Über Kakao, Rituale, Set & Setting

In dieser Folge von Psychoaktiv geht es um Kakao – allerdings nicht als süßes Pulver aus dem Supermarkt, sondern als rituell genutzte Kakaomasse mit psychoaktiven Eigenschaften. Gemeinsam mit Mischa von Kakaomischa wird erklärt, warum Kakao mehr sein kann als ein Heißgetränk: Er enthält unter anderem Theobromin sowie weitere Inhaltsstoffe, die mit Stimmung, Wachheit und Körpergefühl in Verbindung gebracht werden.

Ausgehend von Kakaoritualen führt die Folge zu einer größeren Frage: Was können wir aus bewusstem Kakaokonsum über Set und Setting lernen? Der Kakao wird hier zu einem vergleichsweise sanften Beispiel dafür, dass nicht nur die Substanz selbst zählt, sondern auch die innere Verfassung, die Erwartung, der Ort, die Zeit und der Umgang damit. Gerade dadurch wird deutlich, wie wichtig Selbstwahrnehmung, bewusste Entscheidung und ein sicherer Rahmen auch bei anderen psychoaktiven Substanzen sind. Die Folge verbindet damit Substanzwissen, Ritualpraxis und Safer-Use-Gedanken und zeigt, dass ein achtsamer Umgang mit Konsum nicht erst bei rauschintensiveren Drogen beginnt, sondern schon bei alltäglicheren Substanzen eingeübt werden kann.

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Im Kakaorausch über Rituale du Set und Setting

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PODCAST-METADATEN
Folge: 13
Erscheinungsdatum: 20.12.2020
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Im Kakaorausch über Rituale du Set und Setting
Sprecher: Stefanie Bötsch, Mischa von Kakaomischa

Typ: Transkript

00:08
Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi. Zieht’s euch rein!

00:29
Hallo und willkommen zu einer neuen Substanzsonntags-Folge. Es ist ja Vorweihnachtszeit und heute habe ich eine Folge für euch vorbereitet, beziehungsweise einen Gast hier, den ihr vielleicht nicht unbedingt erwartet in einem Podcast, in dem es sehr viel um Drogen geht. Und zwar wird es heute um Kakao gehen und zu meiner Verstärkung habe ich den Mischa da. Hallo Mischa!

00:52
Hallo Steffi, ich freue mich hier zu sein. Ich freue mich riesig, dass du da bist und vor allem auch, dass du mich ein bisschen zu dem Thema überredet hast, weil ich hatte da überhaupt keinen Zugang zu. Und ja, vielleicht möchtest du erstmal erzählen, weil du hast mich ja auf Instagram angeschrieben und meintest, ja, ob ich nicht Bock hätte, was über Kakao zu machen, der sei auch psychoaktiv. Und ich dachte so, what the fuck?

01:12
Was erzählt er mir da? Magst du vielleicht erst mal erklären, warum Kakao denn psychoaktiv ist oder wie der wirkt? Also von vornherein muss man unterscheiden zwischen psychedelisch und psychoaktiv. Und psychedelisch sind so Substanzen wie Pilze, LSD, auch DMT wirkt visionär psychedelisch. Und Kakao ist eben psychoaktiv. Das heißt, er bewirkt etwas, was unsere neurochemischen Prozesse, die normal stattfinden, verändert.

01:40
Und ich bezeichne es immer sehr, sehr gerne als Bewusstseinserweitern, denn Kakao bringt uns auf eine etwas andere Bewusstseinsebene und das merken wir, wenn wir empfindlich genug dafür sind.

01:51
Und das hängt damit zusammen, dass Kakao eine Vielzahl von Neurotransmittern enthält, die unser Körper sonst auch selber ausschütten kann. Dazu zählt Tryptophan, dazu zählt Serotonin, dazu zählt auch Dopamin, Phenylethylamin, was unser Körper ausschüttet, wenn wir verliebt sind, und das sogenannte Anandamid, was benannt ist nach Ananda, der Glückseligkeit aus dem Sanskrit, was unser Körper eben genau dann ausschüttet, wenn wir uns in tiefstem Glück befinden.

02:17
Und all diese Neurotransmitter und noch viele, viele mehr stecken in Kakao und dadurch können wir praktisch unsere neurochemischen Prozesse damit begünstigen. Das hört sich nach einer Menge Wirkfaktoren an. Das hört sich vor allem auch so an, dass wenn ich einen Kakao trinke, ziemlich breit bin. Kannst du vielleicht mal die Wirkung ein bisschen beschreiben, wie sie sich anfühlt? Ich sitze auch hier gerade mit einem Kakao und er schmeckt sehr lecker, aber ich bin auf jeden Fall fit genug, um diesen Podcast zu machen.

02:47
Das ist witzig, dass du sagst breit, denn Kakao enthält auch Cannabinoide, ähnlich wie das THC oder CBD, das in Gras drin ist. Allerdings macht Kakao nicht breit. Kakao, wenn ich die Wirkung beschreiben müsste, ist ganz wohlig, warm, erdend. Wenn man einen starken Kakao trinkt,

03:11
fühlt man sich oft angekommen im eigenen Körper, so mit dem eigenen Geist. Das Theobromin, was im Kakao drin ist, was ähnlich ist zu Koffein, aber langsamer vom Körper abgebaut wird.

03:22
führt dazu, dass sich unsere Gedanken ordnen und wir so eine gewisse Klarheit fühlen, aber ohne gepusht zu werden, ohne Stressfaktor. Wir fühlen uns klar, wir fühlen uns ruhig in unserem Körper und können mit diesem Zustand ganz, ganz viel machen. Also wir können einfach chillen, entspannen, vielleicht sogar schlafen. Wir können aber auch arbeiten, wir können uns einem kreativen Prozess hingeben. Also da ist Kakao von der Wirkung her sehr, sehr offen.

03:48
und verschiedenste Menschen nutzen ihn für verschiedenste Sachen. Das hört sich ja echt wahnsinnig spannend an.

03:56
Aber sag mal, ich bin jetzt gerade bei dir in der Manufaktur, wir nehmen hier auf in Eibelstadt und du hast mir diesen tollen Kakao hergestellt. Kann ich den mir denn aus jeglichen Kakaokaber, den ich mir im Shop kaufe, herstellen? Hat das alles diese Wirkung? Weil bis dahin habe ich auch, also müsste ja auch Schokolade die Wirkung haben. Wie ist das denn?

04:20
Ja, da muss ich dich leider enttäuschen, nämlich der Kaber, den man im Supermarkt kriegt, das ist ein ganz anderer als der reine Kakao, der mir damals im Dschungel begegnet ist auf meiner Reise.

04:31
Und je mehr ich dazu recherchiert und geforscht habe, desto mehr habe ich herausgefunden, dass das eben ein Trick der Industrie ist, uns in den Glauben zu versetzen, dass Kakao ein Pulver sei. Dass Kakao immer in Pulverform zu uns käme und Schokolade ist dann eben das gezuckerte und gefettete Pulver.

04:50
Und tatsächlich ist es nämlich so, dass das Kakaopulver, das wir im Supermarkt kaufen können, bereits beraubt wurde von der Kakaobutter. Und das ist ein sehr, sehr chemisch aufwendiger Prozess, bei dem eben der Kakao ja wirklich verändert wird. Die Kakaobutter wird rausgepresst, rausgesogen.

05:07
und was dann übrig bleibt ist der Rest dieses Pulver und das witzige ist das nämlich über 50 Prozent der Kakaobohne tatsächlich diese Kakaobutter ist also eigentlich ist der Großteil des Kakaos eben Kakaobutter und der wird aber rausgezogen und was wir dann als Kakao verkauft bekommen ist dieses Kakaopulver schwach oder stark entölt und damit wachsen wir auf, glauben das wäre Kakao

05:33
Und leider hat dieses Kakaopulver nicht mehr all diese gesundheitsfördernden und auch psychoaktiven Eigenschaften. Es bringt noch einen Bruchteil davon mit, aber meine Selbstversuche und auch die Selbstversuche von anderen haben gezeigt, dass man damit absolut nicht die gleiche Wirkung erzielen kann. Und wahrscheinlich ist vieles von der Wirkung, die wir wahrnehmen, das ganze Zucker, was da auch reingemischt würde, was ja auch eine gewisse Wirkung hat.

05:57
Also kurz, wenn wir uns Kaba kaufen, kaufen wir uns eigentlich das Abfallprodukt der Kakaobohne. Kann man das so sagen? Ganz genau. Und das ist sehr, sehr traurig. Ja, das stimmt. Und auch ein bisschen enttäuschend. Du hast ja gerade gesagt, als du das im Dschungel entdeckt hast, so, wir haben jetzt halt nicht unbedingt viel Dschungel in Deutschland, magst du vielleicht mal ein bisschen deine Geschichte erzählen, wie du zum Kakao gekommen bist?

06:23
Ja, sehr gerne. Das war damals 2017 müsste das gewesen sein. Da war ich auf Südamerika-Reise und ja, ich hatte zu der Zeit ganz viel Zeit und ganz wenig Geld und bin über einen peruanischen Markt geschlendert, wie so oft, auf der Suche nach Gesprächspartnern, um mein Spanisch zu verbessern und einfach auch mal ein paar Sachen kennenzulernen, die ich noch nicht kannte.

06:46
Und da stand eben am Straßenrand auf diesem Markt so ein Herr mit einem kleinen Tuch vor sich ausgebreitet mit so braunen Brocken drauf, also wie so braune Quader und ich dachte mir, das sieht verdächtig aus, was der da wohl verkauft.

07:01
Gehe zu ihm hin und frage in meinem gebrochenen Spanisch, que es esto, was ist das? Und er meint, das sei Kakao. Und ich war total stutzig, weil ich doch Kakao kannte als dieses Pulver mit irgendwie Plastikverpackung, Hase drauf gedruckt und ja, lecker süß.

07:18
Und dann meinte er so, nee, nee, das ist reiner Kakao, Kakao puro, hat er gesagt. Und dann dachte ich, okay, irgendwas hat es damit auf sich. Ich habe ihn noch gefragt, was der macht oder wofür man den verwendet. Und darauf hat er erwidert, te da fuerza, gibt dir Kraft.

07:33
Und dann dachte ich, okay, Kraft kann ich gebrauchen, Backpacker und so, nehme ich einfach mal mit, hat nicht viel gekostet. Habe eben diesen Kakaobrocken dann mit ins Hostel genommen und weil er eben so ein bisschen aussah wie Schokolade und auch gerochen hat wie Schokolade, dachte ich, gut, esse ich den einfach mal. Und habe angefangen an diesem Brocken zu knabbern, bis ich irgendwann festgestellt habe, dass das nicht sonderlich gut schmeckt und irgendwie auch kein gutes Mundgefühl hervorruft, eben sehr, sehr bitter, grob, trocken.

08:03
und irgendwann habe ich dann gelassen und dachte so: „Okay, ja, Fehlkauf kann man nix machen“ und bin spazieren gegangen und dieser Spaziergang, den ich dann gemacht habe, sollte tatsächlich mein Leben verändern, weil dann nämlich diese Wirkung des Kakaos bei mir eingesetzt hat und ich hab mich unglaublich belebt, klar und kommunikativ gefühlt und bin dann durch diese Städtchen gelaufen und hab angefangen mit wildfremden Leuten zu reden. Mein Spanisch wurde auf einmal viel besser und ich hab mich wirklich, wirklich wohl in meiner Haut gefühlt

08:30
Und zunächst dachte ich, das wäre ja so ein Casual Nachmittag, der irgendwie sich zum Guten gewendet hat. Und dann ist mir aber eingefallen, dass ich ganz schön viel von diesem braunen Brocken genascht habe. Und so kam meine erste Verbindung nämlich zu dem, dass dieser Kakao, den ich da gekauft habe für wenig Geld, tatsächlich eine tiefgehende Wirkung hat. Und meine Recherche hat dann am Folgetag genau das ergeben, was ich wollte.

08:54
gerade am Anfang erzählt habe, nämlich diese vielen, vielen Inhaltsstoffe von Kakao, die auch Einfluss auf unsere Stimmung, auf unser Wohlbefinden haben. Das ist ja, also richtig Glück gehabt eigentlich auch, weil ja wie der Zufall manchmal zu uns ins Leben kommt. Gut, aber wir sitzen jetzt hier in Eibelstadt in deiner Manufaktur. Also kurz ist ja sicher nicht dabei geblieben, dass du mal von einem Stand genascht hast. Wie ging die Reise weiter?

09:21
Ja, also ich sag mal, ab dem Nachmittag war ich richtig heiß auf Kakao und immer auf meiner Reise, wenn ich die Chance hatte, Kakao zu probieren oder auch Kakaofarms zu besichtigen, habe ich das getan und auch mit Leuten darüber geredet und praktisch Meinungen eingeholt, hey, was glaubt ihr oder habt ihr mal davon gehört?

09:36
Und es ist ganz spannend, weil auch auf meiner Reise die Einheimischen viele nur noch diesen neuartigen Pulverkakao kennen. Weil der eben sehr leicht zu lösen ist in der Milch und weil er süß ist und einfach so convenient. Und wo ich aber wiederum interessante Gesprächspartner gefunden habe, waren Leute, die energetisch arbeiten, spirituelle Yogis, Medikamente.

10:03
Leute auch die Retreats anbieten, die auch selber mit Kakao arbeiten und gesagt haben, das ist total heilsam, es kann sehr intensive Zustände hervorrufen, wenn man Kakao in einem Ritual zu sich nimmt. Also diese ganzen Begriffe kamen dann zu mir und je mehr ich mich mit Kakao befasst habe auf der Reise, desto mehr habe ich gemerkt, boah, da steckt ja eine ganze Welt dahinter und diese ganze Welt, die kennen wir hier in Deutschland nicht, die wird uns vorenthalten.

10:29
Und je mehr ich mich damit befasst habe, desto mehr hatte ich Lust, das irgendwie zumindest zu meinen Freunden, meiner Familie, meinem Umfeld zu bringen. Und so hat sich das dann entwickelt, dass meine Reise irgendwann dem Ende entgegenging und ich mir dachte, okay, entweder gehe ich jetzt nach Deutschland und mache das, was ich davor auch gemacht habe, in einem Büro sitzen und Geld verdienen oder ich widme mich einer Sache, die sich wichtig anfühlt und wo ich das Gefühl habe, hey, ich kann echt was Neues machen und den Leuten auch was Neues bringen.

10:58
Das ist richtig cool. Du bist auch auf jeden Fall ein Vorbild, wenn es darum geht, irgendwie Träume zu verwirklichen. Ich muss vielleicht dazu sagen, Mischa war eine Klasse über mir im Gymnasium, also wir kennen uns auf jeden Fall schon ein bisschen länger, haben uns aber auch lange aus den Augen verloren, hatten jetzt nicht so viel Kontakt in der Schule.

11:13
Und ja, ich habe das nämlich mitbekommen, tatsächlich über die sozialen Medien, dass Misha sich im Prinzip seinen Traum erfüllt und eine Crowdfunding-Kampagne gemacht hat und sich ein Kakaomobil geholt hat. Und ich fand das einfach wahnsinnig impressive, was er da alles aus sich rausgeholt hat. Und ja, jetzt sitze ich halt in seiner Manufaktur und das ist echt krass. Musik

11:37
Du hast ja gerade gesagt, du hast Menschen kennengelernt auf deiner Reise, die eben so Kakao-Zeremonien gemacht haben und den Kakao zeremonial benutzt haben. Jetzt muss ich ganz ehrlich sagen, wenn man ein bisschen auf Instagram unterwegs ist,

11:52
schwappt das ja langsam, aber sicher auch nach Deutschland rüber. Und da würde ich erstmal, bevor wir darüber reden, einen Schritt vorausgehen und sagen, wie wird denn Kakao traditionell in den Herstellungsländern benutzt? Was ist so ein bisschen die Geschichte von Kakao in den Herstellungsländern? Kannst du mir dazu was erzählen? Sehr, sehr gerne. Und zwar hat Kakao eine unglaublich weitreichende Geschichte. Also die ersten Funde reichen bis 1900 vor Christus.

12:18
in Mittelamerika, im heutigen Mexiko, wo Gefäße gefunden wurden, die ausschließlich zum Verzehr von Kakao verwendet wurden.

12:27
Und bei den Maya, Azteken und vorher auch bei den Olmeken hat Kakao, die Kakaobohne, eine sehr, sehr hohe Stellung, einen hohen Stellenwert genossen. Zum einen eben durch die Wirkung und den hohen Nährstoffgehalt, was ja damals bei einer mangelnden Ernährung doch sehr wichtig war. Und zum anderen auch, weil die Kakaobohne für sie damals eine Verbindung zu den Göttern dargestellt hat. Und es zeigt sich bis heute im lateinischen Namen von Kakao, nämlich Theobroma Kakao.

12:56
ist altgriechisch und bedeutet übersetzt die Speise der Götter oder die Götterspeise. Und das hängt eben damit zusammen, dass als die Siedler, die spanischen Siedler, auf die neuen Kontinente kamen, sie gesehen haben, dass die Völker, die dort leben, dieser Kakaobohne einen unglaublich hohen Wert zumessen. Und es ging dann so weit, dass die Azteken die Kakaobohne sogar als Tauschwährung eingeführt haben. Das heißt, für acht Kakaobohnen

13:23
konntest du einen Hasen kaufen und für 100 Kakaobohnen konntest du dir mal eben einen Sklaven leisten. Und das ist total spannend, weil es eben diesen Geldbegriff wirklich auf was runter reduziert, was auch ein Nahrungsmittel ist und was auch konsumiert werden kann und was damals auch gerne als Opfergabe genutzt wurde.

13:41
Und das heißt aber auch im Umkehrschluss, wenn du damals Kakao getrunken hast, hast du reines Geld getrunken und dadurch war das auch eben gern nur dem Adel vorbehalten, dass eben solche Kakao-Rituale zelebriert wurden. Ist es heutzutage auch noch so, dass es in Lateinamerika ein größeres Ding ist, eben das Zeremonial zu verwenden oder ist das auch alles ein bisschen in Vergessenheit geraten?

14:04
Ich glaube, das kommt ganz darauf an, welche Seite von Lateinamerika du dir anschaust. Und wenn du in eine Großstadt gehst und mit den zivilisierten Menschen Kontakt hast, dann wirst du merken, okay, wenn du von Kakao redest, dann denken die an den Pulverkakao. Und vielleicht ist es ein guter Pulverkakao, vielleicht ist es aber auch so ein Milo-Nestlé-Pulverkakao, den sie für sich entdeckt haben und den sie auch ihren Kindern geben.

14:28
Aber wenn du, sag ich mal, ein bisschen weiter weg gehst von den Großstädten, vom Kommerz und dich wieder findest in Kulturen, die auch noch eine Verbindung haben zu der alten Kosmovision, der Maya zum Beispiel oder zum alten Aztekentum, die wirklich noch zum Teil Tradition pflegen und das ist meistens mehr so auf dem Land, weniger in den Städten,

14:51
wo ja vielleicht sogar noch schamanisch gearbeitet wird, wo Heilkräuter verwendet werden, wo Rituale gefeiert werden, dann wirst du finden, dass Kakao immer noch einen hohen Stellenwert hat. Und meistens ist es dann aber die Kakaobohne,

15:07
die immer wieder hinzugezogen wird bei bestimmten Festen, also sowas wie ein Geburtsritual, was dann eben gefeiert wird und da wird immer Kakao hinzugegeben als Bohne oder wird Kakao an das Feuer übergeben oder wird Kakao einfach geteilt mit den verschiedenen Menschen. Seltener wird er getrunken, auch das gibt es, dann gern auch mit Zucker gemischt, aber

15:30
aber was eben immer da ist, ist der Kakao in physischer Form als Bohne und der wird dann eben mit dazu genommen, sinnbildlich für die Verbindung zu den Göttern und die Maya, die heute noch

15:44
die heute noch leben und praktizieren, für die ist der Kakao immer noch sehr, sehr wichtig und gilt als diese Verbindung zu den Göttern. Und als ich da war in Guatemala, durfte ich zum Glück auch feststellen, dass die Maya, die noch da sind und praktizieren, sich auch mit dem Kakao dem Westen, also unserer zivilisierten Welt gegenüber, öffnen und sagen, ja, diese Pflanze ist wundervoll und wir haben sie jetzt lange gehütet und weitergetragen und jetzt scheint eine Zeit zu kommen, wo die Menschen sie, ja,

16:12
Ja, konsumieren wollen, miteinander teilen wollen, auch in Ritualen. Und auch sie zeigen sich dem sehr offen gegenüber. Das finde ich einen sehr, sehr spannenden und wichtigen Punkt. Das wäre auch eine Frage, die ich später noch hatte oder vorbereitet hatte. Und zwar im Rahmen der Kulturaneignung. Weil die Zeremonien, die sind jetzt nach Europa umgesetzt.

16:31
Oder ich weiß, dass sie in Deutschland auf jeden Fall stattfinden. Und ich frage mich sozusagen immer, wenn man eben eine Kultur aus einer anderen Kultur übernimmt, das ist ja immer schon eine sehr kritische Frage im Rahmen der Kultureneignung. Ist das überhaupt okay? Oder nehmen wir uns als weiße Menschen was raus, eben diese Zeremonie zu führen? Und das finde ich gerade richtig cool, dass du das im Prinzip schon gesagt hast, dass du Kontakt zu noch praktizierenden Mayas hattest, die sich sozusagen Europa öffnen. Und ja, ich durfte feststellen, dass…

17:00
Dass sie A nichts dagegen haben, beziehungsweise was ich für mich persönlich gemerkt habe, ist, dass die Maya dort ein sehr tiefgehendes Weltverständnis haben und auch sehr klar feststellen, dass sich die Welt verändert und auch die Umwelt verändert, dass wir die Welt so wie wir sie gerade behandeln herunterwirtschaften.

17:19
und sie gewillt sind, alles zu tun, um dem mit uns zusammen entgegenzuwirken. Und wenn das bedeutet, dass sie ihre Rituale mit uns teilen, dann ist das ganze Teil davon. Denn immerhin sitzen wir im selben Boot, sitzen wir auf derselben Erde und ihnen ist sehr wohl bewusst, dass es jetzt wirklich alles braucht, um das Ganze abzuwenden. Und der Kakao im Ritual kann eben ein Mittel sein, um ein gewisses Bewusstsein zu erzeugen.

17:45
Das ist eine wahnsinnig schöne Lebenseinstellung und Sicht der Welt. Danke, dass du das auch mit uns teilst. Finde ich total den wichtigen Punkt. So, jetzt haben wir sehr viel über die Kakao-Zeremonie geredet und dass es stattfindet. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, wie so eine Kakao-Zeremonie ausschaut. Kannst du uns vielleicht mal erklären, du machst ja auch Kakao-Zeremonien. Was ist das? Wie funktioniert das? Wie kann ich mir die vorstellen im Ablauf?

18:13
Eine Kakao-Zeremonie ist letztendlich eine Ansammlung von Menschen, mindestens einer, eine, aber können auch mehr sein, die sich zusammenfinden in einem sicheren Raum und gemeinsam Kakao trinken.

18:27
Das ist die Kakao Zeremonie in der Essenz. Und natürlich gibt es dann die Möglichkeiten drumherum eben verschiedenste Punkte mit hineinzugeben. Also eine Kakao Zeremonie kann gefüllt sein von Gesang, von Tanz, von dem Beschließen einer Intention, vielleicht auch von Persönlichkeitsarbeit, vielleicht von Emotionsarbeit, Meditation. Also da sind der Kakao Zeremonie wirklich keine Grenzen gesetzt.

18:55
Und dadurch, dass der Kakao eben so herzöffnend wirkt, sagt man auch in der spirituellen Szene, kann man mit dieser Herzöffnung, kann man mit dieser Öffnung der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Emotions- und Gefühlwelt sehr vielseitig arbeiten. Und da macht Tanzen sehr viel Spaß, da macht auch Kommunizieren, einfach Reden sehr viel Spaß oder Meditieren sehr viel Spaß.

19:17
Und allen Zeremonien gemein ist, dass es eben ein sicherer Raum ist, wo das stattfindet, damit sich die Beteiligten auch wirklich öffnen können und sich fallen lassen können. Und kannst du vielleicht nochmal ein bisschen mehr erklären, was herzöffnend sein soll? Für mich ist das so ein bisschen ein, blöd gesagt, leerer Begriff.

19:36
Und ja, vielleicht kannst du nochmal Herzöfter ein bisschen besser beschreiben. Also da gibt es zwei Seiten der Medaille. Und zwar auf physiologischer Sicht, wirklich ernährungswissenschaftlich, ist bewiesen, dass Kakao durch sein Theopromin und die Polyphenole den Kreislauf anregt. Das heißt, unser Blut zirkuliert besser durchs Herz.

19:56
Kakao wirkt auch durch sein Theobromin kardiovaskulär, das bedeutet oft das Herz-Kreislauf-System, anders als Koffein, das cerebral wirkt und wirklich den Blutfluss im Gehirn anregt.

20:08
Und dadurch, dass eben unser Blutfluss durchs Herz angeregt wird, verspüren wir körperlich auch ein Gefühl von Öffnung unseres Brusttraums. Wir haben vielleicht das Gefühl tiefer atmen zu können, wir hören unser Herz pochen oder spüren und pulsieren durch unser Körper eine gewisse Wärme.

20:27
Und das kann dann weitergehend, wenn wir tief in uns gehen, meditieren, wirklich als Öffnung unseres Herzraums wahrgenommen werden. Und in diesem Herzraum, wenn man sich damit ein bisschen beschäftigt, können auch Emotionen oder Gefühle liegen. Und damit kann man sehr gut arbeiten oder auch einfach nur sein und sich einfach mal auf sein Herz einlassen. Das heißt aber auch, so eine Zeremonie und was da passiert, ist immer offen.

20:54
Im Normalfall ist es offen, es gibt aber auch viele Zeremonien, die mit einem klaren Blickwinkel angegangen werden. Zum Beispiel wird Kakao sehr oft kombiniert mit sogenannten Aesthetic Dance.

21:06
wo eben gemeinsam Kakao getrunken wird und dann wird Musik gespielt, die meistens sehr, ja, sehr, wie soll ich sagen, extatisch ist, einen schönen Spannungsbogen hat, wo die Leute dann getragen von der Wirkung des Kakaos sich wirklich komplett austoben können und am Ende wieder zur Ruhe kommen. Richtig cool, also sehr multifunktional einsetzbar auf jeden Fall.

21:31
Ich habe das, glaube ich, auch bei dir gesehen, so jetzt zu Zeiten zu Corona, sind ja auch so Kakao-Zeremonien schwierig in der Gruppe durchführbar. Vor allem auch bei Ecstatic Dance, da ist es wahrscheinlich auch schwierig, immer schön einen Sicherheitsabstand zu halten. Und habe gesehen, dass die durchaus auch über Zoom veranstaltet werden. Machst du das so auch?

21:51
Bisher war ich öfter Teil von solchen Zoom-Zeremonien und am Anfang war ich sehr skeptisch dem gegenüber, aber ich habe mich einfach darauf eingelassen und durfte zu meinem Erstaunen feststellen, dass da sehr, sehr magische Orte auch kreieren können. Und der Vorteil von solchen Zoom-Zeremonien ist,

22:08
dass jeder für sich in seinem Safe Space sitzt und da sitzt keiner neben mir, der mich vielleicht atmen oder stöhnen hört oder irgendwie auf den ich mich fokussieren könnte, sondern ich bin in meinem Raum und wenn nötig schalte ich auch noch meine Kamera aus und dann bin ich wirklich komplett für mich und kann mich auf diese Erfahrung einlassen. Musik

22:30
Als ich das erste Mal von Kakao-Zeremonien gehört habe, habe ich ziemlich schnell die Verbindung gemacht, dass es ja ein bisschen ähnlich ist wie der Grundsatz des Set Settings beim Konsum von Drogen. Also nur kurz als Erklärung, Set Setting bedeutet Set, das leitet sich von Mindset an. Das geht darum, was man für eine psychische und körperliche Verfassung hat.

22:51
Und Setting ist sozusagen die Umgebung. Das heißt, nochmal auf eine Substanz zu beziehen. Wenn man eine Substanz nimmt, sollte man immer darauf achten, dass man einmal für sich gut aufgestellt ist, dass man psychisch stabil ist zu einem gewissen Grad, aber auch in der körperlichen Verfassung, um die Substanz auch auszuhalten. Und die Umgebung sollte angenehm sein, im Sinne von, dass man Freunde am Start hat, die auch ein bisschen auf einen aufpassen, falls man in irgendeine Richtung driftet und vielleicht auch mal Hilfe braucht.

23:20
Das ist ein Grundsatz des, na, wie heißt es? Safer Use? Ja, dankeschön. Das ist ein Grundsatz vom Safer Use, ein Grundsatz zur bewussten Konsum. Und im Prinzip hat man doch in so einer Kakao-Zeremonie das perfekte Set-Setting, kann ich das so sagen? Ja.

23:36
Ich sag mal, das streben wir an. Und natürlich hat man nicht immer im Griff, wer an der Kakao-Zeremonie teilnimmt, vor allem wenn es so ein bisschen an die Öffentlichkeit geht. Aber das Ziel ist es wirklich einen Raum zu kreieren, wo man mit der durchaus sanften und subtilen Wirkung des Kakaos sehr sehr tief tauchen kann.

23:54
Und bei diesem Tief-Tauchen, wie mit anderen Substanzen auch, können sich verschiedene Dinge zeigen und oft sind es auch Dinge, wo wir Hilfe brauchen. Und auch dieses Hilfe-Brauchen, dürfte ich feststellen, kann ein sehr, sehr heilsamer Prozess sein, wo ich nämlich früher vielleicht durch meine vorherigen Erfahrungen, Muster, wie auch immer…

24:11
Ich dachte, keiner kann mir helfen, kann in so einem geschützten Raum mit Menschen, zu denen ich eine Verbindung habe, diese Hilfe, die mir dann geleistet wird, auch wirklich eine Heilung sein für das, was mir früher passiert ist. Das ist richtig spannend. Was kann man denn aus dem bewussten Konsum von Kakao fürs Drogen konsumieren lernen?

24:34
Das ist eine sehr gute Frage. Also was ich auf jeden Fall gelernt habe, ist, dass egal um welche Substanz es sich handelt, dieses Set und Setting, was du auch angesprochen hast, eine enorme Rolle spielt. Und bei Kakao ist es ja wirklich, also Kakao hört sich ja sehr, sehr harmlos an und so, ja trinke ich einen Kakao und dann ist es lecker und dann fühle ich mich wohl. Aber…

24:57
Aber auf Basis von eben diesem Kakao und dieser Sanftheit und diesem sehr, sehr Grundlegenden lässt sich ableiten, wie es ist mit Substanzen, die wirklich stärker auf einen wirken und in welche Situationen einen diese Substanzen bringen können. Und dann stellt sich mir auch die Frage, okay, in was für einen Raum möchte ich mich da begeben?

25:18
Ist jetzt angenommen, man ist in irgendeinem Nachtclub und die Situation ist wirklich skurril und man hat halt irgendwas dabei, was man nehmen wollte, dann stellt sich die Frage, okay, möchte ich mir das jetzt geben? Ist das hier der richtige Ort, die richtige Zeit? Und…

25:33
Im Kakao ist das sowas ganz, ganz Grundlegendes. Also für mich ist es am Morgen, überlege ich mir, okay, trinke ich heute einen Kakao oder nicht? Und wenn ich nicht genug Zeit habe, wenn ich mir nicht diese Zeit nehmen kann, diesen Kakao zu würdigen und entspannt zu trinken und vielleicht in einen kleinen Ritual einzubauen, dann lasse ich es, weil ich mir denke, okay, nee, das zwänge ich jetzt hier nicht rein, es passt gerade nicht. Und ich glaube, das führt auch ein Stück weit zur Selbsterkenntnis. Okay, was möchte ich, was möchte ich nicht?

25:59
Das sind so viele gute Punkte, die du gerade angebracht hast, auch die ich nochmal hervorheben möchte. Wenn man sich mal überlegt, wenn sich jeder Mensch, der Substanzen konsumiert, vor jeder Substanz mal überlegt, hey, wie geht’s mir? Bin ich gerade am richtigen Ort, um das zu konsumieren? Also innerlich am richtigen Ort? Und wo bin ich? Ist das gerade der richtige Ort? Ich glaube, wenn man sich diese Frage öfters wirklich ernsthaft stellt, ist auch viel in Richtung bewusster Konsum getan und ich glaube, das würde auch sehr

26:27
ja, schützen in der Abhängigkeit zu gelangen, weil man sozusagen eine gewisse Selbstehrlichkeit zu sich haben und Substanzen können sehr viel Spaß machen, aber die haben halt auch ihre Grenzen und können auch viel Leid zufügen und dadurch, dass sie zum Beispiel auch so extrem im Körper wirken können, kann es halt auch Negativität stark verstärken oder halt auch unterdrücken, was es im Prinzip auf eine andere Art und Weise verstärkt.

26:50
Und was ich auch ganz spannend fand, meintest du, du überlegst dir jeden Morgen erstmal in Ruhe, ob du einen Kakao trinkst oder nicht oder ob du dir Zeit davon hast. Wenn ich mir überlege, wie ich mir meinen Kaffee morgens reinpresse, also ich stehe auf, lasse mir meinen Kaffee aus der Kaffeemaschine und trinke den sozusagen noch, während ich mich anziehe und sonst was und fühle mich dann auch gerne mal ein bisschen fahrig, weil ich dann halt eben das Koffein so ein bisschen…

27:14
Ja, in den falschen Hals bekomme. Und ja, das natürlich eine ganz andere Wirkung haben würde, wenn ich das mehr genießen würde, beziehungsweise mir mal kurz diesen Freiraum einrauben würde. Genau so ist es. Und für mich hat der Kakao auch echt einen Bewusstseinswandel bewirkt, weil ich nämlich eine Zeit lang, als ich wiederkam und dachte, so jetzt Kakao-Business, let’s go, meinen Kakao morgens getrunken habe wie einen Kaffee.

27:38
Und irgendwann dann aber nach dem vierten, fünften Tag durchpowern, gemerkt habe, boah, der geht mir jetzt aber ziemlich auf den Magen oder auf den Darm oder ich kriege Kopfschmerzen. Und dachte mir so, hä, was ist denn los, Kakao, wo ist die Produktivität? Und dann habe ich aber gemerkt, hey, Kakao wirkt anders, Kakao wirkt tiefer und ich fordere da ein bisschen zu viel ein von dem Kakao.

28:02
Und habe dann erstmal den Fuß vom Gas genommen und gemerkt, okay, ich glaube, ich tue mir selbst gerade nicht gut und dabei unterstützt mich diese Pflanze halt in dem Moment nicht. Und das hat bei mir auch eben diesen Prozess angeregt von, okay, nehme ich mir Zeit für das, was ich tue oder tue ich es nebenbei? Und der Zweck ist ein ganz anderer, weil ich irgendwo hin will, wo ich gerade nicht bin. Ja, und das ist so ein Punkt. Substanzen helfen uns ja auch, vor allem Stimulantien, unseren Körper zu…

28:30
zu überfordern zu einem Punkt. Natürlich punktuell sind sie leistungssteigernd, bringen uns auf ein anderes Level, aber ist halt auch immer die Frage, unser Körper ist ja sozusagen die Grenze unseres Seins und sagt auch so, ja, irgendwas geht und irgendwas geht nicht. Und das kann man immer wieder überschreiten, sei es jetzt mit Kakao, aber sei es auch mit Speed oder so. Wenn man das aber für eine lange Zeit tut, dann ist man nicht mehr so ganz an der Sache dran, wie du das gerade beschreibst, weil da geht es immer nur so, will ich einfach nur schnell, schnell, schnell und irgendwie alles schon perfekt machen und

28:59
Oder benutze ich das wirklich eher als Begleitung, als Unterstützung, um irgendwas zu erreichen? Und das hast du ja dann schnell für dich gemerkt. Genau, weil ich nämlich vorher den Kakao, und der Kakao kann hier sinnbildlich stehen für jede Substanz,

29:14
aus einem Mangel herausgenommen habe. Ich dachte mir, okay, ich brauche jetzt den Kakao und dann kann ich heute so richtig produktiv sein. Was anderes ist es aber, wenn ich weiß, okay, heute steht ein produktiver Tag an und vorher gönne ich mir den Kakao und er unterstützt mich dabei. Und in beiden Fällen trinke ich einen Kakao, aber es sind ganz verschiedene Mindsets.

29:35
Total, also komplett verschiedene Mindsets und das eine Mindset ist eher förderlich, förderlich für die Zielerreichung, förderlich, ja, das Beste aus sich rauszuholen, ohne sich zu übernehmen und das andere ist halt wirklich immer über sein eigenes Spektrum hinausgehen, was am Ende einem nicht guttun wird.

29:53
Ganz genau so ist es. Und auch die Erwartungshaltung spielt eine ganz wichtige Rolle. Also was erwarte ich mir von der Substanz? Und wenn diese Erwartung nicht erfüllt wird, bin ich dann enttäuscht oder konsumiere ich dann mehr? Oder wie reagiere ich dann? Musik

30:10
Gut, aber an sich, wenn ich von Kakao höre, kann ich mir kaum vorstellen, dass es wirklich arg in die negative Schiene gehen kann. Jetzt wahrscheinlich auch verglichen mal mit einem LSD-Horror-Trip oder ähnliches. Was hast du denn eventuell auch schon für negative Erfahrungen oder krasse Erfahrungen gemacht mit Kakao?

30:27
Bei Kakao darf man auf jeden Fall dazu sagen, dass es sich um Pflanzenmedizin handelt. Und das ist ein sehr besonderer Begriff, der wird normalerweise verwendet bei Pflanzen wie Ayahuasca, weil es eben wirklich auch eine körperliche und geistige Wirkung auf einen hat und dadurch auch körperliche und geistige Prozesse in Gang setzen kann. Und das kann bei Kakao genauso wie bei Ayahuasca sein, dass eben die Darmaktivität unglaublich beschleunigt wird und man aufs Klo rennt oder…

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man vielleicht sogar ein bisschen Kopfschmerzen kriegt oder ein komisches Körpergefühl, einen Druck, einen Pochen, ein Pulsieren spürt, was bei mir durchaus auch schon vorgekommen ist und es hängt da auch nicht unbedingt zusammen mit der Menge von Kakao, die man konsumiert, sondern auch wirklich, was man gerade mitbringt. Wenn ich gerade einen super stressigen Tag habe und dann trinke ich am Abend einen Kakao, dann merke ich, wie sich das so ein bisschen in meinem Körper entlädt.

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Und auf der geistigen Ebene ist es wirklich so, dass Kakao durch diese Klarheit und doch Entspanntheit, ja, ändert.

31:25
öffnet für andere Bewusstseinszustände. Und ich sag mal, wenn ich einen Kakao trinke oder wenn ich einen Kakao getrunken habe und dann eine sehr, sehr tiefgehende, vielleicht sogar tantrische Meditation dazu gemacht habe, beziehungsweise mir angehört habe, so eine geführte Meditation, dann ging die auch schon mal so weit, dass ich wirklich den Sinn für meinen Körper verloren habe oder wenn du so willst, eine außerkörperliche Erfahrung gemacht habe.

31:49
Und wir reden hier nur von Kakao in Anführungszeichen, aber Kakao bildet eben die Basis dafür, dass wir mit unserem eigenen Bewusstsein, wo wir schon alle Möglichkeiten mitbringen, solche Erfahrungen zu machen, dass wir mit Kakao als Basis dann solche Erfahrungen wirklich gestärkt und getrost machen können und uns dabei auch gehalten fühlen.

32:10
Und genau das macht Kakao für mich, er lässt mich gehalten fühlen, sodass ich die Erfahrungen, die ich in meinem Leben machen möchte, getrost machen kann und mich dabei wohl genährt fühle und auch geistig klar.

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Also ja, man kommt auf seinen eigenen psychedelischen Trip in Anführungszeichen, also Großanführungszeichen, nur mit Kakao. Aber auch, und das finde ich das Wichtige, was man immer mit betrachten muss, du hast ja gerade erzählt, das war so der Misch von Kakao und Meditation. Das bedeutet aber auch der ganzen Sache Zeit zu geben und sich dahin zu bewegen, wenn man jetzt das mit anderen psychedelischen Substanzen betrachtet.

32:45
Dann hat man sozusagen einen Trip gewiss und der kann auch sehr, sehr einschlagen. Und bei Kakao, das ist, wenn ich das so richtig verstehe, wie so eine Unterstützung, auch eine meditative Unterstützung, der einen, wenn man sich die Zeit und den Geist dazu gibt, auch wirklich neue Wege zeigen kann und auch wirklich außerkörperliche Erfahrungen machen kann. Habe ich das so richtig verstanden und zusammengefasst?

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Genau so ist es. Und da ist es immer eine Frage, was bringe ich mit, wie empfindlich bin ich und wie empfänglich bin ich für solche Erfahrungen? Bin ich gewillt, solche Erfahrungen zu machen? Wenn dem so ist und ich mich voll mit meiner Zeit und meinem Fokus darauf einlassen kann, dann kann es passieren. Muss nicht, kann, wenn ich will und wenn ich kann.

33:28
Dazu kann man aber auch noch sagen, dass aus physiologischer Sicht Kakao auch ein schwacher Mao-Hämmer ist. Die Mao-Hämmer sind eigentlich bekannt, eben auch im Zusammenhang mit Ayahuasca oder anderen DMT-haltigen Substanzen. Das sind die

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Die Dimonoaminooxidase ist nämlich das Enzym, das DMT in unserem Körper zersetzt und durch Kakao hemmen wir dieses Enzym ganz leicht, was dazu führt, dass sich dieses Molekül DMT in unserem Körper in leicht höherer Konzentration ablagert und DMT ist, wie viele wissen, verantwortlich dafür, eben sehr, sehr tiefgehende spirituelle Erfahrungen zu machen. Also auch da wirkt Kakao.

34:08
und nicht zu unterschätzen. Also klar, es ist eine sanfte Wirkung, aber wenn man sich darauf einlässt, kann die unglaublich tief gehen.

34:16
Krass und jetzt hatten wir es von spannenden spirituellen Erfahrungen. Hattest du auch schon mal so eine richtige Kack-Erfahrung, so eine sehr negative Erfahrung, vielleicht so ein bisschen Horror-Trip-mäßig? Mit Kakao meinst du jetzt? Ja, genau. Also eine Kack-Erfahrung in dem Sinn auf jeden Fall, dass ich da ein paar Mal aufs Klo gerannt bin. Ja, okay. Dass es mir jetzt so richtig dreckig ging, super.

34:41
Es waren wirklich die Fälle, wo ich von Kakao was erwartet habe und es ist witzig, weil letztendlich ist es nicht der Kakao, der mich hat schlecht fühlen lassen, sondern ich war es selbst und der Kakao hat das Ganze intensiviert, so wie es mit anderen Substanzen ja ist. Ich wollte super produktiv sein an dem Tag, hatte unglaublich wenig geschlafen, habe mich schlecht ernährt, habe mir den Kakao reingekippt.

35:02
Und dann habe ich mich halt einfach gefühlt wie Scheiße, um es umgangssprachlich zu sagen, weil der Kakao hat nämlich meinen Gefühlszustand und das, was eh schon da war und dieses Übernächtigtsein einfach nur nochmal verstärkt und mir vor den Latz geklatscht und dann dachte ich, ja gut, jetzt brauche ich mich gar nicht erst an den Schreibtisch setzen, so ungefähr.

35:21
Ja, also und da sind wir wieder bei dem Grundding. Set Setting, wenn es nicht passt, dann kann keine Substanz einem genau das bringen, was man eigentlich möchte oder bringt es dann eher auf einer sehr ekligen, unangenehmen Weise.

35:34
Ganz genau so ist es. Und ich versuche auch mit Kakao, also klar, ich versuche den Menschen Kakao zu bringen, aber ich versuche auch anhand von Kakao den Menschen einen Umgang zu zeigen mit einer Substanz, die auch wirklich harmlos ist, harmlos scheint. Eben einen Umgang zu zeigen, der anders ist als der, den wir gewohnt sind. Mit Kaffee, mit Zucker, mit anderen Drogen, die uns im Alltag begleiten. Ja, richtig spannend und richtig coole Mission. Musik

36:01
So, jetzt mal abschließend zu gucken. Wie würdest du dein Leben beschreiben, Prä-Kakao und Post-Kakao? Also wie war es vor dem Kakao und was hat sich durch den Kakao so ganz grundlegend bei dir verändert? Außer dein Job. Also,

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Auch eine richtig schöne Frage und ich glaube, da setze ich noch auf meiner Reise an. Ich habe damals nämlich so ein schlaues Persönlichkeitsentwicklungsbuch gelesen und da stand drin, wenn du dein Ding fürs Leben finden willst, dann schau, was die drei Sachen in deinem Leben sind, die dir am meisten Freude, Leidenschaft, Passion bescheren und versuch die irgendwie zu verbinden. Und was es damals für mich war, waren auf jeden Fall Menschen und die Interaktion, Kommunikation mit Menschen, die

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Dann Events, kulturelle Events, vor allem Festivals, die mir es da richtig angetan haben. Und in dem Zusammenhang auch das Thema Bewusstsein, Bewusstseinserweiterung, Substanzen, so dieses ganze Themengebiet. Und dann dachte ich so, okay, jetzt habe ich drei so Punkte, aber wie soll ich die verbinden? Und wie soll ich damit dann auch noch Geld verdienen? Also das war mir total unklar. Und als ich dann aber auf Kakao gestoßen bin, habe ich gemerkt, oh wow, damit verbinden sich genau diese drei Kernbereiche meines Lebens.

37:13
Und ich kann wirklich genau die Dinge, die mir am wichtigsten sind, zusammenführen. Und das ist, würde ich sagen, das hat sich geändert von Prä-Kakao, wo diese einzelnen Bereiche für sich standen, geändert zu Post-Kakao. Weil ich nämlich jetzt durch meine Arbeit mit Kakao den Menschen was erzählen kann, wie jetzt auch in diesem tollen Podcast, über Bewusstsein, aber auch gleichzeitig in Interaktion treten, wie…

37:37
Wie man Substanzen richtig konsumiert, wie man sich auch gut ernährt, wie man produktiv ist. Also das alles fließt im Kakao zusammen und dazu habe ich nicht mal das Gefühl, ich müsste mich verstellen oder irgendeine Rolle spielen, weil ich bin der Kakaomischer oder der Kakaomischer und dadurch darf ich einfach ich selbst sein und mich so der Welt zeigen und das ist echt ein Riesending.

37:58
Das finde ich auch übrigens einen netten Funfact am Rande. Früher hieß es in den sozialen Medien, das weiß ich nur noch, Betonmischer. Und ich glaube, das war damals einfach ein Wortwitz. Ich weiß die Story dahinter nicht. Ich habe das nur wahrgenommen. Und dann wurdest du plötzlich zum Kakaomischer. Ja, es war genau. Ich war früher der Betonmischer. Hat sich eine Freundin ausgedacht. Also Misha, weil ich in der Ukraine geboren bin und meine Eltern mich schon immer so nennen.

38:21
Und das Beton kam dann einfach als Gag dazu. Und als es dann Richtung Kakao ging, war ich echt unsicher, wie ich mein Kakaoprojekt nennen sollte. Wie nenne ich mein Unternehmen in Anführungszeichen? Und dann hat eine Freundin, mit der ich da in Guatemala war, gesagt, ey Misha, bist du eigentlich doof? Früher warst du scheinbar der Betonmischer und jetzt wirst du gefälligst der Kakaomischer. Und dann war es für mich klar.

38:45
Ich fand es auch richtig geil, also dadurch, dass wir jetzt schon ein bisschen länger im Kontakt hatten und die Änderung, ich habe sofort gecheckt und fand es richtig witzig, also perfekter Name für dein Business. Freut mich, danke.

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Ja, jetzt kommen wir noch mal ganz kurz zum praktischen Teil. Wir haben jetzt ganz viel über Kakao geredet, über Kakao-Zeremonien. Hammerspannendes Thema. Wenn jetzt einer der Hörer oder Hörerin sagt, boah, mega Bock mal Kakao zu probieren, richtig Kakao zu probieren oder auch mal mega Bock bei einer Kakao-Zeremonie mitzumachen. Ja, wie kommt man denn da dran? Also wer Lust hat einen Kakao zu probieren und zwar einen guten, kann sich den online bestellen bei mir oder bei einem anderen Hersteller und

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und wichtig ist da dass es sich um Kakaomasse handelt also Pulver deutet immer darauf hin dass dem Kakao das Fett entzogen wurde und dadurch er nicht mehr so ganzheitlich wirkt aber wenn man in den Genuss von solcher Kakaomasse kommt kann man die ganz einfach für sich zubereiten auch da ist darauf zu achten dass man besser

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nicht-hierische Milch verwendet. Die Laktose nämlich hemmt den antioxidativen Anteil im Kakao. Das heißt, der Kakao wird ein bisschen weniger gesund, ein bisschen weniger entzündungshemmend für den Körper, bisschen weniger wirksam. Und wenn wir dann eben so eine Milchalternative für uns gefunden haben, sei es Hafermilch, Mandelmilch, Kokosdrink, was auch immer,

40:04
können wir diese erwärmen und da ist auch wiederum wichtig, dass wir sie nicht zu heiß machen, also so 80-90 Grad, sie sollen nicht kochen und da geben wir dann ungefähr 20-30 Gramm unseres Kakaos hinein. Und Menschen, die eh ein bisschen empfindlicher auf Koffein reagieren oder eben auf Stimulantien, die brauchen dann eher so 15-20 Gramm, Menschen, die gern ein bisschen mehr haben, die können dann auch schon ihre 30-40 Gramm trinken.

40:30
Und da geben wir dann in diese Milch die Menge an Kakao hinein und geben dem Ganzen 5-10 Minuten bis es sich löst und in der Zeit können wir auch gerne Gewürze hinzugeben, ähnlich wie bei einem Chai, das kann sein Zimt, Kardamom, Kokosblütenzucker, wonach uns eben gerade ist, eine natürliche Süße ist immer ganz schön.

40:49
Und dann warten wir, bis sich das Ganze wirklich gut gelöst hat und genießen den Kakao für uns. Und was ich für mich so am besten festgestellt habe, ist, wenn ich mir wirklich Zeit dafür nehme und mir auch überlege, wobei mich dieser Kakao heute unterstützen darf.

41:04
Und bei mir hat sich so ein kleines Ritual eingebürgert, dass ich Sachen aufschreibe, für die ich dankbar bin und die mir selber dann vorlese. Aber das kann alles andere sein. Das kann, keine Ahnung, auch sein, ein nettes Buch zu lesen, was einem irgendwie eine gute Schwingung gibt oder so. Und dann kann man den Kakao genießen für sich, gucken, wie er auf einen wirkt und sich dem widmen, was man gerne machen möchte.

41:28
Ja, danke für die Erklärung. Ich glaube, ganz viele von den Hörerinnen und Hörern haben bestimmt mega Bock, das jetzt auszuprobieren. Den Mischer findet man unter Instagram, aber auch einfach im Internet, wenn man Kakaomischer eingibt, findet man auch seine Seite, wo auch alles Wichtige zum Kakao aufgeführt ist. Ich habe mich da auch erstmal schlau gelesen, bevor ich…

41:47
dem Ganzen hier zugesagt habe. Genau, also einfach Kakao und Mischer, M-I-S-C-H, findet ihr sowohl auf Instagram als auch über Google auf seiner Seite und da könnt ihr das auch bestellen. Du machst ja Kakao-Zeremonien auch, oder? Du leitest ja auch, habe ich das richtig verstanden? Ganz, ja, mehr oder weniger regelmäßig, aber ich genieße das auch sehr, diese Räume zu kreieren und einfach den Kakao wirken zu lassen. Und wie kann man bei dir bei so einer Zeremonie mitmachen?

42:16
am besten wendet man da sich an mich persönlich also ich bin auch oft bei online Zeremonien dabei und die sind dann offen für alle sag ich mal auch ortsunabhängig

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Und da wäre es wahrscheinlich am einfachsten mitzumachen und ansonsten einfach bei mir melden und einfach anfragen, wann die nächste Zeremonie ansteht. Wie gesagt, ich mache das nicht in so einem großen Rahmen, es ist auch nicht mein Hauptding, sondern ich mache das, weil es mir gefällt, weil es mir Spaß macht und weil ich da das Gefühl habe, wirklich schön mit Menschen in eine Verbindung treten zu können. Genau, ich werde es natürlich auch auf meinem Account verlinken, den Mischa und ja…

42:51
Ich bin total fasziniert und glücklich und auch dir mega dankbar, dass du mich angeschrieben hast, weil wir echt aus dem Thema so viel rausholen konnten und auch so unerwartet. Also vielen lieben Dank, was du uns halt alles erzählt hast, was du mir alles erzählt hast. Ich fand es hammer mega spannend und ja, mein Kakao war sehr lecker und ich…

43:11
Ich würde nicht behaupten, dass ich keine Wirkung spüre, sondern bin irgendwie echt gut drauf und konnte mich auch sehr gut konzentrieren über das Gespräch, was nicht gerade einer meiner großen Stärken ist, diese Konzentration, und habe mich irgendwie sehr viel gesammelter gefühlt.

43:25
Danke, dass du mich hier eingeladen hast nach Albestadt und richtig danke für alles, was du uns heute erzählt hast. Sehr, sehr gerne. Ich freue mich immer, ein Publikum zu bekommen, um über Kakao zu reden. Und Kakao steht ja hier auch wieder sinnbildlich wirklich für ganz, ganz viel anderes. Ciao Kakao! Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.

44:18
Musik Musik


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