Kokain | Wirkung, Risiken, Mischkonsum

In dieser Folge geht es um Kokain – von der Geschichte der Kokapflanze über die Entstehung von Kokain als isolierter Wirkstoff bis hin zu Wirkung, Risiken und Mischkonsum. Die Folge erklärt, warum Kokablätter in den Anden eine lange kulturelle Tradition haben, wie Kokain später medizinisch und kommerziell genutzt wurde und warum die Substanz heute auch mit erheblichen internationalen Schäden verbunden ist – etwa durch organisierte Kriminalität, Umweltfolgen und die Destabilisierung von Produktions- und Transitländern.

Außerdem wird eingeordnet, wie Kokain im Gehirn wirkt: Es blockiert die Wiederaufnahme von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin und kann dadurch Euphorie, Wachheit, Selbstüberschätzung, Rededrang und Bewegungsdrang auslösen. Gleichzeitig zeigt die Folge die Risiken: Herz-Kreislauf-Belastung, depressive Gefühle nach dem Rausch, starkes Craving, körperliche und psychische Langzeitfolgen sowie ein hohes Abhängigkeitspotenzial – besonders bei Crack und Freebase. Ein eigener Schwerpunkt liegt auf Mischkonsum, vor allem mit Alkohol, anderen Stimulanzien oder bestimmten Medikamenten, weil dadurch zusätzliche und teils lebensgefährliche Risiken entstehen können.

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Kokain

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PODCAST-METADATEN
Folge: 4
Erscheinungsdatum: 20.09.2020
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Kokain
Sprecher: Stefanie Bötsch

00:11
Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi. Zieht’s euch rein! Jo Leute, willkommen bei meinem zweiten Substanzsonntag. Richtig cool, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Ich meine, wie kann man seinen Sonntag oder egal auf welchen Tag besser damit verbringen, sich ein paar Drogeninfos reinzupfeifen. Erstmal nochmal ganz wichtig, meine Substanzsonntage sind dazu da, um euch zu unterstützen,

00:39
um Menschen zu informieren, um Menschen dazu verhelfen, informierte Entscheidungen zu treffen. Sie sind nicht dazu da, für den Konsum zu werben, andere Menschen für den Konsum zu motivieren. Falls jemand Probleme hat mit seinem Konsum beziehungsweise sich nicht sicher ist, ob er Probleme hat mit seinem Konsum, wendet euch an die Suchtberatungsstelle bei euch vor Ort, quatscht dort mit den Sozialarbeitern, Sozialarbeiterinnen, die da arbeiten und reflektiert einfach euren Konsum.

01:06
Außerdem werde ich in meinem Podcast nicht auf Safer-Use-Regeln eingehen. Deswegen möchte ich hier auch noch mal auf ein paar Seiten aufmerksam machen, die richtig geile Infos zu Safer-Use am Start haben. Das sind einmal die Drugscouts oder auch Mindzone oder Take Stuttgart. Einfach googeln. Die haben klasse Informationen auf ihrer Seite und auch noch mal zu allen Substanzen im guten Überblick. Wer lieber lesen möchte, schaut da einfach mal vorbei. Musik

01:36
Gut, aber starten wir jetzt ein bisschen in unsere Thematik rein. Kokain war im Prinzip meine Einsteigerdroge. Meine Einsteigerdroge, aber allerdings, wie ich an dieses ganze Thema Drogen, Alkoholsubstanzen herangeführt wurde. Ich habe ein Jahr in Kolumbien gewohnt und für mich als fränkisches Dorfkiddo war das erstmal eine richtig krasse Erfahrung, wie viel Kriminalität und Drogen in dem Alltag gegenwärtig sein können. Ich habe davon absolut nichts mitbekommen, wie ich aufgewachsen bin.

02:05
Und da habe ich angefangen, mich das erste Mal zu dem ganzen Thema zu informieren. Und am Anfang war das viel über Kokain und wie kommt es eigentlich, dass Kokain so eine Wahnsinnsmacht in der Welt hat? Warum ist Kokain eine Droge, die so viel Krieg verursacht und auch so viel Leid verursacht? Dazu werde ich in der Legalisierungs- und Prohibitionsfolge auch nochmal mehr sagen. Aber das war für mich sozusagen der Einstieg in…

02:30
in das ganze Thema Drogen und Alkohol und hat mich seitdem auch nicht mehr losgelassen. Starten wir zuerst ein wenig in die Geschichte des Kokains rein. Und da können wir eigentlich auch fast in Kolumbien bleiben. Das ist eines der wichtigsten Anbauländer für Kokain.

02:48
Kokain ist eine Substanz, die wird nämlich aus dem Kokastrauch gewonnen und dieses wird eben angepflanzt, unter anderem eben auch in Kolumbien. Das Kauen von Kokablättern hat eine super lange Tradition. Man geht davon aus, dass schon 2500 vor Christus Kokablätter angebaut werden. Die Blätter werden auch immer noch in Lateinamerika in den Andenregionen gekaut, weil da einfach wichtige Nährstoffe drin sind und sie auch als Appetithügler dienen.

03:15
Vor allem in sehr hohen Bergregionen und wenn man diese auch nicht gewohnt ist, wirkt das Kauen von Koka-Pflanzen auch kreislaufstabilisierend.

03:27
1860 isolierte dann Albert Niemann im Friedrich-Wöhler-Laboratorium in Göttingen das Hauptakaloid aus der Kucka-Pflanze. Und das ist im Prinzip die Geburtsstunde des Kokains, so wie es wohl den meisten bekannt ist. Es ist allerdings auch ein bisschen umstritten, ob wirklich Niemann der Erste war, der es schaffte, eben Kokain herzustellen, weil es gibt zwei andere Chemiker und die beanspruchen diese Leistung eben auch ein paar Jahre früher für sich.

03:54
hatten der Substanz allerdings einen anderen Namen gegeben. 1879 verwendete man Kokain, um Morphinabhängigkeit zu behandeln, wie Crazy Stustin. Und als bald darauf eben eine betäubende Wirkung des Kokains entdeckt wird, wurde es zusätzlich als lokales Betäubungsmittel verwendet.

04:15
1885 wurde Kokain einer Limonade beigesetzt und, welche war das wohl? Genau, Coca-Cola und wurde sozusagen fast als Wundermittel verkauft. Erst als dann mehrere Menschen an Vergiftung starben, wurde es 1914 aus Getränken und rezeptfreien Medikamenten verbannt. Also das ist gerade mal 105 Jahre her.

04:40
Vor 45 Jahren wurde dann das Betäubungsmittelgesetz in Deutschland eingeführt und 1975 bei der Einführung des Betäubungsmittelgesetzes wurde Kokain illegalisiert und ist heute eigentlich nur noch als Lokalanästhetikum, also als lokales Betäubungsmittel in der Medizin verwendbar. Allerdings wird das auch nicht mehr so häufig in der Medizin verwendet.

05:04
Nach einer Studie von David Nutt, gehört Kokain zu der Droge, die die meisten internationalen Schäden auf unserer Welt hervorruft. Das bedeutet, dass sowohl die Umwelt darunter leidet, als auch internationale Kriminalität mit den dazugehörigen Menschen, die für den Verkauf sterben müssen.

05:21
Wir haben eine Destabilisierung der Verkaufsländer und all das richtet einfach einen sehr großen Schaden an. Ich finde, solche Punkte sollte man auch immer, wenn es um den persönlichen Konsum geht, mit einbeziehen, wenn man sich für eine Droge entscheidet oder nicht entscheidet. Machen wir weiter mit der positiven Wirkung von Kokain. Also die Wirkung, die dazu führt, dass Menschen anfangen, Kokain zu konsumieren und vielleicht auch dabei bleiben.

05:51
Und zwar sorgt Kokain dafür, dass man sich sehr wohl fühlt. Also körperliche und psychische Schmerzen rücken komplett in den Hintergrund. Kokain senkt die Hemmungen. Ich glaube, den eindrücklichsten Satz, den ich mal zu dem Thema gehört habe, war, man kann einfach jemanden vor die Füße kacken und wird sich immer noch wie der King der Welt fühlen.

06:11
Es ist einem halt einfach vieles egal. Und die Selbstkritik geht komplett verloren. Man bekommt regelrecht Allmachtsgefühle. Für einen selbst bestimmt erstmal ein richtig nices Gefühl. Sozial kann das ein bisschen schwierig werden.

06:25
Kokain senkt auch sexuelle Hemmungen. Aufgrund dessen ist safer Sex vor allem unter Kokainkonsum wichtig und auch schon ein Thema, über das man schon nüchtern nachdenken sollte. Außerdem bekommt man unter Kokain ein starkes Redebedürfnis, also ein Laberflash. Dazu kommt der Bewegungsdrang. Man entwickelt eine Schaffenskraft, möchte sich bewegen, was erleben. Das alles und wahrscheinlich auch noch ein bisschen mehr gehört zum positiven Wirkspektrum von Kokain. Musik

06:55
Wie kommt es nun zu dieser positiven Wirkung von Kokain? Kokain wirkt auf drei Neurotransmitter, und zwar Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Und das allerdings auch unterschiedlich stark. Also man kann so sagen, zwei Teile Serotonin, drei Teile Dopamin und fünf Teile Noradrenalin. Dopamin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter unseres Belohnungssystems. Es sorgt für unsere Motivation, unseren Genuss, unsere Aufmerksamkeit und unsere Befriedigung.

07:23
Dopamin ist also, wie ich das in der Metapher genannt habe, unser Wohlfühlkommando. Noradrenalin hingegen ist auch als Stresshormon bekannt. Ich habe es in der Übersichtsfolge Sondereinsatzkommando genannt. Also es sorgt dafür, dass wir wachsam sind, uns besser konzentrieren können. Allerdings auch für einen höheren Blutdruck und dann gleichzeitig auch für ein Angstgefühl. Serotonin hingegen reguliert unsere Stimmung und unser Angstgefühl, aber auch unseren Appetit.

07:52
Grundlegend sorgt Kokain dafür, dass die Transporter blockiert werden und so die Neurotransmitter nicht mehr zurück in die Prä-Synapse zurücktransportiert werden. Somit kommt es zu einer erhöhten Konzentration der Neurotransmitter im synapsischen Spektrum.

08:05
Spalt. Zwar sorgt Kokain nicht für eine erhöhte Ausschüttung von Neurotransmitter, es konnte jedoch festgestellt werden, dass bei regelmäßigen Konsum aufgrund von Konditionierung bei den Konsumenten und Konsumentinnen deutlich mehr Dopamin ausgeschüttet wurde. Kurz, unser Gehirn sieht

08:22
eine Line Kokain auf dem Tisch und freut sich schon auf das, was passieren wird und aufgrund dessen wird schon mehr Dopamin ausgeschüttet, eben als Vorbereitung auf das, was jetzt kommen wird. Die gleiche Wirkung hat Kokain auch auf Noradrenalin und Serotonin, das heißt diese Neurotransmitter werden im synapsischen Spalt gestaut, dadurch, dass sie nicht rücktransportiert werden können.

08:49
Kokain wie auch andere Substanzen hören dann auf zu wirken, wenn die Substanz verstoffwechselt wurde, also abgebaut wurde. Im Zusammenspiel damit, dass der Körper weniger Neurotransmitter nachproduziert, um eben mit der Überstimulation umgehen zu können, die die Droge erzeugt.

09:07
Wenn wir das nochmal fix in unsere Metapher packen, wäre die Erklärung wie folgt. Also im Kokain schickt im Prinzip eine Meutererflotte los, die kentert alle Schlepperboote, somit sitzt die Dopaminflotte im Meer fest und versucht immer wieder Kontakt mit der Anlegestelle aufzunehmen. Es tummelt sich richtig im Meer zwischen Start und Zielhafen, während die Angestellten immer wieder das Wohlfühlkommando weiter übermitteln.

09:29
So viel noch zu der Metapher. Die versteht man allerdings nur, wenn man meine Folge Drogen im Gehirn gehört hat. Das war die erste Substanzsonntagsfolge.

09:40
Schauen wir uns doch mal jetzt den Unterschied zwischen Kokain, Crack und Freebase an. Und wenn wir uns da den Unterschied anschauen möchten, kommen wir auch nicht ganz darum, uns ein bisschen die chemische Zusammensetzung anzugucken. Kokain ist ein Alkoholid der Koka-Pflanze. Was bedeutet das? Im Prinzip ist das der Stoff in einer Pflanze, der durch bitteren Geschmack und Giftigkeit die Pflanze vor Schädlingen schützt. Die Blätter von der Koka-Pflanze haben ca. 1% des Stoffes intus.

10:07
Und dieser Prozentsatz wird eben über eine Extraktion erhöht und es entsteht eine Paste. Dieses wird dann mit Wasser und Schwefelsäure verkocht und bei diesem Prozess setzt sich ein Tropfboden ab. Und das ist jetzt mal ein bisschen off-topic, denn dieser Tropfboden nennt man in Lateinamerika Pasta Base oder Paco. Gibt natürlich auch noch ein paar andere Straßennamen, aber das sind so die bekanntesten.

10:32
Unter den Namen fallen zwar in Europa auch Crack und Freebase, allerdings in Lateinamerika sind da vielmehr alle Zwischen- und Abfallprodukte gemeint, die eben aus der Kokainproduktion entstehen. Pasta-Bars ist in Lateinamerika super günstig, es kostet unter einen Euro für eine Pfeifenfüllung und zählt im Prinzip ab.

10:52
Als Droge der Armen und durch die giftigen Mischstoffe, die meisten mit drin sind, ist es eine Droge, die Menschen in sehr prekären Lebenssituationen ihr Schicksal vollends besiegeln. Machen wir weiter mit Crack. Das entsteht nämlich dann, wenn das Kokainsalz mit Natron und Wasser verkocht wird. Übrig bleibt nach der Verdunstung vom Wasser dann eine weiß-rose oder auch gelblich feste Substanz.

11:15
Crack hat seinen Namen tatsächlich durch das Knackgeräusch, das entsteht, wenn man die Pfeifen anzündet. Es verdampft bei 96 Grad ungefähr. Dann schießt der Wirkstoff schon nach wenigen Sekunden in die Blutbahn und löst innerhalb von 1-5 Minuten einen sehr euphorischen Rausch aus, der allerdings nur 10-15 Minuten dauert. Freebase ist auch ein chemisch verarbeitetes Kokain. Dieses wurde mit Ammoniak erhitzt und erhöht somit das Reinheitsgehalt des gestreckten Kokains.

11:44
Auch Freebase wird geraucht und genauso wie bei Crack geht es super schnell in die Blutbahn und löst einen intensiven, jedoch sehr kurzen Rausch aus. Kommen wir nun zur Konsumart von Kokain. Das hat sich ja ein bisschen schon im Kontext herausgestellt. Kokain kann in der Form von Crack und Freebase geraucht werden, wie eben schon erwähnt.

12:06
Und Kokain an sich kann sowohl geschluckt, gesnieft und gespritzt werden. Beim Kokain schnupfen und beim Kokain schlucken werden ca. 20-30% des Wirkstoffgehalts nur aufgenommen. Und zwar entweder über die Nasenschleimhäute, wenn man schnupft, oder eben durch den Dünndarm, wenn man es schluckt.

12:28
Das Rauchen von herkömmlichem Kokain macht allerdings sehr wenig Sinn, denn der Wirkstoff wird durch die Hitze einfach zersetzt. Nur beim Spritzen kann der komplette Wirkstoffgehalt von Kokain ins Hirn gelangen. Die Wirkung setzt schon nach einer Minute ein, hält allerdings auch nur 15 Minuten. Was sind denn nun die Risiken und Nebenwirkungen von Kokain? Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen.

12:56
Man kann bei Nebenwirkungen immer zwischen Kurzzeitnebenwirkungen und Langzeitnebenwirkungen unterscheiden. Bei Kokain bedeuten Kurzzeitnebenwirkungen einen Herzinfarkt oder auch eine Angina pectoris. Das bedeutet, wenn man das in Symptomen ausdrückt, eine plötzlich auftretende schmerzhafte Brustenge, die zu Atemnot, Übelkeit, Beklemmungsgefühl im Hals, Taubheitsgefühl und Angst führen kann. Und das passiert eben aufgrund einer Unterversorgung des Herdens mit sauerstoffreichen Blut.

13:25
Vor allem direkt nach dem Rausch kann es zu sehr depressiven Gefühlen kommen, was auch allgemein das Craving, also das Verlangen nach der Droge erhöht und eben zu einem schnellen Nachlegen führen kann.

13:40
Anzeichen für eine Überdosierung ist ein sehr hoher Blutdruckanstieg, dadurch, dass sich eben diese Gefäße verengen, ein erhöhter Puls, Hitzewallungen, die abgelöst werden von Schüttelfrust und eine große Pupillenerweiterung. Im Verhalten, wenn man eben die Menschen sieht, merkt man das durch eine Unruhe, durch eine Nervosität, durch Angstzustände bis hin zum aggressiven Verhalten.

14:05
Weiter geht es mit den Langzeitnebenwirkungen, die bei Dauerkonsum auftreten können. Diese Langzeitnebenwirkungen können wir in drei Bereiche abspalten. Einmal den körperlichen Bereich, den psychischen Bereich und den sozialen Bereich. Bei den körperlichen Folgeschädigungen haben wir einmal die Schädigung der Nasenschleimhaut. Das kommt durch einen dauerhaften nasalen Konsum und kann bis zum Durchbruch der Nasenscheidenwand führen.

14:32
Dieser Schaden ist irreversibel, was bedeutet, der ist dauerhaft und kann nicht unbedingt repariert werden. Und in Extremfällen kann es auch zum Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns kommen.

14:43
Ein weiterer wichtiger Effekt, sowohl für Frauen, aber auch für die Männer zu mitdenken, ist, dass Kokain sehr in den Hormonhaushalt eingreift. Das heißt, bei häufigeren Gebrauch kann man davon ausgehen, dass dadurch die Wirkung der Antibabypille beeinflusst werden kann. Das heißt, wie ich auch schon oben gesagt habe, wird hier Safer Sex nochmal gesondert ein Thema.

15:05
Ein weiterer typischer Langzeitschaden von Kokain ist das Abbauen der Zähne. Dieser entsteht durch den Calciummangel, der durch Kokain produziert wird. Und außerdem haben wir noch einen allgemeinen körperlichen Abbau und der zeigt sich durch Krampfanfälle, durch Zittern, durch Leberschäden, Herzrhythmusstörung und auch in Extremfallen wie ein Herzinfarkt oder ein Hitzschlag.

15:30
So weit zu den körperlichen Beeinträchtigungen, die durch einen Langzeitkonsum entstehen können. Machen wir weiter mit den psychischen Beeinträchtigungen, die entstehen können. Da haben wir einmal die Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, eine Gereiztheit, Aggressionsausbrüche und auch Paranoia. Außerdem haben wir eine Gefahr von Impotenz, aber auch ein Gefühl von innerer Leere und innerer Unruhe. Es kann über einen längeren Konsum zu einer Persönlichkeitsveränderung

15:57
Der Unterschied zwischen einer Persönlichkeitsveränderung und einer Persönlichkeitsstörung ist, dass eine Persönlichkeitsveränderung im späteren Verlauf des Lebens stattfindet, während eine Persönlichkeitsstörung schon in der Adoleszenz und im Kindesalter angesetzt wird.

16:12
Aber auch diese Persönlichkeitsveränderungen werden ähnlich klassifiziert wie Persönlichkeitsstörung und im Falle von Kokain hat man vor allem ein Auftreten einer antisozialen Persönlichkeitsveränderung oder eine narzisstische Persönlichkeitsveränderung. Außerdem kann es das Bewegungsverhalten beeinflussen, wie zum Beispiel nervöse Zuckungen oder auch Hyperaktivität. Musik

16:37
Unter sozialen Schäden fallen einmal ein gestörtes Sozialverhalten. Man redet beim Kokain, bei einem Dauerkonsum oft von einem Verlernen von sozialen Verhalten. Und aufgrund dieser Kontaktstörung, die daraus entsteht, gibt es eben auch eine hohe Tendenz zu Selbstisolation. Ein anderer Aspekt von sozialen Folgeschäden wären zum Beispiel auch die finanziellen Schäden, die aufgrund des hohen Preises von Kokain entstehen können.

17:05
Kommen wir noch zum Thema der Abhängigkeit. Sowohl Kokain als auch Crack und Freebase besitzen ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial. Bei Kokain ist die Abhängigkeit tatsächlich hauptsächlich psychisch, während bei Crack und Freebase auch noch zusätzlich körperliche Entzugssymptome dazukommen.

17:22
Wie schon vorher erwähnt wird, ist einmal ein großer Aspekt der Abhängigkeitserkrankung, die Kokain entwickeln kann, dass Kokain ein sehr starkes Craving-Gefühl, ein sehr großes Verlangen nach der Droge erzeugt. Und das kommt eben dadurch, dass eben diese depressiven Stimmungen nach dem Konsum einsetzen können.

17:41
Die Entzugserscheinungen von Kokain, Crack und Freebase können sehr, sehr heftig ausfallen. Es kann ein Gefühl entstehen, dass jemanden Insekten unter der Haut krabbeln. Es können psychotische Zustände und Wahnvorstellungen und Angstzustände eintreten. Ein hoher Suchtdruck wird sehr oft beschrieben und eben auch Persönlichkeitsveränderungen wie aggressives Verhalten.

18:04
Bei Crack und Freebase kommen dann eben noch die körperlichen Entzugserscheinungen dazu, wie ein Bluthochdruck oder ein Temor, also das unkontrollierte Zittern und Zucken. Und da gibt es auch eine hohe Verletzungsgefahr dabei, den Juckreiz, Schüttelfrost und auch eine starke Erschöpfung.

18:20
Also wie er schon mitbekommen hat, der Entzug von Kokain ist echt nicht ohne. Mich würde mal interessieren, ob es vielleicht jemanden von den Hörern gibt, der schon mal auf Kokain entzogen hat. Vielleicht mag der mir ja mal schreiben und mir ein bisschen schildern, wie das bei ihm war, ob das so war, wie ich das jetzt so zusammengefasst habe oder was da die Erfahrungen waren. Musik

18:42
Jetzt möchte ich euch noch einen kurzen Überblick geben über die Nachweisbarkeit von Kokain. Kokain ist im Blut ca. einen Tag nachweisbar, im Urin bis zu 5 Stunden, das Abbauprodukt allerdings bis zu 4 Tagen und beim Dauerkonsum von Kokain über einen längeren Zeitraum kann es bis zu 3 Wochen im Urin nachgewiesen werden.

19:03
In den Haaren kann es bis zu mehreren Monaten nachweisbar sein, weil im Prinzip lagert sich die Droge in den Haaren ab. Man sagt, dass sozusagen 1 cm ein Monat Konsum nachweisen. Das hängt allerdings auch sehr stark von den Haaren ab. Zum Beispiel werden gefärbte Haare niemals für Haarnalysen verwendet, weil das eben die Drogentests verfälschen kann.

19:25
Zu guter Letzt noch der Speicheltest. Da ist Kokain 24 Stunden nachweisbar. Es ist verrückterweise fast am schwierigsten, Informationen zu bekommen zu Speicheltests und wie lange die Nachweisbarkeitszeiten da sind, obwohl es eigentlich der meistverwendeste Drogentest ist. Als ich letztes Jahr vom Festival nach Hause gefahren bin, wurden alle mit Speicheltests getestet. Unter anderem auch ich. Musik

19:52
So Leute, wir haben es gleich. Das letzte Thema für heute zum Thema Kokain ist noch der Mischkonsum. Starten wir da mit dem Mischkonsum von Kokain und Alkohol. Kokain sorgt dafür, dass man den getrunkenen Alkohol nicht mehr so wirklich spürt. Man spürt nicht mehr sein Rauscherleben. Das wird extremst gedämpft, was dazu führen kann, dass man sich mit Alkohol komplett überdosiert, weil man einfach überhaupt kein Gespür hat, wie besoffen man eigentlich schon ist.

20:19
Manchmal gibt es die Annahme, dass wenn ich den Alkohol nicht spüre, dass er dann auch nicht mehr so schädlich ist. Das ist natürlich völliger Quatsch. Man kann trotzdem eine Alkoholvergiftung bekommen, auch wenn man sich mit Kokain versucht hat, die ganze Zeit seinen Alkoholkonsum runterzuspielen. In einer Quelle habe ich was sehr Spannendes gelesen. Und zwar, wenn man Kokain konsumiert, bevor man Alkohol trinkt, wird im Körper die Substanz Kokainethylen,

20:47
Und diese wirkt dann wie das Kokain selbst. Das heißt, wie ein Wiederaufnahmehemmer von Dopamin. Und somit kommt es zu einer deutlichen Verstärkung von der Wirkung von Kokain, weil im Prinzip zwei Substanzen im Körper wirken mit der gleichen Funktionsweise.

21:05
Das ist allerdings nur so, wenn der Kokainkonsum vor dem Alkoholkonsum passiert. Andersrum entsteht dieser Effekt nicht. Ich habe keine zweiten Quellen zu diesem Thema gefunden. Ich fand es aber irgendwie einen sehr spannenden Fakt und wollte damit auch nochmal eine Frage stellen.

21:20
raushauen. Vielleicht ist ja jemand, der schon mal Kokain konsumiert hat, das aufgefallen und möchte mir das vielleicht bestätigen oder vielleicht auch irgendwie anderweitige Erfahrungen mit mir teilen zu dem Thema. Das würde mich nämlich echt mal interessieren, ob es einen spürbaren Unterschied gibt, wenn man Kokain vor dem Alkoholkonsum konsumiert oder nach dem Alkoholkonsum. Aber per se sei hier auch nochmal gesagt, dass der Mischkonsum von Kokain und Alkohol

21:46
sehr gefährlich sein kann hinsichtlich seines Gespürs zum Alkoholkonsum. Mischt man Kokain mit anderen Stimulantien wie zum Beispiel Speed oder auch Koffein, Club Martin, Kaffee, dann ist das eine höhere Herausforderung für unser Herz-Kreislauf-System und das Ergebnis daraus ist halt Hektik, eine Gereiztheit, eine Überspanntheit. Auch wenn Kokain die Wirkung von Speed teilweise aufhebt, kommt es zu dieser Extra-Belastung.

22:17
Auch die Wirkung von Ecstasy kann mit Kokain teilweise aufgelöst werden bzw. mindert es die Wirkung. Das kann dazu führen, dass man eben Ecstasy schneller nachlegt und somit sich eine Überdosierung herbeiführt. Dadurch, dass jedoch die stimulierende Wirkung von Ecstasy weiterhin aufrechterhalten wird, kann es zu einer unkalkulierbaren Verstärkung des aufputschenden Effekts kommen. Und auch hier haben wir wieder eine starke Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und auch eine Gefahr auf Überhitzung.

22:45
Und hier am Ende nochmal ein Sicherheitshinweis. Der Mischkonsum von Kokain und Mauhämmern, Beta-Blockern und trizyklischen Antidepressiva kann zu einer sehr hohen Blutdrucksteigerung führen und somit auch lebensgefährlich sein. Musik

23:03
So Leute, das war es mit meiner Übersicht zu Kokain. Ich hoffe, euch hat die Folge gefallen. Wir haben heute ja schon ein bisschen weiter ausgeholt. Wir haben sowohl ein bisschen was zur Geschichte gehört, zur positiven Wirkung, wie diese auch in unserem Gehirn entstehen, die ganze Palette an Nebenwirkungen, die Kokain mit sich bringt, den Unterschied zwischen Kokain, Crack und Freebase und auch den Mischkonsum. Ich hoffe, euch hat meine Folge gefallen.

23:27
Ich freue mich mega über Rückmeldungen zu dieser Folge. Schreibt mir gerne auf Insta. Ihr findet mich unter psychoaktiv.podcast oder auch per Mail unter psychoaktiv.podcast at gmail.com. Eine andere Möglichkeit, mich zu erreichen, sind natürlich auch die iTunes-Kommentare. Da freue ich mich natürlich vor allem immer über positive Bewertungen. Und wir hören uns jetzt in zwei Wochen wieder zum nächsten Substanzsonntag. Ich freue mich riesig drauf. Bis dann. Tschüss.

24:14
Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.


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