es nicht“ in die Zukunft guckt. Hier gucken wir von einem „Ich habe es geschafft“ in die Vergangenheit. Das zweite ist die Kleinschrittigkeit. Also ich würde es so machen, dass wir in diesen Erfolgszustand versetzen, ein kleines bisschen zurückgehen, damit man das mal übt, sich auf dieser Zeitlinie so ein bisschen fiktiv zu bewegen und auf Ideen zu kommen. Und dann werde ich an den Punkt gehen, wo es am schwierigsten war.
24:33
Das ist ja auch der relevante Punkt. Also dass wir erst mal diesen Punkt finden, wo wir sagen: Das ist der Knackpunkt. Wann war es am schwierigsten? Dann gucken wir: Wie ging es mir da? Und dann versuchen wir, den kleinstmöglichen Schritt zu finden. Das ist meiner Ansicht nach, meiner Erfahrung nach, eine der besten Techniken. Und zwar von diesem schwierigsten Punkt gucken wir dann: Wenn wir jetzt wieder Richtung hundert Prozent gehen, wo die Aufgabe erledigt ist, wann gab es denn die erste kleine Veränderung? Was ist die erste mini, mini, minimalste Verbesserung, die ich wahrnehmen konnte? Und was hat dazu geführt? Und damit haben wir den kleinsten Schritt. Und wenn wir, das ist der schwierigste Schritt, vom kritischsten Punkt, die erste Veränderung. Und wenn wir die haben, dann sind wir ja auch schon wieder im Machen und im Tun und haben eine Hoffnung oder Wahrscheinlichkeit, dass dann der nächste Schritt schon leichter ist, weil er ist ja auch nicht mehr vom kritischsten Punkt aus. Das heißt, damit haben wir das Schwierigste geschafft, und damit sind wir ins Tun oder in den, in die Bewegung, in den Flow gekommen.
25:28
Und das würde ich gerne mal als kleine mentale Übung machen, mit dem Prinzip Wirksamkeitserleben, rückwärts gehen und kleinstmöglicher Schritt. Und jeder kann sich, wenn er möchte, mal ein Thema nehmen, wo er sagt: Mensch, da brauche ich irgendwie den ersten Schritt oder da muss es irgendwie mal besser funktionieren, und kann einfach mal mit diesem Thema die Übung machen. Okay, wollen wir machen?
25:48
Ja, super gerne. Ich, ich bin, ich war gerade schon ganz okay, welches Thema nehme ich?
25:53
Du hast auch.
25:54
Ich habe eins.
25:54
Okay, super. Dann, äh, für mich ist immer gut, wenn du auch mitmachst, dass ich so ein bisschen Feedback habe und nicht ganz ins Leere spreche. Da danke ich dir. Okay, super. Das heißt, ich würde jetzt duzen, damit man sich direkt da angesprochen fühlt. Ich hoffe, das ist okay.
26:11
Kleiner Einschub an dieser Stelle: Jetzt macht Frauke eine Trance. Und diese Trance bitte nicht anhören, wenn ihr gerade Tätigkeiten macht, die eure Aufmerksamkeit brauchen, wie zum Beispiel gerade beim Kochen irgendetwas schneiden oder im Auto sitzen. Macht dann lieber jetzt eine kleine Pause und hört euch die Folge ganz entspannt, ganz konzentriert später fertig an.
26:37
Und dann stell dir doch einfach mal vor, ne, wenn du jetzt irgendwie ein Thema ausgesucht hast, äh, wofür du sozusagen dann in die Bewegung, ins Tun, in den ersten Schritt kommen willst, ähm, dann, äh, genau, ne, guck mal, äh, dass du dich kurz mit diesem Thema verknüpfst, sehr kurz sagst: Okay, das ist das Thema. Und wenn du willst, kannst du die Augen zumachen. Dann kommen wir ein bisschen mehr ins Erleben und in die Vorstellung. Dann wird das alles intensiver und noch effektiver. Und dann, ähm, genau, schau doch mal so innerlich: Was ist denn der Moment, wo du, woran du spürst oder in dem du merkst: Ich habe es geschafft, ich habe die Aufgabe und die Herausforderung bewältigt. Und wenn du weißt, was das ist, dann stell dir mal vor, dass das gerade passiert, dass du das gerade erlebst. Und mich würde interessieren: Was siehst du jetzt in diesem Moment, wo die Aufgabe bewältigt ist? Was sehen deine Augen?
27:35
Was hörst du? Wie ist deine Körperhaltung in dem Moment? Wie ist deine Atmung? Welchen Gesichtsausdruck hast du? Wie fühlt sich das an? Welche Gefühle sind da? Welches Erleben?
28:11
Welche Gedanken?
28:20
Und wie kannst du dich jetzt verhalten? Welche Möglichkeiten ergeben sich? Welche kleinen oder großen positiven Auswirkungen hat das?
28:41
Genau. Das kannst du mal so richtig spüren und genießen alles. Genau.
28:54
Super. Und dann habe ich eine ungewöhnliche Frage. Und zwar, wenn du jetzt einfach mal von diesem Punkt aus zurückgehst, wie auf so einer Linie in die Vergangenheit: Was war denn fünf Minuten vorher? Was hast du da gemacht? Wie hast du dich da gefühlt?
29:17
Und wie bist du von diesen letzten fünf Minuten? Was hat da geholfen? Oder wie kamst du da zu den hundert Prozent? Wie ist dir das gelungen?
29:33
Und was war so zehn Minuten, bevor du fertig geworden bist? Was war da hilfreich? Also wie ging es dir da? Und was hat dann da dazu geführt, dass du den restlichen Weg bewältigen konntest? Wie lief das?
29:56
Genau. Und wenn du jetzt schon ein kleines bisschen geübt hast, so zu springen auf dieser Zeitlinie, dann bitte ich dich: Geh doch mal an den schwierigsten Punkt. Wo ist denn der schwierigste Punkt? Vielleicht wolltest du gar nicht anfangen oder alles hinschmeißen. Oder hattest du ein schwieriges Gefühl oder irgendwas anderes. Was ist der schwierigste Punkt? Und dann spür mal nach und beobachte mal an diesem schwierigsten Punkt: Wie ist da deine Körperhaltung, deine Atmung? Was ist so mit deiner Aufmerksamkeit? Was nimmst du wahr?
30:46
Was denkst du und was fühlst du?
30:54
Wie verhältst du dich? Genau. Und dann geh doch mal von diesem schwierigsten Punkt aus jetzt ganz fein und achtsam auf der Zeitlinie wieder Richtung hundert Prozent. Und spür mal: Was ist die erste Verbesserung, die erste Veränderung, wo du merkst, hier hat sich was gebessert? Kann ganz klitzeklein sein. Und im schwierigsten Moment zum ersten Mal, wo irgendwas ein klitzekleines bisschen besser ist. Was ist das? Was ist besser geworden?
31:43
Okay, und jetzt kannst du dich zwischen diesen beiden Punkten mal hin und her bewegen und schauen: Was hat zu dieser Verbesserung geführt? Was war dafür notwendig? Was war hilfreich? Was hast du gemacht, innerlich oder äußerlich? Was hat zu dieser ersten minimalen Veränderung geführt? Was ist dir gelungen?
32:11
Und bei dem einen oder der anderen wird das schon ausreichen. Bei der einen oder den anderen ist es hilfreich, jetzt noch weiter Richtung hundert Prozent zu gehen und zu schauen: Was ist noch hilfreich? Was kann oder muss noch dazukommen, damit auch der weitere Weg geschafft wird? Und so kannst du wieder Richtung hundert Prozent gehen. Alles Hilfreiche auf diesem Weg, was zu den hundert Prozent führt, vielleicht auch wahrnehmen, mitnehmen, einpacken für dich, bis du wieder bei den hundert Prozent ankommst
32:52
und noch mal erlebst und spürst, wie gut du das gemacht hast und wie es sich anfühlt, die Herausforderung bewältigt zu haben, dass du das hinbekommen hast.
33:19
Genau.
33:30
Und dann kannst du alles Hilfreiche auch ganz bewusst mitnehmen und wissen und mit der Aufmerksamkeit wieder frisch und wach zurückkommen ins Hier und Jetzt, ins Außen, in den Raum, im Podcast. Wieder ganz da sein und wirklich, äh, gut gewappnet für den Alltag, ne. Also vielleicht auch mal jetzt wieder anfangen, sich zu bewegen, recken, strecken, vielleicht ein bisschen abklopfen, falls bei irgendjemandem der Kreislauf ein bisschen runtergegangen ist oder er noch nicht ganz frisch und wach ist, ne. Wirklich bewegen, Blut, Blut pumpen, tief einatmen, sich vielleicht abklopfen, bis man wieder wirklich ganz da ist.
34:15
Ich finde es so eine schöne Übung. Ich kenne sie ja auch aus der Selbstwertfortbildung. Und ich habe jetzt auch wieder gemerkt, so dass es mein Thema war, ähm, dass ich mein Exposé für mein PhD schreiben muss. Und bei mir ist es das Anfangen. Und, ähm, so die, die Lösung oder so, was der nächste Schritt war, das, das, das schielt sich so schnell und so klar und so leicht auf jeden Fall bei mir dann raus. Und dann bin ich so: Ja, und jetzt fühle ich mich auch motiviert, das zu machen.
34:41
Ja, super, super. Und die Lösungen, auf die, äh, die Menschen kommen, sind so unterschiedlich. Manche sagen, äh, allein, dass ich gespürt habe, wie sich es anfühlt, wenn ich es geschafft habe, so. Andere sagen: Ich muss mir eine Freundin dazuholen. Oder: Ich muss auf meinen Ehering gucken, weil ich weiß, meine Frau würde sich so freuen oder mein Partner. Entscheidung treffen, in eine andere Körperhaltung kommen. Es können tausend Sachen sein. Äh, es ist oft eine Kleinigkeit. Wir haben ja auch gesagt, kleinstmöglicher Schritt, und es ist hochindividuell. Es kann alles Mögliche sein. Und ich freue mich, dass du sagst, ja, dass es sich bei dir so schnell rausschält. Und du sagst: Ja, dann komme ich in Bewegung. Super.
35:19
Super. Wenn es für dich okay ist, würde ich die Trance, äh, verschriftlichen und in den Psychoaktiv-Plus-Methodenkoffer mit reinpacken.
35:25
Absolut, kann da gerne rein.
35:26
Dann können, äh, Psychoaktiv-Plus-Mitglieder, wenn die das gerne in der Praxis anwenden möchten, sich die Fragen dann noch mal in Ruhe anschauen und das dann auch zum Ausdrucken mitnehmen.
35:35
Kann ich dir auch noch eine kleine Grafik irgendwie, äh, zeigen, und die kannst du gerne noch mit reinnehmen.
35:41
Super. Genau. Diese Übung gibt es noch einmal vertiefter oder beziehungsweise so ein bisschen zum Anfassen. Vielleicht schließen wir damit ab. Ähm, magst du das vielleicht auch noch kurz erklären?
35:52
Ja. Also, wir haben das ja jetzt als, äh, mentale Übung gemacht und mit einer Trance auch oder mit Trance-Effekten, Trance erleben. Und man kann das natürlich auch noch mal sehr konkret und pragmatisch machen, ähm, für die Leute, die sagen: Ach nee, das tut mir nicht so gut oder das ist für mich schwierig, da reinzukommen. Das ist eine andere Variante, dass man das mit Blättern auf dem Boden macht, ne. Also, dass man sich sozusagen ein Blatt auf den Boden legt und sagt: Hier ist die Gegenwart. Und, ähm, was ist mein Ziel? Wie weit liegt das entfernt? Lege ich mir auch ein Blatt hin? Dann stelle ich mich auf dieses Zukunftsblatt oder dieses Zielblatt. Und dann stelle ich mir auch vor: Ich habe es geschafft. Und, äh, genauso wie wir es innerlich gemacht haben. Und dann dreht man sich um mit offenen Augen jetzt, und dann guckt man: Welche Schritte waren hilfreich, damit ich hier hingekommen bin? Und, äh, für jeden Schritt nimmt man ein Blatt Papier und schreibt sich drauf, äh, was man gemacht hat.
36:39
Und das können ganz konkrete Sachen sein, wie, keine Ahnung, wenn ich einen Vortrag halten will, Vokabeln lernen oder so was. Das können aber natürlich auch so psychologische Sachen sein, wie mir dies und das bewusst machen, wie, äh, eine andere Atmung haben, damit die Angst besser aushaltbar ist oder was auch immer. Und, ähm, dann hat man zum Schluss einen ganz klaren Ablauf in den Schritten, die es benötigt. Und dann nehme ich alle Blätter zusammen, oben drauf die Gegenwart, unten die, unten das Ziel. Und dann habe ich im Grunde meinen Plan. Muss ich nur Blatt für Blatt abarbeiten und habe es sehr, sehr konkret. Man kann es sich aufs kleine Zettel schreiben und einfach in die Hosentasche stecken, dann hat man es immer dabei.
37:12
Ja, und das finde ich auch echt eine schöne Sache, gerade wenn man so dieses Schritt für Schritt dann hadert, dass man da wirklich dann am Ende auch der Stunde was mitnehmen kann und weiß: Okay, jetzt, jetzt habe ich meinen Plan, jetzt weiß ich, wie es langgeht.
37:24
Genau. Und wenn ich einen Schritt noch nicht schaffe, dann ist es noch nicht kleinschrittig genug. Dann brauche ich noch einen Zwischenschritt. Was könnte der sein? Also, wenn man jetzt bei einem Schritt zu sehr hadert, dann immer noch mal reingehen in: Was wäre noch kleiner? Ja. Und vielleicht ist es wirklich die Körperhaltung verändern oder die Atmung oder sich was präsent machen oder jemanden anrufen, keine Ahnung. Dann einfach nicht aufgeben, sondern dann sagen: Die Stufe war noch zu hoch, ich brauche noch eine Zwischenstufe.
37:48
Ja, super. Und ich glaube, wir haben heute echt eine gute Sammlung bekommen, wie man gerade das Thema Selbstwirksamkeit und Fähigkeiten und Präsenz im Kontext von Sucht besser aufgreifen kann. Ich danke dir von Herzen, dass du so viel Know-how mit uns geteilt hast. Und danke, dass du hier warst. Für die Psychoaktiv-Plus-Mitglieder gibt es nächste Woche noch eine Bonusfolge gemeinsam mit Frauke, und zwar mit zielorientierten Fragen zum Thema Selbstwirksamkeit und Fähigkeiten und Präsenz im Kontext von Beratung und Therapie. Den Link zur Psychoaktiv-Plus-Mitgliedschaft findet ihr in den Shownotes, und da findet ihr ja ab diesem Herbst wirklich alle zwei Wochen auch Inputs, vertiefende Folgen zu unterschiedlichen Themen, die ihr dann zusätzlich noch zum Hauptfeed der kostenlos für alle da ist, anhören könnt. Und dir, Frauke, danke ich ganz herzlich, dass du da warst.
38:39
Ich danke dir.
38:40
Und weil diese Folge auch noch im Oktober rauskommt, lass uns noch mal ganz kurz den Neurodivergenzkongress ansprechen, weil das ist einfach ein superschönes Angebot.
38:48
Genau. Das ist ein Kongress zum Thema Neurodiversität. Wir haben einen Tag für Fachleute, der ist kostenpflichtig, und wir haben zwei kostenfreie Tage für Betroffene und Interessierte. An einem Tag geht es darum, ähm, woran erkenne ich, ob ich eine Neurodiversität habe und welche. Und am zweiten Tag, ähm, hilfreiche Tipps, ganz praxisorientiert. Und die beiden Tage sind kostenfrei. Und es sind ganz viele Koryphäen da. Ich habe im letzten Podcast schon ein paar genannt, aber zum Beispiel auch Nikolai Semler, der sehr bekannt ist bei ADHS, Frith Wilczek, die eine Koryphäe im Thema Autismus ist. Und wir werden auch Podiumsdiskussionen haben, zum Beispiel zur Rolle der sozialen Medien oder zur Therapieplatzsuche und so weiter. Ich bin auch dabei, und ich würde mich total freuen, wenn, äh, wenn wir auch da ein differenziertes Wissen zur Verfügung stellen können.
39:33
Ich freue mich auf jeden Fall total auf die Inhalte. Also, es sind ein paar Links mehr, diese Folge, aber den Link zur Neurodiversitätskongress findet ihr in den Shownotes. Natürlich auch den Link zur Psychoaktiv-Plus-Mitgliedschaft. Und wenn ihr nicht genug von Frauke haben könnt, dann ist eben ab nächster Woche noch mal eine Bonusfolge drin. Und dann wünsche ich euch eine gute Zeit.

