Fachwissen direkt auf dein Handy
Dreimal pro Woche bekommst du fundierte Impulse zu Drogen, Konsum und Sucht für deinen beruflichen Alltag.

PsyCare: Mentale Gesundheit auf Raves und Festivals – Wie verhalte ich mich, wenn es jemanden nicht gut geht?

PsyCare ist eine Form psychologischer Unterstützung auf Raves und Festivals für Menschen, die in eine akute Krise geraten. Auslöser können psychoaktive Substanzen sein, müssen es aber nicht. Auch Reizüberflutung, Schlafmangel, Erschöpfung, Konflikte oder belastende Erlebnisse können dazu führen, dass jemand Orientierung und Unterstützung braucht. Psychedelische Ambulanzen bieten dafür einen geschützten, reizärmeren Raum, in dem Menschen zur Ruhe kommen, begleitet werden und bei Bedarf an medizinische Hilfe weitervermittelt werden können.

Im Gespräch mit Rüdiger Schmolke geht es darum, wie PsyCare entstanden ist, wie solche Angebote auf Festivals funktionieren und was Freundeskreise selbst tun können, wenn es jemandem psychisch schlecht geht. Thematisiert werden Vertrauen, klare Ansprache, Reizreduktion, Zuhören, körperliche Sicherheit und die Frage, wann professionelle Hilfe oder ein Rettungsdienst notwendig ist. Besonders bei psychedelischen Krisen kann es hilfreicher sein, nicht gegen die Wahrnehmung einer Person zu argumentieren, sondern Sicherheit zu vermitteln und behutsam Orientierung anzubieten. Deutlich wird: Gute Unterstützung bedeutet nicht, eine Krise möglichst schnell „wegzumachen“, sondern Beziehung und Sicherheit herzustellen, Selbstbestimmung zu respektieren und die eigenen Grenzen als helfende Person im Blick zu behalten.


Unabhängige Aufklärung fördern. Fachlich weiterdenken.

Mit Psychoaktiv+ unterstützt du die Arbeit hinter Podcast und Magazin. Gleichzeitig kannst du mit der Vertiefungs-Mitgliedschaft auf exklusive Folgen und vertiefende Inhalte für Beratung, Therapie und Prävention zugreifen.


PsyCare: Mentale Gesundheit auf Raves und Festivals – Wie verhalte ich mich, wenn es jemanden nicht gut geht?

=========================================

PODCAST-METADATEN

Folge: 69
Erscheinungsdatum: 15.06.2023
Podcast: Psychoaktiv
Titel: PsyCare: Mentale Gesundheit auf Raves und Festivals – Wie verhalte ich mich, wenn es jemanden nicht gut geht?
Sprecher: Stefanie Bötsch, Rüdiger Schmolke
Typ: Transkript

=========================================

TRANSKRIPT BEGINN

00:02

Festivals, Raves, Feiern, das sind Gelegenheiten, wo Ekstase, Spaß, Feiern, Tanzen eigentlich im Vordergrund steht. Aber manchmal sorgt eben auch die Mischung von all diesen Eindrücken und auch psychoaktiven Substanzen dazu, dass es einem die Situation überfordert oder dass es einem schlecht geht.

00:20

Hier gibt es im besten Falle psychedelische Ambulanzen auf dem Rave oder auf den Festivals, wo man dann hingehen kann und man gut betreut wird. In dieser Folge reden wir genau über diese psychedelischen Ambulanzen, aber auch im letzten Teil darüber, was ihr vielleicht untereinander machen könnt als Freunde und Partycrew, um euch gegenseitig zu unterstützen, wenn es jemandem nicht gut geht. Viel Spaß bei der Folge. Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein!

01:01

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Ich bin Stefanie Bötsch, ich bin Suchttherapeutin und heute spreche ich mit Rüdiger Schmolke. Rüdiger arbeitet als Referent beim Notdienst Berlin und wir kennen uns über das Sonix-Netzwerk, der Bundesverband für Safer Nightlife.

01:23

Genau, und da haben wir uns eben auch kennengelernt, weil wir im Nachtleben gearbeitet haben und uns damit beschäftigt haben. Hi Rü, schön, dass du da bist. Ja, hi. Und ich kann auch gleich sagen, ich auch gearbeitet habe, weil ich jetzt neuerdings beim Notdienst Berlin e.V. arbeite, aber die letzten Jahre ja, wie du weißt, so nah Safer Night Live Berlin koordiniert habe.

01:42

Genau, und ich war in dem Rahmen bei Save Party People, aber auch da fahre ich die Arbeit gerade runter oder bin auch nicht mehr aktiv auf Festivals unterwegs. Aber hey, an sich ist dieser ganze Podcast, die Podcast-Idee genau aus dieser Arbeit entstanden. Und unser Thema heute geht ganz extremst in die Richtung, denn wir sprechen über Psycare und psychedelische Ambulanzen.

02:03

Ich habe tatsächlich auch mal Psycare mitorganisiert. Das war Heinen Mai 2018, wenn ich mich nicht irre. Also auch schon wieder ein bisschen eine Weile her, aber ich habe auf jeden Fall eine Runde Festival hinter mir. Ruhi, ich glaube, du hast ein paar mehr Festivals gemacht, oder? Ja, kann man glaube ich so sagen. Vor allen Dingen war ja meine High Time sozusagen Ende der 90er. Da habe ich ganz viele…

02:25

auch Subpsychereinsätze hauptmäßig auch mit organisiert und inzwischen arbeite ich nur noch und setze mich in ein gebettetes Nest sozusagen. Ja, ist natürlich auch keine schlechte Rolle.

02:37

Für die Leute, die erstmal gar nicht wissen, was Psycare ist. Ich wusste es damals, bevor ich zur Safe Party-Piepe gekommen bin, auf jeden Fall auch nicht. Was ist das? Ja, Psycare ist ja so eine Art Kunstbegriff, setzt sich halt zusammen aus Psychological Care. Und was wir, glaube ich, deutlich machen wollten mit dieser Idee, auch mit der psychedelischen Ambulanz, dass wir halt wirklich auf psychische Krisen abzielen. Weil ganz viele haben ja aber Erste Hilfe und sowas immer, erstmal körperliche Erste Hilfe im Alltag.

03:05

Blick so und das ist natürlich für uns auch super wichtig, dass wir ausschließen können, dass es den Leuten nicht irgendwie körperlich super dreckig geht, sodass es da irgendwie vielleicht ein lebensgefährliches Risiko gibt, so aufgrund organischer Schäden. Und Psycare kümmert sich eben um die Psyche und bietet so einen Rahmen, so um auf Festivals, auf Partys auch, aber vor allen Dingen auf Festivals, wo halt ein besonderes Setting ist, tatsächlich Leute aufzufangen, sie betreuen und wieder fit für die Party zu

03:28

Ich habe Psycare, wenn ich das schnell erklären möchte, immer als professionelles Trip-Sitting bezeichnet. Doch wenn ich jetzt auch so deine Erklärung mache, dann denke ich mir, oh, da habe ich fast ein bisschen Fahrt weggelassen. Weil wie du schon sagst, es geht ja darum, Menschen psychisch aufzufangen. Und da geht es eben nicht nur um das Betreuen, wenn der Trip nicht gut läuft, sondern, wenn ich dich richtig verstanden habe, eigentlich…

03:51

Alle Situationen. Ja, genau. Und Trip-Sitting, ja, das wird immer oftmals so konkurrierend auch benutzt. Und wir hatten uns damals zu Eclipse-Zeiten, also Eclipse haben wir gar nicht erwähnt. Eclipse e.V. hat ja so im deutschsprachigen Raum diesen Begriff auch ein bisschen geprägt. Sei Ambulanz oder psychedelische Ambulanz. Und da bin ich halt auch einer der ältesten Mitglieder.

04:10

Und bei Eclipse hatten wir eine lange Debatte auch darum und haben uns ganz bewusst dafür entschieden, das nicht Trip-Sitting zu nennen, weil Trip-Sitting ja auch so ein bisschen, das ist ja wie so eine Art Dienstleistung. Also im besten Falle hat man ja auch einen Trip-Sitter vor dem Trip sozusagen organisiert oder eine Person halt aus dem Kreis bestimmt.

04:26

Und wir haben es anders verstanden. Für uns war das wirklich vor einigen Umgang ein Notfall. Und eben auch nicht nur begrenzt darauf, dass ich jetzt psychedelische Substanzen genommen habe, sondern eigentlich hat es sich dann immer mehr ausgeweitet und immer mehr auch rausgezeigt, dass es natürlich ganz verschiedene Auslöser gibt von psychischen Krisen auf solchen Festivals. Du sprichst von Krisen. Was können solche Krisen denn sein? Ja, also jetzt mal generell gesprochen, Krisen sind ja immer so…

04:52

Also es sind immer kritische Punkte, sind ja nicht so schlecht, wie sie meistens so übersetzt werden, sondern es sind einfach Punkte, in denen unklar ist, in welche Richtung geht es jetzt eigentlich, was passiert. Und gerade an solchen Punkten kann es sehr wichtig sein, Unterstützung zu geben und

05:09

Ja, was sind das? Also es sind, würde ich jetzt mal sagen, generell Situationen, in denen halt ein höheres Risiko da ist, dass es wirklich zu einer weiteren psychischen Belastung kommt, die dann irgendwann auch nicht mehr gehandelt werden kann, die dann vielleicht auch bedrohliche Folgen haben kann. Also…

05:25

Das Spektrum ist natürlich riesig. Es kann einfach nur eine totale Erschöpfung sein, die in einem ganz leeren Energiestatus dann endet und wo man einfach eine Person braucht, die einen aufhängt. Das klingt erstmal vielleicht undramatisch, kann aber auch auf so einem Festival eine extreme Reiseüberflutung, vielleicht totale Übermüdung, vielleicht hat man irgendwie Beziehungsstress oder so.

05:47

Man hat irgendwie ein scheiß Erlebnis gehabt. Es kann eine geklaute Tasche sein oder irgendwas, was man nicht mehr findet oder einfach nur fertig. Also sowas harmloses, in Anführungsstrichen, kann es sein. Und es kann natürlich auch wirklich eine handfeste Prätraumatisierung zum Beispiel sein oder eben ein ganz psychotischer Zustand. Das Spektrum ist groß. Das ist ein sehr großes Spektrum.

06:07

was natürlich auch Menschen braucht, die so etwas auffangen können. Wer erwartet mich denn in einer psychedelischen Ambulanz? Gute Frage. Wir haben in der Gründungsphase, in der übrigens ganz viele Projekte, so auch europaweit und auch in den USA zuerst entstanden sind. Es gibt in den USA das Sendo-Projekt zum Beispiel. Über Maps ist das entstanden. Es gibt das Boom-Festival, hat eine Psy-Ambulanz sozusagen Cosmic Care aufgebaut zu der Zeit schon.

06:32

Und dann gab es halt in einigen anderen Regionen in Europa gab es so die gleichen Ideen. Und in der Gründungsphase haben sich eigentlich alle Projekte so als Peer-Projekte verstanden. Also sie sind eigentlich von den Leuten gegründet worden, die selber diese Festivals besucht haben und sich da zu Hause fühlten, vielleicht sogar mitorganisiert haben. Eclipse ist ja auch auf der ersten Fusion, ja, ist diese Gründung wirklich erfolgt. Also nicht die Vereinsgründung, aber so diese Gruppengründung so, ist eigentlich daraus hervorgegangen. Weil wir gemerkt haben oder die Gründungsprojekte,

07:01

damals so, das ist genau so ein Rahmen, wo es sowas nochmal zusätzlich braucht. Auf die Gründe kann ich ja gleich nochmal eingehen. Und wichtig war in der Anfangszeit, dass es Leute sind, die tatsächlich sich heimisch auf dieser Party fühlen. Und natürlich ist es dann auch so gewesen, dass es eher Leute waren, die so ein

07:18

Kehrblick hatten, PsychologInnen, SozialarbeiterInnen und das ist auch bis heute so ein bisschen der dominierende Stand, aber im Prinzip kann jeder mitmachen. Also es ist wichtig natürlich, dass man ein paar Leute auch hat, die wirklich auch so einen professionellen Hintergrund haben oder zumindest ganz viel Erfahrung und sich Wissen angeeignet haben, aber

07:34

Aber ganz wichtig ist uns auch, dass es ganz viele, und so ticken die meisten Projekte, dass es ganz viele Leute gibt, die auch immer wieder neu reinschnuppern können und die einfach ein Stück Empathie und Wille und sowas mitbringen. Ja, und an der Stelle sei vielleicht auch auf jeden Fall noch ergänzt, dass die Menschen, die beim Psyche mitmachen über Sonix, in aller Regel eine Fortbildung gemacht haben in dem Bereich. Also es gibt jährlich eine Psyche-Ausbildung, Fortbildung, die habe ich damals auch gemacht, bevor ich aufs H&M gefahren bin, eigentlich.

08:03

Also das heißt jetzt nicht, dass jeder einfach mal das so reinschnuppern kann, sondern dass es schon immer sozusagen vorgeschalten ist, dass man dahingehend wirklich toll fortgebildet, ausgebildet wird und auch mit Rollenspielen übt, was einen in so einem Psykerzelt erwarten kann.

08:18

Und ja, das ist vielleicht noch wichtig dazu zu erwähnen. Ja, super gut, dass du das sagst. Also wir haben tatsächlich auch Qualitätsstandards mal entwickelt vor ein paar Jahren in diesem Sonix-Verbund. Und das eine ist natürlich, was auf dem Papier ist. Das andere ist, was man so zusätzlich noch alles mitbringt, auch an Haltung. Aber genau, inzwischen ist es wirklich so, dass niemand eigentlich mehr wirklich in der Betreuungsarbeit, zumindest in Psycare arbeitet, der oder die nicht so eine Grundausbildung hat.

08:42

Und das braucht man auf jeden Fall auch, weil ich kann mich noch an mein erstes Festival wirklich gut erinnern. Ich war so froh auch über die Rollenspiele und so, weil das ist auch eine herausfordernde Zeit. Es war total spannend, hat total viel Spaß gemacht, war eine wunderschöne Arbeit, aber auch teilweise herausfordernd. Und es ist natürlich gut, dass man da schon sein Werkzeug mit an die Hand bekommen hat.

09:02

Ich habe jetzt gerade schon gesagt, das Psycare-Zelt, weil bei uns im Heine-Mai war es ein Zelt, auf der Fusion ist es auch ein Zelt. Aber vielleicht können wir mal kurz die psychedelische Ambulanz illustrieren. Was erwartet mich denn? Wo finde ich so eine psychedelische Ambulanz und wie schaut die aus und was ist da drin?

09:18

Ja, sehr verschieden. Natürlich nach Größe des Festivals, nach Möglichkeit des Festivals, auch für Logistik und sowas zu sorgen. Natürlich kann man jetzt irgendwie ein kleines Freundeskreis-Festival nicht gleichsetzen mit so Riesenaktionen wie der Fusion oder der Melt oder sowas.

09:33

Genau, aber im besten Falle gibt es einen ziemlich großen offenen Bereich. Das kann auch sogar durchaus ein 50 oder 100 Quadratmeter Zelt sein, in dem eigentlich jeder und jede Partygästin willkommen ist. Es gibt auch so Grundversorgung, also sowas wie Getränke. Es gibt so ein Hygienematerial. Das ist uns natürlich wichtig immer, weil wir sind ja irgendwie auch so eine, nicht eine sanitäre Einrichtung, aber schon sowas, was so auf Care halt zielt.

10:02

Und dann gibt es einen Bereich, der ist tatsächlich, was wir so Infostand meistens nennen, wo wir ganz viel Informationen rausschießen, sage ich jetzt mal, geben können, ganz persönlich auch. Auch ganz viel Self-Use-Materialien verteilen, manchmal gegen Spende, manchmal wirklich so for free. Wenn es notwendig ist, auf jeden Fall for free. Und davon so ein bisschen parallel läuft dann eben die eigentliche Ambulanzarbeit vor.

10:25

Und die ist halt eine Betreuungsarbeit. Also das kann auch nur ein kleiner Kontakt natürlich sein. Manchmal ist es ja so, man sucht irgendwie jemanden kurz zum Quatschen oder wenn wir eine Frage loswerden und es geht einem schon viel besser oder man ist irgendwie dann okay. Es gibt natürlich auch viele neugierige Personen. Es gibt auch viele einfach, die im Moment erschöpft sind und einfach sich mal beobachten wollen oder für ein Momentchen zur Ruhe kommen wollen und dann einfach weiterziehen, ohne dass eine ganz große Interaktion passiert.

10:50

Aber das kann eben auch so sein, dass Freundinnen und Freunde mit einer Person ankommen und sagen, unsere Freundinnen hier, wir wissen gar nicht, was wir gerade machen sollen. Könnt ihr uns unterstützen? Oder Personen suchen uns selber auf. Oder auch

11:05

dass eben die Sunnies zum Beispiel, mit denen wir immer eng zusammenarbeiten, also die medizinischen Ersthelferinnen, die vor Ort sind, die sind ja auch ab so einer gewissen Größe des Festivals auch verpflichtend, sind immer da und so. Und die sind eigentlich fast immer, also wenn wir es irgendwie einrichten können, next door,

11:21

So, und da gibt es dann im besten Fall auch einen regen Austausch. Also manchmal wenden sich ja auch Leute an die und denken irgendwie, oh Gott, könnte ich mal meinen Blutdruck, ich habe so einen Herzrasen oder sowas, ja, und dann beobachten die natürlich, checken alles Wichtige ab, kommen aber zu dem Schluss, hm, eigentlich ist es hier jetzt eher so psychisch, ja, bedingt. Und eigentlich brauchst du jemanden, ja, der sich mal so ein bisschen down to earth bringt, der vielleicht ja da ist für ein Momentchen. Und dann kann es durchaus auch sein, dass jemand zum Beispiel von dort vermittelt kommt. Und

11:48

Und andersrum natürlich sowieso, wenn wir feststellen, jetzt müssen wir doch mal körperliche Symptome abschecken, dann ist es natürlich ganz wichtig, dass wir sofort Zugang haben zu den Sanis und jemanden rüberbringen können oder die kommen sofort zu uns. Und wenn es ganz ideal läuft, sind ja noch die Securities an Bord und auch die können Menschen weitervermitteln. Das hat bei uns im Heine-Mai echt super auch geklappt, wenn das dann sozusagen auch Sanitäter sehr eng mit dem Psycare und Sanitäter, dass das alles so zusammen Hand in Hand arbeitet und jeder miteinander arbeitet.

12:17

Genau, SECU und Awareness-Teams sind natürlich noch sehr wichtige PartnerInnen. Natürlich auch jede andere Person auf dem Festivalgelände, auch Barpersonal und so weiter, aber meistens läuft es dann ja am schnellsten auch über die SECUs.

12:29

Und andersrum kann es auch sein, also jetzt auf großen Festivals kann man durchaus auch mal von Sekus mitgenommen werden zum Beispiel irgendwie und mal eingeladen werden, wenn jemand Kapazitäten hat, weil halt eine total drüber Personen zum Beispiel ja irgendwie verfeilt sind, Personen, die irgendwie echt gerade vielleicht total vertritt sind oder wo wir einfach nicht wissen, was ist oder so. Jetzt der Weg zu weit wäre in die Psy-Ombulanz und sie auch gar keine Lust hat, aber vielleicht dann…

12:53

verbringt man halt mal, also wenn es die Kapazitäten hergeben, auch mal eine halbe Stunde oder Stunde zum Beispiel bei denen dann an einer anderen Tanzfläche oder ein Zelt in der Campingarea oder so. Wie wird denn die psychedelische Ambulanz so im Allgemeinen angenommen? Also wir haben jetzt schon viel Vermittlung, die kommen auch von sich, aber hat man da eher so ein volles Zelt oder gibt es entspannte Zeiten oder wie ist das so?

13:13

Ja, das ist natürlich auch total abhängig. Also erstmal gibt es aus meiner Sicht, ist es ja immer so eine Frage, ist das eigentlich so kulturell eingebündelt, sage ich mal. Also auf der Fusion zum Beispiel, auf vielen mehr Festivals ist die Ambulanzarbeit oder die Zeigearbeit auch eine feste Institution. Inzwischen nachher in den Mai hast du gesagt, ja, aber man könnte jetzt auch etliche mehr nennen. Auf anderen Festivals ist es gar nicht so bekannt.

13:36

In anderen Musikgenres als jetzt so Techno, elektronische Musik ist jetzt auch so der Umgang mit Konsum, auch mit Problemen, auch mit körperlichen oder psychischen Problemen, die man so hat, der ist noch ein Stückchen tabuisierter. Da gibt es nicht so eine Offenheit, auch so

13:52

gleich offen zu legen, wie es einem geht oder auch, was man genommen hat und so. Da ist es natürlich so, dass oftmals die Annahme da nicht so hoch ist, sage ich jetzt mal. Und das braucht dann halt mal ein, zwei, drei Jahre der Präsenz, dass Leute auch wissen, ja, da wird man halt…

14:07

Einfach unterstützt und wird nicht irgendwie bewertet oder sowas von denen. Genau, das wollte ich sagen. Und das andere ist, also es hängt natürlich auch damit zusammen, wie ist die Wetterlage. Das ist extrem entscheidend, immer wieder festgestellt. Also je heißer es ist, desto mehr Notfälle. Das liegt ja irgendwie ein Stückchen auf der Hand.

14:23

Ja, natürlich, weil die körperliche Erschöpfung, die schlägt natürlich auch dann aufs Gemüt, könnte man sagen, also hat natürlich auch große Auswirkungen auf die Psyche. Und natürlich hat es auch damit zu tun, welche Substanzen zum Beispiel sind unterwegs. Also wir hatten auch Zeiten, in denen zum Beispiel…

14:39

mal zwei Substanzen rauszunehmen, sowas wie G- und Ketaminkonsum in bestimmten Freundeskreisen dann doch deutlich zugenommen hat und man noch nicht so erfahren war mit der Substanz. Und dann kommt es natürlich öfter auch mal zu Notfällen oder Krisenfällen. Ja, also es hat verschiedene Faktoren und es gibt immer wieder Zeiten, da ist es irgendwie ganz soft und so. Und dann gibt es Zeiten, gerne auch zwischen zwei und sechs Uhr nachts, wo Leute halt sehr erschöpft sind, Dunkelheit, Desorientierung,

15:07

vielleicht trotzdem noch nicht schlafen können und dann ist eben auch manchmal die Hütte voll. Wo das auch gerade vom Wetter hat, das musste ich gerade dran denken, das ist wahrscheinlich nur bei den sehr frühen Festivals so. Klar, meine Erfahrung ist ja vom Heim in Mai, wenn es sehr kalt ist draußen und das Psycare-Zelt warm, ist es natürlich auch sehr beliebt. Auf jeden Fall. Also das muss man vielleicht auch dazu sagen, also wir sind halt ein soziales Angebot in dem Sinne, wir sind ja auch alle Non-Profits.

15:34

Und es gehört natürlich auch damit dazu, mit den VeranstalterInnen zu verhandeln, dass wir eben auch zum Selbstkostenpreis zum Beispiel oder eben völlig for free sowas wie heißen Tee ausschenken können, Wasser ausschenken können und auch dadurch sind wir natürlich ein gewisser Anlauf. Werbung

15:56

Jetzt haben wir natürlich mehrere Festivals schon genannt, wo Psycare gang und gäbe ist, wo das etabliert ist. Ich war dieses Jahr auch auf die Boom, da bin ich auch total gespannt drauf, also auch über Deutschland hinaus.

16:08

Aber ich kann mir vorstellen, dass es auch in Elektronik-Festivals sehr schwer ist, reinzukommen. Einfach aus dem Grund, eine psychedelische Ambulanz aufzubauen, so ein Bekenntnis zu psychoaktiven Substanzen ist so. Wir haben hier ein Drogenproblem, deswegen brauchen wir hier eine psychedelische Ambulanz. Ist das ein Thema, was euch viel begegnet in der Verhandlung mit den Festivals? Also in der Anfangszeit würde ich sagen, auf jeden Fall.

16:33

Also man muss wirklich sagen, ja, ich hatte jetzt die Fusion zum Beispiel erwähnt oder du den Heiden im Mai. Es gab immer Veranstaltungen, die fanden das von Anfang an richtig geil, die Idee. Und das konnte man super mit denen entwickeln. Und in den 90er Jahren gab es natürlich auch ganz viel auch noch Angst von VeranstalterInnen. Und es gab es ja auch tatsächlich, dass Festivals auch ein Stückchen wilder waren, aber tatsächlich auch geradet wurden von der Polizei, Drogenkontrollen und so weiter. Es gab noch einen ganz anderen…

17:01

als anderes Grundverständnis, glaube ich, von Strafverfolgungsbehörden und natürlich aber auch von Security-Teams zum Beispiel. Also die, ja, viele haben auch so diese Scheinwelt, sage ich jetzt mal auch, drogenfrei auch aufrechterhalten wollen, ja, oder sind vielleicht gar nicht in dieser Kultur groß geworden, sondern waren halt Sekos, die irgendwie in den 80ern Sekos geworden sind und mit sowas wie Technomusik, ja, fanden sie vielleicht ganz lustig, aber wenn dann Drogen ins Spiel kamen oder verpeilte Leute, dann irgendwie nicht mehr. Und

17:29

Das kann man vielleicht auch sagen, nochmal, das war auch ein Gründungsimpuls. Also die Gründerinnen von Eclipse zum Beispiel haben sich ziemlich intensiv und wir dann auch in der Folge so als Gruppe sehr intensiv so mit Antipsychiatrie zum Beispiel auseinandergesetzt, weil die Stigmatisierung, diese Zuschreibung von Leuten als irre oder als psychisch krank, obwohl sie halt in einem vielleicht vorübergehenden Status auch sind und auf Eclipse

17:56

egal in welchem Status sie sind, mit Unterstützung erreicht man in der Regel am meisten. Und Menschen, die halt ein Stückchen anders ticken, sei es jetzt aufgrund von akuten Substanzkonsum oder eben, weil sie in bestimmten Situationen zum Beispiel immer anders reagieren und so, die sind ja nicht per se gewalttätig oder

18:14

Und es gab sehr schlimme Vorfälle, die ich selber auch gesehen habe, wo Leute wirklich aufgrund von Verpeiltheit, weil sie gar nicht wussten, was sie gar nicht gerade machen, wirklich körperlich auch misshandelt wurden, in die Psychiatrie verschafft wurden und so. Und das war schon ein großer Impuls auch, zu sagen, Mensch, da, wo wir vor Ort unterstützen können, so von Peer-to-Peer, von Party-Festival-Gängerin zu Festival-Gängerin, da können wir doch auch sowas machen. Und das wurde sehr begrüßt.

18:41

Aber natürlich gab es auch viel Widerstände. Ich würde jetzt mal sagen, heutzutage ist das alles viel einfacher geworden. Das gilt natürlich nicht für alle, aber so im Ganzen ist das, ja, die Akzeptanz für Awareness-Arbeit ja auch, aber auch diese ganze Psycare-Arbeit, also dass das eine gute Idee ist, das ist, glaube ich, viel, viel selbstverständlicher geworden. Ja, und jeder Festival-Organisator tut sich ja selbst auch einen Gefallen, wenn eben Drogen-Notfälle auftreten.

19:07

vielleicht sogar leicht, in Anführungszeichen, leicht abgewendet werden können. Einfach weil Menschen da sind, die sich eben um dieses psychische Wohl kümmern und damit auch helfen. Selbst allein das Dasein eines psychedelischen Ambulanzzells, finde ich, das bringt ja schon irgendwie so einen

19:22

Kann so einen Vibe mit reinbringen, jetzt vielleicht nicht über alle, aber so, hey, wir passen aufeinander auf. Hier gibt es sogar welche, die es professionell machen, aber das ist alles so. Jeder schaut nach jedem. Es gibt sowas wie immer mal wieder Pause machen. Das hat ja auch nochmal so einen weiteren Effekt über die Arbeit, also die akute Arbeit im Zelt hinaus in das Festival rein.

19:42

Würde ich absolut auch sagen. Es gibt manchmal noch so diese Vorstellung, ja, wir pampern dann unsere Gäste so weit, dass sie dann noch unachtsamer werden. Also diese Beobachtung kann ich überhaupt nicht teilen, aber sie wird manchmal doch immer noch so reproduziert, dass dann Leute sagen so, ja, nee, aber…

19:59

Die Leute müssen das selber, Verantwortung für sich übernehmen, das würde ich jetzt erstmal unterstreichen, aber dann würden sie noch unvorsichtiger Substanzen zum Beispiel konsumieren oder gar keine Pause mehr machen. Also das ist überhaupt nicht unsere Beobachtung, sondern es ist eher so, wie du sagst, wir strahlen ja auch solche Botschaften so ein Stückchen aus, ja, oder

20:16

Also, wir versuchen es nice zu machen, aber natürlich ist es auch so ein Meme von vielen FestivalgängerInnen. Also, man muss einmal da schon in einer Psy-Ambulanz gewesen sein, sonst ist es kein richtiges Festival. Man zieht sich so ein bisschen persönlich oder selbst auf damit.

20:31

Aber natürlich wissen alle dadurch auch, es gibt sowas. Und auf der anderen Seite ist es aber auch wie so ein Warnschild. Also man hat sich auch nochmal vor Augen gehalten, okay, es geht nicht allen Leuten in jeder Situation auf dem Festival gut, sondern es braucht auch sowas wie Betreuung und Erste Hilfe und so auch in psychischer Art. Und ich glaube, das wirkt auch so als Botschaft nochmal. Absolut, sehe ich ganz genau so.

20:55

Jetzt haben wir ja schon darüber gesprochen, dass es es leider nicht auf jedem Festival gibt, schon gar nicht auf jedem Rave. Da muss man, glaube ich, echt Glück haben und ich glaube, umso mehr man die Großstädte verlässt, umso unwahrscheinlicher wird es wahrscheinlich, dass jemand vor Ort sein kann. Und deswegen habe ich mal so in meine Community reingefragt über Berichte, die sie teilen wollen, auch im Podcast, die für sie total schwierig waren als Strip-Sitter. Jetzt sprechen wir über Strip-Sitting.

21:19

Wo es halt wirklich darum geht, man ist Trip-Sitter und die Person auf psychoaktiven Substanzen hat eine absolute Grenzerfahrung, wie man damit umgeht. Und ich möchte jetzt gerne den letzten Teil dieses Interviews ein bisschen dazu nutzen, einmal diese Storys durchzugehen und vielleicht auch wirklich Menschen ein paar Tipps, ein paar Anregungen an die Hand zu geben, damit man Ideen hat, wie man sich sozusagen als Party-Crew gegenseitig unterstützen kann und da vielleicht ein bisschen Handwerkszeug mit an die Hand bekommt. Schauen wir mal. Starten wir mal mit der ersten Story.

21:49

Eine Freundin hat versehentlich eine sehr hohe Dosis LSD zu sich genommen, 800 bis 1000 Mikrogramm, und hat dadurch einen richtigen Horrortrip gefahren. Sie war nicht mehr ansprechbar und hat mit dem Kopf und dem Körper immer wieder gegen Türen und Wände geschlagen und Sachen umgeworfen. Zwischendrin war sie immer wieder ruhig, lag auf dem Boden und wimmerte. Ich wusste nicht, wie ich ihr helfen konnte. Ja, äh…

22:12

Also meistens hat man ja diese Informationen gar nicht so genau mit den 800 bis 1000 Milligramm oder sowas. Gibt mir Gelegenheit nochmal auch zu sagen, es gibt so einen Grundsatz so in der ersten Hilfe allgemein, auch körperlichen ersten Hilfe, dass wir so symptomorientiert handeln. Und grundsätzlich würde ich jetzt mal sagen, wenn jemand so selbstverletzend unterwegs ist oder krampft oder das könnte ja auch eine Vorstufe dazu sein. Also ich würde in dem Fall schon auch die Sannis dazu holen.

22:38

Um einmal abchecken zu lassen, zumindest in solchen extremen Situationen, weil so wirklich 1000 Mikrogramm, das kann wahnsinnig lange gehen, das kann wahnsinnig erschöpfend sein für die Person und tatsächlich kann man dann auch in Zustände kommen, wo es ein Stückchen durchknallt, sag ich jetzt mal, und man eben gewalttätig wird und das kann halt auch eskalieren, so ne.

22:59

Dann würde ich nochmal dazu sagen, also Selbstschutz ist auch hier eine wichtige Sache. Also immer, wenn jemand selbstverletzend ist, dann kann das sich durchaus auch nach außen wenden. Auch wenn die Person jetzt überhaupt nicht das im Sinn hat oder super liebevoll ansonsten ist. Aber ich würde immer sagen, je eskalierender die

23:17

Person so nach außen unterwegs ist, desto mehr auch so Vorsicht verhalten lassen. So auch im Kontakt zum Beispiel. Es kann sein, dass die Person erschrickt, wenn man zu schnell im körperlichen Kontakt zum Beispiel geht. Sowieso sollte man mit dem ja immer vorsichtig sein. So, aber jetzt nochmal zum Kern. Also wir wissen ja jetzt nicht, reagiert die Person gut? Also Ansprache ist ganz wichtig.

23:37

So, eine klare Ansprache, ein Angebot machen mit einer klaren Gestik, Augenkontakt suchen, einladend sein. Also das ist sowieso immer das Wichtigste für uns. Könnte ja jetzt das Ziel sein, dass die Person ein bisschen zur Ruhe kommt. Wissen wir jetzt nicht so richtig, wie sie dazu in der Lage ist, mit so viel LSD noch drin. Aber es ist auf jeden Fall eine gute Idee, die Person in so eine reizärmere Umgebung zu bringen, wo sie wirklich auch ein bisschen Space hat, ne?

24:04

wo natürlich möglichst sie sich wenig verletzen kann. Also irgendwie Matratzenlager wäre jetzt gut. Irgendwas, wo nichts flackert und nicht gleich eine Busbox um die Ecke steht. Natürlich ist Begleitung ganz wichtig. Also eine Person des Vertrauens kann sehr, sehr wichtig sein. Und wenn die auch eh schon Körperkontakt hat oder so, dann wäre das sehr gut. Und ja, und dann ist halt Einladen sehr gut.

24:25

Also ich kann mir vorstellen, dass die Person ganz schön abgelenkt ist. Jede Wahrnehmung von irgendwas lenkt halt wieder ab und kann ganz schön in diesen LSD-Film wieder reinschicken. Umso wichtiger ist es halt, Anker zu finden. Also es können visuelle Anker sein, wie eine Wasserflasche, wo man ganz klar darauf hinweist, liebevoll, aber auch sehr bestimmt.

24:44

So, hey, trink mal was. Hier ist eine Banane, das wird dir guttun. So was, ja. Und es ist vielleicht ein erster guter Versuch, um tatsächlich in Kontakt zu kommen, weil Kontakt ist natürlich so am wichtigsten.

24:57

Kann man jetzt nicht garantieren, dass der dann so anhält, weil das LSD ja wahnsinnig viele Filter wegnimmt, sodass wir so auf jeden Reiz reagieren. Also es kann schon auch eine anstrengende Arbeit werden, würde ich jetzt mal sagen. Genau, und eine Bemerkung vielleicht noch, also so in Kontakt kommen, ist eigentlich so ein bisschen das A und O. Findet die Person Vertrauen und

25:16

Und manchmal dauert das sehr lange oder es gelingt gar nicht. Und deshalb würde ich auch in dem Fall immer sagen, wenn jemand so sehr auf verschiedene Sachen gerichtet ist, aber wenig so kontaktbereit sein könnte, das kann auch hilfreich sein, dass wir dann nochmal Hilfe dazu holen und verschiedene Personen, zum Beispiel hier könnte es eine Person des gleichen Geschlechts sein, die ich dann nochmal dazu hole, die dann nochmal so versucht, tatsächlich durch so vorsichtigen, aber klaren Kontakt dann, ja,

25:43

Beziehung zu treten und irgendwann, glaube ich, wird das auch gelingen, dass er dann so ganz gut zu sich kommt. Du hast auch gerade noch den Aspekt Krankenwagen angesprochen. Da wollte ich gerade mal kurz vertiefend noch eingreifen, weil ja einer der Hauptproblematiken ist, dass viele sich nicht trauen, den Krankenwagen auf Drogennotfälle zu rufen.

26:01

Ich habe durch einen Post, der sehr viral gegangen ist und sehr viel Kommunikation erzeugt habe, mitbekommen, dass ihr in Berlin vielleicht da ein bisschen weniger ein Problem hat. Ich komme ursprünglich aus Bayern, bei uns schaut die Welt ein bisschen anders aus. Ich kann mir vorstellen, dass vielleicht Frankfurt ein bisschen entspannter ist, will mir da aber nicht aus dem Fenster lehnen.

26:16

Es gibt die Möglichkeit, die 112 zu rufen und erst mal nur von den Symptomen zu sprechen. Und wenn der Rettungswagen dann da ist, dann sofort sagen, was konsumiert wurde, wie viel konsumiert wurde, wenn die Informationen da sind, weil da die Sanis eben unter Schweigepflicht stehen. Und die 112 ist ja der Notruf sowohl für die Polizei als auch eben für den Rettungsdienst. Das heißt, hier kann man bei den Symptomen ganz klar und deutlich bleiben und dann aber sehr transparent, sobald die Sanis da sind, was eigentlich auch konsumiert wird.

26:43

Also 112 geht bei der Feuerwehrleitstelle ein. Erstmal hat die Polizei da gar nichts mit zu tun sozusagen. Die wird natürlich dazu benachrichtigt, wenn es jetzt tatsächlich um Gewalt geht, nach außen gerichtete Gewalt.

26:56

Und tatsächlich gibt es die Befürchtung und auch unterschiedliche Storys darüber, wann die Glitzei tatsächlich mitkommt, wenn es jetzt um Drogen geht. Es macht sowieso gar keinen Sinn, von Substanzen am Telefon dann zu sprechen, sondern tatsächlich beschreibt die Symptome nicht das, was ihr vermutet, was eingenommen wurde oder so. Denn die Sanis haben eh alles dabei, was man eventuell geben könnte, um jetzt so einen Drogennotfall tatsächlich auch medikamentös zu behandeln.

27:22

Absolut, genau. Ich weise da immer gerne drauf hin, weil vor allem Corona war das ja auch noch so arg, dass eben Drogennotfälle passieren und eben nicht der Krankenwagen, Rettungswagen gerufen wurde aus Angst vor den Konsequenzen. Und klar, es sind immer Geschichten, wie du schon sagst, die man erzählt bekommt. Ich habe aber tatsächlich auch schon oft in verschiedenen Richtungen gehört, dass eben die Polizei einfach mitkam aufgrund von illegalisierten Substanzen.

27:44

Und leider auch schon schlimme Storys rund um diesen Post, den ich damals gepostet habe, gehört, warum Menschen, die gestorben sind, weil sie sich nicht getraut haben, den Rettungswagen zu rufen. Also hier ist eine Möglichkeit, ruft den Rettungswagen, wenn ihr euch nicht sicher fühlt, wenn ihr überfordert seid, wenn nach außen verletzendes, nach innen verletzendes Verhalten stattfindet.

28:03

Genau. Ich kann vielleicht noch einen Nachtrag aussagen. Also wenn jetzt die Person gut ansprechbar ist, wenn man so ins Gespräch kommt. Also oftmals ist es ja so, dass so ein psychedelischer Trip auch sehr überfordert sein kann und dann Angst machen kann, weil man das Gefühl hat, das endet nie oder so.

28:19

Und sehr bewährt hat sich eben auch so kognitiv nochmal durchzusprechen, wie verläuft jetzt im Weiteren der Trip, weil auch ein 1000 Mikrogramm Trip ist halt irgendwann vorbei. Es gibt eine typische Verlaufskurve, die wird heftig sein, es wird auch nochmal ein Stückchen länger sein als jetzt bei einer normalen mittleren Dosis.

28:37

Aber man kann eben deutlich nochmal so einen Zuspruch erreichen oder Vertrauen auch erreichen, wenn man jetzt zusammen nochmal durchdenkt. Also es wird jetzt vielleicht noch ein paar Stunden gehen, aber du bist hier in einem sicheren Bereich. Wir bleiben immer hier. Wir versorgen dich. Du kannst hier ganz frei sein, musst dich um nichts Sorgen machen. Wir können auch sogar kontrollieren nochmal, wenn sich Leute Sorgen machen, ob sie körperlich

29:01

okay sind, dann kann man ihnen zusichern, dass man das kontrolliert, dann mithilfe der Sanis auch und kann dann eben auch nochmal so skalieren, wie jetzt so der weitere Trip verläuft und dass es ganz sicher sein wird, dass das dann auch irgendwann vorbei ist, diese Wirkung.

29:16

Das ist, glaube ich, ein sehr, sehr wichtiger Aspekt, weil das ist ja auch das, wo viele Menschen dann immer auf einen sehr negativen Weg kommen in einem Trip, weil sie eben Angst haben, das bleibt jetzt für immer oder dass man jetzt eben eine Psychose entwickelt oder ähnliches und dass diese Gedanken einen dann auch so negativ einnehmen können. Der alte Albert Hofmann dachte ja auch, er wäre verrückt geworden, als er seinen ersten richtigen Trip genommen hat und er ist über 100 geworden. Ready für die zweite Geschichte, Fallbeispiel.

29:42

Ein Freund hat eine ziemlich hohe Dosis Pilze genommen und dachte, er sei in einem Videospiel. Dabei wollte er immer wieder auf die Straße vor Autos rennen, um zu sehen, ob er dadurch ins nächste Level kommt. Dabei hat er sich verhalten wie ein kleines Kind und nicht geredet.

29:57

Ja, auf die Straße vor Autos rennen. Also er dachte, er sei in einem Videospiel. Okay, muss man klar sagen. Also im Straßenverkehr, Psychedelika und dann aktive Teilnahme im Straßenverkehr ist es ja so, in gewisser Weise ist natürlich immer sehr gefährlich. Deshalb ist es ja so wichtig, eigentlich das vorher zu klären, wo machen wir das und ist es wirklich safe. Ja, würde ich natürlich auch sagen, das ist wirklich prekär.

30:19

Tatsächlich ist es auch so, dass wenn jetzt Psychedelika sehr hoch dosiert sind, da können ganz schön körperliche Kräfte auch frei werden von Menschen, die man nicht unterschätzen sollte. Das heißt, ich würde jetzt auf jeden Fall auch Hilfe holen. Also ich würde, wenn andere Freundinnen dabei sind, die tatsächlich auch in so einen Alert-Status versetzen, weil manchmal kriegt man das ja auch gar nicht so mit.

30:39

Und tatsächlich erstmal eine klare Ansage machen, was jetzt zu tun ist. Weil das Wichtigste ist, dass er wirklich nicht auf die Straße rennt. Wenn es dann passiert, dann ist es so. Dann können wir immer noch hoffen. Aber dann ist man ja auch nicht schuld. Das ist ja auch nochmal wichtig. Also wir können jetzt nur das Beste tun. Aber es wäre natürlich super, wenn dann alle einfach tatsächlich den Schalter so ein bisschen umsetzen können. Und tatsächlich sich darauf richten, jetzt diesen Freund zu schützen. So.

31:03

Was vielleicht ein Faden sein könnte, ist, die Ablenkung gelingt ja auch manchmal recht einfach, so auch durch die DLK, weil es kann sein, dass jetzt dieser Film super stark und präsent ist und die Überzeugung ganz groß ist, dass man jetzt unbedingt auf die Straße rennen muss.

31:19

Aber es wäre vielleicht eine Taktik, jetzt tatsächlich eindringlich auf den Freund zu reden und tatsächlich zu sagen, wir müssen jetzt unbedingt in den Wald und diese Hütte finden, von der uns unbedingt erzählt wurde hier. Das ist super spannend, das gehört nämlich auch zur Challenge und das ist jetzt die nächste Quest und lass uns unbedingt jetzt da losgehen. Wir müssen jetzt los, ey, komm jetzt mit, ja, mit einer gewissen Eindringlichkeit auf die Person einreden und es

31:43

Kann sein, dass sie dann einfach darauf reagiert, weil sie neugierig ist oder einfach geflasht von dieser Vorstellung. Und vielleicht ist dann die Situation so ein Stückchen gerettet oder einfach umgelenkt. Ja, da sprichst du auch, finde ich, den sehr wichtigen Punkt an, dass es ja auch nicht darum geht, Menschen von der Realität zu überzeugen, sondern dass es manchmal durchaus viel hilfreicher ist,

32:05

auf das Spiel oder diese Gedanken, die man hat, darauf einzugehen und die mitzubauen. Ich kann mich noch erinnern an so ein Beispiel, wo jemand sagt, hey, der Boden ist Lava, ich kann da nicht drüber gehen. Und man dann einfach eine Matte drüber legt und sagt, hey, guck, ich habe dir eine Brücke gebaut. Anstatt in die Diskussion zu gehen, nee, das ist kein Lava, das ist ein Boden. Und das irgendwie so eine Beweisführung zu starten, um Menschen in die Realität zu holen, ist es manchmal deutlich einfacher sozusagen, ja, ich nenne es mal das Spiel,

32:31

mit einzusteigen, um da halt eben eine Lenkung mit hinzubekommen. Das ist vielleicht auch eine wichtige Grundregel. Also eine Person, die nicht bei Sinnen ist, ist jetzt völlig vertrimmt. Die hat

32:42

Ihr habt immer recht. Also nicht dagegen argumentieren, sondern eher smart dann agieren und zu sagen, oh, das ist aber interessant. Aber weißt du was? Ich habe gerade einen ganz anderen Gedanken. Also lieber gar nicht dagegen argumentieren, so absurd das vielleicht ist, sondern eher ins Positive und so nach einer Lösung suchen, wie du gerade so schön geschildert hast. Letztes Beispiel.

33:05

Ja, also das ist so diese klassische paranoide Psychose, zumindest irgendwie so eine Richtung, in die das geht. Also vermutlich ist das so ein bisschen schon angelegt in der Person und das ist

33:34

Bei psychedelischer Konsum kann das dann durchaus mal so hervorbrechen. Das ist natürlich auch wieder wirklich eine prekäre Situation und manchmal auch schwer ranzukommen. Es geht ganz viel darum, diesen Raum auch halten zu können. Da muss man sich auch klar werden, dass man auch wieder dagegen argumentieren kann. Also man kann versuchen, das nochmal so zu überprüfen. Man kann

33:57

so hinterfragen sozusagen oder der Person suggerieren so, Mensch, das überrascht mich ja total so, wie kommst du denn darauf oder sowas, ja, sowas ist vielleicht eher unschädlich, aber grundsätzlich würde ich niemals mit der Person jetzt anfangen zu diskutieren, das stimmt überhaupt nicht und sowas, weil das eher die Aggression noch steigern kann und auch das Misstrauen.

34:16

Das kann natürlich auch gefähig werden, also ins Gesicht geschlagen. Das klingt jetzt erstmal nicht so schlimm, oder irgendwie ist es schon ausgerastet, aber irgendwie war das noch handelbar. Das ist natürlich auch eine ganz große Frage, was mute ich mir zu? Auch da bin ich wieder sofort bei Hilfe holen. Also wenn sowas kommt, wenn so eine feindselige Stimmung aufkommt, wenn es irgendwie möglich ist, holt euch Unterstützung dazu, weil das kann schon sehr, sehr wichtig sein. Und natürlich auch scheut euch nicht,

34:44

den Rettungswagen holen, wenn ihr wirklich merkt, jetzt kann ich für nichts mehr garantieren oder ich halte das nicht aus, auch aus Selbstschutzgründen.

34:52

Also jetzt mal nur so ein Worst-Case-Szenario. Also natürlich haben die Rettungskräfte, die haben heutzutage noch relativ schonende Sachen auch, um eine Person, die jetzt total gewalttätig wird, tatsächlich auch so mit so einem Nasenspray zum Beispiel zu sedieren. Das ist überhaupt nicht schön. Also das ist wirklich das allerletzte Mittel, weil das natürlich auch Gewalt ist, die der Person angetan wird. Aber es ist wichtig, im Hinterkopf zu haben, dass es die Möglichkeit gibt.

35:15

Deshalb würde ich immer nicht zu spät auch Hilfe holen. Ja, und dann würde ich also grundsätzlich, man nennt das ja auch so Containing, also es geht viel darum, den Raum zu halten. Das Beste, was jetzt eigentlich passieren kann, ist, dass dieser Moment vorbeigeht sozusagen. Und das braucht aber ganz viel natürlich Zuspruch, liebevollen Zuspruch. Eben nicht, wie gesagt, so argumentieren, hinterfragen, vielleicht selber angepisst sein, weil man irgendwie Unterstellungen hat.

35:43

Darum geht es gerade nicht, sondern es geht darum, nochmal zu verstehen, irgendwie, Mensch, meinem Freund geht es echt scheiße jetzt gerade. Und tatsächlich den Raum zu halten und Angebote zu machen. Und ja, Wunder können dann manchmal helfen, wirklich ganz konkrete, basale Angebote zu machen. Vorschlag zu machen, was Gutes zu essen, ja, irgendwie Wasser zu trinken, Spaziergang zu machen, irgendwo hinzugehen, wo es richtig schön ist, zu erfragen, was sich die Person wünscht, so.

36:10

Manchmal führt das zu keinem Erfolg, sogar noch zu mehr Misstrauen. Das heißt es auch auszuhalten, so habe ich durchaus auch öfter schon erlebt. Aber das sind glaube ich so die Möglichkeiten, die man erstmal hat. Du sprichst immer vom Raumhalten. Ich kann mir vorstellen, dass sich da eventuell manche nichts darunter vorstellen können. Was genau meinst du mit Raumhalten? Also in Beziehung bleiben, das meine ich damit, ohne dass man selber einen emotionalen Ausbruch hat. So dass man eben sagt, das ist alles scheiße hier und ich verzweifle jetzt und so weiter.

36:37

sondern eben tatsächlich zu merken, das ist eine spannungsreiche Situation. Es geht uns nicht gut in dieser Situation und trotzdem halten wir fest jetzt an dieser Beziehung. Ich bin jetzt trotzdem für meinen Kumpel da.

36:51

und halt das aus für die Situation. Und wie gesagt, das geht nur, wenn auch ein gewisses Maß an Selbstvertrauen da ist, diese Situation tatsächlich zu handeln, in dem Moment zumindest. Deshalb auch so ein Backup ist immer richtig gut. Und auch im Hinterkopf zu haben nochmal, Mensch, es gibt jetzt hier, also wenn jetzt hier von Schlagen die Rede ist oder so, dann ist die Rettung wahrscheinlich ja für die meisten die beste Option. Also immer so einen Rettungsanker auch im Blick zu behalten.

37:20

Aber wenn es irgendwie möglich ist, tatsächlich dann in Kontakt zu bleiben, immer wieder neue Angebote zu machen und obwohl ich merke, das ist alles Mist und Scheiße und ich würde es mir alles anders wünschen, das so ein Stück durchzustehen. Ich stelle mir nur natürlich die Situation sehr schwer vor, wenn halt alle Personen konsumiert haben. Da braucht man natürlich einfach ein großes Maß an Selbstbeherrschung und muss plötzlich eigentlich auf…

37:42

Ressourcen zurückgreifen, die auch schon im nüchternen Status sehr anstrengend sein können, wenn ein Freund zum Beispiel so krass gerade abdriftet und dann muss ich das plötzlich in einem konsumierten Status machen und plötzlich wieder voll auf meine Kräfte zurückgreifen.

37:57

Ja, definitiv. Also da bin ich dann wieder beim Trip-Sitter. Deshalb wäre es ja gut, wenn wir tatsächlich vor dem Psychedelika-Konsum, wenn wir jetzt nicht total sicher sind, wer wir da sind oder das vielleicht schon öfter gemacht haben, tatsächlich auch einen Trip-Sitter benannt haben und eine Person da ist.

38:14

Ja, wenn es so nicht ist, es ist natürlich schwierig. Wenn man selber sozusagen verpeilt ist oder angehauen ist sozusagen, dann muss man trotzdem versuchen, das möglichst abzuschätzen. Und deshalb würde ich natürlich dann auch immer sagen, ja klar, safety first, holt euch dann Hilfe. Also ruft jemanden an, eine Person, vielleicht gibt es ja auch eine Person des Vertrauens. Wenn ihr euch jetzt wirklich dem Kumpel oder euch selbst auch nicht zumuten wollt, dass jetzt die Rettung kommt. Also wie gesagt, es ist unschädlich. Die haben ja auch Schweigepflicht und alles Mögliche. Aber natürlich,

38:42

Machen die es dann auch auf ihre Art? Das muss man schon sagen. Die sind dann natürlich da in der Macht des Verfahrens.

38:49

Und vielleicht gibt es ja aber noch einen Kumpel oder Kumpeline irgendwie, die jetzt einen Zugriff haben kann, vielleicht am Telefon mit der Person sprechen kann. Das kann auch nochmal ein Impuls sein. Aber vielleicht kann auch jemand vorbeikommen. Und manchmal kommt man auf kreative Ideen. Wie gesagt, am tollsten ist natürlich so ein Ortswechsel. Kann manchmal Wunder bewirken, weil es dann die Stimmung auf einmal verändern kann. Wärme ist ganz wichtig. Oder jetzt, wenn es

39:12

Hochsommer ist und super heiß, ja, dass man vielleicht irgendwas Kühleres geht oder vielleicht irgendwie die Füße irgendwie, die Knöchel ins Wasser tut oder sowas und auf einmal, ja, kommt wieder eine andere Stimmung auf oder so, ne, sowas kann passieren, ist keine Garantie, aber, ja, das sind alles Möglichkeiten, ne.

39:29

Jetzt kam mir gerade noch eine Überlegung. Es gibt ja Skills, die man so kennt aus dem Skills-Bereich in der DBT, der Dialektisch-Behavioral-Therapie. Und da gibt es ja auch sowas wie Center Shocks oder Chili-Bonbons und sowas.

39:43

Kann sowas helfen, aus so einem krassen Ding rauszukommen oder eigentlich im Rahmen von so Psychedelika-Konsum eigentlich überhaupt keine gute Idee? Also ich kenne diese Methoden jetzt klassisch eigentlich aus der Situation, wo jemand, der Traumatisierungsbelastungsstörungen hat, dann eben in so einer Dissoziationsphase ist oder Dissoziierungsphase ist. Das heißt, irgendwie in so einem Tunnel ist, wo so das eigene Bewusstsein, der eigene Körper eigentlich so weghutscht, ja.

40:09

Und da ist es so ein bisschen so ein Wachmachimpuls. Ich habe das jetzt hier so gelesen als so eine paranoide Psychose. Also Angebote machen kann man ja immer, Sachen auszuprobieren. Und wenn die Person überhaupt ein Angebot kriegt, das ist immer ein gutes Zeichen. Und sie kann immer darauf reagieren. Also ganz wichtig ist natürlich, dass es auch akzeptiert ist für mich als zweite Person, dass die Person alles ablehnt. Das darf sie und das muss ich auch akzeptieren. Ansonsten bin ich keine gute Psychiaterin.

40:36

Kraft, sage ich jetzt mal so. Also da geht es auch ein bisschen darum, so sein Ego unter den Scheffel zu stellen, weil die Person, der kann alles mögliche unangenehm sein. Es kann sein, dass sie mir misstraut und es jetzt alles nicht gut findet und dann lehnt sie das ab. Insofern ja, das kann man natürlich machen. Ein Freund von mir hat auch so Handeln mit so Pieksen drauf. Das tut sich weh, wenn man nicht so zusammengreift irgendwie mit der Hand. Kann aber ja in eine ganz andere Stimmung dann auch versetzen. Oder da gibt es ja, hast ja eben gesagt, einige Ideen,

41:05

Jetzt ist es allerdings so, dass halt bei so einer paranoiden psychotischen Anwandlung wäre ich mir nicht so sicher, was das so macht. Also es scheint mir nicht so ein geläufiges Mittel, wenn die Person das toll findet, klar.

41:20

Aber ich wäre auch ein bisschen vorsichtig damit, weil alles, was so in sehr extreme Stimulus geht, kann sein, dass die Person dann vielleicht noch mehr so ausflippt oder so einen Ausbruch hat. Ja, das kann ich mir auch gut vorstellen. Du hast die PTBS, das Trauma genannt, aber du nutzt ja auch viel so Skills für Hochstressbereiche. Sei es, es gibt eine DBT zum Beispiel auch explizit für Suchtdruck, mit dem ich viel arbeite. Oder aber eben im Rahmen von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung viel für emotionale Turbulenzen.

41:49

Aber aus dem psychotischen Bereich kenne ich das natürlich auch noch nicht. Und wenn man das mal einfach mal kurz weiterdenkt, dann wird mir auch, das war ein sehr spontaner Einfall, sehr schnell klar, dass das da überhaupt nicht reinpasst. Wenn ich mir überlege, ich misstraue jedem und dann bietet mir jemand ein Chili-Bonbon an und ich verstehe gar nicht, dass das ein Chili-Bonbon ist und plötzlich bürnt es mir auch noch den Kopf weg, weil die ja auch sackscharf sind. Das ist, glaube ich, für die Situation wirklich nicht zuträglich.

42:12

Ja, genau. Also an das Beispiel habe ich gar nicht gedacht. Jetzt mit dem Chili-Bonbon und die Person kennt das vielleicht gar nicht. Also da sollte wirklich auch die Folgen klar sein. Also da würde ich auf jeden Fall auch zustimmen. Aber grundsätzlich muss man mal sagen, also das sind ja so ein bisschen die Klassiker. Also gerade so eine paranoiden

42:28

psychotischen Anflüge oder Situationen, die sind aber auch gleichzeitig tatsächlich am schwersten zu handeln. Also da muss man nochmal sagen, in so einer Ambulanzschicht kommt das ja auch nicht andauernd vor oder so. Aber natürlich muss man genau darauf auch gefasst sein und es ist immer ganz wichtig, gerade in solchen Situationen wirklich nochmal abzumessen, traue ich mir das zu, traue ich mir das auch in der Situation zu? Vielleicht hat man schon zehnmal gemacht und war okay, aber jetzt ist es gerade irgendwie nicht okay, weil

42:56

Wenn man doch irgendwie Befürchtungen hat oder gerade selber vielleicht in einer doofen Stimmung ist. Und da ist wirklich Hilfe und Vorsicht sehr wichtig, würde ich mal sagen.

43:06

Absolut. Und gibt es noch ein paar Grundlagen, die man vielleicht mitgeben kann für Fälle, die vielleicht nicht so extrem sind? Also wenn jemand zum Beispiel sehr emotional wird, empathisch bleiben, in Kontakt gehen, das geht ja dann auch noch viel leichter, meistens die Ansprache und irgendwie sehr wohlwollend versuchen, sozusagen einen gewissen Einfluss zu nehmen und auch hier hilft, finde ich, Ablenkung.

43:26

falls die Person das möchte. Und da sind wir auch in diesem Angebotsbereich. Da hat man halt dann die Situation, dass die Person, die gerade in so einem Ausnahmezustand ist oder also in emotionalen Ausnahmezustand, das vielleicht noch besser annehmen kann, als wenn wir wirklich so was Psychotisches haben. Genau, also vielleicht können wir noch mal so ein paar Grundregeln überhaupt erst mal benennen. Also ich hatte zwar ein bisschen angefangen damit, also in Beziehung treten. Das ist halt so das Wichtigste. Meistens fällt das ja auch leicht, weil die Menschen sowieso irgendwie ein Bedürfnis haben und dann macht man ihnen…

43:54

auf eine nette, empathische Art ein Angebot und dann fluppt das irgendwie. Dann merken die ja und haben sofort Vertrauen. Aber manchmal ist es auch so, dass man merkt, vielleicht an der Körperhaltung oder so am Blick und so, dass das Vertrauen nicht da ist. Da ist es super wichtig, dass man auch nochmal betont, wofür man da ist. Also vertrauensbildend ist natürlich, dass man nochmal klar benennt, zum Beispiel, wer bin ich? Wie unterstütze ich jetzt? Und was kann ich bieten?

44:18

Das schafft schon mal einen ganz anderen Eindruck vielleicht. Also wenn es jetzt nicht meine beste Freundin ist, die da so ankommt oder um die es gerade geht. Und dann halt Angebote machen. Also immer wirklich eine Decke bringen. Darf ich dir eine Decke bringen? Ist es okay, ich stelle dir einfach mal ein Wasser hin. Vielleicht magst du einen Schluck trinken. Wenn nicht, ist auch okay. So entscheide du. Also es sind einfach so Botschaften, wo man auch mal suggeriert, okay, jetzt so ein Space zum Runterkommen und ich kaufe es selber. Ich bleibe in der Selbstbestimmung. Dann ist natürlich super wichtig,

44:47

mehr zuhören als reden. Also Angebote machen und erst mal vorstellen ist okay, aber dann geht es natürlich voll ums Zuhören. Auch erst mal einladen dazu zu erzählen. Wenn du mir was erzählen magst oder wenn du mir erzählen magst, wie ich dich irgendwie unterstützen kann oder ob ich was für dich tun kann und auch auszuhalten, wenn die Person vielleicht erst mal ein bisschen braucht.

45:06

Also es gibt so Regeln, dass man sagt, dreimal so viel zuhören mindestens, vielleicht fünfmal oder so, wie man selber dann spricht. Nicht so schnell Tipps geben, sondern es gibt ganz viel ums Zuhören. Genau, und dann finde ich auch noch einen guten Tipp,

45:19

So ein Stückchen Autosuggestion. Also wenn ich wozu gehört habe, dann höre ich ja meistens auch so Bedürfnisse raus von den Menschen. Oder vielleicht so Unsicherheiten oder in dem vielleicht, was sie sagen, womit sie nicht klarkommen. Und dann tatsächlich auch zu sagen, okay, du habe ich jetzt gerade verstanden oder ich habe es jetzt gerade so verstanden. Könnte man das so sagen? Ja, nochmal zurückfragen auch.

45:43

Und dann, glaube ich, sind sehr gut solche Autosegustionen. Wenn ich gutes Zutrauen habe, dass es der Person eigentlich gar nicht so schlecht geht oder dass es jetzt hier ein guter Ort ist, dann kann ich das auch ruhig nochmal sagen und sagen zum Beispiel, Mensch, ich habe aber das Gefühl, jetzt bist du schon ganz gut runtergekommen, du hast hier einen guten Ort zum Runterkommen und so.

46:04

Ich glaube, es wird dir auch in kurzer Zeit schon wieder ein ganzes Stück besser gehen. Oder jetzt hast du gerade gesagt, dein Körpergefühl ist gerade so weg, warte mal ab. Wenn du dich jetzt hier einfach mal fallen lässt, deine Freundin ist da und so, dann lass es dir jetzt einfach mal gut gehen und in einer halben Stunde sieht die Welt schon wieder völlig anders aus und da wirst du bestimmt wieder voll gut drauf sein oder sowas. Nicht maßlos natürlich übertreiben, wenn es der Person schlecht geht, geht es der Person schlecht, aber sowas kann viel die Zuversicht einfach auch erhöhen.

46:33

Genau, und dann könnte man jetzt noch unendlich fortführen. Einiges hatten wir auch noch gesagt, sodass man nochmal durchdenkt, wie es vielleicht der Verlauf, so eine positive Zukunftsaussicht gibt. Und ganz wichtig ist aber auch noch, dass wenn man jetzt eine Person dann entlässt, ja, einige wollen ja auch gehen, weil sie irgendwie dann doch unter Stress sind oder so, dass man immer nochmal ein Angebot macht auch. Also, dass die Personen auch wiederkommen können. Oder, dass sie zumindest wissen, wohin sie sich sonst fängen. Kann auch sein, auf einem Festival, dass eine Person unbedingt jetzt nach Hause will und so weiter. Aber wenn man das Gefühl hat, Mensch,

47:02

Könnte sein, dass es ihr dann auch zu Hause nicht gut geht, so dass man vielleicht nochmal einen Tipp mitgibt. Also es könnte eine Telefonnummer sein vom Krisendienst oder ähnliches. Oder, oder, oder. Ich glaube, da gibt es viele Möglichkeiten. Aber es ist immer gut, wenn Menschen uns so verlassen und jetzt nicht hundertprozentig gut drauf sind, immer nochmal ein Angebot zu geben. Wie können sie nochmal in Kontakt treten?

47:22

Super Zusammenfassung. Ich würde vielleicht noch als Regel Nummer eins oder Grundlage Nummer eins immer zu gucken, bin ich sicher? Das hatten wir jetzt ganz oft im Kontext gehabt, aber weil wir gerade nochmal so eine Zusammenfassung hatten, würde ich es an dem Punkt nochmal sagen, bin ich sicher? Traue ich mir das zu? Kann ich das jetzt halt machen? Und eben auf die eigenen Grenzen zu achten. Das ist immer erstmal Schritt eins, weil man kann keinem helfen, wenn man selbst A, nicht sicher ist, also auch physisch sicher ist, weil sich auch gar nicht psychisch zum Beispiel in der Lage fühlt, aktuell das zu übernehmen. Absolut. Kann man nicht oft genug unterstreichen. Ja.

47:52

Werbung

47:57

Ja, Rü, ich bin fertig mit meinen Fragen. Haben wir was vergessen? Bestimmt, aber das macht nichts, weil das Thema ist groß. Und genau, wer andocken will, der kann das ja auch machen über die vielen Psycare- und Party-Drogenprojekte in Deutschland. Sonix hat eine Internetseite, oder? Ja, sonix-netzwerk.net. Genau, das packe ich in die Shownotes, weil da sind ja auch alle Partnerprojekte mit verlinkt. Das heißt, ihr könnt für eure Stadt mal gucken, ob es da was in der Nähe gibt.

48:26

wo ihr euch einklinken könnt. Wir haben es in Frankfurt, wir haben Berlin, wir haben Potsdam, wir haben Münster, wir haben Stuttgart, wir haben München, wir haben Würzburg, wir haben Hamburg, Erfurt, haben wir die Sachsen erwähnt? Dresden und Leipzig? Ne, haben wir nicht. Die habe ich vergessen. Genau, also wir haben einige Städte. Piers sind, glaube ich, immer sehr gerne gesehen. Auch für die Standarbeit auf den Raves bei euch zu Hause und drumherum trommle ich gerne die Werbetrommel.

48:54

Rühre ich gerne die Werbetrommel? Genau. Da einfach zu melden, wenn man da Bock drauf hat und eben in diese wunderschöne Arbeit macht. Ich habe das viele Jahre gemacht. Ich mache es jetzt gerade nicht mehr, weil Podcasts und sowas viel Zeit frisst. Aber kann ich nur empfehlen. Ich habe super viel gelernt, super viel auch für mich mitnehmen können. Es ist großartig. Ja, schön. Danke.

49:11

Sehr, sehr gerne. Dann sind wir für heute fertig. Alle anderen wichtigen Informationen findet ihr in den Shownotes und dann hören wir uns in zwei Wochen wieder. Und ich wünsche euch von meiner Seite aus eine wunderschöne Festivalzeit. Passt aufeinander auf und bestimmt auch einen nüchternen Trip-Sitter, wenn ihr gerne Ausflüge machen möchtet. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch.

49:42

Musik


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner