Cannabislegalisierung zwischen Gesundheitsschutz und Profit: Die Debatte 2023

Die geplante Cannabislegalisierung in Deutschland wurde 2023 nicht nur als Frage des Zugangs diskutiert, sondern auch als Frage der Marktgestaltung. Denn ein legaler Markt kann sehr unterschiedlich aussehen: von gemeinschaftlich organisierten Anbauvereinigungen ohne Gewinnerzielungsabsicht bis zu kommerziellen Strukturen, in denen große Unternehmen möglichst viele Marktanteile sichern wollen. Entscheidend ist deshalb, welche Regeln festlegen, wer Cannabis anbauen, vertreiben und verkaufen darf, wie Preise entstehen und welche Rolle Werbung, Produktgestaltung und wirtschaftliche Interessen spielen.
Im Gespräch mit Philine Edbauer von My Brain My Choice geht es um die damals geplanten Cannabis Social Clubs, Modellprojekte und Möglichkeiten, Kommerzialisierung zu begrenzen. Thematisiert werden nicht gewinnorientierte Abgabestrukturen, Preisgestaltung, THC-abhängige Besteuerung, Altersgrenzen, Jugendschutz und die Frage, wie Menschen mit Erfahrung aus dem illegalisierten Markt in legale Strukturen eingebunden werden könnten. Auch Cannabis-Tourismus und der mögliche Einfluss großer Investoren werden diskutiert. Deutlich wird: Eine Legalisierung entscheidet nicht automatisch zwischen Gesundheitsschutz und Profit, entscheidend ist vielmehr, wie konsequent Marktregeln, Zugang und Abgabe so gestaltet werden, dass wirtschaftliche Interessen nicht selbst zum Treiber höheren Konsums werden.
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Die Cannabislegalisierung in Deutschland – Ist der Profit wichtiger als die Gesundheitssicherung?
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PODCAST-METADATEN
Folge: 70
Erscheinungsdatum: 29.06.2023
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Die Cannabislegalisierung in Deutschland – Ist der Profit wichtiger als die Gesundheitssicherung?
Sprecher: Stefanie Bötsch, Philine Edbauer (My Brain My Choice)
Typ: Transkript
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Transkript Beginn
00:00
Die Cannabis-Legalisierung steht in Deutschland vor der Tür und damit kommen natürlich auch Ängste auf, wie das denn eigentlich alles ausschauen soll bzw. wie vielleicht Cannabis nicht, wie wir es vielleicht auch bei Alkohol und Tabak haben, als ein krasses Geschäft mit der Sucht wird. Mit meiner heutigen Gästin spreche ich darüber, wie Cannabis-Social Clubs agieren können, was für die Modellprojekte geplant wird, wie mit Jugendschutz umgegangen werden soll
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Und welche Regulierungsmöglichkeiten es für den so gefürchteten Cannabis-Tourismus gibt. Wir machen also einen Rundumschlag darum, was wir aktuell schon wissen, was man erwarten kann und wo es vielleicht auch noch Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein!
01:03
Diese Podcast-Folge wird euch präsentiert von Safe Party People Frankfurt.
01:10
Willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Schön, dass ihr wieder alle mit dabei seid. Heute haben wir wieder eine Kooperationsfolge mit dem Suchtmagazin. Ich weiß nicht, das wissen vielleicht einige, vielleicht haben es auch ein paar nicht mitbekommen. Ich habe eine Kooperation mit dem Suchtmagazin und produziere passend zu den zu den Thema der Magazine. Das ist so fünf bis sechs Mal im Jahr.
01:35
verschiedene Folgen, die eben dazu passen und habe heute auch eine wunderbare Gästin mit am Start. Und zwar wollte ich schon ganz, ganz lange ein Interview mit ihr machen, und zwar die Feline Edbauer.
01:47
Sie ist Mitbegründerin und Hauptkoordinatorin von der Initiative My Brain, My Choice. Das ist eine Initiative für die Entkriminalisierung von Personen, die illegalisierte Substanzen konsumieren und die Beendigung des Drogenkriegs. Hi Feline, mega geil, dass du heute da bist.
02:04
Hallo, ja finde ich auch. Also für mich fühlt es sich auch so an, dass wir das schon längst hätten machen müssen und haben ja auch schon mal geschrieben und ich freue mich, dass es jetzt heute endlich stattfindet. Ich bin auch mega happy. Wir hatten das ja wirklich schon lange vor, eine Folge zu machen. Bin aber irgendwie super happy über das Thema, über das wir heute reden, weil es war ja öfters die Überlegung, ob wir über die Legalisierung ein Thema machen. Das war dann noch viel in dieser Diskussion drin. Passiert es, passiert es nicht? Was ist eigentlich los?
02:30
Und heute haben wir halt auch wirklich die Chance, über das Wie der Cannabis-Legalisierung zu sprechen. Und unser Fokusthema wird ein bisschen sein, was der aktuelle Stand ist. Da werden wir jetzt nicht ganz so tief drauf eingehen. Denn um was es wirklich geht heute in der Folge, ist auch ein bisschen darüber zu sprechen, wie eine Cannabis-Legalisierung funktionieren kann, ohne dass es, und das ist auch das Thema des Suchtmagazins,
02:54
ein Geschäftsmodell mit der Sucht einzugehen, was wir, vielleicht ein kleiner Spoiler, ja mit Alkohol teilweise auf jeden Fall schon haben. Und ich finde das Thema mega spannend und freue mich voll auf deinen Input.
03:05
Ja, ich auch sehr. Also über diese Details zu sprechen, ist auch so unendlich wichtig. Also um auf den aktuellen Stand einzugehen, es wird ja jetzt dann demnächst, vielleicht kurz nach der Sommerpause, ich glaube September steht jetzt im Raum, dass dieses Gesetz kommen kann. Aber auf jeden Fall wird es jetzt nochmal um die Details gehen, die erst in dem richtigen Gesetz, das dann abgestimmt werden soll, sichtbar sind. Und da kann noch alles…
03:29
im Prinzip irgendwie alles passieren. Also einige Eckpunkte stehen ja schon fest, aber es ist wichtig zu verstehen, auf welche Details es ankommt, um dann auch, wenn die bekannt gegeben werden, mitsprechen zu können und intervenieren zu können an gewissen Stellen und das dann auch vorbereitet zu sein. Da schauen wir heute einfach auch mal ein bisschen tiefer rein. Es ist, wie du schon sagst, immer noch alles ein bisschen schwammig.
03:58
Aber wie gesagt, so Schritt für Schritt wird ja die ganze Situation ein bisschen klarer. Ich glaube auch, über das Wie zu sprechen ist deswegen so mega wichtig, weil viele haben halt einfach nur Angst, dass, was hoffentlich glaube ich inzwischen schon wieder ein bisschen aufgelöst wird, aber das war vor allem am Anfang der Diskussion davon, dass Menschen, die sich nicht mit Cannabis auseinandersetzen oder nicht mit Drogenlegalisierung per se auseinandersetzen, denken, naja,
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Das wird einfach alles auf den Markt geschmissen, überhaupt keine Regulierung und es bricht sonst was aus. Langsam aber sicher bekommt man ja ein Gefühl, dass dem nicht so ist. Aber vielleicht magst du uns da einfach mal kurz auf den neuesten Stand bringen. Du hast ja gerade dieses Eckpunktepapier angesprochen. Was ist denn jetzt erstmal so grundsätzlich geplant? Also es sind zwei Elemente geplant, die hintereinander kommen sollen. Das erste ist die Entkriminalisierung der Selbstverwaltung.
04:47
letztlich des Gebrauchs, also dass die Strafverfolgung wegfällt für die Menschen, die Cannabis nutzen und man es sich über einen Eigenanbau dann auch legal anpflanzen kann und dafür nicht mehr bestraft wird, wenn man bis zu drei Pflanzen verwendet.
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oder drei blühende Pflanzen hat. Oder man meldet sich über einen Anbau-Club an und kann darüber seinen Cannabis beziehen. Beziehungsweise Leute können einen Anbau-Club betreiben, quasi nach Vereinsrecht, mit bis zu 500.
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Und dann muss man nicht selber einen grünen Daumen haben, sondern kann sich da kollektiv organisieren. Das ist der erste große Schritt, der kommen soll. Und der zweite Schritt, der aber damit, also der unmittelbar danach dann auch kommen soll, ist, dass Modellprojekte möglich werden. Das entscheiden dann die Bundesländer, ob sie es möchten oder nicht. Aber jetzt ist es noch nicht möglich. Und dass ja wissenschaftlich begleitete Modellprojekte für Einrichtungen,
05:46
Abgabestellen, also quasi Geschäfte, dann möglich sein werden. Geschäfte bedeutet, dass dann auch eine legale Lieferkette dahinter organisiert wird, also von der Produktion über den Vertrieb oder in Großhandel. Der Großhandel bringt das dann in verschiedene Geschäfte und solche Sachen. Und da ist auch nochmal bei der Frage, ob jetzt das Großkapital sich da einschalten wird.
06:10
und inwiefern die Interessen von den Nutzern dann berücksichtigt werden, ob es da Konflikte gibt mit den Dingen, die man zum Beispiel von Alkohol kennt. Also dass dann es ein Interesse darin gibt, dass Leute viel konsumieren und solche Sachen. Die werden dann auch, können darüber auch ausgehandelt werden. Allerdings ein bisschen begrenzter, als es ursprünglich geplant war. Also wenn man jetzt eine komplette Legalisierung für Cannabis in Deutschland organisieren würde, dann wäre die Debatte ein bisschen schwieriger.
06:37
Weil dann zum Beispiel ein Unternehmen, das den Vertrieb organisiert von der Produktion in die Läden hinein, halt theoretisch müssen wir uns damit auseinandersetzen. Ja, aber was ist dann, wenn es eine Kette mit 100 Filialen gibt? Also es wäre viel…
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größere unternehmerische Tätigkeiten wären möglich gewesen mit den ursprünglichen Plänen. Und das ist jetzt auch durch dieses Zwei-Säulen-Modell einigermaßen eingedampft. Also insofern irgendwie eingedampft. Insofern irgendwie ein bisschen beruhigende Nachricht. Aber…
07:10
Das macht das Ganze so ein bisschen greifbarer und ich glaube, die Potenziale sind größer, dass man jetzt Modelle entwickeln kann, wo kleinere Unternehmen daneben bestehen können und es nicht so darauf ankommt, jetzt so die großen internationalen Investitionen zusammenzukriegen, sondern eher kleinere Modelle auch möglicher sind oder greifbarer.
07:33
Das ist ein bisschen schwer zu sagen, weil alles ist natürlich gut regulierbar, aber für eine komplette Legalisierung finden wir uns, glaube ich, in der Debatte nicht da, wo wir sagen können, wir haben eine Regulierung, die eine Marktmacht oder eine Monopolisierung stark eingrenzt. Da waren wir in der Debatte noch nicht, deswegen bin ich ehrlich gesagt so ein bisschen erleichtert, dass jetzt es erstmal auf Modellprojekte runter reduziert ist.
07:57
um diesen Effekt zu verhindern, dass jetzt so wie in Kanada zum Beispiel riesen Unternehmen entstehen, die dann auch kleinere vom Markt verdrängen und so. Ich hatte schon irgendwie das Gefühl, als dieses Eckpunktepapier rauskam und dass es klar war, okay, es soll jetzt halt über die Social Clubs gehen, über die Cannabis Social Clubs, dass da auch manche enttäuscht von waren, einfach so als Stimmung. Aber du sagst halt einfach, und das finde ich eigentlich einen super wichtigen Punkt, hey, eigentlich hatten wir da echt
08:24
weil man muss sich auch einfach eingestehen, wenn wir jetzt einfach sagen, zack, hier Legalisierung, macht eure Vergabestellen und alles auf, dass da einfach Akteure, die Macht, Geld und die Power haben, das durchzusetzen, den Markt einfach wegsnacken und kleinere, besser auch vielleicht an Konsumierende orientierte Unternehmen überhaupt keine Chance hätten, weil sozusagen die Big Player das einfach wegräumen würden.
08:50
Ja, und die Big Player, also mit den Ressourcen, bedeutet ja auch, dass sie einfach gewisse, also man sieht es ja in anderen Märkten bei Alkohol oder auch bei jedem anderen Produkt, dass große Unternehmen einfach die Möglichkeit haben, auch einfach Dinge zu machen und es auszuhalten, dass danach gegen sie geklagt wird. Und…
09:09
die befinden sich, die reizen halt immer jede Möglichkeit aus, mehr Marktanteil zu kriegen und gar nicht mal unbedingt in Konkurrenz zu den Kleinen. Das ist glaube ich, haben die nicht so auf dem Schirm, aber es gibt halt viele größere Unternehmen, die versuchen in Konkurrenz zu den großen Unternehmen halt vorne dran zu sein. Und was auch in Deutschland wirklich, also die sind ja jetzt in den Startlöchern und die sammeln Kapital und versuchen maximal darauf vorzubereiten, ab da, wo es sich eine gesetzliche Möglichkeit gibt,
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gibt, in diesen Markt einzusteigen und dann vorne dran zu sein. Diese Vorbereitungen laufen ja und man liest ja auch immer wieder Berichte, dass es einen neuen Großinvestor gibt und so weiter. Snoop Dogg investiert in Deutschland. Das ist natürlich irgendwie aufregend und cool, aber zu diesen Großinvestoren gehören halt auch, und das ist während vielen Ländern komplett das Tabu, dass die Tabaklobby investiert.
09:58
und die Alkohollobby auch involviert ist. Es gibt dann auch Investmentgruppen oder so, das ist gar nicht so ganz transparent. Man kann den Zeitungsartikel nachlesen oder selber nachrecherchieren. Aber es sind einfach unendlich viele finanzielle Interessen auch dran, die einfach so weit weg sind von dem Anspruch, primären Anspruch, sauberes Gras zu haben. Also von uns jetzt, die auch dafür kämpfen oder die sich Sorgen um ihre Freundinnen und Freundinnen machen oder auch
10:27
schlechte Erlebnisse hatten im Umfeld oder sich einfach wünschen, dass diese Situation jetzt sich ändert. Also Polizei weghaben und gute Qualität zugänglich haben oder verlässlich gute Qualität. Darum geht es ja. Und das steht aber einfach so weit weg von diesem Kapitalmarkt, die das einfach nur als neuen Markt begreifen. Und die Herausforderung ist halt, wie gestalten wir die politischen Rahmenbedingungen?
10:52
um diese Interessen gut verträglich zu machen. Wir können jetzt nicht sagen, okay, wir schaffen den Kapitalismus ab oder so, das ist einfach nicht die Realität. Wir brauchen halt kluge Konzepte, um diese Interessen, die es gibt, irgendwie auszugleichen. Und Investitionen und Finanzmarktkapital ist ja auch nicht unbedingt schlecht, es muss halt einfach nur gerecht verteilt sein oder es muss ein Ausgleich geschaffen werden. Sowas wie zum Beispiel,
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Also ein Buch, was wir rausgegeben haben, wird empfohlen, dass man zinsfreie Kredite ermöglicht. Das könnten wir in Deutschland über die KfW-Bank. Dass die halt sagt, hey, wir müssen schauen, dass Leute, die halt nicht das Geld haben für eine Innenstadtladenmiete oder irgendwie den Zaun um den Cannabis-Anbau von einem Cannabis-Anbau-Club irgendwie einen
11:36
Zaun zu errichten, was jetzt in Eckpunktepapier erwähnt ist. Das wird jetzt nicht verlangt, irgendwie die übergroßen Sicherheitsmaßnahmen zu installieren, so dass es niedrig gehalten, aber trotzdem ist es ja eine realistische Schwierigkeit, sich erstmal in den Laden zu bekommen und die Miete bezahlen zu können in einer Stadt, wo viele Leute hinkommen, dann die Sicherheitsstandards einzuhalten.
11:57
Und das muss man sich ja leisten können, zumal wenn man zuvor irgendwie finanzielle Nachteile hatte, weil man erwischt wurde mit Cannabis oder weil man die Ausbildung verloren hatte oder weil man vielleicht für Cannabis-Anbau, weil man grünen Daumen hat und den Freundeskreis irgendwie mit guter Qualität versorgt hat, sind ja Leute im Gefängnis. Das wird noch gar nicht beachtet, wie man die Leute eigentlich auf den Markt bringen kann und wie die halt neben
12:24
wie auch eine Chance haben neben Unternehmen, die jetzt einfach Kapital einsammeln. Von dem Buch, was du gerade erwähnt hast, das ist der Praxisleitfaden zur Cannabis-Regulierung. Das hat MyBrainMyChoice und auch vor allem du übersetzt aus dem Englischen. Das Original kommt von der Transform Drug Policy Foundation.
12:45
Ich packe euch das in die Shownotes, weil das ist tatsächlich über MyBrainMyChoice. Korrigiere mich, wenn ich das nicht richtig sage, aber kann man es downloaden, sowohl die Vollversion als auch die Kurzversion. Aber ich frage mich gerade, ob ihr da nicht eine extra Webseite hattet. Ja, genau. Also www.legalisierung.info.
13:03
Ich werde es aber auf jeden Fall die richtige, wenn ich sie rausgesucht habe, auch in den Shownotes verlinken. Und ich finde das mega geil, weil da geht es wirklich konkret um das Wie. Du hast ja gerade schon gesagt, es ist erstmal wichtig,
13:16
Ja, eine Möglichkeit zu schaffen, dass Menschen, die sich vielleicht auch jetzt schon auskennen aufgrund ihrer Erfahrung, obwohl sie vielleicht eine Erfahrung im illegalisierten Rahmen jetzt eine lange Zeit lang gesammelt haben, eine Chance haben, ihr Wissen, ihren Nutzen sozusagen ja auf den Markt zu bringen und die Möglichkeit haben, akzeptieren.
13:33
tief zu werden. Was ich mich jetzt eben frage ist, wir haben ja aktuell schon ein Problem, dass Menschen, die im illegalisierten Rahmen Cannabis konsumiert haben, auch Probleme haben mit Cannabis als Medikation zu bekommen. Und da
13:47
da hat man ja schon so eine Konfliktstelle. Und du hast ja auch gerade gesagt, dass eben Menschen irgendwie eingebracht werden, die halt im illegalisierten Rahmen Cannabis produziert haben in den nun legalen Markt. Und ich mich halt jetzt halt auch frage, naja, um es mal runterzubrechen, die sind ja in dieser Bewertung im Strafsystem aktuell schlichtweg Dealer. Wenn du angebaut
14:07
hast, deine Freunde alle versorgt hast, hast du diesen Dealertitel, genauso wie du als Cannabis-Selbstmedikament-Mensch schnell den Titel von einem Abhängigen hast, leider. Wie ist das denn? Können sich sozusagen…
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Dealer rehabilitieren dann im legalen Bereich, sodass sie dann in Cannabis-Clubs usw. tätig werden können? Oder gibt es da schon auch Überlegungen, um die tatsächlich auszuschließen? Also im Eckpunkt der Papier heißt es, dass die Betreiber von Anbau-Clubs auf ihre Zuverlässigkeit geprüft werden sollen.
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Das ist jetzt, das ist so eine Stelle, wo man dann, wenn das Gesetz ausgearbeitet oder das gezeigt wird, was jetzt ausgearbeitet wird, wo man vielleicht intervenieren muss, wo man aufschauen muss, was das bedeutet. Es wird ja immer stark argumentiert, man muss den Schwarzmarkt verdrängen und das ist der große Vorteil von der Legalisierung. Das ist natürlich nicht gut, weil…
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Ja, wie du es sagst, ist es wichtig, dass ein Teil der Leute, die sich jetzt illegal organisieren und auch gute Arbeit leisten, indem sie gutes Gras anbauen und Verantwortung übernehmen und sagen so, hey, ich will auch dafür sorgen, dass einfach Leute, die ich mag, an gutes Zeug kommen, dass das halt gewürdigt wird und man die Leute übernimmt und das findet eben nicht statt. Es ist einfach immer so ein Purchales, wir müssen den Schwarzmarkt verdrängen und ich glaube, keiner, der das sagt, weiß eigentlich, wovon er genau spricht.
15:31
Manche verwenden das Argument absichtlich, weil sie sagen, es funktioniert halt gut. Es ist ein Argument, wo viele dann mitgehen und sagen, den Schwarzmarkt mag ich nicht. Also man instrumentalisiert das Argument, obwohl man es eigentlich besser weiß. Dass das, was Schwarzmarkt genannt wird, einfach sehr diverse, flexible, unterschiedliche Angebote sind oder Menschen. Und das…
15:55
das einfach so schwer kategorisiert werden kann, um angemessen zu sein. Und andere, glaube ich, auch in der Politik, wenn sie dann sagen, Cem Özdemir hat bei der Pressekonferenz letztens gesagt, dass man den Schwarzmarkt zurückdrängen muss, weil das Leute sind, die nicht mal Skrupel haben, Cannabis an Kinder zu verkaufen.
16:19
Also das ist so ein Quatsch. Es gibt überall Leute, die keine Skrupel haben, Dinge an Kinder zu verkaufen. Und das halt jetzt irgendwie aufzulegen, so, oh, die böse organisierte Kriminalität, die muss man zurückdrängen und so. Das sind solche Phrasen, die so hohl und leer sind, wo es überhaupt
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nicht darum geht, sich genauer damit auseinanderzusetzen, was er eigentlich Schwarzmarkt nennt, was er organisierte Kriminalität nennt, wo die Gewalt stattfindet, wie man Menschen, die Gewalt erleben, schützen kann und so. Das findet ja alles nicht statt. Es ist einfach nur, es wird als Argument verwendet, um so eine
16:52
anzuknüpfen an so eine Vorstellung von wegen, ja, die gute Gesellschaft kann sich jetzt abgrenzen, wir holen Cannabis zu den guten Sachen rüber und beschützen das dann und dringen den Schwarzmarkt zurück. Aber das ist halt einfach nicht förderlich, weil so was, es werden ja dann Menschen zurückgelassen in diesen illegalen Strukturen und es wäre doch viel wichtiger, die, die jetzt nicht irgendwie in Gewalt involviert sind, einfach zu übernehmen und ihnen Raum zu schaffen. Und das Schwierige ist halt, man kann halt nicht erwarten, dass genau diese Menschen
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mitsprechen. Es wird niemand sagen: „Hey, ich bin Dealer und ich würde jetzt auch gerne, also ich bin illegaler Dealer und ich würde zukünftig gerne legaler Dealer sein.“ Diese Gespräche können halt auch einfach nicht geführt werden. Und das ist, finde ich, extrem schwierig in der politischen Debatte, dass man immer wieder ein Argument anführt, wo man weiß, da kann mir niemand widersprechen. Weil wenn mir jemand spricht, dann gibt er zu oder sie zu, Straftaten zu begehen.
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Ja, total verständlich. Und ich finde es einen sehr, sehr wichtigen Punkt, den du halt sagst, dass man die Diversität des Schwarzmarktes einfach auch nicht anerkennt. Weil ich konnte gerade ein bisschen kotzen bei dem Begriff, so ja, der Schwarzmarkt, alle verkaufen an Kinder. Ich habe natürlich unter meinen Klienten und Klientinnen auch mal Leute, die verkaufen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, das, was ich mitbekomme, ist eigentlich dieses…
18:07
unter 18 zu verkaufen, auch ziemlich schlecht angesehen wird unter dieser Gruppe. Da geht es nicht um Verkaufen, sondern das sozusagen, nein, ich verkaufe an die Person nicht oder auch manchmal so, die ist zu oft da oder irgendwie kann ich das nicht mit anschauen. Es gibt ganz viele ethische
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die auch innerhalb der Szene, wo verkauft wird, darauf geachtet wird, persönliche ethische Punkte, auf die geachtet wird. Und natürlich sind das nicht alle, aber die sind eben auch da. Und wie du schon sagst, wenn ich jetzt hier eine Pflanze hätte,
18:41
Und die dann an meine Freunde verkaufen würde, bin ich ja auch Dealerin. Aber es ist ja auch was ganz anderes, als wenn ich in meiner Villa sonst wo sitze und massenhaft hier, also wo wir dann wieder bei organisierter Kriminalität sind, das wirklich alles organisiere, mache und strukturell aufbaue mit Gewalt, mit Schmuggel, mit Erdbeben.
19:02
was auch noch alles dazugehört. Es gibt halt einfach riesengroße Unterschiede. Und das Bild von dieser Villa mit diesem Mann, der dann seine Strukturen hat und Gewalt, also das ist auch sehr stark vom Fernsehen geprägt. Also ja, es gibt natürlich sehr viel Gewalt, aber man muss es auch differenzieren und nicht irgendwie so ein Hollywood-Bild immer anlegen. Es ist eine ganz tolle Story, was halt in der Popkultur irgendwie funktioniert und aufregend ist und oh, da ist so ein Patriarch und alle müssen auf ihn hören und
19:30
Gibt es vielleicht sicherlich auch, aber ist sicherlich auch nicht die Regel. Weil wenn das so wäre, dass diese Dinge so stark strukturiert sind, dann würde man viel leichter an sie rankommen. Was man weiß, ist, dass die illegalen Märkte so beweglich sind und
19:45
so viel, dann wird wieder jemand von der Polizei erwischt, dann rückt jemand nach. So, es sind dann irgendwie wieder neue Leute dabei und niemand kennt irgendjemanden, weil dann irgendwelche Zwischenleute wieder dazwischen sind und niemand weiß eigentlich, wer jemand… Also es ist so ein Chaos.
20:02
Weil sonst würde man ja, wenn man irgendwie diese Idee, die ja auch bei der Polizei immer noch verbreitet ist, vielleicht mittlerweile ein bisschen weniger, weil man einfach merkt, es funktioniert nicht. Aber dass man halt, wenn man die kleinen Dealer hat, dann kann man an die großen rankommen. Aber es funktioniert einfach nicht. Es geht einfach nicht so, weil es diese klare Linie, die klare Organisation wie in einem Unternehmen, das gibt es einfach nicht. So ist es einfach nicht aufgebaut. Werbung
20:30
Ich möchte mich mit dir jetzt wieder zurück zu einer deutschen eventuellen Realität beamen, was die Legalisierung von Cannabis angeht. Und wir haben ja schon öfters von den Social Clubs geredet. Das ist ja im Prinzip jetzt auch ein Schritt, der gegangen werden soll. Was ist für diese Social Clubs gedacht? Wie kann ich mir das vorstellen? Gibt es da schon irgendwie Ideen, wie ich mir das vorstellen kann als konsumierende Person, wenn ich in so einen Social Club gehe? Kannst du da mal ein Bild zumal?
20:56
Also es ist nicht so, wie man das vielleicht aus den Niederlanden kennt, dass man sich dann reinsetzen kann und direkt da, wo man kauft, ist gleich eine Bar, wo man abhängen kann. Und das ist eigentlich ein ganz cooles Konzept, wenn es so Schwierigkeiten gibt, dass dann auch jemand da ist, der einem Rat geben kann oder so. Aber was nicht erlaubt ist, ist Tabakrauch.
21:16
Also es ist auch cool reguliert und so wird es aber nicht gemacht, sondern man entscheidet sich, dass da wo gekauft wird nicht auch konsumiert werden kann. Das wird stark kritisiert von vielen, weil der Cannabis-Gebrauch soll ja nicht in irgendwie die vier Wände geholt werden, sondern auch das Soziale eigentlich gestärkt werden. Ich glaube, das wird auch in Amsterdam so geliebt oder so. Fand ich auch ganz toll so zu sehen, so
21:41
einfach sich auch willkommen fühlen zu können und nicht aus sich verstecken zu müssen, sondern einfach stattfinden zu dürfen. Das hat so eine, ich glaube, das wird auch einfach sehr geliebt oder sehr genossen, dass man einfach sein kann, ohne sich verstecken zu müssen. So eine Selbstverständlichkeit. Und das wird jetzt vielleicht nicht so stark kommen, wenn die Anbau-Clubs
22:05
wenn da der Konsum nicht direkt drinnen stattfinden kann. Andererseits finde ich es auch vorteilhaft und gut, wenn es einfach nur eine Abgabestelle ist.
22:16
Und wenn dann nicht gleichzeitig der Gebrauch dort stattfindet, weil es dann halt getrennt wird und man nicht automatisch dann in so einem sozialen Gleichauf stattfinden kann, Vorteile haben, dass man einfach nur sich sein Zeug holt und das dann woanders stattfindet. Also ich denke, es ist ja nicht verboten, jetzt dass man irgendwie direkt neben der Abgabestelle einen weiteren Raum anmietet,
22:38
und dort halt dann irgendwie eine Bar einrichtet, wo Leute zusammen konsumieren können. Also muss man nochmal drauf schauen. Aber ich glaube, das ist vielleicht… Ja, es sagt niemand, dass nicht nebenan ein Raum sein darf, wo man Cannabis gebraucht.
22:51
wo das stattfinden kann. Deswegen vielleicht kann sich das auch irgendwie so entwickeln. Die Anbau-Clubs werden einen bestimmten Abstand von Schulen haben. In Fußgängerzonen soll bis 20 Uhr kein Cannabis-Gebrauch stattfinden. Finde ich jetzt auch irgendwie, ja, kann man kritisieren, dass es halt dann wieder so verdrängt wird und nicht normalisiert wird. Aber andererseits ist es halt auch, wenn es geraucht wird, genauso wie Zigarettenrauch, es ist halt was, was aufhört.
23:16
Einfluss auf andere hat. Klar, wie viel und das ist verhältnismäßig da jetzt so ein Ding draus zu machen. Aber wenn etwas geraucht wird, ist der Rauch halt da und überträgt sich auf andere und wenn andere das stört, dann finde ich es ganz okay, das auszuhandeln, dass dann an gewissen Orten einfach der Cannabisgebrauch nicht stattfindet. Das ist okay, dass man sich, wenn man sich als Gesellschaft auf das einigt, dann würde ich da jetzt auch nicht so drauf rumreiten, sondern einfach
23:41
froh sein, wenn es jetzt überhaupt irgendwie kommt und dann kann man immer noch, können sich Dinge normalisieren, die Kultur so ein bisschen verändern und man im Nachhinein auch irgendwie anpassen, merken, okay, so eine gewisse Regel ist ein bisschen zu streng, können wir auch ein bisschen anders anhaben oder die Regel wird einfach nicht beachtet und dann, mein Gott, entwickeln sich die Dinge schon irgendwie
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Wie ist das dann, wenn ich mir dann meinen Cannabis im Cannabis-Social Club hole? Wie ist das dann von dem Preis her? Weil ich bin ja gar nicht so sicher, ein Verein, ein gemeinnütziger Verein muss sich ja irgendwie einfach nur selbst refinanzieren in dem Sinne. Mit was für Preisen hat man dann dahingehend zu rechnen? Also dürfen wir ja nicht profitorientiert handeln. Also der Selbstkostenpreis soll natürlich gedeckt sein. Also es ist so, dass ja alle Kosten, die anfallen, plus Personal und so, dass das jetzt nicht in Frage steht. Also
24:29
Das ist so ein Punkt, dann gibt es eine normale Umsatzsteuer und eine Cannabissteuer soll eingerichtet werden, die, wodurch genauso wie bei Alkohol und bei anderen irgendwie tausend Einzelsteuer
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Steuern der Stadt noch so ein zusätzliches Mittel hat, Vorgaben zu machen über den Preis. Also da ist die Überlegung, die Cannabissteuer an den THC-Wert zu koppeln, um so einen Anreiz zu schaffen, über den Preis lieber so den niedrigeren THC-Wert zu kaufen statt den höheren. Und dann ist die Cannabissteuer dann noch zusätzlich ein Instrument, dass der Staat Einfluss darauf nehmen kann, auf den Preis und der Preis soll
25:11
daran bemessen werden und auch vielleicht angepasst werden, dass er in Schwarzmarkt Höhe ist, also Höhe des illegalen Angebote. Und das ist auch, also das wird im Buch empfohlen. Das Buch wertet die zehn Jahre. Das, was wir herausgegeben haben, der Leitfaden wertet zehn Jahre Erfahrungen aus verschiedenen Staaten, in den USA hauptsächlich und Uruguay und Kanada.
25:35
Und führt da Kanada auch als Vorbild an, weil Cannabis sehr behutsam vorgeht, damit eine legale Konkurrenz zum illegalen Markt aufzubauen. Und merkt auch, illegale Strukturen haben sich halt entwickelt und manche ziehen auch das illegale Angebot vielleicht weiterhin vor, weil es gut erreichbar ist, weil man sich kennt, vielleicht auch gute Verbindungen zum Dealer aufgebaut hat und so. Also es ist jetzt nicht, dass sofort alle auf das legale Angebot
26:04
überspringen und man will jetzt als Staat nicht einen Preiskampf anfangen, um möglichst schnell die Leute davon zu überzeugen, auf den legalen Markt umzusteigen. Das wäre nicht gut. Was spricht denn gegen den Preiskampf? Wäre doch super, wenn ich irgendwie viel günstiger mein Statz bekomme. Für die Leute, die es schon gebrauchen, wäre das natürlich cool, ja, aber könnte natürlich Leute dazu einen Anreiz setzen, mehr
26:28
sich zu holen oder stärkere Sorten auszuprobieren. Einfach ein Konsumverhalten oder dass neue Leute denken, ach so, ja, dann hole ich mir schnell was und so kostet ja nichts. Die Idee ist halt, oder ich versuche es, an den Konsumgewohnheiten nichts zu ändern. Also nur die Leute in den legalen Markt zu holen, die jetzt auch schon Cannabis gebrauchen. Ist das realistisch? Ja. Wieso denn?
26:57
Naja, weil man einfach klar für manches ist dann… Also ich sage auch immer, wenn jetzt Leute, die bisher kein Cannabis gebraucht haben und jetzt irgendwie mal das ausprobieren wollen, weil es jetzt legal ist, das ist völlig okay, das ist nichts Schlechtes. Das ist cool, wenn es eine gewisse Gruppe an Menschen geben, die sagen, ja, ich habe es bisher noch nicht gemacht, weil ich will keinen Kontakt zu den illegalen Strukturen haben oder ich kenne vielleicht niemanden, weil ich da nicht reingewachsen bin, irgendwie Leute zu kennen, die illegale Sachen machen.
27:25
oder wollte mich absichtlich davon fernhalten oder wegen der Qualität halte ich mich lieber zurück, weil ich nicht weiß, was ich da nutze. Dass die jetzt sagen: „Hey, wenn es jetzt ein legales Angebot gibt, will ich da irgendwie Teil davon sein. Das finde ich spannend. Ich kann irgendwie einen niedrigen Potenzial, also einen niedrigen Wirkstoffanteil mir holen und das könnte gut für mich funktionieren. Das ist völlig okay. Das ist total cool.“
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Da wird immer so geshamed von wegen, ja, es darf keine zusätzlichen Nutzer geben und so. Das halte ich für Quatsch. Es ist völlig okay, dass diese Gruppe das ausprobiert und für sich herausfindet, ob das was…
27:59
Aber man möchte halt jetzt nicht irgendwie den großen Trend auslösen und sagen so, hey, das gibt es jetzt geschenkt oder sonst was. Oder irgendwie wie in den USA, wenn du eine Impfung dir holst, dann kriegst du auch ein Joint geschenkt. Also sowas wäre nicht gut. Ja, absolut. Und ich meine, ich glaube, wenn man die Zahlen anschaut, ist es ja schon so, dass es vielleicht am Anfang einen kleinen Anstieg gibt. Und man muss sich halt einfach auch auf das Große und Ganze konzentrieren und wie sich das entwickelt. Weil eine Kultur und eine Konsumkultur entwickelt sich ja. Und wir haben halt jetzt auch irgendwo das Schöne,
28:28
Wenn wir das jetzt zum Beispiel mit Alkohol vergleichen, ist es schon so, wir brauchen da grundlegend eine Veränderung in der Kultur. Wir haben eine sehr konsumfördernde Alkoholkultur, wo es immer darüber geht, höher, mehr, weiter, wo Überkonsum auch super positiv verstärkt wird.
28:45
Und wir haben jetzt die Chance bei Cannabis bei null anzufangen, wäre falsch, weil es wird ja schon konsumiert. Aber eben jetzt mit ganz neu, mit neuen Gesetzgebungen eine Kultur zu bilden und dass Leute auch neugierig sind und Teil dieser Kultur sein sollen, ist ja erstmal auch nichts Schlechtes. Und die fangen ja, wenn sie anfangen, auch mit deutlichen besseren Bedingungen an, als die Menschen, die im illegalisierten Markt eingekauft haben.
29:08
Ja, genau. Man kann sich einfach die Dosis auch aussuchen und sich rantasten. Sich einfach sicher rantasten. Das macht man ja im illegalen Bereich auch, dass man versucht, wenn man sich nicht alles reinschmeißt, was gerade irgendwie da ist, ist ja der beste Safer-Use-Tipp, auf sich ranzutasten und für sich selbst herauszufinden, wie wirkt das bei mir, welche Dosis, in welchem Umfeld.
29:33
Und das mit Cannabis für sich rauszufinden, vielleicht auch neu rauszufinden. Also ich werde ehrlich gesagt auch, glaube ich, nochmal so neu auf Entdeckungsreise gehen, weil ich einfach, glaube ich, ganz anders rangehen würde an Cannabis-Gebrauch.
29:48
wenn ich ein besseres Gefühl hätte für die Dosis. Da freue ich mich drauf, ehrlich gesagt. Das ist für mich auch… Ich werde auch jemand sein, die dann, wenn es legal ist, noch mal mehr, erst mal mehr nutzen wird, als ich es jetzt im Illegalen mache. Nee, und das ist ja auch total verständlich. Ich sage halt auch immer, es ist immer leicht…
30:10
auch damit zu vergleichen, wenn Alkohol illegalisiert wird, man wüsste ja nie, wie viel Prozent das hat. Man hat so ab und zu Richthöhen, aber es ist halt nicht verlässlich. Und genauso ist ein illegaler Markt bei Cannabis nur halt spezifisch auf diese Substanz, dass es einfach nicht ganz und so gut zu steuern ist, weil man halt eben diese Kontrolle nicht hat. Musik
30:31
Wenn wir jetzt auf die Social Clubs mal anschauen, werden da nur oder ist da geplant, dass da nur Blüten verkauft werden oder was wird da noch verkauft? Also sind Edibles, also zum, vielleicht für die Leute, die nicht wissen, was Edibles sind, das sind eben Cannabisprodukte, die man in der Regel essen kann, wie Cookies oder Brownies oder ähnliches. Ist da sowas in die Richtung auch geplant? Nee, das nicht. Also Blüten und Harz, die zwei Hauptformen.
30:55
passt sich glaube ich auch ganz gut an das dann also es wird noch diskutiert ob es eine obergrenze geben soll und wo die liegen soll aber ich glaube da auch da schaut man eigentlich sehr sinnvoll darauf sich an das anzupassen wo die nachfrage sich jetzt befindet also auch keine neuen produkte zu schaffen die jetzt noch nicht üblich sind und edibles sind halt für einige leute sehr normales und cooles und sehr üblich ist
31:24
Aber möglicherweise ist es doch was, wo Leute sagen würden, ach ja, dann probiere ich meinen Brownie aus, habe ich bisher noch nicht. Und ich glaube, es wird im Buch ganz stark empfohlen, auch im Zweifel erstmal zuzusehen,
31:38
wirklich da anzusetzen, wo die Konsumgewohnheiten jetzt sind und neue Dinge erst später einzuführen. Also in Kanada wurden Edibles mit einer Verzögerung eingeführt. Aus diesem Grund, dass man erst mal sich darauf fokussiert, diese üblichen Verwendungsformen legal anzubieten und dann erst mit den Edibles anfängt und nicht gleich irgendwie da jetzt ein attraktives neues Produkt einführt.
32:08
Wie schaut es denn eigentlich auch mit der Altersbeschränkung aus? Also wer darf in so einen Cannabis-Social-Club? Ist da 18 die Grenze? Wird die höher gesetzt auf 21? Was ist denn da in Planung? Ja, 18. Also man passt sich grundsätzlich an den Jugendschutz in Deutschland an, wo der jetzt auch verhandelt ist.
32:31
dass man sagt, mit 18 sind die Leute halt erwachsen. Und das ist auch was, was im Buch empfohlen wird, sich da an einem Land anzupassen. Weil wenn man das nicht macht, also wenn man jetzt zum Beispiel in Deutschland sagen würde, es ist alles ab 21, dann würde es wohl zwei Effekte haben können. Das eine ist natürlich, dass Leute unter 21 sich weiterhin illegal eindecken und man sie damit alleine lässt. Und das ist ja gerade eine Phase, wo man eigentlich will, dass junge Leute nicht irgendwie schlechtes Zeug zu sich nehmen und sich schädigen, sondern halt eher…
33:00
Wenn dann die gute Qualität sich unerlaubt holen, so wie bei Alkohol dann auch irgendwie, kommen ja junge Leute, kommen wir auch genügend ran, obwohl wir nicht 18 waren oder 16. Also ja, das könnte das eine sein, dass halt junge Leute damit alleine gelassen werden und das andere ist, dass es einen Anreiz gibt, so wie jetzt auch,
33:19
mit dem HHC, ja, dass junge Leute halt dann das verwenden, was legal irgendwie verfügbar ist, was aber potenziell viel schädlicher ist. Dass es einen Anreiz gibt oder dass halt junge Leute eher dann, dass sie einen Anreiz haben, mit Alkohol halt zu feiern und Cannabis weniger
33:35
stattfindet im Vergleich. Also wenn jetzt in Deutschland grundsätzlich alles ab 21 wäre, wenn wir so ein Land wären, dann wäre es vielleicht sinnvoll, sich daran anzupassen, weil irgendwie alle es gewöhnt sind, sich so danach zu verhalten und eine Grenze zu setzen. Junge Leute auch wissen, woran sie sind. Aber da jetzt einen Unterschied zu machen, sodass dann Alkohol ab 18 zugänglich ist, legal, und Cannabis ab 21 hätte jetzt keinen, hätte insofern ja wahrscheinliche Risiken,
34:01
dass es für die jungen Leute noch mal mehr heißen würde, naja, okay, dann feiern wir 18 bis 21 erst mal mit Alkohol und danach kommt dann Cannabis oder sie haben halt in der Zeit die Leute, die trotzdem Cannabis wollen, kommen an das schlechte Zeug vielleicht mehr ran.
34:15
Nee, total verständlich. Kurzer Einwurf, falls ihr nicht wisst, was HHC ist, schaut gerne mal in meine Folge 55 vorbei. Da rede ich mit dem Fabi Peter Steinmetz darüber, was genau HHC ist, nur als kleiner Einwurf. Wie schaut es denn mit den Leuten, Feline, unter 18 aus, wenn die trotzdem Cannabis konsumieren? Was sind denn die Konsequenzen, die die dann zu erwarten haben? Ja, wieder ein sehr wichtiger Punkt, wo wir drauf schauen müssen, wie dann das Gesetz formuliert ist, was abgestimmt werden soll und
34:43
und ob man da noch versuchen sollte zu intervenieren. Also jetzt in den Eckpunkten hört es sich sehr milde an und was man vernehmen kann, ist, dass junge Leute, die mit Cannabis erwischt werden, in so ein FRED-Programm geschickt werden, also in diese
35:01
Frühintervention für erst auffällige Drogenkonsumierende haben wir auch bei uns im Verein. Dafür steht FRED. Also falls ihr das nicht mitgeschnitten habt, FRÜH, also FREH, ja, ich glaube, das ist obvious.
35:14
Ja, es sind so Programme, wo halt junge Leute hingeschickt werden, um sich was anzuhören, was Cannabis bedeutet. Ich glaube, das ist auch regional sehr unterschiedlich in der Qualität. Es kann cool durchgeführt werden, dass junge Leute was davon haben. Ich habe auch viel Kritik gehört, wie auch immer. Es gibt diese Programme, dass junge Leute einfach die Möglichkeit haben, Gespräch zu führen über ihren Cannabis-Gebrauch und auch die Möglichkeit haben,
35:36
Also ich finde es als Intervention auch ganz spannend, wenn junge Leute einfach mal die Möglichkeit haben, mit einem Erwachsenen zu sprechen und Fragen beantwortet zu bekommen. So finde ich in der Verantwortung von Erwachsenen auch da Informationen bereitzustellen. Ich glaube, es braucht halt eine gewisse Qualitätskontrolle. Wie auch immer, das interessiert mich eigentlich gar nicht so stark. Was mich interessiert, ist,
35:56
dass Mechanismen rausgehalten werden, also dass die Polizei aus der Sache rausgehalten bleibt. Also jetzt hört es sich so an, als ob die Polizei da nichts zu suchen hat. Und das ist gut. Aber es könnten noch so Argumente kommen von wegen, dass sehr stark, also dass die Strafen hochgesetzt werden für Menschen, die Cannabis an Minderjährige abgeben. Und das wäre nicht gut. Warum? Also es scheint erstens, es ist ein Anlass gäbe, dass die Polizei Überprüfungen durchführt.
36:26
in einem Bereich, der sich gesellschaftlich sehr gut aushandeln lässt. Und wenn die Polizei die Möglichkeit hat, auf ihren eigenen Verdacht hin loszugehen, wie bei Cannabis jetzt auch. Es wäre ja nichts, wo jemand die Polizei anruft und sagt, ich bin minderjährig und mir hat jemand Cannabis abgegeben. Das wird nicht passieren, sondern die Polizei wird von sich aus tätig und überprüft,
36:54
Ist da eine Straftat? Hat die da stattgefunden oder nicht? Das ist genauso jetzt das Problem bei Cannabis, dass niemand anruft, ich habe gerade mit einem Dealer Cannabis erworben und bitte Polizei, komm mal. So wie bei anderen Sachen im Strafgesetzbuch. Sondern die Polizei wird von sich aus tätig und das eröffnet halt die Tür für Willkür.
37:15
weil die Polizei nicht überall gleichzeitig ist. Und das ist wichtig, dass wir das loswerden. Also deswegen nichts Neues einführen, was nicht nötig ist. Und das ist insofern nicht nötig, weil man anerkennen muss, dass Leute unter 18 ja trotzdem sich nicht an die Regeln halten, genauso wie jetzt auch zukünftig Cannabis konsumieren wollen. Es findet einfach statt.
37:40
Man will ja so ein bisschen so, okay, wenn ihr euch schon nicht an die Regeln haltet, dann schaut wenigstens, dass ihr an das saubere Gras kommt und nicht illegal weiterhin einkauft. Also einerseits wegen der schlechten Qualität. Man will ja auch nicht, dass junge Leute in Kontakt mit illegalen Strukturen kommen. Was dann wieder dazu führen kann, dass manche junge Leute erfahren, okay, hier kann ich vielleicht, wenn ich hier noch dies und das so ein bisschen verkaufe, kann ich mir…
38:05
was leisten, irgendwie die schönen Markenklamotten oder so, die ich mir sonst nicht leisten kann. Also solche Dinge sollen ja auch nicht stattfinden. Diese Nähe sollen junge Leute nicht haben zum illegalen Markt. Und deswegen muss man so irgendwie anerkennen, dass es keine perfekte Lösung ist. Also ein bisschen wegschauen, akzeptieren, damit junge Leute wenigstens, wenn sie sich nicht daran halten,
38:30
so das geringere Übel passiert. Ja, und ich meine, wir haben die Situation schon mit Alkohol, wie du schon sagst. Also wir haben, das ist ja nichts Neues. So klar, man kann in Deutschland ab 16 sich Alkohol kaufen und Alkohol konsumieren, trotz allem
38:42
Passiert ist auch schon vor 16 und auch ohne Begleitung der Eltern, was ja auch noch erlaubt wäre. Aber das passiert ja schon und dementsprechend ist ja auch nichts komplett Neues für uns. Und das kann man ja auch einfach an Cannabis weiter anwenden und gucken und halt unserer Fürsorge und Erziehungspflicht im Prinzip nachkommen in irgendeiner Art und Weise.
39:03
Aber da jetzt hat keine, also nicht, wie du schon sagst, nicht zu versuchen, das weiter irgendwie mit dem Hammer durchzuprügeln, weil es wird eh passieren und damit muss man sich grundlegend erstmal abfinden, weil es halt auch einfach Teil des Jugendalters ist, Sachen auszuprobieren. Das ist jetzt auch nichts Neues. Also das passiert ja nicht nur und das passiert ja auch jetzt schon. Es gibt ja auch jetzt schon Menschen unter 18, die Cannabis konsumieren. Ich finde auch, man sollte sie mitreden lassen. Also bei uns bei MyBromaChoice machen wir auch stark so von wegen, hey,
39:32
Sprecht doch mit uns oder verschafft uns die Möglichkeit. Man spricht halt immer nur über die jungen Leute und gleichzeitig ist es schwierig, die Meinungen von jungen Leuten einzuholen. Wenn man sie als Erwachsener fragt, so okay, hey, du machst was, was du vor uns verheimlichen möchtest, jetzt wollen wir aber deine Meinung darüber hören.
39:50
was am besten wäre, wie wir jetzt als Erwachsene ein Cannabis-Gesetz machen. Also es ist auch irgendwie ein bisschen Konflikt, das ist nicht Aufgabe der jungen Leute und trotzdem wissen die halt am besten, was bei ihnen gerade abgeht und was helfen würde. Wenn ich das jetzt mal so ein bisschen zusammenfasse, habe ich aber schon das Gefühl, dass bei diesen Cannabis-Social-Clubs dieses Überthema, was wir eigentlich haben, das Geschäft mit der Sucht,
40:16
eigentlich nicht wirklich vorhanden ist. Wir haben da klare Regulierungen. Das wird im Verein verkauft, die sind nicht profitorientiert. Edibles werden jetzt erstmal nicht eingeführt, also auch keine neuen Produkte kommen mit auf den Markt. Es wird sich an den Preis vom Schwarzmarkt angepasst. Also da sind viele, viele Punkte drin, wo ich jetzt so von außen betrachtet sagen würde, hey, hier geht es wirklich um
40:40
hier sind irgendwo die Konsumenten, Konsumentinnen im Blick. Wir wollen denen ein legales Angebot machen, damit sozusagen der Cannabiskonsum reguliert und sicher stattfinden kann. Das schaut ja aber dann schon wieder ein bisschen anders aus, wenn wir jetzt in die Modellprojekte schauen. Schätzt du das dann ein, dass wir da dann eigentlich wirklich deutlich krasser in diese Kommerzialisierung gehen und dieses, okay, verkaufen, verkaufen, verkaufen? Oder ist das so ein bisschen unbegründete Angst?
41:07
Es kommt extrem drauf an. Also es liegt ja dann in den Händen von den Bundesländern, was sie machen wollen. Es wird vor fünf Jahren sollen die Modellprojekte dann jeweils laufen und wissenschaftlich begleitet werden. Das ist die Bedingung, die gesetzt wird. Und dass halt eine Lieferkette aufgebaut wird von der Herstellung über Vertrieb und die Läden dann. Und da kann es schon bedeuten…
41:36
dass dann so das Großkapital so lauert und sagt: „Okay, da gehen wir jetzt rein, da können wir uns verwirklichen.“ Also so Schranken, die man einbauen könnte, ist ein Verbot der vertikalen Integration. Das heißt, dass ein Unternehmen nicht gleichzeitig Anbau, Vertrieb und Verkauf machen darf. Also man könnte zum Beispiel eine Behörde zwischenschalten, die die einzige Abnehmerin ist.
42:03
Also dass es den freien Markt oder einen Wettbewerbsmarkt in der Produktion geben darf. Und die liefern aber halt nur, dürfen nur an diese Behörde liefern und die Behörde gibt es dann weiter an die Stellen. Und die Behörde hat dann darüber die Macht über den Gesetzgeber oder die Regierung die Befugnis zu bestimmen,
42:29
wie hoch ein bestimmter THC-Wert maximal sein darf, damit es in die Läden überhaupt erst darf. Oder es gibt eine Kontrolle darüber, dass alles wirklich, also dass keine Werbung auf der Verpackung drauf ist, dass die Vorgaben zur Verpackung eingehalten werden. Es ist einfach eine Kontrollinstanz,
42:48
Dazwischen, das wäre so eine Entschärfung, wäre sinnvoll. Ich weiß aber nicht, ob jetzt die Bundesregierung das den Modellprojekten auf Landesebene überhaupt vorschreiben kann. Ich vermute, dass das schwierig sein könnte. Das heißt also im Prinzip auch, dass Cannabis Social Clubs, finde ich, irgendwie ziemlich greifbar von den Ideen, die dahingehend fließen sollen sind.
43:11
Aber die Modellprojekte, das wird auch noch ein bisschen eine Wundertüte, was das jetzt im Prinzip draus wird. Und da müssen wir einfach auch ein bisschen gucken, was in den fünf Jahren sich entwickelt und dass man schon versucht, Kontrollinstanzen reinzubekommen, aber man noch nicht so wirklich abschätzen kann, wie das sich eigentlich entwickelt. Ja, ich glaube, das Spannende ist es für mich zu beobachten, was auch…
43:33
wie sich die PolitikerInnen in den Bundesländern verändern. Ob es dann, also jetzt ist ja NRW und Bayern so schießt komplett dagegen, aber ob die sich irgendwann wenden und sagen, hey, wir wollen aber irgendwie, dass das
43:46
unsere irgendwie in Bayern zum Beispiel als Landwirtschaftsland, dass unsere Bauern davon profitieren und was Tolles draus machen können. Ob das dann irgendwie in diese Richtung umschwenkt, dass man da von der jetzigen kompletten Ablehnung dann dahin kommt, wie können wir jetzt das Beste für uns draus machen. Ich kann es mir so gut vorstellen. Ich kann es mir so gut vorstellen. Ich komme ja aus Franken. Ich komme auch vom Bauernhof.
44:13
So, wir haben so eine große landwirtschaftliche Kulturlandwirtschaft, ist so ein großer Teil. Bayern ist auch das Bundesland mit den meisten Traktoren in Deutschland. Weirder Funfact am Rande. Und das ist, ich sag dir, in fünf Jahren reden wir drüber und Söder…
44:32
hier richtig pro und so. Kann ich mir richtig gut vorstellen. Ja, ich komme aus, also ich habe Verwandtschaft in Niederbayern und Oberbayern und ich kenne auch diese Haltung von wegen, ja alles, wir lehnen das jetzt erstmal ab, weil das ist vielleicht nicht gut für uns und dann überlegen wir uns, was ist gut für uns. Und dann eignen wir uns es an und fanden das schon immer gut. Also das kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass es schwankt.
45:00
Jetzt ist es als politisches Thema sehr nützlich, um da Populismus zu betreiben. Aber ja, die bayerischen Landwirte sind ja da auch, manche sehr aufgeschlossen und sagen, ja, das ist doch ein tolles Ding, das wollen wir anbauen und so. Also das wird, glaube ich, ganz spannend, dass sich da auch das sozusagen kulturell verändert. Wo wir gerade bei Populismus sind. Es waren natürlich erst die Bayern, die lautstark gewarnt haben, dass wir bald
45:28
Dass wir dadurch halt eben Cannabis-Tourismus bekommen und dass an den Grenzen dann der Cannabis-Tourismus aufblüht durch die Legalisierung. Und vor drei Tagen war das ja auch wieder in den Medien, dass Baden-Württemberg sich da super Sorgen macht an der rheinischen Grenze. Wie schätzt du das Thema? Ich meine, Cannabis-Tourismus hört man auch von den Niederlanden immer mal wieder. Wie schätzt du das Thema ein? Ist das relevant? Ja, aber also…
45:52
Kann schon sein. Ich meine, in Amsterdam ist es ja auch so. Aber in Amsterdam gibt es auch welche, die einfach sagen, wir müssen hier die ganze Cannabiskultur abschaffen. Und andere halten halt dagegen und sagen so, hey, wenn es irgendwie konkret Probleme mit Touristen gibt, dann kann man ja irgendwelche Regulierungen finden.
46:09
Wie zum Beispiel, dass an gewissen Plätzen draußen nicht geraucht werden soll. Das ist alles gut eingrenzbar und gut handelbar und trotzdem ist es immer für eine populistische Schlammschlacht dann wieder gut, von wegen die Cannabis-Touristen bringen Probleme zu uns. Es wird immer ausgehandelt, ob der Tourismus da jetzt gewollt ist oder nicht und was die konkreten Probleme jetzt sind, die es vielleicht gibt. So laute Touris oder so, die keinen Respekt haben.
46:36
davor, dass da auch Menschen wohnen und solche Sachen. Wie stark das jetzt mit dem Cannabis an sich zusammenhängt, ist wieder fraglich, aber es wird auch gerne noch damit verbunden. Also ich glaube, diese Debatten, die werden wir dann wahrscheinlich auch irgendwo führen. Naja, an den Grenzen das Ganze abzuhalten, dass dann Leute es irgendwie ins andere Land dann rübernehmen und da mehr Kontrollen aufzubauen,
46:57
wird im Buch auch davon abgeraten und daran erinnert, dass es ja jetzt schon nicht funktioniert. Und dass jetzt schon diese Grenzkontrollen einfach nicht verhältnismäßig dazu stehen, dass Leute sich halt aus einem anderen Land ein bisschen Cannabis mitnehmen. Meine Güte, das sollen wir nicht übertreiben und lieber einfach irgendwie drauf schauen, dass manche Städte vielleicht vom Cannabistorismus vielleicht profitieren können auch.
47:21
Also es wird jetzt nicht für alle Städte in Frage kommen, aber vielleicht welche, die irgendwie gut gelegen sind zu Nachbarländern, dass da irgendwie die Stadtgesellschaft auch Lust hat, sich einen Tourismus aufzubauen mit Touristen, die in der Regel eigentlich sehr angenehm sind und wertschätzen und auch einfach es genießen, da auch einfach sein zu können sozusagen, was man auch in Amsterdam genießt. Und vielleicht, wenn manche Städte aber irgendwie Stadtgesellschaft sagt, wir möchten es bei uns nicht haben, dann gibt es halt einfach keinen Grund,
47:50
dann sollen die halt entscheiden, dass es bei ihnen keinen Shop gibt. Oder dass man sich registrieren muss, dass man halt den deutschen Pass hat, um was kaufen zu können oder so. Es kann sein, dass wenn eine Stadt auch damit einlädt, von wegen hier kann man toll kiffen, dann natürlich kommen dann Leute. Ich glaube auch, das kann sich gesellschaftlich gut verändern.
48:10
kann gut ausgehandelt werden und auch gut begrenzt werden, wenn man das möchte. Man kann sich ja München zu Rate ziehen. Ich meine, die haben ja auf jeden Fall die meiste Erfahrung mit wirklich extremem Alkoholtourismus im Oktober, was ja auch einige Schwierigkeiten mit sich bringt. Die können bestimmt eine gute Expertise stellen, um vielleicht mit Drogentourismus umzugehen ist.
48:35
Ja, einfach eine Woche lang komplett ignorieren und dann froh sein, so manche überlassen ja dann auch einfach die Stadt für diese Woche, um dann wieder zurückzukommen, wenn es vorbei ist. Und ja, dann hat man ein bisschen Geld auch eingenommen als Stadt und manche von dem Tourismus profitieren davon, dass irgendwie von den hohen Trinkgeldern oder dass halt die Gastronomie da steil geht in der Zeit. Man arrangiert sich halt damit und ja, natürlich wäre es gut, wenn auf dem Oktoberfest bestimmte Probleme dann auch
49:04
wenn hier stattfinden würden und schlechtem Verhalten auf Alkohol nicht so viel Raum gegeben wird. Also das ist auch viel Luft nach oben. Aber man sieht auch, dass eine Stadt sich irgendwie damit arrangieren kann und den Rest des Jahres halt sich auch wieder total bieder und
49:19
verhält und da gewisse Verhaltensweisen halt überhaupt nicht akzeptiert sind. Ja, eben. Ich meinte, ich habe das Beispiel auch auf jeden Fall deswegen mit reingeworfen, weil es gibt ja schon Drogentourismus in Deutschland, weil wir einfach verschiedene Sachen haben, wo bei uns halt der Bier- und Alkoholkonsum absolut im Mittelpunkt steht und damit wird ja auch umgegangen. Dementsprechend gibt es da vielleicht schon Konzepte, die mehr oder weniger gut sind, von was man lernen kann. Werbung
49:47
Feline, ich bin schon ziemlich am Ende. Ich hätte eigentlich nur noch eine kleine Abschlussfrage, die auch gar nicht vielleicht so einfach ist. Und zwar, wir zwei sind wahrscheinlich auch ziemlich in einer Bubble unterwegs. Deswegen würde ich dich gerne mal fragen, was bringt denn die Legalisierung von Cannabis für alle, auch die damit eigentlich nicht so viel zu tun haben?
50:12
Ja, also erstmal, dass viele Leute, die bisher Berührungsängste hatten, weil es illegal ist, den Zugang gewinnen.
50:22
Also das finde ich wirklich auch was Positives, was man sagen darf und beruhigen darf. Es ist okay, einfach die Möglichkeit zu haben, das auszuprobieren. Wir sind ja erwachsen so und wieso sollte es uns nicht zustehen, irgendwie etwas, was aus dem Boden wächst, auszuprobieren und irgendwie schön für uns verfügbar zu machen und dass alle was davon haben, wenn sie möchten. Und das nicht andersrum formuliert denen vorbehalten ist, die früh aus irgendwelchen Gründen entschieden haben, was Illegales zu machen oder die Kontakte dazu haben, wo das Cannabis halt einfach
50:51
sehr leicht verfügbar ist. Das so ein bisschen aufzuweichen und für alle einfach zugänglich zu machen, gleichermaßen finde ich einen gesellschaftlichen Gewinn. Und dann hoffe ich auf eine starke Normalisierung von Cannabis, dass man gesellschaftlich begreift, dass ein Umgang mit Cannabis funktioniert.
51:13
Einer mit sehr viel weniger Angst. Also ich habe die Hoffnung darauf oder die Erwartung, dass die Angst in Familien viel weniger werden kann. Dass diese
51:25
extreme Panik von Eltern. Oh mein Gott, wenn sie zum Beispiel, wenn sie mitkriegen, mein Kind hat einen Freundeskreis, wo Cannabis übrig ist oder es riecht danach, dass sie dann extreme Panik kriegen und nicht wissen, was es bedeutet. Das ist so traurig und schade. Und das würde ich, also das hoffe ich, dass sich verbessert, dass wirklich sehr viel weniger Angst da ist und weniger Scham, dass wenn es Schwierigkeiten gibt, dass dann Leute auch einfach
51:54
ohne Scham einfach Hilfe annehmen können, weil sie viel leichter zugänglich ist. Wenn man zum Beispiel in Anbau-Clubs, da muss eine Person immer da sein, die sich auskennt mit Safer Use oder mit Fragen zu Sucht oder wenn man Schwierigkeiten hat. Man hat immer Ansprechpartner, sie sind verpflichtet, in Verbindung zu stehen mit den lokalen Suchthilfestellen oder Drogenhilfeangeboten. Also das ist natürlich für die Leute, die es wahrnehmen, aber ich glaube, es hat einen ganz großen gesellschaftlichen Effekt, diese Panik und diese Angst um das Thema rauszunehmen.
52:23
Das würde ich mir wirklich hoffen und wünschen. Ja, auf jeden Fall. Und da sagst du halt echt, was war es? Weil es ist einfach so viel, ja, so viel Unwissenheit noch am Start. Und durch eine Legalisierung können wir gesamtgesellschaftlich eine Substanz, die eh schon stattfindet, lernen einzuordnen und einen Rahmen zu geben.
52:43
Feline, wir sind am Ende und hier ist Platz für deine Eigenwerbung. Was möchtest du gerne loswerden? Vielleicht stelle ich dir die Sachen vor, die wir gerade bei My Bromance Choice machen. Also das eine ist, dass wir dieses Cannabis-Buch rausgegeben haben, das unter www.legalisierung.info frei als E-Book abrufbar ist.
53:06
Das andere Thema, was wir haben, ist die Entkriminalisierung. Von einem Jahr haben wir 13 Forderungen aufgestellt, die aufschlüsseln, an welchen Stellen sich was ändern muss für eine umfassende Entkriminalisierung. Die pushen wir jetzt auch wieder diesen Sommer und das wird ziemlich cool, weil wir die so als das Nächste veröffentlichen.
53:29
Nach der Debatte um die Cannabis-Legalisierung muss es weitergehen oder parallel dazu schon. Und was schon ansteht und wo der Konsens eigentlich schon groß ist, ist, dass wir über die Entkriminalisierung aller Menschen, die Drogen nehmen, sprechen müssen, inklusive Kleindealer. Da haben wir die Vorarbeit gelassen und das werden wir jetzt diesen Sommer pushen.
53:50
Und was anderes Neues ist, ist zum Thema Entstigmatisierung. Unter www.gegen-stigma.de haben wir unsere Broschüre jetzt rausgebracht. Die gibt es in verschiedenen Formaten. Also das eine ist ein Faltblatt, was man auffalten kann als Plakat. Das ist bestellbar über den Webshop der Deutschen Aidshilfe, die Kooperationspartner sind. Also kostenlos, aber die machen den Versand. Das heißt, gerne einfach bestellen, so viele man brauchen kann.
54:19
Es gibt es eingesprochen, jetzt auch seit neuestem sind wir überall da, wo es Podcasts gibt. Also mal Bremer Choice eingeben. Da kann man sich den Leitfaden anhören und auf der Website an sich auch sehen. Also wir versuchen, den maximal zugänglich zu machen. Und es geht um Drogen und Sprache. Da kommen wir auch einer Nachfrage nach.
54:41
einen Reformstau sozusagen, dass man endlich auch, was in anderen gesellschaftlichen Bereichen schon gemacht wurde, dass man sich kritisch mit der Sprache auseinandersetzt, ob die überhaupt ein Problem treffend beschreibt, ob sie den Menschen gerecht wird oder so, dass wir das jetzt auch aufholen und anbieten und auch das ist ein Thema, was für uns diesen Sommer im Vordergrund steht.
55:03
Und sonst ja, einfach Newsletter abonnieren unter www.mybrammerchoice.de slash Newsletter. Dann verpasst man auch nichts und kriegt auch die Aufrufe zum Mitmachen oder Sticker verteilen und alles kriegt man dann auch als erstes mit.
55:21
Ja, danke, Feline, für die Einblicke. Alle Links packe ich euch in die Shownotes, beziehungsweise sind sie im Artikel verlinkt, der auf meiner Website erscheint. Muss ich mal gucken. Ich habe nämlich gemerkt, die Shownotes sind begrenzt in den Zeichen. Das wusste ich ganz lange nicht, bis ich versucht habe, alle meine Quellen einzutragen und gemerkt habe, die lassen mich das gar nicht. Aber ihr findet auf jeden Fall alle Links. Ich verlinke das logisch. Und dann, Feline…
55:44
Erstmal vielen, vielen lieben Dank für deine Arbeit im Allgemeinen. Es ist so großartig, wie du dich dafür einsetzt, dein Aktivismus. Ich ziehe meinen imaginären Hut vor dir. Ich finde es richtig, richtig geil. Und danke, dass du heute Teil meines Podcasts warst. Dankeschön, war nett. Ich freue mich sehr, dass wir diese Folge gemacht haben. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stefanie Bötsch.
56:22
Musik

