In dieser zweiten Cannabis-Folge von Psychoaktiv geht es um Cannabis als psychoaktive Substanz: Welche Wirkungen können erwünscht sein, welche Risiken gibt es und wie lässt sich Cannabiskonsum fachlich einordnen? Die Folge erklärt, warum Cannabis je nach Person, Dosis, Konsumform, Set und Setting sehr unterschiedlich wirken kann. Neben angenehmen Effekten wie Entspannung, intensiverer Wahrnehmung, gesteigertem Appetit oder Kreativität werden auch akute Nebenwirkungen wie Angst, Panik, Kreislaufprobleme, Reizüberflutung und Konzentrationsprobleme eingeordnet. Außerdem wird verständlich erklärt, wie THC im Gehirn wirkt, welche Rolle das körpereigene Cannabinoidsystem spielt und warum das Belohnungssystem bei der Wirkung von Cannabis eine zentrale Rolle einnimmt.
Darüber hinaus behandelt die Folge Langzeitrisiken, frühe Konsummuster, Schwangerschaft, Psychoserisiken, Abhängigkeitsentwicklung und Mischkonsum. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Unterscheidung zwischen risikoärmeren und riskanteren Konsummustern sowie auf der Frage, warum täglicher Konsum nicht automatisch eine Abhängigkeit bedeutet, aber das Risiko dafür deutlich erhöhen kann. Auch die lange Nachweisbarkeit von Cannabis im Urin, Blut, Speichel und Haaren wird erklärt – einschließlich der Bedeutung für Führerschein und Straßenverkehr. Die Folge ergänzt damit den ersten Cannabis-Teil und hilft, Cannabis differenziert zu betrachten: nicht verharmlosend, aber auch nicht dramatisierend, sondern mit Blick auf Wirkung, Kontext und individuelle Risiken.
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Cannabis Teil 2 – Wirkung, Konsummuster, Nachweisbarkeit
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PODCAST-METADATEN
Folge: 16
Erscheinungsdatum: 11.02.2021
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Cannabis Teil 2 – Wirkung, Konsummuster, Nachweisbarkeit
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
00:11
Psychoaktiv. Euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi. Zieht’s euch rein!
00:22
Hallo Leute, willkommen bei der zweiten Folge meiner super Mini-Serie zu Cannabis. Meine Serie besteht aus zwei Folgen. Nennt man das dann schon eine Serie? Ich glaube, eine Serie ist ab drei. Egal, bei meiner Doppelfolge Cannabis sind wir jetzt auf jeden Fall bei der zweiten Folge angekommen. In der ersten Folge haben wir uns grundlegend mit den Begrifflichkeiten rund um Cannabis beschäftigt, aus was eine Cannabispflanze besteht, was sie für eine Cannabispflanze ist und was sie für eine Cannabispflanze ist.
00:48
wie welcher Teil von der Cannabis-Pflanze genutzt wird. Wir haben uns die extremst reiche Cannabis-Geschichte angeschaut und wie es zu einer Illegalisierung kam bzw. wie die sich entwickelt hat. Und wir hatten uns Cannabis als Medizin angeschaut.
01:06
Diese Themen werden in dieser Folge logischerweise nicht mehr vorkommen. Wen das interessiert, hört bitte in die erste Cannabis-Folge rein. Sonst dürfte aber trotzdem die Folge hier einigermaßen selbsterklärend sein. Und ja, dann starten wir gleich mal rein. Heute wird es maßgeblich um Cannabis als psychoaktive Substanz gehen. Also wir schauen uns die Substanz an und starten deswegen auch gleich mal mit der positiven Wirkung, also der erwünschten Wirkung.
01:35
Musik
01:38
Wenn wir uns erwünschte Wirkungen, positive Wirkungen anschauen, ist es erstmal wichtig zu sagen, dass jede Substanz auf die einzelne Person anders wirken kann. Und das liegt eben maßgeblich damit zusammen, wie man eine Substanz konsumiert. Konsumiert man die bewusst? Achtet man auf ein ordentliches Set-Setting? Was das genau ist, findet ihr in der Kakao-Folge. Also Set-Setting bedeutet in aller Kürze sozusagen die innere Einstellung zur Substanz und die Umgebung in Wärmeentwicklung.
02:07
welcher man die konsumiert und wie bin ich auf den Rausch vorbereitet, mische ich es vielleicht mit anderen Substanzen. Das sind einige Faktoren, die auf die Wirkung einwirken können, plus eben auch Genetik. Genau, das muss man einfach mit einberechnen, wenn man von positiven Wirkungen, aber auch von den Nebenwirkungen redet. Genug vorab Informationen, starten wir mit der positiven Wirkung.
02:35
Zur positiven Wirkung von Cannabis zählt einmal eine gelöste Stimmung. Man ist gut drauf, man ist heiter. Außerdem kann man kommunikativer werden. Es fällt einem leichter, mit anderen zu reden, mit anderen in Kontakt zu kommen. Es wirkt ein wenig wie ein sozialer Schmierstoff. Auf der anderen Seite kann Cannabis auch sehr entspannen und beruhigen und man fühlt sich sehr, sehr wohl in seiner Haut.
03:00
Außerdem reagiert man sensibler auf optische und akustische genauso wie physische Reize. Das bedeutet, dass man zum Beispiel die Musik intensiver wahrnimmt, sie vielleicht nachfühlen kann, die Natur farbenfroher sieht, einem vielleicht Sachen auffallen, die einem vorher nicht aufgefallen wären. Und dass aber auch körperliche Berührungen wie das Streicheln von einer anderen Person oder das Streicheln von einem selbst ein eben intensiver vorkommt. Es kann auch zu leichten Halluzinationen kommen.
03:29
Auch kann Cannabis müde machen, warum es auch gerne als Einschlafmittel verwendet wird und was für viele Konsumenten und Konsumentinnen oft der schwierigste Part ist, wieder aufzuhören, ist der Einschlaf-Trend. Auf jeden Fall wurde mir das schon von sehr vielen Klienten und Klientinnen berichtet, dass wenn sie aussteigen möchten, dieser Einschlaf-Trend für viele wirklich schwierig ist loszulassen.
03:52
Außerdem kann Cannabis den Appetit anregen. Da ist jetzt natürlich die Frage, ob man das jetzt als positive oder negative Wirkung einschätzen möchte. Ich habe es jetzt einfach mal zu den positiven Wirkungen gepackt, weil auch das Essen an sich einem intensiver, geschmacksfroher vorkommen kann.
04:09
Und zu guter Letzt kann man noch von einer Steigerung der Kreativität sprechen, also dass Cannabis ja einen etwas kreativer macht. Man kommt vielleicht auf Gedankengänge, die man nüchtern so nicht hatte, auf neue Ideen. Und wie wir ja letztes Mal schon in der ersten Cannabis-Folge gehört haben, in der Geschichte wurde ja auch Cannabis immer gerne auch von Künstlern und Künstlerinnen gebraucht. Musik
04:35
Aber wie kommt es zu dieser positiven Wirkung im Gehirn? Dafür werde ich euch jetzt ein bisschen erklären, was man bisher weiß, wie Cannabis im Gehirn wirkt. Wieder sehr vereinfacht dargestellt, also jemand, der schon ein sehr großes Wissen in der Thematik hat, für den ist es vielleicht ein bisschen zu basisch ausgedrückt. Aber ich möchte ja, dass man ungefähr versteht, welche Funktionalität eben Cannabis im Gehirn hat. Die wichtigste und hauptsächliche psychoaktive Substanz in Cannabis ist THC.
05:04
Oder Delta-9-Tetrahydrocannabiniol. Und dieses bindet sich an den gleichen Rezeptor wie der Neurotransmitter Anadamid. Es verhält sich also genauso wie dieser Neurotransmitter.
05:19
Anadamide gehören zu unseren körpereigenen Cannabinoiden. Wir haben ein eigenes Cannabinoid-System und Anadamide ist eben ein körpereigenes Cannabinoid. Anadamide wirken sich vor allem auf unsere Gedächtnisfunktion, auf unsere Bewegungskoordination und auch auf den Gleichgewichtssinn aus. So, jetzt haben wir THC, das verhält sich genauso wie Anadamide, aber wenn wir wissen,
05:41
dass Anadamide sich eben auf Gedächtnisfunktion, Bewegungskoordination und Gleichgewichtssinn auswirken, haben wir da ja nicht die positive Wirkung, die ich gerade beschrieben habe. Also was passiert genau?
05:53
Dadurch, dass wir THC konsumieren, wird die Aktivität des Neurotransmitters Anandamid unterbrochen. Und danach wird das THC wieder vom Körper abgebaut. Das allein sorgt aber nicht für unsere angenehme Wirkung. Das passiert nämlich durch eine dritte Substanz und zwar GABA.
06:12
GABA hemmt normalerweise eine überhöhte Ausschüttung von Dopamin. Und nun kommt eben aber auch das THC ins Spiel. Das beeinträchtigt die Ausschüttung von GABA und somit kann mehr Dopamin freigesetzt werden und das kann dann wiederum das Belohnungszentrum aktivieren. Und tada, wir haben unsere angenehme Wirkung. Wir haben hier also im Prinzip eine Kette.
06:34
THC setzt eben an diesen Anadamid-Rezeptoren an, dadurch wird die Ausstattung von GABA eben beeinträchtigt und somit kann mehr Dopamin freigesetzt werden, was dann wiederum das Belohnungszentrum aktiviert und dadurch kann eben diese positive Wirkung erzielt werden.
06:55
Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt mal ein bisschen auf das Belohnungssystem eingegangen bin bis jetzt in einer Folge. Deswegen mache ich das jetzt nochmal ganz schnell. Wenn ich das schon getan habe und ihr das schon wisst, könnt ihr ja einfach kurz ein paar Sekunden überspringen.
07:10
In der Fachsprache wird das Belohnungszentrum oder das Belohnungssystem auch mesokortikolimbischen dopaminerges Belohnungssystem genannt. Also super komplizierter Name, ich bin da gerade auch ein bisschen drüber gestolpert. Deswegen bleiben wir einfach bei Belohnungssystem.
07:27
Unser Belohnungssystem ist im Prinzip dafür zuständig, dass wir Belohnungen und Motivationsreise wahrnehmen, sie vorhersehen und dann entsprechende Handlungen zur Erlangung der Belohnung in die Wege leiten. Das ist zum Beispiel super wichtig, um zum Beispiel auch Entscheidungen zu treffen oder auch zielgerichtet zu handeln.
07:46
Um das kurz in ein Beispiel zu packen, das passiert zum Beispiel auch beim Sport. Wir wissen, dass wir uns nach dem Sport richtig gut fühlen, das erkennt unser Belohnungssystem und dadurch schafft es eben auch, dass wir eben überhaupt Sport machen, damit wir eben am Ende dieses Belohnungsgefühl einheimsen können.
08:04
Das Belohnungssystem ist ein verzweigtes Netz aus Hirnarealen und Neuronen. Und im Prinzip funktioniert es wie ein Schaltkreis. In der Großhirnrinde entsteht ein Verlangen. Wenn man diesem nachgibt, wird das Signal an das limbische System und den Hippocampus weitergegeben. Es werden weitere Neurotransmitter ausgeschüttet, die ein Glücksgefühl verursachen. Und zu guter Letzt kommt die Information wieder an die Großhirnrinde, dass eben der Befehl ausgeführt wird.
08:31
Es ist also im Prinzip wie eine Flüsterpost. Die Großhirnrinde ist im Prinzip der Teil unseres Gehirns, in dem wir bewusste Entscheidungen treffen können. Das Rest, was dann eben passiert, ist eher unbewusst. Das heißt, die Großhirnrinde, die macht eine Entscheidung. Zum Beispiel, wir machen jetzt Sport. Dann machen wir Sport. Das Belohnungssystem wird aktiviert und sagt dann wieder der Großhirnrinde, ja,
08:56
War geil, können wir wieder machen. Hier ist die Belohnung. Wenn ich jetzt zum Beispiel irgendwas mache, wo ich denke, ich bekomme eine Belohnung und es ist dann scheiße, dann kommt auch wieder die Information an unsere Großhirnrinde. Ja, nee, lass mal nicht mehr machen. Wir dachten zwar, das wäre geil, ist es aber nicht. Und dann entsteht sozusagen, sehr vereinfacht gesagt, die Motivation für unsere Handeln und unsere Ausrichtung in unserem Leben. Ein sehr wichtiger Neurotransmitter in unserem Belohnungssystem ist Dopamin.
09:24
Und Dopamin ist deswegen so wichtig, weil es im Prinzip zwei Funktionen hat. Es wird, wenn wir das erste Mal eine Handlung machten, ausgeschüttet, um eben ein angenehmes, gutes Gefühl zu verursachen.
09:38
Also gehen wir mal davon aus, wir essen zum ersten Mal Schokolade. So, und dann essen wir Schokolade, es wird Dopamin ausgeschüttet. Und das machen wir ein paar Mal und unser Gehirn lernt, ja geil, wenn ich Schokolade esse, das ist richtig gut. Und was jetzt passiert ist zum Beispiel, dass wir…
09:56
bestimmte Situationen wie als Trigger nutzen. Zum Beispiel sagen wir mal, ich esse jeden Sonntag beim Tatort Schokolade. So, jetzt verbindet unser Gehirn das. Und was jetzt passiert ist, wenn wir zum Beispiel den Tatort gucken, ohne Schokolade zu essen, dann
10:12
Dann schüttet aber unser Gehirn schon beim Gucken des Tatorts schon mal Dopamin aus, weil es denkt, jetzt gibt es auch gleich Schokolade und das finden wir so toll. Und deswegen macht dieses Dopamin unsere Erwartungshaltung. Das ist zum Beispiel auch das, was wir unter Suchtdruck verstehen. Im Prinzip ist Suchtdruck eben genau das Gefühl dargestellt,
10:31
so ein Trigger, weil unser Gehirn schon Dopamin ausschüttet, aus Erwartung für eben eine positive Handlung. Somit ist Dopamin der Part, der eben ein Verlangen generiert und eben die Belohnungserwartung
10:50
Ja, darstellt. Und somit ist Dopamin ein wichtiger Motivator auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist das eben auch das Problem, was wir bekommen, wie zum Beispiel beim Suchtdruck.
11:02
Unser Belohnungssystem wird bei zahlreichen natürlichen Handlungen aktiviert, sei es Sex, Essen oder auch Trinken, Sport. Da kann man wahrscheinlich die Liste endlos weiterführen und es kann eben auch direkt von Substanzen aktiviert werden. Also was so ein bisschen der Unterschied ist im natürlichen Leben und beim Konsum, ich unterscheide es jetzt mal so, es ist halt nicht so eine super Unterscheidung, ist normalerweise haben wir eine Handlung, eine Aktivierung des Belohnungssystems und dann eben
11:30
Ja, diese Glückshormone, die da ausgeschüttet werden. Konsumieren wir jetzt aber Substanzen, fällt diese Handlung im Prinzip weg. Die Substanz stimuliert direkt oder eben wie bei Cannabis auf einem kurzen Umweg das Belohnungssystem und dann kommen die Glückshormone. So, also nur um das mal so ein bisschen abzureißen, wie das Belohnungssystem funktioniert.
11:52
So, das als kleiner Exkurs. Um nochmal reinzukommen, wiederhole ich nochmal in aller Kürze, wie Cannabis funktioniert. Also Cannabis wird konsumiert, es ahmt ein körpereigenes Cannabinoid nach und setzt sich an dessen Rezeptoren an. Dadurch wird die GABA-Ausschüttung beeinträchtigt. GABA ist für die Regulierung von Dopamin zuständig. Davon, dass weniger GABA ausgeschüttet wird, kann mehr Dopamin ausgeschüttet werden. Und wenn man weniger GABA ausgeschüttet hat, kann mehr Dopamin ausgeschüttet werden.
12:18
Und dieses aktiviert das Belohnungssystem und tada, wir haben ein angenehmes Gefühl. Genau, also dann könnt ihr das jetzt gut mit dem Belohnungssystem in Verbindung bringen. Eine wichtige Sache ist bei THC noch zu sagen, denn je nach Konsumart, ob jetzt geraucht oder gegessen wird, fällt die Wirkung unterschiedlich stark aus.
12:39
Das liegt daran, dass wenn THC verstoffwechselt wird, entsteht 11-OH-THC. Das ist ein sehr aktiver Metabolit. Ein Metabolit ist im Prinzip ein Stoffwechselprodukt und ist potenter, also stärker als das THC selbst.
12:59
Eigentlich metabolisiert unser Körper, um Stoffe besser ausscheiden zu können. Aber manchmal bei verschiedenen Substanzen, wir hatten das übrigens auch schon bei Benzodiazepinen, entsteht eine neue Substanz, die weiterhin Wirkung erzeugt.
13:13
Wenn also Cannabis gegessen wird, muss das THC ja auch durch den kompletten Verdauungstrakt und dadurch wird mehr von der Leber verarbeitet und zu 11-OH-THC umgewandelt, bevor es eben in den Blutkreislauf gelangt und eben die Wirkung entfaltet. Das ist beim Rauchen eben nicht der Fall. Es kann nur sehr wenig 11-OH-THC nachgewiesen werden und somit hat man eben beim Essen eine stärkere Wirkung als beim Rauchen.
13:42
11-OH-THC wird dann weiter zu THC-COOH umgewandelt und das ist dann ein inaktiver Metabolit, also es erzeugt keine Wirkung mehr.
13:54
Nach THC, COOH wird übrigens bei Drogentests gesucht, wenn Cannabis nachgewiesen werden soll. Und entschuldigt mich, wenn ich vielleicht diese ganzen chemischen Zusammensetzungen, ob es da vielleicht eine bessere Ausdrucksweise dazu gibt, bin ich mir nicht sicher. Ich bin wirklich keine Chemikerin, aber ich hoffe, dass die Inhalte und die Verbindungen für euch trotzdem klar sind. Werbung
14:21
Weiter geht’s mit den Nebenwirkungen. Wir werden heute einmal über die akuten Nebenwirkungen und die Langzeitnebenwirkungen sprechen. Vor allem bei den akuten Nebenwirkungen ist ein ungünstiges Set-Setting eben etwas, was akute Nebenwirkungen befeuern kann.
14:40
Zu den akuten Nebenwirkungen gehören zum Beispiel, dass Angst- oder Panikgefühle auftreten können. Außerdem kann es schwierig werden für Konsumierende, einen klaren Gedanken zu fassen oder man steigert sich in irgendetwas rein und verfestigt das sich so richtig drin. Außerdem kann die veränderte Wahrnehmung, die wir vorhin bei den gewünschten Wirkungen erwähnt haben, auch zu einer Reizüberflutung führen und somit auch zu einer Überforderung.
15:06
Körperlich kann auch Herzrasen, Kreislaufprobleme und Bluthochdruck dazukommen. Außerdem kann es eben auch zu roten Augen und Mundtrockenheit kommen. Also für Menschen, die eh auch zu trockenen Augen neigen, kann Cannabis noch zusätzlich Beschwerden ausführen. Auch normal, aber bei Menschen mit trockenen Augen noch mehr. Durch das gestörte Kurzzeitgedächtnis kann es noch zu einem Filmriss kommen, also wie so ein Erinnerungsverlust.
15:32
Und außerdem kann es, anstatt mit anderen zu quatschen und eben zu einer kommunikativen Ebene zu kommen, kann es auch sein, dass man sich eher zurückzieht und sehr eingeschränkt ist in der Kommunikation. Und darüber hinaus kann es eben noch zu Problemen kommen, sich überhaupt zu konzentrieren. Bei den Langzeitnebenwirkungen haben wir auf der körperlichen Ebene erstmal die Belastung der Atemwege.
15:55
Und auch das Rauchen von reinem Cannabis kann zu Lungen- und Bronchialerkrankungen führen. Allerdings kann vor allem die Mischung mit Tartar,
16:03
Tabak die Lunge noch deutlich mehr belasten. Ich hatte das schon in der letzten Folge gesagt, oft werden Joints nur mit Tips geraucht. Tips ist was ähnliches wie ein Filter oder soll wie ein Filter fungieren, ist aber an sich nur ein zusammengerolltes Papierschnipselchen. Und wenn man nur mit einem Tip raucht, dann raucht man im Prinzip den Tabak
16:25
pur ohne Filterwirkung und das ist natürlich eine hohe Belastung für die Lungen und kann auf längere Zeit eben auch zu Lungen- und Bronchialerkrankungen kommen. Eine Möglichkeit, dem ein bisschen vorzubeugen, ist zum Beispiel die Verwendung von Aktivkohlefiltern.
16:40
Eine weitere Langzeitnebenwirkung ist die kognitive Leistungsfähigkeit, also dass zum Beispiel die Aufmerksamkeit, die Konzentration, aber auch die Lernfähigkeit sehr beeinträchtigt werden und das auch außerhalb des Konsums. Zum Beispiel, wenn man wirklich regelmäßig täglich raucht, dann hat man vielleicht trotzdem Zeiten, in denen man nicht raucht und auch in den Zeiten kann es eben zu diesen Konzentrationsschwächen kommen. Durch eine Abstinenz ist jedoch die Konzentration und alles wieder herstellbar, also es gibt keinen bleibenden Schaden.
17:10
Des Weiteren kann der regelmäßige Cannabiskonsum zu einem sozialen Rückzug führen und aber auch zu einer Vernachlässigung von eigenen Zielen wie die Schule, die Ausbildung und die Arbeit.
17:22
Das amotivale Syndrom ist eben auch was, was eher stark auch diskutiert wird, ob das jetzt wirklich so existiert oder nicht. Aber ich hatte es tatsächlich gerade in der Uni-Vorlesung nochmal und möchte das einfach mit aufnehmen. Also es wird eben auch von einem amotivalen Syndrom gesprochen bei einem Langzeit-Cannabis-Konsum. Das bedeutet sozusagen, dass man auch nach Beendigung des Konsums sich Schwierigkeiten hat, sich aufzuraffen, einfach sehr motivationslos ist.
17:51
Wie gesagt, das wird immer wieder diskutiert. Ich nehme es hier einfach mal mit auf. Da kann man sich ja noch tiefer einlesen. Auch bei einem amotivalen Syndrom wird davon ausgegangen, dass es sich nach einer gewissen Zeit von Abstinenz wieder reguliert, dass man wieder zu einem Normalpunkt hinkommt. Aber das kann schon ein bisschen dauern. Gerade in der Vorlesung hatten wir so bis zu einem Jahr.
18:15
Ein weiterer Risikofaktor im Rahmen von Cannabiskonsum ist der sehr frühe Konsumbeginn. Genauso wie bei anderen Substanzen, inklusive Alkohol, wo gemerkt, bringt ein regelmäßiger Konsum im Jugendalter und in der Pubertät ein besonderes Risiko mit sich. Umso öfter im Jugendalter konsumiert wird, umso höher wird dann auch das Risiko, dass eben die Entwicklung beeinflusst wird.
18:41
Das liegt einfach daran, dass in der Pubertät und im Jugendalter das Gehirn noch nicht vollständig ausgereift ist. Man muss sich erst mal entwickeln. Wird nun in der Pubertät gewohnheitsmäßig Cannabis konsumiert, steigt das Risiko, dass Entwicklungsaufgaben in der Pubertät, wie zum Beispiel die Emotionsverarbeitung, das Sozialverhalten und die Bewältigung von Problemen einfach nicht erfüllt werden.
19:03
Um das mal allgemein zu erklären, ist das ja eigentlich auch ganz logisch. Wenn wir schon von früh auf alle Emotionsregungen mit Cannabis oder auch anderen Substanzen neutralisieren, dann lernen wir nicht mit Emotionen umzugehen. Und das ist eben ein hoher Risikofaktor, um eben diese Emotionsentwicklung und die Emotionsverarbeitung gar nicht erst zu lernen.
19:24
dementsprechend ist es immer eine große Empfehlung, so spät wie möglich mit dem Substanzkonsum anzufangen und eben zu warten, bis man sozusagen im Alter aus dem Gröbsten raus ist und aber auch zu gucken, dass wenn man konsumiert, den Konsum auf einem Level behält, dass man viel Zeit hat, seine Entwicklungsaufgaben auch zu bestreiten.
19:50
So, es gibt auch schon ein paar Forschungen zu Cannabis und Schwangerschaft. Es ist ja im Allgemeinen so, dass frauenspezifische Themen in der Wissenschaft gerne mal nicht so erforscht werden und das vor allem in Verbindung mit illegalisierten Substanzen ist halt einfach die Studienlage sehr überschaubar.
20:08
Bei Cannabis, dadurch, dass es eben schon länger ein Thema ist, gibt es schon erste Forschungen und man hat eben herausgefunden, dass regelmäßiger Cannabiskonsum in der Schwangerschaft zu einer Frühgeburt führen kann.
20:20
Aber auch während dem Stillen kann Cannabiskonsum der Mutter Auswirkungen auf die motorische Entwicklung des Kindes haben. Also die Muttermilch ist an sich sehr fetthaltig und darin kann sich eben THC absetzen und damit hat die Muttermilch eben eine hohe Konzentration von THC.
20:41
Es gibt auch eine weitere Studie aus Kanada. Da wurden zwischen den Jahren 2007 und 2012 Geburten in Ontario analysiert. Und hierbei wurde herausgefunden, dass die Kinder, die vor ihrer Geburt eben Cannabis ausgesetzt war, weil die Mutter während der Schwangerschaft Cannabis geraucht hat, eine höhere Wahrscheinlichkeit hatten, an Autismus zu erkranken. Also kurz unter der Gruppe von den Kindern mit pränatalem Cannabiskonsum.
21:10
Ja, da waren einfach mehr Kinder mit Autismus dabei, als bei denen, die kein Cannabis konsumiert haben. Auch hier habe ich erstmal keine zweite Studie dazu gefunden. Wie gesagt, es braucht immer mehrere Studien, um ein wahrheitsgemäßes Bild abzubilden und selbst dann kann man nie die Wahrheit abbilden. Es ist halt einfach Wissenschaft.
21:34
Was man aber sagen kann oder was halt einfach wichtig ist, ist, dass man während der Schwangerschaft und während dem Stillen auf Substanzen einfach verzichtet, sei es Alkohol, sei es Cannabis, sei es Zigaretten, um eben das Kind zu schützen und in seiner Entwicklung auch zu schützen. Kommen wir nun zur Psychose. Da mache ich nämlich einen extra Unterpunkt draus, da eben gerade die Psychose in Verbindung mit Cannabis sehr heiß diskutiert wird.
22:06
Im Jahre 2018 hat ein Experten-Team des Komitees für Drogenabhängigkeit der Weltgesundheitsorganisation gesagt, und hier kommt ein Zitat, die überwiegende Mehrheit der Menschen, die Cannabis konsumieren, wird nie eine psychotische Störung entwickeln. Und diejenigen, die dies tun, werden wahrscheinlich eine genetische Anfälligkeit für eine durch Cannabis induzierte Psychose haben.
22:31
Das ist ein offizielles Zitat von der Weltgesundheitsorganisation und das ist auch weitestgehend der Konsens der meisten Wissenschaftler. Natürlich nicht von allen, das ist immer so, aber eben von den meisten. Es gibt bis jetzt keine Nachweise, dass der reine Konsum von Cannabis aus dem Nichts eine Psychose erschaffen kann. Dies schaut allerdings anders aus, wenn schon eine latente Psychose vorhanden ist.
22:56
Eine latente Psychose ist sozusagen wie eine genetische Vorbelastung. Zum Beispiel, wenn in einer näheren Verwandtschaft Menschen schon eine psychotische Episode erlebt haben. Ob wegen Substanzen oder ohne, ist da erstmal egal. Da geht es erstmal grundlegend für die Anlage für psychotische Störungen, für Psychosen. Auch unter Psychosen muss man erstmal trennen. Es gibt einmal die Schizophrenie-Psychose und das ist eine langanhaltende Krankheit.
23:23
Davon muss man erstmal akute psychotische Symptome abdrehen. Bei hohen Mengen von Cannabis können Menschen in einer kurzzeitigen Psychose, die sich in Paranoia oder auch desorientiert äußert, eben verfallen. Dies klingt jedoch nach dem Absetzen des Konsums ab und nach einigen Stunden bis wenigen Tagen ist sozusagen diese akute Psychose wieder per se verursacht.
23:47
Trotz allem ist Menschen, die schon mal eine akute Psychose erlebt haben oder eben im Familienkreis Menschen und Angehörige haben, die an einer Schizophrenie leiden, die eben auch schon psychotische Symptome haben, abzuraten, Cannabis zu konsumieren, eben dass keine langanhaltende Psychose entwickelt werden kann.
24:08
Um wirklich sicher zu gehen, muss man das Ganze eigentlich auch ausweiten, denn wenn man schon mal eine Psychose hatte, auch wenn die länger angedauert hat, sollte man eigentlich auf den Konsum von jeglichen Substanzen inklusive Alkohol und Tabak verzichten, um eben diese Psychose nicht wieder aufzulösen, nicht wieder Symptome hervorzurufen. Und zu guter Letzt, und dann haben wir es auch mit den Nebenwirkungen, möchte ich noch die Abhängigkeitserkrankung diskutieren.
24:38
Bei der Abhängigkeitserkrankung ist in allen Quellen, die ich gelesen habe, wird immer von einer Wahrscheinlichkeit zwischen 7 und 9 Prozent gesprochen, dass Menschen, die Cannabis konsumieren, auch eine Abhängigkeitserkrankung entwickeln.
24:54
Diese Wahrscheinlichkeit ist natürlich keine feste Ziffer, also sie kann zum Beispiel beeinflusst werden, wenn man zum Beispiel schon im Jugendalter anfängt Cannabis zu konsumieren, ist die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel deutlich höher eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln, als wenn man das sozusagen als gehirnausgereifter Mensch macht.
25:14
Um das mal mit anderen Substanzen zu vergleichen, laut einer Studie hat man bei Nikotin eine 32-prozentige Chance, eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln, bei Heroin 23 und bei Alkohol liegt das so bei 15 Prozent. Ein weiterer Faktor, den ich noch kurz andiskutieren möchte, der die Wahrscheinlichkeit erhöht, ist, wenn man täglich Cannabis konsumiert. Und warum ist das wichtig anzudiskutieren? Denn in der allgemeinen Bevölkerung…
25:43
wird oft einfach schon gesagt, naja, wer täglich konsumiert, der hat zwangsweise eine Abhängigkeitserkrankung. Dem ist allerdings nicht so, denn wir verhängen Diagnosen mit der ICD-10. Da stehen sozusagen alle Diagnosen drin, die man überhaupt geben kann und unter anderem eben auch die Abhängigkeitsdiagnose. Und bei dieser Abhängigkeitsdiagnose, da spielt die Menge einfach keine Rolle. Es
26:12
erhöht die Wahrscheinlichkeit, aber sie spielt in dem Diagnose-Kriterium keine Rolle. Denn es gibt insgesamt sechs Diagnose-Kriterien. Und zwar haben wir einmal den starken Wunsch und Zwang, etwas zu konsumieren, die verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und der Menge des Konsums,
26:31
Es muss Entzugserscheinungen beim Absetzen geben. Es gibt eine Toleranzentwicklung gegenüber der Wirkung. Man soll weiter konsumieren, trotz schädlicher Folgen, wie zum Beispiel Leberschäden oder man hat ein schlechtes Gedächtnis oder eben eine fortschreitende Vernachlässigung anderer Aktivitäten wie Freunde, Sport, Arbeit, Hobby usw.,
26:52
Das sind eben diese sechs Diagnose-Kriterien. Von diesen Diagnose-Kriterien müssen mindestens drei über mindestens einen Monat bestanden haben. Oder, falls es nur bei kürzerer Zeit aufgetreten ist, müssen diese Symptome mehrmals in den letzten zwölf Monaten vorkommen. Also ihr seht,
27:09
Hier spielt die Menge erstmal keine Rolle, aber wer täglich konsumiert und auch hier wieder, egal bei welcher Substanz, umso mehr man konsumiert, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Abhängigkeitsdiagnose entwickeln kann, aber kein Muss.
27:23
Und ein weiterer Punkt, den ich hier auch nochmal erwähnen möchte, wir hatten ja vorhin gerade noch, dass bei Tabak eine 32% Chance auf eine Abhängigkeitserkrankung besteht. So, nun wird Cannabis sehr oft mit Tabak gemischt und somit ist auch die Wahrscheinlichkeit, eine Tabakabhängigkeit neben dem Cannabiskonsum zu entwickeln, gegeben.
27:43
Somit kann es natürlich sein, dass wenn man Cannabis gerne aufhören möchte zu konsumieren, dass auch die Tabakabhängigkeit und der Tabakentzug einzuschaffen macht. Vor allem, wenn man Tabak nur in Joints konsumiert hat und sonst kein, ich nenne es mal in Anführungszeichen, normaler Raucher, normale Raucherin ist. So, kommen wir mal weg von den ganzen Nebenwirkungen und kommen wir zu einem Punkt, der mir neulich aufgefallen ist und den ich sehr, sehr spannend fand. Und zwar schauen wir uns mal Konsummuster an.
28:14
Und zwar hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, kurz die DHS, einen Infoflyer rausgebracht. Die DHS bringt an sich sehr viele Infomaterialien raus zu den verschiedenen Substanzen. Die liegen auch ungefähr in jeder Einrichtung und somit eben auch zu Cannabis. Bevor ich zum Punkt komme, kurz ein paar Sätze vielleicht zur DHS.
28:35
Diese wurde 1947 gegründet und ist im Prinzip die zentrale Dachorganisation sowohl für die professionelle Suchthilfe als auch für die Suchtselbsthilfe. Und nahezu alle großen Träger wie die Caritas, das Blaue Kreuz, die Guttempler, die Diakonie, die sind alle in der DHS vertreten.
28:56
Und die DHS vertritt gegenüber der Bundesregierung und den Bundesbehörden sowie den Renten- und Krankenversicherungen fachliche Wünsche, Meinungen und Stellungnahmen. Also sie kommuniziert sozusagen vom Suchthilfesystem zur Regierung, jetzt mal flaps gesagt, und zu den Kostenträgern. Die DHS wird aber auch vom Bund grundlegend gefördert, was halt so ein paar Einschränkungen in der Arbeit mit sich bringt. Das darf sich jetzt halt jeder selbst zusammenreimen.
29:23
Zurück zu diesen Infoblättern. Das sind Basisinformationen, dass man einen Überblick zu den verschiedenen Substanzen hat. In den Basisinformationen zu Cannabis wird im Konsummuster zwischen einem harten und weichen Konsummuster unterschieden.
29:42
Die DHS beschreibt hier ein eher weiches Konsummuster. Da zählt zum Beispiel der Gelegenheits- und Probierkonsum dazu. Der Konsum von einmal pro Jahr bis zwei, drei Mal im Monat. Eine geringe Dosis, eher im Joint geraucht, also nicht unbedingt in der Bong. Keine große subjektive Bedeutung von Cannabis, also es gibt keine größeren Investitionen, zeitlicher oder finanzieller Natur. Also man verbringt einfach nicht viel Zeit für Cannabis.
30:11
Und sonst gibt es auch kaum Konsum von anderen illegalen Drogen und auch kaum Mischkonsum.
30:17
Ein eher hartes Konsummuster wäre hier ein Gewohnheitskonsum, ein täglicher Konsum bis mehrmals täglich, hohe Dosis, auch intensivere Konsumformen wie zum Beispiel Bon. Und dieser Konsum ist fest in den Alltag integriert. Und es gibt außerdem eventuell auch einen Konsum anderer illegalisierter Substanzen und auch Mischkonsum, also zum Beispiel der Konsum von Cannabis und Alkohol gleichzeitig.
30:44
So, ich muss ganz ehrlich sagen, die Unterteilungen sind ganz nett, aber ich finde die jetzt auch nicht super gut. Warum erzähle ich sie euch deswegen überhaupt? Und das ist,
30:53
Das ist der Punkt, was ich eben so bemerkenswert finde. Es gibt für Substanzen auf offizieller Richtlinie, für keine illegalisierte Substanz, ja sowas wie Konsumweisungen. Unterscheidung von, das ist ein Konsum, der ist in Anführungszeichen in Ordnung, der ist einigermaßen sicher, risikoarm und das ist ein Konsum, der ist risikobehaftet.
31:14
So was gibt es an sich nur für Alkohol. Und zwar ist eben da auch von der WHO festgelegt, was ein risikoarmer Konsum ist. Das ist zum Beispiel für Frauen ein kleines Bier pro Tag und für Männer ein großes 0,5 Bier pro Tag plus zwei alkoholfreie Tage. Und ein gefährlicher Konsum haben wir dann bei zehn kleinen Bier bei Männern und bei mehr, ja ein bisschen mehr als sechs kleinen Bier für Frauen.
31:39
Das heißt sozusagen, der Konsument, die Konsumentin hat aufgrund dieser Einteilung eine Möglichkeit, sich zu orientieren. Bei illegalisierten Substanzen ist es jedoch so, dass man einfach sagt, naja, die sind ja illegal, die soll ja keiner konsumieren. Deswegen brauchen wir da auch keine Einteilung und deswegen gibt es eben auch keine Orientierung für die Konsumenten, Konsumentinnen. Auf jeden Fall keine offizielle, wo sie sich mit ihrem Konsum daran orientieren können und
32:03
Das fand ich eben so besonders, dass die DHS in ihren Basisinformationen zwei Konsummuster bereitgestellt haben und somit einer illegalisierten Substanz
32:13
einen, ja, weichen, in Anführungszeichen, Konsum zu sprechen. Und ich fand das schon spannend und auf jeden Fall auch, ja, ein Vorstoß der DHS, dass sie sowas in einen Flyer reinschreiben, der wirklich sehr weitläufig in den verschiedenen Einrichtungen verteilt liegt. Musik
32:34
Wir haben es gleich geschafft. Wir kommen jetzt erst mal noch zur Nachweisbarkeit. Ich habe schon am Anfang erwähnt, dass bei Drogentests der inaktive Stoff THC-COH gesucht wird. Hier ist so ein bisschen das Problem, dass sich das Stoffwechselprodukt im Gewebe absetzt und auch so langsam wieder freigesetzt wird. Und somit kommt es eben, dass der Cannabiskonsum noch so extremst lange nachgewiesen werden kann.
33:01
Nehmen wir zum Beispiel mal an, ein Klient startet eine stationäre Reha und er ist fertig entgiftet und meistens ist es so, der kommt immer noch mit so einem aktiven Wert in die Reha. Die Entgiftung ist nämlich bei Cannabis meistens auch nicht so lange angesetzt. Und sagen wir mal, dieser Klient ist noch zusätzlich übergewichtig.
33:21
So kann es dann nämlich sein, dass sich der Wert dieses Abbauprodukts wieder steigt, weil zum Beispiel anfängt, während der Reha Gewicht abzunehmen. Und dazu wird eben eine erhöhte Menge des Abbauprodukts in den Körper geschwemmt und somit kommt wieder eine höhere Konzentration zustande. Und das ist halt ein bisschen tricky, weil in der Reha soll sozusagen dieser Wert nachweisen, ob man einen Rückfall gebaut hat und über diesen nicht geredet hat oder nicht. Und da muss man halt eben bei Cannabis, und das ist so ein bisschen…
33:49
Speziell bei Cannabis ja eine Gewichtsreduktion eventuell auch mit einrechnen. Kommen wir mal zu den harten Zahlen. Also THC kann im Speichel weniger als 24 Stunden nachgewiesen werden. Im Urin bei einmaligem Konsum bis zu drei Tagen, bei gelegentlichem Konsum so bis zu vier Tage und bei regelmäßigen Konsum bis zu 14 Tagen und bei Hochkonsum wirklich bis zu drei Monate. Also beim Urin ist es am längsten nachweisbar.
34:16
Im Blut ist der Wert bis zu circa drei Tage nachweisbar und in den Haaren bezieht sich das immer auf die Haarlänge. Vor allem die sehr lange Nachweisbarkeit im Urin macht Cannabiskonsum eine Gefahr für Autofahrer, denn auch wenn sie wieder nüchtern sind, kann ihnen Cannabis nachgewiesen werden und somit kann eine Gefahr für den Führerschein entstehen. Das kann einem erstmal sehr, sehr schaden.
34:46
Unfair Vorkommen, nur ist unsere Straßenverkehrsverordnung eben so aufgebaut, dass sie eine Null-Toleranz bei illegalisierten Substanzen fährt. Das heißt, an sich ist es diesem Gesetz egal, ob man intoxikiert oder nicht intoxikiert fährt, jetzt nur auf Bezug auf den Führerschein, denn schon allein, dass man überhaupt mal eventuell irgendwas Illegalisiertes konsumieren kann, macht einen erstmal fahruntüchtig.
35:13
Das bedeutet, wenn man das mal ein bisschen weiter spinnt, dass man auch als Fußgänger, wenn man zum Beispiel gefilzt wird und man noch eine Pille vom Wochenende in der Hosentasche hat, eben dadurch seinen Führerschein verlieren kann, auch obwohl man gar nicht ins Auto gestiegen ist, denn als…
35:30
Fußgänger ist man Teil des Straßenverkehrs und wenn man eben dann rausgezogen wird, erwischt wird mit Substanzen, illegalisierten Substanzen, kann das eben dazu führen, dass man seinen Führerschein verliert. Ich sage jetzt ganz viel kann und es ist irgendwie möglich, denn hier ist auch so ein bisschen das Problem. Ich kenne aus der Praxis so viele verschiedene Fällen, wo bei ganz verschiedenen Vorkommen ganz unterschiedlich
35:55
beschlossen wurde. Denn es kommt immer so ein bisschen auf den Sachbearbeiter, auf die Sachbearbeiterin an, wie diese eben in diesem Fall entscheidet. Und das kann irgendwie alles oder nichts sein. So kommt es mir auf jeden Fall in der Praxis manchmal vor. Das Verfahren von der Führerscheinstelle, wo eben der Sachbearbeiter, die Sachbearbeiterin drin sitzt und entscheidet, ob man fahrtauglich ist oder nicht aufgrund eben einer Anzeige der Polizei, das ist von einem strafrechtlichen Verfahren losgelöst. Das bedeutet, wenn man eine Strafe zahlen muss,
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zum Beispiel auch ein temporäres Fahrverbot bekommt, ist das nicht unbedingt die abschließende Konsequenz. Denn das ist eben das, was die Polizei macht. Und dann kommt der Fall zusätzlich noch an die Führerscheinstelle und die entscheidet dann eben über, ja, ob man eben fahrtüchtig ist oder nicht und ordnet eine Empörung an, eine Abstinenzzeit und, und, und.
36:46
Bei Cannabis wurde diese Strenge ein wenig aufgelockert und das Bundesverwaltungsgericht Leipzig urteilte am 11.04.2019, dass bei einem gelegentlichen Cannabiskonsum und einer erstmaligen Auffälligkeit im Straßenverkehr der Führerschein nicht sofort entzogen werden darf, sondern lediglich ein MPU, eine medizinisch-psychologische Untersuchung angeordnet werden kann, um eben zu prognostizieren, ob der Mensch das nochmal tut oder ob er fahrtauglich ist.
37:14
In der Praxis ändert das jedoch nicht so viel, denn man hat meistens eben eine Zwei-Monats-Frist, um diese MPU zu machen. Aber um eine MPU erfolgreich zu bestehen, wollen die meisten eben einen Abstinenznachweis und der soll mal ein halbes Jahr gehen. Aber aus zwei Monaten kann man eben keine sechs Monate machen. Also ja, es ist in der Praxis jetzt kein großer Vorteil, aber…
37:39
Ja, ich finde immer so kleine Gesetzesveränderungen sind Minischritte zu einer großen Veränderung. Ich bin aber auch Optimistin.
37:49
Kommen wir noch ganz kurz zum Mischkonsum. Im letzten Teil haben wir ja schon im geschichtlichen Part gehört, dass selbst im Jahr 1900 vom Mischkonsum von Cannabis und Alkohol gewarnt wurde. Cannabis kann die Alkoholwirkung verstärken, während Alkoholwirkung die Cannabiswirkung überdecken kann. Und so kann es zu Übelkeit und starken Kreislaufproblemen kommen. Also hier sollte man eigentlich nicht mischen.
38:13
Außerdem wird Cannabis oft in Verbindung mit Ecstasy, Kokain und Amphetamine konsumiert, sozusagen zum Runterkommen, um diese stimulierende Wirkung runterzufahren. Hierbei wird der Körper wirklich stark belastet und auch hier kann es zu Kreislaufzusammenbrüchen kommen und es erhöht auch das Risiko für psychotische Zustände.
38:33
Leute, wir sind fertig und ich denke mir nur, wie verrückt die Menschen waren, die eine komplett lange Folge wollten. Das wären dann eineinhalb Stunden Informationsgeballere gewesen. Ich glaube, mit zwei Folgen war das auf jeden Fall besser. Da kann sich jeder den Teil anhören oder beide Teile, die ihm halt am meisten taugen.
38:54
Ich freue mich wieder in zwei Wochen. Da gibt es nämlich die nächste Folge. Es wird dann auch wieder eine Themenfolge. Wir hatten ja jetzt zwei Substanzfolgen am Stück. Und bis dahin wünsche ich euch eine schöne Zeit. Tschüss. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.

