Meskalin gehört zu den ältesten bekannten Psychedelika der Welt und wird trotzdem deutlich seltener diskutiert als LSD, Psilocybin oder DMT. In dieser Folge geht es um die Geschichte von Meskalin, seine Verbindung zu psychoaktiven Kakteen wie Peyote und seine Bedeutung in indigenen Ritualen, spirituellen Traditionen und der frühen psychedelischen Forschung. Dabei wird auch eingeordnet, warum Meskalin historisch eine wichtige Rolle spielte, heute aber in der modernen Psychedelika-Debatte eher im Hintergrund steht.
Die Folge erklärt, wie Meskalin wirkt, also um erwünschte und unerwünschte Wirkungen, körperliche Belastungen wie Übelkeit, psychische Risiken und Mischkonsum.
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Meskalin – das vergessene Psychedelikum
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PODCAST-METADATEN
Folge: 123
Erscheinungsdatum: 06.11.2025
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Meskalin – das vergessene Psychedelikum
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
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Wer Piote nimmt, lernt zu sehen. Die Wirkung wird in den meisten Berichten als sehr strukturiert und auch klar erlebt. Man bleibt orientiert. Es gibt Psychedelika, die sind aktuell heiß diskutiert, sei es Psilocybin, LSD oder auch DMT. Und es gibt andere,
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über die eigentlich aktuell fast keiner redet. Und genau in diese Kategorie gehört Meskalin. Kaum erforscht, aktuell kaum diskutiert und trotzdem ist es eines derältesten Psychedelika der Welt. Es wird also Zeit für eine differenzierte Einordnung.
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Psychoaktiv, euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein.
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Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt in den wahrscheinlich ausführlichsten und differenziertesten wissenschaftlichen Drogen-Podcast. Wir lernen hier alle zwei Wochen etwas mehr über Drogen, Konsum und Sucht. Und das jenseits von Schwarz-Weiß-Denken, sondern, sagen wir mal, nüchtern betrachtet.
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Und in diese Folge möchte ich gerne mit einer kleinen Trip-Beschreibung einsteigen. Die Welt war überwältigend in ihrer Detailgenauigkeit. Ich konnte die feine Struktur einer Biene erkennen, wie sie etwas in einen kleinen Beutel an ihrem Hinterteil steckte, um es in den Bienenstock zu tragen.
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Und dennoch war ich vollkommen ruhig, obwohl sie so nah an meinem Gesicht war. Die Welterschien mir wie ein Wunder aus interpretierender Einsicht. Ich sah Menschen wie Karikaturen, die zugleich ihre Schmerzen und ihre Hoffnungen offenbarten. Und sie schienen nichts dagegen zu haben, dass ich sie auf diese Weise sah.
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Das ist ein Zitat aus dem Buch „Pical: A Chemical Love Story“ von Alexander und Anne Shulgin. Ich habe das Zitat selbst übersetzt, weil ich das Buch hier auf Englisch habe. Und Alexander beschreibt darin eben seinen Meskalin-Rausch.
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Meskalin wird vor allem mit dem Cactus Piote in Verbindung gebracht oder einfach ja allgemein mit irgendwelchen psychedelischen Kakteen. Denn das stimmt auch irgendwie, denn wenn wir es genau nehmen, konnte man das Vorkommen von Meskalin in inzwischen über 40 Kakteen feststellen. Da das Meskalin allerdings nicht sonderlich potent ist,
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eignen sich die meisten dann nicht für einen psychedelischen Rausch. Auf dem Schwarzmarkt gibt es deswegen Meskalin aus den Kakteen extrahiert oder eben auch voll synthetisch hergestellt in Form von Meskalin Hydrochlorid.
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Meskalin gehört zu den uns am längsten bekannten Psychedelika auf der Welt. Und trotzdem, wie ich es auch schon in der Einleitung gesagt habe, geht das Thema in dem ganzen Psychedelika-Talk etwas unter. Das finde ich ehrlich gesagt etwas schräg und etwas schade und deswegen freue ich mich umso mehr,
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dass wir das Thema heute durchsprechen. Kleiner Disclaimer: Ich bin leider krank, man hört das vielleicht ein bisschen in meiner Stimme, also nicht wundern, wenn das alles manchmal ein bisschen kratzig klingt. Ich denke aber, ihr versteht mich alle trotzdem. Meskalin hat übrigens auch das Substanz-Voting gewonnen und falls du dich jetzt fragst,
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wie du denn auch mitvoten kannst, um die nächste Substanz zu bestimmen, das kannst du als Teil des Mitgliederprogramms Psychoaktiv Plus. Da gibt es Bonusfolgen, da gibt es Bonusartikel und eben auch das Substanz-Voting. Und es gibt mir einfach auch die Unterstützung, um diesen Podcast überhaupt machen zu können.
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Seit dem letzten Mal können wir ein neues Mitglied begrüßen und zwar: Hallo Sonja, lieben Dank, dass du meine Arbeit unterstützt. Um den Podcast finanzieren zu können, braucht es aber auf alle Fälle noch weitere Unterstützung. Deswegen würde ich mich total freuen, dich in der Psychoaktiv Plus Crew begrüßen zu dürfen. Den Link findest du wie immer in der Folgenbeschreibung.
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Und jetzt starten wir in die Meskalin-Folge rein.
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Ich habe in der Einleitung ja gerade schon erwähnt, dass man auf unserem Schwarzmarkt wahrscheinlich eher Meskalin Hydrochlorid finden wird. Doch wenn wir jetzt erst mal im allerersten Schritt in die Geschichte eintauchen wollen, gilt es natürlich, auf die Kakteen zu schauen und hier vor allem auf den Pilote-Kaktus.
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Der Pilote-Kaktus wächst relativ unscheinbar in der sehr kargen Wüste Nordmexikos und Südtexas. Er ist flach, irgendwie so grau-grün und fast unsichtbar versteckt er sich so zwischen den Steinen. Und wie ich auch schon in der Einleitung gesagt habe,
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gehört er zu den ältesten bekannten psychoaktiven Pflanzen der Welt. Man hat anhand archäologischer Funde feststellen können, dass Menschen schon vor über 6000 Jahren Pilote verwendet haben.
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Der Pilote-Kaktus spielt nämlich auch in den unterschiedlichen Traditionen von indigenen Gruppen Mexikos eine zentrale Rolle. Und das nicht nur früher, sondern tatsächlich bis heute. Zum Beispiel bei den Huichol, den Tarahumara, den Cora und den Tepehuan ist er nicht einfach eine Pflanze,
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sondern er wird tatsächlich wie so ein heiliges Wesen oder eine Verkörperung einer göttlichen Präsenz gesehen. In der Kultur der Huichol steht Pilote in einem heiligen Trias mit Mais und Hirsch. Der Hirsch symbolisiert die Jagd und die Bewegung.
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Der Mais steht für die Nahrung und das Leben und der Pilote für die Erkenntnis und die Verbindung mit der geistigen Welt. Und gemeinsam bilden sie den Kreislauf des Lebens. Und bei den Huichol ist es so, dass sie sich einmal im Jahr auf eine Art Pilgerreise begeben in die Wüste von San Luis Potosí nach Wirikuta,
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den Ursprungsort des Pilote. Und dort sammeln sie den ersten Kaktus der Saison. Und das ist eben begleitet von Gesängen, von Ritualen und auch von Fasten. Diese Reise gilt für die Huichol als Rückkehr zum Ursprung der Welt. Und der Pilote wird da wie eine Art Lehrer, ein Wegweiser gesehen.
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Und die Huichol sagen zum Beispiel: „Wer Pilote nimmt, lernt zu sehen.“ Damit ist natürlich das spirituelle Erkennen gemeint und nicht das optische Sehen. Und so stellen halt die Huichol die Wahrnehmung der eigenen Verbindung zu allem, was lebt, her.
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Diese Tradition wurde massiv gestört mit der spanischen Kolonisation im 16. Jahrhundert, denn die brachte eine ganz andere Sicht auf den Pilote mit. Wer hätte es gedacht? Missionare und die Inquisition bezeichnen ihn als Werk des Teufels, verboten seine Nutzung und verfolgten die rituellen Zeremonien.
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Und damit wurde der Pilote auch in dieser Zeit zum Symbol für Widerstand und eben auch für das Fortbestehen indigener Identität trotz der Unterdrückung durch die spanische Kolonisation. Und deswegen überlebten viele Rituale nur, weil sie eben im Verborgenen weitergeführt oder eben auch mit christlichen Symbolen verschmolzen wurde.
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In manchen Regionen Mexikos wurde der Pilote zum Beispiel mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht. Die Zeremonien bekamen christliche Elemente, aber logischerweise blieb die spirituelle Erfahrung dieselbe. Die Verbindung zu einer höheren Wahrheit und zwar jenseits von Dogmen. Im 19.
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Jahrhundert entdeckte die westliche Wissenschaft den Pilote-Kaktus neu. Zuerst wurde er botanisch beschrieben und zwar 1839 durch den französischen Botaniker Charles Antoine Lemaire. Man entschuldige meine französische Aussprache. Und im Verlauf der Geschichte wurde er mehrfach umbenannt,
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bis sich heute der gebräuchliche Name Lophophora williamsi durchsetzte. Nur wenige Jahre später gelang dem deutschen Chemiker Arthur Hefter etwas ziemlich Revolutionäres. Und zwar isolierte er als erstes den aktiven Wirkstoff Meskalin aus dem Pilote-Kaktus und testete ihn an sich selbst.
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Und damit legte er nicht nur den Grundstein für die moderne Psychedelika-Forschung, sondern führte auch daserste dokumentierte Selbstexperiment mit einer halluzinogenen Substanz in der Geschichte der Neurowissenschaften durch.
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Und 1919 wurde Meskalin dann vom Wiener Chemiker Ernst Späth erstmals synthetisiert, das lange bevor LSD oder Psilocybin überhaupt entdeckt waren. Dementsprechend war Meskalin damals das erste synthetisierte Halluzinogen der Menschheitsgeschichte. Und wenn man das hört,
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kann man sich nur fragen, warum zur Hölle ist es so untergegangen? Aber erst mal weiter mit der Geschichte. In den folgenden Jahrzehnten nutzte man Meskalin vor allem in der Psychiatrie. Aber nicht als Therapie, konntet ihr euch vielleicht denken, sondern als Forschungsinstrument.
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Es galt nämlich als sogenannte Modell einer Psychose. Die Idee war, durch künstlich hervorgerufene Wahrnehmungsveränderungen die Erfahrung schizophrener Patienten und Patientinnen besser zu verstehen.
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Und tatsächlich veränderten die Experimente mit Meskalin zur Modellpsychose die Sicht in der Psychiatrie auf psychische Erkrankungen nachhaltig. Denn zum ersten Mal rückten im Prinzip die biochemischen Prozesse mehr in den Mittelpunkt. Und man kam im Prinzip auf das Ergebnis,
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dass wenn eine Substanz wie Meskalin psychoseartige Zustände auslösen kann, also Halluzinationen auslösen kann, dann können vielleicht auch psychische Erkrankungen auch durch ein Ungleichgewicht eigener biochemischer Substanzen sein. Das heißt,
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wir gingen so ein bisschen weg, dass das seelische Leiden so ein Versagen und auch so eine moralische Komponente hatte.
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Und man bekam mehr und mehr die Idee, dass es vielleicht auch biologische Faktoren haben könnte, dass Menschen erkranken, was natürlich unfassbar wichtig zu der Zeit war oder auch ein großer Wendepunkt zu der Zeit war. Diese Modellpsychosen wurden natürlich danach kritisiert, dass sie das Ganze viel zu sehr vereinfacht haben.
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Aber für den damaligen Stand war es schlichtweg die Tür zu einem Durchbruch. Das Verständnis von Meskalin als Mittel für Modellpsychosen, das änderte sich dann wieder Mitte des 20. Jahrhunderts. Und zwar durch die Beschreibungen von Antonin Artaud und Olde Huxley,
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die Pilote als Symbol für spirituelle Erkenntnis in der westlichen Welt etablierten. Artaud beschrieb in den 1930er Jahren seine Reise zu den Tarahumara in Mexiko, wo er an einer Pilote-Zeremonie teilnahm.
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Und Huxley wiederum veröffentlichte 1954 sein berühmtes Buch „The Doors of Perception“. Und in diesem Buch beschrieb er eben Meskalin als Tor zur tieferen Realität. Das war übrigens auch ein Buch, das die psychedelische Bewegung in den 1960er Jahren wirklich stark beeinflusst hat.
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Und anhand dieser Beschreibungen und dieser Erfahrungen war Meskalin dann nicht mehr das Modell einer Psychose, sondern eher ein Fenster zur Wahrnehmung. Also man hat gemerkt, man kann durch die Erfahrung wirklich spirituelle und innere Erkenntnisse gewinnen.
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Parallel dazu entwickelt sich in Nordamerika die Native American Church. Und diese Native American Church verbindet indigene Spiritualität mit Elementen des Christentums. Das kennen wir ja schon ein bisschen von der Zeit, wo man eben Pilote-Zeremonien versucht hat, an der spanischen Inquisition vorbeizuschummeln,
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indem man eben christliche Elemente mit Pilote verbunden hat. Auch in der Native American Church wurde Pilote als ein Sakrament verstanden, also als heilige Medizin, die eben Menschen mit sich selbst, mit Gott und mit ihrer Gemeinschaft verbindet. In den NAC-Zeremonien, die meist die komplette Nacht dauern,
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sitzen Teilnehmende im Kreis, und zwar in der Regel um Feuer und kauen die getrockneten Pilote-Buttons, beten, singen und trommeln. Am Morgen endet dann die Zeremonie mit einem gemeinsamen Gebet. Und diese Form der spirituellen Praxis hat sich bis heute erhalten und ist auch in den USA gesetzlich geschützt.
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Denn Mitglieder der Native American Church ist der Gebrauch von Pilote ausdrücklich erlaubt. In Mexiko ist allerdings der Pilote-Kaktus inzwischen eine geschützte Art. Und das liegt nicht an der psychoaktiven Wirkung, sondern dass aufgrund von Überernte der Pilote-Kaktus in vielen Regionen wirklich auch bedroht ist.
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Und man versucht, die Art zu schützen, damit sie nicht irgendwann komplett verschwinden. So, und jetzt haben wir schon ein paar Mal darüber gesprochen, dass wir über Meskalin in der modernen Psychedelika-Forschung gar nicht so häufig reden.
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Und das liegt unter anderem daran, dass LSD und Psilocybin viel potenter sind und auch leichter handhabbar und leichter steuerbar. Wir haben ja schon in der letzten Folge über Psychedelika in der Suchtbehandlung gesprochen und auch da schon festgestellt, dass Meskalin keine nennenswerte Forschungsgrundlage hat.
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Ich finde das tatsächlich ein bisschen schade, weil wenn wir jetzt uns im Anschluss die erwünschten Wirkungen anschauen, finde ich das eine durchaus interessante Substanz. Aber ich designe auch nicht die Forschung. Dementsprechend bin ich auch mal gespannt, ob das vielleicht doch noch in irgendeiner Art und Weise interessanter wird.
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Aber starten wir mal rein in die erwünschte Wirkung von Meskalin.
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Meskalin gehört zu den klassischen Psychedelika. Und die Wirkung ist tatsächlich in der Forschung sehr gut beschrieben. Wir kennen die Substanz ja auch schon sehr, sehr lange. Und die Wirkung geht sowohl auf die Wahrnehmung, auf die Emotionen als auch auf das Denken, ohne dass es das Bewusstsein zu sehr trübt. Also man hat weiterhin die Erkenntnis,
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was wir ja auch im Trip-Bericht von Alexander Schallgien am Anfang gehört haben, dass man eben auf der Substanz ist, dass man gerade sich in einem Rauschzustand befindet. Nach oraler Einnahme setzt die Wirkung dann langsam ein, meist so nach ein bis zwei Stunden und kann in etwa von acht bis zwölf Stunden andauern.
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Die Wirkung wird in den meisten Berichten als sehr strukturiert und auch klar erlebt. Man bleibt orientiert und weiß, dass die Veränderung eben des Bewusstseins, wie gerade eben schon gesagt, substanzbedingt ist. Optisch gehört Meskalin zu den stärker visuellen Psychedelika. Typisch sind hier intensivere Farben,
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ein Gefühl von Leuchtkraft und Tiefe, aber genauso geometrische oder kaleidoskopartige Muster. Und das auch vor allem bei geschlossenen Augen. Diese Muster werden als eher rhythmisch und geordnet beschrieben und nicht so sprunghaft, wie das eher bei LSD beschrieben wird.
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Meskalin hat auch eine Auswirkung auf die Zeitwahrnehmung und es gibt so das Gefühl, dass die Sekunden sich wirklich dehnen könnten und manchmal entsteht wirklich der Eindruck, die Zeit würde stillstehen.
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Musik, Licht und taktile Reize werden intensiver wahrgenommen und manche berichten, dass Musik räumlich wirkt oder dass visuelle Eindrücke und Geräusche stärker miteinander verschmelzen. Neben der sensorischen Veränderung treten ausgeprägte emotionale und kognitive Effekte auf.
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Meskalin verstärkt die emotionale Offenheit und die Empathiefähigkeit. Viele beschreiben, dass Gefühle klarer werden, aber gleichzeitig auch irgendwie stabiler. Gedankenerscheinen geordnet, Erinnerungen tauchen aber auch lebendig auf und viele Menschen berichten von Einsichten über persönliche Themen, aber auch Verhaltensmuster.
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Dass dieser Rausch für viele sehr geordnet, ruhig und auch irgendwie kontrolliert verläuft, sorgt dafür, dass das subjektive Empfinden von vielen Meskalin-Konsumierenden ist, dass die Wirkung sanft ist.
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Und das liegt nicht daran, dass die Wirkung schwach wäre, sondern eben weil sie einer gewissen Nachvollziehbarkeit folgt. Meskalin kann auch dafür sorgen, dass man die Wirkung körperlich spürt, das zum Beispiel oft durch Wärme, durch Energie oder auch durch eine leichte Aktivierung des Körpers.
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Und die Wahrnehmung des eigenen Körpers kann auch intensiver werden. Nach dem Abklingen der Wirkung berichten viele über einen positiven Nachklang. Also eine anhaltende Ruhe, Konzentration und auch eine emotionale Klarheit, die manchmal über Stunden oder manchmal sogar über Tage spürbar sein kann.
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Wenn wir uns anschauen, wie Meskalin im Gehirn wirkt, dann geht es im Grunde um ein einfaches Prinzip. Meskalin ahmt körpereigene Botenstoffe nach, vor allem Serotonin. Serotonin hat eben Einfluss, wie wir etwas wahrnehmen, wie wir denken und wie wir fühlen.
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Und Meskalin bindet an dieselben Rezeptoren, vor allem an den sogenannten 5-HT2A-Rezeptor, der vor allem in der Hirnrinde besonders dicht vorkommt. Und genau dort entsteht die typische Veränderung der Wahrnehmung. Das Gehirn filtert im Alltag ständig Informationen. Es entscheidet, was wichtig ist und was ausgeblendet werden kann.
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Und unter Meskalin wird dieser Filter offener. Es kommt also zu mehr Sinneseindrücken, die eben ins Bewusstsein gelangen. Und auch Gedanken und Erinnerungen werden eben stärker miteinander verknüpft.
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Die wichtigste Unterscheidung zu anderen Psychedelika bei Meskalin ist, dass Meskalin zusätzlich leichte Aktivität im Noradrenalin-System zeigt. Und Noradrenalin ist der Botenstoff, der uns wach und aufmerksam hält.
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Und dadurch wirkt Meskalin oft körperlich präsenter und wacher als zum Beispiel LSD oder Psilocybin, die fast eben ausschließlich auf das Serotoninsystem wirken. Meskalin wirkt auch langsamer als zum Beispiel LSD. Das liegt unter anderem daran, dass es eben eine geringere Potenz hat und eine breitere Rezeptoraktivität.
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Kommen wir nun auch zu den unerwünschten Wirkungen. Wie bei allen Psychedelika hängt auch bei Meskalin vieles vom Kontext ab, also vom eigenen Zustand, von der Umgebung und von der Dosierung. Kurz Z und Setting. Medizinisch betrachtet gilt Meskalin als körperlich sehr wenig toxisch und auch nicht suchterzeugend,
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weil es auch gar nicht auf unser Dopaminsystem wirkt. Aber trotzdem kann die Erfahrung sowohl körperlich anstrengend sein als auch psychisch überfordernd sein. Und das besonders zu Beginn der Wirkung. Körperlich treten am häufigsten dann Übelkeit, Erbrechen oder auch Magenkrummel oder Magenbeschwerden auf.
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Und das liegt wahrscheinlich weniger am Meskalin, sondern eher an den Begleitstoffen im Pilotekaktus. Denn wenn reines Meskalin eingenommen wird, ist die Phase oft deutlich schwächer. Viele berichten außerdem über einen leicht erhöhten Puls, über warme Haut und Schweißausbrüche oder Zittern.
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Solche Symptome entstehen durch eine vorübergehende Überaktivierung des Kreislaufs und klingen in der Regel auch nach ein bis zwei Stunden wieder ab. Gelegentlich kann es auch zu Kopfschmerzen oder Müdigkeit nach Abklingen der Wirkung kommen, aber in der Regel sind die körperlichen Belastungen überschaubar. Psychisch können die Reaktionen dafür stärker variieren.
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Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass Meskalin eben die Wahrnehmung von Emotionen und des eigenen Erfahrungen öffnet. Und das müssen natürlich nicht immer positive Erfahrungen sein. Das kann auch Angst sein, das kann auch innere Anspannung sein oder eben auch ungelöste Themen.
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Und auch diese können eben verstärkt und zu sehr anstrengenden und herausfordernden Trips führen und vielleicht auch einen mit Themen konfrontieren, auf die man eigentlich keine Lust hatte oder die man eher ja bewusst oder unterbewusst sehr tief vergraben hat. Außerdem kann es gerade in der Aufstiegsphase, also am Anfang, zur Angst vor dem Kontrollverlust kommen.
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Bei Menschen mit psychischen Vorerkrankungen wie zum Beispiel Psychosen, Angststörungen, Depression oder bipolarer Symptomatik kann es sein, dass diese psychischen Erkrankungen auch verstärkt werden können. Und deswegen wird auch in klinischen und rituellen Kontexten immer darauf geachtet, dass Teilnehmende eben psychisch stabil sind und natürlich auch begleitet werden.
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Wir haben ja auch darüber gesprochen, dass bei den erwünschten Wirkungen nach dem Ende des Rausches es eher zu so einem positiven Afterglow kommt. Allerdings gibt es auch die umgedrehte Erfahrung, dass eben Menschen eher eine große Erschöpfung oder auch eine innere Leere nach der langen Wirkzeit von Meskalin spüren.
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Und in sehr seltenen Fällen wurde nach wiederholtem Gebrauch auch über anhaltende Wahrnehmungsstörungen berichtet. Das ist allerdings auch extremst selten und meist reversibel.
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Meskalin ist circa drei Tage nach der Einnahme noch im Urin nachweisbar. Allerdings wird er in herkömmlichen Drogentests kaum getestet. Bezüglich Mischkonsum lässt sich sagen, dass gerade wenn man Pflanzenmaterial, also Pilotekaktus oder auch der St. Andreas-Kaktus, wenn man diesen zu sich nimmt,
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gibt es eben auch diverse Nebenalkaloide, die eben auch noch extremst wenig erforscht sind. Wir hatten das ja auch gerade bei der unerwünschten Wirkung, dass wenn man eben auch Pflanzenmaterialien konsumiert, die Übelkeit am Anfang deutlich stärker ist, als wenn man Meskalin-Hydrochlorid konsumiert. Und das kann eben auch unter anderem von den ganzen Nebenalkaloiden liegen,
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die eben im Pflanzenmaterial drin sind. Das heißt, in diesem Kontext ist natürlich Mischkonsum nochmal riskanter, weil wir eben nicht viel über die anderen Inhaltsstoffe der Kakteen wissen.
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Sonst kann man noch davon ausgehen, dass der Mischkonsum mit Lithium und Tramadol ein Risiko auf Krampfanfälle erhöhen kann. Und man kann davon ausgehen, dass Stimulanzien wie Koffein, Amphetamin, Kokain eben einen additiven Effekt haben, weil wir wissen ja jetzt auch, Meskalin geht auch aufs Noradrenalin-System, also pusht auch ein bisschen.
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Koffein, Amphetamin, Kokain pusht auch. Und das erhöht natürlich Puls und Blutdruck und umso mehr und kann eben zu einem Risiko führen, eben Herzrasen zu bekommen, Panik oder auch einen Kreislaufkollaps. Der Mischkonsum mit Alkohol hat eine entgegengesetzte Wirkung, kann also die Klarheit des Rausches abschwächen und eben auch das Risiko für Übelkeit,
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Erbrechen und Kreislaufprobleme erhöhen. Grundsätzlich kann man hier nur sagen, es ist immer besser, Substanzen gar nicht zu mischen, um eben eine Risikoerhöhung zu vermeiden.
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So, ihr Lieben, das war es schon wieder mit dieser Folge zu Meskalin. Meiner Meinung nach ein super spannendes Thema, von dem ich ehrlich gesagt hoffe, dass es mehr Platz in der Forschung bekommt. Es hört sich für mich auf jeden Fall sehr spannend an. Mich würde total interessieren, was ihr für Erfahrungen mit Meskalin habt.
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Entweder, wenn ihr professionell in dem Bereich arbeitet, ob ihr Klienten habt, die schon Meskalin-Erfahrung gemacht haben, weil ich bin mal so meine Klienten durchgegangen und ich meine, Psychedelika sind in der Drogenberatung jetzt halt nicht so wahnsinnig Thema, was wahrscheinlich auch schlichtweg daran liegt,
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dass die wenigsten Menschen damit nennenswerte Probleme entwickeln, sondern eher es Teil ihrer Konsumerfahrungen sind, würde ich jetzt einfach mal sagen. Hm. Und ja, dann hat man eher LSD oder Psilocybin, aber Meskalin total selten.
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Deswegen würde mich das mal total interessieren, was ist euer Bild zu Meskalin und zum Konsum von Meskalin in Deutschland? Was sind da einfach eure Erfahrungen? Schreibt das gerne mal in die Kommentare, wenn ihr auf YouTube oder auf Spotify hört oder sonst könnt ihr mir auch einfach schreiben. Ich sammle solche Geschichten immer gerne, um einfach mein Bild und mein Wissen einfach zu erweitern.
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Und sonst möchte ich euch noch mal auf Steady hinweisen. Seid doch einfach bei der nächsten Substanzabstimmung mit dabei. Helft mir, dass ich diesen Podcast weitermachen kann. Ich würde mich total freuen. Link ist wie gesagt in der Folgenbeschreibung. Und sonst hören wir uns in zwei Wochen wieder. Bis dann. Tschüss.

