Wo bekomme ich welche Hilfe? Das professionelle Suchthilfesystem in Deutschland

In dieser Folge von Psychoaktiv geht es um das professionelle Suchthilfesystem in Deutschland und die Frage, welche Unterstützung es an welcher Stelle gibt. Die Folge erklärt, welche Rolle ambulante Drogenberatungen, Entgiftungen, Übergangseinrichtungen, stationäre und ambulante Rehabilitationen, Adaption, betreutes Wohnen, Nachsorge und sozialtherapeutische Einrichtungen spielen. Dabei wird deutlich: Suchthilfe ist nicht ein einzelnes Angebot, sondern eine ganze Kette unterschiedlicher Hilfen – je nachdem, ob es zunächst um Orientierung, körperlichen Entzug, längerfristige Therapie, Stabilisierung im Alltag oder berufliche und soziale Wiedereingliederung geht.

Die Folge ordnet außerdem ein, wer die jeweiligen Kosten trägt, wie Anträge gestellt werden und welche Voraussetzungen für bestimmte Angebote wichtig sind. Besonders deutlich wird, dass Drogenberatung häufig die erste Anlaufstelle ist – nicht nur bei Abstinenzwunsch, sondern auch zur Konsumreflexion, für Angehörige oder zur Vorbereitung einer Behandlung. Gleichzeitig zeigt die Folge, warum eine reine Entgiftung oft nicht ausreicht, wenn langfristige Veränderung gelingen soll. Damit bietet sie eine verständliche Orientierung für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte, die das Suchthilfesystem besser verstehen und passende Hilfen einordnen möchten.

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Wo bekomme ich welche Hilfe? Das professionelle Suchthilfesystem in Deutschland

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PODCAST-METADATEN
Folge: 14
Erscheinungsdatum: 14.01.2021
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Wo bekomme ich welche Hilfe? Das professionelle Suchthilfesystem in Deutschland
Sprecher: Stefanie Bötsch

Typ: Transkript

Transkript Beginn

00:11
Psychoaktiv. Euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi. Zieht’s euch rein.

00:22
Hallo Leute, was geht? Ich melde mich mal wieder zurück ins Jahr 2021 und wünsche euch erstmal allen ein wunderschönes neues Jahr. Ich hoffe, ihr seid wirklich gut ins neue Jahr gestartet und ihr seid bereit für ein Jahr voller neuer spannender Themen in meinem Podcast. Die Sendezeiten haben sich ja dieses Jahr geändert und zwar hören wir uns jetzt jeden zweiten Donnerstag am Drogendonnerstag an.

00:51
Und haben somit nur noch zwei Folgen pro Monat. Drei waren einfach zu viel für mein Arbeitspensum. Das musste ich mir dann letztes Jahr wirklich eingestehen.

00:59
Aber am Grundkonzept wird sich nicht so viel ändern. Also es wird weiter Substanzfolgen geben. Es wird auch weiter Themenfolgen geben. Ob die sich jetzt immer genau abwechseln, das weiß ich noch nicht. Das wird sich dann einfach so ergeben, denke ich. Denn meine Podcastfolgen, die entstehen ja immer so ein bisschen auch aus meinem Studium und aus meiner Arbeit heraus. Also wenn da gerade ein Thema ansteht, mache ich da einfach schnell eine Podcastfolge zu. Das spart Zeit und es hilft mir auch, die Themen immer mehr zu vertiefen.

01:25
Und die sind natürlich dann auch zu dem Zeitpunkt am besten vorbereitet. Genau, also dementsprechend, ich werde schauen, dass es ungefähr abwechselnd ist mit Substanzfolgen und Themenfolgen, aber das kann sich auch mal anders gestalten. Lassen wir uns überraschen, ich weiß es auf jeden Fall noch nicht.

01:41
Ja, und heute starten wir gleich mit einer Themenfolge und zwar auch mit einer Übersichtsfolge. Und zwar möchte ich euch heute eine Übersicht darüber geben, wie das Suchthilfesystem, das professionelle Suchthilfesystem eigentlich aufgebaut ist. Also was gibt es da für verschiedene grundlegende Angebote? Wo muss ich hin, um welche Hilfe zu bekommen?

02:06
Und wie schaut das ungefähr aus? Ich werde da jedes Hilfsangebot nur kurz mal beleuchten, dass man eben eine Übersicht hat und werde außerdem euch auch immer ein bisschen davon erzählen, wer eigentlich zum Beispiel die Kosten trägt für dieses Angebot und wo man den Antrag stellt, um so ein Angebot zu bekommen. Also ich wünsche euch viel Spaß bei der heutigen Folge. Musik

02:31
Starten wir gleich mal mit der ambulanten Drogenberatung. Manche wissen es vielleicht, manche vielleicht auch nicht. Ich bin selbst Drogenberaterin, das heißt, ich arbeite hauptamtlich in der Drogenberatung, in der ambulanten Drogenberatung. Deswegen gibt es diese Informationen jetzt sogar aus erster Hand. An die Drogenberatung kann man sich eigentlich immer wenden, wenn man irgendwelche Fragen oder Anliegen zu seinem Konsum hat oder auch zu dem Konsum vorstellt.

02:59
von Angehörigen, also wenn man selbst nicht betroffen ist, aber sich Sorgen um den Konsum von jemand anderem macht. In einer Drogenberatung sitzen in der Regel Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, so wie ich, und haben auch oft eine Weiterbildung in Beratung. Und Menschen und Angehörige können eben dahin kommen mit ihren Fragen und Anliegen und werden dadurch unterstützt. Die Beraterinnen, der Berater nehmen in dem Fall eine neutrale Rolle an und versucht eben, die betroffene Person in ihrem Anliegen zu unterstützen.

03:29
Inzwischen sind die meisten Beratungen auch akzeptanzorientiert. Das bedeutet, dass man nicht in eine Drogenberatung geht mit der festen Absicht abstinent zu sein. Also das ist keine Voraussetzung mehr.

03:44
Sondern man kann da eben auch hingehen, um zum Beispiel gemeinsam mit der neutralen Instanz, also der Beraterin, seinen Konsum zu reflektieren oder auch Veränderungsziele zu verwirklichen, je nachdem, was man selbst eben braucht. Leider ist die Akzeptanzorientierung immer noch nicht bei allen Beratungsstellen der Fall.

04:03
Und zwar gibt es eben manche Beratungsstellen, die wirklich als große zentrale Aufgabe haben, wirklich so schnell wie möglich in eine stationäre Rehabilitation zu vermitteln und zum Teil auch wirklich nur begrenzte Anzahlen an Beratungsgesprächen den Betroffenen zur Verfügung stellen können. Also so in etwa, ja, ich kann jetzt fünf Gespräche geben und…

04:22
Und dann müsste aber auch der Antrag stehen für die stationäre Reha. Dass so ein Angebot unter anderem so eingeschränkt ist, liegt oft daran, dass diese Beratungsstellen wirklich unterfinanziert sind und gar nicht mehr anbieten können als dieses Angebot. Also die schnelle Vermittlung, dass überhaupt die Klienten oder die Klientinnen, die zu Ihnen kommen wollen,

04:43
ja überhaupt auch alle bewerkstelligen können. Daraus kann sozusagen auch so ein Muster entstehen. Allerdings war es früher auch deutlich mehr verbreitet und diese Akzeptanzorientierung, die manifestiert sich immer und immer mehr in die Beratungsstellen, aber man findet halt hier und da eben noch, ja ich nenne es mal Relikte der alten Zeit, die eben noch so arbeiten.

05:07
Die Drogenberatung ist allerdings trotzdem die richtige Anlaufstelle, wenn man gerne in eine stationäre Rehabilitation möchte. Was das genau ist, dazu komme ich natürlich gleich und wäre damit auch der richtige Ansprechpartner. Und die Drogenberaterin, der Drogenberater macht dann auch zusammen mit der Betroffenen, der Hilfesuchenden den Antrag fertig und

05:28
und hilft eben bei der Vorbereitung, macht motivationale Gespräche und was es halt so braucht, wenn man gerne diesen Schritt gehen möchte. Die Drogenberatung ist für alle Menschen, die konsumieren und diese aufsuchen, kostenlos. Für die Angehörigen in der Regel auch. Und jetzt kommen wir aber zu dem Aber. Denn leider finanzieren die Kommunen manchmal die Gespräche für Angehörigen in der Drogenberatung nicht mit.

05:55
Das heißt, dass Drogenberatungen Gespräche für die Angehörigen aus eigener Tasche zahlen müssen. Das wird von den Drogenberatungen immer mit verschiedenen Konzepten aufgefangen. Entweder sagen sie, okay, wir beraten Angehörige genauso kostenlos, aber die können leider nur drei Gespräche haben. Oder man sagt, okay, wir wollen einfach einen kleinen Betrag haben, um eben die Kosten zu decken.

06:21
Ich habe das große Glück, dass ich in einer Drogenberatung arbeite, in dem ich alle Menschen beraten kann, die zu dem Thema Hilfe suchen. Und dafür bin ich mega dankbar, weil ich finde die Angehörigenberatung sehr wichtig und

06:36
Ja, ich möchte diese auch einfach in vollem Umfang anbieten, wenn diese benötigt wird. Aber das ist eben nicht in allen Drogenberatungsstellen so. Und ich möchte, dass es eben auch klar ist, dass sowas daran liegt, in den meisten Fällen, dass es eben nicht finanziert wird und nicht, weil die Drogenberatung irgendwie denkt, naja, Angehörige, die müssen wir nicht beraten. Genau.

06:56
Genau, so viel der kleine Überblick zu der Drogenberatung. Nochmal in aller Kürze, man kann in die Drogenberatung hingehen, wenn man eben Anliegen hat, wie zum Beispiel die Konsumreflexion mit einer Veränderungsmotivation, einen Abstinenzwunsch oder den Wunsch in eine stationäre Reha oder ambulante Reha oder teilstationäre Reha zu gehen. Wenn man sich Sorgen um seinen Partner, um seine Partnerin macht, weil diese eben konsumiert und es einem nicht mehr so ganz koscher vorkommt, dann kann man sich auch in die Drogenberatung hingehen.

07:25
Und eigentlich auch sonst was einem sorgenbereite Drogenberatungen sind sozusagen die ersten Anlaufstellen, die einem eine umfangreiche Beratung im Normfall bieten können und auch wirklich lang angelegte Beratung bieten können. Immer je nachdem, wie hoch die Auslastung ist und so weiter und so fort. Musik

07:46
Kommen wir nun zu der Entgiftung. Mit einer Entgiftung ist die körperliche Entgiftung von jeglichen Substanzen gemeint, inklusive legalen Substanzen als auch illegalisierten Substanzen. Diese Entgiftung findet entweder in psychiatrischen Krankenhäusern oder auch in Allgemeinkrankenhäusern statt und wird von der Krankenkasse bezahlt. Eine Entgiftung kann sogar bis zu sechs Wochen gehen.

08:10
Das hängt sehr von der Substanz ab, auch ein bisschen von der eigenen Motivation. Man ist da ja nicht unter Zwang. Und dem Angebot des jeweiligen Krankenhauses. Ist man nämlich so zwischen drei und sechs Wochen auf einer Entgiftung, dann nennt man das einen qualifizierten Entzug. Ein qualifizierter Entzug ist um 10,

08:26
Deutlich umfangreicher wie ein normaler Entzug, der manchmal auch nur fünf Tage dauern kann. Hier hat man neben der medizinischen Diagnostik und der medizinischen Begleitung normalerweise noch ein Programm drumherum. Das können Gruppengespräche sein, Einzelgespräche mit Psychotherapeuten, mit Sozialarbeiter, Sozialarbeiterinnen. Es kann Ergotherapie geben und ein Sportprogramm. Man wird sehr ausführlich über seine Abhängigkeitserkrankungen berichtet.

08:52
damit man sozusagen auch eine Entscheidung treffen kann, wie man weitermachen kann. Man wird natürlich auch ausführlich über Anschlussmöglichkeiten informiert, wenn man noch keine Idee hat, wie es mit einem nach diesem qualifizierten Entzug weitergehen soll. Manche Krankenhäuser bieten so einen qualifizierten Entzug auch teilstationär an. Das heißt, man kann zu Hause übernachten und ist über den Tag im Krankenhaus und kann dort eben am Programm teilnehmen.

09:19
Es gibt auch eine ambulante Entgiftung. Diese ambulante Entgiftung ist vom Hausarzt begleitet oder von sogenannten Suchtambulanzen. Das funktioniert im Prinzip so, dass man mit seinem Hausarzt darüber spricht, dass man gerne eine Entgiftung machen möchte und das mit der Substanz bespricht und dann schaut, ob das möglich ist, ambulant oder nicht. Normalerweise bekommt man einen Medikamentenplan über mehrere Wochen, die eben einen bei der Entgiftung unterstützen können.

09:47
Um eine Entgiftung ambulant durchzuführen, gibt es einige Voraussetzungen. An sich erstmal eine Abstinenzmotivation, also dass man das wirklich durchziehen möchte.

09:57
Aber dann aus medizinischer Sicht gibt es eben noch die Punkte, dass wenn so Entzugsanfälle schon aus früheren Zeiten bekannt ist, sollte man das zum Beispiel nicht machen. Oder wenn es schwere Begleit- und Folgeerkrankungen aufgrund des Konsums gibt, wie zum Beispiel Organschäden oder akute Infektionen oder auch bei schweren psychischen Begleiterkrankungen. Da sollte lieber stationär entgiftet werden und nicht ambulant. Darüber hinaus sollte man über ein stabiles, unterstützendes soziales Urteil

10:25
Umfeld verfügen, also am besten mit einem Partner, mit einer Partnerin zu Hause wohnen, die nicht konsumiert, die einen nicht zu Konsum motiviert. Man sollte mit seiner eigenen Wohnung nicht so krass den Konsum kombinieren, weil das gibt eben eine höhere Rückfallgefahr und an sich sollte man eben eher aus einem stabilen Umfeld kommen, mit einem Alltag, mit eventuell einer Arbeit, wenn man ambulant entgiften möchte.

10:51
Es gibt manche Substanzen, die auf gar keinen Fall ohne ärztliche Begleitung entzogen werden sollen, wenn eine Abhängigkeitserkrankung besteht. Hier zählt in allererster Linie Alkohol. Wer über

11:10
Tage, Wochen, jeden Tag sehr viel Alkohol zu sich nimmt, kann an den Entzugsfolgen sterben. Das ist mir wichtig, dass das hier sehr klar ist und dass man, wenn man aufhören möchte zu trinken, dies unter ärztlicher Beobachtung machen soll, um das sicher zu überstehen. Muss nicht passieren, birgt aber Risiken und dementsprechend unbedingt, unbedingt einen Arzt aufsuchen.

11:39
Ein anderer Punkt, der mir an dieser Stelle sehr wichtig ist, und das richtet sich vor allem auch an viele Angehörigen, man kann niemanden zu einer Entgiftung zwingen. In Deutschland darf nur dann jemand zwangseingewiesen werden, wenn eine Selbstgefährdung oder eine Fremdgefährdung vorliegt. Und das muss akut sein. Man kann nicht einfach jemandem die Freiheit entziehen, nur weil er konsumiert und nur weil er zu viel konsumiert. Und das ist

12:07
Ich weiß es, das ist, ja, Angehörige fühlen sich da immer sehr, sehr hilflos und ich kann das total verstehen. Ich fühle mich in den Situationen auch als Beraterin oft hilflos. Aber wenn die eigene Motivation nicht da ist, sich in eine stationäre Reha zu begeben, dann kann man diese Person auch nicht zwingen.

12:29
So, genug von den Nebennotizen zu dem Thema, aber es ist nun mal dadurch, dass die Entgiftung oft auch die erste Anlaufstelle für viele Betroffenen ist, ist mir erstmal das sehr wichtig, das klarzustellen.

12:41
Genau. Aber eine Entgiftung wird nicht immer nur mit einem Abstinenzwunsch und auch nicht immer mit einem dauerhaften Abstinenzwunsch aufgesucht, sondern kann es auch einfach daraus entstehen, dass man vielleicht mal eine Pause braucht, seinen Körper mal schonen möchte und sich eben diese Auszeit gönnen möchte. Also die Motivationsgrundlagen, warum man eine stationäre Entgiftung macht…

13:02
oder auch eine ambulante Entgiftung, ja, die variieren auf jeden Fall. Hat man aber einen klaren Abstinenzwunsch, ist es sehr stark empfohlen, noch eine Anschlussbehandlung zu machen. Und zwar in Form von einer stationären Reha, teilstationären Reha oder ambulante Reha, darüber rede ich gleich. Denn die Rückfallquoten von einer reinen körperlichen Entgiftung

13:25
An was liegt das? Eine Entgiftung, auch wenn die vielleicht mal zwei, drei Wochen dauert, die entgiftet einen zwar von der Substanz, aber es hilft einem nicht oder die Zeit ist nicht ausreichend, um die Gründe aufzuarbeiten, warum man diese Substanz konsumiert. Die Zeit reicht auch nicht aus, um genügend alternative Bewältigungsstrategien für diese Gründe zu finden. Man muss sich ja immer überlegen, dass ein abhängiger Substanzgebrauch auch ansteht.

13:51
eine Bewältigungsstrategie für was auch immer ist. Und wenn man die dann nicht mehr hat und wenn das so lange als eine Hauptbewältigungsstrategie war, dann muss man neue aufbauen und dafür braucht man ein bisschen Zeit. Aus diesen Gründen und sicher auch noch aus einigen mehr, empfiehlt es sich immer eine Anschlussbehandlung machen. Es gibt einmal die Möglichkeit, über ein Nahtlosverfahren direkt von der Entgiftung in die stationäre Reha zu gehen.

14:16
Das Nahtlosverfahren ist ein bisschen schwierig zu sagen. Das geht manchmal und das geht manchmal nicht. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe es auch noch nicht so 100% durchschaut, wann es geht und wann nicht. Das ist für mich tatsächlich eher ein bisschen undurchsichtig. Aber wenn man eben nicht über das Nahtlosverfahren gleich in die Reha kommt, aber trotzdem nicht nach Hause möchte, gibt es eine andere Möglichkeit. Musik

14:45
Diese andere Möglichkeit sind die Übergangseinrichtungen. Diese Übergangseinrichtungen bietet einen konsumfreien Schutzraum für Menschen, die nach der Entgiftung oder einfach nicht nach Hause möchten, nicht können, vielleicht auch gar kein Zuhause haben, jedoch den Wunsch haben, wirklich nachhaltig sich ein anderes Leben aufzubauen und dafür sich eben einen Schutzraum wünschen, wo sie in Ruhe abstinent bleiben können und wo sie betreut werden, damit das auch funktioniert.

15:15
Diese Übergangseinrichtungen werden vom überörtlichen Sozialhilfeträger bezahlt. Das heißt, es kann sein, dass wenn man viel Vermögen hat oder ein hohes Einkommen, da Zuzahlungen anfallen. Das vielleicht noch so als kleine Nebennotiz. Muss man aber immer wieder individuell schauen. Und ja, was macht man an so einer Übergangseinrichtung? Im Prinzip ist das so,

15:40
Ja, eine stationierte, betreutes Wohnen so ein bisschen. Man ist eben dort, hat dort auch ein bisschen Programm und Unterstützung mit Beratung und Gruppen und je nachdem, was eine Übergangseinrichtung eben anbietet. Also so auch ein bisschen wie die qualifizierte Entgiftung. Man hat einfach eben noch ein bisschen Programm drumherum, außer dem Wohnen oder auch so tagesgestalterische Maßnahmen und, und, und. Außerdem

16:05
Außerdem kann man in der Übergangseinrichtung, falls das noch nicht passiert ist, einen Antrag auf eine Reha stellen und ja, das ist eigentlich auch schon ziemlich das, was man dort machen kann. In eine Reha.

16:18
Eine stationäre Übergangseinrichtung kann man bis zu drei Monaten gehen, kann man bis zu drei Monaten dort bleiben und unter speziellen Bedingungen sogar bis zu sechs Monaten. Eine Übergangseinrichtung kann man eigentlich immer machen, das heißt auch wenn jemand vielleicht schon länger abstinent gelebt hat und rückfällig geworden ist und schnell eben, ja,

16:38
einen sicheren Platz sucht, wo er erstmal wieder kurz sich Gedanken fassen kann, kann er auch in eine Übergangseinrichtung gehen. Denn in eine Übergangseinrichtung kommt man normalerweise deutlich schneller als zum Beispiel in eine stationäre Reha. Werbung

16:58
So, schon sehr oft erwähnt bis jetzt in diesem Podcast geht es nun um die Reha oder die Entwöhnung für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen. Hier gibt es oft Verwechslungen, denn…

17:13
Wenn man von einer Entwöhnung spricht, spricht man eigentlich wirklich von dieser stationären Reha. Aber oft wird das mit der Entgiftung durcheinandergeworfen. Also diese rein körperliche Entgiftung, von der wir es gerade haben. Deswegen habe ich mir ziemlich…

17:27
Ja, habe ich mir angewöhnt, einfach zu sagen stationäre Reha oder Reha, weil ja, weniger Verwechslungsgefahr. Okay, aber genug davon, schauen wir da mal genau rein. Ich selbst habe schon in zwei Rehas gearbeitet, erst als Sozialarbeiterin, jetzt als Suchttherapeutin, habe also auch hier schon Einblicke aus erster Hand, die ich für euch habe.

17:47
Also starten wir erstmal mit der stationären Reha. Die stationäre Reha zeichnet sich dadurch aus, dass man eben vor Ort wohnt. Bei der teilstationären Reha haben wir so ziemlich das gleiche Programm wie bei der stationären Reha, allerdings schläft man zu Hause. Also in anderen Worten ist das eine eine Tagesklinik für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und das andere eben wirklich ein stationärer Aufenthalt.

18:13
Das Programm einer stationären Reha schaut meistens wie folgt aus. Man hat einmal die Woche ein Einzelgespräch mit seiner Bezugstherapeutin und zweimal die Woche, mindestens zweimal die Woche Gruppentherapie auch mit der Psychotherapeutin oder der Suchttherapeutin.

18:30
Das weitere Angebot variiert so ein bisschen von Einrichtung zu Einrichtung. Was wir eigentlich immer dabei haben, ist eine Arbeitstherapie, Ergotherapie oder auch Sporttherapie oder ein Sportangebot. Aber es gibt auch manchmal solche Sachen wie Kunsttherapie.

18:47
Oder auch Ernährungsberatung. Größere Kliniken können da dementsprechend auch oft ein deutlich größeres Angebot anbieten. Dafür sind sie halt meistens sehr groß, wenn kleinere Kliniken oder kleinere Rehas eher ein überschaubares Angebot haben, aber dafür eben auch eine familiäre Atmosphäre.

19:07
Manche Rehas haben zusätzlich noch besondere Schwerpunkte. Diese können sehr stark variieren und orientieren sich sehr oft an Komorbiditäten. Also eine Komorbidität ist zum Beispiel, wenn neben der Abhängigkeit noch eine andere Diagnose besteht, wie zum Beispiel eine posttraumatische Belastungsstörung. Somit gibt es unter anderem auch Kliniken, die sich auf das Thema Trauma und Sucht spezialisiert haben. Aber es gibt auch Kliniken, die sich zum Beispiel auf das Thema Depressionen und Sucht spezialisieren.

19:34
spezialisiert haben oder beziehungsweise dort einen Schwerpunkt haben und damit eben auch noch besondere Gruppen und ein besonderes Programm anbieten. Oder wenn ihr euch daran erinnert an meine Chemsex-Folge von letztem Monat, da war die Salus Klinik Hürth mit dabei und die haben ja diesen Chemsex-Schwerpunkt, also ein besonderes Programm für Männer, die Sex mit Männern haben und gleichzeitig Chemsex betreiben.

19:57
Die stationäre Reha und die teilstationäre Reha kann insgesamt bis zu sechs Monaten gehen, in manchen Fällen sogar noch länger. Der Hauptkostenträger ist hier die deutsche Rentenversicherung. Und aus meiner Erfahrung ist es bei der deutschen Rentenversicherung so, dass Erstanträge bei illegalisierten Substanzen oft eine Kostenzusage bis zu 26 Wochen bekommen und bei Alkohol bis zu 15 Wochen.

20:22
Dadurch, dass die deutsche Rentenversicherung der Hauptkostenträger ist, geht es in der suchtspezifischen Langzeittherapie oder in der stationären Reha also auch oft um die Wiederherstellung oder den Erhalt der Arbeitskraft. Daraus begründet sich zum Beispiel auch der Fokus auf die Arbeitstherapie, die in der Regel auch verpflichtend ist innerhalb der stationären Reha.

20:43
Wenn die Voraussetzungen für die Kostenübernahme bei der Deutschen Rentenversicherung nicht erfüllt sind, das ergibt sich zum Beispiel daraus, wenn man noch nicht genügend eingezahlt hat in die Deutsche Rentenversicherung oder vielleicht auch noch gar nicht gearbeitet hat, dann…

20:58
übernimmt die Kosten die Krankenkasse. Die Krankenkasse hat ein bisschen einen überschaubareren Antrag. Auf jeden Fall habe ich damit bis jetzt so die Erfahrung gemacht. Den kann man allerdings auch über die Drogenberatung stellen und man bekommt meistens eine Kostenzusage bis zu acht Wochen. Also die Kostenzusagen sind kürzer, können aber auf Therapie

21:20
verlängert werden und dann kommt man damit auch so Pi mal Daumen auf eine ähnliche Therapiezeit wie andere Menschen, die bei der Deutschen Rentenversicherung sind.

21:30
Kommen wir nun zur ambulanten Reha, die nenne ich nämlich extra, weil das Angebot eigentlich ein sehr reduziertes ist. Und zwar hat man bei der ambulanten Reha ein Einzelgespräch die Woche bei seiner Bezugstherapeutin und ein bis zwei Gruppengespräche pro Woche in der Regel. Mehr nicht. Das bedeutet natürlich, die Ambo-Reha ist sehr gut mit einem schon vorhandenen Alltag zu verknüpfen, da man nicht so viel Zeit aufwenden muss und auch nicht aus dem Berufsleben ausscheiden muss. Das sind zum Beispiel die Vorteile, die für eine ambulante Reha sprechen.

21:59
Beschäftigen wir uns jetzt noch ganz kurz mit der Frage, welche Therapieform für wen die richtige ist. Denn es sind jetzt erstmal verschiedene Angebote, alle haben ihre Vor- und Nachteile. Es gibt allerdings auch verschiedene Voraussetzungen, die man erfüllen sollte, um das eine oder andere Therapieangebot anzutreten. Die stationäre Reha kann eigentlich von allen Menschen angetreten werden, bei denen eine Abhängigkeitserkrankung vorliegt und die gerne aussteigen möchten.

22:26
Eine stationäre Reha macht dann vor allem Sinn, wenn man wirklich mal Abstand auch von seinem sozialen Umfeld braucht oder von seinem Konsumkontext, wenn man vielleicht sogar plant, in eine komplett andere Stadt zu ziehen danach, weil man wirklich Abstand braucht, aber auch wenn man keinen festen Wohnsitz hat oder eben ja keinen Kontext zu Hause, in dem man sicher abstinent leben kann über diese Zeit.

22:50
Wenn es für jemanden schon die zweite oder dritte stationäre Reha ist, kommt je nachdem, wie lange die letzte her ist, brauchst du eben besondere Begründungen. Vor allem, wenn es innerhalb der von vier Jahren ist, warum man schon wieder eine stationäre Reha braucht.

23:06
Aber auch für diesen Fall ist die Drogenberatung am Start und schaut, wie man das deichseln kann. Für eine teilstationäre Reha oder auch eine ambulante Reha gibt es ein paar mehr Voraussetzungen. Denn man braucht ein stabiles Umfeld zu Hause. Das heißt, man braucht einen Partner, eine Partnerin, wenn man mit jemandem zusammen wohnt, zu Hause, die nicht konsumiert bzw. die Abstinenz nicht gefährdet. Man sollte seine eigene Wohnung nicht verletzen.

23:34
als Hauptkonsumort genutzt haben, da sonst einfach das zu sehr triggert, das einen zu sehr eventuell ansporrt, wieder zu konsumieren. Ein soziales Umfeld, das unterstützend ist, das einen in seinem Wunsch auch unterstützt und nicht irgendwie weiter zum Konsum verleitet. Also rundum, man braucht eigentlich eine stabile Basis, um eben die Angebote zu nutzen, wo man wirklich auch noch zu Hause schläft oder beziehungsweise in seinem sozialen Umfeld bleibt.

24:01
Natürlich braucht man auch einen sicheren Wohnort, in dem man sich wohlfühlt. Im Prinzip braucht man einfach mehrere Faktoren, die Abstinenz fördern sind in seinem schon vorhandenen sozialen Bereich, um diese Formate oder diese Hilfsangebote anzunehmen. Außerdem muss man eben seine eigenständige Abstinenzfähigkeit beweisen. Das heißt, man braucht einen Test, einen Drogentest, dass man eben schon abstinent ist, wenn man das eben antreten möchte.

24:30
Um das vielleicht nochmal in ein Beispiel zu betten, wenn ich eine Klientin habe, die mit ihrem konsumierenden Partner zu Hause wohnt, es da immer Krach gibt, immer schon sich gegenseitig zum Konsum angestachelt worden ist, wurde sie schon seit Jahren, vor allem bei illegalisierten Substanzen ist es nochmal Ärger, ganz viel konsumiert hat und eigentlich noch nie eine Abstinenzzeit vorzuweisen hat, dann ist…

24:56
Der Antrag auf eine ambulante Reha eigentlich umsonst, denn der würde nicht bewilligt werden, weil da eben die Voraussetzungen für fehlen. Wer jetzt allerdings sagt, so boah, ja, Therapie schon und ich würde auch stationär gehen, das wäre vielleicht richtig, aber ich habe keinen Bock, mindestens drei Monate dort zu sein, gibt es auch solche Angebote wie Kombi-Therapien.

25:18
bedeuten im Prinzip, man geht mal, ich glaube, bis zu acht Wochen, maximal zwölf, aber eher bis zu acht, in stationäre Reha und dann wird die stationäre Rehazeit von der ambulanten Rehazeit abgelöst und man kann dann eben ambulant weitermachen und hat somit ein langes, allumfassendes Angebot, am Anfang intensiv und am Ende weniger intensiv. Musik

25:42
So, jetzt ist man mit der Reha fertig. Was nun das Hilfsangebot hat, auf jeden Fall noch nicht auf. Es gibt noch verschiedene Möglichkeiten, was man nach einer Reha wahrnehmen kann. Starten wir mal mit der Adaption. Die Adaption ist ein Angebot, das an sich immer auch stationär stattfindet und oft an andere stationären Rehas angegliedert ist, beziehungsweise kooperieren stationäre Rehas mit Adaptionen.

26:07
Eine Adaption ist im Prinzip eine berufliche Wiedereingliederung und auch eine Verselbstständigungsphase. Das bedeutet, man ist in der Zeit aufgewachsen,

26:18
Auch ein wenig selbstständiger. Man kocht zum Beispiel selbst. Auf stationäre Reha bekommt man ja Essen. Bei der Adaption kocht man selbst. Man hat ein Praktikum, versucht sich wieder ins Berufsleben einzufinden. Man sucht eine Wohnung oder eine Wohnmöglichkeit, wenn man das noch nicht hat und reflektiert eben diese Schritte in das abstinente Leben gemeinsam mit seiner Beraterin, mit seiner Suchttherapeutin.

26:44
Und mit der Gruppe. Also man hat dann weiter Einzelgespräche und Gruppentherapie und eben dann zusätzlich ein Praktikum und organisiert sich sozusagen das Leben nach der Reha. Auch hier ist der Hauptkostenträger die deutsche Rentenversicherung und eben wieder nachrangig die Krankenkasse. Und der Antrag wird von der stationären Reha ausgestellt oder eben auch von der teilstationären Reha. Musik

27:13
Kommen wir nun auch zum Thema Wohnen, denn auch hier gibt es Anschlussbehandlungen, die man wahrnehmen kann.

27:19
Für alle die, die es nicht so ganz geheuer sind, komplett ohne Betreuung weiterzumachen, gibt es verschiedene Wohnformen für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, die man wählen kann. Auf der einen Seite haben wir das stationäre betreute Wohnen. Beim stationären betreuten Wohnen, das zeichnet sich daraus aus, dass eigentlich immer jemand da ist, so 24-7, ein Sozialarbeiter oder ein professioneller Mitarbeiter, der eben als Ansprechpartner

27:45
Und ja, der einfach einen unterstützt, falls es eben Probleme oder sowas gibt. Sonst führt man aber einfach ein ganz normales WG-Leben mit seinen WG-Kumpanen, hat aber eben diesen Sozialarbeiter als Ansprechpartner, der eben vor Ort ist.

28:03
Dann gibt es das, nennen wir es mal das normale betreute Wohnen. Für mich ist es das normale betreute Wohnen, aber das ist sicher nicht der richtige Begriff. Also man nennt es auch Clean-WG, das ist auch sehr verbreitet als Name. Und bei diesem betreuten Wohnen hat eine Einrichtung einen Träger verschiedener WGs, in die kann man einziehen. Und man hat genauso Sozialarbeiter, Sozialarbeiterinnen als Ansprechpartner, Partnerinnen.

28:25
Aber die sind nicht 24-7 am Start. Das heißt, man hat da eigentlich schon große Freiheiten, hat aber trotzdem Sozialarbeiter, Sozialarbeiterinnen, die vorbeikommen, die einem Hilfestellungen im Alltag geben und so weiter. Falls man so einen besonderen Schutzraum nicht benötigt, weil man zum Beispiel eine eigene Wohnung hat oder beziehungsweise irgendwo mit jemandem zusammen wohnt, aber trotzdem jemanden braucht, der so ein bisschen…

28:51
Alltagsmäßig unterstützt gibt es noch zusätzlich das betreute Einzelwohnen. Das betreute Einzelwohnen funktioniert im Prinzip so, man führt sein Leben in seiner eigenen Wohnung, in seinen eigenen vier Wänden und ein- bis zweimal die Woche, je nachdem wie hoch der Bedarf ist, kommt ein Sozialarbeiter, eine Sozialarbeiterin vorbei, man quatscht, man bekommt Unterstützung in allen Dingen, die alltäglich anfangen, sei es Finanzen, sei es irgendwelche anderen Organisationen oder Bewerbungen schreiben oder

29:18
Oder vielleicht auch eine neue Wohnung suchen oder einfach auch nur Beratung. Also man hat sozusagen einen Helfer, eine Helferin am Start, die einen bei sowas unterstützt. An sich ist die Arbeit von Sozialarbeiter, Sozialarbeiterinnen in allen drei Angeboten sehr ähnlich. Nur der Schutzraum ist intensiver, je nachdem welches Angebot man wählt.

29:38
Für diese drei Leistungen, also stationäres betreutes Wohnen, Clean-WG oder auch betreutes Einzelwohnen, ist der Kostenträger der überörtliche Sozialhilfeträger. In Hessen ist das zum Beispiel der LWV, der Landeswohlfahrtsverband Hessen. Auch hier haben wir wieder den Punkt, dass wenn man Vermögen besitzt und viel verdient, dass es sein kann, dass man zuzahlen muss. Das muss immer wieder individuell geprüft werden. Musik

30:08
Kommen wir nun zur Nachsorge. Die Nachsorge kann sowohl nach einer Adaption oder auch während des Wohnens in einer Clean-WG stattfinden. Allerdings kann man die Nachsorge auch wahrnehmen, wenn man nichts von beiden braucht und einfach nach der stationären Reha weiter noch eine Zeit lang Beratung haben möchte. Dann wird von der stationären Reha aus ein Antrag auf Nachsorge gestellt und man kommt wieder zurück zur Drogenberatung, eventuell

30:34
eventuell sogar zu der Drogenberatung, die einem auch entsendet haben. Also ich empfange sehr oft meine Klienten, meine Klientinnen, die ich auf Reha geschickt habe, auch wieder, wenn sie nach Hause kommen und

30:44
Ich begleite sie dann sozusagen in der Zeit, wie sie sich wieder zu Hause einfinden und berate sie weiter eben in diesen Schritten. Die Nachsorge kann entweder in Gruppensitzungen oder auch in Einzelsitzungen stattfinden. Das variiert sowohl von Berater zu Beraterin, aber auch von Einrichtung zu Einrichtung, je nachdem, was man eben anbieten kann, ob man beides anbieten kann oder nur Gruppen anbieten kann.

31:09
Man bekommt von der Deutschen Rentenversicherung, die das eben zahlt, 20 Gruppen oder Einzelgespräche plus zwei Angehörigengespräche bereitgestellt. Und diese kann man dann über sechs Monate nutzen.

31:24
Zu guter Letzt möchte ich noch auf sozialtherapeutische Einrichtungen eingehen, denn diese stellen ein bisschen besonderes Angebot dar. Das liegt daran, dass sie für deutlich länger Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen ein Zuhause bieten. Wenn man einen Antrag auf Sozialtherapie stellt, stellt man sie meistens für Minimum ein Jahr. Aber oft sind Menschen in sozialtherapeutischen Einrichtungen auch mal zwei oder drei Jahre oder sogar länger.

31:50
Die Sozialtherapie stellt eben ein Angebot für die Betroffenen dar, die aufgrund von wirklich langjähriger chronischer Suchterkrankungen und vielen Rückschlägen eine intensive und lang angelegte Betreuung brauchen. Sozialtherapeutische Einrichtungen bieten also Menschen ein Angebot, die mittelfristig oder dauerhaft nicht mehr in der Lage sind, ohne stationäre Betreuung am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und eben sozial und auch beruflich sehr entwurzelt sind.

32:18
In eine sozialtherapeutische Einrichtung kann man entweder direkt nach der Entgiftung gehen, aber es ist auch manchmal eine Möglichkeit, nach einer stationären Rehabilitation in eine Sozialtherapie zu gehen, wenn sich zum Beispiel der erhöhte Bedarf erst während der stationären Reha herausgestellt hat. Auch hier ist der Kostenträger wieder der überörtliche Sozialhilfeträger.

32:40
So, das war es und es war ja wirklich ein langer Weg, weil wir haben eigentlich im Prinzip die komplette Suchthilfekette von Drogenberatung zu Entgiftung, Übergangseinrichtung, stationären Rehas.

32:57
Adaption, betreutes Wohnen, Nachsorge, am Ende sogar noch sozialtherapeutische Einrichtungen durch. Was ich jetzt tatsächlich aber rausgelassen habe, sind die ganzen niedrigschwelligen Angebote wie Notschlafstellen, Kontaktläden, Konsumräume. Dazu wird es sicher mal was extra geben. Das ist für mich einfach nochmal ein bisschen ein anderes Thema, auf das ich irgendwann anders auch nochmal gesondert eingehen möchte. Sonst wäre das alles auch fast noch zu umfangreich geworden.

33:26
An sich war diese Folge vor allem da, um eine Übersicht zu verschaffen. Ich werde hier und da in anderen Podcast-Folgen definitiv noch deutlich intensiver auf die verschiedenen Hilfsangebote eingehen, aber so zum Einstieg, dass man mal alles gut verorten kann, gab es eben diese Übersichtsfolge.

33:43
Das war es auf jeden Fall heute von mir. Wir hören uns wieder in zwei Wochen am Donnerstag, den neuen Drogendonnerstag. Es wird eine Substanzfolge werden, das weiß ich jetzt schon. Ich freue mich auf jeden Fall, wenn ihr wieder einschaltet. Falls ihr Kommentare, Fragen oder sonstige…

34:02
Kontaktgesuche habt, könnt ihr mich gerne auf Instagram anschreiben. Ihr findet mich da unter psychoaktiv.podcast. Es gibt auch eine Seite von mir auf Facebook, über die man mich erreichen kann oder einfach per E-Mail unter psychoaktiv.podcast at gmail.com Das war’s von mir. Bis in zwei Wochen. Habt viel Spaß. Bis dahin. Ciao.

34:42
Das war psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.


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