Koffein: Pharmakologie, Schlaf und die Grenzen alltäglicher Leistungssteigerung

Koffein ist für viele Menschen so selbstverständlich, dass seine psychoaktive Wirkung im Alltag kaum noch auffällt. Dabei verändert es spürbar Wachheit, Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit, indem es vor allem Adenosin-Rezeptoren blockiert und damit Müdigkeit vorübergehend in den Hintergrund drängt. Die Erschöpfung selbst verschwindet dadurch allerdings nicht. Wenn die Wirkung nachlässt, kann sie umso deutlicher zurückkehren. Gerade bei regelmäßigem Konsum entstehen außerdem Toleranz und Entzugssymptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme, ohne dass daraus automatisch eine klinisch relevante Abhängigkeit werden muss.
Die Folge verbindet Pharmakologie, Kulturgeschichte und gesellschaftliche Bedeutung von Koffein. Thematisiert werden Kaffee, Tee, Energydrinks und Koffeintabletten, die Rolle von Kaffeehäusern und Teekultur sowie der Zusammenhang von Koffein, Arbeitswelt und industrieller Entwicklung. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Schlaf: Durch seine lange Wirkdauer kann Koffein Schlafdauer und Schlafqualität beeinflussen und einen Kreislauf begünstigen, in dem Müdigkeit wiederum mit mehr Koffein beantwortet wird. Auch Energydrinks und der Konsum bei Jugendlichen werden eingeordnet. Deutlich wird: Koffein ist nicht nur ein alltägliches Genussmittel, sondern eine psychoaktive Substanz, deren Nutzen und Risiken stark davon abhängen, wie viel, wie regelmäßig und zu welcher Tageszeit konsumiert wird.
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Koffein – die meistkonsumierte Droge der Welt
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PODCAST-METADATEN
Folge: 81
Erscheinungsdatum: 18.01.2024
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Koffein – die meistkonsumierte Droge der Welt
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
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Die Arbeitsbedingungen haben sich dementsprechend verändert, dass man mit Tee und Kaffee sowohl länger arbeiten konnte, als auch Nachtschichten arbeiten konnte. An sich ist das Bewusstsein der Gesellschaft koffeiniert. Wie bei Erwachsenen gibt es nämlich auch eine unbedenkliche Menge an Koffein pro Tag bei Jugendlichen. Musik
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Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein!
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Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Mein Name ist Stefanie Bötsch, ich bin Suchttherapeutin und Sozialarbeiterin und wir sprechen hier alle zwei Wochen über psychoaktive Substanzen, über suchttherapeutische Themen, über gesellschaftliche Themen und alles, was euch sonst noch so interessiert. Und das alles auf einer wissenschaftlichen Basis. Und heute haben wir endlich mal wieder eine Substanzkunde-Folge. Ich habe euch auf Instagram abstimmen lassen, wie ihr das so findet.
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welche Substanz ihr als nächstes haben wollt und am meisten wurde für Koffein gestimmt. Und genau darüber sprechen wir heute und die Recherche war unerwartet.
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unfassbar spannend. Wenn euch meine Quellen interessieren, findet ihr die immer auf meiner Website beim Artikel für diese Folge. Lasst uns also gleich rein starten. Koffein ist ein Alkaloid in verschiedenen Pflanzen, kommt also in wirklich unterschiedlichen Pflanzen vor. Doch die zwei wohl bekanntesten Pflanzen sind Koffea und Camellia sinensis, also Kaffee und Tee.
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Und Koffein wird von den Pflanzen eigentlich als Abwehrmechanismus produziert. In hohen Dosen kann es nämlich tödlich sein für Insekten, aber eigentlich geht es gar nicht so sehr ums Töten, sondern es geht eher darum, dass Koffein einen sehr bitteren Geschmack hat und das sorgt eigentlich einfach, dass die Insekten von den Pflanzen fernbleiben. Außerdem fungiert Koffein auch als Herbizid, also es kann zur
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Unkrautbekämpfung genutzt werden. Wir Menschen aber nutzen Koffein vor allem für eines. Wir wollen gern wacher werden, uns fitter fühlen und irgendwie besser durch den Tag kommen. Und dafür stehen uns einige Mittel zur Verfügung, in denen Koffein ist. Und zur Orientierung habe ich einmal die verschiedensten Getränke mit den verschiedenen Koffeingehältern mitgebracht, damit ihr euch mal ein bisschen orientieren könnt, wie viel Koffein eigentlich welches Getränk hat,
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weil ich habe auf jeden Fall das Gefühl, dass da oft ein bisschen Fehleinschätzungen gemacht werden. Also schauen wir uns das mal an. Ein Filterkaffee, 200 Milliliter, hat mit 90 Milligramm den höchsten Koffeingehalt. Ein Energydrink, 250 Milliliter, hat in der Regel genauso viel Koffein wie ein Espresso, 60 Milliliter, und zwar 80 Milligramm.
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Ein Tee, also da reden wir von Schwarztee, Weißtee, Grüntee, 220 Milliliter, enthält circa 50 Milligramm Koffein. Und eine Dose Cola, 330 Milliliter, circa 30 Milligramm. Und eine Tafel Schokolade, 100 Gramm, hat circa 40 Milligramm Koffein. Natürlich hängt der Koffeingehalt auch davon ab, wie etwas zubereitet wird, wie lange zum Beispiel auch ein Tee zieht und und und. Also das
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Kann schwanken, aber so ein bisschen zur Orientierung. Filterkaffee hat am meisten, Tee hat ungefähr die Hälfte an Koffein und eine Tafel Schokolade dann am wenigsten.
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Wenn ihr euch gerade gedacht habt, hä, aber in Tee ist doch Tein und gar kein Koffein, weil das ist natürlich auch ein sehr weit verbreiteter Mythos, dass das was unterschiedliches ist, dann möchte ich gerne dafür nochmal kurz in dieses Thema eintauchen. Denn Tein und Koffein unterscheiden sich chemisch gesehen eigentlich gar nicht. Allerdings wirkt das Koffein im Tee ein bisschen anders und ich glaube, daher kommt auch so ein bisschen der Mythos, dass das was ganz anderes ist. Denn wir wissen ja jetzt,
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dass es weniger Koffein im Tee gibt als im Kaffee, aber das Koffein
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Und das liegt daran, dass das Koffein an Gerbstoffe gebunden ist und von denen muss es sich erstmal lösen. Deswegen wird es im Prinzip langsamer in unseren Körper eingelassen und sorgt dann dafür, dass es eine längere Wirkung hat. Und wer mich auf Instagram verfolgt, hat ja mitbekommen, dass ich versucht habe oder dass ich versuche gerade von Kaffee auf Tee umzusteigen am Morgen.
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weil ich mir denke so, naja, ich habe die Hälfte an Koffein und es wirkt länger. Es spricht also eigentlich nichts dagegen, wenn ich so ein bisschen fitter in den Tag starten möchte, einfach auf schwarzen Tee umzusteigen. Aber ich merke auf jeden Fall bei diesem kleinen Selbstversuch, dass meine, wie man es nennen mag, meine Gewohnheit, wir sprechen später noch auch über die Abhängigkeit von Koffein, so eingefahren ist, dass der schwarze Tee am Morgen mich auf jeden Fall ein bisschen traurig macht.
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und den Kaffee vermissen lässt, was vielleicht ein Warnsignal sein sollte. Und wenn wir jetzt auch noch über Koffein und Arten, wie man Koffein aufnimmt, sprechen,
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geht es natürlich nicht nur um Getränke. Es gibt auch solche Päckchen, die man sich unter die Lippe legt, wie Snooze. Und darüber habe ich auch mal in Folge 68 gesprochen. Da sprechen wir ja auch über Nikotinbeutel und sowas. Also nur mal kurz am Rande. Und solche kleinen Beutelchen gibt es tatsächlich auch inzwischen mit Koffein. Und eins dieser Beutel hat so 80 Milligramm Koffein. Und den packt man sich dann so unter die Lippe.
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Und natürlich gibt es auch Koffeintabletten. Und Koffeintabletten haben nochmal deutlich mehr Koffein wie die meisten, oder eigentlich alle Getränke oder eine Konsumeinheit von Getränk. Und zwar 200 Milligramm Koffein. So, und jetzt haben wir uns mal orientiert in der Koffeinwelt. Und jetzt tauchen wir erstmal in die Geschichte ein, weil ich sage euch, Freunde, die ist wirklich super spannend. Musik
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Kaffee hat nämlich gar nicht so eine lange Geschichte, auf jeden Fall nicht so eine lange Geschichte, die wir kennen. Und zwar wurde Kaffee vermutlich 850 nach Christus in Äthiopien entdeckt. Tee hat dabei aber schon ein bisschen eine längere Geschichte und zwar war es ungefähr 1000 vor Christus, wo das schon in China bekannt war.
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Im 15. Jahrhundert wurde dann Kaffee in Ostafrika angebaut und über die arabischen Halbinseln gehandelt. Und im 16. und 17. Jahrhundert erreichte dann Kaffee und auch Tee und Kakao Europa. Und auf was wir jetzt mal ein bisschen genauer schauen möchten, sind die Kaffeehäuser. Und
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Das erste Kaffeehaus wurde in Oxford um 1629 eröffnet. Kaffeehäuser spielten nämlich eine zentrale Rolle in der sozialen und kulturellen Entwicklung vieler europäischer Städte, aber ganz insbesondere von England. Und diese Kaffeehäuser fungierten eben als Treffpunkte, in denen Nachrichten, Politik, Finanzen und Kultur diskutiert wurden. Und das ist super spannend, denn je nachdem, welches Kaffeehaus das war und welche Interessen auch der Besitzer hatte,
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haben sich die Themen des Kaffeehauses, die darin diskutiert wurden, geändert. Also könnte es zum Beispiel sein, dass in einem Kaffeehaus sehr viel über Schiffsfahrt geredet wurde, während in einem anderen Kaffeehaus sehr viel und maßgeblich über Politik gesprochen wurde. Das heißt, man konnte sich sozusagen ein bisschen auch aussuchen, mit welchem Thema man sich beschäftigen möchte. Das war auch der Grund, warum Kaffeehäuser auch Penny Universities genannt wurden. Denn der Kaffee hat damals ein Penny gekostet
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Und man hat dadurch Zugang zu Informationen, Büchern und Zeitschriften bekommen. Man konnte sich also relativ kostengünstig informieren. Auch ganz besonders war in den Kaffeehäusern, dass die Klassenunterschiede dort nicht so eine hohe Rolle gespielt haben und eben auch sehr arme Menschen eigentlich sich auch mit sehr reichen Menschen oder aus einem höheren Stand unterhalten konnten und das eben nicht so eine Rolle gespielt hat.
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In der Alkohol-Folge haben wir ja schon darüber gesprochen, dass alkoholische Getränke in dieser Zeit sehr häufig so die einzigen sicheren Getränke waren. Und das hat sich eben verändert, als Kaffee dann kam, denn Kaffee war im Prinzip noch sicherer als Alkohol, also für die Gesundheit. Und zwar ist es ja so, das wissen wir ja alle, dass Kaffee in kochendem Wasser gemacht wird.
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Und dementsprechend konnte Kaffee den Alkohol ein bisschen ablösen darin, eine Art sicheres Getränk darzustellen und bei dem man eben nicht so viele gesundheitliche Risiken eingeht. Wir wissen ja schon, dass Tee ein bisschen eine längere Tradition hat als Kaffee. Und zwar wurde Tee aber auch in Asien bzw. in China einmal aus spirituellen Zwecken genutzt und auf der anderen Seite auch um
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eine Meditation aufmerksamer zu folgen. Also dass man zum Beispiel Tee konsumiert und dann auch länger und wachsamer meditieren kann.
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Tee wurde aber dann auch in Europa immer, immer beliebter und schaffte es sogar dann immer mehr auch den Kaffee zu verdrängen. Und es entwickelte sich in dem Sinne in England eine sehr ausgeprägte Teekultur und das insbesondere unter Frauen der Mittel- und Oberschicht, weil die waren nämlich nicht willkommen in den Kaffeehäusern und dementsprechend bauten die sich ihre eigene Kultur um den Tee.
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Man kann also fast vielleicht ein bisschen sagen, dass die Tea Partys, also da hat bestimmt jetzt gerade jeder ein Bild im Kopf, wie mehrere Frauen um einen runden Tisch
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sitzen und sich unterhalten, das kommt auf jeden Fall bei mir gleich hoch, dass das ein bisschen das Äquivalent war zu den Kaffeehäusern, in denen maßgeblich eben Männer waren. Kaffee und Tee nehmen aber neben diesen gesellschaftlichen Komponenten, wo es um inhaltlichen Austausch geht, noch eine ganz, ganz andere, wichtige Rolle in unserer Gesellschaft ein. Und zwar sind
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konnten wir durch Kaffee und Tee unsere Arbeitsgewohnheiten verändern.
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Denn es war nämlich so, dass die Arbeitskultur an die Sonne und ans Tageslicht angepasst wurde. Denn man wurde halt eben müde, wenn es dunkel ist. Das ist der normale Biorhythmus unseres Körpers. Und die Leistungsfähigkeit hat halt eben dementsprechend auch sehr abgenommen. Und durch Tee und Kaffee konnte man diese biologische Uhr endlich austricksen. Und was geschah? Denn wir hatten ja jetzt endlich ein Mittel, das uns wach hält.
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Dementsprechend wird Kaffee auch sehr stark mit der industriellen Revolution in Verbindung gebracht, weil man manchmal sogar sagt, war vielleicht die industrielle Revolution gar nicht möglich, wären die Menschen nicht durch Kaffee und Tee so leistungsfähig geworden. Und wenn wir unseren Blick jetzt mal weg von Europa und hin zu den USA wenden,
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sind durch den Kaffeekonsum im 20. Jahrhundert im Prinzip die ersten bezahlten Pausen erschaffen worden. Man hat nämlich gemerkt, naja, wenn wir den Menschen eine kleine Pause gewähren und ihnen dann Kaffee und Tee zur Verfügung stellen, dann ist die Produktivität nach dieser Pause höher. Perfekt.
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Und erst wollten die Firmen diese Kaffeepause nicht bezahlen, weil sie sagen, naja, die Menschen arbeiten ja nicht. Also dieses Konzept von einer bezahlten Pause gab es da nicht. Aber es wurde wirklich in einem Gerichtsurteil beschlossen, dass diese Pause bezahlt werden muss, weil der Konsum von Kaffee…
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Und T ja dafür sorgt, dass man danach produktiver ist. Das heißt, die Firma hat daraus einen hohen Nutzen. Das heißt, die Pause ist zum Nutzen der Firma und somit muss sie auch gezahlt werden. Und tada, die bezahlte Pause ist geboren.
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Wir können aber nicht über Kaffee und Tee sprechen, wenn wir nicht auch über Kolonialismus sprechen. Die extremst hohe Nachfrage nach Kaffee und Tee in Europa im 17. und 18. Jahrhundert hatte nämlich natürlich auch Einfluss auf den Kolonialismus. Insbesondere Großbritannien nutzte eben ihre Kolonien zur Massenproduktion dieser Güter.
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In Indien beispielsweise wurden Bauer oft gezwungen, Tee anstelle ihrer traditionellen Ernten anzubauen. Was zu einer erheblichen Veränderung der lokalen Landwirtschaft und Ökonomie führte. Außerdem sorgte man dafür, dass China immer mehr seine Handelsgrundlage für Tee verlor. Und ähnlich ist es bei Kaffee, dessen Anbau eben extremst eng mit der Sklaverei verbunden war. Besonders in Kolonien Mittel- und Südamerikas.
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Für die Plantagen wurden Sklaven aus Afrika verschifft, damit die Produktion eben auch gewährleistet werden konnte. Die Arbeit in den Kaffee- und Teefeldern war extremst hart und extremst ausbeuterisch. Was natürlich auch eine positive Entwicklung, also eine positive wirtschaftliche Entwicklung für die Kolonialmächte bedeutete. Während die lokalen Gemeinschaften unterdrückt wurden und auch immer ärmer wurden.
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Auch heute ist der Kaffee- und Teehandel immer noch so eine Sache. Es sind nämlich weiterhin die meistgehandelsten Güter weltweit und es ist ein Milliardenmarkt, der nur in einer Handvoll Unternehmen liegt.
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Und eine extrem große Belastung im Handel, vor allem natürlich für die Produzenten, sind die sehr schwankenden Preise. Dafür gab es eine Zeit lang sogar schon eine Lösung, nämlich 1963 haben sich die Export- und Importländer von Kaffee auf das International Coffee Agreement geeinigt und haben darin einen Mindestpreis und Exportquoten festgelegt.
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tatsächlich auch relativ lange gut funktioniert, nämlich fast 30 Jahre. Doch 1989 wollte die USA wieder einen freien Markt und ließen das Abkommen irgendwo platzen. Aber außerdem wurde halt auch Vietnam noch zu einem Exportland.
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Und das unterlag eben nicht den International Coffee Agreement. Und aufgrund dieser Faktoren ist dann eben dieses Agreement geplatzt. Es gibt zwar auch eine wachsende Bewegung für fairen Handel und nachhaltige Produktion. Damit sollen eben die Bedingungen für die Produzenten, was oft Kleinbauer sind, zu verbessern und auch eine umweltfreundliche Herstellung zu fördern.
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Auch der T-Mark hat sich auf jeden Fall entwickelt und hat auch einen zunehmenden Fokus auf nachhaltige Anbaumethoden und auch faire Arbeitsbedingungen. Aber natürlich ist das nicht überall so und es gibt einfach noch sehr viel zu tun an dieser Stelle. Werbung
14:45
Wie wirkt eigentlich Kaffee? Was sind eigentlich die erwünschten Wirkungen von Koffein? Wahrscheinlich haben sehr viele Menschen eine Idee, wie Koffein wirkt. Mich würde echt mal interessieren, schreibt das gerne mal in die Kommentare, ob ihr alle Kaffee trinkt oder Koffein zu euch nehmt. Weil ich habe so ein bisschen die Vermutung, dass es wirklich die wenigsten gibt, die wirklich nur sehr selten Koffein zu sich nehmen. Also ich habe auch mal in meinem eigenen sozialen Umfeld gefragt,
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Und ich habe eine Freundin, die wirklich alle paar Wochen mal einen schwarzen Tee trinkt. Aber sonst sind eigentlich alle so in ihrem Daily-Business-Trinken jeden Tag. Und ich fand das ganz krass, sorry, ein kleiner Ausschwang, bevor wir ins Thema starten, weil in einem Buch, was ich zur Recherche gelesen habe, wurde relativ am Anfang gesagt, an sich ist…
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das Bewusstsein der Gesellschaft koffiniert, weil im Prinzip alle Kaffee oder schwarzen Tee oder andere Arten von Koffein zu sich nehmen. Das heißt, dass unsere natürliche Form plus Koffein ein gesellschaftlicher Dauerzustand ist. Und auch wenn man vielleicht sich jetzt denkt, so ja, the obvious, keine Ahnung, verfolgt mich dieser Gedanke auch gar nicht mit einer negativen oder positiven Konnotation, sondern ich weiß nicht, ich fand das irgendwie, mich hat das irgendwie berührt, weil es stimmt und es macht Sinn,
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Es lässt mich auch sehr darüber nachdenken, welche Rolle Koffein eigentlich in unserer Gesellschaft hat und was es auch eigentlich für unsere Gesellschaft bedeutet, dass wir eigentlich durchgehend unter dem Einfluss von einer wach und fit machenden Substanz stehen. Und damit sind wir auch schon bei den erwünschten Wunschkosten.
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Wirkungen. Und zwar geht es natürlich darum, kognitive Effekte zu verbessern. Denn Koffein verbessert faktisch eine Reihe kognitiver Funktionen, darunter unser Gedächtnis, unser Fokus, unsere Wachsamkeit, die Aufmerksamkeit und die Lernfähigkeit und gibt uns einfach grundlegendes Gefühl, wacher und fitter zu sein.
16:37
Und das vor allem am Morgen. Und da muss man aber ehrlich sagen, da geht es auch sehr um die Unterdrückung von Entzugserscheinungen. Darüber sprechen wir gleich später. Aber vor allem die erste Tasse Kaffee am Morgen, die fühlt sich ja immer besonders gut an. Menschen genießen die sehr dolle. Und da liegt es eben daran, dass eben diese Entzugserscheinungen am Morgen unterdrückt werden und man richtig sich belebt.
16:59
fühlt. Es gibt auch verschiedene Studien dazu, dass Koffein auch wirklich gesundheitliche Vorteile mit sich bringt für verschiedene Krankheiten, wie zum Beispiel Krampfanfälle, Demenz, Parkinson und Multiple Sklerose. Also wirklich, dass Koffein ein verringertes Risiko für diese Erkrankungen hervorbringt. Außerdem ist Kaffee eine bedeutende Quelle von Antioxidantien, die eben helfen können, Zellen vor Schäden durch freie Radikale zu schützen. Musik
17:28
Aber wie sorgt Koffein eigentlich für all diese Wirkungen? Dafür müssen wir uns erstmal anschauen, wie eigentlich dieser zeitliche Ablauf von Koffein ist. Nach der oralen Einnahme erreicht Koffein schnell eine maximale Konzentration im Blut und zwar typischerweise so innerhalb von 30 Minuten. Das ist so der erste Kaffeekick, den man vielleicht kennt oder der erste Koffeinkick, den man kennt.
17:50
Und die Halbwertszeit von Koffein, also die Zeit, in der die Hälfte der Substanz im Körper abgebaut ist, beträgt so zwischen 5 bis 7 Stunden. Und jetzt, wenn ihr euch mal kurz drüber nachdenkt, wann viele Menschen auch ihren zweiten Kaffee trinken nach dem ersten, ist es ja häufig so am Morgen ein und den nächsten wieder am Mittag. Habe ich auf jeden Fall schon sehr häufig gehört. Und wenn man das jetzt mit der Halbwertszeit so in Verbindung bringt, merkt man, naja, klar, wenn der Kaffee zur Hälfte abgebaut ist, die Wirkung immer mehr abweicht.
18:18
abnimmt, hat man Lust auf den nächsten Kaffee bzw. benötigt tatsächlich den nächsten Kaffee.
18:24
um ein Mittagstief, von dem ja auch eben viele sprechen, zu überwinden. Weil natürlich, wenn der Kaffee zur Hälfte abgebaut wird, die hauptsächliche Wirkung abgebaut ist, dann crasht man am Mittag. Warum genau, reden wir gleich drum. Wie lange aber auch die Halbwertszeit ist, das kann natürlich auch von extrem vielen individuellen Faktoren abhängen, wie zum Beispiel Alter, die Leberfunktion, wo Koffein abgebaut wird, aber auch natürlich bei der Schwangerschaft variieren. Doch wie kommt es nun zu der Wirkung?
18:51
Denn Koffein setzt an den Adenosin-Rezeptoren an. Es blockiert sozusagen die Adenosin-Rezeptoren und sorgt dafür, dass Adenosin nicht dort andocken kann. Adenosin ist eine natürliche Substanz in unserem Körper, die im Laufe des Tages im Blutkreislauf immer mehr ansteigt und eine schlaffördernde und dämpfende Wirkung hat. Dadurch, dass die Adenosin-Rezeptoren aber nun von Koffein belegt sind und blockiert sind,
19:19
können diese eben nicht mehr ihre Message von Müdigkeit und dämpfende Funktion wahrnehmen bzw. mitteilen. Aber, was man halt nicht vergessen darf, Adenosin wird trotzdem weiter im Körper produziert und das reichert sich dann an,
19:36
und wird eigentlich nur von Koffein maskiert. Also es ist nicht so, dass jetzt weniger Adenosin produziert wird, sondern man kann es sich wirklich wie so einen kleinen Adenosin-Stau vorstellen. Wenn das Koffein dann aber schließlich von der Leber abgebaut wird und seine Wirkung nachlässt, wird dann sozusagen das angestaute Adenosin schwemmt dann gegen die Rezeptoren und man fühlt sich plötzlich extremst müde und sehr erschöpft.
19:59
Siehe mittagstief, wenn eben die Wirkung von Koffein nachlässt und wir uns einfach wirklich super erschöpft fühlen. Das könnt ihr euch eben vorstellen, indem sich eben Adenosin im Körper anreichert und dann plötzlich zackig an die Rezeptoren geht, weil die eben nicht mehr blockiert sind. Neben der direkten Blockade von Adenosin-Rezeptoren hat Koffein auch indirekte Wirkungen und Effekte auf das Gehirn.
20:21
Es stimuliert nämlich die Freisetzung von Neurotransmittern wie Adrenalin, das den Körper in einen Zustand erhöhter Wachsamkeit versetzt, Serotonin, das eben die Stimmung beeinflusst und Dopamin, das das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Und all diese Neurotransmitter tragen eben zusätzlich noch zum stimulierenden Effekt bei und können eben die Stimmung und auch die Leistungsfähigkeit, die kognitive Leistungsfähigkeit erhöhen und verbessern. Musik
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Doch wenn Koffein eigentlich all diese tollen, erwünschten Wirkungen hat, wir uns fitter fühlen und es zum Teil auch ein Risiko verringert für verschiedene Erkrankungen, das hört sich irgendwie auch alles zu gut, um wahr zu sein an. Und deswegen schauen wir mal ein bisschen auf die unerwünschten Wirkungen. Doch wenn man sich das mal ein bisschen genauer anschaut, dann merkt man relativ schnell so viele Unerwünschte.
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Unerwünschte Wirkungen, direkte unerwünschte Wirkungen gibt es nämlich gar nicht. Die Europäische Behörde für Lebenssicherheit sieht nämlich eine Einzeldosis von 200 Milligramm oder 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und einen Tageskonsum von 400 Milligramm pro Tag als unbedenklich an. Und ihr erinnert euch vielleicht an die Getränke am Anfang. 400 Milligramm pro Tag sind ein bisschen mehr als vier Tassen Filterkaffee. Das ist schon, glaube ich,
21:40
innerhalb des Konsums von vielen Menschen. Bei höheren Dosen kann es aber durchaus auch zu Kopfschmerzen, Magenproblemen, Übelkeit, Schlafstörungen, Nervosität, Paranoia, einen erhöhten Herzschlag und auch Dysphorie, also eine schlechte Stimmung kommen. Auch sehr schwere Nebenwirkungen, wie zum Beispiel das Triggern von psychotischen Episoden
21:59
oder auch akute Krampfanfälle können bei entsprechend hohen Dosen vorkommen. Und außerdem kann es bei dauerhaft hohen Dosen zu einer Herz-Kreislauf-Problematik kommen. So, da wäre ja so ein bisschen das erste Fazit, naja, wenn ich zwischen, ja, bei vier Tassen Kaffee am Tag
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dann ist das Ganze ja alles halb so wild. Und das stimmt in der direkten, unerwünschten Wirkung auf jeden Fall oder zeigt sich auf jeden Fall so an. Stand der Wissenschaft jetzt. Koffein ist übrigens eine sehr, sehr gut erforschte Substanz. Doch an diesem Punkt melden sich die Schlafforscher, die nämlich zu Koffein ein bisschen eine kritischere Sicht haben und empfinden,
22:40
Ich fand das ganz interessant. In dem Buch This is your mind on plants, in dem Michael Pollan zu Koffein recherchiert hat, meinte er, er hat auch noch nie einen Schlafforscher interviewt, der Koffein konsumiert hat. Fand ich ganz spannend auf jeden Fall. Und die würden, glaube ich, auch nicht sagen, dass vier Tassen Kaffee im Rahmen sind. Denn was passiert, wenn wir Koffein konsumieren mit unserem Schlaf?
23:05
Durchschnittlich kann Koffein die Schlafzeit nämlich um 45 Minuten verkürzen und die Schlafeffizienz um circa 7 Prozent. Das entsteht nämlich hauptsächlich dadurch, dass man viel längere, leichte Schlafphasen hat und die für uns super wichtige Tiefschlafphase deutlich verkürzt wird. Und ein qualitativ schlechter Schlaf hat nämlich auch seine ganz abenteuerlichen
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eigenen unerwünschten Wirkungen, wie zum Beispiel ein höheres Risiko auf Alzheimer, Krampfanfälle, Herzversagen, Depressionen, Angstzustände, Übergewicht bis hin zu Suizidgedanken. Außerdem
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sorgt natürlich auch ein schlechter Schlaf dazu, dass der Koffeinkonsum weiter gefördert wird. Natürlich bin ich nämlich dann am nächsten Morgen extra müde, habe also vielleicht Entzugserscheinungen, aber ich fühle mich auch einfach nicht so gut, weil ich keinen so guten Schlaf hatte und brauche erst recht am Morgen eine Tasse Kaffee, die dann am Ende wieder dafür sorgt, dass ich qualitativ nicht so gut schlafe. Und dann beginnt damit eben dieses Karussell von Schlafkoffein, Schlafkoffein.
24:09
Ich habe eine Studie dazu gelesen. Wie gesagt, alle Quellen findet ihr auf meiner Website. Das untersucht hat, wann man das letzte Mal Koffein zu sich nehmen sollte, um entspannt ins Bett zu gehen und einen qualitativ normalen Schlaf zu erwarten. Und durchschnittlich meinten die halt eben, naja, neun Stunden bevor man ins Bett geht, sollte man auf Koffein verzichten. Die haben das sogar nochmal spezifiziert und geschaut, naja, wenn ich um 22 Uhr ins Bett möchte, das ist übrigens auch meine Lieblingsbett-Gezeit,
24:39
Dann sollte der letzte Kaffee, die haben dafür 250ml, 107mg Koffein, um 13:12 Uhr getrunken werden. Und dann haben sie nochmal geschaut, wie das denn ist bei so einem Pre-Workout-Supplement, das ja einen viel höheren Koffeingehalt hat, da haben sie mit 217,5 gerechnet. Und das sollte man nicht später als 8:50 Uhr konsumieren, wenn man um 22:00 Uhr ins Bett möchte.
25:04
Denn wir hatten es ja auch schon vorhin mit der Halbwertszeit von zwischen 5 bis 7 Stunden, also bis die Hälfte des Koffeins im Körper abgebaut ist.
25:13
Aber nachwirken kann tatsächlich das Koffein noch mal deutlich länger. Ich habe in anderen Quellen auch gelesen, naja, bis zu zwölf Stunden. Aber wie gesagt, in der Studie haben sie es ein bisschen kürzer, haben sie dies in neun Stunden vorm ins Bett gehen. Aber natürlich extremst abhängig von der Koffeindosis. Grundlegend muss einem aber eben klar sein, dass Koffein halt schlichtweg nur eine Erschöpfungsverschiebung ist.
25:37
Und während wir mit Koffein die logische Erschöpfung als Konsequenz unseres Handelns nicht spüren, weil eben Koffein das maskiert, wird sie früher oder später eben auf uns einbrechen. Und ich finde, das sollte man sich einfach so ein bisschen im Hinterkopf behalten, wenn man sich entscheidet, Koffein zu konsumieren und sich auch immer ein bisschen zu schauen, naja, wie war denn mein Tag heute? Und brauche ich vielleicht auch einfach mal eine Pause? Musik
26:03
Aber was sagt denn das jetzt eigentlich über mich und meinen Kaffeekonsum aus, wenn ich so ein bisschen traurig bin am Morgen, dass ich jetzt gerade keinen Kaffee mehr trinke, sondern schwarzen Tee? Oder wie wir auch schon vorhin gehört haben, dass die erste Tasse Kaffee oder schwarzen Tee am Morgen unsere Entzugserscheinungen regelt, würde ich mal sagen. Ist denn dann eigentlich unsere komplette Gesellschaft koffeinabhängig?
26:31
Ich möchte nämlich zu dem Thema auf jeden Fall deswegen auch nochmal was sagen, weil ich in Folge 54, als ich über unser neues Diagnosemanual der ICD-11, über die neuen Abhängigkeitsdiagnose gesprochen habe, also über die Veränderungen,
26:46
mich sehr darüber gewundert habe und auch sehr kritisiert habe, warum denn Koffein jetzt nicht mehr als Abhängigkeitserkrankung diagnostiziert werden kann. Auch so ein bisschen im Vergleich, weil es zu Psychedelika bei Psychedelika noch geht und auch das nicht so ganz Sinn macht mit den Kriterien, die wir haben. Aber ja, anderes Thema, andere Folge, wen das interessiert.
27:04
hört gerne in Folge 54 rein. Ich fand es aber auf jeden Fall strange. Und jetzt über meine Koffein-Recherche bin ich da ein bisschen anderer Meinung. Wenn wir eine Abhängigkeit für Koffein diagnostizieren wollen würden, haben wir natürlich die sechs Diagnose-Kriterien zur Verfügung, die wir bei allen anderen Abhängigkeitserkrankungen auch nutzen. Und zwar die Toleranz, die Entzugserscheinung, das Craving, also das hohe Verlangen nach einer Substanz
27:32
der Kontrollverlust über Anfang, Ende und Menge des Konsums und der Konsum trotz negativer Folgen.
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Außerdem noch der hohe Zeitaufwand für die Beschaffung und Vernachlässigung anderer Aktivitäten. Wer täglich Koffein konsumiert, hat die Aspekte von einer Toleranzbildung, die Entzugserscheinungen und das Craving relativ schnell abgedeckt. Und wenn man dann mal überlegt, wie viele Menschen Koffein in unserer Gesellschaft konsumieren und auch wirklich regelmäßig konsumieren, haben wir relativ schnell für extremst viele Menschen eine Abhängigkeitsdiagnose.
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den man ja dann einen extrem großen Teil der westlichen Bevölkerung auch verhängen müsste. Und dann stellt sich ja hier an dem Punkt ja fast gleich eine philosophische Frage:
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Denn wenn jeder krank wäre, ist dann nicht auch irgendwie jeder gesund? Es besteht also schlichtweg keine klinische Relevanz bei einer Koffeinabhängigkeit. Und ich fand das Zitat von Roland Griffiths, eben auch aus dem Buch »This is your mind on plants«, super erhellend. Frei übersetzt sagt er nämlich, dass eine Abhängigkeit ja erstmal kein Problem ist, solange die negativen Folgen überschaubar sind und der Nachschub geregelt ist.
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Und das ist halt eben auch bei Koffein so. Ich meine, es macht durchaus Sinn, seinen persönlichen Koffeinkonsum bezüglich seiner eigenen Schlafarchitektur mal zu überdenken. Vor allem, wenn man eh Schlafprobleme hat.
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Aber ob man wirklich eine Abhängigkeitsdiagnose verhängen muss, da zweifle ich inzwischen extremst dran, beziehungsweise kann ich es sehr gut nachvollziehen inzwischen, warum das aus der ICD-11 rausgenommen wurde. Aber mich würde an dieser Stelle wirklich auch total eure Meinung interessieren, ob ihr findet, dass das doch vielleicht auch innerhalb von psychischen Erkrankungen, Abhängigkeitsdiagnose ist ja im Prinzip ein Teil von psychischen Erkrankungen, ob das
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dort mit behandelt werden sollte als Substanz. Und welchen Aspekt wir natürlich auch haben, wie geht man damit um, wenn Menschen wirklich extremst viel Koffein konsumieren? Das hat man natürlich auch nochmal ein bisschen ein anderes Bild, als wenn man bei dem unbedenklich eingestuften Konsum von 400 Milligramm, wenn man von dem eben ausgeht. Aber wie gesagt, man kann halt eben auch schädlichen Konsum über die ICD-11 und auch über die ICD-10, da geht aber auch noch die Abhängigkeitserkrankung, diagnostizieren.
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Aber, und das finde ich ganz, ganz spannend, auch wenn wir die Abhängigkeitserkrankung in den ganzen neuen Diagnose-Kriterien nicht mehr mit dabei haben, was aber sowohl in DSM 5 als auch ECD 11 ganz klar diagnostizierbar ist,
30:08
ist das Koffein-Entzugssyndrom, da es eben eine klinisch signifikante Beeinträchtigung mit sich geht. Und zwar kommt es vermehrt zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, verminderte Energie, Schläfrigkeit, depressive Stimmung, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und ein Gefühl von der Benommenheit. Bei manchen sind die Symptome super mild, bei anderen können sie aber auch echt sehr schwer auftreten. Und hierfür habe ich ein kleines Fallbeispiel vorgelegt.
30:36
Für euch. Und zwar hat der liebe Dirk, ihr kennt ihn vielleicht noch aus der Folge 35 zu Kratom, von seinen Entzugserscheinungen bei Koffein erzählt. Und da hören wir einfach mal rein.
30:49
Hey Steffi, also bevor ich Koffein aufgegeben habe, war ich so bei zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag, in krassen Arbeitsphasen natürlich auch mal mehr. Das ging so 15, vielleicht 16 Jahre. Ich habe den Konsum in der Zeit eigentlich nie unterbrochen, höchstens wenn ich mal krank war. Da habe ich dann die Entzugserscheinung vermutlich auch gespürt, aber noch nicht so richtig gecheckt, dass es was mit dem Koffeinmangel zu tun haben könnte.
31:12
Die Entzugssymptomatik, die hat es auch wirklich in sich. Das glaubst du kaum, wenn du es nicht selber erlebt hast. Bei mir waren das so typisch Kopfschmerzen, Irritierendheit, drehende Augen und laufende Nase und auch Stimmungsschwankungen. Ich sag mal so den typischen Blues. Das dauerte dann jeweils so mindestens eine Woche, also da wurde es dann auch wirklich merklich besser. Da bin ich aber auch bei meinen ersten Versuchen ein paar Mal gescheitert. Es war super unangenehm und an vernünftig arbeiten war da echt nicht zu denken.
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Für mich war der Hauptgrund aufzuhören, dass ich nicht so gerne abhängig von der Substanz sein will. Also in dem Sinne, dass ich nicht jeden Morgen erst einen Kaffee trinken muss, um keine Schmerzen zu haben oder gute Laune zu haben oder so. Davon abgesehen ist meine Schlafqualität jetzt ein Vielfaches besser und ich habe echt den Eindruck, dass ich auch nicht mehr so dieses typische Mittagstief habe. Auch habe ich den Eindruck, dass ich in Stressphasen sehr viel gelassener bin als davor. Ja, vielleicht so viel. Mach’s gut. Ciao, ciao.
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Zu guter Letzt möchte ich mit euch noch über Energydrinks sprechen. Denn wenn wir über Koffeinkonsum sprechen, werden vor allem auch gerne Energydrinks problematisiert. Vor allem in Verbindung mit dem Konsum von jungen Menschen, Jugendlichen. Und genau diesen Konsum schauen wir uns jetzt zum Ende nochmal an. Wie bei Erwachsenen gibt es nämlich auch eine unbedenkliche Menge an Koffein pro Tag bei Jugendlichen.
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Und auch Kindern. Und zwar 2,5 Milligramm pro Kilogramm pro Tag. Und, fuck, jetzt merkt man wieder, dass ich keine Kinder habe. Wie viel wiegt jemand mit 13? 40 Kilo? Oder…
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Ne, sagen wir einfach mal 50 Kilo. Ihr verbessert das einfach mit der Kilogrammanzahl, die ihr für richtig haltet. Aber ich nehme jetzt einfach mal 50 Kilogramm und das würde bedeuten, dass man einen Koffeinentake von 125 Milligramm am Tag als unbedenklich einschränkt.
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einschätzt. Und es ist ein bisschen mehr als eine 250ml Tasse Filterkaffee oder eben 370ml Energydrink. Nun ist es aber so, wenn man sich mit Energydrinks auseinandersetzt, man natürlich nicht nur Koffein hat, sondern sich auch kurz mit Taurin auseinandersetzen möchte. Übrigens, Taurin wird nicht aus Stierhoden gewonnen. Das ist ein Mythos.
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Taurin ist nämlich eine organische Säure und wird auch von unserem Körper selbst produziert und zwar ausreichend. Das bedeutet, es ist keine zusätzliche Aufnahme notwendig. Taurin ist dafür da, um unseren Wasser- und Mineralhaushalt zu regulieren, unterstützt die Herzfunktion und ist auch wichtig für die Entwicklung und Funktion des zentralen Nervensystems. Außerdem hat auch Taurin antioxidative Eigenschaften. Nun wird angenommen, dass Taurin
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jedoch die Wirkung von Koffein verstärken könnte. Aber wie man vielleicht schon an den Konjunktiven merkt, ist die Interaktion zwischen Taurin und Koffein noch nicht wirklich geklärt. Es gibt nämlich auch außerdem noch Hinweise darauf, dass Taurin sich negativ auswirkt auf das Herz-Kreislauf-System
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Aber auch das muss halt einfach noch genauer angeschaut werden. Also man ist sich so ein bisschen uneinig über diese Taurin-Koffein-Mischung, aber auch was Taurin so per se bewirkt oder negative Konsequenzen mit sich bringen könnte. Trotz allem kommt man halt eben sehr häufig zu dem Punkt, dass man diese richtige Warnung, die ja meiner Meinung nach auch
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manchmal irgendwo gewünscht wird, bei Energydrinks nicht wirklich aussprechen kann. Also auf jeden Fall nicht aufgrund von Studienlage. Klar, sie enthalten super viel Zucker, aber auch das ist ja in vielen Limonaden und Süßigkeiten vertreten. Aber was wir bei Erwachsenen haben, haben wir natürlich auch bei Kindern. Natürlich
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hat der Koffein-Intake eine Auswirkung auf den Schlaf von Jugendlichen. Allerdings wird dem Schlaf bei Jugendlichen noch mal wichtigere Funktionen innerhalb der Entwicklung zugesprochen, als wir das jetzt bei Erwachsenen haben, weil wir sind in der Regel schon entwickelt.
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Aber auch hier besteht einfach ein höherer Forschungsbedarf, um klarere Aussagen zu treffen. In der Rattenstudie zum Beispiel wurde gezeigt, dass durch Koffein auch der Tiefschlaf gestört wurde und als Konsequenz diese jungen Ratten, also es waren Ratten in der Entwicklung, eine verzögerte Gehirnreifung hatten, eine Verzögerung in der Entwicklung von sozialer Aktivität, Schwierigkeiten haben bei der selbstständigen Körperpflege und auch die Erkundung der Umgebung und das selbstmotivierte Lernen denen unterliegen.
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Es gibt halt Hinweise darauf, dass Koffein bei Jugendlichen natürlich nochmal einen größeren Impact hat aufgrund der Entwicklung und es wahrscheinlich sehr sinnvoll wäre, den Koffeinzufuhr gering zu halten. Schlafforscher in meiner Recherche hatten da klarere Ansagen. Die meinten, Kinder brauchen keinen Koffein, Punkt. Die sollten davon ferngehalten werden. So krass das zu sagen in der Studienlage und ich will vielleicht auch da an dem Punkt auch ein bisschen entschärfen.
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in diese Debatte reinbekommen, weil ich schon das Gefühl habe, auch so in der Jugendhilfe das Thema Energydrinks sehr schnell auch aufheizen kann, dass man das vielleicht auch ein bisschen entspannter sehen kann. So ihr Lieben, das war es schon wieder mit der Substanzkunde-Folge von mir zu Koffein.
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Ich hoffe, euch haben die Inhalte gefallen und ihr konntet für euch was mitnehmen. Falls ihr meinen Podcast unterstützen möchtet und euch die Inhalte gefallen, wäre ich euch super dankbar, wenn ihr euch ein paar Sekunden nehmt und auf der Plattform, auf der ihr diesen Podcast gerade hört, ein Like da lasst oder beziehungsweise eine Bewertung schreibt. Das geht zum Beispiel auf Spotify, da kann man solche Sternchen angeben, um den Podcast zu bewerten oder auf Apple Podcast geht das eben auch. Auf
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Auf YouTube ist mein Podcast ja gerade neu, auch da kann man dem einfach folgen oder vielleicht auch einen Kommentar schreiben und aktiv in der Folge mitdiskutieren. So komme ich besser mit euch in Verbindung, bekomme ein Feedback und natürlich helft ihr auch dem Content, dass er weiter gepusht wird und auch eine breitere Masse erreichen kann. Es ist nämlich einfach immer ein bisschen schwierig, wenn man über psychoaktive Substanzen spricht. Da haben Algorithmen einen einfach nicht so gerne, das kommt noch dazu.
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weil die eben nicht wirklich ausfiltern können, ob man Drogen verherrlicht oder wirklich versucht, Aufklärung zu machen. Dementsprechend bin ich ein bisschen darauf angewiesen, dass ihr euch die Zeit nehmt und mir Feedback gebt und schaut, dass eben dieser Podcast funktioniert.
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Aktiv bleibt, nicht nur durch meinen Content, sondern auch durch eure Interaktion. Vielen lieben Dank dafür und ich freue mich riesig, euch in zwei Wochen wieder zu hören. Es wird ein Interview geben zum Bahnhofsviertel in Frankfurt. Ich freue mich drauf. Bis dann. Habt eine schöne Zeit. Tschüssi.

