Cannabis | Übersicht, Gesichte und Cannabis als Medizin

In dieser Folge von Psychoaktiv geht es um Cannabis als Pflanze, Substanz und Medizin. Die Folge erklärt zunächst zentrale Begriffe wie Cannabis, Hanf, Marihuana, Haschisch, THC und CBD und ordnet ein, warum die Pflanze nicht nur als Rauschmittel, sondern auch als Nutzpflanze, Medizin und historisches Kulturgut betrachtet werden muss. Dabei werden verschiedene Konsumformen angesprochen – vom Rauchen über Vaporizer bis hin zu Edibles – und es wird deutlich, dass die Art des Konsums einen großen Unterschied für Wirkung, Dosierung und gesundheitliche Risiken macht.

Außerdem führt die Folge durch die lange Geschichte von Cannabis: von frühen medizinischen und rituellen Anwendungen über Nutzhanf, Hanfpapier und Schifffahrt bis hin zur Prohibition und zur Wiederzulassung von Cannabis als Medizin in Deutschland. Besonders im letzten Teil wird erklärt, warum medizinisches Cannabis seit 2017 wieder verschrieben werden kann, welche Hürden es bei Kostenübernahme, ärztlicher Verordnung und Verfügbarkeit gibt und warum die Fahreignung für Patient:innen ein eigenes Thema ist. Die Folge bildet damit den ersten Teil einer Cannabis-Doppelfolge und schafft die Grundlage, um Cannabis nicht nur über Rausch oder Verbot, sondern historisch, medizinisch und substanzkundlich einzuordnen.

Hinweis: Diese Folge wurde 2021 veröffentlicht. Spätere politische und rechtliche Entwicklungen rund um Cannabis in Deutschland sind daher noch nicht berücksichtigt. Die Folge eignet sich vor allem als historische, medizinische und substanzkundliche Einordnung zum damaligen Stand.

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Cannabis Teil 1 – Übersicht, Gesichte und Cannabis als Medizin

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PODCAST-METADATEN
Folge: 15
Erscheinungsdatum: 28.01.2021
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Cannabis Teil 1 – Übersicht, Gesichte und Cannabis als Medizin
Sprecher: Stefanie Bötsch

Typ: Transkript

00:11
So Leute, was geht? Wir haben heute die erste Substanzfolge des Jahres.

00:29
Und zwar diesmal nicht mehr am Substanzsonntag wie vorher, sondern am Drogendonnerstag. Genau, die Sendezeiten haben sich geändert. Ich wiederhole es nochmal, weil die ja jetzt erst seit diesem Monat anders sind. Und zwar einfach jeden zweiten Donnerstag am Drogendonnerstag hören wir uns. Und es gibt weiter Themenfolgen und es gibt weiter Substanzfolgen. Und es wird sich wahrscheinlich einigermaßen abwechseln. Dieses Mal wird sich das aber nicht abwechseln, weil…

00:56
Mein Skript einfach viel zu lang ist. Heute wird es nämlich um Cannabis gehen und ich möchte gerne meine Folgen weiter in so einer guten halben Stunde halten, vor allem wenn es um so viel geballte Infos geht. Und mein Cannabis-Skript, was vor mir liegt, ist einfach 20 Seiten lang. Das schaffe ich nicht in einer halben Stunde.

01:14
Und deswegen wird es zwei Folgen geben. Heute geht es so ein bisschen allgemein um Cannabis, um die Geschichte und um Cannabis als Medizin. Und in zwei Wochen haben wir dann Teil 2 der Cannabis-Folge. Da wird es um die erwünschten Wirkungen, also die positiven Wirkungen und die negativen Wirkungen von Cannabis gehen, wie Cannabis im Gehirn wirkt, Nachweisbarkeitszeiten und so, wie wir es auch allgemein aus meinen Substanzfolgen kennen. Genau. Dann

01:42
Dann starten wir gleich rein. Wir haben heute viel zu tun. Viel Spaß dabei. Cannabis, Gras, Dope, Hush, Veed. Was ist eigentlich genau was? Vor allem auch in den Medien werden die ganzen Begriffe rund um Cannabis genannt.

02:00
Manchmal ein bisschen willkürlich meiner Meinung nach genutzt und deswegen versuche ich einfach erst mal zum Anfang ein bisschen Licht in den Dunkeln zu bringen. Im Prinzip ist Cannabis einfach nur der lateinische Name für die komplette Hanfpflanze, also sozusagen…

02:17
Ja, der wissenschaftliche offizielle Name. Darüber hinaus gibt es verschiedene Arten von Cannabis-Pflanzen. Wir haben einmal Cannabis sativa, dann Cannabis indica, Cannabis ruderalis und als recht neu definierte Spezies Cannabis afghanica. Cannabis sativa wird in der Wirkung eine aufmunternde und kreative und eher stimulierende Wirkung darstellen.

02:40
hinterhergesagt oder zugeordnet, während zum Beispiel Cannabis Indica in der Wirkung eher beruhigend, Appetit fördernd und entspannt wirkt, also eher auf den Körper. Cannabis Ruderalis

02:54
Von der Pflanze her hat die eher wenig THC, ist aber unter Züchtern sehr beliebt, weil die im Gegensatz zu den anderen Cannabispflanzen nicht von einem Lichtzyklus abhängig sind. Das heißt, dass sie nach einer bestimmten Zeit das Blühen anfängt. Biologen allerdings sind mit

03:11
mit dieser Unterteilung manchmal auch nicht so glücklich. Da scheinen sich so ein bisschen die Geister. Die einen unterscheiden Cannabis genau nach den Gattungen, wie ich sie gerade aufgezählt habe. Andere Biologen sagen, das sind alles nur Unterformen von Cannabis sativa, also dass sie sozusagen Cannabis sativa Spezies Indica sind.

03:30
Worüber sich aber alle einig sind, ist, dass Cannabis als Hanfpflanze zu den Hanfgewächsen gehört. Und zu den Hanfgewächsen gehört neben der Cannabispflanze nur noch der Hopfen. Was bedeutet, dass Hanf und Hopfen eng miteinander verwandt sind. So kommt es auch, dass manche Menschen bei einem sehr herben Bier wie so einen Cannabisgeruch verspüren. Ich habe mich da an einen Klienten zurückerinnert.

03:53
Der war auf einer Heimfahrt und da war er auf einem Event, da gab es auch eine Bierverkostung dazu und er hat zwar selbst nicht getrunken, aber er hat gemeint, nach einer Zeit lang musste er echt den Raum verlassen, denn er hatte eben eine Cannabisabhängigkeit. Er hat gemeint, es hat so nach Gras gerochen da drin, er hat richtig dolle Suchtdruck bekommen. Und das liegt eben daran, dass Hanf und Hopfen so eng verwandt ist und deswegen einen ähnlichen Geruch entwickeln kann.

04:21
Die Cannabispflanze hat sehr viele Nutzen. Viele denken an Cannabispflanzen immer nur an die berauschende Wirkung. Cannabis kann aber so viel mehr. Im Prinzip kann man die komplette Pflanze verwerten. Wir haben einmal im Stängel und der teilt sich in Schäben und Fasern auf. Schäben entstehen bei der Gewinnung von Hanffasern und sehen so ein bisschen aus wie so holzähnliche Teile. Die Cannabispflanze hat sehr viele Nutzen. Viele denken an Cannabispflanzen immer nur an die berauschende Wirkung.

04:42
Diese können zum Beispiel als Heiz- und Brennmaterial genutzt werden, aber auch als Einstreu für Kleintiere oder eben auch als Dämmmaterial. Die Fasern wiederum werden für Textilien benutzt, wie zum Beispiel Kleidern oder auch recht grobe Stoffe wie Sackleinen. Oder aber auch zur Zellulosegewinnung für Schreibpapier, also es kann sozusagen Hanfpapier hergestellt werden oder eben als Pappe.

05:06
Neben den Stängeln haben wir dann noch die Blüten und die Samen. Aus den Hanfsamen werden zum Beispiel Lebensmittel wie Mehl oder auch Gebäck gemacht, aber auch Speiseöle und technische Öle wie zum Beispiel für Biodiesel.

05:20
Darüber hinaus haben wir auch noch die Herstellung von Medizin, wie zum Beispiel für Salben und die Pressrückstände, um eben das Öl herzustellen, können auch wieder als Futtermittel verwendet werden. Die Blüten der Cannabispflanze können einmal als Genussmittel genutzt werden und zwar in Form von Marihuana oder Haschisch, das ist wohl auch am bekanntesten.

05:39
Allerdings können die Blüten zusätzlich noch als Medizin, zum Beispiel in Form vom Tee oder auch zur Inhalation verwendet werden. Oder, was auch schon sehr, sehr lange ein Brauch ist, sind die Blüten als Räucherwerk für Rituale zu nutzen. Kommen wir mal wieder zu den Begrifflichkeiten zurück. Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen Marihuana und Hemp. Hemp bedeutet hier Hanf.

06:06
Damit ist gemeint, dass zum Beispiel Marihuana den psychoaktiven Teil von Cannabis beschreibt und Hanf eben den Nutzhanf.

06:13
Im Deutschen macht diese Unterscheidung nicht so viel Sinn, weil Hanf im Traditionellen eben die komplette Pflanze meint, weil ja Cannabis nur der lateinische Name für die Hanfpflanze ist. Ich beziehe mich normalerweise auf vier Kategorien, die ich einigermaßen logisch finde. Und zwar habe ich einmal den Nutzhanf, das ist eben der Hanf ohne psychoaktive Wirkung, der eben für verschiedene Dinge gebraucht wird, wie eben gerade erzählt wurde.

06:37
Dann nennen wir mal Marihuana, die getrockneten Blüten von einer weiblichen Pflanze. Die wird auch umgangssprachlich oft Gras oder Weed genannt. Und diese enthält sowohl Cannabinoide wie THC und CBD. Was das genau ist, dazu komme ich gleich. Es gibt auch noch mehr Cannabinoide, aber nur, dass man es schon mal gehört hat. Eine dritte Form ist Haschisch. Haschisch ist aus dem Harz geblieben.

07:03
das so an den Blüten ist und kann extrahiert werden. Und Hasch ist so optisch eher so ein brauner Klumpen. Und dann gibt es aber auch noch Cannabis-Extrakte. Diese Extrakte, das sind Cannabinoide, wie zum Beispiel eben THC, in sehr hohen Konzentrationen vorhanden. Optisch schaut es so ein bisschen aus wie so Honigfarbenes Harz. Ist auch ein bisschen klebrig. Und umgangssprachlich wird es auch einfach oft Wex genannt. Oder auch Crumble oder Honeycumpe.

07:36
Die Konsumform von Cannabis, die können allerdings auch sehr variieren. Wir haben einmal das Rauchen von Joints oder Pfeifen oder Bons, indem man sozusagen Cannabis dazu tut und mit Tabak mischt oder auch nicht. Bons sind übrigens so spezielle Wasserpfeifen, wem das kein Begriff ist.

07:56
Rauchen zählt hierbei zur schädlichsten Form von Cannabis. Nicht zuletzt, weil Cannabis auch oft mit Tabak geraucht wird und Bonks und die meisten Pfeifen auch keine ordentliche Filterwirkung haben. Zum Beispiel bei Bonks, da ist ja Wasser drin, das kühlt den Rauch, aber filtert ihn nicht wirklich.

08:13
Und bei Joints kommt es auch sehr darauf an, wie man diese Joints baut oder dreht. Weil es gibt da eben die Möglichkeit, ja, Tipps zu nutzen. Das wird auch sehr häufig genutzt. Aber ein Tipp, das ist ja wie so ein Filter, das aber eigentlich nur ein zusammengerolltes Papierstück ist. Das hat logischerweise keine Filterwirkung. Das ist ja wirklich nur ein zusammengerolltes Papier. Das bringt filtermäßig gar nichts. Das heißt aber auch, und das muss einem einfach klar sein, dass man den Tabak,

08:40
ja roh raucht, also ohne irgendwelchen Filter sich auf die Lunge pumpt. Und es gibt aber auch noch Aktivkohlefilter. Und bei diesen Aktivkohlefiltern, die wurden eigentlich so ursprünglich für Pfeifen gebaut, werden aber immer mehr für Joints genutzt, schon seit mehreren Jahren. Und diese Aktivkohlefilter sind dafür da, dass Schadstoffe rausgefiltert werden. Und es ist damit auch eine dringende Empfehlung, sie zu nutzen, um eben die Gesundheit nicht so stark zu belasten.

09:09
Eine weitere Konsumart ist das Verdampfen. Das Verdampfen geht in einem Vaporizer. Das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie eine E-Zigarette, schaut ein bisschen ähnlich aus. Und hier wird eben das Cannabis erhitzt und nicht verbrannt und somit entstehen weniger Schadstoffen. Nutzt man Cannabis medizinisch, also bei medizinischer Verwendung, wird ein Vaporizer als Konsumform vorausgesetzt.

09:37
Klar, am Ende kann das keiner wirklich kontrollieren. Es gibt Ärzte, die sich sozusagen den Vaporizer zeigen lassen. Das weiß ich aus Berichten von Cannabis-Patienten und Patientinnen. Aber das kommt natürlich unterschiedlich auf den Arzt an.

09:54
Die risikoärmste Variante Cannabis zu konsumieren ist einmal durchs Essen und zwar zum Beispiel durch Kekse und zum anderen auch durchs Trinken, zum Beispiel als Tee. Da wird der Körper am wenigsten belastet und somit ist es eben auch die schönste Form des Konsums.

10:11
Nur ist das Essen nicht ganz unproblematisch, da die Dosierung ziemlich schwierig abzuschätzen ist und der Wirkungseintritt bis zu zwei Stunden dauern kann. Das heißt, es kann sein, dass man vielleicht zu viel Cannabis nachisst und die Wirkung dann wirklich viel zu stark wird für einen. Ein weiteres Problem beim Essen ist eben auch das Dosis.

10:31
dass Abbauprodukt von Cannabis stärker ist als THC selbst, also es ist potenter und damit entwickelt es auch noch eine stärkere Wirkung. Genaueres dazu gibt es aber dann in der nächsten Folge, wo wir nochmal darüber reden werden, wie Cannabis im Gehirn wirkt.

10:49
Beim Wax gibt es noch eine besondere Konsumart, und zwar das Dabbing. Wie das aber genau funktioniert, das könnt ihr gerne googeln, wenn es euch weiter interessiert. Ich finde das irgendwie ein bisschen kompliziert zu erklären.

11:02
Bei der medizinischen Verwendung von Cannabis haben wir dann noch Sprays und Tropfen. Die sind etwas leichter zu dosieren und haben von der Art her mehr was von einer ordentlichen Medizin, nenne ich das jetzt mal. Also ist für ältere Menschen zugänglicher. Allerdings bestehen die aus Reim-THC und das führt eben durchaus zu mehr Nebenwirkungen. Musik

11:25
Das leitet gleich super zum nächsten Thema über. Und zwar habe ich das ja schon vorhin erwähnt, so die meist, die wichtigsten Cannabinoide, die auch am meisten immer genannt wird in allen Diskussionen in Cannabis ist THC und CBD. THC steht für Tetrahydrocannabinoid.

11:46
und ist sozusagen der hauptwirksame Inhaltsstoff im Cannabis. Er sorgt also für die berauschende Wirkung und wenn der nicht am Start ist, dann werden wir auch keinen Rausch erleben. CBD steht für Cannabidiol und wirkt im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv. Das heißt, wenn euch jemand CBD-Gras verkauft,

12:10
und man davon berauscht ist, dann ist es wahrscheinlich kein CBD. Und weil gerade so viele synthetische Cannabinoide unterwegs sind, möchte ich da wirklich nochmal explizit darauf hinweisen, dass wirklich reines CBD keine Rauschwirkung hat. Und falls ihr irgendwas unter dem Namen CBD verkauft bekommt, dann wäre es gut, mal herauszufinden, was das wirklich ist, wenn ihr davon berauscht werdet.

12:38
CBD wird recht verschiedene Wirkungen zugeschrieben. Zum Beispiel wirkt es an Krampfen, warum viele Menschen es nutzen, wenn sie ihre Menstruation haben, sozusagen um diese Verkrampfungen loszubekommen. CBD soll aber auch Angst lösen und entzündungshemmend und auch gegen Übelkeit wirken.

12:56
CBD ist als sogenanntes neuartiges Lebensmittel in Deutschland inzwischen erlaubt und auch als verkehrsfähig zugelassen. Das heißt, man darf sich bei dem Konsum ohne Einschränkung dem Straßenverkehr widmen, also auch Autofahren und logischerweise auch Spazieren gehen.

13:11
Um das Thema THC und CBD abzuschließen, ist es noch wichtig zu sagen, dass gerade das Zusammenspiel von THC und CBD als sehr wichtig erachtet wird. Und zwar heißt es, dass CBD viele der Nebenwirkungen, die reines THC hat, ja ausbalanciert bzw. raushebelt. Wir hatten es ja vorhin von Medikamenten, die komplett aus THC bestehen, wo eben von älteren Menschen dann auch abgelehnt wurden, weil sie viele Nebenwirkungen davon bekommen haben.

13:40
Und das CBD sorgt eben dafür, dass das ein bisschen ausgeglichen wird.

13:46
Zum Beispiel sorgt das CBD dafür, dass zum Beispiel Angst- und Panikzustände gar nicht erst aufkommen bzw. reduziert werden. Inzwischen wird das Cannabis aber immer mehr hochgezüchtet. Und wenn wir davon reden, dass Cannabis hochgezüchtet wird zu Konsumzwecken, heißt es eigentlich immer, dass der THC-Gehalt immer mehr steigt. Und so spiegelt sich das auch in den Statistiken wieder, dass einfach Cannabis immer potenter wird in seinem THC-Gehalt.

14:13
Das ist natürlich scheiße, sorry, weil wir sozusagen diese ausgleichende Wirkung von CBD verlieren. Aufgrund dieser Hochzüchtung geht man auch davon aus, dass Abhängigkeitserkrankungen von Cannabis eben hochgehen, weil das THC alleine eben eine andere Wirkung hat, als wenn wir diesen Balanceakt zwischen CBD und THC haben. Werbung

14:44
So, jetzt seid ihr schon mal mit den wichtigsten Grundlagen zu Cannabis versorgt und könnt euch da ungefähr orientieren. Hoffe ich zumindestens. Und jetzt werden wir mal auf die Geschichte eingehen. Und die Geschichte ist für Cannabis ein bisschen länger. Wenn man mal die anderen Substanzfolgen anschaut, die Geschichte war immer recht überschaulich. Irgendwie gingen die auch immer gleich. Ungefähr Chemiker erkennt es. Es wird genutzt, es wird missbraucht, es wird verboten.

15:11
Und es wurde wiederentdeckt. So kurzer Abriss aller Geschichten meiner Substanzfolgen von letztem Jahr. Cannabis aber ist eine Kulturpflanze und sie zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschen. Wenn wir uns erstmal den Nutzhampf anschauen in Deutschland, haben wir da schon einen ersten Fund im Jahre 5500 vor Christus.

15:35
Seitdem gab es immer wieder Beweise, zum Beispiel 2000 vor Christus gibt es einen germanischen Mantel, der war aus Hanfbast und riesengroßer Sprung im Jahre 800 verfügte sozusagen Karl der Große über ein Dekret, also ein Dekret ist ein Beschluss, dass die Laienherstellung aus Hanf mit Flax gemacht wird. Flax ist auch ein Laiengewächs.

15:56
Aber auch Nachweise, dass Cannabis als Medizin genutzt wurde, finden wir schon im Jahre 750 v. Chr. in der chinesischen Medizin. Hier gibt es sogar ein eigenes Schriftzeichen für Cannabis. Man geht davon aus, dass Cannabis sogar noch früher in Indien genutzt wurde. Jedoch hier nicht nur als Medizin, sondern auch für religiöse und genussorientierte Handlungen.

16:23
Ja, das nur so als kleines Hintergrundwissen zu Cannabis, eben wie viele Jahre es schon genutzt wurde, sowohl als Medizin, aber auch in Deutschland schon seit vielen, vielen Jahren als Nutzhanf. Nun geht es nach Mitteleuropa. Die Geschichte von Cannabis, je nachdem für welches Land man sie erzählt, läuft ein bisschen anders. Deswegen habe ich mich jetzt einfach auf Mitteleuropa konzentriert, um eben die Entwicklung bei uns transparent zu machen.

16:51
Denn auch in Mitteleuropa wurde Cannabis schon recht früh als Medizin genutzt. Natürlich nicht so früh wie in China. Und zwar seit dem frühen Mittelalter. In Europa wird das frühe Mittelalter circa zwischen den Jahren 500 und 1050 genutzt.

17:07
definiert und hier wurden vor allem Cannabis-Samen und das daraus gewonnene Öl zur Behandlung von Husten, Gelbsucht und Geschwülsten genutzt. Aber auch Hebammen haben schon Cannabis genutzt und zwar in Form von Hanfwickeln, die sozusagen um die Fußknöchel geschlagen wurden, gelegt wurden, um eben die Geburt zu erleichtern.

17:31
In diese Zeit oder im Anschluss dieser Zeit müssen wir auf jeden Fall auch mal kurz über Hildegard von Bingen reden. Hildegard von Bingen hat vom Jahr 1098 bis 1179 gelebt und sie war Ordensfrau der Benediktiner, Äbtissin, also eine Vorstehende eines Klosters, aber sie war auch Dichterin und Komponistin.

17:55
Aber besonders spannend für unsere Cannabis-Geschichte war sie vor allem auch eine sehr bedeutende Universalgelehrte. Universalgelehrte werden die Menschen genannt, die ein vielseitiges Wissen in vielen Gebieten vorweisen können. Hildegard von Bingen war die Frau, die damals das Wissen aus alten Hochkulturen genommen hat und das mit der mittelalterlichen Volksheilkunde verbannt.

18:23
Dazu verfasste sie medizinische Schriften und diese medizinischen Schriften entstanden so zwischen den Jahren 1150 und 1160. In ihrem großen Werk Physica, das 2000 Rezepte aus Halbpflanzen bereitstellte, wird auch Cannabis erwähnt als ein schmerzstillendes und verdauungsförderndes Mittel. Sie empfiehlt Cannabis einmal zur lokalen Behandlung von Geschwüren und Wunden, sie

18:50
Sie geht aber auch in ihrem Werk schon darauf ein, dass Cannabis bei rheumatischen und bronchialen Erkrankungen sowie Übelkeit und Magenbeschwerden genutzt werden kann. Auch betrachtet sie Cannabis als Opiumersatz. Dieses Wissen wurde über Generation zu Generation weitergegeben und beschleunigte sich nochmal dadurch, dass Druck und die Papierproduktion entwickelt wurden.

19:13
Und hier kommen wir tatsächlich auch wieder zurück zum Nutzhanf, denn im Jahre 1390 eröffnete die erste Papiermühle in Nürnberg und stellte Papier aus, was genau? Hanf her. Dieses war deutlich günstiger als das gängige Pergament und Nürnberg wurde zu einem zentralen Ort für die Papierproduktion.

19:34
65 Jahre später wird dann auch die Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt und ist bis heute noch gut erhalten. Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert war dann Hanf sehr wichtig für die Schifffahrt, denn aus Hanf wurden sowohl Segel als auch die Seile für die Segelschiffe hergestellt. Und um ein normales Segelschiff auszurüsten, wurden 50 bis 100 Tonnen Hanffasern verwendet. Das muss man sich mal vorstellen.

19:59
Als jedoch Dampfschiffe dann Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden, ging die Hanfnachfrage zurück. Logisch, ein Dampfschiff braucht keine Segel mehr, also braucht man nicht mehr so viel Hanf. Gleichzeitig war die Baumwolle auf dem aufsteigenden Ast. Diese konnte nämlich billig aus Asien und Russland importiert werden und darüber hinaus auch noch sehr günstig verarbeitet werden.

20:23
So viel mal zum positiveren Verlauf zu Cannabis in der Geschichte. Jetzt schauen wir doch aber auch nochmal auf die Geschichte der Prohibition von Cannabis. Denn auch die erste Prohibition…

20:34
Ist schon ein paar Jährchen her und zwar dafür schauen wir erstmal über die Grenzen von Europa hinweg und zwar ins Osmanische Reich. Im Jahr 1378 hat der Emir Sudo Sheikhouni von Tunayma, sorry wenn das falsch ausgesprochen ist, ich habe wirklich keine Ahnung, wie man das richtig ausspricht, aber der Emir hat auf jeden Fall Cannabis verboten.

20:59
Und er ließ einfach alle Pflanzen, die Saat ausreißen und alle Hanfesser ins Gefängnis sperren. Das war ihm allerdings noch nicht genug, denn er veranlasste zusätzlich noch alle Menschen, die dazu überführt wurden, Cannabis gegessen zu haben, alle Zähne auszureißen. Dieses Schicksal traf damals leider echt einige. Wirklich gebracht hat es jedoch nicht, denn Cannabis breitet sich trotzdem weiter im arabischen Raum aus.

21:27
Im europäischen Raum geriet Cannabis in Verruf und zwar im Jahre 1484 verbot Papst Innozenz VIII. in einer Bulle die medizinische Verwendung von Cannabis. Bullen wurden übrigens damals Dokumente genannt, welche wichtige Rechtsakte des Papstes verkündet haben.

21:46
So, aber Papst Innocenz VIII. deklarierte Cannabis als unheiliges Sakrament der Satansmesse. Also kurz, er sagt, wer Cannabis nutzt, ist dem Satan verfallen und er schreibt diese Pflanzen auch noch dem Hexenkult zu. Also jeder, der Cannabis nutzt, ist ja eine Hexe, jetzt mal sehr vereinfacht ausgedrückt. Anwender wurden durch diese Bulle in den Untergrund oder aber auch in die Verbannung gezwungen.

22:12
Damit war Cannabis in Europa erstmal ein paar Jährchen weg vom Fenster, aber schon im Jahre 1532 hat der französische Renaissance-Schriftsteller… Mist, ich kann gar kein Französisch. Ich wollte mir das eigentlich vor der Aufnahme beibringen lassen, also wenigstens wie ich den Namen ausspreche. Ich probiere es. François Rebella? Oh Gott. Also man schreibt es Franzois Rebellaes. Der hat auf jeden Fall von 1494 bis 1553 gelebt.

22:42
Gut, halten wir uns nicht mit meinen beschissenen Französischkenntnissen auf, sondern gehen wir weiter im Text. Auf jeden Fall war dieser Renaissance-Schriftsteller Benediktinermönch und auch Arzt.

22:55
Er hat im Jahr 1532 einen Roman veröffentlicht, der auch die Kirche und den Staat und okkulte Mythen verspottet. In diesem Roman spricht er auch wieder erstmals über Cannabis. Zu seiner eigenen Sicherheit veröffentlicht er diesen Roman unter einem Pseudonym und auch Cannabis…

23:14
gab er einen Decknamen, dass man nicht sofort wusste, über was er überhaupt redet. Ein weiterer wichtiger Akteur, der verhalf, Cannabis wieder aus dem Untergrund zu holen, war Paracelsus. Paracelsus lebte von 1493 bis 1541. Super viele Kliniken sind inzwischen nach ihm benannt. Vielleicht seid ihr schon mal an einer Paracelsus-Klinik vorbeigefahren, über den Weg gelaufen. Mir waren die auf jeden Fall ein Begriff.

23:39
Dieser Mann war ein richtiger Rebell zu seiner Zeit und musste sich auch des Öfteren vor Gericht behaupten, weil seine naturheilkundlichen Verfahren so hingestellt wurden, als würde er seinen Patientinnen Gift verabreichten. Von ihm stammt auch der berühmte Satz, »All Dinge sind Gift und nichts um Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.« Oder kurz und flapsig gesagt, »Die Dosis macht das Gift.«

24:06
Und auch Paracelsus erkennt eben diesen medizinischen Wert von Cannabis an und empfiehlt ihn als Balsam zur Heilung von Kontrakturen, also eine Funktions- und Bewegungseinschränkung von Gelenken zu nutzen.

24:19
Und im Jahre 1539 veröffentlicht noch der deutsche Mediziner Hieronymus Bock, auch Tragus genannt, sein Werk Kräuterbuch, in dem er eben eine illustrierte Beschreibung von Cannabis darstellt. Und auch der Arzt und Botaniker Garcia de Horta veröffentlichte 1563 ein Werk und in diesem Werk beschrieb er als erster Europäer die psychoaktive Wirkung von Hanf.

24:47
So wurde auf jeden Fall Cannabis wieder populärer, wurde wieder genannt, wurde wieder angeschaut. Aber im Zuge der Aufklärung im Jahre 1700 sind Kräuterbücher eher weniger interessant worden. Also diese ganzen Veröffentlichungen, von denen wir gerade geredet haben. Trotzdem wurde Cannabis nicht unwichtig. Es wurde eher einem zunehmend wissenschaftlichen, medizinischen Ansatz unterzogen.

25:10
Im Jahr 1797 in seinem Werk Reine Arzneimittellehre beschäftigt sich Samuel Hahnemann, der Empfinder der homöopathischen Lehre, mit Cannabis und arbeitet es eben als wirksame Medizin heraus. Aber nicht nur in der homöopathischen Medizin konnte Cannabis bestehen, auch in der damaligen europäischen Schulmedizin konnte sich Cannabis etablieren, zum Beispiel als der irische Arzt William B. O’Shaughnessy

25:39
Schockness, 1809 bis 1889, also heute habe ich es mit dem Namen echt nicht leicht. Auf jeden Fall hat dieser Arzt in einer Studie die Wirkung von Cannabis erst an Tieren, deiner Menschen und auch dann an sich selbst getestet. Und danach behandelt er Cannabis mit Cannabis sowohl Rheuma, aber auch Cholera, Tollwut und auch Krämpfe mit Erfolg. Kurz, Cannabis etabliert sich das erste Mal in der Schulmedizin.

26:09
Um das Jahr 1900 erreichte Cannabis dann seinen Höhepunkt und die Firma Merck in Darmstadt war damals der führende Hersteller von Cannabisprodukten. Cannabis galt damals als absolutes Allheilmittel und wurde für alles Mögliche verwendet. Sowohl Schlaflosigkeit, aber auch für Schmerzen, Husten, Tuberkulose bis hin zu Depressionen. Aber auch äußere Anwendungen wie bei der Behandlung von Muskelschmerz oder Hühneraugen wurde Cannabis verwendet.

26:37
Cannabis wurde wirklich viel verschrieben von Ärzten, viel verwendet von Ärzten und damals war ja den Menschen die berauschende Wirkung auch schon bekannt. Allerdings wurde Cannabis trotzdem auch an Menschen aller Alterstufen verschrieben, somit eben auch als mildes Schlafmittel für Babys und Kleinkinder.

26:55
Bis zum Jahr 1872 war Cannabis komplett unreguliert. Das heißt, man konnte es eben frei kaufen. Aber dann im Jahre 1872 erließ Kaiser Wilhelm I. eben, dass Cannabis apothekenpflichtig wird. Das heißt, man kann es nur noch in der Apotheke kaufen. Aber auch außerhalb der medizinischen Wirkung wurde Cannabis genutzt und zwar als Genussmittel. In Deutschland wurde Cannabis vom 18. bis Mitte 20. Jahrhundert auch geraucht.

27:24
Das Rauchen von Hanfblüten und Blättern hieß damals Knaster, aufgrund des Knistern, was eben beim Rauchen erzeugt wurde.

27:32
Es war deutlich weniger potent als das heutige Cannabis. Wir hatten es ja vorhin schon ein bisschen von hochgezüchtetem Cannabis mit einem hohen THC-Gehalt. Das Cannabis von damals hatte eher einen geringen THC-Gehalt. Cannabis wurde unter anderem auch deswegen damals geraucht, weil es deutlich günstiger war als Tabak. Tabak war damals super teuer. Es gab aber auch schon damals die ersten Tabak-Cannabis-Mischungen. Die tauchten so Ende 1800 auf.

28:00
Man nannte die übrigens starker Tobak und man konnte sie einfach in Tabakläden kaufen. Ein kleiner Funfact am Rande, der mich recht fasziniert hat, vielleicht auch, weil ich ehrenamtlich in einem Safer-Use-Projekt arbeite.

28:14
Aber damals gab es dann schon die ersten Ansätze von Safer Juice, denn auf den damaligen Tabak-Tosen von diesem starken Tobak, also dem Cannabis-Tabak-Mischung, stand drauf, misch nicht orient mit Bier, sonst werden deine Träume wirr. Kurz hier wird empfohlen, Cannabis nicht mit Alkohol zu mischen und es gibt sozusagen einen ersten Safer Juice Hinweis zum Mischkonsum von Cannabis. So habe ich das auf jeden Fall gedeutet, fand ich cool.

28:44
Als Tabak wieder günstiger wurde, verlor Cannabis seine hohe Beliebtheit. Lediglich so unter der Oberschicht und in Künstlerkreisen genoss Cannabis noch eine Beliebtheit, aber sonst war es eigentlich nicht mehr so verbreitet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es dann langsam los, dass Cannabis als Naturprodukt von synthetischen Arzneien verdrängt wurde.

29:06
Das Problem war, dass damals die Wirkung von der Cannabispflanze von den Chemikern und Pharmazeuten nicht so wirklich erklärt werden konnte. Dadurch konnte das medizinische Cannabis nicht standardisiert werden und somit gab es auch Dosierungsprobleme. So kam es, dass Cannabis mit Opiaten und Barbituraten usw. nicht mehr wirklich mithalten konnte und wieder sehr an Bedeutung verlor.

29:29
Erst im Jahre 1964 gelang es dem israelischen Wissenschaftler Rafael Mochulam, THC als wichtigste wirkende Substanz zu isolieren. Es dauerte aber noch weitere 30 Jahre, bis das körpereigene Cannabinoid-System mit den körpereigenen Cannabinoiden, wie zum Beispiel Anandamid, entdeckt wurde. Im Jahre 1911 fand dann in Den Haag die erste internationale Opium-Konferenz statt.

30:00
Bei dieser Opiumkonferenz nahmen zwölf Länder teil, 14 waren insgesamt eingeladen. Und hier wurde von der italienischen Regierung das erste Mal vorgeschlagen, den Konsum von Cannabis genauso strengen Regeln und Strafen zu unterwerfen, wie es schon bei Opium, Morphin und Kokain der Fall war. Das wurde allerdings im Jahre 1911 abgelehnt.

30:22
Zwölf Jahre später, bei der zweiten Opiumkonferenz, brachte dann die ägyptische Regierung erneut ein Cannabisverbot ein und diesmal fand dieser Vorschlag Zustimmung. Auch wenn Cannabis damals hier und da in der Oberschicht und in Künstlerkreisen noch konsumiert wurde, spielte Cannabis damals nicht wirklich eine Rolle in Deutschland.

30:45
Doch Deutschland war durch die Verbindung mit dem Völkerbund verpflichtet, dieses Gesetz zu ratifizieren, also anzuwenden, ließ sich dabei aber ein bisschen Zeit und das Gesetz tritt letztendlich dann im Jahre 1929 in Deutschland in Kraft.

31:01
Und das war es dann erstmal mit Cannabis als Medizin, aber auch als Genussmittel und teilweise auch als Nutzpflanze. Es wird gemunkelt, dass die Idee, Cannabis zu verbieten, von Ägypten keine

31:15
ja, keine gesundheitlichen Hintergründe hatte, sondern wirtschaftliche Hintergründe. Das begründet sich daraus, dass Ägypten ein großer Baumwollproduzent war damals. Und wir hatten das ja gerade auch in der bisschen älteren Geschichte, ein Konkurrenzprodukt zu Baumwolle ist nun mal der Hanf. So, und wenn jetzt halt Cannabis verboten wird, dann haben die Ägypter auch kein Konkurrenzkontakt

31:43
Konkurrenzprodukt mehr für ihre Baumwolle. Ja, und dann können die da ganz entspannt handeln. Cannabis hatte als Nutzhampf im Zweiten Weltkrieg auch nochmal ein kurzes Comeback, da die Versorgung von Baumwolle und anderen importierten Fasern aufgrund des Krieges eben sehr eingeschränkt war.

32:03
Und es wurde dann die lustige Hanffiebel veröffentlicht, die sozusagen Bauern wieder anregen sollte und auch wieder schulen sollte, Hanf anzubauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Interesse an Hanf dann wieder per se. Und mit der Einführung des Betäubungsmittelgesetzes 1971 wurde dann auch wirklich vermehrt nach Cannabiskonsumenten verhandelt. Also die wurden dann verfolgt und bestraft. Musik

32:34
Kommen wir noch zu guter Letzt zum Thema Cannabis als Medizin und somit auch die, nennen wir es mal die jüngste Geschichte zu Cannabis. Und zwar wurden im März 2017 Cannabisblüten und Cannabis-

32:47
als Rezepturarzneimittel wieder zugelassen. Erstmal kurz dazu, was eigentlich ein Rezepturarzneimittel ist. Ein Rezepturarzneimittel ist an sich ein Medikament, das normalerweise in der Apotheke speziell für den Patienten, für die Patientin angerührt werden muss und somit eben auch in der Apotheke hergestellt wird.

33:11
Bei Cannabis muss ja nichts Besonderes irgendwie angerührt werden. Das heißt, Cannabis liegt im Prinzip in der Apotheke rum und wird dann in Gläser abgefüllt. Cannabishaltige Medikamente und vor allem THC-haltige Medikamente waren schon vor 2017 auf dem deutschen Markt und zwar unter den Namen Sativex und Canemis. Das sind allerdings Fertigmedikamente.

33:37
Fertigarzneimittel müssen durch ein sehr aufwendiges Zulassungsverfahren. Und zwar müssen die erstmal geprüft werden, ob die funktionieren. Es gibt sozusagen Studien, wo diese Medikamente getestet werden und am Ende kommt eben dieses Fertigmedikament raus, zusammen mit, ja nennen wir es mal eine Anleitung, für was dieses Medikament verwendet werden kann. Also für welche Symptome oder auch für welche Krankheiten.

34:03
Dieses Zulassungsverfahren fällt jedoch bei Rezepturarzneimitteln weg. Rezepturarzneimittel sind in der Regel Medikamente, die für einen bestimmten Patient, eine bestimmte Patientin hergestellt wird. Das resultiert zum Beispiel daraus, wenn der Patient die Patientin eine Unverträglichkeit haben und deswegen fertig Medikamente nicht konsumieren können.

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Oder auch wenn Kinder zum Beispiel sehr alkoholhaltige oder auch bittere Medizin nicht einnehmen können, werden dann extra für diese Kinder Rezepturmedikamente hergestellt. Dafür Rezepturmedikamente.

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dass Zulassungsverfahren wegfällt und sozusagen die Verschreibungsanleitung zu dem Medikament fehlt, ist die Liste, für was Cannabis verschrieben werden kann, super lange und geht von ADHS, Angststörungen, Blasenkrämpfe, chronische Schmerzen, HIV-Infektion, Migräne, Multiple Sklerose bis zum Reizdarm und so weiter und so fort. Es gibt einfach sehr viele Krankheiten, wobei…

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wo Cannabis eine positive Wirkung gezeigt hat bzw. eine positive Auswirkung erzielt hat. Wann Cannabis also verschrieben werden kann, obliegt komplett des Ermessen des Arztes. Und Cannabis kann auch von Ärzten aus allen Fachrichtungen verschrieben werden.

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Die Verschreibung von Cannabis geht jedoch mit vielen Problemen einher. Viele Ärzte verschreiben kein Cannabis, was unter anderem auch daher rührt, dass es einfach nicht abschließend geklärt ist, für welche Symptome oder Krankheiten es nun verwendet werden kann. Das sorgt natürlich für Unsicherheiten. Es fehlt sozusagen, ja, ich nenne es immer mal die klare Anleitung zu dem Medikament.

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Und deswegen scheuen sich viele, das Medikament überhaupt zu verschreiben. Darüber hinaus geht die Cannabis-Verschreibung auch mit einer gewissen Bürokratie einher, die viele Ärzte nicht machen möchten oder auch aufgrund des hohen Zeitaufwands nicht machen können, da keine Zeitkapazitäten da sind.

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Außerdem übernehmen die Krankenkassen viele Anträge auf Kostenübernahme nicht. Das liegt daran, dass für Cannabis besondere Regeln gelten. Nur bei einer schwerwiegenden Krankheit und wenn man schulmedizinisch austherapiert ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Diese Regeln wurden im Sozialgesetzbuch definiert. Und auch das ist besonders, denn Cannabis ist das einzige Medikament in Deutschland, dessen Anspruch im Sozialgesetzbuch beschrieben wird.

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Ein weiteres Problem ist, dass Cannabis in der Apotheke sehr teuer ist, wenn man es selbst zahlen muss. Und wir reden hier von 25 Euro pro Gramm, so im Durchschnitt.

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Außerdem wird oft vom Arzt vorausgesetzt, dass sich ein Vaporizer angeschafft werden soll. Auch das ist nicht ganz günstig, aber die Voraussetzung, dass eben eine Medizin auch schonend, so schonend wie möglich konsumiert werden soll, ist auf jeden Fall nachvollziehbar. Patienten und Patientinnen können das Geld für den Vaporizer auch von der Krankenkasse zurückbekommen, auch wenn Cannabis auf Privatrezept verschrieben wird.

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Das weiß ich allerdings von Cannabis-Patienten und -Patientinnen, habe also dementsprechend nur diese Quelle. Und ja, das ist eher so eine Ermutigung, mal bei der Krankenkasse nachzufragen, falls das der Fall ist. Und ein letztes Problem in dem ganzen Bereich medizinischen Cannabis ist, dass es zurzeit einfach auch noch viele Lieferengpässe gibt und Menschen, die Cannabis verschrieben bekommen, nicht mal ihr Cannabis bekommen, weil eben keins da ist.

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Als letzter Punkt zum medizinischen Cannabis möchte ich noch kurz auf die Fahreignung eingehen. Das ist nämlich auch ein bisschen tricky, das Thema. Und zwar…

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Kann man mit medizinischem Cannabis schon Auto fahren? Es gibt aber so ein paar Voraussetzungen, die man erfüllen muss. Im Prinzip ist erst mal das erste Gebot, sich an die Weisungen der Ärztin zu halten und zu gucken, was die sagt. Die kann zum Beispiel sagen, naja, wir brauchen jetzt erst mal eine Eingewöhnungszeit, bis man sich an die Wirkung von Cannabis gewöhnt, Nebenwirkungen, unerwünschte Wirkungen nachlassen und damit eben wieder eine Fahrtüchtigkeit entstehen kann.

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Diese Fahrtüchtigkeit muss man aber selbstständig nachweisen. Dafür ist der Patient die Patientin eigenverantwortlich. Allerdings gibt es bei Cannabis auch zwei verschiedene Arten, wie Cannabis verschrieben werden kann. Es gibt einmal Cannabis als tägliche Dosis oder Cannabis als Bedarfsmedikation.

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Bedarfsmedikation bedeutet im Prinzip, dass man Cannabis dann immer konsumieren kann, wenn eben gerade der Bedarf ist, also wenn gerade das Leiden oder das Symptom auftritt oder man hat eben eine tägliche Menge, die man konsumieren kann. Wenn man Cannabis täglich verschrieben bekommt, ist die Fahrtüchtigkeit gegeben, also man kann sie leichter nachprüfen lassen. Aber wenn man Cannabis als Bedarfsmedikation verschrieben bekommen hat, schränkt das die Fahrtüchtigkeit ein, so als Bedarf.

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Beispiel zum Beispiel Patientin Anna hat chronische Schmerzen und deswegen dampft sie täglich eine Menge Cannabis, die sie eben auch verschrieben bekommen hat. Und somit kann sie auch ihre Fahrtüchtigkeit offiziell feststellen lassen und sich dann wieder an Steuersätzen nach einer gewissen Eingewöhnungszeit. Patient Peter aber hat wegen seiner starken Migräne nur bei Bedarf Cannabis verschrieben bekommen, also wenn er Migräne-Symptome hat.

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Und das stellt eben eine Veruntüchtigkeit her. Das heißt, wenn Peter aus dem Verkehr gezogen wird mit einem positiven Cannabis-Test und in Anführungszeichen nur Bedarfspatient ist, kann er eben Probleme bekommen. Musik

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So, wir haben es geschafft. Die erste Folge meiner Doppelfolge Cannabis ist fertig. Wir haben uns mal Cannabis ganz im Allgemeinen angeschaut und ein paar Grundlagen herangeschafft. Wir sind einmal durch die komplette Geschichte von Cannabis getaucht und am Ende haben wir uns auch noch mal Cannabis als Medizin ein bisschen genauer angeschaut. In zwei Wochen geht es weiter mit dem zweiten Teil der Doppelfolge Cannabis.

40:09
Und da wird es eben über die erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Cannabis gehen. Wir schauen uns an, wie Cannabis im Gehirn wirkt. Ja, und was mir halt sonst noch zu Cannabis eingefallen ist. Ich freue mich, euch in zwei Wochen wiederzuhören. Nee, eigentlich hört ihr ja mich. Egal, ich bin schon ein bisschen müde. Es ist auch schon spät. Ich wünsche euch schöne zwei Wochen. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

40:40
Das war psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Steffi.


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