Safer Use

Safer Use umfasst Strategien, mit denen sich gesundheitliche Risiken beim Substanzkonsum verringern lassen. Gerade bei illegalisierten Substanzen ist oft unklar, welche Wirkstoffe enthalten sind, wie hoch sie dosiert wurden und ob Verunreinigungen vorliegen. Schutzmaßnahmen setzen deshalb an verschiedenen Punkten an: bei hygienischen Konsumbedingungen, vorsichtigem Antesten, einer realistischen Dosierung sowie der Berücksichtigung von Mischkonsum, Set und Setting. Auch die Wahl der Konsumform, saubere Utensilien und das Wissen über mögliche Wechselwirkungen können das Risiko deutlich beeinflussen.
Im Gespräch mit Frank Günther, Projektleiter der Safe Party People Frankfurt, geht es um die Entwicklung von Safer Use und akzeptierender Drogenarbeit in Deutschland. Die Folge verbindet die Geschichte der Frankfurter Konsumräume mit der Arbeit auf Raves und Festivals und spricht über Spritzentausch, Drug Checking, Psycare, Konsumpausen, individuelle Wirkungen und den Umgang mit Notfällen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen möglichst verlässliche Informationen erhalten und konkrete Risiken frühzeitig erkennen können. Dabei zeigt sich, dass Schadensminderung sowohl strukturelle Angebote wie Konsumräume und Beratung als auch praktische Regeln für einzelne Konsumsituationen umfasst.
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Safer Use
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PODCAST-METADATEN
Folge: 19
Erscheinungsdatum: 25.03.2021
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Safer Use
Sprecher: Stefanie Bötsch, Frank Günther (Organisation Safe Party People Frankfurt)
Typ: Transkript
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Transkript Beginn
00:09
Psychoaktiv. Euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein!
00:23
Ja, willkommen Leute! So nach einigen technischen Schwierigkeiten bin ich sehr froh, dass wir jetzt endlich mit dieser Folge starten können. Und zwar geht es heute um das Thema Safer Use und wahrscheinlich auch noch ganz viel drumherum. Und dafür habe ich mir heute einen Gast eingeladen und zwar den Frank Günther. Der Frank, der ist Leiter, Projektleiter, stimmt, von den Safe Party People. Und wenn man es dann so nimmt, auch mein Chef von meinem Ehrenamt. Ja.
00:50
Und ja, Frank erzählt mir schon immer, seit ich ihn kenne, viele coole, spannende Geschichten über Safer Use und wie das alles angefangen hat. Und deswegen freue ich mich jetzt einfach, dass du hier bist. Hallo Frank! Hallo Steffi, ich freue mich hier zu sein.
01:04
Ja, vielleicht bevor wir ein bisschen mehr tiefer rein starten, ist glaube ich die erste Frage, die wir klären müssen. Was ist eigentlich Safer Use? Wie würdest du jemanden beschreiben, der noch nie was mit Drogen oder Substanzen zu tun hatte, was Safer Use eigentlich ist? Ja, bei Safer Use geht es eigentlich darum, dass man sich schützt beim Substanzkonsum. Dass man versucht, durch verschiedene Mechanismen oder Mittel und Wege findet, eine Substanz sicherer zu konsumieren. Vor allem bei illegalen Substanzen.
01:33
macht das Sinn. Warum macht das vor allem bei illegalisierten Substanzen Sinn? Weil man halt überhaupt nicht weiß, was da drin ist tatsächlich. Im Alkohol, da steht es drauf, Alkoholreinheitsgebot und so weiter, das ist relativ safe, bei Medikamenten natürlich auch. Wenn man jetzt so guckt, wo das herkommt, so aus der Heroinarbeit, wo Leute IV konsumieren. IV bedeutet intravenös?
01:58
Ja, was da drin ist, ist drin und da ist eine Bandbreite von 5% Heroin bis 80%, also da kann einiges passieren und da kommt es halt so ein bisschen raus. Und ein weiterer Aspekt, warum Safer Use auch einfach so wichtig ist, wollte ich da noch anfügen, ist, dass über Alkohol reden wir in der Gesellschaft, über den Konsum von Alkohol reden wir in der Gesellschaft und wir kriegen im Prinzip…
02:18
Konsumregeln mit. Und ein wichtiger Teil vom Self-Reuse ist eben auch die Verbreitung von Konsumregeln, weil über illegalisierte Substanzen und vor allem, wenn man die konsumiert, darüber spricht man nicht. Also wie soll man denn da lernen, wie man überhaupt mit den Substanzen umgehen kann? Genau, richtig. Beim Alkohol wird es ja weitergegeben, im besten Fall in der Familie, relativ früh vielleicht auch schon. Es werden zum Beispiel Zeiten festgelegt, wo man besser nicht trinkt oder es wird geguckt, wie man trinkt oder dass man vielleicht mehr Flüssigkeit zu sich nimmt und
02:46
Bei den anderen Sachen ist es einfach eher tabu. Genau, jetzt würden böse Zungen behaupten, wenn man mit Menschen über Self-Use redet,
02:56
dass man sozusagen Menschen dazu motiviert, überhaupt zu konsumieren. Was sagst du dazu? Naja, die Menschen konsumieren ja sowieso schon. Also das ist ja nicht aus dem Himmel gefallen, sondern es gab Menschen, die konsumiert haben. Drogen wurden schon immer in allen Kulturen genutzt und auch da gab es natürlich auch Verhaltensmuster, wie man sich damit umgeht. Also wenn in Südostasien Opium geraucht wird, dann ist auch klar, wer das tut, die alten Menschen und
03:21
Ja, nein, also es ist keine Konsumaufforderung für mich nicht. Ich kenne das Argument, aber… Ja, ich habe mal, ich weiß gar nicht mehr in welchem Rahmen, das war auch Safer Use, Ziehblöcke vorgestellt. Ziehblöcke sind sozusagen Blöcke, wo man sich immer ein Blatt abreißen kann, die man dann zum Sneefen von Kokain, Amphetamin und was man auch sonst so durch die Nase ballern kann, nutzen kann. Und da meinte eine Frau zu mir, naja,
03:48
wenn ich Ziehblöcke austeile, dann würde ich ja Menschen sagen, sie sollen konsumieren. Und ich möchte gerne mal die Person kennenlernen, die sagt, oh naja, jetzt wo ich einen Ziehblock habe, dann gehe ich jetzt mal Koks kaufen, das erste Mal in meinem Leben. Das ist so ungefähr, wenn ich sage, die Leute haben ein Bierglas im Schrank und müssen jetzt unbedingt Bier trinken, weil sie ein Bierglas haben. Ja.
04:12
Machen wir erstmal einen kleinen aktuellen Scan. Also, Safe Party People, ich bin da selbst seit knapp drei Jahren ehrenamtlich aktiv. Frank, bei dir sind es ein paar Jahre länger. Wie viel sind es? Es ging 1995 mit dem Verein los und so mit dem Thema beschäftige ich mich tatsächlich seit 1992.
04:30
Also schon deutlich länger. Inzwischen schaut unsere Arbeit sehr danach aus, wir sind auf Raves unterwegs und auf Festivals, wenn sie denn gerade sind. Letztes Jahr war da eher ein bisschen mau. Und ja, machen im Prinzip Stände und klären über Safer Use auf oder auch machen Psyche, dazu kommen wir vielleicht später noch ganz kurz drauf.
04:51
Frank, wie tritt man denn mit Menschen in Kontakt, wenn man so auf Raves ist? Weil, kann ja gut sein, dass die vielleicht gar nicht mehr so aufnahmefähig sind. Was macht man da eigentlich am Stand? Also das ist überhaupt nicht meine Erfahrung. Im Gegenteil, eigentlich muss man nur da sein und irgendwie einen Stand haben. Die Leute kommen von alleine und sind neugierig und fragen. Und das war von Anfang an so. Die haben sofort gesehen, da geht es um das Thema Drogenkonsum.
05:14
Wir haben damals schon mit Broschüren gearbeitet, mit Pillenbahnungen gearbeitet und sofort war das Interesse da. Und gerade in diesem Bereich elektronische Musik extrem groß. Also man kann es ja vergleichen mit dem Bereich Heroin, offene Szene, Bahnhofsviertel, wo das alles ein bisschen anders abläuft. Gerade zum Beginn von dieser Technophase, das war ja alles, ich sage jetzt mal, jungfräulich und verdorben. Die Leute hatten da auch keine Berührungsängste. Im Gegenteil.
05:39
Aber war das nicht damals fast noch ein größeres Tabu, als jetzt legalisierte Substanzen zu konsumieren? Es war ein größeres Tabu, aber auf dieser Parallelwelt-Party, nee, dann war das halt da so eine Tatsache, es hatte zugehört und es war ja auch von außen wenig Einfluss. Also es war relativ wenig Polizei in diesem Umfeld, es war relativ locker noch.
05:59
Vielleicht auch teilweise zu locker. Die Leute sind mit ihren Autos auf die Partys gefahren und den Club gefahren und dann auch dementsprechend weggefahren. Und ja, man wusste halt auch sehr wenig über die Substanzen. Gerade MDMA, Ecstasy, war eine relativ neue, in Anführungszeichen, Substanz, die wiederkam und Revival hatte oder einen richtigen Durchbruch hatte. Und es waren viele Mythen unterwegs. Und ja, es ging um so grundlegende Geschichten, wie wenn du viel tanzt, nimm deine Mütze ab. Trink genug Wasser. Und
06:28
probiere das Ding, teste mal an, teile es, nehm dich die Ganser und ja, das waren so die Grundlagen tatsächlich.
06:35
Genau, da haben wir gleich mal, wir werden immer zwischendrin so ein bisschen Safer-Use-Regeln auch herausarbeiten. Da sind wir gleich mal bei MDMA. Teilen von den Pillen, also sie in Viertel runterbrechen zurzeit, ist auf jeden Fall angesagt. Sie sind immer höher dosiert und die werden immer höher dosiert. Das heißt, teilen und Mütze abmachen bzw. viel Wasser trinken. Da geht es eben darum, nicht zu überhitzen, allerdings auch nicht zu viel Wasser trinken. Weil…
07:02
War das nicht so, dass die letzte Exzessitote an einer Wasservergiftung auch gestorben ist? Ich weiß nicht, ob es die letzte war, aber es gab tatsächlich schon den Fall, dass Menschen zu viel getrunken haben. Dass die einfach so viel Wasser in sich reingeschüttet haben. Aus Panik, es könnte zu wenig sein, dass der ganze Elektrolyth-Haushalt zusammengebrochen ist. Also viel Wasser trinken, vor allem im Zusammenhang mit Club und Tanzen und heiß. Wenn ich jetzt in der Natur sitze und vielleicht MDMA versuche,
07:25
Versuche zu konsumieren, ist das jetzt nicht der springende Punkt. Also in normalen Maßen trinken und einfach nicht vergessen. Es war so auch, wie gesagt, viele Mythen auch. Und Mütze ist jetzt heute auch, glaube ich, nicht mehr so das Thema. Genau, aber das ist auch ganz wichtig, weil halt wirklich immer so der Trinkwasser, Trinkwasser, so einer der Safer-Use-Regeln, die fast schon ein bisschen zu sehr durchgeschlagen ist, weil die nicht mehr differenziert wird und dann…
07:53
Ja, sechs Liter Wasser reinpumpen ist auch definitiv keine gute Idee. Ich glaube, einen halben Liter pro Stunde oder so. Aber selbst das finde ich schon relativ viel. Da muss man auch gucken, wenn man jetzt natürlich zehn Stunden am Stück tanzt und dann ein bisschen mehr. Immer so anpassen halt der Umgebung und was gerade los ist.
08:13
Du hast gesagt, seit 92 beschäftigst du dich mit dem Thema und seit 95 wurde der Verein gegründet. Du warst ja Gründungsmitglied von Save Party People. Wie kam es denn damals dazu? Erstmal war ich Student der Sozialpädagogik in Frankfurt an der FH. Hieß damals tatsächlich noch Fachhochschule Frankfurt. Was? University of Applied Science hieß mal FH? Genau, hieß mal FH, ja. Und…
08:38
Ja, der hat sich relativ schnell herauskristallisiert, dass das Thema Drogen für mich Band war im Studium und hatte das Glück, dann auch relativ schnell in der Chile-Straße im jetzigen Eastside zu landen. Das war damals ein Novum in der Drogenpolitik. Was ist das Eastside für die Nicht-Frankfurter?
08:55
Das ist ein großes Krisenzentrum für, ich sag mal, Opiatgebraucher oder Leute, die auf der harten Szene eigentlich sind. Und ist damals entstanden als die Taunusanlage. Das war so ein Park, wo teilweise bis zu 2000 Leute ihren Konsum öffentlich gemacht haben im Park. Man muss sich vorstellen, das war ein ganz übles Verhältnis. Die Leute haben in der Öffentlichkeit konsumiert. Es wurde Wasser aus Pfützen gezogen. Es gab eine unheimlich große Sterblichkeit in diesen Jahren. Ganz viele Menschen gestorben, weil sie… Kurze Unterbrechung, was meinst du mit Wasser aus Pfützen gezogen? Naja, zum…
09:24
IV intravenös konsumieren, wenn kein Wasser da war, wurde das Wasser aus der Pfütze teilweise genommen. Und da geht es schon los, sicherer Gebrauch. Ich kann mit so einem verkeimten Wasser, dass mir die Venenspritze
09:35
Kann man sich vorstellen, was da noch für Folgeschäden sind, die nichts mit Heroin oder so zu tun haben. Also da geht einfach das sichere Gebrauch schon los unter hygienischen Bedingungen zum Beispiel, ohne Stress. Eine Vene finden im Stress, Polizeidruck, ganz viele Menschen außenrum. Also es waren ganz üble Verhältnisse. Die Stadt wollte da auch nicht länger zugucken.
09:56
Es gab dann so die ersten Diskussionen, es gab die Montagsrunde, wo dann praktisch Polizei, Staatsanwaltschaft, Drogenhilfe, Stadt versucht hat, ein Konzept zu finden in Frankfurter Weg. Ich weiß nicht, ob es damals schon Frankfurter Weg genannt wurde, aber es waren zumindest die Anfänge.
10:10
Äh, und das hatte so einmal die Säule Repression, also das Auflösen, es gab dann das Chunky-Chocking, ja, es wurden dann die, die 1000 bis 2009 durch Frankfurt getrieben, so der Zug der Elenden und, ja, gleichzeitig wurden dann halt auch so Zentren wie die Stielestraße eröffnet, da gab’s damals, ich glaub, 70 Schlafplätze am Anfang, ich bin nicht mehr ganz sicher und, ähm,
10:31
So als Gegenangebot. Ja, und wie gesagt, der Versuch einfach eine Hilfe aufzubauen, auch mit neuen Wegen tatsächlich. Und ja, und da war ich halt gerade Student, habe das gerade so mitgekriegt, war dann Professor Happel, der auch Vorstand von der IDH, der Träger von der Chile-Straße vom Eastside ist.
10:50
Ja, und bin da als Student schon reingerutscht, ja, mit der ganzen Problematik. Man muss sich vorstellen, Leute kamen dann auch von der Szene, ja, dementsprechend gesundheitlich belastet, ja, teilweise wirklich halb tot, kann man sagen, ja.
11:02
Und da konnte man schon sehen, was so eine Dusche, was eine Übernachtung, was Spritzenaustausch schon macht oder hygienisches Wasser auszugeben. Dass man schon relativ schnell sehen konnte, wie Leute sich stabilisieren und das sind eigentlich so die Grundlagen von Safe-For-Use und Harm-Reduction, Schadensminimierung.
11:22
Genau, wie gesagt, auch hier kann man auch die Stricke in die Gegenwart ziehen, denn auch einfach hygienische Grundlagen, sei es, wenn wir jetzt im Club sind,
11:32
Nicht unbedingt von der Toilette ziehen, sondern schauen, dass man sich eine saubere Unterlage organisiert, die vielleicht desinfiziert. Wir haben in den Ständen zum Beispiel auch immer Desinfektionszücher dabei, sind nicht nur zum Händedesinfizieren da. Und dass man eben erstmal guckt, dass die Grundlage hygienisch und sauber ist, damit man eben sich keine Keime, keine Bakterien ballert.
11:53
Man kann Sachen, manche Sachen kann man nicht ändern. Also die Qualität der Droge, die ist illegal. Das wissen wir nicht genau. Gerade ohne Drug-Checking ganz schwierig. Aber wir können, wie du sagst, hygienische Bedingungen können wir ändern. Wir müssen nicht von der Kloschüssel ziehen. Und wenn wir das schon tun, dann sollten wir das vielleicht sauber machen. Wir müssen nicht einen verdreckten Geldschein nehmen. Da sind Keime dran, ganz klar. Um ein Gespür dafür zu bekommen. Was würde ich sonst auch nicht tun? Ich würde jetzt auch nicht von der Kloschüssel essen vielleicht.
12:21
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12:25
Kommen wir zurück ins Historische. Was ich immer noch recht im Kopf habe, ist, du hattest ja auch damals deine Diplomarbeit über Ecstasy geschrieben, über MDMA. Es war ja damals noch eine rechte Neuheit und auch die Informationsstruktur war nicht so groß. Es war total schwierig und ich würde vieles davon heute so nicht mehr schreiben, definitiv, weil einfach viel Literatur gefehlt hat, also
12:52
lustigerweise sind wir auch gar nicht so auf die Idee gekommen, englische Literatur zu benutzen. Wir haben halt das, was so da war und da waren auch viele Mythen noch drin, ja, und war trotzdem spannend, ne, und in dem Zusammenhang, also ich hab mit jemandem zusammengeschrieben, Carsten, sind wir dann auch nach Berlin gefahren und haben Evenweld besucht. Das war dann so eine psychedelic Fullmoon-Party im Tränenpalast, da haben die Stand gemacht und da haben wir uns mal so nach die Arbeit angeguckt und war eine schöne Party und
13:22
Irgendwie auf dem Rückweg sind wir eigentlich auf die Idee gekommen, man könnte das in Frankfurt auch machen. Es gab vorher schon Berührungspunkte. Es gab dann den Tunnel Rave zur 1200-Jahr-Feier in Frankfurt im Theatertunnel. Da gab es dann schon von der Stadt aus, ich sage mal, die Drogenhilfe zusammengewürft einen Infostand, Save the Night. Ja, das waren so die Anfänge auch. Und ja, auf der Heimfahrt eigentlich von Berlin ist diese Idee entstanden. 95, ich glaube, im Frühjahr.
13:52
Und haben dann die sieben Gründungsmitglieder gesucht, wie das in Deutschland üblich ist, fünf an für einen und hatten dann tatsächlich, ich glaube im Dezember 1995 war die Mayday in der Festhalle in Frankfurt, da haben wir dann unseren ersten großen Stand gemacht.
14:09
Hatten, glaube ich, sogar noch in der ersten Satzung stehen, Safe Party e.V. Und dieser Macher von der Mayday-Geschäftsführer meinte, dann erfällt irgendwie sowas. Keine Ahnung. So, People in the House, Safe Party People, Safe Party People in the House. Und irgendwie fand man das ganz nett. Und so ist das tatsächlich auch entstanden. Also wir haben uns dann von denen sogar 1.000 Mark geliehen, um diesen Infostand zu machen. Weil man muss ja Materialien kaufen. Und
14:38
Haben das dann sogar zusammen mit den Kollegen von JotJot gemacht, Mäherleinplatz. Das war auch so ein kleiner Wunsch von der Stadt tatsächlich und sind da voll ins kalte Wasser gesprungen. Das war eine Riesenveranstaltung.
14:53
Ja, sind da förmlich überrannt worden. Wir haben damals mit den Broschüren aus Berlin, mit der Exzession Techno hieß die, glaube ich, und von den Grünen gab es ein paar Broschüren, die hatten wir gekauft, das war so das Anfangsmaterial. Und ganz viele Mineraltabletten hatten wir dabei, weil natürlich muss ich viel trinken und Mineralienhaushalt, das ist dann so ein bisschen ausgeartet, weil das natürlich super günstig war, da was zu trinken zu holen. Also es hat uns schon echt überrannt. War super lustig, aber war
15:22
Ja, ein Megading einfach auch. Also ich kann mich noch erinnern, das Chill-Out war mit Echtrasen ausgelegt. Ich weiß nicht, wie viele tausend Leute da gechillt haben. Und ja, so ging das eigentlich los. Das war der erste große Stand, den wir so als Verein oder Initiativgruppe, waren wir ja eigentlich noch, gemacht haben.
15:41
Das stelle ich mir auch schon krass vor. Und liebe Kinder, für die, die vielleicht Kinder der 2000er sind, damals gab es noch kein Internet. Richtig. Beziehungsweise noch kein Informationsfluss. Das heißt, die Informationen, die in solchen Ständen,
15:57
bereitgestellt wurden. Das war im Prinzip das Einzige, was man bekam, wenn man nicht gerade Bücher wälzen möchte, oder? Richtig, war so. Es gab schon so die ersten Truck-Checking-Projekte in Holland. Da hat es, ich glaube, das…
16:12
Das Netherlands Institute for Alcohol and Drugs hat es damals gemacht. Also die haben schon im großen Maßstab Ecstasy aufgekauft, getestet und man konnte das glaube ich auch abgeben. Und die haben damals auch schon Warnungen über Zeitungen rausgehauen, dass die gesagt haben an die Konsumenten der weißen Mitsubishi, die sind so hochdosiert oder die Produzenten sogar angesprochen, dass sie die nicht weiterverkaufen oder vielleicht ihre Produktionsmaßnahmen ein bisschen zurückfahren und so.
16:38
Wir dachten eigentlich, dass das auch eine Sache ist, die ganz schnell bei uns kommt. Even Wave hat das ja damals auch schon gemacht. Hatten dann auch Riesenärger, hatten dann auch Verfahren anhänglich, wurden dann letztendlich freigesprochen. Also auch da war schon ganz grundlegend, wir wollen wissen, was da drin ist. Es macht natürlich Sinn, wenn jemand Drogen konsumiert, dass er weiß, was da drin ist. Die Reinheitsgebot. Da kann man natürlich schon viel mehr abwägen, wenn ich weiß, dass es
17:04
Keine Ahnung, 150 Milligramm, kann ich damit alles umgehen, als ich gar nichts weiß. Ja, und ich meine, wenn man mal überlegt, dass bei Pillen wir manchmal so Konzentrationen bis 250 Milligramm und mehr gerade haben und
17:19
Jetzt muss ich gucken, beim Mann ist es, wie viel weißt du die Konzentration gerade? Ich glaube 1,5 Milligramm pro Kilogramm. Genau, und bei der Frau ist es 1,3 Milligramm. 1,2 oder 1,3? 1,2, 1,3 Milligramm, das ist ein bisschen peinlich, ich bin sehr schlecht mit Zahlenwerken. Das heißt, wenn man überlegt, ich wiege 60 Kilo mal 1,2, da sind wir bei…
17:42
Und das heißt, von einer 250-Milligramm-Pille, da bin ich bei der Hälfte gut über meiner Dosis. Aber wenn ich das halt nicht weiß, und ich meine, wir sind nur auf die Daten unserer Nachbarländer angewiesen, kann man halt, ja…
18:02
auch nicht steuern und dann kommt es zu mehr Substanzunfälle, Konsumunfälle und eben Wirkungen, die man nicht einschätzen kann. Ja und deswegen auch so ganz einfache Regeln, wie eben besprochen, halbiere das Ding, verteile das Ding. Nachlegen kann man immer noch. Was drin ist, ist drin. Wenn ich zu viel drin habe, dann wird es schwierig. Wenn es zu wenig ist, kann ich mich immer noch rantesten. Musik
18:29
Ja, wir sind schon ein bisschen wieder reingesprungen in Safer Youth, im Partyleben, im Rave-Leben, aber wo wir halt auch angefangen haben, war ja der Opiat, der Heroinkonsum. Und wie ging es denn da weiter? Also wir hatten die Schiedestraße, die aufgemacht hat, das Eastside es aufgemacht hat. Eastside ist eine Schiedestraße.
18:51
Deswegen war ich so verwirrt. Also genau, Chile Straße ist die Straße und viele haben es halt Chile Straße genannt und irgendwann wurde ein Name gewählt unter den Bewohnern und das war halt die East Side. Ah, okay, das macht natürlich so einen, musst ein bisschen aufpassen. Du fragst mal, hier sind bestimmt viele Hörer und Hörerinnen, die nicht aus Frankfurt kommen, muss ich ein bisschen nachsortieren und muss mich wahrscheinlich auch noch selbst sortieren. East East Side, deswegen weil es im Osthafen einfach ist.
19:13
Genau. Wie ging es denn dann weiter? Wir haben ja in Frankfurt einige Druckräume. Wie kam es denn dazu? Wann kam das dazu? Also auch Mitte der 90er, ich kann mich jetzt nicht genau aufs Datum festlegen, aber ich glaube 1995, 1996 auch so der Dreh. Natürlich, wenn man so ein Krisenzentrum hat, wo sehr viele Menschen sind, die Opiate oder harte Drogen gebrauchen und das IV machen.
19:33
ist natürlich auch Konsum da, ganz klar. Die Menschen haben da geschlafen und die haben natürlich auch da konsumiert. Das war natürlich nicht erlaubt. Das heißt, die haben sich im Klo versteckt, die sind auf dem Gelände rum mit den entsprechenden Notfällen. Wir hatten Ambo-Beutel, wir hatten Open-Cafe-Betrieb, Essen noch ausgegeben wurde, Brote geschmiert und dann war es halt ganz oft so, dass dann irgendeiner in der Ecke lag, blau angelaufen ist und wir dann mit dem Ambo-Beutel dahin gerannt sind. Um das so ein bisschen in Wege zu leiten, haben wir
20:03
Nicht wir, die Geschäftsführung, wir haben es mitgetragen. Es gab drei Duschräume und ein Duschraum wurde dann so ein bisschen als, ich sag mal, Druckraum genutzt. Wir haben versucht, da ein bisschen Ordnung reinzubekommen mit Wartelisten und war natürlich höchst illegal.
20:20
Kam dann auch irgendwann relativ bald so die Ansage von der Geschäftsführung, Staatsanwaltschaft will eure Namen haben, weil es ist für Schaffen eine Möglichkeit. Ja, das Problem war einfach da. Gott sei Dank gab es damals sehr rege Staatsanwaltschaften, also gerade der Hans-Harald Körner, Oberstaatsanwalt, der sich da Gedanken drüber gemacht hat.
20:40
der lange Jahre in diesem Bereich gearbeitet hat und eigentlich relativ hart auch war, auch das Betäubungsmittelgesetz kommentiert hat immer so. Aber ich glaube, im Laufe der Jahre gemerkt hat, damit kommt man nicht weiter. Und hat dann ein Gutachten geschrieben über die Schaffung der Möglichkeit von Druckräumen unter bestimmten Bedingungen. Und das war dann tatsächlich, ja, das kam durch. Also zumindest in Frankfurt. Und die Eastside hatte tatsächlich den ersten im Haus bekommen,
21:07
Das war ganz großes Kino, weil Presse vorm Haus, keiner hat sich reingetraut, wir mussten erst Menschen dazu überzeugen und euch passiert hier nichts, wenn ihr reinkommt. Dann kommt bestimmt die Polizei und gibt Ärger und wir hatten ja die Abmachung, die Menschen werden Ruhe gelassen und ja, so ging das dann los tatsächlich. Magst du vielleicht auch erklären, was genau ein Druckraum eigentlich ist?
21:29
Ja, das ist eine Räumlichkeit eigentlich, wo unter hygienischen Bedingungen Heroin intravenös konsumiert werden kann. Das heißt, ein Edelstahltisch, der man gut abwischen kann, der desinfizierbar ist, wo Utensilien bereitgestellt werden, wie frische Spritzen, frische Nadeln, Desinfektionsmittel, um vorher zu desinfizieren, saubere Löffel und natürlich auch Mitarbeiter, die im Notfall eingreifen, wenn was passiert. Also wir waren eine Regel zu zweit.
21:56
saß immer jemand direkt im Druckraum. Ich glaube, wir hatten acht Plätze, das weiß ich nicht mehr ganz genau. Und das kann ich mir ein bisschen vorstellen wie im Friseursalon mit einem Edelstahltisch, mit einem Spiegel. Weil manche Menschen dann auch so schlechte Venen hatten, dass die sich dann schon in den Hals gespritzt haben oder in die Leisten gespritzt haben. Dann haben wir da einen Spiegel
22:14
Und das Wesentliche dran war, dass in dem Moment, wo jemand wirklich dann eine Überdosierung hatte, wir waren ja oft blau, hatten einen Atemstillstand, Atemlähmung, dass wir halt sofort da waren mit unserem Ambo-Beutel. Der eine Kollege hat in der Regel beatmet und der andere hat einen Notruf rüber in die Ambulanz von Maltesern. Dann kamen die Ärzte, dann gab es einen Haloxon. Und mir ist kein Fall bekannt, dass in einem Druckraum tatsächlich jemand gestorben ist.
22:39
Zumindest in dieser Zeit. Ich glaube, das ist nie passiert. Bin ich mir nicht ganz sicher. Ich glaube, einen Fall gab es, aber auch da möchte ich nicht drauf schwören. Aber selbst bei diesen Konsumvorgängen, bei diesen Massen von Konsumvorgängen, selbst wenn das passiert wäre, dann ist das durchaus…
22:54
Ein vertretbares Übelvergleich zu dem, was vorher passiert ist. Wie gesagt, ich habe es ja vorhin schon beschrieben, früher war der klassische Tod versteckt in einem versifften Klo, weil es ja keiner mitbekommen darf. Oder im Park oder in irgendeiner Häuserecke im Bahnhofsviertel und das Ganze mit Stress mit Polizei unterwegs. Und das war halt weg. Das war tatsächlich da weg. Es gab halt Bedingungen, es durften keine Substituierten rein, das musste unterschrieben werden von den Polizisten.
23:20
Besuchern tatsächlich. Ich kretsch kurz ein, Substitutionen sind Methadon-Programme oder auch andere Substitute, wo Menschen, die heroinabhängig sind, sich für anmelden können und eben dann vom Arzt verschrieben Methadon bekommen als Ersatzstoff anstatt von Heroin mit der Idee, dass sie sozusagen wieder
23:40
ja, am gesellschaftlichen Leben normal teilnehmen können. So mal ganz kurz umrissen. Ja, mit der Idee hast du schön gesagt. Das ging meiner Meinung nach ein bisschen nach hinten los, hat ganz neue Probleme geschaffen, nur so am Rande mal. Dadurch hat sich auch Crack viel mehr verbreitet. Darf ich kurz fragen, wieso? Naja, weil die Menschen haben mit da drun bekommen, ich sag mal, diese Opiat, dieser Opiatdruck war weg. Aber sie haben so dieses Feeling, was man ja auch sucht, wenn man Drogen nimmt. Das war halt weg und viele haben dann halt versucht,
24:09
versucht diesen Kick durch Crack-Krauen zu bekommen, weil das Substitut ja nur für Opiate war. Also da können wir schon ein bisschen zugucken, dass es zugenommen hat. Und Frankfurt ist und war auch eine Crack-Hop-Burg, immer noch. Ja, gibt auch nicht so viele Städte, in denen Crack große Rolle spielt. Ja, ich glaube Bremen, Hannover, Hamburg und München. Das sind glaube ich so die Crack-Szenen, die wir haben. Ist man München sogar neu? Obwohl München würde ich jetzt auch nicht drauf schwören.
24:38
Aber ja, es gibt auf jeden Fall eine Überprüfung. Liebe Münchner, wenn ihr mehr wisst. Meldet euch gerne. Liebe Grüße an mein bayerisches Heimatsbundesland. Ihr habt ja keine Druckräume.
24:51
Das finde ich ein bisschen schwierig, vor allem wenn man überlegt, dass zum Beispiel die Stadt Nürnberg, aber auch die Stadt München, München welche? Ja, München war schon immer, also wir hatten ja ganz viele Delegationen, die sich das live angeguckt haben und München war von Anfang an da groß dabei, weil natürlich auch damals zumindest SPD regiert, also der Wunsch war immer da, aber ich sage mal Landesregierung…
25:14
Und von Nürnberg weiß ich das eben auch ganz stark, eben aufgrund der, die haben ja ein großes Crystal Meth-Vorkommen in Nürnberg, also sie sich das auch sehr gewünscht haben, aber es einfach nicht stattfindet. Was spricht gegen den Konsumraum? Also man er mangelt nach nichts, überhaupt gar nichts. Und wenn nur ein Menschenleben damit gerettet wird, dann ist das schon genug. Es ist keine…
25:35
Also wer wirklich denkt, dass jemand einen Konsumraum sieht, einen Druckraum sieht und dann Lust kriegt, da zu konsumieren, weil er das sieht, der lebt auf einem anderen Planeten. Da kann man ja sehen, was das alles ausmacht und wohin auch eine Kriminalisierung von Substanzen führen kann. Also IV konsumieren hat ja auch damit zu tun, dass Substanzen so teuer werden,
26:00
dass wir versuchen, da möglichst sparsam mit umzugehen und das dann auch intravenös konsumiert. Ja, wäre mehr davon da, könnte man Heroin auch rauchen mit vielleicht viel weniger Schädigung. Auch da sind wir bei Self-Use. Natürlich, wenn ich Heroin rauche, habe ich auch einen sicheren oder schützenden Gebrauch, als wenn ich mir IV was in die Venen haue. Ja, ja.
26:21
Das stimmt, das ist eben auch eine Safer-Use-Regel auf einem anderen Niveau, würde ich jetzt mal sagen, wie im Party, aber dass zum Beispiel der Umstieg auf Nasalkonsum aber auch oder eben Rauchen deutlich erhöht.
26:34
besser, gesünder in Anführungszeichen ist, als sich das durch die Vene zu jagen. Also da ist schon ein gehöriger Unterschied dazwischen. Auch da gab es ja eine Beschneidung, gerade Amphetamin. Das kommt immer wieder mal vor, ein paar die Zehn, dass Menschen umsteigen auf einen IV-Konsum von Amphetamin. Das ist jetzt vielleicht nicht unbedingt die Verteuerung, aber das hat einen Andereikick, aber das sind natürlich auch viel mehr Risiken. Und
26:57
Ein großes Risiko war natürlich Übertragung von Krankheiten wie HIV, wie Hepatitis. Und das waren auch Gründe, warum Gesundheitsräume auch eine Chance hatten, glaube ich, weil die Bevölkerung auch ein bisschen Angst hatte vor diesen konsumierenden Menschen auf der Straße und das auch ein bisschen regeln wollte. Und deshalb, glaube ich, auch mehr eine Zustimmung da war. Und ich glaube, heute ist es, ich glaube, der normale Frankfurter Viertel gehört das dazu. Das ist normal und gut.
27:23
Klar entstehen da erstmal Ängste am Anfang, aber es hat sich nicht bewahrheitet. Also ich habe nur positive Erfahrungen mitgemacht. Was waren denn so die grundlegenden Ängste? Wer ich verängste, bringt einen gegen einen Konsumraum auf.
27:38
Naja, dass halt eine bestimmte Anzahl von Menschen da aufschlägt, die Drogen konsumieren. Also das hatten wir auch bei der Originalstoffvergabe, die Heroinvergabe tatsächlich. Was ist das? Das Originalstoffvergabe wird in Frankfurt, wird Heroin an Schwerstabhängige abgegeben. Die können dreimal am Tag in eine Ambulanz gehen und kriegen da Diamorphin, das ist Heroin, und können das spritzen.
28:02
Und da haben am Anfang ganz viele Bürger, als sie auch nur gehört haben, dass das jetzt in ihr Viertel kommen soll, Riesenangst gehabt. Ich weiß nicht, die Leute haben sich, glaube ich, vielleicht diese Bilder von früher im Kopf, diese Mega-Ansammlungen von verelendeten, faddigen Menschen, die in aller Öffentlichkeit konsumieren. Und natürlich auch die Klischees. Nicht nur Klischees, Beschaffungskriminalität. Natürlich, auch ein Thema. Angst davor, Autoradio geklaut zu bekommen, Einbrüche zu haben und so weiter.
28:29
Nur wenn jemand Diamorphin bekommt, dann muss er in der Regel ja nicht mehr beschaffen gehen. Auch das hat sich, glaube ich, mittlerweile ziemlich gelegt. Ich glaube, das fällt im Stadtbild gar nicht mehr so auf, wenn man so die Ambulanz kennt. Wenn man in dem Bereich A war, erkennt man das vielleicht so, aber es ist jetzt auch nicht mehr oder weniger als sonst in Frankfurt.
28:51
Ja, und das ist halt eben auch der Punkt. Viel, was dem Bürger, der nicht konsumiert, gefährlich vorkommt, ist ja eine Kriminalität. Aber alle Programme, die unterstützen und helfen, einen guten Raum, einen geschützten Rahmen zum Konsum oder auch eben durch Substitutionsprogramme oder eben Heroinvergabe, es eben schafft, Menschen die Möglichkeit zu geben, sich von der Kriminalität zu entfernen.
29:14
zurückzuziehen, ist das, was am Ende der Gesellschaft sozusagen auffällt, deutlich weniger, als wenn man das einfach so laufen lassen würde. Das kann man so einfach mal stehen lassen und erst reichen. Das ist auch ganz richtig. Werbung
29:35
So, spannen wir mal wieder den Bogen ein wenig zurück zum Partyprojekt, zu den Partyständen. Wir haben ja sozusagen die Menschen, die Heroin konsumieren, sind wir ja ganz weit gekommen. Da haben wir jetzt die Konsumräume, da haben wir die verschiedenen Notschlafstellen. Wie ging es denn partytechnisch weiter?
29:53
Gut, das lief alles so ein bisschen parallel. Kann es kaum glauben. Frankfurt war damals auch eine Techno-Hochburg. Ja, ich weine immer noch hinterher. Ich bin erst so seit vier Jahren in Frankfurt und jeder erzählt mir immer, wie geil Frankfurt damals zum Feiern war. Davon habe ich leider nicht mehr viel mitbekommen. Das war sehr wehmütig für mich.
30:11
Ja. Es hieß auch damals, war Frankfurt, wenn ich das richtig im Kopf habe, die Konkurrenzstadt zu Berlin. Ja, tatsächlich. Wenn überhaupt die Konkurrenzstadt, ich fand damals, dass Frankfurt weitaus vorne dran war. Egal, war vielleicht nicht so groß.
30:26
Aber es ist total viel passiert und natürlich auch durch diese ganze Arbeit in der niedrigschwelligen akzeptierenden Drogenhilfe, auch so ein Schlagwort, das dann aufkam. Akzeptierende Drogenhilfe, was heißt das denn überhaupt? Vorher war immer das Ziel der Drogenhilfe Abstinenz, aufhören. In der Gesellschaft, die eigentlich so gar nicht ohne Substanzgebrauch auskommt, wie Alkohol, Zigaretten, Koffein, ja.
30:48
Ja, die nicht stoffgebundenen Sachen wie Laufen oder so. Schon auch lustig, dass man so eine These entwickelt hat. Und dann kam auf einmal dieses Niedrigschwellige so. Du kannst zu uns kommen, auch wenn du konsumierst. Wir geben dir sogar Konsumutensilien. So, das war ja die Geschichte in diesem Bereich. Und das dann auch so, wir schlagen auf diesen Partybereich. Ja, so einfach zu gucken, Informationen zu geben. Und zwar…
31:12
Ja, ich sag mal, ja, von unten so krass wurzelmäßig raus. Später ist so der Begriff, die Tansensozialarbeit entstanden, so bei Sonix. Ich glaube, der Frank war alles, was mich heute das geprägt hat. Das hat so ein bisschen auf den Punkt gebracht. Also Teil der Party zu sein, Spaß an der Kultur, an der Musik zu haben, aber auch natürlich auch zu sagen,
31:35
Denk mal so ein bisschen, reflektier mal ein bisschen, was du tust. Nicht erhoben mit der Zeigefinger, aber so vielleicht ein bisschen auch mit der Erfahrung, was machen, was da passiert. Und wie gesagt, die Substanzen waren relativ neu. Also gerade MDMA war relativ neu, diese ganze Stoffgruppe. Was spielte damals sonst noch für eine Rolle? Amphetamine waren auch natürlich da, LSD war da und natürlich Alkohol, Nikotin und Kiffen. Das war halt so…
32:01
Ich kann mich erinnern, ich war vorher viel auf Punk-Konzerten, aber auch auf Reggae-Festivals und das war schon auch, man kannte das, man wusste, welche Ausmaße das hatte, Sandsblech auf der Loreley. Ich habe das erst mal in so einem Chill-Out gehockt und dann mitgekriegt, was da so an Dampfwolken durch die Gegend, also das war ein Riesenthema. Es war halt weniger jetzt zum Tanzen, aber so zum Runterkommen war das die klassische Droge halt. Ja, einfach der Versuch, da so ein bisschen Informationen zu schaffen und
32:32
Ja, vielleicht auch nicht alles von oben aufdrücken zu lassen, nicht von anderen sagen lassen, was gut oder schlecht ist, sondern das war so ein bisschen die Idee dahinter auch. Informationen zu verbreiten und Self-A-Use-Material zu verteilen. Und du hast ja vorhin auch schon gesagt, auch beim ersten Stand, ihr wurdet überrannt. Jeder hat ein großes Interesse daran und das zeigt halt eben auch, man hat und das Bild hält sich ja immer noch, der Mensch, der illegalisierte Substanzen konsumiert, der
32:59
Der macht das kopflos, der hat kein Interesse an sich selbst. Vielleicht nochmal ganz kurz einen Schwenk zum Druckraum. Hat Frank mir gerade im Vorgespräch noch erzählt, dass Menschen aus Bayern nach Frankfurt gefahren sind. Das ist wahrscheinlich immer noch so, um die Druckräume zu nutzen. Das muss man sich erstmal vorstellen. Nochmal ein kleiner Bash nach Bayern zurück am Rande.
33:22
Aber dass es eben den Menschen durchaus sehr wichtig ist, was mit ihren Körpern passiert, bis zu einem gewissen Grad. Und dass eben da Möglichkeiten geschafft werden, dass man das auch überhaupt machen kann. Und genau das Gleiche ist halt im Partykonsum. Das ist nicht einfach, also viele haben da schon eigentlich ein großes Interesse daran, ein bisschen zu wissen, was sie tun.
33:44
Ja, genau. Das sieht man ja auch an der Literatur, dass viele Menschen versuchen, sich Literatur zu beschaffen. Das ging auch früher in den 80ern. Es gab halt sehr wenig. Ich meine, Literatur über Kiffen zum Beispiel, da gab es kaum was. Da gab es die Standardwerke, die alles verteufelt haben und dann gab es irgendwelche raubkopierten Geschichten vom Grünzweig, ja, ja.
34:06
die dann so das erste Mal so ein bisschen auch über Prävention oder überhaupt Konsummuster gesprochen hat oder was man auch tun kann, sich zu schützen zum Beispiel. Da geht es ja schon los. Also viele Menschen, die kämpfen, hier in Europa oder in Deutschland ist das oft mit Tabak. Also da haben wir schon Mischkonsum, da haben wir schon zwei Substanzen, die zusammen konsumiert werden und vielleicht einfach mal drüber nachdenken, dass das so ist und dass auch die Wirkung sich da ein bisschen verändert. Ja.
34:29
Es kann ja jeder machen, wie er will, aber vielleicht mal nachdenken. Was bedeutet das eigentlich? Eben, und da haben wir halt einfach auch einen Informationsfluss, der einfach zu einem Teil fehlt, wenn man nicht viel dafür arbeitet. Safe Party People gibt es ja heute noch, logischerweise, sonst würden wir nicht hier sitzen. Und der Auftrag ist der gleiche. Informationen schaffen, Menschen aktiv darauf ansprechen, zu helfen, wirklich auch sich gut über ihre Substanzen zu informieren. Das ist eigentlich das…
34:55
Ich weiß nicht, ob es lustig oder traurig ist, ich war ja eine Zeit lang jetzt auch weg aus dieser Arbeit, also speziell jetzt direkt vor Ort auf Partys, mache das jetzt wieder und eigentlich sind es oft noch dieselben Fragen, ja, tatsächlich und klar, es sind neue Generationen, aber eigentlich sollte man sich denken, nach so vielen Jahren auch mit Internet und Informationen, dass man dann vielleicht ein bisschen mehr weiß, aber irgendwie, das ist noch zu viel tabu, glaube ich, ja.
35:22
Ja, Menschen wollen nicht darüber reden, weil sie nicht enttarnt werden wollen, dass sie illegalisierte Substanzen konsumieren, weil man da nicht in eine Ecke gestellt werden möchte. Und das sorgt eben dafür, dass auch wenig darüber geredet wird, wie gestalte ich eigentlich meinen Konsum. Wenn du sagst, das sind immer noch dieselben Fragen, was sind denn dieselben Fragen? Jetzt hasst du mich. Jetzt hasst du mich.
35:50
Ja, es sind tatsächlich so, es wird oft Konsum reflektiert. Also es ist teilweise auch so, also was man an dem Beispiel Kiffenfest, es ist oft so, dass Menschen kommen und sagen, eigentlich kommen sie nicht mit klar, aber ihr ganzes Umfeld raucht und wo dann so ein bisschen Druck aufgebaut wird oder die Menschen Druck verspüren, das trotzdem zu tun, weil es alle tun, aber eigentlich nicht mit klarkommen, weil sie es nicht gut vertragen und sich vielleicht manchmal einfach so auch,
36:17
auch so ein Okay holen, zu sagen, ja, es ist auch okay, wenn du das nicht machst. Also man muss es nicht tun, weil es alle tun. Und wenn du nicht mit klarkommst, dann lass es. Weil wenn du keinen Spaß dran hast, dann sollst du es nicht tun. Ich weiß nicht, ob das so ein Beispiel ist. Ein anderes Beispiel, was mir immer noch sehr auffällt, ich weiß nicht, ob sich das geändert hat über die Zeit, ich habe manchmal das Gefühl,
36:40
Dass auch Menschen sich so ein bisschen eine Konsumlegitimation vom Stand holen, wo man als Ständler sehr aufpassen muss, diese nicht zu geben, weil wir legitimieren von niemandem den Konsum. Wir motivieren nicht, wir stellen Informationen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Das ist, glaube ich, auch so ein An oder Aber. Das ist, glaube ich, auch so ein Punkt, der immer noch da ist, den Leuten klarzumachen, dass sie verantwortlich sind für ihren Konsum. Also sie entscheiden das.
37:08
Und die Entscheidung kann keiner abnehmen. Wie du sagst, zu kommen und bla bla ist doch okay und
37:14
Es gibt tausend Argumente dafür und tausend dagegen. Und entscheiden muss der Konsument selbst und im Notfall auch die Folgen der Entscheidung tragen. Das finde ich ganz wichtig, dass das transportiert wird, diese Information. Das ist eben auch der Aspekt, warum ich auch meinen Podcast gestartet habe. Da geht es sozusagen darum, Wissen zu generieren, um informierte Entscheidungen zu treffen. Denn wenn man viele Faktoren weiß, kann man dann viele andere Entscheidungen treffen, als wenn man sie aus dem Bauch heraus entscheidet. Vor allem bei Substanzen.
37:43
vor allem wenn es um Mischkonsum geht, sollte man nicht unbedingt aus dem Bauch heraus entscheiden. Ja, Stichwort Drogenmündigkeit. Je mehr ich über eine Substanz weiß, desto mehr kann ich auch entscheiden, ob ich das will. Wenn manche Geschichten anhört aus den 70ern,
37:57
dass dann LSD aufkam, da wo dann Cannabis verkauft wurde vorher und dann gab es halt mal nichts und dann gab es Aussagen, oh wirkt genauso. Ja und die Leute haben das dann halt genommen und dann ist dann gewundert nach zwölf Stunden, dass alles doch ganz anders ist. Ja,
38:12
Das wird jemand, der darüber gelesen hat, glaube ich, nicht passieren. Das ist eine bewusste Entscheidung, auch herbeiführen zu können. Deswegen Informationen. Damit fängt es eigentlich an, auch sich ein Umfeld zu schaffen, wo es Sinn macht, Drogen zu nehmen. Also LSD-Trip auf der Autobahn als Fahrer
38:32
Schlechte Idee. LSD-Trip auf einer Party in vielen Situationen auch eine schlechte Idee. Vor allem, wenn man das das erste Mal macht. Ich weiß noch, ich war vor zwei Jahren auf Hain in Mai und da haben so viele das erste Mal einfach LSD total unbedarft konsumiert und hatten dann echt keine guten Erfahrungen, weil die Crowd, die Leute um sie rum nicht gestimmt hat. Ein Festival kann auch echt stressig sein. Das ist auf LSD natürlich auch eher ein bisschen unpraktisch.
39:00
Und ja, das erschwert die ganze Sache. So, vielleicht eine kleine Hintergrundinformation auf Heinenmai vor zwei Jahren, drei Jahren, ist schon ein bisschen länger her, Corona macht mich wirr im Kopf. Da waren wir über das Sonix-Netzwerk, das ist sozusagen ein Zusammenschluss von verschiedenen Partyprojekten in Deutschland und haben Psycare gemacht. Vielleicht reden wir noch ein bisschen über Psycare, das geht nämlich um die reine Information hinaus. So, Psycare ist ein bisschen ein neuer Begriff, bedeutet Psycare.
39:30
Ganz platt gesagt professioneller Trip-Sitter. Ja, so kann man es stellen lassen, glaube ich. Genau, das heißt, wenn man bei uns Psycare macht, wird man da vorher geschult, wie man mit Menschen auf verschiedenen Trip-Situationen umgeht und diese dann begleitet, um sozusagen auf einen positiveren Trip zu führen, beziehungsweise dafür sorgt, dass der Trip nicht ausartet mit dem Ziel eben, dass Kanzler
39:54
keine Tripptraumata entstehen. Denn es passiert sehr oft, vor allem wenn man unbedarft konsumiert oder auf eine Wirkung nicht vorbereitet wird, da sind wir wieder ein bisschen bei Set-Setting, wenn zum Beispiel ich im Inneren sozusagen nicht auf die Substanz eingestellt bin und auch das Setting, so keine Ahnung, dass ich irgendwie auch in einer guten
40:13
Stimmung bin, um zu konsumieren. Und Setting ist sozusagen die Umgebung um mich rum. Also, dass die Leute cool sind, dass der Raum sozusagen der Substanz entspricht, wie wir ja gerade gesagt haben. LSD in einer stressigen Umgebung sorgt halt auch für einen stressigen Trip. Wenn nicht noch schlimmer. Und jetzt habe ich meinen Punkt verloren.
40:32
Genau, und da ist es, wenn man dann eben in einen Konsum kommt oder in einen Trip kommt, den man deswegen nicht gut handeln kann, dann kann es halt auch sein, dass dieser Trip einen sehr lange sehr negativ beeinflussen kann. Kann im schlimmsten Fall in eine Psychose enden, aber auch zu leicht psychotischen Zuständen danach oder das Gefühl, die man so ein bisschen in die Richtung interpretieren kann. Und es gibt voll wenige, die einen da auffangen können. Also es…
40:57
Leute, die sich damit richtig auskennen. Und das ist so ein bisschen die Idee von Psycare. Menschen in einem Trip, der vielleicht nicht ganz so läuft, wie er sollte, zu begleiten und auf den Guten schicken. Man kann mit kleinen Sachen da schon oft was machen. Stichwort Talkdown. Also bei uns, zu unserer Zeit hieß es noch nicht Psycare, sondern es war dann tatsächlich…
41:16
Ja, man kümmerte sich um Menschen, die dann im Laufe der Nacht an den Stand gespült wurden, im Bus gelandet sind oder sonst wie zu uns gekommen sind. Und tatsächlich waren es oft Erfahrungen mit LSD in Frankfurter Kellerclubs, wo das erste Mal LSD konsumiert wurde und die Menschen komplett überfordert wurden von diesen Erfahrungen und wirklich mit Panik und Angst in irgendeiner Stunde lang bei uns im Camper gehockt haben und
41:38
Das war ganz wichtig zu erklären. Das ist jetzt erst mal auch bedingt durch die Droge und es geht vorbei. Und versuchen, eine nette Stimmung zu machen und vielleicht was zu trinken hinzustellen. Einfach da zu sein und zu sagen, okay, wir gucken. Das sind so, glaube ich, die Anfänge. Und das ist natürlich schwierig, jemanden zu finden, weil du musst dich da voll drauf einlassen. Das ist ein bildfremder Mensch. Der hat deswegen eigentlich eine gute Geschichte. Aber auch da wieder…
42:05
Das Appell, vorher informieren. Wenn ihr Drogen konsumiert, dann guckt einfach was. Es gibt sehr viel Literatur mittlerweile. Guckt einfach, was es da zu lesen gibt und verschiedene Bücher auch angucken, verschiedene Quellen nehmen. Es gibt natürlich auch viele Foren, die vielleicht zu harmlos damit umgehen. Beide Seiten sich angucken. Oder viele Seiten, nicht nur zwei.
42:29
Aber selbst wenn ihr mal auf einen schlechten Trip kommt, nicht vom Schamgefühl leiten lassen. Das kann einfach mal passieren. Man kann auch einfach mal überdosieren.
42:41
aus Versehen und dann Hilfe suchen, nicht damit alleine bleiben, nicht irgendwie sich von der Angst stigmatisiert zu werden von illegalisierten Substanzen und das ist deutlich einfacher gesagt als getan, eben nach außen zu wenden, sei es eine Suchtberatung, wenn sie das auffangen kann oder eben bei verschiedenen Partyprojekten und einfach über die Erfahrung reden, um sie zu verarbeiten. Denn ein Trip, und das ist vielleicht auch noch recht wichtig, ist nicht unbedingt nach dem Trip vorbei. Richtig.
43:08
sondern kann einen sehr lange noch mit beeinflussen.
43:16
Gut, jetzt haben wir einen riesen Bogen gemacht. Nein, wir haben eigentlich keinen Bogen gemacht, sondern eine riesen Zusammenfassung über wie Safer Use in Deutschland auch mit entstanden ist, wie sich das entwickelt hat, auf welchem Stand wir jetzt sind. So zum Ende zusammenfassend versuchen wir doch nochmal, alle Safer Use-Regeln rauszukriegen, die wir zu zweit hinbekommen, so aus der Hüfte raus. Ich mache das seit drei Jahren, du ein paar Jahre länger. Ja.
43:43
Also, starten wir vielleicht mal im Party-Kontext.
43:47
Ganz grundlegend fange ich mit Set-Setting an. Set-Setting, wie gerade gesagt, bedeutet, man selbst muss sozusagen sich damit, also was ist mein Zustand gerade, wie geht es mir, bin ich bereit, Substanzen zu nehmen, aber auch, ja, was ist meine Informationslage über die Substanz, weiß ich, auf was ich mich ungefähr einlasse von der Wirkung. Und Setting bedeutet eine Umgebung, der man vertraut, in der man sich wohlfühlt, Menschen, die auch auf einen aufpassen können, falls was schief geht. Erste Grundlage für den Konsum.
44:15
Beispiel LSD hatten wir ja vorhin schon mal. Da ist es extrem wichtig, um Setting zu beachten. Wenn ich zu Hause bin, die Klingel abschalte, vielleicht jemand da habt, der nach mir guckt, ich äußere Einflüsse ausschließe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Schlimmes passiert, auch geringer. Wenn ich natürlich jetzt auf LSD durch die Stadt renne und da passiert ein Unfall oder da gibt es eine Schlägerei oder ich kriege irgendwas Traumatisches mit.
44:39
Dann wird das halt ungefähr in meinen Kopf gelassen. Also von daher extrem wichtig, Set und Setting, aber auch die Dosis einer Substanz. Darüber Bescheid zu wissen oder sich Gedanken zu machen, wie viel will ich denn eigentlich? Will ich jetzt hier wirklich ganz tief gehen? Oder ist es vielleicht auch eine Schwellendosis? Erstmal okay. Muss nicht gleich der volle Hammer sein.
44:59
Und auch Dosisangaben findet man inzwischen im Internet, wo normalerweise zwischen einer geringen, mittleren und hohen Dosis unterschieden wird. So, wenn ich da jetzt anfange mit einer unbekannten Substanz, sei es eine unbekannte Pille oder ein unbekanntes Pulver oder vermeintlich bekannt, aber ich bin mir nicht sicher, macht es immer Sinn, so eine Art Allergietest zu machen? Weil es gibt tatsächlich Menschen, die allergisch reagieren auf Kokain oder andere Geschichten und vielleicht…
45:24
statt Amphetamin da jetzt Kokain haben, dann eine ganz kleine Menge probieren. Wenn mir dann der Hals schon anschwillt,
45:30
Dann soll ich nicht weiter konsumieren. Dann soll ich das lassen. Wir haben es vorhin schon erwähnt, die Pille. Ganz am Anfang haben wir lustigerweise Flyer rausgehauen, da stand schon drauf, ein Viertel antesten. Es gab dann eine Zeit in den 90ern, da war die Qualität nicht mehr so gut. Da waren die Pillen so vielleicht um 100 Milligramm. Da hat es dann eher Sinn gemacht, eine Halbe anzufangen. Steffi hat es vorhin erwähnt, momentan sind wir bei Dosierungen, das langt eigentlich für zwei Erwachsene. Und dann sollte ich mit einem Viertel anfangen.
45:57
Auch an die, die dann immer sagen, halbe Räder rollen nicht und bla bla bla. Alles schön und gut, es gibt Menschen, die vertragen mehr, aber man sollte immer von denen ausgehen, die vielleicht weniger vertragen, ja.
46:08
Ganz wichtiger Punkt, was du gerade am Ende gesagt hast, manche Menschen vertragen mehr. Das heißt sozusagen, wenn ich eine ganze Emma-Pille genommen habe, gehe ich nicht zum Frank hin und sage, hey, ich habe eine übelst leicht nehmen können, kannst du auch machen, denn der Frank kann ganz anders darauf reagieren, der kann vielleicht auf der gleichen Pille einen schlechten Drip haben, vielleicht ist die gleiche Pille auch eine andere Pille, aber gleich geprägt, schaut also ganz genau gleich aus.
46:33
Das heißt, Konsumerfahrungen sind individuell und ich gebe keine Tipps oder ich bin sehr vorsichtig mit Tipps und schließe nicht von meinen Erfahrungen automatisch darin, dass es auch die Wahrheit, die Konsumwahrheit von jemand anderem ist. Richtig. Du hast auch erwähnt, manche Pillen sehen gleich aus, die haben dasselbe Logo drauf, die haben dieselbe Farbe, können trotzdem in einer anderen Presse gemacht worden sein, können eine andere Substanz drin haben, es kann eine andere Charge sein, die
46:56
die vielleicht ja unreinigt ist. Es kann alles Mögliche passieren auf diesen Wegen. Also wir müssen einfach immer daran denken, das wird in einem illegalen Kontext produziert. Da gibt es keine Kontrolle am Schluss in der Regel. Das wird rausgehauen und es geht auch immer um Geld.
47:13
Nicht alle, aber die meisten Menschen, die das im großen Stil machen, die wollen damit Geld verdienen und denen ist erstmal wurscht tatsächlich, was da passiert. Immer auf sich selbst verlassen, vorsichtig antesten, gucken, was passiert. Allergietest haben wir angesprochen, aber es gibt auch Sachen wie, keine Ahnung, gehen wir jetzt von Cannabiskonsum, Mischkonsum, schon mal angesprochen.
47:34
Eine Substanz weglassen, den Tabak zum Beispiel, auch eine gute Idee. Purraum. Noch besser, was die letzten Jahre vermehrt kommt, verdampfen. Viel weniger Schadstoffe. Aktiv Kohlefilter nutzen für den Joint, da das mehr Schadstoffe rausfiltert. Das sind die ehemaligen Pfeifenfilter oder sind nicht die ehemaligen Pfeifenfilter, das sind die aktuellen Pfeifenfilter, die aber inzwischen aktiv für Joints verkauft werden. Ja.
47:56
Wir hatten es vorher schon erwähnt, Ziehblöcke verwenden, nicht Geldscheine nutzen, sondern Ziehblöcke, die kann man auch bei uns bei Safe Party People gegen eine kleine Spende gerne bestellen und einfach immer ein neues Blatt nehmen, keine Röhrchen teilen mit Freunden, immer das eigene Röhrchen nehmen, wenn man Röhrchen nimmt, das sauber halten, die Unterlage desinfizieren, nicht von einem kontaminierten Klo runterziehen und wenn es schon sein muss, immer desinfizieren.
48:26
Genau, das haben wir noch. Was fällt uns noch ein zu Self-Use?
48:50
Toleranzbildung. Natürlich merkt derjenige nicht mehr so viel davon. Das hat dann nicht mehr viel mit der Substanz zu tun. Wenn der mal so ein bisschen länger Pause macht, wird der Knall auch wieder größer werden wahrscheinlich. Also einfach mal reflektieren auch. Mischkonsum. Eins und eins ist halt nicht immer zwei, sondern das kann sich halt auch vervielfachen, die Wirkung.
49:12
Es gibt auch Substanzen, die zum Beispiel länger wirken. Viele Menschen trinken dann auch viel Alkohol, dann auf Amphetamine oder auf Kokain. Irgendwann ist die Kokainwirkung vorbei, sie sind nur noch grenzlos besoffen. Also ich weiß nicht.
49:26
Was fällt dir noch ein? Ja, ich wollte nur sagen, ihr findet alle Mischkonsumwarnungen auch immer in jeder Substanzfolge bei mir, sind die mit dabei. Was mir gerade noch eingefallen ist, wenn was schief geht und wenn jemand wirklich einen Notarzt braucht, ruft den Notarzt. Hier ist es wichtig vielleicht zu sagen, wenn ihr am Telefon nichts von Substanzen erzählt, also ihr beschreibt am Telefon, schreibt dir was. Ohnmacht.
49:48
Ohnmacht, also die Symptome ganz genau, die gezeigt worden sind. Und wenn dann der Krankenwagen da ist, dann sagt ihr den Leuten aber sofort, was konsumiert wurde. Denn die stehen dann unter Schweigepflicht. Wenn die aber beim Notarzt anrufen, dann wird die Polizei mit dazu geholt, sobald sie das Wort Drogen gehören. Und dann steht auch die komplette Polizei davon. Das ist nicht nur aus dem illegalisierten Bereich nicht perfekt, sondern wenn jemand gerade auf einem Trip ist, den er eh nicht so gut aushält, kann Polizei das einfach deutlich verschlimmern. Das heißt, Symptome sehr gut
50:16
Und wenn dann der Krankenwagen da ist und den bitte wirklich rufen, dann auch sagen, was konsumiert wird, weil da besteht die Schweigepflicht. Genau, ganz wichtiger Hinweis. Es hat tatsächlich dazu geführt, dass Leute schon von Krankenhäusern abgekippt worden sind, weil die Menschen so Angst hatten, dass sie Ärger kriegen, weil irgendjemand ein Problem mit Rungen hatte. Das ist so.
50:34
Kann im schlimmsten Fall zu Todesfällen führen, das ist es nicht wert. Deswegen guter Tipp, super wichtig, einfach dann von der Ohnmacht oder von was auch immer sprechen, Epilepsieanfall, egal und wenn die dann da sind, dann kann man Klartext reden. Und Leute nicht alleine lassen auch. Vielleicht auch ein wichtiger Tipp, wenn ich als Party-Family auf der Party zusammengehe, achtet auf eure Freunde, guckt was los ist, wenn einer in der Ecke sitzt, dazusetzen, ein bisschen drum kümmern, umzusetzen.
51:01
Das passiert ja tatsächlich auch. Die Szene ist ja auch tatsächlich so lieb oft, dass das funktioniert. Man kann auch im Club mal ein Türsteher Bescheid sagen. In manchen Clubs gibt es Ärger, aber in vielen ist es so, dass die dann auch gucken und auch ziemlich lieb sind. Falls der Konsum einen belastet, dann doch. Oder eben man einen schlechten Trip hat, wie wir auch schon vorher gesagt haben.
51:26
Holt Hilfe. Holt lieber früher Hilfe als zu spät Hilfe. Weil ihr merkt, irgendwie ist der Konsum nicht mehr ganz im Gleichgewicht. Sofort Hilfe holen, anstatt irgendwie sich weiter unter Druck zu setzen und vielleicht noch mehr abzurutschen. Umso schneller man Hilfe holt, wenn man in eine Schieflage gerät, umso besser kommt man da auch wieder raus. Und deswegen eben Hilfe holen und sich vielleicht dem Stigma, den man selbst verspürt, drüber hinaussetzen.
51:53
Denn dafür sind Drogen- und Alkoholberatungen da, dafür sind die verschiedenen Projekte da. Die kann man da gut ansprechen. Richtig. Jo, ich glaube, damit haben wir eine sehr komplette Folge zusammengebastelt, oder? Ich hoffe. Hast du noch was, was du schlussendlich loswerden möchtest? Ja, passt einfach auf, was ihr tut und guckt nach euren Lieben und ja.
52:17
Schaltet den Verstand ein. Egal, was ihr tut. Egal, wie und was. Man kann vieles tun, man muss drüber nachdenken. Genau. Informationen sind das A und O. Informiert euch, bevor irgendwas konsumiert wird. Das ist schon mal eine sehr gute Grundlage. Frank, danke, dass du da warst. Hat super viel Spaß gemacht. Und dann sehen wir uns eh bald wieder. Alles klar. Tschüss.
53:06
Das war psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.


