Selbstwert, Sucht und Drogenkonsum: Wie alles zusammenhängt

Ein niedriger Selbstwert spielt bei psychischen Belastungen und Suchterkrankungen häufig eine zentrale Rolle – trotzdem bleibt oft unklar, was mit „Selbstwert“ eigentlich genau gemeint ist. In dieser Folge spricht Stefanie Bötsch mit der Psychologin und Psychotherapeutin Frauke Niehues darüber, warum Selbstwert mehr ist als das Wissen um die eigenen Stärken und weshalb rein verstandesmäßige Einsichten oft nicht ausreichen, um sich tatsächlich wertvoll zu fühlen. Gemeinsam ordnen sie ein, wie Selbstwerterleben entsteht, welche Schutzfunktion auch unangenehme Minderwertigkeitsgefühle haben können und warum Rückmeldungen, Beziehungen und gesellschaftliche Bewertungen unser Bild von uns selbst prägen.
Anhand des Selbstwertmodells von Frauke Niehues beleuchtet die Folge verschiedene Ebenen wie Grundgefühl, Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz. Dabei wird deutlich, wie belastende Bindungserfahrungen, Stigmatisierung und Selbststigmatisierung das Selbstwertgefühl von Menschen mit Suchterkrankungen beeinflussen können – und weshalb Substanzen mitunter als Bindungsersatz dienen oder dabei helfen sollen, Unsicherheit und die Ablehnung eigener Eigenschaften zu überdecken. Das Modell eröffnet eine differenzierte Sprache für diese Zusammenhänge und zeigt, an welchen Stellen Veränderung möglich ist, ohne einen dauerhaft perfekten Selbstwert zum Ziel zu erklären.
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Selbstwert, Sucht und Drogenkonsum: Wie alles zusammenhängt
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PODCAST-METADATEN
Erscheinungsdatum: 09.10.2026
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Kontrolliertes Trinken vs. Abstinenz
Sprecher: Stefanie Bötsch, Frauke Niehues
Typ: Transkript
00:03
Wir forschen sozusagen diagnosespezifisch. Und Selbstwert ist keine Diagnose.
00:09
Man konsumiert gezielt Substanzen wie zum Beispiel Opioide, die einem so dieses Gefühl von Bindung und Sicherheit geben.
00:15
Ich habe immer ein ganz starkes Ohr da drauf, ob dem Opfer der Wert abgesprochen wird, als Mensch zum Beispiel.
00:32
Psychoaktiv, dein Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Böts. Zieht’s euch rein!
00:45
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Psychoaktiv“. Schön, dass du wieder mit dabei bist. Wir sprechen hier alle zwei Wochen wissenschaftlich über Drogenkonsum und Sucht. Und heute habe ich eine Gästin dabei, die ihr alle schon kennt, wenn ihr „Psychoaktiv“ schon länger hört, die eine sehr beliebte Gästin ist und die vor allem auch meine therapeutische Entwicklung über die letzten Jahre sehr geprägt hat. Und zwar ist Frauke Niehuß hier. Frauke, schön, dass du wieder mit dabei bist.
01:17
Ich freue mich sehr. Und freue mich sehr auf die Folge und danke für die Einladung.
01:21
Sehr, sehr gerne. Und wir haben heute ein Thema, das ist aus dem Thema Sucht nicht wegzudenken, und zwar das Thema Selbstwert.
01:28
Ich habe ja über zehn Jahre schon in der Sucht gearbeitet und ich weiß, das hat mich immer begleitet, dieses Thema. Fast jeder meiner Klienten hat gesagt, ich brauche einen besseren Selbstwert, das muss irgendwie besser sein. Und ich weiß aber auch, dass ich als Therapeutin und Beraterin da immer so ein bisschen Fragezeichen auch im Kopf hatte, weil wie ist man an das Thema Selbstwert rangegangen? Ich habe da die Erfahrung aus einer sehr verhaltenstherapeutischen Perspektive, also im Sinne von gerade im stationären Bereich. Man erlebt, dass man Sachen kann, man hat auch irgendwie dieses soziale Umfeld, erlebt sich auch handlungsfähiger im sozialen Umfeld und damit ist am Ende irgendwie dann auch der Selbstwert besser. Fand ich immer ein bisschen unzufriedenstellend. Und dann habe ich dein Selbstwertmodell kennengelernt und habe auch die Selbstwert-Trainer-Ausbildung bei dir gemacht. Und du gibst dem Thema Selbstwert eine Sprache. Und warum hast du überhaupt ein eigenes Selbstwertmodell erstellt?
02:21
Fangen wir vielleicht mal ganz grundlegend damit an.
02:23
Genau. Also ich glaube, mir ging das ganz ähnlich wie dir. Im Grunde genommen ist es so, dass meine Klienten, ich frage die am Anfang immer: Was ist Ihr Ziel? Was soll sich verändern? Und ich sage mal, mindestens 80, 85 Prozent haben ganz explizit gesagt: Selbstwert. Das war ein Ziel für die Therapie oder Beratung, für den Veränderungsprozess. Und selbst wenn es nicht explizit gesagt wurde, hat es irgendwie eine Rolle gespielt. Und ich habe auch festgestellt, dass der Selbstwert sich ganz stark auf den Prozess auswirkt. Also habe ich überhaupt das Gefühl, dass ich es wert bin, dass es mir besser geht? Oder das werden wir gleich noch hören. Selbstwirksamkeit ist ein Teil des Selbstwertes. Wenn ich mir nicht zutraue, was verändern zu können, dann habe ich vielleicht eigentlich gute Tools, aber ich glaube, ich schaffe das nicht und dann setze ich sie gar nicht ein. Und das heißt, der Selbstwert hat einen ganz großen Einfluss darauf, ob die Prozesse gelingen und ob die Leute das schaffen. Ich habe dann auch immer versucht, mit denen daran zu arbeiten und habe immer wieder festgestellt, ich bin an ganz viele Grenzen gestoßen und die Arbeit war viel weniger effektiv und nachhaltig, als der Klient, Klientin und ich uns das gewünscht haben.
03:27
So ganz häufige Rückmeldungen waren, dass die Leute gesagt haben: „Frau Niehuß, vom Kopf her weiß ich, dass ich was wert bin. Ich habe das alles gehört. Wir haben das ja alles irgendwie bedacht, aber ich kriege es nicht ins Gefühl. Ich kriege es nicht in den Bauch. Ich kann es irgendwie gar nicht spüren.“ Und dann verpufft es irgendwie auch ganz schnell wieder. Eine andere Sache, die immer wieder vorkam, war, dass wir eine Stunde hatten und dass ich so den Eindruck hatte, die ist gut gelaufen. Der Klient geht gestärkt hier raus und der Klient auch selber gesagt hat: „Das hat mir gut getan, ich nehme was mit.“ Und dann kamen die zur nächsten Sitzung eine Woche oder zwei später und alles war wieder verpufft. Also man konnte praktisch wieder bei null anfangen oder fast bei null und irgendwie passierte was zwischen diesen Stunden. Also die Selbstwertarbeit war häufig nicht sehr nachhaltig, hatte ich den Eindruck. Und ich glaube, das kennen wir alle. Also so ein Selbstwertthema, dass ganz viele Leute auch die Erfahrung machen, dass sie seit Ewigkeiten an ihrem Selbstwert arbeiten und das Gefühl haben, sie kommen nur bedingt weiter.
04:22
Und dann habe ich gedacht: „Okay, ich mache es vielleicht nicht gut genug oder ich kenne vielleicht keine modernen Theorien, Methoden etc.“ Und habe mich auf die Suche begeben. Und dann habe ich festgestellt, es gibt total wenig zum Selbstwert.
04:34
Das ist mir auch aufgefallen, weil ich bin da natürlich auch losgezogen und so: „Okay, ich möchte jetzt ein bisschen mehr machen, um meine Klienten zu unterstützen.“ Und es gibt wirklich, wirklich wenig zum Thema Selbstwert, obwohl das so ein zentrales Thema ist. An was liegt das?
04:49
Ich habe eine Hypothese, das kann ich natürlich jetzt nicht hundertprozentig sicher sagen, aber wir haben in der Forschungslandschaft in der Psychotherapie die Universitäten und die psychotherapeutische Forschung ist sehr, sehr stark in verhaltenstherapeutischer Hand. Und die Verhaltenstherapie, da ist es ganz wichtig, dass wir die richtige Diagnose stellen, weil die Verhaltenstherapie funktioniert so: Wir haben eine Diagnose, zum Beispiel jetzt eine Panikstörung, und aus dieser Diagnose raus leitet sich das weitere Vorgehen ab. Also wir haben dann zum Beispiel Panikstörung und dafür gibt es ein Manual, wie man das behandelt. Oder eine Zwangsstörung, dafür gibt es ein Manual, wie man das behandelt. Und so wird auch geforscht. Wir forschen sozusagen diagnosespezifisch. Und Selbstwert ist keine Diagnose. Also wenn wir uns das Klassifikationssystem vornehmen, das ICD, dann ist Selbstwert keine Diagnose. Und dadurch glaube ich, oder das ist eine Hypothese, fällt es in der Forschung so ein bisschen runter und wir haben dem Thema keine angemessenen Tools und Materialien an der Hand.
05:53
Das wäre meine Hypothese. Und ich denke, ich würde sehr dafür plädieren und ich weiß gar nicht, ob es diese Idee schon mal gab. Mir ist sie noch nicht über den Weg gelaufen, ob sie mal diskutiert wurde. Ich habe dazu noch nichts gefunden, aber ich würde gerne in den Ring schmeißen, ob es nicht auch sinnvoll wäre, eine Selbstwertstörung mit aufzunehmen. Ich kann mir vorstellen, dass bei vielen Störungsbildern das der Kern ist, wo sich verschiedene Symptome daraus entwickeln können. Und wenn man da hingeht, dass wir dann noch mal differenzierter helfen und behandeln können.
06:24
Ja, im Prinzip ist ja ein niedriger Selbstwert häufig auch so ein Symptom oder wird als Symptom beschrieben von ganz vielen unterschiedlichen Erkrankungen. Das wäre ja dann natürlich so das System anführt. Man braucht eine Selbstwertdiagnose, damit auch dieses Thema mehr Fokus bekommt. Oder würdest du sagen, es ist schon so, dass du das wirklich als eigenständige Erkrankung durchaus siehst, so aus deiner eigenen Erfahrung jetzt aus der Praxis?
06:46
Das müsste man diskutieren. Aber zum Beispiel dafür, dass es eine eigenständige Erkrankung ist, wenn der Selbstwert sehr gering ist, dann hat das eine große Auswirkung auf das psychische Wohlbefinden, auf die psychische Gesundheit. Es hat eine Auswirkung darauf, wie ich Interaktionen gestalte. Also mein Selbstwert hat ja auch viel damit zu tun, wie ich in Interaktionen gehe, ob ich mich zum Beispiel eher devot verhalte, ob ich Grenzen setze. Das sind viele Auswirkungen aufs Leben. Der Selbstwert hat auch eine große Auswirkung darauf, was ich mir zutraue, welche Projekte ich angehe in meinem Leben zum Beispiel. Das heißt, wir haben da ganz massive Auswirkungen plus die psychische Gesundheit. Und wenn der Selbstwert sehr gering ist, das wissen wir, also wenn mir jemand sagt, mein Selbstwert ist, wenn wir jetzt mal von einem Selbstwert von null bis zehn ausgehen würden, so und dann jemand sagt mir, mein Selbstwert ist eins oder sogar null, dann klingeln bei mir alle Alarmglocken und dann habe ich immer das Thema Suizidalität auch mit auf dem Schirm und gucke, ist diese Person gefährdet.
07:48
Und ich glaube, das kann sich jeder vorstellen. Also irgendwann denke ich halt, ich bin es gar nicht mehr wert, da zu sein. Ich bin es nicht mehr wert, zu leben. Es wäre besser, wenn ich weg wäre, zum Beispiel. Und das sind meiner Ansicht nach schon Argumente dafür, das als eigenes Störungsbild auch zu greifen. Wir können gerne diskutieren. Ich glaube, das ist aber sozusagen eine andere Diskussion, was mit Diagnosen ist, welche Auswirkungen die haben und so weiter, kann man sehr kritisch sehen. Aber so wie das System im Moment ist, würde sozusagen diese Diagnose zu einer spezifischeren, differenzierteren, passgenaueren Behandlung führen. Das finde ich ein sehr wichtiges Argument jetzt in der Praxis. Und es würde auch zu anderen Forschungstätigkeiten führen.
08:32
Das macht total Sinn, wie du es auch erklärt hast, dass man eigentlich von der Diagnose ausgehend anfängt zu forschen.
08:40
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08:46
Bevor wir gleich dein Modell anschauen, finde ich aber gerade im Aspekt Selbstwert noch einen Aspekt sehr wichtig, denn es gibt ja einmal den Wert, den wir uns selbst zu messen, aber auch den Wert, den wir anderen zu messen. Wie hängt der Selbstwert damit zusammen, wie man sozusagen auch von anderen Feedback bekommt? Beziehungsweise wie geben wir anderen sozusagen ihren Wert? Das ist eine sehr spannende Frage. Und ich sage mal, grundsätzlich ist es eigentlich besser, nicht von Selbstwert, sondern von Selbstwert erleben zu sprechen, um halt auch damit deutlich zu machen, dass das auch was ist, was man sozusagen sich selber zuschreibt, was auch eine stark subjektive Komponente hat. Aber dieses Selbstwert erleben, wir werden da noch zu kommen. Natürlich gibt es auch eine Veranlagung. Also wie bin ich zum Beispiel besonders kritisch oder so generell? Dann bin ich auch mit mir kritischer. Fühle ich mich mit mir und meinem Körper wohl? Oder gibt es da immer so Störgefühle oder Unwohlgefühle?
09:43
Das nimmt alles auch einen Einfluss auf den Selbstwert. Und gleichzeitig ein ganz großer Faktor ist: Was habe ich an Feedback erfahren? Und wenn wir mal in eine evolutionspsychologische Sichtweise gehen, also wenn wir mal eine evolutionspsychologische Theorie oder Erklärung zu Emotionen nehmen, dann ist es so, dass jede Emotion, die sich jetzt durchgesetzt hat in der Menschheit, und Selbstwert ist sicherlich eine, das Gefühl, was dazugehört, ist Minderwertigkeit. Also Minderwertigkeitsgefühl kennen wir alle. Und die Idee ist, dass diese Emotionen, die wir alle haben, sich in der Evolution durchgesetzt haben, weil sie einen Überlebenswert haben. Also in irgendeiner Situation habe ich eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit, wenn ich dieses Gefühl habe. Und wie trägt jetzt der Selbstwert oder tatsächlich dieses als unangenehm, aber trotzdem wichtige Minderwertigkeitserleben bei? Die Erklärung, die ich da anbieten will, ist, dass wir, sagen wir mal, wir sind in einer Gruppe, wir gehen mal irgendwie zurück in die Vergangenheit und stellen uns vor, wir ziehen noch wie Nomaden durch die Gegend.
10:49
Und jetzt stellen wir fest, dass es noch sehr weit ist bis zum nächsten sicheren Ort. Und wir merken, unsere Ressourcen werden nicht mehr für die gesamte Gruppe reichen. Also wir werden dann nicht mehr sicher ankommen und dann ist die Gefahr, dass alle sterben. So, was macht die Gruppe jetzt? Sie fängt an auszusortieren. Sie versucht wenigstens ein paar zu retten, die da hinkommen. Wer wird in dieser Situation zurückgelassen? Die Alten und Schwachen werden zurückgelassen, also die, die nichts beitragen, aber Ressourcen kosten. Ich mache manchmal so ein Argumentationstraining und dann sind wir alle auf dem Schiff und das Schiff geht unter und wir müssen auf ein Rettungsboot und da gibt es zwei Plätze zu wenig. Jetzt ist die Diskussion, wer wird zurückgelassen? Ich verteile Rollen. Es gibt den Kapitän, der sich mit mir auskennt. Es gibt den Arzt, es gibt einen Multimillionär, einen Popstar und noch andere Rollen. Und dann diskutieren wir, wer darf mit, wer nicht. Und es ist klar, die, die nicht mitkommen, werden höchstwahrscheinlich sterben.
11:43
Der Multimillionär und der Popstar sterben immer. Ich habe noch nie auch nur im Ansatz erlebt, dass diskutiert wird, ob der Arzt zurückgelassen wird, weil sie in diesem Moment nichts beitragen können und weil wir den Arzt aber dringend brauchen. Das hätte einen hohen Wert für die Gruppe jetzt zum Beispiel. An Land wäre die Situation ganz anders. Keiner würde Taylor Swift umbringen, denke ich jetzt mal.
12:05
Kommt natürlich auch auf den Musikgeschmack an.
12:07
Okay, stimmt. Aber von der Theorie her hätte sie eine viel, viel höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als da. Und jetzt kann man sagen, das ist ja grausam. Ja, das stimmt. Aber wenn wir uns das angucken beim Minderwertigkeitsgefühl, das Minderwertigkeitsgefühl oder auch das Selbstwerterleben, was damit korrespondiert, das hat ganz wichtige Funktionen. Minderwertigkeitsgefühl entsteht, und ich habe da ganz feine Antennen für, wenn ich befürchte, für den anderen zu wenig Wert zu haben, weil ich dann Gefahr laufe, dass er kein Interesse an mir hat oder dass er mich sogar loswerden will. Und es ist tatsächlich auch so, zum Beispiel in Mobbingprozessen, ich werde manchmal in die Schule zu Mobbingprozessen gerufen. Ich habe ja mal ein ganz starkes Ohr da drauf, ob dem Opfer der Wert abgesprochen wird, als Mensch zum Beispiel. Und wenn ich das mitkriege, dann sage ich, als allererstes müssen wir für den Schutz sorgen. Wenn man sich Kriegsdynamiken anguckt, an einem Punkt wird dem Gegner immer der Wert abgesprochen und dann hat man das Gefühl, moralisch ist es jetzt völlig okay, wenn wir Leute töten.
13:08
Also das ist sozusagen ganz wichtig, dass man das mitbekommt, damit man sich schützen kann. Und jetzt ist es so, auch das hört sich grausam an, aber ich glaube, eine ganz wichtige Funktion vom Selbstwert oder vom Minderwertigkeitserleben ist, fangen wir mal ganz im Kleinen an. Wenn wir zwei jetzt zusammen sind, Steffi, und stell dir vor, dir wäre jetzt völlig egal, welchen Wert du für mich hast und mir wäre völlig egal, welchen Wert ich für dich habe, wie würden wir miteinander umgehen? Total asozial. Also das heißt, dieses Minderwertigkeitsgefühl sorgt auch dafür, dass ich im Kontakt immer auch mit auf dem Schirm habe oder versuche, einen Wert für dich zu generieren. Und umgekehrt, das macht uns empathisch, das macht uns sozial, das sorgt dafür, dass wir uns verbinden in einer Art und Weise, die hilfreich für uns ist. Der Wert oder dieses Werterleben ist auch was. Wir haben einen guten Selbstwert, wenn wir Erfolge haben. Auch das ist total wichtig für unsere Entwicklung. Es ist ja sehr anstrengend, unsere Fähigkeiten zu entdecken, zu entwickeln.
14:10
Das macht ja oft auch keinen Spaß. Aber dadurch, dass ich dafür belohnt werde, emotional, wenn ich das schaffe und wenn ich einen Erfolg habe, das hält mich auch, das motiviert mich auch. Und das heißt, dieses Selbstwerterleben oder dieses Vermeiden von Minderwertigkeitserleben führt auch dazu, dass ich immer gucke, was wird hier gebraucht und dass ich versuche, das zu entwickeln. Und das ist überlebenswichtig. Ich glaube auch, Selbstwerterleben oder Selbstwert hat eine adaptive Funktion. Es führt dazu, wie eigentlich alle Gefühle, dass wir so gut wie möglich durch die Welt kommen. Und es führt ja auch dazu, wenn wir zum Beispiel in einer Gesellschaft jetzt leben, wo intellektuelle Tätigkeiten besonders wichtig sind, wo wir gar nicht mehr so viel, weiß ich nicht, Handwerkliches oder so brauchen, so wie sich die Gesellschaft entwickelt hat, dann wird das besonders geschätzt und dann bekommt man dafür besonders viel Selbstwert zurückgemeldet sozusagen oder Rückmeldungen, die meinen Selbstwert stärken.
15:05
Und dann werde ich mich in die Richtung entwickeln, die für mich und für die anderen gut ist, dass wir besonders gut jetzt in dieser Umgebung klarkommen. Wenn ich in der Wüste leben würde, wären das andere Sachen, die mir dann ein gutes Gefühl geben und der Gruppe ein gutes Gefühl geben, worüber die sich freut, was wieder auf mich zurückwirkt. Und dann würden wir das mehr ausbilden. Und das heißt, das ist auch was, in welche Richtung gehen wir, was wird gebraucht und dass wir besonders viel Energie und Mühe da reinstecken, das zu entwickeln. Und das ist an sich eine sehr gute Sache.
15:35
Und im Wort Selbstwert steckt ja eigentlich das Wort selbst drin. Aber was du jetzt klar, finde ich, ganz deutlich gemacht hast, ist, Selbstwert ist ein unfassbar sozialer Aspekt. Unsere Gesellschaft würde ohne den Selbstwert gar nicht funktionieren. Aber auch ein Selbstwert ist wichtig, so als Überlebensstrategie. Wir haben ganz schlimme Beispiele. Du hast jetzt auch schon den Krieg genannt, aber allein, was im Dritten Reich mit den Juden passiert ist, das geht ja nur, indem man diese Menschen komplett entmenschlicht, denen keinen Wert mehr zuschreibt.
16:04
Und vielleicht gehe ich da noch mal drauf ein, weil da ist mir auch noch wichtig, was deutlich zu machen. Ich habe immer wieder Klienten, die den Wunsch haben und sagen, ich habe einen schlechten Selbstwert und mein Ziel ist, dass es mir völlig egal ist, was andere über mich denken oder sagen. Die sich davon völlig abkoppeln wollen. Und der Wunsch ist nachvollziehbar, aber es ist gefährlich. Und das sehen wir an den Juden. Wie du sagst, wir brauchen gar nicht weit gucken in unserer Geschichte. Es war ganz klar, die Juden wurden erst offiziell praktisch als minderwertig erklärt und wir wissen alle, was dann passiert ist. Jetzt ist aber wichtig zu sagen, natürlich waren die nicht minderwertig. Also es geht nicht darum, diese Bewertung zu übernehmen. Das ist ein zweiter Schritt, für mich zu gucken, da kommt eine Bewertung von außen. Folge ich der, folge ich der nicht? Stimmt die mit meinen Werten, mit meinen Zielen und so weiter überein? Das sollte man auf jeden Fall für sich überprüfen und nicht einfach blind irgendwelche Bewertungen annehmen.
16:59
Gleichzeitig war es so, es wäre wichtig, dass ich dazu sagen, dass ich gespürt habe, wie viel Wert schreibt der andere mir zu? Weil diejenigen, die das gespürt haben, die hatten die Chance, sich zu schützen und sind zum Beispiel ausgewandert. Und diejenigen, die das nicht so wahrgenommen und realisiert haben, die haben die Gefahr vielleicht falsch eingeschätzt, was ja auch total nachvollziehbar ist. Ich meine, kein Mensch konnte sich vorstellen, dass Menschen wirklich so grausam sind. Aber es gab welche, die haben es realistisch eingeschätzt, andere nicht und die sind gestorben. Und das heißt dann Selbstwert, das heißt nicht, wenn mir jemand Wert zuschreibt, dass das stimmt oder dass ich das übernehmen muss. Aber ich muss ein Gefühl für die Gefahr und eine Einschätzung der Gefahr haben. Was bedeutet das für unsere Beziehung? Wozu wäre der fähig? Und so weiter.
17:45
Ich finde, das ist ein ganz guter Einstieg jetzt in das Thema und ich möchte gerne im nächsten Schritt mit dir tiefer in dein Modell einsteigen. Und ich fand es so schön auch in der Selbstwerttrainerausbildung. Du meintest ganz am Anfang so, es braucht auch Worte, über den Selbstwert zu sprechen, weil Selbstwert ist so ein großes Wort. Ich habe schon selbst mir gegenüber immer mal wieder erwähnt, ich möchte gerne meinen Selbstwert ein bisschen stabilisieren, erhöhen. Und dann? Und wie geht es weiter? Und was meine ich damit eigentlich? Also meine ich damit, dass ich eine neue Fähigkeit ausbilden möchte? Ich merke, bei mir ist das zum Beispiel immer sehr leistungsgetrieben, gerne. Wo ich sage, dann lerne ich halt noch mehr. Und durch dein Modell habe ich auf jeden Fall gemerkt, dass man sich selbst so, also die Sprache, was ist Selbstwert eigentlich, anreichert. Und jetzt merke ich auch bei mir in der Selbstreflexion immer, wenn ich merke, heute habe ich irgendwie nicht so einen guten Tag, irgendwie fühle ich mich heute nicht so gut mit mir selbst.
18:37
Und ich dann anfange, welcher Part meines Selbstwerts, über was rede ich da eigentlich gerade? Was stört mich? Und da habe ich später vielleicht noch mal ein privates Beispiel, aber deswegen würde ich jetzt mal anfangen, in dein Modell einsteigen. Es ist ja ein Zwiebelmodell.
18:49
Genau, es ist ein Schichtenmodell mit einem Kern. Und ich fange mal an, es zu erklären. Also es sind insgesamt fünf Faktoren. Wir können es ja unten auch einfach mal einblenden oder verlinken. Da kann man es an sich auch noch mal als Grafik angucken und kriegt vielleicht einen Eindruck. In der Mitte und der erste Faktor in diesem Faktorenschichtenmodell ist das Grundgefühl. Und das Grundgefühl bestimmt so den Range des Selbstwertes. Also wenn wir auch hier noch mal von 0 bis 10 ausgehen, dann ist es so, der Selbstwert, das merken wir ja alle, der ist nicht immer stabil, der schwankt, der bewegt sich ein bisschen. Und sagen wir mal, wenn wir jetzt ein schlechtes Grundgefühl haben, dann würde man sich dann normalerweise in seinem Selbstwert, wenn man gefragt wird, ich sage mal zwischen 2 und 4 zum Beispiel bewegen. Wenn ich ein sehr gutes Grundgefühl habe, dann würde ich mich vielleicht üblicherweise so zwischen 7 und 9 aufhalten. Wenn ich jetzt ein schlechtes Grundgefühl habe und mich üblicherweise zwischen 2 und 4 befinde, selbst wenn mir jetzt was Tolles passiert, dann schießt er vielleicht mal kurzzeitig in die Höhe, aber insgesamt wird er sich dann nach einer Zeit wieder eingependelt haben auf meinem üblichen Niveau.
19:51
Und umgekehrt, wenn ich einen sehr guten Selbstwert habe, selbst wenn mir was Schlechtes passiert, irgendwann über die Zeit lande ich dann wahrscheinlich mehr oder weniger wieder da. Und das Grundgefühl ist im Kern des Selbstwertes und es ist zum einen ganz stark von Bindungs- und Beziehungserfahrungen geprägt. Habe ich erlebt, dass ich geliebt werde, dass ich gewollt bin, so Geschichten. Das ist das eine. Und das zweite ist aber, Veranlagung spielt eine Rolle und auch die Physiologie. Also was wir eben schon als Beispiel hatten, es gibt einfach Leute, ich hatte jetzt letztens jemanden mit Transgender, der ist sehr geliebt von seiner Familie, aber er fühlt sich in sich einfach falsch, nicht richtig, lehnt Teile ab von sich. Und natürlich ist das was, was sich dann auf so ein Grunderleben auswirkt. Das wäre so was, das hat sowohl in der Physiologie auch eine Verankerung. Oder Menschen, die generell so veranlagt sind, dass sie eher eine Negativsicht haben, die sehr kritisch sind, denen das sehr ins Auge fällt, die davon schlecht loslassen können und denen es schwerfällt, die Perspektive vielleicht aufs Positive zu lenken.
20:57
Das sind natürlich auch Sachen, die hat man dann sich selbst gegenüber üblicherweise auch. Und das wäre so eine Veranlagungsgeschichte, die sich auch aufs Grundgefühl auswirken würde, höchstwahrscheinlich.
21:07
Ich habe, während wir das Modell durchgegangen sind damals, mir so Notizen gemacht, die wollte ich gerne so einbringen, wo ich immer mehr überlegt habe, okay, was bedeutet das im Kontext von Konsum und Suchtentwicklung? Und sehr viele meiner Klienten haben ja wirklich auch die Herausforderung, dass sie auch aus einem sehr konflikthaften Elternhaus kommen. Sucht ist häufig auch eine Familienerkrankung. Also viele meiner Klienten haben irgendwie schon einen alkoholkranken oder anderweitigen substanzensüchtigen Elternteil. Das hat totale Auswirkungen auf die Bindung und aufs Bindungserleben und kann da wirklich auch eine große Erstörung des Grundgefühls auslösen im Kontext von Bindungstrauma. Und wie sich das so emotional aussetzt, war dann halt so innere Leere, ein Einsamkeitsgefühl, so dieses Gefühl von Verlorensein in der Welt. Und dass eben gerade da auch der Konsum Mittel ist, um das auszugleichen. Und es gibt ja, da habe ich mit Frank Fischer auch drüber geredet, der sagt das so schön, er sagt, dass die Substanz eine Art Bindungsersatz sein kann.
22:09
Also dass man sozusagen im Konsum und vor allem auch im sozialen Kontext des Konsums erlebt, hier habe ich irgendwie wieder so einen Bindungsersatz. Oder eben, man konsumiert gezielt Substanzen wie zum Beispiel Opioide, die einem so dieses Gefühl von Bindung und Sicherheit geben. Diese warme Decke. Gerade Opioide wird da immer sehr beschrieben von die warme Decke, die mich irgendwie sicher einlullt und sowas. Also ganz klar in die Bindungsrichtung.
22:36
Und wenn das Grundgefühl massiv gestört ist, dann ist es immer auch wichtig, mal in Richtung Trauma oder traumaähnliche Erfahrungen oder Muster zu denken. Und das sind einfach sehr, sehr existenzielle Gefühle, die auch nicht mit einem Schnipp zu verändern sind, wo man sich oft dann auch hilflos ausgeliefert fühlt und dann im Grunde genommen ja zu einer Art Selbstmedikation greift, um das irgendwie ertragen zu können.
23:01
Gehen wir mal zur nächsten Stufe der Zwiebel.
23:04
Genau, die nächste Stufe oder Schicht ist die Selbstakzeptanz, relativ nah dran am Grundgefühl. Und die Selbstakzeptanz hat ganz viel mit der Stabilität des Selbstwertes zu tun. Bei der Selbstakzeptanz geht es darum, wir haben ja alle unsere Macken und Fehler und Schwierigkeiten. Vielleicht setzen wir mal was in den Sand, ganz normal. Und dann ist die Frage, zieht mich das total runter? Oder obwohl ich weiß, ich bin praktisch trotz meiner Macken, auch wenn ich meine Fehler mache und so, insgesamt bin ich trotzdem okay und liebenswert vom Grund her. Und ich sage immer, die Selbstakzeptanz bezieht sich vor allem darauf, wie konditional das Selbstwertgefühl ist. Also an welche Bedingungen ist es geknüpft, an welche Bedingungen, an wie viele und wie intensiv. Und ich sage jetzt mal, wie man das für sich schnell überprüfen kann und dass man so einen ganz praktischen Eindruck kriegt. Wie viele Sätze habe ich von, ich bin nur etwas wert, wenn? Und das kann ja alles Mögliche sein. Ich bin nur etwas wert, wenn ich schlank bin.
24:01
Ich bin nur etwas wert, wenn ich Leistung bringe. Ich bin nur etwas wert, wenn ich anderen helfe. Also es gibt ganz unterschiedliche Bedingungen. Und wenn mein Selbstwert jetzt an eine Bedingung geknüpft ist, dann ist es so, solange die Bedingung erfüllt ist, ist er okay und stabil. Und in dem Moment, wo sie nicht erfüllt ist, geht er in den Keller. Also Beispiel, wenn ich jetzt sagen würde, ich bin nur etwas wert, wenn ich schlank bin. Jetzt gehe ich heute Morgen auf die Waage, habe 300 Gramm abgenommen. Dann denke ich, super, dann geht es mir gut. Dann habe ich ein gutes Selbstwertgefühl oder Erleben. Und wenn ich sage, wenn ich jetzt auf die Waage gehe, ich habe 300 Gramm zugenommen, dann geht es sofort in den Keller. Und das heißt, wenn ich eine schlechte Selbstakzeptanz habe, dann habe ich ein hohes Risiko, dass mein Selbstwert immer schwankt. Und es ist auch so, dass ich diesen Sachen immer hinterherrenne. Also zum Beispiel bei vielen Leuten mit einem Burnout ist das so, dass sie das Gefühl haben, ich bin nur etwas wert, wenn ich was leiste oder wenn ich anderen helfe.
24:52
Und in dem Moment, die müssen das immer machen, die müssen sich immer dieses Feedback holen. Und in dem Moment, wo das ausbleibt, merken die, dass ihnen ihr Selbstwert anfängt, durch die Finger zu rieseln. Das heißt, die können nie eine Pause machen. Die können nie sagen, ich brauche jetzt mal Zeit für mich oder so. Die müssen immer weitermachen, um ihren Selbstwert stabil zu halten. Wäre so ein Beispiel. Und du hast bestimmt welche im Suchtbereich.
25:15
Ich hatte in dem Kontext sehr darüber nachgedacht, dass viele Betroffene auch erleben, gerade zurückgespiegelt von der Gesellschaft, ich bin nur etwas wert, wenn ich nicht süchtig bin.
25:26
Genau. Und ich denke, also auch wenn ich süchtig bin, es gibt so wenig Verständnis für das, was dahinter steckt und für wie anstrengend das ist, wie bemüht die Menschen sind und dass da häufig Fehlschlüsse auf den Charakter geschlossen werden und man so vielen Bewertungen und ganz vielen Fehlbewertungen, die ganz stark auf die Selbstakzeptanz gehen, nämlich ich bin eigentlich nichts wert, wenn ich so bin, wie ich bin. Ich müsste ganz anders sein, wenn ich so und so wäre, aber so wie ich bin, geht es gar nicht. Und das ist eine besonders große Herausforderung. Das ist auch mein Erleben immer wieder im Suchtbereich. Ich habe eine Grundschwierigkeit und das, was sich aus der Sucht ergibt, potenziert das nochmal so sehr. Und das, finde ich, haben wir bei der Selbstakzeptanz auch.
26:11
Und ich finde beim Thema Selbstakzeptanz noch einen anderen Punkt ganz interessant, der mir häufig in der Praxis begegnet. Und zwar, ich habe leider selbst noch keine Forschung dazu gefunden. Ich habe mal ein bisschen geschaut. Ich habe sehr häufig introvertierte Klienten, die den Konsum dafür nutzen, extrovertiert zu sein. Also gerade im Kokainbereich, extremst im Kokainbereich, weil gerade Kokain so diesen Selbstwertboost gibt, so ich bewege mich in einer Gruppe und die dann halt erleben, ich bin nur etwas wert, wenn ich extrovertiert in der Gruppe mache. Da muss ich mich an einen früheren Klienten erinnern, der gesagt hat, das ist so schwer aufzuhören zu konsumieren, weil mich meine Gruppe nicht akzeptiert, weil ich bin eigentlich so ein Ruhiger. Und wenn sozusagen, wie nannte er es tatsächlich, glaube ich, der Alpha, mal nichts trinkt, ist das gar kein Problem, weil der ist immer noch der Alpha. Und da gibt es keine Kommentare. Aber wenn ich nichts trinke, du bist so langweilig. Und dann sind wir wieder bei diesem Thema Selbstakzeptanz, dass auch Menschen durch den Konsum etwas gewinnen, was nicht ihrer selbst entspricht, weil sie eher so ruhig sind.
27:15
Und da dann halt eben, dass ich so rein kette. Das ist mir auch noch in diesem Selbstakzeptanz-Thema so richtig im Kontext von Konsum klar geworden.
27:21
Ja, und das ist halt, wenn es ums Grundgefühl geht, dann geht es oft darum, Gefühle auszuhalten. Wenn mein Grundgefühl nicht stimmt, das fühlt sich schrecklich an. Und wir haben ja schon gesagt, das kann bis zu einem existenziellen Erleben gehen. Also das heißt, wenn das Grundgefühl gestört ist, dann ist Sucht oft ein Mittel, um das irgendwie aushalten zu können. Wenn die Selbstakzeptanz im Mittelpunkt oder ein großes Problem ist, dann kann Sucht das Mittel sein, um so zu sein, wie man gewünscht ist. Und ich kenne es auch umgekehrt. Ich arbeite ja viel mit Neurodiversen. Da gibt es die, die sehr introvertiert sind. Aber ich kenne auch Leute im Neurodiversitätsbereich, die einfach sehr viel Energie haben und die immer das Gefühl haben, sie sind zu viel. Viele Ideen, dies das, ADHS zum Beispiel, die dann Drogen nehmen, um halt ihr Energielevel zu dämpfen und dann auch wieder reinzupassen. Es geht wirklich immer darum, habe ich das Gefühl, ich bin okay, so wie ich bin, oder ich müsste anders sein.
28:13
Genau, und da kann wirklich auch der Konsum, also wir müssen vielleicht da kurz eine Spezifikation, die Sucht an sich ist nicht das Mittel, sondern der Konsum entwickelt sich dann daraus, weil halt der Konsum so eine unfassbar wichtige Funktion einnimmt, eine lebenswichtige. Da sind wir wieder bei dem Punkt, ich möchte ja akzeptiert werden und ich bin ja nur was wert, wenn ich mich gut anpasse. Und da kann halt einfach unterschiedliche Drogen in unterschiedlichen Situationen das Mittel der Wahl sein, um an seiner Selbstakzeptanz zu arbeiten. Arbeiten in großen Anführungszeichen.
28:42
Genau. Und der Punkt, dass ich arbeite ja nicht an meiner Selbstakzeptanz, sondern ich versuche mich dann anzupassen. Und ich versuche, eine Anpassungsleistung zu bringen, die mich eigentlich häufig überfordert. Oder wo ich das Gefühl habe, das kann ich nicht schaffen. Und eigentlich gehe ich dann ja häufig auch sozusagen in eine Strategie, die es mir noch schwieriger macht. Anstatt zu gucken, wo bin ich okay, warum bin ich okay? Oder mir ein Umfeld zu suchen, wo so wie ich bin, das geschätzt wird, genau richtig ist, etc. Versuche ich ja in einem Umfeld zu sein, wo ich merke, eigentlich passe ich nicht. Oder vielleicht stimmt es auch gar nicht. Also entweder ist es wirklich so, ich passe da nicht rein, weil es ist ja kein Problem, es gibt tausend Umfelder. Und wir arbeiten immer so am Inneren und so weiter. Einen ganz großen Effekt hat ja auch, welches Umfeld suche ich mir, welchen Beruf, welche Menschen, was suche ich mir für Situationen, mit wie vielen Reizen, die auf mich einströmen oder sowas.
29:39
Also da kann ich die Passung deutlich erhöhen. Und das ist manchmal der deutlich hilfreichere und gesündere Weg. Häufig ist es ja auch so, dass ich das vermute, dass die anderen mich so beurteilen und dass ich auch Rückmeldungen total überschätze oder nur die negativen wahrnehme. Und die, die mich mögen oder die, die das völlig okay finden, ausblende oder gar nicht in meinen Fokus geraten oder sowas. Also gibt es ja auch noch ganz viele Sachen, warum Selbstakzeptanzprobleme auch häufig damit zu tun haben, wie ich Sachen wahrnehme und bewerte, wo ich meine Aufmerksamkeit hin lenke.
30:15
Ich gehe mal einen Schritt weiter in die Selbstwirksamkeit. Wir werden nochmal eine fokussierte Folge über das Thema Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz machen. Das sage ich schon mal vorab, weil das häufig das Thema ist, mit was es anfängt. Deswegen können wir vielleicht über die ein bisschen schneller drüber gehen. Und da gibt es dann in zwei Wochen auch noch die Fokusfolge zu. Aber Selbstwirksamkeit.
30:38
Genau. Und ich würde Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz, das sind sozusagen nochmal zwei Faktoren, die würde ich gern zusammen erklären, weil man sie so gut zusammen erklären kann. Und zwar, ich fange mal an mit der Fähigkeitenpräsenz. Die Fähigkeitenpräsenz, das ist das, was viele denken, was den Selbstwert ausmacht. Ich kenne meine Stärken und bin davon überzeugt oder habe die präsent. Und ich sage immer, fangen wir mit der Fähigkeitenpräsenz an. Also die Metapher, mit der man das gut erklären kann. Man kann sich vielleicht vorstellen, jeder Mensch hätte so ein Handwerkskörperchen, also sein eigenes. Und die Fähigkeitenpräsenz, da geht es darum, dass ich weiß, was in meinem Handwerkskoffer drin ist. Also vielleicht habe ich jetzt irgendwie einen Hammer, ich habe drei besondere Schraubenzieher, ich habe eine Säge. Also ich habe da Handwerkszeug drin. Jetzt gibt es Leute, die wissen gar nicht, was sie drin haben oder die sehen viele Dinge gar nicht. Die haben eine schlechte Fähigkeitenpräsenz.
31:29
Die wissen gar nicht, dass sie drei Schraubenzieher haben. Die denken, sie haben nur einen oder sowas. Das unterscheidet sich von der Selbstwirksamkeit. Denn es gibt Menschen, die haben einen prall gefüllten Handwerkskoffer und sagen wir mal, die wissen auch, was da alles drin ist. Und jetzt sagt man denen, bauen wir ein Regal. Die haben alles, was sie dazu brauchen und sagen, ah nee, das schaffe ich nicht. Die haben eine schlechte Selbstwirksamkeit. Und es gibt Menschen, sagen wir mal, fürs Regal braucht man jetzt fünf Tools und die haben in ihrem Köfferchen nur drei und die sagen, ja klar, kein Problem, kriege ich hin. Also, das ist ein Unterschied. Genau. Also Fähigkeitenpräsenz heißt, kenne ich meine Stärken, weiß ich, was ich zur Verfügung habe, schätze ich das gut ein. Und die Selbstwirksamkeit ist, glaube ich, die Welt beeinflussen zu können, glaube ich, etwas bewirken zu können. Und das geht nicht nur um klassische Leistung. Also natürlich wäre Selbstwirksamkeit auch, ich traue mir zu, dieses und jenes Projekt zu wuppen.
32:23
Aber es geht auch darum, glaube ich, dass ich im sozialen Kontakt für mich hilfreich agieren kann, bin ich davon überzeugt, mich abgrenzen zu können. Aber auch so Geschichten, emotionale Selbstwirksamkeit, glaube ich, meine Emotionen regulieren zu können. Oder angenommen, ich würde voll im Leben stehen, wäre erfolgreich, dies und das. Jetzt kriege ich eine Diagnose von einer Krankheit, die schwer verlaufen wird und ich weiß, in drei Jahren werde ich bettlägerig sein und nur noch ganz wenig können. Dann wäre Selbstwirksamkeit auch der Glaube daran oder die Überzeugung, ein Gefühl zu haben, dass ich sage, ich weiß, das wird total schwer für mich, aber ich werde es irgendwie schaffen, mit der Situation klarzukommen. Auch das ist Selbstwirksamkeit. Also nicht nur klassisch Leistung. Ganz wichtig.
33:07
Weil wir da ja gleich noch eine Fokusfolge zu machen, nutze ich das jetzt mal nicht, um das auf Sucht zu beziehen, sondern mal kurz mein eigenes Beispiel einzubringen. Weil das fand ich sehr gut, weil ich da wirklich gemerkt habe, ein paar mehr Worte für das Thema Selbstwert zu haben, ganz gut. Ich bin ja jetzt wirklich seit einem Jahr und ein paar Monaten selbstständig. Und jeder, der selbstständig ist, kann das vielleicht nachvollziehen, dass die ersten Jahre eine Achterbahnfahrt sind. Ich habe mir jetzt auch ein bisschen mehr ausgetauscht und habe festgestellt, ich bin nicht die Einzige, die auf dieser Achterbahn sitzt. Die ist ganz schön voll. Aber was ich am Anfang gemerkt habe, ich habe unfassbar viel Unsicherheiten. Und das hat sich so ein bisschen ausgebreitet. Also im Sinne von irgendwie, wie baut man ein Business auf? Habe ich in meinem Leben noch nicht gemacht. Keine Ahnung, wie das geht. Und das hat sich so ein bisschen auf die anderen Sachen ausgebreitet, dass ich das Gefühl habe, ich kann irgendwie das alles gar nicht so gut. Oder also ist alles nichts.
33:52
Und dann hat mein Kumpel dann gemeint, so hä, also glaubst du jetzt auch, dass du keine gute Therapeutin bist? So nö, das läuft ja schon. Mein ganz berufliches Leben läuft es sehr gut. Und dann ist mir klar geworden, ja okay, ich muss das mal ein bisschen trennen. Also es gibt einmal meine fachliche Expertise und da fühle ich mich sehr wohl mit. Und gleichzeitig, so im Kontext der Fähigkeitenpräsenz und Selbstwirksamkeit, ist es eine komplett neue Situation, Unternehmen aufzubauen. Und ich habe noch auch keinen Beweis, dass ich das gut kann. Und ich mache es ja. Also ich habe ja schon das Gefühl von Selbstwirksamkeit, aber ich habe gemerkt, es hat sich alles so ein bisschen ineinander geharkt und so ein bisschen ausgestrahlt. Und als ich mich dann wirklich mal hingesetzt habe mit deinem Modell und geschaut habe, okay, wo drückt denn der Schuh? Und das aussortiert habe, seitdem geht es mir viel besser, weil ich dann gemerkt habe, ich bin deutlich freundlicher zu mir zu sagen, hey, das ist das erste Mal, dass du dich selbstständig machst, das darf sich entwickeln.
34:40
Und es hat auch nichts mit deinen anderen Fähigkeiten zu tun.
34:43
Ganz genau. Und die Selbstwirksamkeit ist auch schon sehr bereichsspezifisch. Also ich kann der Überzeugung sein, sozial kriege ich viel hin, aber Matheaufgaben kann ich nicht lösen oder sowas. Also dieses Grundgefühl, das hat was Basales und Umfassendes häufig. Aber zum Beispiel Selbstwirksamkeit oder auch Fähigkeitenpräsenz. Ich kann sagen, ich bin gut in Mathe, aber schlecht in Deutsch. Ich bin ein guter Tänzer, aber ein schlechter Koch oder sowas. Und auch bei der Selbstwirksamkeit. Aber bei der Selbstwirksamkeit finde ich, gibt es so eine Metaebene. Und die Metaebene wäre, ich kann Probleme lösen oder ich komme mit Schwierigkeiten klar. Also wenn ich diese Überzeugung habe, dann kann ich auch ganz anders im Leben Projekte angehen oder traue mir viel mehr zu. Wenn ich denke, ich muss was können und wenn nicht, bin ich aufgeschmissen. Dann kann ich nur Sachen machen, wo ich eine Sicherheit habe. Aber wenn ich zum Beispiel sage, ich weiß, ich komme mit Schwierigkeiten klar oder ich kann Probleme lösen, dann kann ich auch Sachen machen, kann sagen, ich probiere es aus.
35:36
Wenn es nicht funktioniert, ich werde irgendeinen Weg finden, wie ich zurechtkomme oder wie ich es dann doch löse. Und das gibt mir viel, viel mehr Möglichkeiten und Freiraum im Leben. Deswegen, wir haben eine Breitspezifität, aber ich glaube, es gibt auch so eine Art übergeordnete Ebene. Kriege ich Schwierigkeiten in den Griff, bin ich da irgendwie kompetent, zum Beispiel.
35:56
Absolut. Und das habe ich wirklich auch total gemerkt und auch einfach, wie hilfreich es ist, das zu ordnen. Und grundlegend kann ich sagen, meine Selbstwirksamkeit ist relativ hoch, weil ich bin dann so, dann lerne ich es halt. Also es ist okay, dass ich das doch nicht kann und dann schaut man halt, wie man durchkommt.
36:10
Absolut. Ich würde aber gerne noch einen Aspekt anfügen. Und zwar werde ich oft gefragt, manchmal auch gar nicht gefragt, sondern es wird so vorausgesetzt, dass alle denken, das Ziel ist ein Selbstwert erleben von zehn. Überall so, ja. Da will ich ganz kurz noch was differenzierendes zu sagen. Und zwar, das ist eigentlich gar nicht so hilfreich, sondern wir haben ja gesagt, der Selbstwert oder das Selbstwertelement hat eine adaptive Funktion. Und die Selbstwirksamkeit kann das sehr schön zeigen. Es geht ja darum, dass ich so gut wie möglich durchs Leben komme und so passend wie möglich zu mir auch durchs Leben komme. Und bei der Selbstwirksamkeit merken wir, dass es ganz wichtig ist, dass ich eine realistische Einschätzung habe. Also wenn ich eine überbordende Selbstwirksamkeit hätte, dann würde ich mir Sachen zutrauen, die ich gar nicht kann und würde in schlimme Situationen rennen. Wenn ich mir zu wenig zutraue, dann lasse ich Chancen liegen. Genauso ist es bei der Selbstakzeptanz. Eine Selbstakzeptanz von zehn würde bedeuten, ich finde mich immer super.
37:06
Ich bringe jemanden um und denke mir, top, geil, muss mich nicht hinterfragen, sozusagen. Jemand mit einer Selbstakzeptanz von zehn hinterfragt sich nicht, der würde sich auch nicht weiterentwickeln. Und das heißt, der Selbstwert, das ist wichtig, dass der flexibel ist und dass wir in verschiedenen Situationen verschiedenen Selbstwert haben. Letzten Endes ist es natürlich so, dass es ein Fundament geben muss, dass ich auch, wenn die Selbstwirksamkeit schwankt oder wenn ich was nicht hinkriege, dann hilft mir eine stabile Selbstakzeptanz zu sagen, hat nicht geklappt, aber ich bin trotzdem liebenswert. Ich behalte trotzdem einen liebevollen, wertschätzenden, unterstützenden Blick auf mich selber. Dadurch kann ich das dann auch. Also so spielen dann auch die einzelnen Facetten des Selbstwertes sich gegenseitig in die Hände. Aber worauf ich hinweisen wollte, ist, das Ziel ist nicht immer unflexibel zehn, sondern wirklich auch ein Gefühl dafür zu haben, das kann ich, das kann ich nicht. Das war okay von mir.
38:00
Hier sollte ich nochmal dran arbeiten, damit ich mich auch weiterentwickeln kann und mein Leben realistisch und mir angepasst gestalte.
38:07
Und das knüpft auch sehr daran an, dass ja wirklich auch so dieser Wunsch, den ich auch sehr viel aus der Praxis kenne, so ich möchte, dass mir alles egal ist oder ich möchte einfach, dass ich mich immer so top finde, dass das sozial beides nicht funktioniert. Und da sind wir wunderbare Überleitung zum letzten Aspekt deines Modells, das System. Also diese Zwiebel, dieses Schichtmodell, das liegt ja nicht im luftleeren Raum. Und das haben wir ja jetzt schon ganz häufig in dieser Folge angesprochen. Es gibt ja ein System, das das beeinflusst. Und das gibt es, glaube ich, im ganz weiten, aber auch im ganz expliziten.
38:39
Absolut. Also das, was ich jetzt alles genannt habe, das ist so angeordnet wie vier Kreise, Mittelpunkt und dann halt drei Kreise drumherum. Und das ist, ich sage mal, der intrapsychische Selbstwert innerhalb einer Person. Und wir sind ja nicht isoliert, sondern natürlich sind wir in Systemen und in Systemdynamiken gefangen und verankert. Und die Systeme oder das System oder Systemdynamiken nehmen auch einen ganz deutlichen Einfluss auf unseren Selbstwert. Also ich sage jetzt mal, als Beispiel habe ich immer, stellen Sie sich vor, ein Jugendlicher und die Eltern sind umgezogen, der kommt jetzt in eine neue Klasse oder in eine neue Stufe. Und der war immer der Mädchenschwarm. So, jetzt kommt er in die neue Klasse, da gibt es schon Mädchenschwarme, der wird ja nicht sagen, ach schön, dass du da bist, ich mache mal den Platz frei, sondern da werden Dynamiken entstehen, gehe ich jetzt mal von aus. Und die werden natürlich auch auf den Selbstwert beider einen Einfluss nehmen. Und das heißt, das System spielt eine große Rolle.
39:32
Und ich würde es gern weiterdenken. Das kann natürlich das Familiensystem der Ursprungsfamilie sein. Das kann meine Klasse sein, in der ich bin. Oder das Team. Das kann das Schulsystem an sich sein. Aber ich würde gern noch weiterdenken. Das muss man wirklich auch von Person zu Person mitdenken und analysieren. Natürlich spielen auch so Sachen wie unser Wirtschafts- oder unser Gesellschaftssystem eine Rolle. Oder was wir jetzt haben, die systemischen Veränderungen durch die Digitalisierung. Wir wissen alle, dass Social Media, wie stark sich das auf die psychischen Erkrankungen und das Selbstwertgefühl auswirkt. Ganz besonders sieht man das zum Beispiel bei jungen Frauen und Mädchen. Also das mitzudenken und da auch zu wissen, das sind Einflüsse von Menschen oder von Faktoren, mit denen hatte ich nie einen persönlichen Kontakt oder nie ein persönliches Gespräch. Da findet auch noch auf einer anderen Ebene ganz viel statt, was auf unseren Selbstwert Einfluss nimmt. Und auch das ist bei unterschiedlichen Personen unterschiedlich relevant.
40:32
Das heißt, die Arbeit mit dem Selbstwertmodell heißt halt wirklich, dass ich mit einer Person gucke, diese Faktoren gibt es alles. Das kann alles Einfluss nehmen auf ihr Selbstwerterleben. Was ist bei Ihnen besonders wichtig? Was wirkt sich besonders aus? Wo ist der Punkt, an dem Sie einen besonderen Gewinn haben, wenn wir daran arbeiten?
40:49
Und das haben wir ja auch wirklich bei Sucht so extrem, weil wir ja die Stigmatisierung auf so vielen Ebenen haben. Eine Art und Weise, wie über Menschen mit Suchterkrankungen in den Medien gesprochen wird. Das war ja einer meiner Hauptmotivationen im Psychoaktiv vor sechs Jahren zu starten, war, ich möchte gerne differenziert über Sucht sprechen. Ich möchte mehr Nuancen haben, nicht immer die neue Killerdroge. Und wenn du das nimmst, wirst du zum Zombie. Das ist ja auch dieser Zombie-Begriff. Das ist ja ein extremst… Mensch, du bist ein lebender Toter. Also die Begriffe, die einfach genutzt werden, rein über Menschen mit einer psychischen Erkrankung, und zwar der Abhängigkeitserkrankung, das ist ja enorm. Das heißt, man hat sozusagen dieses Bild, was sozusagen einfach in unserer Gesellschaft herrscht. Und das geht halt immer weiter runter. Und es gibt ja gerade in der Sucht wird ja inzwischen sehr viel auch zu Stigma geforscht. Und da gibt es ja den Begriff der Selbststigmatisierung.
41:38
Also ich werde so häufig mit der Stigmatisierung konfrontiert, dass ich irgendwann der Meinung bin, ich bin selbst nichts wert, ein minderwertiger Mensch etc.
41:47
Und das ist ja ein ganz üblicher Prozess. Also das, was mir von außen angetragen wird, wenn sich das wiederholt, wenn ich das auf vielen Ebenen bemerke, dann haben wir einfach eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir Sachen internalisieren und selber übernehmen.
42:00
Ja, ich glaube, das ist ein guter, runder Schluss für dieses Modell. Wie gesagt, ich verlinke euch das Modell und die Selbstwerteakademie, wo ihr das auch kostenlos nachlesen könnt, auf jeden Fall in den Shownotes. Es macht auf jeden Fall Sinn, es einmal sich bildlich angeschaut zu haben.
42:19
Werbung.
42:24
Wir hatten es heute auch schon von Neurodiversität, Frauke. Und ich glaube, da hast du auch ein cooles Angebot für die Hörer, das du vielleicht gerne vorstellen möchtest mit dem Neurodiversitätskongress.
42:34
Ah, genau, ja super. Also, ich veranstalte mit Planet Psy, das sind die Verlage Kletkotta, Schatter und Junfermann, vom 23. bis 25. November einen Online-Kongress zum Thema Neurodiversität. Der erste Tag ist für Fachleute, der ist kostenpflichtig. Und dann der zweite und dritte Tag ist für Betroffene und Interessierte. Und wir haben dann an dem einen Tag vor allem, woran erkenne ich das, was für Neurodiversitäten gibt es, also die wichtigsten, größten. Und am zweiten Tag, was kann man machen? Also ganz praktische Tipps von Methoden, die einem weiterhelfen, aber auch bis hin zu, worauf sollte man achten, wie findet man Therapieplatz, worauf kann man bei einer Klinik achten, solche Geschichten. Und die beiden Tage sind kostenfrei. Und da freuen wir uns. Und es kommen wirklich auch Koryphäen von Gunther Schmidt, Matthias Berking aus dem Training emotionaler Kompetenzen, Damir Del Monte, ein großartiger Neurowissenschaftler, der uns Dinge erklärt, Ulrike Wiluzki, die ganz stark ist in Ressourcenaktivierung und auch alles wissenschaftlich fundiert.
43:38
Das würden wir sehr gerne anbieten.
43:39
Magst du das Datum noch sagen?
43:41
23. bis 25.11., ganztägig.
43:44
Dann packe ich auch da den Link in die Kommentare. Es gibt im Prinzip in zwei Wochen jetzt nochmal die Vertiefungsfolge zu Selbstwirksamkeit und Fähigkeitenpräsenz. Das machen wir deswegen, weil gerade der Aspekt für die ersten Schritte, auch bei der Herausentwicklung aus der Sucht, super relevant sind. Und wenn ihr Psychoaktiv Plus Mitglieder seid, findet ihr auch gleich nächste Woche eine schöne Übung, die ihr mit euren Klienten sehr gut machen könnt zum Thema Selbstwert, die ich selbst schon sehr häufig gemacht habe. Ihr findet auch den Link für die Psychoaktiv Plus Mitgliedschaft einfach in den Shownotes. Und nächste Woche gibt es dann da nochmal eine Bonusfolge. Und dann bis zum nächsten Mal. Tschüss und danke, Frauke, dass du da warst.
44:26
Ich danke dir.

