Gammahydroxybuttersäure (GHB) und seine Pro-Drugs GBL & BDO

GHB, GBL und BDO sind psychoaktive Substanzen, die im Freizeitkontext häufig als „G“ oder „Liquid Ecstasy“ bezeichnet werden – obwohl sie pharmakologisch nichts mit MDMA zu tun haben. GHB kommt auch natürlicherweise im Körper vor und wird medizinisch unter anderem bei Narkolepsie eingesetzt. GBL und BDO sind sogenannte Pro-Drugs, die im Körper zu GHB umgewandelt werden und dadurch besonders schwer einzuschätzen sein können. Die Wirkung reicht je nach Dosis von Entspannung, Euphorie, Kontaktfreude und gesteigerter sexueller Erregung bis hin zu starker Sedierung, Bewusstlosigkeit und Koma. Gerade diese steile Dosis-Wirkungs-Kurve macht den Konsum riskant: Zwischen gewünschter Wirkung und Überdosierung liegt oft nur ein sehr kleiner Spielraum.

Besonders gefährlich wird GHB im Mischkonsum mit anderen dämpfenden Substanzen wie Alkohol, Opioiden oder Benzodiazepinen, weil sich die atemdepressive Wirkung verstärken kann. Auch das Abhängigkeitspotenzial wird häufig unterschätzt: GHB kann relativ schnell zu Toleranzentwicklung führen, und ein Entzug sollte wegen möglicher Delire, Krämpfe, Schlaflosigkeit und starker Unruhe unbedingt medizinisch begleitet werden. Gleichzeitig spielt GHB in Debatten um K.O.-Tropfen und Drinkspiking eine wichtige Rolle, auch weil die Substanz im Körper nur sehr kurz nachweisbar ist.

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Gammahydroxybuttersäure (GHB) und seine Pro-Drugs GBL und BDO

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PODCAST-METADATEN
Folge: 11
Erscheinungsdatum: 03.12.2020
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Gammahydroxybuttersäure (GHB) und seine Pro-Drugs GBL und BDO
Sprecher: Stefanie Bötsch

00:02
dazu geführt hat, dass GHB in der deutschen Feierszene ankam, dank des damaligen Drogenbeauftragten. GHB war für die Forschung extremst interessant. Wenn man eine höhere Toleranz gegenüber Alkohol hat, man eben auch eine höhere Toleranz gegenüber GHB haben kann.

00:42
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Mein Name ist Stefanie Bötsch, ich bin Suchttherapeutin und alle zwei Wochen sprechen wir in diesem Podcast wissenschaftsbasiert über verschiedenste Themen rund um psychoaktive Substanzen, Suchttherapie und Drogenpolitik. Schön, dass du wieder mit dabei bist.

01:10
Heute sprechen wir über GHB, GBL und BDO und Hörer, die richtige Fans sind, die wundern sich jetzt vielleicht, denn tatsächlich habe ich dieses Thema in diesem Podcast schon mal behandelt und zwar ist das die zehnte Folge, die jetzt aktuell oder beziehungsweise schon seit einem halben Jahr fehlt.

01:30
Und diese wurde überarbeitet und die nehme ich jetzt einfach nochmal auf. Und ich werde die, nachdem sie jetzt auch eine Zeit lang online war, auch wieder auf ihren Platz zurücksetzen, weil mich das ziemlich stört, dass diese zehnte Folge fehlt. Aber ja, ich fand es auf jeden Fall gut, das nochmal zu überarbeiten. Ich habe Rückmeldungen bekommen, die ich auch sehr ernst genommen habe. Ich habe meine Podcast-Folge nochmal angeschaut, habe ein paar Unstimmigkeiten entdeckt und sie dementsprechend überarbeitet.

01:57
Das Podcast-Business ist tatsächlich etwas, was sich bei mir stetig weiterentwickelt. Ich glaube, ich werde in Zukunft auch eher dazu tendieren, sollte ich merken, dass irgendwas bei einer alten Folge in einer Schieflage ist.

02:11
eher eine Erweiterungsfolge aufzunehmen. Ihr könnt mir gerne mal zurückmelden. Ich werde auch bei Spotify eine kleine Umfrage machen, was ihr besser findet. Neu aufnehmen oder eine Erweiterungsfolge. Weil an sich war ja die alte Folge nicht schlecht. Die hat halt einfach ein paar Punkte,

02:27
die nicht so gepasst haben. Naja, also ich war da so ein bisschen hin und her gerissen, habe mich jetzt für diese Version entschieden. Mal schauen, ob diese Situation in Zukunft einfach nochmal vorkommt und wie ich dann entscheide. Wird mich aber auf jeden Fall mal interessieren, was ihr hier das richtige Vorgehen findet, weil mir ist es halt einfach wahnsinnig wichtig, dass meine Inhalte wirklich so akkurat, wie ich das einfach hinbekomme, sind.

02:52
Aber am Ende ist das hier halt auch alles eine One-Woman-Show. Ich recherchiere alleine, ich mache das hier alles alleine und natürlich mache ich auch Fehler. Natürlich verstehe ich mal Dinge vielleicht nicht richtig, habe ein Paper übersehen, habe etwas falsch interpretiert. Das ist ganz normal, da mache ich mir überhaupt keinen Stress deswegen. Ich versuche aber immer mein Bestes zu geben und bin auch immer offen in die Diskussion zu treten.

03:17
Aber vielleicht genug damit und genug Folgeplänkel. Ich möchte mich an dieser Stelle auf jeden Fall nochmal ganz, ganz herzlich für den Support bedanken, den ich in letzter Zeit bekommen habe. Ganz besonders viel Liebe geht auch raus an die Menschen, die mich über Paypal unterstützt haben. Vielen lieben Dank, das hilft mir weiter und, muss ich ganz ehrlich sagen, wurde auch schon wieder in Fachliteratur umgesetzt. Ihr könnt euch auf die Folge freuen.

03:42
Die Quellen zu dieser Podcast-Folge findet ihr übrigens immer im Artikel, den ich zu der Folge mache, auf meiner Homepage. Da müsst ihr einfach einmal rüberklicken, weil ich habe festgestellt, bei den Shownotes kann man leider nicht so viele Zeichen reinsetzen, dass genügend Platz wäre für die Quellen. Also ihr findet das alles auf meiner Homepage und

04:04
Jetzt bin ich wirklich fertig. Es war ein bisschen mehr Vorgeblenkel als sonst. Und jetzt starten wir rein in die Substanzfolge. Viel Spaß! Musik

04:17
Wie schon gesagt, sprechen wir heute in dieser Folge über GHB und seine Pro-Drugs GBL und BDU. Diese Substanzen werden im Freizeitkontext auch gerne mal G, also englisch G, ausgesprochen oder auch Liquid Ecstasy genannt. Liquid Ecstasy kommt unter anderem davon, dass die Substanz in der Regel als flüssige Form erhältlich ist, deswegen Liquid, selten aber auch als Salz- und Pulverform. Die Substanz hat allerdings auch

04:43
nichts mit Ecstasy zu tun, also nichts mit der Substanz Ecstasy bzw. MDMA. Der Name kommt dabei allein von der Wirkung, denn diese ähnelt eben in niedrigen Dosierungen der von Ecstasy. In der Medizin

04:59
ist tatsächlich GHB auch relevant, und zwar als Anästhetikum und für die Behandlung auch von Narkolepsie. GHB oder auch Gamma-Hydroxybuttersäure kommt auch in unserem Körper ganz normal vor, wie zum Beispiel in unserem zentralen Nervensystem, in verschiedenen Organen und Geweben, aber auch in Fleisch, Früchte und Wein. Allerdings in

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so kleinen Konzentrationen, dass es keine spürbare Wirkung zeigt. GBL, also Gamma-Botirol-Aktion oder BDO, Butanidiol, sind sogenannte Bro-Drugs, also Vorläuferstoffe und werden im Körper dann zu GHB umgewandelt.

05:35
Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass das dafür sorgt, dass GBL und BDO deutlich potenter sind und somit die Dosierung angepasst werden muss. Die Wirkung von GHB setzt nach 15 bis 30 Minuten ein und hält circa 1 bis 6 Stunden an. GBL wirkt deutlich schneller, hier spürt man eine Wirkung schon nach 5 Minuten.

05:59
Schauen wir mal in die Geschichte. GHB wurde das erste Mal 1874 von Alexander Staitsev synthetisiert. Aber wie wir das jetzt auch schon bei anderen Substanzen schon ein paar Mal hatten in der Geschichte, wurde die pharmakologische Wirkung erstmal nicht erkannt und das Thema geriet erstmal eine ganz schöne Zeit lang in Vergessenheit.

06:20
Hier tatsächlich fast 100 Jahre. Denn 1960 wurde GHB vom Chemiker und Pharmakologen Camille-George Wermuth. Auf jeden Fall hat dieser Pharmakologe GHB neu entdeckt. Der Auftrag für die Synthese wurde ihm von der französischen Marine im Rahmen eines Forschungsprogramms des Chirurgen Henri-Marie Laborie erteilt.

06:46
Ich konnte leider aber auch hier nicht herausfinden,

06:49
an was die genau geforscht haben. In Italien und Frankreich wurde GHB dann als intravenöses Anästhetikum zugelassen. Da es nur in diesen zwei Ländern zugelassen wurde, lag an den zahlreichen Nebenwirkungen, wie zum Beispiel leptische Anfälle oder Erbrechen. Seit 2005 ist die Substanz in der EU für die Behandlung von Narkolepsie, also die sogenannte Schlafkrankheit, Betroffene sind dabei tagsüber ungewöhnlich schläfrig und neigen dazu einzuschlafen, eingesetzt,

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um eben den Schlaf zu normalisieren. Einige Studien konnten auch die Verringerung von Entzugssymptomen bei Alkoholabhängigkeit nachweisen, aber auch eine positive Auswirkung darauf, eine Abstinenz aufrechtzuerhalten. Das finde ich ehrlich gesagt ein bisschen schwierig. Also ich kann mir das schon sehr gut vorstellen, dass das eintritt.

07:41
Allerdings hat ja GHB auch zu einem gewissen Grad eine alkoholähnliche Wirkung und die Erkenntnis empfinde ich ungefähr ähnlich sinnvoll, als wenn ich sagen würde, jemand hält mit der regelmäßigen Einnahme von Benzodiazepinen seine Abstinenz von Opioiden, also auch eine superähnliche Substanz.

08:00
also superähnliche Substanz, wie man es nimmt, aber halt mit einem ähnlichen Wirkspektrum und trotzdem machen beide Substanzen, können die ziemlich abhängig machen, genauso ist es bei GHB und das…

08:11
Dass sich das dann wirklich als Substitut für Alkohol eignen soll, wird allerdings auch nicht eingesetzt. Dementsprechend keine Sorge. Aber sollte man auf solche Studien stoßen, sollte man die mit sehr großer Vorsicht betrachten. Aber auch in manchen Papern, die eben genau das bewertet haben, wurde auch schon darauf hingewiesen, dass man da wahrscheinlich eher von einer Suchtverlagerung sprechen kann, als dass das wirklich ein sinnvolles Substitut wäre.

08:40
Trotz allem ist es in einigen europäischen Ländern genau zu diesem Zweck zugelassen, und zwar unter dem Handelsnamen Alcover, Alcova.

08:50
Aber die Nutzung ist natürlich sehr limitiert, weil, wie ich schon gesagt habe, GHB selbst sehr abhängigkeitserzeugend sein kann. GHB war für die Forschung extremst interessant. Denn bis Ende der 90er Jahre ist man davon ausgegangen, dass die Wirkung von GHB sich komplett an den GABA-Rezeptoren entfaltet. Dass es einen GHB-Rezeptor gibt, das wurde wirklich erst um die Jahrtausendwende überhaupt entdeckt.

09:18
Die Auseinandersetzung mit GHB und dem GABA-B-Rezeptoren hat dazu geführt, dass viele selektive Agonisten und Antagonisten entdeckt werden konnten und so einfach auch ein tieferes Verständnis sich entwickelt hat für das zentrale Nervensystem. Dieses Wissen hat halt eben auch besonders das Verständnis von Alkoholmissbrauch erhöht, da Ethanol eben ähnliche Effekte auf das GABA-minerge System ausübt.

09:42
Außerhalb der Medizin und Forschung wurde GHB auf der einen Seite ca. in den 1980er Jahren unter der Fitnessszene relevant. GHB wurde dabei sowohl der Effekt von Muskelwachstum als auch als Fettburner zugeschrieben. Und man geht hier davon aus, dass eben genau der Verkauf von GHB als Fettburner, das damals noch ganz entspannt und legal war,

10:06
zu bekommen war, auch dazu geführt hat, dass GHB seinen Weg in die Feierszene gefunden hat.

10:13
In Deutschland war GHB erstmal sehr wenig verbreitet, allerdings wurde vom Bundesdrogenbeauftragten Eduard Linter von der CSU eine Pressekampagne unmittelbar vor der Love Parade im Juni 1998 ins Leben gerufen, um eben vor der neuen Designerdroge Liquid Ecstasy zu warnen. Und daraufhin veröffentlicht halt super viele Zeitschriften Artikel, in dem sie eben den Drogenbeauftragten zitieren.

10:40
Nur durch diese Berichterstattung sind Menschen in Deutschland überhaupt darauf aufmerksam geworden, dass es diese psychoaktive Substanz überhaupt gibt. Und man kann davon ausgehen, dass das halt wirklich dazu geführt hat, dass GHB in der deutschen Feierszene ankam, dank des damaligen Drogenbeauftragten.

11:02
GHB bzw. GBL oder auch BDO machen auch heute noch super viele negative Schlagzeilen. Auf der einen Seite haben wir die Substanz als sogenannte Rape Drug bzw. wird sie auch oft unter den Sammelbegriff K.O. tropfen.

11:17
Ich rede in der 58. Folge mit Tobi Fabi über Drinkspiking und Needlespiking, also das unerwünschte Verabreichen von Substanzen in Getränken oder durch Injektionen. Und falls ihr hierzu ein bisschen tiefer ins Thema einsteigen wollt, schaut einfach mal zu der Folge, nach dieser Folge natürlich. Da haben wir da wirklich intensiv drüber geredet. Das andere große Thema war…

11:39
Was aktuell viel diskutiert wird, ist eigentlich einfach die schlichte Verbreitung von GHB, GBL, BDO und dass das einfach immer relevanter wird. Das war tatsächlich damals, als sich die Folge vor drei Jahren schon mal aufgenommen hat, noch überhaupt nicht präsent und kam nicht.

11:56
immer mehr wirklich dann danach, was logischerweise nichts mit meiner Folge zu tun hat, aber nur um das so ein bisschen zeitlich einzuordnen. Und dieses Thema ist halt vor allem in Berlin wieder sehr präsent und vor allem wird halt einfach sehr oft von Drogennotfällen bis hin zu Tote berichtet, die auf

12:15
den Konsum von GHB oder GBL zurückzuführen sind. Und das reicht wirklich so weit, dass sich die Clubs in Berlin zu einer Kampagne zusammengeschlossen haben, und zwar Club Culture Against GHB, also Club Kultur gegen GHB. Und auf der einen Seite wurde mit dieser Kampagne aufgeklärt und es wurden Plakate gedruckt, aber auf der anderen Seite setzen die Clubs auch ein starkes Signal in der Berliner Clubszene

12:43
in der einfach der Gebrauch von GHB, GBL, BDO nicht mehr geduldet wird. Ich habe auf der Seite von Club Culture Against GHB leider keine Aussagen zu den Konsequenzen gefunden, was passiert, wenn man im Club GHB konsumiert. Aber ich habe tatsächlich mal gehört, dass es dann mit Rausschmiss und Hausverbeut sanktioniert wird. Bin mir aber nicht so sicher, woher ich diese Information habe. Also dementsprechend auch keine gesicherte Information.

13:10
Meine persönliche Meinung ist dazu tatsächlich auch sehr gespalten. Auf der einen Seite kann ich die Clubs schon gut verstehen, dass sie Drogennotfälle und vor allem Tote in ihren Clubs verhindern möchten. Und da GHB einfach so schwer zu dosieren ist, ist halt eben vor allem wohl aktuell das ein großes Problem, mit dem sich Clubs konfrontiert fühlen.

13:35
Und ich kann dann auch gut verstehen, dass sich die Clubs dahingehend auch wirklich klar positionieren. Auf der anderen Seite haben wir aber einfach auch das Problem, dass in einem Club zu konsumieren halt meistens ein sichererer Ort ist als zu Hause, weil da einfach mehr Menschen sind, die…

13:55
auf einen aufpassen oder es einfach auch mehr auffällt, wenn halt es einem Menschen nicht gut geht, weil einfach, weil eben so viele Menschen im Club sind. Und wenn halt jetzt der Konsum so strikt verboten wird, drängt es halt Konsumierende dahingehend ins Abseits, also dass der Konsum noch mehr verheimlicht wird, dass er eben alleine zu Hause stattfindet und damit eben auch größere Gefahren

14:21
Und das ist natürlich sehr problematisch. Also ja, ich kann beide Seiten verstehen. Ich finde es super schwer. Wie seht ihr denn den Sachverhalt? Lasst es mich gerne wissen. Würde mich wirklich mal interessieren. Vielleicht auch gerne ein paar Stimmen aus Berlin. Ich weiß, dass viele Berliner und Berlinerinnen meinen Podcast hören. Lasst es mich einfach wissen. Würde mich sehr interessieren. Werbung

14:54
Wir sind fertig mit dem kleinen Überblick über die Geschichte und starten jetzt in die erwünschten Wirkungen. Hierbei ist wirklich zu sagen, dass die Wirkung sehr stark dosisabhängig ist und diese auch sehr schnell kippen kann. Bei GHB spricht man von einem therapeutischen Index von 8.

15:11
Der therapeutische Index beschreibt im Prinzip das Verhältnis zwischen Effektdosis zu einer Überdosis bis hin zu einer letalen Dosis. Letale Dosis bedeutet tödliche Dosis. Also kurz, man schaut sich an, ab welcher Dosis spürt man einen Effekt und wie viel mehr ab dieser Schwelle müsste konsumiert werden, um eine Überdosis zu erreichen.

15:32
8 ist dabei ein sehr geringer Wert. Heroin ist dabei die einzige Substanz von den, sagen wir mal, klassischen illegalisierten Substanzen, die mit 6 als noch niedriger eingestuft ist. Kokain zum Beispiel ist bei 15. Und ich finde, das muss einem einfach klar sein, dass man hier wirklich auf Milliliterbasis hantiert, um einen gewünschten Effekt zu erzielen und einfach die Spannweite zu einer Überdosis eine sehr geringe ist.

16:00
Die Drugscouts zum Beispiel haben eine Übersicht darüber, was eine niedrige, mittlere, hohe und narkotische Dosis ist.

16:08
Ich werde die einfach mal in den Shownotes verlinken. Aber es gilt halt grundsätzlich immer, trotz solcher Dosisangaben ist einfach Vorsicht geboten. Jetzt aber wirklich zu den erwünschten Wirkungen. Und bevor ich diese aufzeige, möchte ich jetzt erstmal einen kleinen Einblick in die Konsumerfahrung eines Followers geben. Der hat mir nämlich eine Sprachnachricht geschickt und hat mir dahingehend seine

16:38
mit GHB geschildert. Ich habe Erfahrungen gemacht zu GHB.

16:47
GBL war das. Ich habe das ein paar Mal konsumiert, aber alles in freiwilliger Basis so als Alkoholersatz, weil ich gelesen hatte, dass es weniger schnittlich für die Leber sein sollte und habe mich dann mit einem Kumpel getroffen, haben uns das in die Sprite gemischt und ja, getrunken. War witzig, aber wir mussten sehr, sehr aufpassen mit der Dosierung. Wir haben nicht viel von dieser Pipette genommen, die wir hatten. Also ich glaube irgendwie

17:15
vier oder fünf Tropfen auf eine 1,5 Liter Flasche. Die meinen Erfahrungen mit GWS sind positiv, aber ich selber habe mich dann entschieden, diese Droge nicht weiter zu konsumieren, weil sie für mich immer so ein bisschen den Vibe von einer vergewaltiger Droge hat, sag ich mal. Und man halt auch so extrem bei der Bösierung aufpassen muss. Da bleibe ich dann doch lieber beim Bier.

17:37
Wie ich schon häufiger gesagt habe, wird GHB auch Liquid Ecstasy genannt. Und das kommt davon, dass man im Wirkspektrum von GHB Ähnlichkeiten zu Ecstasy wiederfindet. GHB wirkt euphorisierend bis hin zu einer starken Euphorie. Man fühlt sich entspannter und vernimmt eine Antriebssteigerung.

17:57
Außerdem verstärkt es die Wahrnehmung dahingehend, dass einem alles schöner vorkommt, auch lebendiger und auch wichtiger als im nüchternen Zustand.

18:07
Die Kommunikation fällt einem viel leichter und man mag es einfach sehr, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Außerdem kann GHB auch eine grundlegend intensivere Wahrnehmung verursachen. Also Farben könnten intensiver wahrgenommen werden, aber es können auch akustische und optische Halluzinationen eintreten. Außerdem kann GHB auch sexuell anregend wirken und wird deswegen wirklich sehr gerne auch beim Chemsex, also Chemical Sex genutzt.

18:36
Auch hierzu habe ich eine Folge, dafür müsst ihr ein bisschen mehr scrollen, und zwar zur Folge 12. Das ist eine sehr ausführliche Folge zum Thema Chemsex. Wie wirkt GHB jetzt eigentlich im Gehirn? GHB aktiviert schon bei niedriger Dosierung den GHB-Rezeptor und hat damit eine stimulierende Wirkung. Das liegt daran, dass GHB außerdem auch eine Ausschüttung von Dopamin bewirkt.

19:05
Bei steigender Dosierung jedoch wirkt er dann eben auch an den GABA-Rezeptor. Und wenn dieser aktiviert wird, wirkt eben GHB sedierend. In der praktischen Wirkung wird man schlichtweg ausgeschaltet. Das macht eben auch die Dosis so wichtig, dass sich der Effekt nicht aufbaut und langsam zunimmt, sondern man einfach wegkippt, weil man irgendwann diese Dosisschwelle erreicht hat, wo dann die GABA-Rezeptoren mit aktiviert werden und

19:32
man dahingehend diese sedierende Wirkung hat. Und wenn sich das GHB dann im Körper wieder abbaut, schreckt man dann wieder super schnell hoch und das liegt eben daran, dass diese Gerberbindung nachlässt und eben wieder eine stimulierende Wirkung einsetzt.

19:50
Man spricht eben bei diesem ganzen Phänomen mit diesen kleinen Dosierungen von einer steilen Dosis Wirkungskurve. Also im Prinzip, dass auch die kleinste Dosissteigerung zu einer massiven Verstärkung oder Veränderung der Wirkung führt. Bevor wir uns gleich mit den unerwünschten Wirkungen beschäftigen, hören wir nochmal ganz kurz in eine Konsumerfahrung von einer Hörerin rein.

20:19
2017 nahm ich zum ersten Mal GBL. Ein Milliliter, gemischt im Getränk, glücklicherweise im häuslichen Rahmen. Ich war neugierig. Es ließ mich für gut eine Stunde wie betrunken sein fühlen. Tanzen, lachen, singen, offen über Emotionen und Gefühle sprechen. Angenehme Gänsehaut läuft über den Rücken. Danach sich wieder nüchtern fühlen, als wäre nichts gewesen, begeisterte mich zunächst sehr.

20:46
Bis es später dann mit höheren Dosen zu chromatösen Krampfanfällen kam. Mit Herumschreien und sich am Boden regeln. Aber absolut keinerlei Erinnerung zu haben und völlig erschrocken zu erwachen, wie aus einem Traum. Das schreckte mich dann doch sehr ab. Bei den unerwünschten Wirkungen möchte ich mit euch gerne die Kurzzeitnebenwirkung, aber auch die Langzeitnebenwirkungen anschauen.

21:14
Bei den Kurzzeitnebenwirkungen, also die akut auftreten können, haben wir einmal Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und auch Taubheitsgefühle. Außerdem kann es zu einem Kribbeln kommen und der Blutdruck ist eben grundlegend herabgesetzt. Psychisch kann es zu einer Orientierungslosigkeit kommen, zu leichten Halluzinationen, die einen verwirren oder auch zu akustischen Täuschungen, die einen einfach in die Irre führen.

21:42
Wie schon jetzt häufiger gesagt, kann es sehr schnell zu hohen Dosierungen und Überdosierungen kommen.

21:48
Und bei hohen Dosen ist man motorisch schon sehr eingeschränkt, man kann sich also nicht mehr richtig bewegen und es können noch stärkere Halluzinationen auftreten. Außerdem verschwindet der Leadreflex und somit ist es auch super schwer für nicht medizinisch ausgebildetes Personal einen Unterschied zwischen Tiefschlaf und Koma festzustellen. Außerdem kommt es zu Kopfschmerzen, Muskelzuckungen, Gleichgewichtsstörungen, Krämpfe und Filmrisse.

22:15
Zu Langzeitnebenwirkungen bei länger anhaltenden Konsum kann es auf der körperlichen Ebene zur Beeinträchtigung von Leber- und Nierenfunktion kommen. Außerdem kann es zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen kommen und zu Angst und Paranoia auf der psychischen Ebene.

22:35
Zu den unerwünschten Langzeitnebenwirkungen gehört natürlich auch die Entwicklung eines Abhängigkeitssyndroms. Bei GHB ist es so, dass es zu einer ziemlich schnellen Toleranzbildung kommt. Mehrere Paper haben dazu sogar auch eine Zahl gesagt, und zwar sagen die, dass schon nach fünfmaliger Einnahme eine Toleranz sich bildet und es gibt auch eine Kreuztoleranz zwischen GHB und Alkohol. Das heißt, wenn man eine höhere Toleranz gewinnt,

23:02
gegenüber Alkohol hat, man eben auch eine höhere Toleranz gegenüber GHB haben kann. Das versteht man unter Kreuztoleranz. Wo wir dann nochmal beim anfänglichen Thema sind, dass das als Entzugs- und Abstinenzstabilisierungsmittel genutzt wird, macht es das einfach nur noch wilder. Aber ja.

23:20
Von der Toleranzbildung, also der schnellen Toleranzbildung aus, wird auch das Abhängigkeitspotenzial abgeleitet und wird auch in manchen Studien mit Alkohol verglichen. Aber hier vielleicht zur Einordnung, das bedeutet nicht, dass die Substanz wirklich mit Ethanol zu vergleichen ist.

23:38
weil es ist schon eine andere Konsumart. Man merkt bei Alkohol, wie sich der Rausch wirklich auch aufbaut. Man hat also nicht so diese steile Wirkungskurve, die man bei GHB hat. Auch eine Überdosierung ist nicht so einfach zu erlangen wie bei GHB. Nur das Potenzial wurde da eben verglichen. Ich finde aber tatsächlich auch, es ist immer schwer zu…

24:03
oder das Thema Abhängigkeitspotenziale eh sehr schwer. Man kann das natürlich festmachen an sowas wie, wie schnell baut man eine Toleranz auf oder auch an der Konsumart, wie schnell schwemmt die Konsumart in meinen Kopf, also zum Beispiel was, was ich rauche, macht schneller abhängig als was, was ich esse und halt erstmal durch den ganzen Körper muss in dem Sinne. Also diese Punkte kann man schon einschätzen, so von Substanz zu Substanz, aber

24:30
Es ist halt sonst eine sehr individuelle Frage, denn Drogen machen nicht abhängig. Menschen mit verschiedenen Risikoprofilen konsumieren Substanzen und daraus kann eine Abhängigkeitserkrankung entstehen. Deswegen, ja, ich tue mir immer sehr schwer mit den Abhängigkeitspotenzialen, aber nur mal so als Einschätzung. Wo eine schnelle Toleranzbildung ist, gibt es auch meistens ziemlich schwere Entzugssymptome.

25:01
Das ist bei Psychedelika nicht so, das wäre vielleicht an der Stelle noch wichtig zu erwähnen, aber bei vielen anderen Substanzen haben wir genau diesen Effekt. Und der Entzug von GHB sollte unbedingt ärztlich begleitet werden, da es eben zu lebensbedrohlichen Deliren kommen kann. Das zeigt sich in Schlaflosigkeit, in Schweißausbrüchen, in Muskelkrämpfen, aber auch in starker Unruhe, Aggressivität, Depressionen und eine veränderte Wahrnehmung.

25:30
Und bei GHB sind vor allem die Delire dann auch nochmal häufiger als bei anderen Sedativen. Und ein Delir ist sozusagen eine Bewusstseinsdrübung, eine Verwirrtheit, eine Wahnvorstellung. Und deswegen…

25:44
Deswegen ist es halt echt super wichtig, dass es unter medizinischer Begleitung stattfindet, dass das eben aufgefangen werden kann und Tode im Entzug verhindert werden können. Ein Entzug kann wirklich auch bis zu drei Wochen dauern, also schon relativ lange. Musik

26:03
Kommen wir zum Schluss noch zur Nachweisbarkeit. GHB wird sehr schnell im Körper abgebaut und ist nur durch ein sehr aufwendiges Verfahren überhaupt nachweisbar und dann aber grundlegend auch nur sehr kurz. Wir haben in der Spiking-Folge, die ich vorhin auch schon erwähnt habe, auch ein bisschen länger darüber gesprochen, weil natürlich diese kurze Nachweisbarkeit verheerende

26:28
beziehungsweise Probleme macht für Opfer, die mit GHB betäubt worden sind und das dann eben nicht nachweisen können. Und das ist echt schlimm. Im Blut sind wir da circa bei sechs Stunden und im Urin bei bis zu zwölf Stunden und zu Speichel habe ich da auch gar keine Angaben gefunden. Musik

26:52
Zu den Mischkonsumwarnungen, was ja auch schon so ein bisschen rauskam, sollten alle Substanzen, die auch an den GABA-Rezeptoren ansetzen, auf jeden Fall gemieden werden. Dazu zählen eben Alkohol als auch Opiate. Das kann einfach eine lebensgefährliche Kombination sein und zu Atemdepressionen führen und natürlich die Wirkung unfassbar verstärken.

27:16
Auch die Kombination mit HIV-Medikamenten sollte gemieden werden, denn auch da kann es zu Atemdepression, Koma und Krampfanfällen kommen.

27:24
Und beim Mischkonsum mit Stimulantien, wie zum Beispiel Amphetamin, also Speed oder Methamphetamin, da haben wir das Problem, dass die Gefahr zur Überdosierung viel höher ist, weil man aufgrund der Stimulantien die Wirkung von GHB gar nicht wahrnimmt und unterdrückt und deswegen immer mehr konsumiert und dann eben eine Überdosierung hat. Was ist das, was Sie tun?

27:49
Ihr Lieben, das war es tatsächlich mit meiner Folge zu GHB, GBL, BDO, einmal überarbeitet für euch. Ich hoffe, euch hat die Folge gefallen. Sie hat euch neue Erkenntnisse gebracht.

28:04
Und gebt mir mal gerne Rückmeldung, wie ihr sie fandet. Wenn ihr nichts mehr von meiner Arbeit verpassen möchtet, aber gerne auch vielleicht ein bisschen einen Blick hinter die Kulissen haben wollt, wir hören uns in zwei Wochen wieder. Bis dann. Dann macht doch jetzt mal kurz die Shownotes auf, denn dort findet ihr den Link zu meinem Meldepunkt.

28:25
Newsletter. Da werde ich einmal im Monat, also auch nicht so viel, kurze Einblicke geben, wie meine Arbeit so funktioniert, was ich mache, aber auch vielleicht ein paar Hintergrundgedanken zu meiner Arbeit mitgeben und es gibt auch immer mal wieder Hinweise für kostenlose Veranstaltungen, die ich cool finde. Also im Prinzip alles, was so nebenher mitschwingt, aber nicht in einem Podcast.

28:47
Podcast verarbeitet wird. Ich würde mich freuen, einfach in die Shownotes schauen und den Newsletter abonnieren. Und jetzt wünsche ich euch eine wunderbare Zeit. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stephanie Bötsch.


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