Im ausführlichen Interview mit dem Psychiater Dr. Aljosha Deen haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was psychotisches Erleben ausmacht, wie es entstehen kann und welche Rolle dabei unter anderem psychoaktive Substanzen, Schlafmangel und psychosoziale Belastungen spielen.
Doch wenn plötzlich ein Klient oder eine Klientin vor einem sitzt, deren Wahrnehmung sich deutlich verändert hat, kann das zunächst verunsichern: Wie sollte ich reagieren? Was hilft in diesem Moment – und wodurch könnte ich die Situation unbeabsichtigt verschärfen?
Für unseren Methodenkoffer habe ich deshalb die zentralen Praxisimpulse aus der Folge noch einmal zusammengestellt. Sie bieten Orientierung für den Umgang mit Menschen, die gerade psychotische Symptome zeigen – etwa in der Drogenberatung, im stationären Setting oder in anderen psychosozialen Arbeitsfeldern.
Frühwarnzeichen wahrnehmen
Mögliche Frühwarnzeichen für ein beginnendes psychotisches Erleben können sein, dass eine Person deutlich weniger schläft, zunehmend misstrauisch wird, Reize intensiver wahrnimmt, alltäglichen Dingen eine besondere Bedeutung zuschreibt, sich sozial zurückzieht oder in ihrem Denken immer unflexibler wird.
Nicht über die Realität streiten
Der Versuch, einer Person ihr psychotisches Erleben auszureden, kann die Angst zusätzlich verstärken. Aussagen wie „Das stimmt nicht“ oder „Du bildest dir das nur ein“ nehmen der Person nicht die Bedrohung, sondern können ihr vielmehr das Gefühl geben, mit ihrer Wahrnehmung allein zu sein oder die Kontrolle über die Realität zu verlieren. Gleichzeitig sollte der Wahn nicht bestätigt werden. Hilfreicher ist es, das Erleben und die damit verbundenen Gefühle aufzugreifen, etwa mit dem Satz: „Ich merke, dass dir das gerade große Angst macht.“
Ruhe und Sicherheit herstellen
Wenn eine Person psychotische Symptome erlebt, kann es hilfreich sein, äußere Reize so weit wie möglich zu reduzieren. Dazu kann gehören, einen lauten oder vollen Raum zu verlassen, Musik auszuschalten, das Licht anzupassen oder einen ruhigeren Ort mit weniger Menschen aufzusuchen.
Einfach und klar kommunizieren
In einer akuten psychotischen Situation ist es hilfreich, ruhig, klar und möglichst einfach zu kommunizieren. Kurze Sätze, wenige Informationen auf einmal und leicht verständliche Fragen können dabei unterstützen, zusätzliche Überforderung zu vermeiden. Komplexe Fragen, ein hektischer Tonfall oder mehrere Aufforderungen gleichzeitig können die Anspannung dagegen verstärken.
Grundbedürfnisse beachten
Oft ist es zunächst wichtiger, grundlegende Bedürfnisse zu sichern, als sofort inhaltlich an dem Erleben zu arbeiten. Wasser, etwas zu essen, Wärme, Ruhe, Schlaf und ein geschützter Ort können dazu beitragen, die Anspannung zu verringern und wieder mehr Sicherheit herzustellen.




