ADHS und Sucht treten häufig gemeinsam auf, weil ADHS zentrale Bereiche betrifft, die auch für Konsum und Abhängigkeitsentwicklung relevant sein können: Aufmerksamkeit, Impulsivität, Emotionsregulation, Belohnungsaufschub und innere Unruhe. In der Folge wird erklärt, was ADHS im Erwachsenenalter ausmachen kann, warum die Diagnose deutlich komplexer ist als Vergesslichkeit oder Unkonzentriertheit und weshalb die Symptome immer fachlich eingeordnet werden sollten. Gleichzeitig wird deutlich, dass ADHS nicht nur mit Belastungen verbunden ist, sondern auch mit Stärken wie Kreativität, Energie, Humor und Empathie.
Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Menschen mit ADHS ein erhöhtes Risiko für problematischen Substanzkonsum entwickeln können. Die Folge erklärt dafür zwei zentrale Erklärungsansätze: die Dopaminmangelhypothese und die fehlgeleitete Selbstmedikation. Substanzen können kurzfristig so erlebt werden, als würden sie innere Unruhe, Überforderung, soziale Unsicherheit oder Konzentrationsprobleme lindern – genau darin liegt aber auch ein Risiko, wenn sich Konsum verselbstständigt. Zum Abschluss geht es um Behandlungsmöglichkeiten bei ADHS und Sucht: um die Bedeutung einer guten Diagnostik, um Psychotherapie, um medikamentöse Behandlung unter fachärztlicher Begleitung und darum, warum beide Themen gemeinsam betrachtet werden sollten, ohne Konsum und Medikation miteinander gleichzusetzen.
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ADHS und Sucht
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PODCAST-METADATEN
Folge: 17
Erscheinungsdatum: 25.02.2021
Podcast: Psychoaktiv
Titel: ADHS und Sucht
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
Transkript Beginn
00:07
Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein! Jo Leute, was geht? Willkommen bei einer neuen Podcast-Folge mit mir, Steffi.
00:28
Heute reden wir ein bisschen über ein suchttherapeutisches Thema. Ich mache ja gerade die Ausbildung zur Suchttherapeutin und wie ich schon öfters erwähnt habe, ich verwurschtel am liebsten gerne Themen, die mich auf der Arbeit gerade begleiten oder in meiner Ausbildung gerade begleiten, gleich in eine Podcast-Folge. Das hat den großen Vorteil, dass ich das selbst besser lerne und ihr habt auch ein bisschen was von meinem Lernerfolg.
00:51
Heute geht es um ADHS und Sucht, also um eine Komorbidität. Komorbidität bedeutet, wenn sozusagen zwei Krankheiten sich gleichzeitig bedingen, gleichzeitig auftreten. Ich werde in dieser Folge nur noch mal in aller, aller Kürze auf die Abhängigkeitsdiagnose eingehen, denn wir haben das wirklich schon öfters im Podcast durchgegangen, sind das öfters durchgegangen. Für die, die sehr, sehr frisch bei meinem Podcast mit dabei sind,
01:19
Die sollten sich vielleicht mal, die zweite Folge ist das glaube ich, bin ich schon Alkoholikerin, bei einem Glas Alkohol pro Tag reinziehen. Denn in der Folge erkläre ich wirklich sehr ausgiebig die Abhängigkeitsdiagnose. Zwar ist das am Beispiel von Alkohol, aber die Diagnose ist für jede Substanz gleich, egal ob illegalisiert oder nicht illegalisiert. Und eben in dieser zweiten Folge schauen wir uns am Alkohol wirklich ganz genau die Abhängigkeitsdiagnose an.
01:47
Also wer mehr Informationen zur Abhängigkeitsdiagnose braucht, schaut in meine zweite Folge rein, denn heute geht es wirklich hauptsächlich um das gleichzeitige Auftreten von ADHS und Abhängigkeit und wie sowas entsteht. Bevor wir aber jetzt gleich ins Thema rein starten, möchte ich nochmal betonen, dass ich in dieser Folge sehr viel auf die Störungen eingehen werde, die durch eine ADHS entstehen.
02:14
Und zwar liegt es einfach daran, dass eine Abhängigkeitserkrankung eben durch die Störungen entstehen und nicht durch die ganzen positiven Seiten, die eine ADHS eben auch mit sich bringen kann.
02:26
Deswegen möchte ich erstmal in der Begrüßung noch vorschieben, dass Menschen mit ADHS wirklich viele Stärken und Ressourcen haben, die man nicht einfach unter den Teppich kehren sollte. Sei es eine hohe Kreativität oder viel Humor oder auch eine sehr ausgeprägte Empathie. Auch können viele Menschen mit ADHS bei einer Tätigkeit, die ihnen besonders Spaß macht, wirklich zu Hochtouren auflaufen und wirklich beherrschen.
02:52
Berge bewegen. Ich bin immer so fasziniert von meinen Klienten, Klientinnen, die auch mit einer ADHS zu mir kommen. Wenn man da auch ihre Lebensgeschichte anschaut, wie viel Power und wie viel Durchhaltevermögen trotz ADHS und
03:07
wenn sie bei mir sind, auch meistens trotz einer Abhängigkeitserkrankung, sie gezeigt haben, um sich eben ja durch ihr Leben zu bringen. Ich sage meinen Klienten und Klientinnen oft, dass ADHS ja fast wie so eine kleine Superpower ist. Natürlich haben wir die ganzen negativen Aspekte, auf die wir in der Folge auch mehr eingehen können, aber wir haben eben auch diese wahnsinnigen Kräfte, die sich durch die ADHS entwickeln können und macht meine Klienten auch wirklich zu absoluten
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Power-Menschen, was ich sehr bewundernswert finde und mir ist es deswegen vor allem, weil das jetzt fast ein bisschen eine defizitärere Folge wird, sehr wichtig, das wirklich vorauszusagen, dass Menschen mit ADHS eben so eine tolle, vielseitige, kreative Seite haben und
03:55
trotz eben den Belastungen, die sich aus dem ADHS-Syndrom eben ergeben. Behaltet euch also diese positiven Werte, diese positiven Worte von mir gerade auch im Hinterkopf, wenn wir jetzt auch eher auf den schmerzhaften Teil von ADHS eingehen.
04:13
Starten wir erstmal ganz grundlegend damit, was eine ADHS ausmacht, bevor wir dann später eben auf diese Doppelerscheinung ADHS und Abhängigkeitserkrankung eingehen. ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung. Ziemlich langes, kompliziertes Wort, deswegen bleiben wir in der Folge einfach kurz immer bei ADHS.
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Bei ADHS geht man von einer angeborenen Störung der Spannungs- und Emotionsregulation aus. Im Kindesalter zeigt sich das zum Beispiel dadurch, dass Kinder mit ADHS öfters mit Schreien reagieren als zum Beispiel Kinder ohne ADHS. Diese Reaktionen können eben auf verschiedene Reize passieren, zum Beispiel innere und äußere Reize, also wenn man sich wirklich irgendwie unwohl fühlt oder verwirrt wird und dass man eben damit nicht gut umgeht.
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gehen kann und dadurch eben stark mit Schreien reagiert. Auch kann es zu Fütter- und Schlafstörungen kommen und Kinder mit ADHS sind meist dann schwieriger zu beruhigen als Kinder ohne ADHS.
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Diese Symptome unterliegen allerdings nicht nur dem ADHS. Das heißt, dass diese Symptome eben auch anderen Störungsbildern zugeordnet werden können. Das heißt, um eine Diagnose für ADHS zu stellen, müssen immer auch andere Störungsbilder erstmal ausgeschlossen werden können. Erste Anzeichen kann man meistens schon sehr, sehr früh erkennen. An sich zeigt sich das Vollbild der ADHS schon bei der Hälfte der Fälle vor dem siebten Lebensjahr.
05:43
Dann haben wir 93 Prozent der Fälle bis zum zwölften Lebensjahr und bei 98 Prozent der Fälle bis zum sechzehnten Lebensjahr. In den USA wird auch unter den Diagnosekriterien drei verschiedene Typen von Menschen mit ADHS unterschieden. Einmal gibt es den primär hyperaktiven Typ, dann den primär aufmerksamkeitsgestörten Typ und dann eben noch ein Mischtyp, der sozusagen Symptome von beiden Typen hat. In Deutschland ist eigentlich nur der Mischtyp anerkannt.
06:12
was die länderübergreifende Forschung ein bisschen schwierig macht, weil dann kann man das eben nicht so gut vergleichen. In Deutschland reden wir dann meistens über ADHS und ADS, also wir kicken das H für Hyperaktivität aus dem Namen raus und beschreiben somit eben Menschen, die wirklich ein Aufmerksamkeitsdefizit aufweisen, aber die hyperaktive Komponente nicht ausfüllen.
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An sich werden aber Menschen mit der Hyperaktivitätskomponente leichter oder öfters diagnostiziert als Menschen,
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Kinder eben, die eher nur eine Aufmerksamkeitsstörung hat. Das heißt sozusagen, der laute Zappel-Philip, nennen wir das jetzt tatsächlich mal so, wird schneller sozusagen dem ADHS so gesprochen, als jetzt jemand, der eher total unaufmerksam ist und irgendwie auch immer zu spät kommt oder irgendwie seine Hausaufgaben vergisst und sehr zerstreut ist.
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Das liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass wirklich ADHS ganz lange das Zappelphilips-Syndrom genannt wurde und diese hyperaktive Komponente wirklich sozusagen die prominenteste Komponente des Erscheinungsbildes ist.
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Allerdings gibt es eben diese zwei Komponenten und die Hyperaktivität ist kein Muss für die Diagnose. Vor allem rückt die Hyperaktivität mit dem Erwachsenenalter immer mehr in den Hintergrund. Und bei ADHS im Erwachsenenalter geht es dann meistens vielmehr um eine innere Unruhe. Also die Hyperaktivität kann sich von außen nach innen kehren und man hat sozusagen nicht mehr dieses Unruhen,
07:46
in der Kindheit auffälliges Zappelphilips-Syndrom, sondern es äußert sich eben bei Erwachsenen meistens anders. So viel aber erstmal zu der Erscheinung im Kindesalter, weil heute werden wir vor allem auch auf ADHS im Erwachsenenalter schauen, denn die Diagnose muss nicht im Kindesalter gestellt werden, sondern kann auch im Erwachsenenalter gestellt werden. Und hierfür gibt es verschiedene Kriterien, die erfüllt werden müssen.
08:18
Für die Diagnose im Erwachsenenalter wird aber vorausgesetzt, dass die Symptome in der Kindheit schon bestanden haben. Das prüft man zum Beispiel, dass man zum Diagnostizieren seine Grundschulzeugnisse mitbringt. Also die Zeugnisse, wo die Lehrerin den Lehrern noch sehr viel über einen geschrieben hat und man meistens gar keine Noten hatte. Auf jeden Fall hatte ich keine Noten in der ersten und zweiten Klasse.
08:40
Und dann stand da so ein Megatext, so was man so gemacht hat in der Schule, wie man sich so benommen hat. Und diese Zeugnisse dienen den Diagnostikern, den Diagnostikerinnen dafür, eine Diagnose zu stellen und zu gucken, ob diese Auffälligkeiten schon im Kindesalter da waren. Sind sie das nämlich nicht, ist eine Diagnose für ADHS im Erwachsenenalter ja nicht möglich, wenn es sonst keine Hinweise gibt.
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Gut, aber genug vorgeredet, schauen wir uns jetzt mal die handfesten Diagnose-Kriterien an. Hierfür nutzen wir die Wender-Uter-Kriterien, die werden auch für die Diagnostik genutzt. Und bei den Wender-Uter-Kriterien haben wir erstmal die zwei Hauptbereiche, und zwar die Hyperaktivität und die Aufmerksamkeitsstörung.
09:26
Zum Bereich Aufmerksamkeitsstörung gehört zum Beispiel die mangelnde Fähigkeit, Gesprächen aufmerksam folgen zu können. Also das dauerhafte Abschweifen, wenn man gerade in Gesprächen ist. Eine allgemeine erhöhte Ablenkbarkeit durch innere und äußere Reize. Also, dass man im Prinzip nichts wegfiltern kann, dass man denkt, oh, da ist eine Fliege und ach fuck, jetzt fliege ich.
09:49
jetzt war ich doch eigentlich im Gespräch, also eben wie so eine hohe Ablenkbarkeit eigentlich, obwohl man eine klare Aufgabe hat. Und Schwierigkeiten, sich auf schriftliche Texte oder Arbeitsaufgaben konzentrieren zu können. Das heißt, man liest ein Buch und schaut alle zwei Sekunden dann doch auf sein Handy oder macht dann plötzlich was komplett anderes, vergisst, dass man überhaupt ein Buch gelesen hat und so weiter.
10:10
Und die Vergesslichkeit bezüglich wichtiger Utensilien. Also, dass man seinen Schlüssel liegen lässt, seine Brille dauernd sucht, dass man irgendwie jedes Mal, wenn man losfahren möchte, hunderttausendmal noch ins Haus rennen muss, um irgendwelche Sachen, die man dort liegen hat, lassen wiederzuholen. Bei der Hyperaktivität reden wir von einer inneren Unruhe. Also sozusagen eine äußere Unruhe kehrt sich auch nach innen.
10:36
innen, also man hat viele Gedankenkreisen und ist einfach immer recht nervös oder kann sich halt einfach auch nicht so gut beruhigen. Dann redet man noch von einer mangelnden Fähigkeit, sich zu entspannen oder sitzende Tätigkeiten auszuüben. Da gehört zum Beispiel auch ein Restless-Leg-Syndrom dazu, also dass man sozusagen die ganze Zeit mit dem Fuß wippelt oder an seinem Kuli rumspielt.
11:01
Und dass es zusätzlich noch zu einer dysphorischen Stimmung bei Inaktivität kommt. Das heißt, man kann Ruhe sehr schlecht aushalten. Also wenn man hyperaktiv ist, kann so ein Film zu gucken oder irgendwas Längeres zu gucken oder sich länger auf eine Aufgabe zu konzentrieren sehr, sehr schwierig sein.
11:21
Nach den Wender-Utter-Kriterien müssen eben neben diesen zwei Hauptkategorien der Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität noch mindestens zwei der folgenden Kriterien Bereiche zutreffen. Also wir haben einmal sozusagen Step 1 der Diagnose, Hauptkriterium Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität und jetzt gehen wir sozusagen im Schritt 2 der Diagnose, also wenn wir das erfüllen, in die zweite Ebene.
11:50
Da haben wir einmal eine Impulsivität. Bei Impulsivität gehört zum Beispiel eine Ungeduld dazu. Andere werden im Gespräch oft unterbrochen bzw. Sätze von anderen werden zu Ende geführt. Man hat nicht die Geduld, ordentlich zuzuhören.
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Man macht impulsive Einkäufe zum Beispiel und ist allgemein sehr impulsiv unterwegs in seinen Entscheidungen. Außerdem hat man eine verringerte Fähigkeit, Handlungen im Verlauf zu verzögern. Das bedeutet, dass man immer alles ganz schnell machen möchte und Schwierigkeiten hat, mal kurz in Ruhe darüber nachzudenken, wie man eigentlich was machen möchte und ist eigentlich schon bei Schritt 5 und hat einfach Schritt 1 bis 4 übersprungen.
12:32
Als nächste Unterkategorie haben wir die Affektlabilität. Eine Affektlabilität bedeutet ausgeprägte Stimmungsschwankungen, also dass man zum Teil von Himmel hoch jaucht und bis total betrübt und scheiße drauf sein kann im Tagesablauf. Also sozusagen gefühlstechnisch sehr labil unterwegs, dass das eben in alle Richtungen einfach ausbrechen kann.
12:57
Ein weiterer Punkt ist eine gestörte Affektkontrolle. Das heißt, dass man eben eine Affektlabilität aufweist, im Sinne, man hat ganz viele krasse Gefühle in alle Richtungen, aber man hat eine mangelnde Fähigkeit, noch zusätzlich den Wechsel dieser Stimmungen zu beeinflussen und man hat somit auch eine erhöhte Reizbarkeit.
13:20
weil man eben nicht so viel mit seinen Gefühlen anfangen kann. Das kann auch sein, dass man kurzfristig Verabredungen absagt, weil man plötzlich keinen Bock mehr hat, obwohl man eigentlich noch kurz vorher Bock hatte. Also das äußert sich eben dann in solchen Dingen. Ein weiterer Unterpunkt ist die emotionale Überreagibilität.
13:43
Das bedeutet im Prinzip, dass man super schnell richtig krass begeistert sein kann von neuen Themen und dass das aber auch richtig schnell wieder nachlassen kann, vor allem wenn das dann sehr Routine wird und dann hat man so das Gefühl von Langweile und Unzufriedenheit und dann hat man eigentlich keinen Bock mehr.
14:01
Es kann auch zu Gefühlen von Verzweiflung und Hilflosigkeit kommen, wenn es zum Beispiel zu unvorhergesehenen Situationsveränderungen kommt. Kurz, man überreagiert auf verschiedene Situationen, wenn die einen eben ein gewisses Unwohlsein oder auch Langweile hervorruft. Und unsere letzte Unterkategorie ist das disorganisierte Verhalten.
14:25
Also, dass man zum Beispiel eine mangelnde Fähigkeit hat, Sachen zu planen oder in Ordnung zu halten. Man bearbeitet Projekte manchmal sehr planlos und unsystematisch. Das heißt, man wechselt vielleicht auch von Aufgabe zu Aufgabe, bringt dabei eine Aufgabe nicht zu Ende, vergisst vielleicht, dass man die Aufgabe überhaupt gemacht hat oder man hält Termine nicht ein.
14:49
Man sieht also, wenn wir jetzt diese ganzen Diagnose-Kriterien für ADHS im Erwachsenenalter durchgehen, dass das wirklich eine sehr große Bandbreite ist. So, man muss natürlich nicht alles ausrechnen.
15:02
Das habe ich ja am Anfang gesagt, dass einmal muss man in Richtung Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörung diese Kriterien erfüllen und dann zwei von den Unterkriterien, also Impulsivität, Affektlabilität, gestörte Affektkontrolle, emotionale Überreagibilität und disorganisiertes Verhalten erfüllen.
15:24
Kindern in der Diagnose ist das nicht so stark auf die Emotionsregulation geprägt. Das kommt tatsächlich bei der ADHS im Erwachsenenalter im besonderen Maße dazu. Was in den Vendauta-Kriterien leider nicht erfasst wurde, sind kognitive Einschränkungen, die mit der ADHS einhergehen können.
15:44
Denn Menschen mit ADHS haben eine erhöhte Schwierigkeit, flexibel auf Situationen zu reagieren. Was damit gemeint ist, ist, dass wir über unser Leben immer wieder ein Verhalten erlernen. So funktionieren wir einfach als Mensch. Wir lernen durch Situationen, durch Erlebnisse, wie man sich in verschiedenen Situationen verhält.
16:03
Logischerweise ist eine Situation nie eins zu eins wie die andere Situation. Das heißt, ja, wir haben sozusagen das Verhalten als grundlegende Basis, wie wir agieren können, müssen aber dieses Verhalten je nach Situation immer wieder anpassen, damit es halt auch wirklich auf die neue Situation passt.
16:24
Man braucht also so ein bisschen ein Gespür, mit welchen Menschen man unterwegs ist, was die Umgebung so hergibt. Aber genau das fällt Menschen mit ADHS anscheinend sehr schwierig und man verwendet sozusagen das erlernte Verhalten recht unflexibel und ungeachtet der Situation einfach wieder. Und naja, das ist natürlich in manchen Situationen nicht angebracht bzw. macht es schwierig.
16:47
Kurz ADHS erschwert es den Menschen, automatisch erlernte Prozesse flexibel zu verändern. Bevor wir weitermachen, möchte ich noch mal kurz ein paar Worte zu Diagnosen rauslassen.
17:00
Denn hier ist es mir immer sehr wichtig zu betonen, dass die Auffälligkeiten im Verhalten wirklich erheblich sein sollen. Man muss sich im Klaren sein, dass Diagnosen sich immer an einem sogenannten Normverhalten orientieren. Also Normverhalten wirklich in Anführungszeichen. Aber es wird sozusagen geschaut, was ist die Norm in der Gesellschaft und was sind sozusagen die Ausprägungen, die es geben kann und darauf werden Diagnosen festgesetzt.
17:28
Was im Prinzip bedeutet, dass man sich in vielen Diagnosen wiederfindet.
17:33
Das heißt aber nicht, dass jemand, der dauernd sein Handy verlegt, unbedingt schon gleich eine ADHS hat. Aber man findet sich hier und da sicher in sehr, sehr vielen Diagnosen wieder. Und ich finde es immer sehr wichtig zu betonen, weil Diagnostikerinnen haben den Job nicht umsonst. Also wenn man das sozusagen einfach so auf Blickdiagnostik machen könnte, bräuchten wir keine Diagnostiker und Diagnostikerinnen mehr.
17:59
Und ich finde es persönlich immer sehr makaber und sehr schwierig, wenn man als Hobbydiagnostiker durch die Welt geht und Menschen sozusagen Diagnosen anhängt. Klar, es ist eventuell nützliches Schubladendenken für einen selbst, um sich zu sortieren, aber vor allem Menschen damit zu konfrontieren, sollte sehr wohl überlegt sein, denn es ist erstmal auch etwas, was als eine sehr starke Kritik oder auch Verletzung wahrgenommen werden kann und
18:28
Wie gesagt, wenn man das Fach wirklich nicht gelehrt hat und selbst dann sollte man auch gucken. Diagnosen werden auch zum Beispiel damit gestellt, dass andere Diagnosen ausgeschlossen werden. Es werden Fragebögen ausgeführt, es werden eventuell Computertests gemacht, es werden Bluttests gemacht. Also so eine Diagnose, die entsteht einfach nicht nur mal kurz durch ein Gucken aus dem Manual. Und deswegen mein Appell und das mache ich jedes Mal, wenn ich hier Diagnosen vorstelle,
18:54
Überlasst es den Fachmännern und Fachfrauen, Diagnosen zu stellen. Und falls ihr wirklich jemanden darauf ansprechen wollt, weil ihr einen Verdacht habt, überlegt euch gut, warum man das machen möchte. Also warum möchte man jemanden mit einer Diagnose konfrontieren? Hat der wirklich einen Benefit daraus? Und dann macht das wirklich achtsam.
19:19
Schauen wir uns nochmal zusätzlich an, was das Erklärungsmodell ist, an was es liegt, dass eben ADHS solche Symptomatiken ausspuckt. Denn hier gibt es tatsächlich eine Hypothese dazu, wie ADHS im Gehirn
19:36
Und da geht man eben davon aus, von einer Unteraktivierung in den dopaminergen Netzwerken. Was bedeutet das? Im Prinzip haben Menschen mit ADHS eine erhöhte Dopamintransporterdichte.
19:52
Also, wie man sich das vorstellen kann. Im Prinzip ist es so, dass unsere eine Synapse die Spukdopamin aus, diese geht an den Rezeptor, aktiviert den Rezeptor, um eben ihre Wirkung zu erzielen und wird eben dann von den Transportern wieder in die Synapse, in die Erst zurückgeführt, damit sie da wieder ausgestattet werden kann. So, jetzt ist es so, dass man davon ausgeht, dass Menschen mit ADHS eine erhöhte Dopamintransporterdichte hat. Kurz,
20:21
Zwar wird Dopamin ganz normal ausgeschüttet in den synaptischen Spalt, wird aber sozusagen sofort wieder zurückgeführt, bevor sie an den Rezeptoren wirken kann.
20:30
Das heißt, das Dopamin kommt gar nicht so weit, dass es an den Rezeptoren wirken kann, sondern wird einfach sofort wieder zurück in die Synapse gebracht. Und das sorgt eben dafür, dass man einen Dopaminmangel hat, aber das ist eigentlich eher ein Dopaminwirkungsmangel, dadurch, dass er eben so schnell weggesnackt wird.
20:52
Das sorgt eben für Symptome im Bereich der Motivation, aber auch im Bereich des Belohnungsempfindens. Da werden wir gleich nochmal ein bisschen mehr drauf eingehen. Aber auch des Gedächtnisses, vom Lernen und Bewegung. Also im Prinzip genau diese Symptome, die eben die ADHS aufzeigt, werden durch den Dopaminmangel ausgelöst.
21:12
ausgelöst. Darüber hinaus gibt es eine Gleichgewichtsfunktion zwischen Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Also hat man von dem einen zu wenig, hat man von den anderen wahrscheinlich auch zu wenig. Das heißt, es möchte sich immer die Waage halten. Und Noradrenalin ist zum Beispiel für unsere Orientierung sehr wichtig, während Serotonin auch sehr wichtig ist für unsere Emotionsregulation. Das heißt, wir kommen hier eben auf diese wichtigen Neurotransmitter auf einen Mangel.
21:39
Werbung So viel zum allgemeinen Teil zu ADHS und jetzt schauen wir uns erstmal die Komorbidität von ADHS und Sucht an. Komorbidität bedeutet Zufall.
21:58
zu einer Grundkrankheit dazukommen. Das heißt, wir haben eine Grundkrankheit, die ADHS, und die komorbide Störung, die dazukommt, ist die Abhängigkeitserkrankung, die jedoch ein eigenständiges Krankheitsbild abbildet. Für ADHS und Sucht, also für diese Verbindung, gibt es zwei hauptsächliche Hypothesen, die angewendet werden.
22:17
um dieses Doppelauftauchen eben zu erklären. Bevor wir uns aber auf diese zwei Hypothesen stützen, möchte ich erstmal darauf hinweisen bzw. kurz darauf eingehen,
22:30
wie eine Abhängigkeitserkrankung überhaupt entsteht. Denn wenn wir versuchen, eine Abhängigkeitserkrankung, also die Entstehung einer Abhängigkeitserkrankung zu erklären, reden wir von einem Drei-Faktoren-Modell. Und diese drei Faktoren sind die Droge an sich, also die Substanz, die Person, also da zählen physiologische und psychologische Faktoren dazu, und die Umwelt.
22:55
Diese drei Faktoren bedingen sich gegenseitig und können eben dafür sorgen, dass man eine Abhängigkeit entwickelt.
23:03
Bei ADHS haben wir auf alle drei Faktoren Einwirkungen, die es wahrscheinlicher machen, dass eine Abhängigkeitserkrankung entstehen kann. Auf diese drei Faktoren werde ich jetzt, wenn ich die zwei Hypothesen vorstelle, nochmal ein bisschen näher eingehen. Deswegen behaltet euch das immer im Hinterkopf, wenn wir uns angucken möchten, wie eine Abhängigkeitserkrankung funktioniert.
23:26
schauen wir uns immer die Substanz an sich an. Also was bringt die Substanz mit? Was hat sie für ein Abhängigkeitspotenzial? Was hat sie für Gefahren, die sie mit sich bringt? Was hat sie aber auch für Benefits, die sie mit sich bringen? Dann haben wir eben die Person an sich. Was hat sie für körperliche und psychologische Faktoren, die sie mitbringt? Und eben das Umfeld. Was für soziale Gegebenheiten bilden sich um diese Person? Und diese drei Faktoren bedingen sich eben gegenseitig. Jugendliche.
23:55
Gut, so viel zum Vorwissen. Jetzt geht es zu den Hypothesen. Wenn wir von der Komorbidität, von ADHS und Abhängigkeitserkrankungen sprechen, dann gibt es eben zwei zentrale Hypothesen, die man eben als Erklärungsmodell heranzieht. Hier gibt es nämlich einmal die Dopaminmangelhypothese und die fehlgeleitete Selbstmedikation.
24:21
Gut, starten wir mal mit der Dopaminmangelhypothese. Wir haben ja gerade gelernt, dass bei Menschen mit ADHS ein Dopaminmangel im Gehirn stattfindet. Das findet dadurch statt, dass es zu viele Transporter gibt, die das Dopamin schnell wieder zurückbefördern in die Synapse, bevor das Dopamin überhaupt seine Wirkung entfalten kann.
24:44
Auch eine Abhängigkeitserkrankung wirkt aufs dopaminerge System. Das ist nämlich im Prinzip unser Belohnungssystem.
24:52
Ein funktionierendes Belohnungssystem ist aber sehr wichtig dafür, dass man sozusagen Belohnungen aufschieben kann. Das heißt, wenn ich irgendwas haben möchte, dann überlege ich nochmal drüber, ob das jetzt klug ist oder nicht, weg, ab etc. pp. Hat man aber ein gestörtes dopaminerges System, wie es eben bei Menschen mit ADHS angenommen wird, dann funktioniert
25:16
fällt es einem richtig schwierig, so eine Belohnung aufzuschieben. Salopp gesagt, ich will was haben, ich will es sofort und basta. So, das Problem daran, dass man Bedürfnisse nicht aufschieben kann, ist, umso kürzer die Zeit zwischen Bedürfnis und Bedürfnisbefriedigung ist, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man die Tat wiederholt. Das heißt,
25:41
Vom Gedanken zu der Tat, also ich will was haben, ich mache es auch sofort. Wenn diese Zeit dazwischen sozusagen sehr kurz ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man diese Tat immer öfter und öfter macht, eben sehr hoch.
25:53
Somit ist eine Bedürfnisaufschiebung super wichtig für uns, um bewusst zu handeln und das zählt für alle und das ist eine sehr wichtige Lernaufgabe für alle Menschen innerhalb ihres Kindes- und Jugendalters eben zu lernen, Bedürfnisse aufzuschieben, nicht alles sofort zu bekommen. So und
26:12
Das ist wie gesagt ein Lernauftrag auf jeden Fall, aber es fällt eben Menschen mit ADHS und einem anders funktionierenden dopaminergen System deutlich schwerer. Wenn man sich jetzt Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung anschaut, auch wenn sie kein ADHS haben, dann bringen die im Prinzip genau dasselbe Phänomen mit. Und zwar eine Problematik darin, Bedürfnisse aufzuschieben.
26:36
Und das ist eben ein wichtiges Element beim Aufbau und Aufrechterhaltung einer Abhängigkeitserkrankung. Also bei Menschen, die eine Abhängigkeitserkrankung haben, die können eben auch nicht so gut Bedürfnisse aufschieben, haben das vielleicht auch nicht so gut in ihrer Entwicklung gelernt. Und bei Menschen mit ADHS haben wir eben genau das,
26:54
Das gleiche Phänomen vorliegen und das kann eben eine Abhängigkeitserkrankung von vornherein stark begünstigen. Darüber hinaus wird der Dopaminmangelhypothese noch zusätzlich zugeschrieben, dass Menschen mit ADHS nur schwer Erinnerungen wieder löschen können.
27:11
Also sozusagen erlernt das Verhalten schwerer zu verlernen. Das bedeutet im Rahmen der Abhängigkeitserkrankung, dass Betroffene die positive Erinnerung an Substanzen schlechter wieder losbekommen oder schlechter löschen können und diese überspielen können. Das heißt, es ist
27:28
Ja, mehr Arbeit notwendig sozusagen, um ja den ganzen Substanzkonsum neu für einen zu framen oder ja neue Erkenntnisse rauszugewinnen und Altes wirklich loszulassen. So, jetzt denken wir nochmal ganz kurz uns an die Triade der Abhängigkeit, also an das Drei-Faktoren-Modell zurück.
27:45
Da haben wir sozusagen den Einflussfaktor Person. Und da können wir eben diese Dopaminmangelhypothese auch reinpacken, dass sozusagen die Person, ein Mensch mit ADHS, aufgrund der Schwierigkeiten, Belohnung aufzuschieben hat, schon einen ungünstigen Faktor hat, um eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln. Kommen wir nun zur zweiten Hypothese, die fehlgeleitete Selbstmedikation.
28:12
Bei der fehlgeleiteten Selbstmedikation geht es darum, dass mit Substanzen sozusagen die Symptome und deren Auswirkungen der ADHS abgeschwächt werden sollen. Das heißt, man hat eben diese Emotionsregulationsstörungen bzw. eine Hyperaktivität. Man kann sich nicht konzentrieren.
28:32
und möchte eben diesen Symptomen aus dem Weg gehen, indem man zum Beispiel kurzen Joint raucht und merkt, super, jetzt bin ich ja deutlich entspannter, deshalb kann ich ganz in Ruhe lernen. Also ich verspüre eine Minderung meiner Hyperaktivität.
28:46
Oder man nutzt Alkohol dazu, soziale Beklemmungen zu lösen, weil man zum Beispiel aufgrund der ADHS viele Ausgrenzungserfahrungen gemacht hat. Das heißt, man fühlt sich unsicher im sozialen Kontext, also trinkt man Alkohol, um soziale Ängste zu überwinden, um sich einfach ein bisschen locker zu machen und in dieser Freundesgruppe einfach gut kommunikativ am Start zu sein.
29:09
Diese Szenarien kann man im Rahmen der ADHS noch in wirklich vielen Beispielen durchspielen, aber es gibt zwei Substanzen, die bei der fehlgeleiteten Selbstmedikation besonders spannend sind und zwar Kokain und Amphetamin. Bei Amphetamin meine ich Speed.
29:26
Zu beiden Substanzen habe ich schon eine ausführliche Substanzfolge gedreht, also schaut gerne mal in meiner Historie meiner Folgen nach. Da findet ihr sowohl zu Kokain als auch zu Amphetamin eine eigene Folge. Gut, aber kommen wir weiter zu Kokain und Amphetamin und ADHS. Denn hier hat sich herausgestellt, dass Menschen mit ADHS eine sogenannte paradoxe Wirkung bei diesen Substanzen erzielen.
29:52
Das bedeutet, dass die Wirkung bei Betroffenen anders ist als Menschen ohne ADHS. Wir haben ja schon mal gelernt, dass Menschen mit ADHS zu viele Dopamintransporter haben. Also die Dinger, die dafür sorgen, dass das Dopamin aus dem synaptischen Spalt wegtransportiert werden. Bei ADHS ist es halt so, dass die so viele Transporter haben, dass Dopamin, wie ich jetzt schon öfters gesagt habe, auch gar nicht mehr wirken kann, also nur noch bedingt wirken kann.
30:20
So, jetzt wird es aber spannend, denn sowohl Kokain als auch Amphetamin blockieren genau diese Transporter. Was bei Menschen ohne ADHS dafür sorgt, dass es zu einem Dopaminüberschuss kommt und zwar zum Teil zu einem richtig ordentlichen Dopaminüberschuss.
30:35
Überschuss, was dafür sorgt, dass sie total aufgedreht und flippig sind, kommt es bei Menschen mit ADHS eher zu einer Art Normalisierung. Denn klar, wenn man super viele Transporter hat und davon ein paar geblockt werden, dann kommen wir eher zu der Norm zurück. Ich hasse das Wort Norm, aber es ist super schwierig, da irgendwie einen Ersatz zu finden. Aber ja, wir kommen eher zu einer Norm zurück, als…
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ja, die Menschen eben kein ADHS haben und dadurch eben diesen Dopaminstau haben.
31:06
Kurz bedeutet, wo andere raufgehen, gehen Menschen mit ADHS eher runter. Das heißt, sie können zum Beispiel eine Informationsflut besser filtern oder sie sind fokussierter, entspannter und konzentrierter. Und Menschen, die kein ADHS haben, die kennen diese Wirkung auf Kokain und Amphetamin nicht so. Aber bei Menschen mit ADHS ist es eben so, dass es eine andere Wirkung kommt. Und das ist ein sehr spannendes
31:32
Spannender Praxistipp auch an Suchttherapeuten und Suchttherapeutinnen, genauso wie Suchtberaterinnen und Suchtberater. Auch einfach mal, wenn es darum geht zu gucken, was konsumiert wurde, wirklich direkt sich beschreiben zu lassen, was denn die Wirkung von Amphetamin und Kokain bei der Person ausgelöst hat.
31:50
Weil ja, dadurch haben sich schon sehr viele Hinweise dadurch ergeben, dass da vielleicht irgendwie ein bisschen was anders ist, wie es sonst normal ist und war sehr spannend sozusagen, das mit den Klienten und Klientinnen zu erforschen.
32:04
Gut, und jetzt springen wir auch hier nochmal ganz kurz zu unserem Drei-Faktoren-Modell zurück und schauen eben auf den Punkt Droge. Denn hier haben wir nämlich bei verschiedenen Drogen eine ganz besondere Wirkung auf den Faktor Personen. Eben dadurch, dass wenn man sozusagen von der Dopamin-Mangel-Hypothese ausgeht,
32:25
Und davon ausgehen kann, dass Kokain und Amphetamin eben das wieder ausgleicht. Damit haben wir eine andere Wirkung der zwei Substanzen auf die Person. Außerdem können Drogen helfen, Symptome abzulindern von der ADHS. Und auch hier haben wir eine besondere Wechselwirkung zwischen Faktor Droge und Person.
32:48
Gut, jetzt kann man sich aber natürlich erst mal fragen, ist doch nicht so wild, ne? Ist doch super, man konsumiert ein bisschen was, die Symptome sind weg, ist doch total angenehm. Warum ist das denn jetzt eigentlich ein Problem? Was hilft, hilft, oder? Und das passt ja dann auch.
33:04
Ah, und hier kommen wir nämlich zu einem kleinen Problem, denn grundlegend sage ich erstmal, die Aussage ist definitiv nicht komplett falsch. Denn im ersten Moment zählt es ja erstmal, dass es zu einer Erleichterung kommt und die kann man ja auch erstmal nicht absprechen. Und es kann natürlich sein, dass Menschen das wirklich sehr gezielt, sehr gedämpft
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und niemals eine Problematik entwickelt. Das heißt, bloß weil man sich selbst medikamentiert, ich weiß gar nicht, ob das ein Wort ist, heißt es nicht gleich, dass man eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt. So funktioniert das nicht. Aber wir haben bei der ganzen Sache mehrere Haken. Als erstes muss man sich erst mal fragen, ob es sich hierbei wirklich um eine bewusste Symptomlinderung handelt und wie bewusst man allgemein mit seinem Konsum umgeht.
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Also wenn jemand, der ganz bewusst sagt, okay, ich habe hier die Symptomatik XY, nehmen wir die Hyperaktivität. Wenn ich jetzt abends 1-3 mal an einem Joint ziehe, komme ich runter und kriege vielleicht noch meine Arbeit ein wenig hin und kann halt meinen Stuff erledigen, der heute noch ansteht. Bei dem ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, dass sich das zu einer ordentlichen Abhängigkeitserkrankung auswächst, als jemand, bei dem die Selbstmitigation sozusagen fehlgeleitet wird.
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Wenn jemand sagt, boah geil, Cannabis macht eigentlich, dass alles besser geht, das rauche ich jetzt die ganze Zeit. Sehr überspitzt gesagt. Aber versteht ihr den Unterschied? Also bei dem einen nehme ich meine Symptomatik wirklich bewusst wahr und nutze sozusagen den Minimum an Konsum, um eine Symptomatik zu lindern. Weil hier geht es um Selbstmedikation. Also Faktor Spaß ist jetzt gerade ausgeschlossen.
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Oder ich merke irgendwie, dass Cannabis mir sehr gut tut, mache das aber nicht bewusst, sondern kiffe wirklich durchgehend, weil ich einfach merke, so geil, dann bin ich ein bisschen ruhiger, ist doch easy. Aber mache das nicht bewusst, um meine Symptomatik zu bekämpfen, sondern sehe zwar den Benefit,
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und finde da einen großen Gefallen dran und mache das immer weiter. Und wie wir schon in den anderen Folgen gelernt haben, auch eine Regelmäßigkeit bedeutet keine Abhängigkeit, aber eine erhöhte Regelmäßigkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Abhängigkeitserkrankung. Das gleiche Beispiel mit Cannabis kann man eigentlich auch auf ganz viele andere Substanzen umdichten. Oft ist es halt eben so, dass die Selbstmedikation sehr unterbewusst geschieht
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der Vorteil erkannt wird und es somit auch dadurch zu einer Konsumsteigerung kommt, denn man möchte eben dieses Gefühl, diesen Zustand so oft wie möglich erleben und seiner ADHS-Symptomatik, seiner Hyperaktivität, seiner Unaufmerksamkeit etc. aus dem Weg gehen.
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Wenn wir dieses Wissen sozusagen nochmal zusätzlich mit der geminderten Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben, paaren, hat man da eben noch eine Verstärkung dadurch, denn man möchte eben diesen Zustand immer so schnell wie möglich und am besten immer und kann nicht warten. Das heißt, wir erkennen einen Benefit in der Selbstmedikation und wollen dann diese Belohnung die ganze Zeit haben und können diese nicht ausschieben.
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Und deswegen heißt auch die Hypothese fehlgeleitete Selbstmedikation. Denn die Idee, sich selbst zu medikamentieren, ist absolut nachvollziehbar. Doch die Durchführung kann einige Probleme verursachen, wenn das eben zu unbewusst geschieht.
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Und jetzt kommen wir noch zum dritten Faktor des Drei-Faktoren-Modells, was nicht an einer offiziellen Hypothese gekettet ist, aber wichtig ist zu erwähnen. Und zwar haben wir sozusagen noch den Faktor Umwelt. Und so ist es einfach so, dass Menschen mit ADHS viel Ablehnung von ihrer Umwelt erfahren und das schon seit frühester Kindheit an. Sei es in der Schule, in dem man entweder durch die
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durch das Aufmerksamkeitsdefizit oder die Hyperaktivität negativ auffällt, über eine Impulskontrolle, die man nicht leiten kann. Andere Kids sind genervt von einem oder man ist Außenseite in einer Gruppe, man findet sich nicht gut in einer Gruppe ein. Und sowas zieht sich durchs ganze Leben. Man fängt Ausbildungen an, bricht diese wieder ab.
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kann sich nicht so lange an einem Job halten und und und. Also das sind jetzt alles nur Beispiele in verschiedenen Richtungen, was dafür sorgt, dass es zu einer sozialen Unsicherheit bei den Betroffenen kommt und
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eben auch zu viel sozialer Ablehnung. Und hier haben wir wieder den Faktor Umwelt, der in diesem Drei-Faktoren-Modell eine wichtige Rolle spielt und eben auch zur Entstehung von einer Abhängigkeitserkrankung. Denn sowohl eine Substanz kann genutzt werden, um sich einem sozialen Umfeld zu integrieren. Und wenn diese Substanz dann einen sozusagen noch, ich nenne es jetzt mal hart sozial kompatibler macht, weil es die ADHS-Symptomatik abschwächt, dann haben wir hier eben sozusagen eine Gegenwirkung.
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Und das Gleiche ist eben auch mit sozialem Umfeld und Personen. Auch hier haben wir eine Gegenwirkung, denn das Leid, so wie man ist, aufgrund der Kommunikation mit der Umwelt, wird eben verursacht.
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größer, wenn man abgelehnt wird. Deswegen sagt man nicht umsonst, dass sozusagen ADHS erst dann entsteht, wenn man sich an der Umwelt treibt. Also sozusagen die Wechselwirkung von dem, so wie man ist, zu der Umwelt. Das heißt, wenn die Umwelt, sagen wir mal, sehr ADHS-konform agieren würde, es ist scheißegal, ob man pünktlich ist, man hat viel mehr Freiheiten, dann würde ja die ADHS-Symptomatik logischerweise gar nicht so zum Tragen kommen.
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Hat man aber ein sehr starres Umfeld, was einem Pünktlichkeit, ich hänge mich jetzt ein bisschen bei der Pünktlichkeit auf, das versteht ihr schon, aber könnte eben auch auf andere Symptome überleiten, dann leidet man natürlich viel mehr darunter. Deswegen hat man da eben auch noch diese Wechselwirkung. Und
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Und somit schließt sich sozusagen das Drei-Faktoren-Modell in Verbindung von ADHS und Abhängigkeitserkrankungen ziemlich krass, weil man eben aufgrund der ADHS in allen drei Faktoren Besonderheiten hat, die eben eine Entwicklung für eine Abhängigkeitserkrankung deutlich begünstigen. Werbung. Daran anschließend drängt sich jetzt wahrscheinlich auch ein bisschen die Frage auf, ob man sich
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nicht einfach die ADHS-Symptomatik in den Griff bekommen kann, zum Beispiel durch Medikamente und dann erledigt sich das automatisch mit der Abhängigkeitserkrankung. Diesen Gedanken gibt es wirklich sehr oft bei komorbiden Störungen gemeinsam mit Abhängigkeit und ist auch abhängig.
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absolut zu Recht sehr heiß diskutiert. Denn nicht nur bei der ADHS, sondern auch bei anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel einer sozialen Phobie, werden Substanzen als Symptomlinderung genutzt. Und da ist wirklich immer die Frage, wo stehen wir eigentlich gerade mit dem Substanzkonsum? Denn wie ich schon so oft wiederholt habe in meinen Folgen, Substanzkonsum, absolut egal, ob wir hier von illegalisierten oder legalisierten
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Substanzen reden, ist nicht gleich Abhängigkeitserkrankung. Für eine Abhängigkeitserkrankung, also dafür, dass man eine Diagnose stellen kann, müssen mindestens drei von den sechs folgenden Items, die ich euch gleich erzählen werde, erfüllt sein. Und zwar das mindestens einen Monat lang oder eben öfters für kürzere Zeit in den letzten zwölf Monaten.
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Bei den Diagnosenkriterien reden wir einmal von einem starken Wunsch und Zwang, die Substanz zu konsumieren, eine verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums, Entzugserscheinungen beim Absetzen, eine Toleranzentwicklung gegenüber der Wirkung,
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den Konsum trotz schädlicher Folgen, wie zum Beispiel Leberschäden oder ein schlechteres Gedächtnis und eine fortschreitende Vernachlässigung anderer Aktivitäten, wie zum Beispiel Freunde, Sport, Arbeit und Hobbys. Und von diesen ist
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Sex-Items müssen drei erfüllt sein, damit man eine Abhängigkeitserkrankung diagnostizieren kann. So, und es ist nämlich so, dass sich ein Konsum, eine Selbstmedikation verselbstständigen kann und dass man sozusagen wirklich an den Punkt kommt, dass die Abhängigkeitsdiagnose neben der ADHS steht. Und auch wenn sie am Anfang nur zur Symptomlinderung da war, also der Konsum,
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Wenn es erstmal eine ordentliche Abhängigkeit ist, also wenn man eine Diagnose erfüllt, kann man davon ausgehen, dass sich diese Diagnose verselbstständigt hat und dementsprechend eine Behandlung benötigt. Kurz, dass man sozusagen suchttherapeutische Hilfe, psychotherapeutische Hilfe mit Blick auf die Abhängigkeitserkrankungen wahrnimmt und im besten Fall gleichkommorbide ADHS mit anfängt zu behandeln, also auf die ADHS eingeht.
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Aber dass man sozusagen nur die ADHS behandelt und die ganze Abhängigkeitssymptomatik, wenn es dann schon eine Abhängigkeit ist, ja außer Acht lässt und es vergisst, das wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht funktionieren, da eben die Abhängigkeitserkrankung über die Dauer des Konsums ja eine eigene Dynamik auslöst.
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Ja, bekommen hat. Und somit kann es halt eben auch sein, dass die ADHS und die Abhängigkeit sich gegenseitig immer weiter befeuern und sozusagen ihre ganz eigene Dynamik entwickeln. In Deutschland ist es ja zusätzlich so, dass die Abhängigkeitserkrankung im Regelfall vorrangig zu der komorbiden anderen psychischen Störung behandelt werden muss.
42:40
Das heißt, dass man sozusagen erstmal in Reha geht, um seine Abhängigkeitserkrankung zu behandeln zu lassen. Wer hier mehr Infos braucht, es gibt auch eine Folge zum Suchthilfesystem, das man eben nutzen kann.
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Genau, und dass danach sozusagen die andere Diagnose gezielt behandelt wird. Das liegt daran, dass wenn wir eine komorbide Störung haben, wie schon gerade gesagt haben, dass sich sozusagen diese Krankheiten gegenseitig befeuern. Und wenn man sozusagen nicht lernt, abstinent zu leben, dann ist das sozusagen immer der erste Griff, wenn es eben zu Tumulten kommt. Das heißt, man hat einen emotionalen Ausbruch, man trinkt oder man konsumiert irgendeine andere Substanz.
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Oder man freut sich, man konsumiert, also dass man sozusagen alles über den Konsum regelt. Somit ist es eben erstmal wichtig zu lernen, abstinent zu leben, wenn man eine Abhängigkeitserkrankung erfüllt und dann sozusagen auf die weitere Diagnose schaut und was es dafür noch so braucht.
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Es ist natürlich so, dass die andere Diagnose meist schon mitbehandelt wird. Also es gibt nicht so nur ganz da die Abhängigkeitserkrankung zu behandeln, sondern man behandelt sozusagen, nennt man das mal das Gesamtkonzept. Aber man kann natürlich dann nach der Reha-Behandlung sozusagen nochmal zusätzlich eine ambulante Therapie machen, um eventuell wirklich gezielt auf die ADHS zu gucken.
44:08
Ja, und jetzt noch zu guter Letzt schauen wir noch auf die medizinische Behandlung von ADHS und hier insbesondere auf die Medikamente. Bevor ich damit einsteige, möchte ich hier betonen, dass ich Sozialarbeiterin bin und
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keine Ärzte das heißt Prozent ich hab mir das wissen angelesen aber in allen Fällen ist es super wichtig ist ein Psychiater mit seiner Psychiaterin zu lesen Prozent zu reden und wenn man wirklich eine Abhängigkeit Erkrankung im Hintergrund hat möchte ich gerne allen ans Herz legen das dem Psychiater der Psychiaterin zu öffnen als auch mitzuteilen
44:50
und im allerbesten Fall wirklich sich auch einen Psychiater, eine Psychiaterin auszusuchen, die Erfahrung mit Abhängigkeitserkrankungen hat.
44:59
Aber ich habe mich auch in das Thema ein bisschen tiefer eingelesen und möchte euch natürlich das Erlesene gerne mitteilen. Aber wie gesagt, Psychiater, Psychiaterin, das sind die Ansprechpersonen hierfür. Allgemein ist das Thema Medikamente und Abhängigkeitserkrankungen ein bisschen tricky. Und es muss immer sehr reflektiert beobachtet werden, sowohl von den Betroffenen selbst als auch von der
45:23
Das liegt einfach daran, dass mit der Abhängigkeit ein sehr stark erlerntes Verhalten einhergeht, dass man sozusagen auf Knopfdruck seine Befindlichkeiten zu regulieren möchte. Das heißt, keine Ahnung, ich bin traurig,
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Deswegen nutze ich jetzt die Substanz, damit geht es mir besser. Und das ist eben auch ein stark erlerntes Verhalten. Deswegen muss ganz allgemein gesagt der Medikamentengebrauch bei Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen immer gut im Blick gehalten werden und immer mal wieder reflektiert werden.
45:54
Das ist zum Beispiel auch der Grund, warum in stationären Rehabilitationseinrichtungen für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen alle Medikamente vom Arzt, Ärztin und Pflegepersonal gehortet werden, ist falsch, also sozusagen reguliert werden.
46:09
Man darf also selbst auf dem Zimmer weder Nahrungsergänzungsmittel haben, noch Rezeptpflichte oder nicht rezeptpflichtige Medikamente. Das liegt einfach daran, dass man Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung eine kleine Stütze bieten möchte auch. Denn wie gesagt, dieses erlernte Verhalten sorgt eben dafür, dass man auch sehr schnell eine schnelle Lösung für irgendwelche emotionalen Struggle oder sowas sucht.
46:34
Das nur als kleines Hintergrundwissen für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und der Konsum von Medikamenten. Und jetzt schauen wir auf die ADHS-Medikation. Hier geht es nämlich vor allem um Methylphenidat.
46:50
Das ist fast besser bekannt unter dem Namen Ritalin, das ist der Handelsnamen und ist das meistverschriebenste Medikament, wenn es um ADHS geht. Und seit dem Jahr 2014 unter dem Namen Ritalin Adult ist dieses Medikament eben auch für Erwachsene zugelassen. Methylphenidat gehört zu den Stimulantien und ist ein Amphetamin der Riad. Also wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Amphetamin und jetzt zum Beispiel Ritalin Adult?
47:19
Zuerst ist mal zu sagen, dass wenn Ritalin von Menschen ohne ADHS eingenommen wird, eine andere Wirkung erzielt wie bei Menschen mit ADHS. Das hatten wir ja genau das gleiche gerade schon mit der illegalisierten Schwester von Ritalin und zwar Speed, also ja Amphetamin.
47:36
Das Medikament Ritalin ist allerdings retardiert. Das bedeutet, dass man sie bei richtiger, nicht missbräuchlicher Einnahme kurz und einfach genau so, wie der Arzt sagt, wie man es einnehmen soll, die Wirkung nur langsam freisetzt. Das heißt, man bekommt über längere Zeit immer eine kleine konstante Wirkung.
47:56
Zieht man sich aber Speed zum Beispiel durch die Nase, dann knallt das deutlich schneller im Kopf. Also man hat eine klare Rauschwirkung und das flacht auch schneller wieder ab nach ein paar Stunden. Bei Ritalin kommt es nicht zu einer Rauschwirkung, sondern wie schon gerade gesagt zu einer konstanten, geringen Wirkung.
48:17
Und das senkt das Abhängigkeitsrisiko zu dem Medikament Ritalin Adult deutlich. Denn Substanzen haben immer dann ein höheres Abhängigkeitspotential, umso schneller sie ins Gehirn anfluten. Also kurz, wenn ich mir Kokain durch die Nase ziehe, sofort einen Rausch habe, der nach 20 bis 40 Minuten wieder vorbei ist, hat es ein ganz
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andere Bedeutung für die Suchtentwicklung und eine ganz andere Wirkung, als wenn ich ein Medikament mit dem Vorsatz konsumiere, Symptome zu lindern und das über bis zu 12 Stunden hinweg immer eine geringe Wirkung erzeugt.
48:52
Man kommt also auf kein High. Wir haben hier einen großen Unterschied. Darüber hinaus gibt es eben auch Studien, die besagen, dass wenn man etwas gezielt zu einer Symptomminderung einnimmt, die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer ist, eine Abhängigkeit zu entwickeln, als wenn man es zum Beispiel aus Spaß am Kick konsumiert. Schauen wir uns noch ein weiteres Medikament an, aus der Sparte der Stimulantien, das für ADHS angewendet wird, und zwar Listexamphetamin.
49:20
Auch bekannt unter dem Handelsnamen Elvanse und vielleicht auch einfach bekannter unter dem Handelsnamen Elvanse. Listex-Amphetamin ist eine Pro-Trac. Das bedeutet, dass das Medikament erst in der Blutbahn zu dem aktiven Wirkstoff umgewandelt wird.
49:37
Auch bei Listexamphetamin haben wir den gleichen Punkt wie bei Methylphenidat. Klar ist es eine Stimulanz und hat damit ein Abhängigkeitspotenzial. Diese kann jedoch bei pflichtbewusster Einnahme als sehr niedrig eingeschätzt werden, da auch dieses Präparat bis zu 12 Stunden andauert und eben eine konstante geringe Wirkung erzeugt.
49:57
Es gibt natürlich noch ein paar andere medizinische Behandlungsmethoden in Form von Medikamenten für ADHS. Allerdings habe ich mir jetzt gerade mal sehr gezielt diese zwei Medikamente rausgepickt, denn die Hauptdiskussion, die auch erstmal komplett nachvollziehbar ist, ist, sollte man Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen wirklich mit Stimulantien behandeln? Denn im Prinzip ist es eventuell ja die Substanz, die sie auch vorher eingenommen hat.
50:22
Aber wie eben gerade erläutert, es gibt eben diesen großen Unterschied zwischen retardierten Medikamenten, die lange, konstante, geringe Wirkungen erzeugen und eben eine Substanz, die einen klaren Rausch mit einer kurzen Wirkung erzeugen und deutlich schneller ins Gehirn eingeflutet werden. Ja, und weil es auch noch so gut zu meiner letzten Folge passt, möchte ich nochmal ganz fix auf Cannabis bei ADHS eingehen.
50:48
An sich wird nämlich medizinisches Cannabis neben Schmerzen tatsächlich sehr, sehr häufig an Menschen mit ADHS-Symptomatik verschrieben.
50:56
In meiner ersten Cannabis-Folge bin ich schon tiefer auf medizinisches Cannabis eingegangen. Das werde ich jetzt nicht nochmal wiederholen, aber es ist hier nur mal zu sagen, dass eine Abhängigkeitserkrankung meist ein Ausschlusskriterium für die Verschreibung von Cannabis aufgrund von der ADHS-Symptomatik ist. Besonders, wenn die Abhängigkeitserkrankung wirklich sich auf Cannabis bezogen hat.
51:18
Ich sage meist, denn Ausnahmen gibt es immer, aber ich habe es schon sehr, sehr oft gelesen und sehr oft gehört, dass eine Abhängigkeitserkrankung, das eh schon sehr schwer zu bekommende medizinische Cannabis nochmal deutlich erschwert.
51:33
An sich zeigt aber Cannabis eine deutlich positive Auswirkung auf verschiedene ADHS-Symptomatiken. Und wenn wir uns nochmal kurz an die Hypothese erinnern, dass wenn man sozusagen eine Substanz wirklich gezielt zur Medikation, zur Linderung von Symptomen nutzt, das Abhängigkeitspotenzial schon mal deutlich geringer wird. Und wenn man sozusagen sein medizinisches Cannabis, die Dosis immer wieder mit dem Arzt kontrolliert,
51:59
den Aspekt einer möglichen Abhängigkeitsentwicklung mit einbezieht. Kann es ein Medikament sein oder wird es eben als Medikament genauso genutzt wie jetzt Methylphenidat und Ritalin? Ist allerdings deutlich, also wirklich deutlich weniger verbreitet, aber es gibt auf jeden Fall Fälle.
52:16
So, jetzt haben wir einmal ADHS-Medikamente während der Abstinenz nach einer Abhängigkeitsbehandlung kurz angesprochen. Jetzt schauen wir nochmal ganz kurz ein anderes Anwendungsgebiet an von ADHS-Medikamenten.
52:30
das ich auch sehr spannend fand. Denn es gibt eine Studie, da wurden die Medikamente noch während des Konsums eingesetzt, mit dem Ziel, den Suchtverlauf abzusprechen, um eventuell die Betroffenen überhaupt in die Lage zu setzen, sich einer Suchtbehandlung zu unterziehen und diese wahrnehmen zu können. Auch gibt es Studien, die zeigen, dass eine medikamentöse Behandlung im Jugendalter eine Sucht vorbeugen, also sozusagen als präventive Maßnahme.
52:57
Auch das macht irgendwo Sinn, wenn wir sozusagen mal überlegen, was ADHS-Symptome alles auswirken können, sowohl auf die eigene Person als auch auf die Umwelt. Wenn sozusagen der Verlauf der ADHS abgeschwächt wird, schon frühzeitig durch Medikamenten, kann es eben sein, dass die Person weniger soziale Schäden wahrnimmt und, hart gesagt, einfach besser durchs Leben kommt und somit die Wahrscheinlichkeit, dass eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt wird, dadurch geringer wird, sozusagen.
53:24
So und wirklich zu guter Letzt, jetzt kommen wir zum letzten Punkt, stellen wir uns nochmal kurz der Frage, ob es immer Medikamente sein müssen, um ADHS unter Kontrolle zu bekommen. Und die Antwort auf diese Frage ist Nein.
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Medikamente helfen natürlich, aber Studien haben eben gezeigt, dass eine Psychotherapie die gleiche Wirkung und oft auch eine stabilere Wirkung bei ADHS erzeugen kann als Medikamente. Unser dopaminergisches System ist nämlich trainierbar. Das heißt, man kann auf die Dysfunktion des Gehirns einwirken.
53:58
Und das eben nicht nur mit Medikamenten, sondern auch zum Beispiel durch sportliche Aktivierung, Training, zum Beispiel auch Belohnungsaufschub. Ja, das kann man wirklich lernen, das kann man trainieren. Ist zwar eventuell ein bisschen nervig, aber geht. Und eben auch durch eine Therapie.
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Klar braucht es hier wirklich viel Geduld und Durchhaltevermögen, aber ich finde es wirklich sehr wichtig, nochmal diesen Stand der Forschung anzuschauen, denn die sagt ganz klar, dass ADHS nicht bedeutet, jo, angeborene Dysfunktion und Pech gehabt, sondern dass man an diesem Ungleichgewicht im Kopf auch gut selbst rumbasteln kann und am besten mit Hilfe, um das einem selbst ein bisschen zu erleichtern.
54:41
Hier hat sich besonders wirksam die kognitiv-behaviorale Therapie erwiesen, also eine Arbeit sowohl an den Kognitionen, also an der inneren Einstellung und eben am Verhalten selbst. Wichtig ist es bei einer Therapie noch, dass der Therapeut die Therapeutin sich auch mit der ADHS-Symptomatik auskennt und eine Sensibilität für die Besonderheiten hat.
55:03
Denn es kommt leider sehr oft dazu, dass Therapeuten, Therapeutinnen von ihrer Seite aus eine Therapie abbrechen, weil zum Beispiel verbetetes Erscheinen oder Nichterscheinungen als fehlende Therapiemotivation gewertet wird. Und wenn das eben zu viel und zu häufig passiert, dass dadurch die Therapie abgebrochen wird. Hier ist es super wichtig, eben zwischen Klient, Klientin und Therapeut, Therapeutin in Kontakt zu treten und ja,
55:29
ja, solche Symptome mit aufzuarbeiten und gucken, was, wie man das verbessern kann und das eben nicht einfach, ja, als fehlende Therapiemotivation zu werten. Musik
55:44
Jo Leute, wir haben es geschafft. Es wurde heute echt mal eine längere Folge als sonst, aber wir hatten auch viele Informationen und mir war es wirklich wichtig, das Thema differenziert aufzuarbeiten. Deswegen haben wir uns am Anfang erstmal ADHS an sich angeschaut. Was ist das überhaupt? Wie wird das diagnostiziert? Wie funktioniert es im Gehirn? Und was hat das eigentlich mit einer Abhängigkeitserkrankung zu tun? Wie kann man diese komorbide Störung einordnen in die ganze Symptomatik?
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Zu guter Letzt haben wir uns auch noch Behandlungsmöglichkeiten sowohl mit Medikamenten als auch durch Therapie angeschaut. Und jetzt sind wir hier am Ende. Hier möchte ich noch mal kurz betonen, dass ja jeder Weg super individuell ist und jeder Mensch, egal mit oder ohne ADHS, sich auch seinen Weg selbst bahnt. Hier in meinem Podcast kann ich immer nur verallgemeinernde Aussagen treffen. Logisch, weil auch eine Wissenschaft oder wissenschaftliche Aussagen immer verallgemeinernd sind.
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Und deswegen ist es halt so, was bei einem zutreffen kann, mag beim anderen schon nicht mehr zutreffen. Das muss man einfach alles für sich sehen. Hier geht es eben immer um so ein allgemeines Bild, um mal so einen Rundumschlag an Informationen zu bekommen. Wenn euch diese Folge gefallen hat, könnt ihr mir gerne auch schreiben. Ihr könnt mich einmal unter meiner E-Mail psychoaktiv.podcast at gmail.com erreichen oder einfach auch auf Instagram unter psychoaktiv.podcast.
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Gerne könnt ihr mir auch noch eine Bewertung da lassen auf iTunes, darüber freue ich mich auch immer. Oder ihr folgt mir auf Spotify. Jetzt wünsche ich euch erstmal schöne zwei Wochen, bis wir uns das nächste Mal hören, wie immer am Donnerstag. Ich freue mich. Tschüss!

