Mischkonsum & Polytox: Ab wann wird es gefährlich?

Mischkonsum wird häufig mit besonders riskanten oder chaotischen Konsummustern verbunden. Dabei beginnt Mischkonsum viel früher: Schon Alkohol und Nikotin, Kaffee und Cannabis oder Alkohol mit Energy Drinks sind Kombinationen mehrerer psychoaktiver Substanzen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, dass mehrere Substanzen konsumiert werden, sondern welche Substanzen beteiligt sind, wie lange sie im Körper wirken und ob ihre Effekte sich verstärken, maskieren oder schwer einschätzbar machen.

Die Folge ordnet ein, warum Mischkonsum nicht automatisch Polytoxikomanie bedeutet und weshalb der Begriff „polytox“ oft ungenau verwendet wird. Im Mittelpunkt stehen riskante Kombinationen wie dämpfende Substanzen mit Opioiden oder Benzodiazepinen, die besondere Gefahr von Alkohol und Kokain, aber auch die Frage, wann ein Konsummuster wirklich chaotisch, opportunistisch und behandlungsrelevant wird. Deutlich wird: Wer mehrere Substanzen konsumiert, ist nicht automatisch „polytox“ – sinnvoller ist es, jede Substanz einzeln anzuschauen, ihre Funktion zu verstehen und Veränderungsziele differenziert zu klären.

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Mischkonsum & Polytox: Ab wann wird es gefährlich?

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PODCAST-METADATEN
Folge: 135
Erscheinungsdatum: 30.04.2026
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Mischkonsum & Polytox: Ab wann wird es gefährlich?
Sprecher: Stefanie Bötsch

Typ: Transkript

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Alkohol am Abend, dazu ’ne Kippe, bisschen Koks und abends einen Joint zum Runterkommen – ihr werdet mir wahrscheinlich zustimmen: Das ist Mischkonsum. Und wahrscheinlich stimmt ihr mir auch erstmal zu, dass viele Substanzen auf einmal den Körper vor große Herausforderungen stellen. In dieser Folge wollen wir das Thema Mischkonsum und auch das Thema Polytoxikomanie genauer untersuchen,

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um zu verstehen, wo die Problematik anfängt und wo man sie vielleicht auch nicht überbewerten sollte.

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„Psychoaktiv“, euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Bötzsch. Zieht’s euch rein.

00:51
Willkommen bei „Psychoaktiv“, eurem wissenschaftlichen Podcast zu Drogenkonsum und Sucht. Schön, dass du wieder mit am Start bist. Und gerade in letzter Zeit ist mir auf Social Media immer wieder begegnet, dass sich Menschen, die von ihren Konsum- und Suchterfahrungen berichten, sich als Polytox bezeichnen.

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Und kurzer Einschub, weil es mir gerade einfällt: Ich finde es richtig schön und bewegend, wie viele Menschen immer mehr offen über ihre Konsum- und Suchterfahrungen sprechen und dieses Stigma und dieses Schweigen, was sich darum bildet, brechen. Und da bin ich mega dankbar für, auch für diesen Mut. Und genau, jetzt zurück zum Thema.

01:32
Kleiner Einschub: Ich möchte nämlich gerne dieses „Ich bin Polytox“, weil es mir halt eben bei Social Media immer häufiger zugespielt wurde, gerne mal als Aufhänger nutzen, um das Thema polyvalenter Substanzkonsum, Polytoxikomanie, Mischkonsum ein bisschen genauer mit euch unter die Lupe zu nehmen. Ich finde,

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der Begriff hat gleich so eine ganz schöne Durchschlagkraft: Polytox, also viel giftig. Und da entsteht bei vielen Menschen automatisch sicher auch gleich Fantasien von extremst hohen, wahllosen und sehr prekären Konsummustern. Und ich muss ehrlich sagen, bei mir ist das nicht anders. Wenn ich den Begriff Polytox höre,

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denke ich immer sehr spontan an einen Fall zurück, schon viele Jahre her, von einer Person, die mir erzählt hatte, dass sie in einem Moment von sehr schwerem Kontrollverlust den kompletten Medikamentenschrank eines Freundes ausgeräumt hat, alle Tabletten aus dem Blistern gedrückt hat und diese konsumiert hat, ohne darauf zu achten, was das eigentlich für eine Pille ist.

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Und da war wahrscheinlich alles dabei, von Vitamintablette bis Paracetamol bis vielleicht auch Benzodiazepine. Und da stellt sich natürlich die Frage: Wer wahllos irgendwelche Pillen zu sich nimmt, der ist doch dann auch Polytox, oder? Weil gerade bei dieser Art von Konsumverhalten,

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also dass man einen kompletten Medikamentenschrank ausräumt, ist es natürlich so, dass man ganz unterschiedliche Wirkstoffe eingenommen hat. Und das ist aber vielleicht ein bisschen zu kurz gedacht, weil wenn man mal einen Schritt zurückgeht, dann würde ich nicht sagen, dass die Person Polytox ist, sondern eher, dass eine Abhängigkeitserkrankung, die hier bestanden hat, Benzodiazepine war.

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Und der Kontrollverlust war klar aus dem Craving nach Benzodiazepinen getrieben. Das heißt, es ist nicht immer gleich Polytox, wenn es vielleicht im ersten Moment den Anschein macht. Und deswegen möchte ich einfach heute ein bisschen genauer hinschauen.

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Und wir sprechen heute über Mischkonsum und auch über Polytoxikomanie und wo man auch vielleicht einen Unterschied sieht und warum es vielleicht auch teilweise Sinn macht, sich ein bisschen Mühe zu geben, die Unterschiede zu verstehen, sowohl für den eigenen Weg als auch, wenn man Menschen begleitet in ihrem Heilungsweg.

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Das Hauptproblem an dem Thema Polytoxikomanie, polyvalenter Substanzkonsum oder wie man es gerne nennen möchte, ist, dass dieser Begriff unfassbar ungenau ist.

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Und gerade wenn man wie ich eine sehr akzeptanzbasierte Haltung in der Suchttherapie vertritt und damit in der Regel auch deutlich früher und auch niedrigschwelliger mit Klienten zusammenarbeitet, macht das auch einen ganz schönen Unterschied. Gerade wenn man in die stationäre Behandlung schaut,

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dann ist es vielleicht auch intuitiv vielen relativ klar, was Polytox heißen soll, und zwar ein schwerer, willkürlicher Konsum unterschiedlicher Substanzen. Und auch Polytox hat für mich auf jeden Fall auch in seinem Begriff immer auch den Krankheitsbegriff mit drin. Also jemand, der Polytox ist, der konsumiert nicht nur viele Substanzen gleichzeitig,

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sondern auf eine problematische Art und Weise für ihn selbst und seine Gesundheit. Aber es ist ja auch so, dass sich solche Begriffe gerne auch mal verselbstständigen und auch außerhalb des klinischen Bereichs verwendet werden. Und da wird es dann super schnell ein bisschen wild.

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Also starten wir vielleicht einfach mal am Anfang, denn an sich beruht ja natürlich der Begriff der Polytoxikomanie auf dem Mischkonsum. Und Mischkonsum passiert deutlich schneller, als man denkt. Nur wollen das viele nicht so gerne sehen, denn bei Mischkonsum denken die meisten immer an illegalisierte Substanzen und ja,

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wie ich schon gesagt habe, meistens auch schon hier an ein problematisches Konsummuster. Doch wenn Mischkonsum einfach nur bedeutet, dass man zwei oder mehr Substanzen gleichzeitig oder zeitlich so versetzt, dass beide Substanzen noch im Körper aktiv sind, zu sich nimmt, dann ist es natürlich auch, wenn ich Alkohol trinke und eine Zigarette rauche,

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Kaffee trinke und einen Joint rauche oder auch einfach eine Jägerbomb trinke, also Jägermeister mit – jetzt muss ich überlegen – Jägermeister mit Energy Drinks oder auch Wodka trinke, weil dann habe ich halt Koffein und Alkohol.

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Das heißt, Mischkonsum, gerade mit Alkohol, Nikotin und Koffein, ist wirklich auf wirklich vielen Partys Gang und Gäbe und die Normalität. Trotzdem würde man in dem Zusammenhang niemand wirklich als Polytox oder Mischkonsument bezeichnen. Und ganz ehrlich, immer wenn ich darauf hinweise, gerade im Kontext zu Nikotin,

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finde ich es immer wieder absurd, was für eine Sonderstellung Nikotin und Zigaretten eigentlich im Suchthilfesystem und auch in unserem Versorgungssystem haben. Die zählen einfach nicht. Die Droge zählt einfach nie dazu. Also sei es, wenn wir von Abstinenz reden, dann ist da häufig Nikotin und Zigaretten ausgeschlossen. Jetzt fällt es mir gerade wieder noch mal sehr deutlich auf,

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dass, wenn wir von Mischkonsum sprechen, reden wir natürlich nie von Nikotin und Zigaretten. Das zählt da irgendwie immer nicht so rein. Also falls ihr dazu auch mal eine gesonderte Folge haben wollt, dann schreibt es mir gerne in die Kommentare. Ich finde es immer wieder absurd. Na gut, aber zurück zum Mischkonsum. Mischkonsum kann auf der einen Seite bedeuten,

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dass zwei Drogen wirklich gleichzeitig eingenommen werden.

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Und neben der Jägerbomb oder auch der Discoscholle gibt es das auch mit ganz klaren Namen und Kombinationen, die eben auch bei illegalisierten Substanzen bekannt sind, wie zum Beispiel Speedball für Kokain und Heroin, Keks für Kokain und Ketamin oder der Candyflip für LSD und MDMA.

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Eine andere Art des Mischkonsums wäre der sequentielle Mischkonsum. Also die Substanzen werden hier nicht gleichzeitig, sondern hintereinander eingenommen. Und die eine Substanz, die als erstes eingenommen ist, ist aber noch im Körper aktiv. Das wäre zum Beispiel, wenn ich nach einer Nacht mit viel Speed,

07:44
also Amphetamin, gefeiert hätte und abends dann noch einen Joint konsumiere, um schlafen zu gehen und um runterzukommen. Gerade bei super langwirksamen Substanzen wie zum Beispiel auch einige Benzodiazepine ist es leider häufig so, dass es Menschen gibt, denen gar nicht bewusst ist, dass die Substanz noch in ihrem Körper aktiv ist,

08:04
weil man das vielleicht auch selbst gar nicht mehr so spürt. Und dann wird weiter konsumiert, weil man denkt, man hat jetzt lange genug gewartet. Und tatsächlich – und immer wenn ich davon erzähle – es macht mich unfassbar betroffen und traurig. Aber tatsächlich sind gerade diese Kombinationen auch der Grund gewesen, warum eine Klientin von mir gestorben ist an ihrer Erkrankung.

08:25
Und das bedeutet im Prinzip, dass Mischkonsum und daraus vielleicht auch tödliche Mischungen wie in dem Fall waren es Benzodiazepine und Opioide manchmal auch geschehen, ohne dass die Person das aktiv wahrnimmt, weil man die lange Wirksamkeit unterschiedlicher Substanzen in seinem Körper unterschätzt. Übrigens ist es auch so,

08:45
dass in der Medizin bei Medikamenten es durchaus auch gebräuchlich ist, dass mehrere Wirkstoffe gleichzeitig verschrieben werden, um eben auch unerwünschte Wirkungen von anderen Medikamenten abzufangen.

08:58
Der Vorteil ist in diesem Kontext aber auch natürlich, dass die Medizin oder der Arzt das nach der Verschreibungsvorlage und nach wissenschaftlichen Grundlagen macht und dass es dahingehend ein fachliches Abwägen gibt, welche Substanzen wie gemischt werden können. Das hat man natürlich nicht, wenn man das in Eigenregie und mit Substanzen macht,

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die teilweise vielleicht auch nicht mal so gut erforscht sind. Aber ich wollte das nur auch noch mal darauf hinweisen, dass auch in der Medizin es durchaus normal ist, mit mehreren Wirkstoffen zu arbeiten. Wir merken uns also als allererstes: Mischkonsum ist deutlich gewöhnlicher, als manchmal getan wird.

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Die Frage, die damit natürlich einhergeht, ist die Frage: Wie gefährlich ist eigentlich Mischkonsum? Oder auch gleich einfach die Annahme, dass Mischkonsum immer gefährlich ist. Und als erstes sei zu diesem Thema gesagt, dass die Bewertung von Mischkonsum extremst komplex ist.

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Psychoaktive Substanzen können akut ganz unterschiedlich gemeinsam wirken. Sei es, dass die eine Substanz die Wirkung der anderen maskiert, oder sei es, dass die Wirkung stärker wird oder schwächer. Und ich werde super häufig gefragt, auch wenn ich meine Substanzfortbildungen gebe, ob ich nicht Mischkonsum einfach mal einfach erklären kann.

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Und das Problem ist halt einfach: Es ist einfach kein einfaches Thema. Es ist einfach sehr komplex, denn man kann auch nicht einfach sagen: Substanz A in Kombination mit Substanz B wirkt, sagen wir mal, verstärkend. Denn an sich muss ich mir eigentlich jedes Symptom einzeln anschauen, sei es die Stimmung, sei es das Herz-Kreislauf-System oder oder.

10:39
Und dann immer für jedes einzelne Symptom oder für jede einzelne Wirkungsaspekt gucken, was die Kombination der Substanzen auf diesen einzigen Aspekt macht. Ein gutes Beispiel ist da zum Beispiel die Mischung von Alkohol und Kokain. Wenn man Kokain und Alkohol gemeinsam konsumiert, entsteht in der Leber das Stoffwechselprodukt Kokaethylen.

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Und Kokaethylen verlängert die Wirksamkeit von Kokain enorm. Und normalerweise so ein Kokainrausch zwischen 20 bis 30 Minuten auf der Peakphase und wirkt vielleicht noch 90 Minuten nach. Kokaethylen allerdings bleibt mehrere Stunden im Körper aktiv und sorgt dafür, dass Herz-Kreislauf unter erhöhter Anspannung steht. Und das sorgt wiederum dafür,

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dass man die Wirkung von Alkohol effektiv maskiert. Man fühlt sich nicht so betrunken, man hat das Gefühl, ewig Alkohol trinken zu können. Man hat ganz grundlegend das Gefühl von Kontrolle über den Alkoholrausch. Allerdings belastet der Alkohol ja den Körper auch weiter.

11:36
Und so kommt es zu einer metabolischen Überbelastung, weil die Leber sich gleichzeitig mit dem Abbau von Alkohol und auch der komplexen Verarbeitung von Kokain und Kokaethylen auseinandersetzen. Und das ist natürlich ziemlich herausfordernd für unser System. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass unser Körper die Toxizität von Alkohol unterschätzt,

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weil dadurch, dass das Gehirn durch das Kokain die dämpfende Wirkung des Alkohols nicht mehr als Warnsignal, also zum Beispiel Schläfrigkeit oder Koordinationsstörung, das nimmt es einfach nicht mehr wahr. Konsumieren halt viele Menschen deutlich mehr Alkohol, weil unser natürlicher Stopp, der durch Alkohol, was ja ein Downer ist, irgendwann einsetzt,

12:16
der einfach durch Kokain ausgeschaltet ist und man deswegen mehr konsumiert vom Alkohol, als was man ohne Kokain konsumieren würde. Und wenn die Wirkung des Kokains dann nachlässt, dann kommt die dämpfende Wirkung des Alkohols plötzlich wie ein absoluter Hammer zurück. Und viele beschreiben das dann wie so einen kognitiven und körperlichen Crash,

12:37
weil man einfach auch so viel Alkohol zu sich genommen hat, dass natürlich der Payback auch extrem heftig ist und weil es halt auch mehr ist, als was man sonst trinken würde, in der Regel auch heftiger, als wenn man nur Alkohol getrunken hat. Und die Kombination Alkohol und Kokain, da wirkt natürlich der Alkohol synergetisch auf die Wirkdauer von Kokain,

12:57
während Kokain auf Alkohol eine maskierende Wirkung hat. Und wenn wir uns jetzt aber auch noch mal die ganzen Einzelheiten der Kombination anschauen, wird es natürlich auch noch komplexer. Aber ich meine, bloß weil wir jetzt mit einer Lupe draufschauen und es das wirklich auch sehr kompliziert macht, gibt es natürlich ein paar Orientierungspunkte, die einem in der Praxis helfen,

13:19
so ein bisschen einzuschätzen, welche Kombinationen wirklich schwierig sind und welche nicht. Was man sich erst mal grundlegend merken kann, ist, dass die Mischung von Downern und Downern oder von Downern und Opioiden, also dämpfende Substanzen wie Alkohol, GHB, Benzodiazepine, Heroin, Oxycodon eben auf der körperlichen Ebene potenziell lebensgefährlich sind,

13:41
da es eben so stark den Körper runterregelt, dass es bis zu einer Atemdepression kommen kann und eine Atemdepression im schlimmsten Fall eben auch tödlich enden kann. Auch das Mischen von Uppern wie Amphetamin, Kokain mit Amphetamin kann eben zu einer sehr starken Belastung des Herz-Kreislauf-Systems kommen.

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Klar, man pusht und pusht und pusht seinen Körper höher, auch in Kombination mit zwei Substanzen. Das Herz-Kreislauf-System wird enorm belastet und auch das kann potenziell lebensgefährlich sein, da es eben zu Herzinfarkten führen kann. In unserem Buch „Drogen und ihre Wirkung“, das ich gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Fabian Peter Steinitz geschrieben habe,

14:22
haben wir übrigens auch den Mischkonsum der unterschiedlichen Wirkklassen und ihre Kombinationen für euch dargestellt. Also was diese Kombinationen machen. Den Link zum Buch findet ihr in der Folgenbeschreibung. Und auch auf Einzelsubstanzbasis gibt es die sehr bekannte Tripse-Tabelle. Auch die verlinke ich euch mal in den Shownotes.

14:41
Da könnt ihr die Einschätzung unterschiedlicher Drogenkombinationen von ablesen. Ist super praktisch zur Orientierung. Grundlegend kann man aber sagen, dass der Mischkonsum häufig eben Risiken birgt, die auch schwer abschätzbar sind. Und umso potenter und stärker die Substanzen, umso größer dann auch das Risiko, wenn man die kombiniert.

15:01
Und umso mehr Substanzen ich konsumiere, umso komplexer wird das Zusammenspiel natürlich. Und es gibt super viele Aspekte, die in die Kombination mit reinspielen, wie die Wirkdauer der Substanzen, die Konsumform, der Wirkmechanismus, ob nachdosiert wird. Also ganz viele kleine Aspekte spielen da eben eine Rolle.

15:20
Und deswegen ist aus Safer Use Sicht natürlich ganz klar auch die Empfehlung, dass Monokonsum logischerweise auch sicherer ist.

15:30
Werbung Gut,

15:35
nachdem wir das Mischkonsum-Thema besprochen haben, lasst uns noch mal zum Polytoxikomanie-Begriff vom Anfang zurückkommen. Wir sind also jetzt an dem Punkt, bei dem der andauernde Mischkonsum zu einer Substanzgebrauchsstörung geführt hat. Und hier gibt es auch eine Diagnose, und das ist die F19-Diagnose.

15:54
F19 ist psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen. Und diese Diagnose wird immer dann verwendet, wenn mehrere Substanzen konsumiert werden, das Konsummuster schwer zu entwirren ist oder keine Substanz klar dominiert,

16:13
aber die Substanzgebrauchsstörung klar vorliegt. Diese Diagnose, genauso wie der Begriff der Polytoxikomanie, steht schon immer in der Kritik der Ungenauigkeit.

16:23
Und auch ich habe schon sehr häufig aus meiner Sicht eher seltsame Kombinationen auch in so Entlassberichten von Rehas gesehen, wo dann zum Beispiel mehrere Abhängigkeitserkrankungen einzeln diagnostiziert wurden: Alkohol und Cannabis. Und dann aber irgendwie noch mal die F19 obendrauf, grob für alle anderen Substanzen. Und ja,

16:43
also das hat für mich immer nicht so viel Sinn gemacht. Okay, am Ende gebe ich die Diagnose nicht, vielleicht übersehe ich da auch etwas. Und ich bin auch sehr froh, muss ich sagen, dass ich mich in meiner Praxis mit Diagnosen nicht so sehr rumschlagen kann. Das ist dann eher was für Reha und stationäre Einrichtungen. Aber was ich finde,

17:03
für die Praxis aus meiner Sicht sehr relevant ist, wenn wir über Polytoxikomanie oder eben auch diese F19-Diagnose sprechen, ist für mich eben, dass ein gewisser chaotischer Konsum besteht, also ein problematisches, chaotisches Konsummuster, also dass wirklich einfach das konsumiert wird, was, gelinde gesagt, gerade irgendwie verfügbar ist.

17:24
Man nennt das auch manchmal das opportunistische Konsummuster. Also ich nutze einfach jede Konsummöglichkeit, die sich mir in irgendeinem Kontext bietet, ungeachtet davon, um welche Substanz es sich eigentlich handelt. Und gerade dieses Verhalten, wo ohne Rücksicht auf Verluste alles konsumiert wird, was eben gerade irgendwie verfügbar ist,

17:45
geht nämlich sehr häufig mit einem sehr starken Wunsch nach Realitätsflucht einher, also egal wohin und auch einer gewissen Selbstaufgabe und damit einhergehend auch mit selbstbestrafenden Mechanismen. Darüber haben wir ja letzten Monat schon gesprochen, das verlinke ich euch auch noch mal in den Folgen.

18:03
Und gerade auch bei sehr chaotischen Konsummustern ist die Wahrscheinlichkeit noch mal höher, dass eine Doppeldiagnose vorliegt. Allgemein ist es ja so, dass viele Abhängigkeitserkrankungen mit einer anderen Diagnose einhergehen. Bei chaotischen, opportunistischen Mischkonsum ist das allerdings noch wahrscheinlicher, dass eben eine posttraumatische Belastungsstörung,

18:24
eine ADHS, Depression oder eine Persönlichkeitsstörung oder auch eine Angststörung vorliegen und sich eben diese psychischen Erkrankungen mit dem Konsum gegenseitig bedingen und auch verstärken. Und hier ist es dann auch wirklich in der Behandlung super wichtig, dass das schnell herausgefunden und auch mit adressiert und mitbehandelt werden kann,

18:44
damit man eben die Person dabei unterstützen kann, sich weiter zu stabilisieren. Ich finde es aber auch wichtig, dass nur, wenn eine Person mehrere Substanzen konsumiert, nicht automatisch ein chaotisches Konsummuster vorliegt, auch wenn es erst mal vielleicht so scheint.

19:01
Und gerade wenn man mit betroffenen Menschen über den Konsum und auch über die unterschiedlichen Substanzen spricht, wird sehr häufig auch sehr klar,

19:10
dass da den einzelnen Substanzen eben die eigene Funktionalität steht oder auch vielleicht ein ganz bestimmtes Setting mit der Substanz zusammenhängt oder dass auch bestimmte Gefühle mit sehr bestimmten Substanzen zusammenhängen oder bedient werden. Und das ist so ein sehr klassischer Einstieg in die zieloffene Suchttherapie,

19:30
dass man auch bei einem Vielkonsum nicht einfach davon ausgeht, dass man ganz klar alle Substanzen aufhören möchte, sondern dass man auch wirklich mal gut nachfragt und nachprüft, was denn eigentlich das Ziel der Veränderung ist und das auch für jede einzelne Substanz macht und die einzelne Substanz durchgeht und sich mal da abklopft,

19:51
was da für Veränderungswünsche drinstehen und was man da gerne erreichen möchte. Denn es ist dann schon auch manchmal sehr überraschend, wie sich das manchmal von Substanz zu Substanz unterscheiden kann. Und auch als betroffene Person oder auch als Mensch, der konsumiert, ist das in der Selbstreflexion total sinnvoll, dass man sich wirklich jede Substanz einzeln ausschaut.

20:13
Das geht super gut, indem man sich auch mal eine Zeit lang vielleicht so ein Konsumprotokoll anlegt und schaut, okay, welche Substanz konsumiere ich für welches Bedürfnis, zu welchem Gefühl, in welcher Situation und da dann vielleicht auch herausfindet, okay, wie begleitet mich welche Substanz durch den Alltag? Was ist das Ziel? Bin ich damit fein oder wo möchte ich vielleicht Veränderungen ansetzen, mit denen ich nicht zufrieden bin?

20:38
Ihr Lieben, das war es wieder mit dieser Folge. Und mir war in dieser Folge sehr wichtig, dass erst mal klar wird, dass Mischkonsum erst mal sehr häufig vorkommt, und zwar auch außerhalb von Krankheit und akuten Problemen. Und trotzdem birgt natürlich Mischkonsum ein erhöhtes Risiko, das auch häufig recht schwer abzuschätzen ist.

20:57
Und gerade wenn wir von unbekannten und unerforschten Substanzen wie zum Beispiel Research Chemicals reden. Darüber haben wir auch erst im Podcast gesprochen. Auch die Folge verlinke ich euch noch mal. Und ja, gerade bei Substanzen, die super unerforscht sind, ist es halt ein gewisses Gamble und man weiß im Prinzip nicht, was am Ende rauskommt.

21:18
Und das kann eben auch im schlimmsten Fall tödlich enden. Ein Problem in der Forschung, aber auch in der Praxis bleibt es trotzdem, dass die Zuschreibung, was alles zu polytoxen Substanzkonsum oder polyvalenten Substanzkonsum zählt, sehr ungenau ist. Und ich glaube, grundlegend sind sich alle einig, dass es sich um den Konsum mehrerer Substanzen handelt.

21:38
Klar, aber was genau das bedeutet, in welcher Schwere, ab wann sozusagen eine Polytoxikomanie besteht, dasändert sich manchmal so ein bisschen. Die Beschreibung ist da einfach sehr schwammig, teilweise. Für mich bedeutet das maßgeblich ein sehr chaotischer, willkürlicher und opportunistischer Konsummuster. Und das geht dann häufig auch mit weiteren psychischen Erkrankungen einher.

22:00
Und das sorgt dann auch häufig zu einem sehr komplexen Krankheitsbild. Doch bloß weil jemand mehrere Drogen konsumiert, ist es halt auch nicht sofort willkürlich. Es macht halt super viel Sinn, für mich auf jeden Fall, sich das wirklich genauer anzuschauen und auch die Veränderungsmotivation pro Substanz abzuklopfen. Ich hoffe, euch hat die Folge gefallen.

22:21
Falls ja, lasst gerne im Podcast ein Abo da, bewertet ihn und wenn es geht, leitet ihn auch gerne an Freunde weiter. Und sonst hören wir uns ganz bald wieder. Bis dann. Tschüss.


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