Ketamin ist eine Substanz, die gleichzeitig als Narkosemittel, psychiatrischer Hoffnungsträger und Partydroge bekannt ist. In dieser Folge geht es vor allem um den Freizeitkonsum und darum, warum Ketamin so schwer einzuordnen ist. Die Wirkung kann als entlastende Distanz zum eigenen Körper, zu Gefühlen oder Gedanken erlebt werden, sie kann aber auch in Kontrollverlust, Angst oder eine stark überfordernde Dissoziation kippen.
Die Folge erklärt, wie Ketamin über NMDA-Rezeptoren wirkt, warum Denken, Fühlen und Körperwahrnehmung sich voneinander lösen können und weshalb die Dosis eine zentrale Rolle spielt. Es geht um gewünschte Wirkungen wie mentale Entlastung und emotionale Abschwächung, aber auch um Risiken wie K-Hole, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Blasenschäden, Mischkonsum und Abhängigkeitsentwicklung. Ketamin ist damit weder nur „Pferde-Betäubungsmittel“ noch harmloser Partykonsum, sondern eine Substanz, deren besondere Wirkung genau der Punkt ist, an dem Nutzen, Faszination und Risiko eng beieinanderliegen.
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Ketamin: Dissoziation, Wirkung und Abhängigkeitspotenzial
PODCAST-METADATEN
Folge: 129
Erscheinungsdatum: 05.02.2026
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Ketamin: Dissoziation, Wirkung und Abhängigkeitspotenzial
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
Transkript BEGINN
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Ketamin, eine Substanz, die gleichzeitig als Narkosemittel, als Hoffnungsträger in der Psychiatrie und als Partydroge auftaucht. Viele erleben es als entlastend, andere als extremst beängstigend. Aber wie wirkt Ketamin genau, und was passiert im Gehirn, dass sich Wahrnehmung, Körpergefühl und Ich-Erleben so deutlich voneinander lösen?
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Und ab wann wird aus Abstand ein Risiko? Genau das schauen wir uns in dieser Folge genauer an.
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„Psychoaktiv“, euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Bötzsch. Zieht’s euch rein!
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Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Psychoaktiv“. Schön, dass du wieder mit dabei bist. In diesem Podcast sprechen wir über Drogen, Konsum und Sucht, und das wissenschaftlich differenziert und ohne Schwarz-Weiß-Denken. Und heute sprechen wir über eine Substanz,
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die mir immer mehr auch außerhalb meiner Arbeit über den Weg läuft: Ketamin. Ketamin als Antidepressivum, Ketamin als präferierte Droge von Elon Musk, Ketamin in den Texten von Rapperin Ikkimel, oder Ketamin auch als Substanz im Kontext von augmentierter Psychotherapie.
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Und natürlich in dem Kontext auch immer in Verbindung mit diesem Unverständnis: „Hä, Ketamin, das ist doch dieses Pferde-Betäubungsmittel!“ Ihr habt euch gewünscht, dass wir uns Ketamin nochmal genauer anschauen, vor allem im Kontext des Freizeitkonsums.
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Und das werden wir heute machen. Und dabei klären wir die Fragen, warum Ketamin mehr ist als nur ein weiteres Anästhetikum oder Partydroge, was im Gehirn passiert, damit eben diese dissoziative Wirkung von Ketamin entsteht, wie hoch eigentlich das Abhängigkeitspotenzial von Ketamin ist und vieles mehr.
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Kleiner Hinweis an dieser Stelle: Wir haben bei „Psychoaktiv“ schon mal über Ketamin gesprochen, und zwar mit Notfallmediziner Sergio Pérez. Das Interview verlinke ich euch nochmal in den Shownotes. Da haben wir vor allem den medizinischen Teil abgedeckt. Den werden wir in dieser Folge deswegen nicht nochmal so tief behandeln.
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Das heißt, wenn euch vor allem das Medizinische interessiert, also augmentierte Psychotherapie mit Ketamin, aber auch Ketamin als Medikament, schaut unbedingt in das Interview rein. Wir sprechen heute vor allem mit dem Blick auf den Freizeitkonsum. Und bevor wir gleich starten, begrüßen wir natürlich wie immer die neuen Mitglieder,
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die diesen Podcast möglich machen. Hallo Ingo, Stefanie, Nicola und Marei. Cool, dass ihr diesen Podcast supportet. Und wenn du auch „Psychoaktiv“ supporten möchtest und gleichzeitig Bock auf Werbefreiheit und Bonus-Content hast, findest du den Link als erstes in der Beschreibung.
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Und jetzt starten wir in die Hintergründe zu Ketamin.
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Die Geschichte von Ketamin beginnt natürlich nicht mit dem Freizeitkonsum, sondern mit der pharmazeutischen Forschung. In den 1950er Jahren suchte das US-Unternehmen Park-Davis nach einem Anästhetikum, das starke Analgesie mit sich bringt, also eine starke Schmerzlinderung,
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aber es sollte nicht die Atmung und den Kreislauf unterdrücken. Und dafür gab es einen Ausgangspunkt, und zwar die Substanz PCP oder auch Fenzyklidin. In Tierversuchen zeigte PCP zwar schon eine sehr starke Schmerzlinderung, allerdings erzeugte PCP auch so einen sehr ungewöhnlichen Zustand.
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Die Tiere waren bewegungslos, hatten offene Augen, sie reagierten kaum, aber das Bewusstsein war immer noch da. Es gab natürlich dann aucherste Humanstudien Ende der 1950er Jahre, und da zeigt sich schnell: PCP ist zwar ein wirksames Anästhetikum, führt allerdings zu schweren psychischen Nebenwirkungen.
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Und deswegen wurde PCP auch als Humananästhetikum verworfen. Das war aber nicht das Ende der Idee oder des Wunsches, ein Anästhetikum zu finden, ohne eben Atmung und Kreislauf zu unterdrücken. Also synthetisierten Chemiker bei Park-Davis weitere Derivate.
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Und 1962 entwickelte Calvin Lee Stevens die Substanz CL581, beter als unser Ketamin bekannt. Ketamin zeigte in den ersten Tierversuchen ein deutlich günstigeres Profil als PCP.
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Und in den ersten Humanstudien, also ab 1964, berichteten Probanden zwar weiterhin über diese ungewöhnlichen Bewusstseinszustände, diese waren jedoch kürzer, besser steuerbar und weniger belastend als bei PCP. Also wurde Ketamin 1970 in den USA zugelassen, und zwar unter dem Handelsnamen Ketala.
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Und schon früh zeigte sich, dass Ketamin echt besondere Eigenschaften mit sich bringt. Die Atmung ist meist stabil geblieben, auch wichtige Schutzreflexe blieben erhalten, und der Kreislauf wurde eher angeregt als gedämpft. Und dadurch wurde eben Ketamin schnell zu einem wichtigen Medikament in der Notfallmedizin, aber auch in der Kriegsmedizin.
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Ketamin kam zum Beispiel auch schon im Vietnamkrieg zum Einsatz. Allerdings wurden auch die Probleme mit Ketamin sichtbar. Es kam zu intensiven Halluzinationen, zu Albträumen oder zu Angstzuständen, und deswegen war die Akzeptanz bei geplanten Operationen von Ketaminen deutlich geringer als wie zum Beispiel bei Barbituraten.
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Diese unerwünschten Wirkungen hat man irgendwie versucht, in den Griff zu bekommen, und zwar durch, ja, die Beigabe von Benzodiazepinen oder Neuroleptika. Oder man hat halt die Applikation verändert, zum Beispiel sehr stark verlangsamt, und trotzdem konnte man diese unerwünschten Wirkungen, diese Halluzinationen, diese Albträume nicht in den Griff bekommen.
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Und als dann andere Anästhetika wie zum Beispiel Propofol auf den Markt kamen, verlor Ketamin vor allem in wohlhabenden Ländern zunehmend an Bedeutung. Das sollte sich aberändern, und zwar durch die genaue Erforschung der NMDA-Rezeptoren.
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Denn ihr müsst ja wissen: Bis dahin wollte man eben ein Anästhetikum mit einer schmerzstillenden, starken Wirkung. Das war das Ziel. Und anhand dieses Ziels wurde natürlich Ketamin immer gemessen, und diese, was wir jetzt wissen, dissoziative Wirkung, die aufgetaucht war, die wollte man weghaben. Als man dann aber die NMDA-Rezeptoren weiter erforscht hat,
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hat man angefangen zu verstehen, dass diese besonderen Wirkungen von Ketamin nicht einfach nur ein unspezifischer Nebeneffekt waren, sondern eben direkt aus seiner gezielten Blockade dieser Rezeptoren resultierten. Und damit hat man angefangen, genau diese Effekte erstmal in den Fokus zu nehmen, als sie einfach nur als störend abzutun.
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Man hat angefangen zu verstehen, dass Ketamin den Schmerz nicht einfach nur dämpft, sondern dass Ketamin die Schmerzverarbeitung im Gehirn selbst verändert. Und im klinischen wissenschaftlichen Kontext bedeutete das halt einen grundlegenden Perspektivwechsel, weil Ketamin wurde nicht mehr primär danach bewertet,
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wie gut es funktioniert und wie sauber es betäubt, sondern danach, was wir über die Funktionsweise des Gehirns über Ketamin lernen können. Ab den 2000er Jahren wurde damit eben auch eine, sagen wir mal, klinische Renaissance von Ketamin eingeläutet. Es wurde zunehmend sehr gezielt in der Schmerztherapie eingesetzt,
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vor allem bei chronischen Schmerzen und auch bei Zuständen erhöhter Schmerzempfindlichkeit, bei denen oft klassische Schmerzmittel an ihre Grenzen gestoßen sind. Zum anderen rückte Ketamin auch in den Fokus der Psychiatrie, weil man eben entdeckte, dass es bei therapieresistenten Depressionen innerhalb von kurzer Zeit zu einer deutlichen stimmungsaufhellenden Wirkung kommen kann,
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und das oft innerhalb von Stunden oder Tagen, und damit eben deutlich schneller wirkte als die klassischen Antidepressiva. Auch wenn die Medizin einen Moment gebraucht hat, um die Wirkung von Ketamin neu zu bewerten und auch wertzuschätzen, hat es im Rahmen des Freizeitkonsums schon ein bisschen früher tatsächlich stattgefunden.
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Und hier sind ganz zentral zwei Bücher zu nennen, die im Jahr 1978 rauskamen, die außerhalb des medizinischen Kontexts den Konsum und vor allem die dissoziative Wirkung von Ketamin in den Mittelpunkt gestellt haben. Das eine Buch, von dem ich rede, ist „The Scientist“ von Chauncey Lilly.
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Und Lilly beschreibt schon in diesem Buch, 1978 wohlgemerkt, Ketamin als eben Instrument zur Erforschung von inneren Bewusstseinsräumen. Er hat also diese dissoziative Wirkung nicht pathologisiert als etwas, was man weghaben möchte, sondern funktionalisiert für innerpsychische Erkundungen, wenn man so möchte.
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Das andere Buch ist „Journeys into the Bright World“ von Masia Moore, und auch Masia Moore beschreibt Ketamin als existenzielle und spirituell bedeutsame Erfahrung. Und was auch besonders ist, ist, dass Masia Moore schon damals Ketamin explizit in die jungianisch geprägte Psychotherapie einbettet.
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Das heißt, sie stellt eben eine Verbindung zwischen der Wirkung von Ketamin und ihrem Nutzen für die Psychotherapie her. Was allerdings ein bisschen wild und besonders ist an Masia Moore und die Geschichte rund um Masia Moore, ist, dass sie mit 50 Jahren verschwunden ist und zwei Jahre später ihre körperlichen Überreste im Wald gefunden wurden.
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Und ihr könnt euch wahrscheinlich schon denken, auf was das alles hinauslief, denn ihr Tod wurde natürlich mit ihrem Ketaminkonsum in Verbindung gebracht, obwohl man gar nicht wusste, an was sie tatsächlich gestorben ist, denn man hat ja am Ende nur noch ihre Überreste gefunden. Aber dass natürlich sich Drogen immer gut zum Framing eignen,
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haben wir auch gerade in der letzten Folge in einem viel größeren Stil besprochen, als wir darüber gesprochen haben, wie die USA Venezuela unter dem Deckmantel von Drogenterrorismus angreift. Aber nun gut, weg von dieser tragischen Geschichte, hinzu, dass diese Bücher eben die Wirkung von Ketamin einem nicht-medizinischen Publikum, ich würde mal sagen, näher gebracht hat.
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In den USA wurde dann Ketamin 1999 als kontrollierte Substanz Schedule Free eingestuft. Die USA haben ja so ein Rankingsystem in ihren Substanzen, unter anderem eben auch ausgerichtet am Missbrauchspotenzial, und Schedule One und Schedule Two haben dann ein höheres Missbrauchspotenzial als zum Beispiel Schedule Free.
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Und in Deutschland fällt Ketamin übrigens auch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, sondern unter das Arzneimittelgesetz. Das ist tatsächlich auch im Kontext von strafrechtlichen Konsequenzen relevant. Ketamin hat sich also auch im Freizeitkontext etabliert. Einmal in Menschen, die sich für Ich-Erkundung interessiert haben,
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die sich von den Büchern haben inspirieren lassen und die dissoziativen Zustände eben zur Selbsterfahrung genutzt haben. Allerdings hat sich Ketamin auch im Party-Kontext etabliert. Und da hatte Ketamin so ein bisschen so eine Sonderstellung, weil im Kontext von den Substanzen, die man halt damals kannte, war es irgendwie schwer einordnenbar.
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Es war ja irgendwie kein wirklicher Upper, kein wirklicher Downer, aber auch nicht ein wirkliches Halluzinogen. Heute beschreiben wir das als Wirklasse Dissoziativa. Aber darauf, dass es so ein bisschen auch an Einordnungsmöglichkeiten gefehlt hat und auch einfach der Erfahrungsschatz überschaubar war zu Substanzen, die eben dissoziativ wirken,
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wurde Ketamin häufig als kontrollierbar und weniger problematisch wahrgenommen, weil die Wirkung nicht so lange war, die körperlichen Wirkungen begrenzt waren und auch schwere akute Notfälle eher selten waren. Und diese Annahme werden wir jetzt einfach mal mit dem aktuellen Stand unseres Wissens zu Ketamin prüfen.
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Starten wir also mit der erwünschten Wirkung. Und wie es in der Geschichte schon klar wurde und ich auch schon ein paar Mal genannt habe, ist Ketamin ein Dissoziativer. Damit ist gemeint, dass sich Denken, Fühlen und Körperwahrnehmung voneinander lösen können. Menschen berichten von der Wirkung, dass sie sich nicht mehr vollständig im Körper fühlen,
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die Gedanken wirken weiter weg und die Emotionen verlieren auch irgendwie an Dringlichkeit. Das führt dazu, dass das eigene Erleben sich ja weniger unmittelbar anfühlt, eher so, als würde man sich selbst aus einer gewissen Distanz beobachten. Wichtig ist vielleicht, dabei zu bedenken, dass eine Dissoziation, das hört sich immer so beängstigend und krass an,
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aber wenn wir gerade auch bei den erwünschten Wirkungen sind, das kann eben auch im Gegenteil als sehr entlastend empfunden werden. Denn gerade Menschen, die viel innere Anspannung, Stress oder Überforderung erleben, beschreiben genau diesen Zustand als sehr angenehm und ruhig. Eine weitere zentrale erwünschte Wirkung betrifft die Emotionen,
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denn Ketamin wird unter anderem auch zur emotionalen Abschwächung konsumiert. Denn durch den Konsum können Gefühle als weniger intensiv wahrgenommen werden, und emotionale Ausschläge sowohl nach oben als auch nach unten die flachen ab. Man kann das ja wie so eine Art emotionale Neutralität bezeichnen.
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Man ist nicht glücklich, man ist nicht traurig, man ist nicht euphorisch, man ist nicht verzweifelt, man ist irgendwie neutral. Und eng damit verbunden ist eine weitere häufig genannte erwünschte Wirkung, und zwar die mentale Entlastung. Die Gedanken verlieren an Tempo, das Grübeln, das wird irgendwie leiser, und die innere Dauerschleife,
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die treten in den Hintergrund. Das ist wie so eine Art Pause im Kopf. Und auch die Körperwahrnehmung verändert sich. Der Körper wird weniger intensiv gespürt, und so schwere Spannungen oder Schmerzen, die treten eher in den Hintergrund. Bewegungen fühlen sich eben dadurch auch manchmal leichter, aber auch fremder an.
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Und das kann als angenehm erlebt werden, besonders wenn der Körper sonst als Quelle von Stress, Unruhe und Anspannung wahrgenommen wird, weil das schlägt sich ja wirklich auch im Körper nieder. Und durch Ketamin geht es nicht darum, dass man dann den Körper betäubt, sondern eher, dass man eine gewisse Distanz zum Körper einnehmen kann.
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Der Körper ist zwar noch da, aber weniger präsent. Ketamin verändert häufig auch die Wahrnehmung von Raum und Zeit. Dabei kann sich die Zeit sowohl dehnen als auch verkürzen, und Räume wirken auch manchmal flacher, fragmentierter oder irgendwie ungewohnt. Es sind auch visuelle Effekte möglich, aber die stehen jetzt nicht unbedingt im Vordergrund des Ganzen.
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Und wenn man eben diese Effekte zusammennimmt, kommt es zu so einem übergeordneten Zustand von einer gewissen Losgelöstheit, also dem Gefühl, nicht mehr so ganz eingebunden zu sein, nicht so ganz betroffen, nicht so ganz involviert. Was an dieser Stelle aber total wichtig ist, ist, dass die Wirkung, die man von Ketamin zu erwarten hat, natürlich sehr stark dosisabhängig ist.
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Bei geringen Dosen kommt es zu einer Art, ich sag mal, angetrunkenen Zustand. Ich habe mal in der Beschreibung gelesen, dass es sich wie so ein psychedelisches Betrunkensein anfühlt. Und dieser Zustand ist im Prinzip das Ziel, wenn Ketamin im Party-Kontext konsumiert wird, weil man halt eben noch gehen und tanzen möchte. Und dafür darf eben die Dosis nicht zu hoch sein,
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weil umso höher sie wird, umso intensiver und krasser werden diese dissoziativen Zustände, und umso unwahrscheinlicher wird es, dass man noch tanzen und gehen kann, sondern komplett in diesem dissoziativen Zustand drin ist und dementsprechend auch eher liegt.
16:06
Damit ihr euch die erwünschte Wirkung von Ketamin besser vorstellen könnt, habe ich jetzt noch einen Trip-Bericht für euch von einer Psychoaktiv-Hörerin. Natürlich kann man bei Trip-Berichten nicht genug betonen, dass es sich dabei um eine eigene, individuelle und subjektive Erfahrung handelt.
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Das heißt, nur weil eine Person so einen Trip erlebt, heißt es nicht automatisch zwangsweise, dass die andere Person genau den gleichen Trip erlebt. Das ist immer sehr abhängig von Set und Setting, auch von der Substanz, der Reinheit der Substanz. In diesem Trip-Bericht wird die Introspektion, die man mit Ketamin haben kann, näher beschrieben,
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und ich möchte mich an dieser Stelle bedanken für die Bereitstellung des Trip-Berichts. Er ist natürlich anonymisiert über eine KI, und wir hören jetzt einfach mal rein. Also, ich war in einem bekannten Berliner Club, und ich habe beim Rumsitzen jemanden kennengelernt. Mit dem habe ich mich ganz gut unterhalten können, und wir hatten eine ganz nette Basis.
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Wir haben halt zusammen was konsumiert, haben viel geredet, das ist ja eh schon so bei Ketamin, dass man ein bisschen offener wird, und dann haben wir noch mal nachkonsumiert. Dann habe ich gemerkt, okay, das ist jetzt sehr intensiv. Wir waren auf dem Dancefloor, hatten uns gegenseitig an den Händen gehalten und waren so gegenüber gestanden und haben mit geschlossenen Augen getanzt.
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Also, da war jetzt keine romantische Sache dahinter, sondern einfach, dass wir gemerkt haben, diese Verbindung, die wir gerade haben, die tut uns beiden gerade voll gut. Mit geschlossenen Augen auf der Tanzfläche habe ich gemerkt, wie ich gerade Dinge verarbeite. Ich habe immer das Gefühl, dass mein Kopf alle Muster, alles, was so negative Glaubenssätze sind, die ganze Zeit vorgibt.
17:50
Aber dann spricht plötzlich meine Seele mit mir. Das war eine Zeit, in der es mir psychisch nicht so gut ging. Ich hatte ziemlich viele Probleme, hatte mich erst vor kurzem getrennt, Schuld war ein großes Thema. Und dann war plötzlich dieses Gefühl von: „Ich bin richtig, so wie ich bin, auch wenn es mir schlecht geht, das ist auch okay.“ Diese absolute Annahme,
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dieses Empfangen können von dem, was gerade ist. Während dem Tanzen habe ich gemerkt, in mir atmet gerade was auf, meine Haltung hat sich geändert, ich habe mehr aufrechter getanzt, eine Haltung, wo das Herz vorangeht. Das ist eine Wirkung, die ich bei Ketamin immer wieder habe. Ich habe einen besseren Zugang,
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kann besser in mich reingucken, und mein Innerstes kann auch besser mit mir sprechen. Aber man kann nicht immer mit dieser Wirkung rechnen. Manchmal ist man auch einfach ein bisschen entspannter, ein bisschen gelöster; manchmal merke ich auch überhaupt nichts.
18:49
Schauen wir uns doch mal die Wirkweise von Ketamin an. Also, wie wirkt Ketamin im Körper, die Pharmakologie? Und wenn wir über die Wirkung von Ketamin sprechen, ist es wichtig, es gibt nicht den einen Mechanismus, der alles erklärt. Unterschiedliche Effekte entstehen wahrscheinlich über unterschiedliche, teils überlappende Prozesse im Gehirn.
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Viele davon sind gut belegt, und andere wiederum beruhen eben auf Tierstudien. Die akuten Effekte von Ketamin, also die Dissoziation, die veränderte Körperwahrnehmung und das Gefühl, vom eigenen Erleben entkoppelt zu sein, die lassen sich vor allem durch die Blockade von NMDA-Rezeptoren erklären.
19:29
Diese Rezeptoren sind wichtig für die Integration von Sinneseindrücken und für die Verknüpfung von Wahrnehmung, Gedanken und Emotionen. Ketamin blockiert sie nicht vollständig, sondern stört die laufende Signalverarbeitung. Informationen kommen also noch an, werden aber schlechter miteinander verbunden. Das Gehirn arbeitet in diesem Zustand,
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ja, sagen wir mal, fragmentierter, und genau das erklärt eben diese typische dissoziative Erfahrung. Schauen wir uns vielleicht noch die analgetische Wirkung an, also die schmerzstillende Wirkung.
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Kurzfristig greift Ketamin nämlich direkt in die Weiterleitung von Schmerzsignalen ein, denn durch die Dämpfung erregender und die Verstärkung hemmender Signalwege werden Schmerzimpulse im Nervensystem abgeschwächt. Und dadurch kommt es eben zu dieser schmerzlindernden Wirkung.
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Die antidepressiven Effekte von Ketamin lassen sich allerdings nicht allein durch die NMDA-Blockade erklären, denn sie treten verzögert auf und halten auch länger an als diese akuten Wirkungen. Und aktuelle Modelle gehen davon aus, dass Ketamin indirekt zu einer erhöhten Glutamatfreisetzung führt,
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und dieses Glutamat wirkt verstärkt an sogenannten AMPA-Rezeptoren, die eben auch für synaptische Stärke und Plastizität wichtig sind. In der Folge werden Signalwege aktiviert, die mit der neuronalen Vernetzung und der Stabilisierung von Synapsen zusammenhängen. Und besonders im präfrontalen Kortex scheint es so zu einer verbesserten strukturellen Konnektivität zu kommen,
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ein Bereich, der bei Depressionen häufig funktionell beeinträchtigt ist. Vereinfacht gesagt, Ketamin scheint also Prozesse anzustoßen, die neuronale Verbindungen wieder stabiler und anpassungsfähiger zu machen. Wichtig, einfach auch noch mal an dieser Stelle zu betonen: Viele dieser Mechanismen stammen aus Tiermodellen oder indirekten Humanstudien.
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Sie liefern also keine endgültigen Antworten, sondern eher ein Erklärungsmodell. Was wir aber uns mitnehmen können: Ketamin wirkt nicht einheitlich nur auf ein System, sondern je nach Wirkung auch über unterschiedliche Ebenen.
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Machen wir weiter mit den unerwünschten Wirkungen, und hier starten wir mit den akuten unerwünschten Wirkungen, also die unerwünschten Wirkungen, die schon während des Rausches stattfinden können. Dazu gehören Verwirrtheit, Desorientierung, eine Angst oder eine innere Unruhe, ein Gefühl von Kontrollverlust oder auch motorische Koordinationsstörungen.
21:59
Und auch die dissoziativen Wirkungen, die wir schon bei den erwünschten Wirkungen auch als positiv betrachtet haben, können gleichzeitig zu einer Überforderung führen. Also, dass sich Gedanken fremd anfühlen, der Körper nicht steuerbar, die Umgebung schwer einzuordnen, und wir hatten es ja gerade: All das kann eben so Angst, Panik und innere Unruhe schüren.
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Und auf der körperlichen Ebene können auch akute Effekte auftreten wie Übelkeit, Schwindel, Herzklopfen oder Benommenheit. Und ein besonderer Aspekt, über den man auf jeden Fall sprechen muss, wenn man über Ketamin spricht, ist das K-Hole. Das K-Hole sagt wahrscheinlich jedem etwas, der sich schon mal mit Ketamin beschäftigt hat, und wird so als extremst vermeidender,
22:40
schrecklicher Zustand immer wieder tituliert. Und das Problem ist so ein bisschen, dass mit einem K-Hole im Prinzip ein sehr ausgeprägter dissoziativer Zustand gemeint ist. Und dieser sehr ausgeprägte dissoziative Zustand kann auch Ziel des Konsums sein, also auf der Seite der erwünschten Wirkung stehen. Aber gerade im Party-Kontext,
23:00
da hatten wir es ja gerade schon auch darum, dass der Konsum von Ketamin stark dosisabhängig ist und gerade geringere Dosen den Sinn für eine Party eher erfüllt, weil man eben noch laufen und tanzen kann.
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Aber wenn man dann immer weiter nachkonsumiert und nachkonsumiert und irgendwann zu viel konsumiert, kann es sein, dass man aus Versehen in einen sehr starken dissoziativen Zustand kommt, weil man vielleicht bei der Dosis nicht aufgepasst hat oder einfach zu viel nachdosiert hat. Und dann also im Prinzip ungewollt in so einen starken dissoziativen Umstand zu kommen.
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Wenn das dann passiert, dann ist natürlich das K-Hole etwas, was wahnsinnig beängstigend ist. Also, dieser extreme Realitätsverlust, das Gefühl, die Kontrolle komplett zu verlieren. Es wird manchmal auch mit Nahtoderlebnissen beschrieben. Es kommt zu einer weitgehenden Entkopplung von der Körperwahrnehmung, vom Ich-Erleben und der Umgebung.
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Natürlich ist das ein Zustand, der ungewollt unfassbar überfordernd ist. Das heißt, ich nenne ihn dementsprechend hier bei den unerwünschten Wirkungen. Bedenkt aber, es ist auch eine hohe Dosis, die teilweise wirklich abgezielt wird, aber dann nicht unbedingt im Party-Kontext. Machen wir mal weiter mit den Langzeitnebenwirkungen,
24:17
und da starten wir mal mit den psychischen und kognitiven Wirkungen. Denn man hat festgestellt, dass Menschen, die wirklich regelmäßig über eine längere Zeit Ketamin konsumieren, in den Bereichen der Gedächtnisleistung, der Aufmerksamkeit und dem psychischen Wohlbefinden schlechter abschneiden als die Kontrollgruppe. Beschrieben werden dabei unter anderem Schwierigkeiten,
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sich Dinge zu merken, eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit, eine geistige Ermüdung und auch irgendwie das Gefühl, von Metall weniger präsent zu sein. Berichtet wird dabei unter anderem zu erhöhten depressiven Symptomen von Angst, aber auch von anhaltenden Dissoziationsgefühlen, auch außerhalb des Rausches,
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und insgesamt eine geringere Lebenszufriedenheit. Und bei den körperlichen unerwünschten Langzeitnebenwirkungen, da steht bei Ketamin tatsächlich der Harnweg und die Blase im Mittelpunkt. Denn bei regelmäßigem und hochdosiertem Freizeitkonsum kann es zu einer sogenannten ketaminassoziierten Zystitis kommen.
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Die typischen Symptome davon sind häufiges Wasserlassen, ein starker Harndrang, Schmerzen im Unterbauch, Brennen beim Wasserlassen und auch ein nächtlicher Harndrang. Und in schweren Fällen kann es sogar dazu kommen, dass die Blasenkapazität sich verringert, dass die Blasenschleimhaut sich dauerhaft schädigt und sogar auch die Nierenfunktion beeinträchtigt ist.
25:37
Und hier ist noch mal zu betonen, weil Ketamin ja auch im medizinischen Bereich verwendet wird: Diese Befunde stammen klar aus dem Freizeitkontext, bei täglichem oder sehr häufigem Konsum, sehr hohen Dosen und auch längerer Konsumdauer. Wie gesagt, für den medizinischen Kontext findet ihr das Interview in den Shownotes.
25:56
Und besonders möchte ich jetzt auch noch mal über Ketamin und die Abhängigkeitsentwicklung von Ketamin sprechen, denn ich habe durchaus immer noch das Gefühl, dass gerade die Abhängigkeitsentwicklung so ein bisschen unterschätzt wird oder eben dass die Substanz immer noch als sehr sicher und nicht suchtrelevant eingestuft wird.
26:16
Und das hat natürlich mehrere Ursachen, z. B. dass es keinen ausgeprägten körperlichen Entzug von Ketamin gibt und natürlich auch, dass es einen klaren medizinischen Nutzen hat. Und gerade dadurch festigt sich immer auch so der Ruf: Was in der Medizin noch angewendet wird, kann noch in der Freizeit nicht so wild sein.
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Und im Vergleich zu anderen Substanzen kann man Ketamin mit einem mittleren Abhängigkeitspotenzial einschätzen. Das heißt, es gibt Substanzen, die machen deutlich schneller abhängig als Ketamin, aber es gibt auch einige Substanzen, bei denen das Risiko geringer ist, also das Mittelfeld. Mit der Zeit kann sich bei regelmäßigem Ketaminkonsum eine Toleranz ausbilden,
26:53
und das heißt, man braucht immer mehr, um den gleichen Effekt zu erzielen. Außerdem habt ihr euch vielleicht auch schon, als wir über die erwünschten Wirkungen gesprochen haben, gedacht, dass sich Ketamin auf jeden Fall auch zum funktionalen Konsum im Alltag eignen kann, und zwar, um eigene Gefühle zu unterdrücken und um Abstand zu Stress und Belastung zu gewinnen.
27:13
Und dadurch kann sich der Konsum natürlich mehr in den Alltag einbetten. Alternative Herangehensweisen, um mit unerwünschten Gefühlen und Belastungen umzugehen, rücken dabei immer mehr in den Hintergrund, und Ketamin nimmt immer mehr Raum ein. Es kommt zu gedanklichen Fixierungen, zu Craving, und es festigt sich grundlegend das Gefühl, dass man ohne Ketamin nicht mehr zurechtkommt.
27:34
Und ich habe auch ein Fallbeispiel für euch, das mir eine Hörerin von Psychoaktiv zugeschickt hat, die mal ihre Abhängigkeitsentwicklung schildert. Den Fallbericht habe ich anonymisiert, die Stimme ist dementsprechend KI. Der Konsum war für mich Flucht vor den gesellschaftlichen Problemen wegen Corona,
27:55
der Krankheit meiner Mutter und am meisten aber vor mir selbst und meinen Gefühlen und Dingen, die ich nicht verarbeitet habe. Dies wurde mir aber erst in der Klinik bewusst. Ich habe eigentlich immer bis ins K-Hole konsumiert und hatte eine Toleranz jenseits von Gut und Böse. Es war meine Flucht, ohne zu wissen, dass ich fliehe, geschweige denn wovor.
28:15
Ich hatte auch nur noch konsumierende Freunde, und selbst die waren besorgt um meinen Konsum. Es gab viele Situationen, wo ich mir hätte Hilfe suchen müssen. Die Bereitschaft kam erst Jahre später, als ich wirklich gar nicht mehr wusste, wer ich bin und was mich ausmacht. Ich war nur noch der Konsum. Ich war dann zwei Monate in einer Klinik, und das hat mich echt gerettet.
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Ich konnte viel aufarbeiten und rausfiltern, warum ich überhaupt so massiv konsumiert habe. Heute bin ich drei Jahre clean, ohne Rückfall, habe ein gutes und stabiles Umfeld. Ich bin voll berufstätig, und ich weiß, wer ich bin und was ich will. Ich habe Hobbys und Interessen, und ich bin sehr zufrieden. Ich bereue die Zeit mit dem Konsum nicht,
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aber ich würde es nicht wieder tun. Aber ohne diese Zeit würde ich mich selbst vielleicht nicht so gut verstehen und hätte nicht dieses tolle Umfeld, welches ich heute habe.
29:06
Danke, dass du deine Erfahrung mit uns geteilt hast, und du kannst so stolz auf dich sein für deinen Weg und Glückwunsch zu drei Jahren clean sein. Das ist einfach mega beeindruckend.
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Wir beenden die Folge noch mit dem Mischkonsum. Beim Mischkonsum mit Ketamin entstehen größere Risiken, wenn man Ketamin mit anderen zentral dämpfenden Substanzen kombiniert, wie z. B. Alkohol, GHB, GBL, Opioide oder Benzodiazepine. Denn hier kann es nämlich zu sehr ausgeprägten Koordinationsstörungen,
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zu Bewusstlosigkeit, zu Erbrechen und in sehr schweren Fällen auch zu Atemdepression kommen. Bei der Kombination mit Stimulanzien entsteht die Hauptgefahr weniger durch diese direkte pharmakologische Wechselwirkung als eher durch die situativen Effekte. Ketamin kann die Wahrnehmung des eigenen Körpers von Raum und Risiko deutlich verzerren,
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während Stimulanzien aber gleichzeitig zu Aktivität und Bewegung anregen. Das heißt, so Warnsignale wie Erschöpfung, Schmerzen oder Überforderung werden dadurch häufig sehr abgeschwächt oder auch zu spät wahrgenommen, und das kann wiederum das Risiko für Verletzungen und Überdosierungen erhöhen. Bei Ketamin ist außerdem wichtig zu beachten, dass Ketamin als Racemat vorkommt.
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Das bedeutet, es besteht aus zwei spiegelbildlichen Varianten. Diese beiden Varianten nennt man S- und R-Ketamin, und obwohl sie fast identisch ausschauen, wirken sie unterschiedlich. Denn S-Ketamin wirkt doppelt so stark wie R-Ketamin und sollte dementsprechend auch nur halb so hoch dosiert werden.
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Auf dem Schwarzmarkt ist allerdings meistens eine Mischung aus R- und S-Ketamin im Umlauf. Das sollte aber bei der Dosierung auf jeden Fall mit beachtet werden. Und ein weiterer Safer-Use-Tipp, der sich unterscheidet zu den gängigen Safer-Use-Tipps, ist auf jeden Fall, dass man Menschen, die vielleicht auch ein bisschen zu einer hohen Dosis von Ketamin erwischt haben,
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nichts zum Trinken oder zum Essen anbieten sollte. Denn es kann eben zum Verschlucken oder Verkrampfen im Kehlkopf kommen, und das wiederum kann zu Erstickungen oder auch Atem- oder Herzstillstand kommen.
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Ihr Lieben, das war es mit der Ketamin-Folge für heute. Wir hatten in dieser Ketamin-Folge ganz bewusst den Fokus auf den Freizeitkonsum. Und was sind die erwünschten Wirkungen im Kontext des Freizeitkonsums? Was sind die unerwünschten Wirkungen im Kontext des Freizeitkonsums? Und haben uns außerdem ein bisschen die Geschichte angeschaut, weil ich finde schon,
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diese Entwicklung, wie manchmal Medikamente und was man von ihnen erwartet und was man aber dann auch von ihnen zurücklernen kann, einfach ein spannendes Wechselspiel ist. Und deswegen finde ich es immer total spannend, wie sich so die Wahrnehmung eines Medikaments über die Zeit verändert hat. Falls euch der medizinische Teil interessiert, wie gesagt,
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das andere Interview gibt es dann in den Shownotes. Das könnt ihr euch gleich im Anschluss anhören. Und falls ihr Bock habt auf eine Psychoaktiv Plus-Mitgliedschaft, das bedeutet Werbefreiheit, das bedeutet Bonusfolgen. Den Link zu Psychoaktiv Plus findet ihr natürlich in der Folgenbeschreibung, und dann hören wir uns ganz bald wieder. Bis dann, tschüss.

