Moderater Alkoholkonsum: Auswirkungen auf Schlaf, Psyche und Konzentration

Auch moderater Alkoholkonsum kann sich im Alltag bemerkbar machen, lange bevor schwerwiegende gesundheitliche Folgen auftreten. Wer regelmäßig trinkt, kann Veränderungen bei Schlaf, Konzentration, Gedächtnis, Impulskontrolle, Stimmung oder Stressempfinden erleben, ohne diese unmittelbar mit Alkohol in Verbindung zu bringen. Gerade deshalb kann eine längere Konsumpause interessant sein: Nicht als Beweis dafür, dass der eigene Konsum grundsätzlich unproblematisch ist, sondern als Gelegenheit zu beobachten, wie sich Körper und Psyche ohne regelmäßigen Alkohol verändern.
Anlässlich des Dry January geht die Folge der Frage nach, welche Auswirkungen regelmäßiger Alkoholkonsum auch unterhalb einer Abhängigkeit haben kann und was sich während einer alkoholfreien Zeit möglicherweise verändert. Thematisiert werden kognitive Funktionen, Stressregulation, Stimmung, Schlaf, Blutdruck und körperliches Wohlbefinden sowie die Grenzen vermeintlich „risikoarmer“ Konsummengen. Gleichzeitig geht es darum, einen alkoholfreien Monat nicht nur durch Verzicht zu überstehen, sondern die eigene Stimmung, Gewohnheiten und sozialen Situationen bewusst zu beobachten. Deutlich wird: Ob Alkohol im eigenen Alltag eine relevante Funktion übernommen hat, zeigt sich nicht allein daran, ob ein Monat ohne Konsum gelingt, sondern auch daran, was während dieser Pause auffällt und wie sich der Konsum in den Monaten danach entwickelt.
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Wie sehr schadet moderater Alkoholkonsum? Dry January
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PODCAST-METADATEN
Folge: 80
Erscheinungsdatum: 04.01.2024
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Wie sehr schadet moderater Alkoholkonsum? Dry January
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
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Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein.
00:24
Hallo und herzlich willkommen zur ersten Podcast-Folge Psychoaktiv im Jahr 2024. Wunderschön, dass ihr wieder eingeschaltet habt, oder vielleicht seid ihr ja auch gerade daserste Mal auf diesem Podcast, dann herzlich willkommen.
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Mein Name ist Stefanie Bötsch, ich bin Suchttherapeutin und Sozialarbeiterin, und wir sprechen hier alle zwei Wochen über psychoaktive Substanzen, über Substanzkonsum, über Abhängigkeit, über gesellschaftliche Themen rund um psychoaktive Substanzen und was mir sonst noch einfällt und was mich interessiert.
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Und das machen wir alles auf einer wissenschaftsbasierten Basis und wirklich so neutral, wie ich es eben kann, damit ihr euch selbst eure eigene Meinung bilden könnt. Ich habe so richtig, richtig Bock auf das Jahr 2024. Ich habe echt viele coole Themen für dieses Jahr auch schon ausgeguckt. Ihr könnt mir aber natürlich auch immer schreiben,
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wenn ihr findet: „Hey, dieses Thema sollte unbedingt mal behandelt werden, da sollte mal jemand genauer draufschauen.“ Dafür bin ich hier. Schreibt mir einfach psychoaktiv.podcast, findet ihr mich auf Instagram oder einfach über meine E-Mail psychoaktiv@stefaniebötsch.de. Findet ihr aber alles in den Shownotes, darüber müssen wir gar nicht so viel verlieren.
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Wir kommen lieber gleich in das heutige Thema. Und zwar sprechen wir heute über Dry January. Nicht richtig. Also, es ist eher so mehr der Anlass, warum diese Folge heute aufgenommen wird.
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Denn Januar ist ja für viele Menschen so dieser Monat, wo man nach eventuell viel Alkoholkonsum im Dezember sich jetzt erst mal einen Monat Pause gönnen möchte. Und ich finde es erst mal sehr cool, dass es diesen Brauch gibt und dass der sich so weiterentwickelt hat. Der kommt ja eigentlich aus dem United Kingdom,
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aus dem Vereinigten Königreich, und hat sich dann ja immer weiter verbreitet. Und ich finde, das ist immer ein super Moment, mal über Alkohol zu sprechen. Und wer jetzt meinen Podcast schon ein bisschen länger hört, könnte vielleicht denken: „Boah, Steffi, du hast doch erst letztes Jahr eine Doppelfolge zu Alkohol rausgebracht. Was willst du uns heute Neues erzählen?“ Habe ich noch ein bisschen was für euch.
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Also, ihr könnt ruhig dranbleiben.
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Denn wenn wir über Alkohol sprechen und wie ich das auch in meiner damaligen Folge recht gemacht habe, geht es, wenn man von unerwünschten Wirkungen bei Alkohol spricht, also die negativen Auswirkungen von Alkohol, sprechen wir sehr häufig darüber, naja, dass es viele, viele Krebsarten befördern oder auslösen kann,
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dass es die Leber schädigt, dass es das Gehirn irgendwie schädigt und eben zu einer Abhängigkeit führt. Und es ist aber so, dass wenn wir über diese negativen Folgen sprechen, viele Menschen, die sehr weit von sich wegrücken können, weil das ja vielleicht irgendwas ist, was ich, wenn überhaupt, erst in zehn oder 15 oder 20 Jahren merke, das macht nicht so viel mit uns.
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Das macht, das ist natürlich nicht geil, aber es macht halt wirklich auch nicht so viel mit einem, wenn die Konsequenzen nicht direkt sind.
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Und deswegen dachte ich mir, dass wir in dieser Folge wirklich darüber sprechen werden, was auch moderater Konsum für einen Einfluss auf unseren Alltag hat, also was wir auch wirklich merken können, was das schon für Auswirkungen hat,
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welchen Unterschied man innerhalb von einem Monat schon spüren kann. Und dann gibt es am Ende auch noch ein paar Tipps und Hinweise für diesen Monat, damit ihr, wenn ihr das denn wollt, auch wirklich so viel es geht daraus ziehen könnt. Viel Spaß bei der Folge.
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Schon gleich am Anfang dieses Themas haben wir ein kleines Definitionsproblem. Denn hier ist dann die Frage: Was ist eigentlich ein moderater Konsum? Die WHO liefert hierfür eine Art Definition, und zwar sagt die, dass man zwischen ein bis zwei Standardgläsern pro Tag,
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je nachdem, ob man eine Frau oder ein Mann ist, ein weiblicher Körper hat ein Standardglas und ein männlicher Körper zwei Standardgläser pro Tag, dass genau dieser Konsum als risikoarm zählt. Und ein Standardglas entspricht hierbei ungefähr ein kleines Bier. Tatsächlich, das finde ich ganz interessant,
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sind Standardgläser je nach Land anders definiert. Zum Beispiel, ich hatte es ja gerade schon von Großbritannien, ist es in Großbritannien nur zehn Gramm Alkohol, das heißt, es ist nicht mal ein kleines Bier, 0,33, sondern ungefähr 0,3, ein bisschen weniger als 0,3 Bier. Also da ist auch ein Standarddrink deutlich weniger. Ich sage euch das nur, dass, falls ihr gerne Studien lest,
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man hier auch tatsächlich ein bisschen aufpassen muss, wie ein Standarddrink definiert ist, denn das unterscheidet sich wirklich von Land zu Land. Die WHO sagt außerdem, dass innerhalb dieses risikoarmen Konsums eben neben diesem ein bis zwei Standardgläsern man noch zwei alkoholfreie Tage pro Woche haben sollte.
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Das würde sozusagen auf fünf bis zehn Standardgläser pro Woche kommen, wenn man sich daran hält. Ich habe schon auch wieder vor etwas vor einem halben Jahr ungefähr, habe ich schon mal eine Folge darüber gemacht, ob es wirklich auch, also ob ein Glas Wein wirklich auch gesund sein kann.
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Und in der Folge habe ich eine Studie vorgestellt, die aber auch schon zeigt, dass diese ein bis zwei Standardgläser der WHO viel zu hoch angesetzt sind. Das könnt ihr euch, wenn euch das näher interessiert, gerne mal anhören, weil eigentlich könnte man davon ausgehen, dass der Konsum, um wirklich von risikoarm zu sprechen,
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noch mal deutlich weniger sein sollte. Für manche Hörer und Hörerinnen scheint das jetzt vielleicht auch sehr, sehr viel Alkohol zu sein. Für manche, die sind vielleicht auch ein bisschenerstaunt, wie wenig das sozusagen als risikoarmer Konsum zählt. Aber wie konsumieren denn eigentlich die Deutschen? Wir sprechen ja relativ häufig von Abhängigkeit,
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aber wenn wir uns mal im Allgemeinen anschauen, was die Deutschen so aktuell trinken, dann kommen wir darauf, dass jeder Deutsche, also jetzt im Durchschnitt, 91,6 Liter Bier trinkt, 20,7 Liter Wein,
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3,2 Liter Schaumwein und 5,2 Liter Spirituosen. Das bedeutet, dass jeder Deutsche durchschnittlich 120,7 Liter an alkoholischen Getränken pro Jahr konsumiert. Und dementsprechend kann man davon ausgehen,
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dass wirklich viele, viele Menschen in Deutschland chronisch Alkohol konsumieren. Und mit chronisch meine ich hier nicht abhängig, sondern regelmäßig. Weil chronisch bedeutet im Prinzip ein regelmäßiger Konsum von mehrmals in der Woche, ein bis zwei Standarddrinks und am Wochenende aber vielleicht auch mehr. Und das ist das,
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von was wir in dieser Folge ein bisschen ausgehen werden, so ein wirklich regelmäßiger Konsum jede Woche. Genau. Und das ist so ein bisschen unsere Grundlage für diese Folge. Und da möchte ich gerne mit euch draufschauen, was das eigentlich macht, außer eben den Kater am nächsten Tag. Und als ich für diese Folge recherchiert habe,
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ist mir aufgefallen, dass es gar nicht mal so viele Quellen zu dem Thema gibt. Wir schauen es, wie ich jetzt schon ein paar Mal gesagt habe, wirklich eher an, naja, was bedeutet denn übermäßiger Alkoholkonsum. Aber dadurch, dass wir in einer Gesellschaft leben, in dem Alkoholkonsum unfassbar akzeptiert und gefördert wird und man eher aus der Gesellschaft rausfällt,
08:12
wenn man nicht trinkt, als wenn man trinkt, finde ich es schon sehr wichtig oder haben wir da schon ja eigentlich einen guten Grund, auch wirklich diesen moderaten Konsum in Anführungszeichen mal genauer anzuschauen und zu gucken, was der eigentlich macht.
08:34
Aber keine Sorge, ich habe natürlich keine Mühen für euch gescheut und habe auch ein bisschen was dazu gefunden. Denn es gibt neuere Studien, die gezeigt haben, dass regelmäßiger Alkoholkonsum die weiße und graue Substanz im Gehirn abbaut. Kurz und auch sehr vereinfacht gesagt, ist die graue Substanz dafür zuständig,
08:54
Informationen im Gehirn zu verarbeiten. Dazu gehört Denken oder auch die Wahrnehmung und auch die Entscheidungsfindung. Und die weiße Substanz über. Und die weiße Substanz, die ermöglicht die schnelle Übertragung von Signalen zwischen verschiedenen Gehirnregionen und spielt dementsprechend auch eine wichtige Rolle bei der Koordination von verschiedenen Gehirnfunktionen.
09:17
Und in dieser Studie wird explizit auch von Menschen gesprochen oder auf Menschen eingegangen, die circa sieben Drinks pro Woche trinken. Und bei dieser Studie war der Standarddrink wirklich auch zehn Milligramm. Das heißt, wir haben hier 7,03 Bier. Das ist weniger, als die WHO aussagt.
09:39
Und natürlich ist es so, dass umso weniger man konsumiert, in der Regel auch die unerwünschten Effekte geringer sind. Aber sie sind da, das konnte eben gezeigt werden. Ihr findet übrigens die Links zu den Studien, die ich hierfür verwende, immer auf meiner Website. Da gibt es eben dann einen kurzen Artikel zu den Folgen und da speichere ich euch eben auch alle Quellen ab.
10:01
Aber was bedeutet das jetzt ganz faktisch? Also an was merke ich es, dass die graue und weiße Substanz abgebaut wird? Und das merkt man daran, dass es eine Beeinträchtigung gibt in der allgemeinen Impulskontrolle. Das heißt, man wird impulsiver, es ist schwerer für einen, ja, verschiedene Impulse zu steuern oder auch zu unterdrücken.
10:21
Das heißt, man kommt, man schießt vielleicht mal schneller mit etwas raus, was man eigentlich gar nicht so wollte, kann vielleicht auch mal aggressiver sein oder pampiger reagieren. Aber es beeinträchtigt auch verschiedene kognitive Fähigkeiten, wie zum Beispiel unser Gedächtnis, unsere allgemeine Aufmerksamkeit, unsere Aufmerksamkeitsspannung, die Planung von Dingen und auch die Problemlösung.
10:44
Es kann zusätzlich noch zu ein paar anderen Schäden diesbezüglich kommen, die eben genau daraus entstehen. Aber ich möchte in dieser Folge maßgeblich eben auf die Aspekte gucken, die man auch wirklich eventuell an sich wahrnimmt im Alltag, beziehungsweise auch einen Unterschied merken kann in dem Monat, in dem man nicht konsumiert.
11:04
Ein weiteres Thema bezüglich regelmäßigen chronischen Alkoholkonsum ist auch das Thema Stress.
11:13
Jetzt könnte man sich natürlich im ersten Moment denken: „Naja, aber der Alkohol, der hilft mir doch beim Stress.“ Denn wenn ich super gestresst und aufgedreht oder ausgepumpt von der Arbeit komme und mich dann erst mal zu Hause aufs Sofa setze, einen Wein einschenke, komme ich runter.
11:33
Natürlich, denn Alkohol ist auch erst mal ein Downer, er beruhigt uns, er fährt uns erst mal runter. Ich habe kurzfristig das Gefühl, der Stress löst sich im Drink auf. Und diese dämpfende, entspannende Wirkung ist uns auch erst mal wirklich recht. Und das stimmt vielleicht auch,
11:53
wenn wir Alkohol ganz, ganz selten eben zu diesem Zweck nutzen. Aber es stimmt nicht mehr, wenn es unser tägliches Feierabendbier oder unser täglicher Feierabendwein ist.
12:06
Bei regelmäßigem Alkoholkonsum kann es zu einer Disregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinde-Achse kommen. Kurz die HPA-Achse, bei dem Wort bleiben wir auch. Und die HPA-Achse ist für die Cortisolproduktion verantwortlich.
12:26
Und gibt es hier eine Disregulation, kann dies eben zu einer erhöhten Cortisolproduktion führen. Und Cortisol ist vor allem als unser Stresshormon bekannt. Und eine erhöhte Cortisolausschüttung kann aber ganz, ganz viele unterschiedliche Symptome haben. Nicht nur das, was wir jetzt automatisch mit dem Thema Stress verbinden.
12:48
Es kann unseren Schlaf-Wach-Rhythmus stören. Es kann zu einem gestiegenen Blutzuckerspiegel kommen. Es schwächt unser Immunsystem. Es kommt zu Bluthochdruck, Übergewicht, wieder Konzentrationsproblemen und auch Libidoverlust, also dass man nicht mehr so viel Lust auf Sex hat. Und ein regelmäßiger Alkoholkonsum kann eben ganz genau dazu führen,
13:10
dass wir eben mit einer dauerhaft erhöhten Cortisolausschüttung konfrontiert sind und wir all diese unerwünschten Wirkungen haben, die sich so subtil in unseren Alltag reinschleichen und wir gar nicht so genau wissen, woher die eigentlich kommen. Und es kann halt sein, dass sie am regelmäßigen Alkoholkonsum liegen.
13:33
Alkohol kann sich aber auch noch anders auf unser Wohlbefinden auswirken. Und zwar gibt es auch leider hierzu nicht so eine gute Studienlage, was den moderaten chronischen Alkoholkonsum angeht.
13:48
Aber was wir grundlegend wissen, ist, dass ein regelmäßiger hoher Alkoholkonsum zu einer Reduktion der Serotoninproduktion und auch zu einer Störung des Serotoninmetabolismus führen kann. Der Neurotransmitter Serotonin ist in unserem Körper extremst wichtig, um unsere Stimmung zu regulieren.
14:08
Und verändert sich nun unser Serotoninlevel, kann das eben verschiedene psychische Auswirkungen haben, wie Stimmungsschwankungen und soängstliche Gefühle, im Englischen nennt man das Anxiety, oder auch depressive Symptomatiken. Außerdem kann es dadurch auch zu Gedächtnisproblemen und Schlafproblemen kommen. Wie sehr das auch bei chronisch moderatem Konsum besteht,
14:30
das kann man allerdings diskutieren. Ich habe auf jeden Fall persönlich da keine Quellen zu gefunden, bin aber auch voll happy, wenn mir da jemand was zukommen lässt, weil vielleicht habe ich einfach irgendwas übersehen. Aber wir wissen halt grundlegend, dass jeder Alkoholkonsum sich auf unseren Serotonin- und auch Endorphinhaushalt auswirkt. Denn es sorgt für eine erhöhte Ausschüttung.
14:50
Das ist einfach die grundlegende Wirkung von Alkohol. Wenn ich Alkohol trinke, hat es logischerweise eine Wirkung. So, und die vergeht nach wenigen Stunden. Es kann aber einen Tag oder auch länger dauern, was wir vielleicht auch manchmal einfach als unseren Kater wahrnehmen, bis alles im Gehirn wieder auf einen nüchternen Normalzustand reguliert ist.
15:11
Und hier kann man sich natürlich ausrechnen, dass wenn ich jeden Tag Alkohol trinke, unser Körper halt auch immer wieder damit beschäftigt ist, wieder den Ausgleich herzustellen, sich wieder zu normalisieren. Und dann kommt man ja gleich wieder zum nächsten Konsum und zum nächsten Konsum. Unser Körper ist im Prinzip nie in einer Art nüchternen Neurotransmitter-Normalzustand.
15:32
Und das merkt man dahingehend eben aktiv, indem man sich vielleicht niedergeschlagen und auch ohne Antrieb fühlt oder auch einfach Stimmungsschwankungen dahingehend bekommt. Und in einer anderen Studie wurde eben gezeigt, dass auch bei moderatem Konsum, wenn dieser aufgegeben wurde, es eine deutliche subjektive Verbesserung der mentalen Gesundheit aufgetreten ist.
15:53
Und das maßgeblich bei Frauen in dieser Studie. Aber ich finde auch, das darf man eben nicht vergessen, dass man sich ja auch einfach mal gucken kann, ja, wie geht es mir denn, wenn ich nicht trinke? Merke ich denn eine Veränderung? Was macht denn unser Konsum eigentlich schon, auch wenn er in gewisse Grenzen passt, die von einer WHO oder so vorgegeben ist?
16:14
Und neben diesen psychischen Auswirkungen, die ich gerade benannt habe, kommt es natürlich auch noch zu physischen Auswirkungen, also körperliche Auswirkungen, die ich an dieser Stelle mal ganz kurz noch nennen möchte. Es ist, glaube ich, vielen Menschen klar, dass regelmäßiger Alkoholkonsum die Leber belastet, weil die muss den Körper ja auch wieder entgiften.
16:34
Das ist damit ihre Aufgabe. Es kann zu einer Gewichtszunahme kommen, denn auf der einen Seite hat Alkohol teilweise sehr viel Kalorien. Auf der anderen Seite kann Alkohol eben auch Heißhungerattacken auslösen. Und auch bei einem moderaten Alkoholkonsum kann es zu einer Blutdrucksteigerung kommen, die sich, wenn man aufhört,
16:53
Alkohol zu trinken, wieder normalisiert und kann somit eben auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Außerdem ist Alkohol beziehungsweise sein Abbauprodukt Acetaldehyd ein Karzinogen und erhöht einfach das Risiko auf verschiedene Krebsarten, wie ich schon am Anfang gesagt habe. Und dementsprechend, und auch das darf man nicht vergessen,
17:13
es gibt einfach auch einen negativen Effekt von Alkohol auf die verschiedensten psychischen und physischen Erkrankungen. Also auch wenn wir nicht sagen können, okay, diese physische oder psychische Erkrankung kommt direkt vom Alkohol, kann sie eben durch den regelmäßigen Konsum verstärkt werden. Werbung.
17:37
So, und nun ist ja Dread January, und du hörst diese Folge vielleicht, weil du dich entschieden hast, den Januar mal auszusetzen mit Alkohol und einfach mal zu gucken, was dir das bringt oder vielleicht dir auch zu beweisen, dass du es überhaupt noch kannst. Und was sich in diesem Monat verändert, das ist nicht so ganz einfach,
17:57
das vorherzusagen, denn das hängt natürlich auch mit deiner Genetik, deinem Geschlecht und deinem Gewicht zusammen. Aber wie man vielleicht auch jetzt sich ein bisschen ableiten kann von den unerwünschten Wirkungen, die wir gerade alle besprochen haben, kann es zu verschiedenen Verbesserungen kommen,
18:16
wie zum Beispiel die Verbesserung deiner Gedächtnisleistung und eventuell auch deines Urteilsvermögens aufgrund von Regenerierung von den Gehirnzellen des Frontalhirns. Außerdem kann es sein, dass du mehr Energie hast und dein Immunsystem gestärkt ist und man sich einfach grundlegend fitter fühlt.
18:35
Die Schlafqualität kann sich verbessern und auch die Haut kann nach vier Wochen schon deutlich besser ausschauen, weil einfach der Körper nicht ständig aufgrund des Alkohols dehydriert ist und somit die Haut besser mit Feuchtigkeit versorgt werden. In vielen Fällen eher länger braucht als einen Monat, da möchte ich euch gar nichts vormachen.
18:54
Um hier bei einem moderaten, aber regelmäßigen Konsum auf eine Normalisierung zu kommen, kann man da eigentlich schon einen Dry February und einen Dry March dranhängen, also so zwölf Wochen muss man da schon mal einplanen, wenn man da wieder ja das Gefühl haben möchte, eine sehr gute Regeneration hinzubekommen.
19:17
Zu guter Letzt möchte ich jetzt noch mit euch darüber sprechen, wie man so einen Dry January am besten für sich nutzen kann. Denn ja, vier Wochen sind halt auch keine ewig lange Zeit und die kann man sich natürlich auch dann doch noch so gestalten, dass es einen nicht ganz so stört, dass man nicht konsumiert.
19:39
Und genau an dem Punkt setzen wir vielleicht mal an. Aber als allererstes ist ja die Frage, welches Ziel verfolgt man denn eigentlich? Denn hier gibt es natürlich auch mehrere Möglichkeiten, denn vielleicht wünscht man sich einfach nur eine ruhigere und bewusste Zeit. Vielleicht ist es ja Alkohol maßgeblich mit Party verbunden und man möchte einfach mal ein bisschen chillen,
20:01
ein bisschen so ein bisschen eine besinnliche Zeit sich einräumen, ohne dass Alkohol so eine große Rolle spielt. Also hier geht es nicht unbedingt um die Reflexion, was macht Alkohol mit mir, sondern eher so dieses Jo, mal Pause mit diesem RambaZamba und dem Gerummel umrum. Und ich chill jetzt halt mein Leben zu Hause.
20:21
Aber, und da möchte ich eben genauer einsteigen, kann es ja auch sein, dass man wirklich auch mal über seinen Konsum, sei es Alkohol oder auch andere Substanzen, auch das ist ja möglich, nachdenken möchte, sich beweisen möchte, dass es auch ohne geht und dass einem sehr, sehr wichtig ist. Und genau da schauen wir jetzt halt mal hin.
20:43
Dieerste Idee, die ich da euch mit auf den Weg geben möchte, ist, bewertet eure Stimmung Anfang des Monats. Diese Folge kommt ja am 4.1. raus. Das heißt, ihr könnt euch jetzt einfach mal kurz ein Blatt Papier schnappen und dann Folgendes bewerten: einmal eure allgemeine Stimmung, dann eure Schlafqualität,
21:04
dann die Zufriedenheit mit eurem Körper, eure Lust auf Sex, euer allgemeines Stressempfinden und eure geistige Fitness. Und da legt ihr ja einfach mal eine Skala von 1 bis 10 an und schaut mal, welche Antwort auch wirklich so automatisch so aus euch rausschießt. Und schreibt das einfach mal hinter den verschiedenen Kategorien.
21:25
Vielleicht fallen euch selbst ja auch noch mal eigene Kategorien ein und schaut mal, wie ihr euch aktuell einfach fühlt. Und dann könnt ihr eben diese Bewertung entweder jede Woche oder einfach am Ende des Monats noch mal machen. Das ist beides völlig okay, um zu gucken, ob sich da eine Veränderung eingestellt hat,
21:44
ob ihr euch in irgendeiner Art und Weise anders fühlt. Mein zweiter Tipp, den ich euch mitgeben möchte, ist, dass ihr über diesen Monat versucht, euer Verhalten erstmal nicht zuändern. Denn wie ich schon am Anfang gesagt habe, vier Wochen kann man sich auch gut außerhalb von Alkohol gestalten. Dann geht man halt mal nicht feiern,
22:03
da geht man halt mal nicht in die Bar und man hat so ein bisschen den Antrieb, vielleicht ein bisschen was zuändern, um dann nach diesem Monat schnell wieder zurückzuschlüpfen. Aber wenn man wirklich wissen möchte, welche Rolle Alkohol eigentlich in seinem Leben spielt und vielleicht auch, wie es über eigene Bedürfnisse hinweg täuscht,
22:24
dann wäre es schon gut, einfach zu versuchen, genau das zu machen und den Monat genauso gestalten, wie man ihn eben auch mit Alkohol gestaltet hätte. Und dann das als Grundlage nutzt, um ja zu reflektieren, welche Rolle Alkohol spielt. Einfach sich zu fragen, naja, welche Aktivitäten haben mir denn Spaß gemacht nüchtern?
22:45
Welche vielleicht nicht? Was fehlt mir? Und was gewinne ich? Und an dieser Stelle, und ich finde das immer auch so einen Denkfehler, weil man kommt ja sehr schnell auf den Punkt, so, naja, ich bin auf einer Party und irgendwie macht mir das ohne Alkohol nicht mehr so viel Spaß. Dass man schnell daraus den Rückschluss zieht,
23:07
naja, ohne Alkohol habe ich keinen Spaß oder ich kann nur Spaß mit Alkohol haben, aber das ist okay, dann trinke ich halt Alkohol, ist ja nur dieser Monat. Und schaut mal, ob ihr es da schafft, mal ein bisschen umzudenken. Denn nüchtern hat man eben die Möglichkeit, seine Bedürfnisse und Wünsche wirklich an seiner nüchternen Person auszurichten.
23:30
Und vielleicht machen dann einfach ganz andere Dinge Spaß. Und dann kann man sich einfach mal auf den Weg machen und schauen, welche Dinge machen mir nüchtern Spaß. Das mag vielleicht nicht unbedingt sein, das, was man gesellschaftlich, was bei uns leider, ich betone, das mit leider der Fall ist, nämlich Alkohol saufen, feiern, ballern, dass das sozusagen mit Spaß verknüpft ist.
23:49
Aber man kann durch so viele andere Dinge richtig krass Spaß haben und da einfach auch mal auf die Suche zu gehen, was das denn sein könnte. Denn es ist nicht so, dass man nur mit Alkohol Spaß haben kann. Das könnt ihr mir glauben. Mein dritter Tipp ist, wenn ihr darauf Lust habt, dass ihr euch vielleicht auch einfach noch mal tiefer mit Konsum beschäftigt.
24:10
Und es ist ja inzwischen so, dass man wahnsinnig viele Informationen bekommt über das entweder über das Nüchternsein, wenn man sich allgemein über einen nüchternen Lebensstil informieren möchte, aber auch darüber, wie Alkohol funktional in den Alltag eingefügt wird, was er helfen kann,
24:29
beziehungsweise wie man ihn nutzt und gar nicht merkt, dass es eigentlich immer einen größeren Selbstzweck hat. Und, und, und. Und man kann diesen Monat dementsprechend einfach nutzen, sich tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzen, wenn man eh schon dran ist. Und ich werde zu diesem Anlass auch eine kleine Playlist auf Spotify erstellen. Ich bin Spotify-Kind, ich kann es leider nur auf Spotify erstellen.
24:51
Aber in dieser Playlist werde ich alle Folgen mal auflisten, weil ich habe ja inzwischen auch schon über 80 Folgen aufgenommen. Und werde ich mal alle Folgen auflisten, die vielleicht für dieses Thema hilfreich werden. Die Playlist heißt dann einfach Dry January. Ich werde die Folgen auch auf meiner Website verlinken. Also das heißt,
25:10
wenn ihr bei einem anderen Player gerade hört, findet ihr auch auf meiner Website, welche Folgen sich eignen, sich zum Thema Dry January einfach anzuhören und sich einfach mit dem Thema besser auseinanderzusetzen. Ihr findet den Link zu dieser Playlist dann auch einfach in den Show Notes. Und jetzt kommen wir zum letzten Tipp, zum dritten Tipp.
25:29
Nee, das ist der vierte Tipp. Ist es der vierte Tipp schon? Wir sind schon bei vier. Und da kommen wir schon ans Ende des Monats. Und das ist vielleicht auch eher eine Ansage als ein Tipp. Wenn es nämlich darum geht, ob du in diesem Monat für dich herausfinden möchtest, ob du noch die Kontrolle über deinen Alkoholkonsum hast, dann entscheidet sich das nicht in diesem Monat,
25:50
wo du nicht konsumierst, sondern das entscheidet sich in den anderen elf Monaten. Dieser Monat gibt dir eine tolle Reflexionszeit, vielleicht auch eine intensive Reflexionszeit. Es regeneriert deinen Körper bis zu einem gewissen Grad, aber es ist halt auch nur ein Monat. Und die anderen elf Monate sind die,
26:11
in denen du für dich eher schauen kannst, ob du dich wohl mit deinem Konsum fühlst. Ich bekomme als Suchttherapeutin nämlich leider auch manchmal mit, dass genau so ein Monat dann wie eine Einladung ist, nach dem Monat erstmal richtig loszulegen und richtig Stoff zu geben und dementsprechend ja sich eigentlich einen Monat lang eine Art Ausrede gebastelt hat.
26:36
So, ihr Lieben, das war es mit meiner kleinen Übersicht zum Dry January. Und ja, ich weiß, wir haben diesmal etwas einseitig auf die unerwünschten Wirkungen von Alkohol geschaut, aber es ging ja heute tatsächlich mal direkt um einen nüchternen Monat und welche positiven Veränderungen das mit sich bringen kann. Und das fand ich auch mal wichtig, da vielleicht ein bisschen klarer zu werden und vielleicht auch einseitiger zu schauen.
26:58
Denn müssen wir uns ja nichts vormachen, wir haben mit Alkohol eher ein Problem, dass es zu krass verherrlicht wird. Das Problem haben wir mit anderen psychoaktiven Substanzen, vor allem, wenn sie illegal sind, nicht wirklich. Dementsprechend habe ich jetzt auch nicht so Bauchschmerzen, eben eher heute mal nur über die negativen Wirkungen zu sprechen.
27:18
Was wir heute gelernt haben, ist, dass auch ein moderater Konsum, Alkoholkonsum, Auswirkungen auf die Psyche und auf den Körper haben kann. Man muss dafür nicht abhängig sein und man muss dafür nicht jedes Mal besoffen sein, um eben wirklich im Alltag zu merken, dass der Alkoholkonsum den Alltag eher etwas schwerer anstatt leichter macht.
27:38
Besonders betroffen sind hier natürlich die kognitiven Leistungen und der erzeugte Stress. Und das hat eben auch ja vielzählige Auswirkungen auf andere Bereiche. Man kann wahrscheinlicherste Veränderungen schon nach einem Monat Abstinenz erkennen, aber das ist natürlich super davon abhängig, wie viel man getrunken hat, wie regelmäßig man getrunken hat und eigentlich einfach vom eigenen Körper.
28:00
Ich hoffe, meine kleinen Tipps können euch ein bisschen helfen, diesen Monat super für euch zu nutzen. Schaut in die Show Notes, wenn euch das interessiert, mit der Playlist, die ich für den Dry January erstellen werde. Und jetzt wünsche ich euch einen wunderschönen Start in das neue Jahr und wir hören uns in zwei Wochen wieder.
28:18
Ich freue mich riesig drauf. Bis dann.
28:36
Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch.

