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Drug Checking in Deutschland

Drug Checking bedeutet, psychoaktive Substanzen chemisch analysieren zu lassen, bevor sie konsumiert werden. Dabei geht es nicht nur darum herauszufinden, ob tatsächlich die erwartete Substanz enthalten ist, sondern je nach Verfahren auch um Wirkstoffgehalt, Beimengungen oder unerwartete Wirkstoffe. Gerade auf einem unregulierten Markt können Aussehen, Name oder Verkaufsangaben wenig darüber aussagen, was tatsächlich vorliegt. Drug Checking schafft deshalb eine zusätzliche Informationsgrundlage für Konsumentscheidungen und kann Menschen erreichen, die mit klassischen Angeboten der Suchthilfe sonst kaum in Kontakt kommen.

Im Gespräch mit Patrick Krause von der Suchthilfe Thüringen und Frank Junger von Miraculix geht es um stationäres, mobiles und selbst durchgeführtes Drug Checking sowie um die verschiedenen Analyseverfahren dahinter. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem damals bereits laufenden On-Site-Angebot in Thüringen, bei dem chemische Analyse und niedrigschwellige Beratung miteinander verbunden wurden. Thematisiert werden quantitative Selbsttests, ergänzende Nachweisverfahren, rechtliche Hürden, Klientenschutz und die Frage, warum Drug Checking weder zum Konsum verleitet noch bloß eine Qualitätskontrolle für den illegalen Markt darstellt. Deutlich wird: Der zentrale Nutzen von Drug Checking liegt darin, Unsicherheit über Substanzen zu reduzieren und gleichzeitig einen konkreten Zugang zu Information, Beratung und bewussteren Konsumentscheidungen zu schaffen.


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Drug Checking in Deutschland

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PODCAST-METADATEN

Folge: 72
Erscheinungsdatum: 27.07.2023
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Drug Checking in Deutschland
Sprecher: Stefanie B?tsch, Patrick Krause (Suchthilfe Th?ringen), Frank Junger (Miraculix)
Typ: Transkript

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Transkript Beginn

00:02

Am 23. Juni 2023 wurde tatsächlich im Bundestag beschlossen, dass es eine Änderung im Betäubungsmittelgesetz geben soll, damit Drug Checking, also das Testen von psychoaktiven Substanzen in Modellprojekten realisiert werden soll. Allerdings ist es

00:19

tatsächlich so, dass wir in Deutschland schon Drug Checking haben und zwar in Thüringen. Meine Gäste sind an diesen Projekten beteiligt und wir sprechen erstmal ganz im Allgemeinen, was Drug Checking ist, welche Vor- und Nachteile Drug Checking mit sich bringt. Wir sprechen über die verschiedenen Methoden des Drug Checkings, aber es gibt vor allem auch wirklich interessante Praxiseinblicke in das schon laufende Drug Checking Projekt in Thüringen. Ich wünsche euch viel Spaß bei dieser letzten Folge vor der Sommerpause.

00:54

Diese Podcast-Folge wird euch präsentiert von Safe Party People Frankfurt.

01:13

Willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv und es ist die letzte Folge vor der Sommerpause. Wir hören uns nach dieser Folge erst wieder am 7. September, also wir werden zwei Folgen aussetzen. Ich hoffe, ihr habt einen guten Sommer, auch ohne Psychoaktiv. Ihr könnt ja einfach noch ein bisschen die alten Folgen nachhören.

01:32

Wir haben heute eine Podcast-Folge bzw. ein Interview über Drug-Checking. Und wir haben tatsächlich ein bisschen gebraucht, bis wir endlich einen Termin gefunden haben, um dieses Interview aufzunehmen. Aber dafür ist es jetzt auch wirklich zum richtigen Zeitpunkt. Drug-Checking war ja in den letzten Tagen ein bisschen häufiger in der Diskussion. Wir haben heute den 7.7. bei der Aufnahme und wir haben heute den 7.7. bei der Aufnahme.

01:57

Am Freitag, den 23.06. wurde vom Bundestag eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes beschlossen. Und zwar soll durch den § 10b des Betäubungsmittelgesetzes die rechtlichen Rahmenbedingungen für Modellvorhaben zum Drugchecking geschaffen werden. Das heißt hochaktuell dieses Mal dieses Thema. Und zu Gast habe ich heute Frank Junger.

02:22

vielleicht auch schon mal von gehört, denn er ist von Miraculix. Er kommt eigentlich erstmal aus, was heißt eigentlich, ist ja immer noch in der Szene geblieben, wenn man so möchte, aus dem Nightlife und hat eben im Club gearbeitet, hat dann seinen Veranstaltungskaufmann gemacht und arbeitet halt seit 10 bis 15 Jahren in der Veranstaltungsbranche, bis er seinen Weg zu Miraculix gefunden hat. Wem Miraculix noch kein Begriff ist, das werden wir später auf jeden Fall nochmal tiefer klären. Und

02:50

was es bis jetzt noch sehr selten gab im Psychoaktiv-Podcast, ist noch Patrick Krause mit dabei. Er ist Sozialarbeiter bei der Suchthilfe Thüringen. Hallo ihr zwei, schön, dass ihr heute da seid. Ja, hallo. Einen wunderschönen guten Tag und danke für die Einladung. Ja, wir fangen vielleicht erst mal super basic an.

03:09

Was ist denn eigentlich Drug Checking? Also Drug Checking bezeichnet erstmal ganz generell die Analyse von illegalen Psychotropensubstanzen.

03:21

Die User:innen haben die Möglichkeit, entweder stationär oder on-site auf Partys eine Probe ihrer Substanz abzugeben. Und bei unserer Version, wir haben die Form des Integrated Drug Checkings, ist das Ganze auch noch in sozialarbeiterische Züge eingebettet. Sprich, die Leute werden noch in ein kleines Beratungsgespräch geführt, wo die Ergebniskommunikation stattfindet und werden dann darüber aufgeklärt, was in der Substanz schlussendlich gefunden wurde.

03:50

Patrick, was bedeutet denn in unserer Version? Habt ihr die erfunden? Nee, wir haben die nicht erfunden. Rug Checking gibt es ja schon seit vielen Jahren im europäischen Ausland. Wir haben uns da auch inspirieren lassen von den etablierten Projekten, beispielsweise Check It aus Wien oder Safer Party aus der Schweiz. Also wir haben das in der Form nicht erfunden, sondern eher adaptiert und uns nach den geltenden Qualitätsstandards orientiert.

04:15

Es ist vielleicht hier an der Stelle auch wichtig zu sagen, dass in Thüringen auch das erste On-Site-Drug-Checking stattfinden könnte. Da gehen wir gleich drauf ein. Wir bleiben erstmal nochmal beim allgemeinen Teil. Wir haben es jetzt erst mal schon mal gehört von Patrick, dass es eben so eine Sozialarbeiter-Einbettung gibt. Aber Drug-Checking ist halt auch nicht Drug-Checking. Es gibt halt auch einfach Unterschiede in der Methodik. Frank, kannst du da uns vielleicht ein bisschen mehr dazu sagen, was es eigentlich für Methoden beim Drug-Checking gibt?

04:42

und natürlich auch, wie es vielleicht Miraculix macht. Sehr gerne. Ich denke, man kann es hier am Anfang in zwei große Gruppen unterteilen, meiner Meinung nach, und das ein bisschen unterscheiden in ein stationäres Drug Checking und ein mobiles Drug Checking. Beim stationären Drug Checking ist es eher so, dass man eine direkte Anlaufstelle in einer Stadt hat, bei einer Institution. Nehmen wir das Beispiel von Patrick bei der Suchthilfe jetzt.

05:05

Und kann dort hingehen, seine Probe analysieren lassen und kriegt dann dort dementsprechend darauf gestittenes Beratungsgespräch.

05:12

Somit können die Leute ihre Anlaufstellen direkt in ihrer Stadt, in ihrem Ort finden. Wenn wir zum mobilen Drug Checking gehen, sind wir hier eher im Party Setting unterwegs. Das heißt, wir sind direkt vor Ort auf einem Party, auf einem Festival, wo die Leute ihre Substanzen, die sie dabei haben und vielleicht für die Party auch konsumieren wollen, sich vorbereiten, direkt noch vor Ort vor dem Konsum quasi testen lassen können.

05:35

Und ich denke, das ist auf jeden Fall ein großer Unterschied zwischen beiden, wo man halt direkt vor Ort ist oder zu der ewigen Stelle dann hingeht. Ich finde aber, es gibt hier auch noch eine dritte Methode, die langsam immer mehr in den Fokus rückt und wofür die Leute auch mehr sensibliert sind, und zwar die Selbsttests.

05:52

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass es auf jeden Fall vorangeht und die Leute auch bereit sind, diese Sachen zu übernehmen, sich selbst quasi die Testung vorzunehmen und dort quasi die Eigenverantwortung auch zu übernehmen. Frank, du hast jetzt gerade gesagt, dass es eben diese drei Methoden gibt und bei der stationären Methode habe ich mich natürlich jetzt gefragt, wenn ich

06:11

konsumierende Person bin und gerne meine Substanz testen möchte, hätte ich Megaschiss, dass ich dann da hingehe. Die Polizei weiß, dass im stationären Drugchecking da eben Drogen getestet wird. Das heißt, obvious habe ich psychoaktive Substanzen dabei, die nicht erlaubt sind.

06:26

Ist es denn überhaupt sinnvoll? Wie wird das gehandhabt? Wenn ich da kurz einhaken darf, das war nämlich tatsächlich einer der Punkte, weshalb wir unser stationäres Angebot damals nicht eröffnen konnten. Vielleicht ganz kurz zur Geschichte des Drugcheckings in Thüringen. Wir haben 2017 die ersten Anträge geschrieben, um die Finanzierung für eine Stelle zu gewährleisten. Das ist dann auch 2018 schon geschehen.

06:52

Wir konnten eine halbe Stelle zur Implementierung eines Angebots bereitstellen und finanzieren. Und dann ging es auch schnell in die Planung von einem stationären Angebot. So war es damals angedacht. Wir haben ein Büro bezogen und bedarfsgerecht eingerichtet. Die labortechnische Unterstützung sollte über die Massenspektrometrie-Plattform der Friedrich-Schiller-Universität Jena erfolgen.

07:12

ablaufen und die Analysen sollten via Gaschromatographie bzw. HPLC vonstatten gehen. Das war auch alles recht konstruktiv geplant. Die Verantwortlichen hatten da echt Bock drauf.

07:26

Es kam schlussendlich nicht dazu, da wir keine Referenzsubstanzen über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte akquirieren konnten und weil wir abschließend nicht den Klientelschutz gewährleisten konnten vor einem stationären Angebot. Also es ist gar nicht so einfach.

07:41

das in der Form sicherzustellen, dass die Polizei dann nicht spaliersteht vor den Anlaufstellen. Zumindest hier in Thüringen ist das gerade noch etwas schwierig. Jetzt ist ja Drugchecking, das wissen vielleicht manche Leute nicht, die sich noch nicht tiefer mit dem Thema beschäftigt haben, kein Thema, das jetzt Deutschland in Europa neu erfindet, sondern das eher in vielen anderen europäischen Ländern Standard ist und in Deutschland eher da hinterherhinkt.

08:09

Wie machen das dann andere Länder? Habt ihr da Ahnung, ob die dann einfach so einen Deal mit der Polizei hat? Die machen das ja auch schon viel länger. Oder wie lösen die das? Das ist ganz unterschiedlich.

08:20

Die haben ja auch alle unterschiedliche Gesetzesvorgaben. Viele der Projekte können es unter dem wissenschaftlichen Standpunkt durchführen, aber wie das im Konkreten ausgestaltet ist in Wien und der Schweiz und den Niederlanden und so weiter, das kann ich leider an der Stelle auch nicht sagen. Aber ich gehe mal davon aus, dass sie auf jeden Fall dafür eine Lösung gefunden haben. Die machen das ja wirklich auch schon echt lange.

08:42

Ich denke schon. Also gerade Checkit hat ja viele Jahre Onsite getestet und hat es dann auch vor wenigen Jahren geschafft, auch ein stationäres Angebot einzuführen. Und ich glaube, das hätten sie nicht gemacht, wenn das nicht geklärt gewesen wäre. Macht Sinn, auf jeden Fall.

08:58

Welche Vorteile bringt denn ganz im Allgemeinen Drug-Checking für die Nutzerin? Weil es gibt ja auch voll oft so die große Diskussion bzw. das Argument, ja man macht die Qualitätskontrolle für die Dealer sozusagen.

09:12

So, das ist natürlich nicht, wo es eigentlich hingehen soll. Was sind denn so die Vorteile und vielleicht aber auch die Nachteile vom Drugchecking ganz im Allgemeinen? Na, die Vorteile liegen vor allem darin, dass man einen Zugang zu einer Gruppe von schwer zu erreichenden Menschen grundsätzlich schaffen kann. Also gerade zu Freizeitdrogenkonsumierenden oder sogenannten Hard-to-reach-Communities, die in der Regel keinen Berührungspunkt mit der klassischen Suchthilfe haben.

09:39

Zu denen kann man halt recht gut eine Brücke bauen. So kann gegebenenfalls auch problematische Konsummuster aufdecken und auf Augenhöhe besprechen und darüber hinaus natürlich auch eine Vernetzung stattfinden lassen, eine Begleitung, wenn das gewünscht ist. Und es gibt auch Studien, die beispielsweise belegt haben, dass

09:58

dass Drug Checking eine geeignete Methode ist, um Risiko- und Konsum-reduzierende Botschaften überzeugend und nachhaltig zu vermitteln. Hier vielleicht noch ergänzend dazu zu sagen, dass man mit einem

10:09

Drug Checking Angebots, sei es stationär oder mobil, eigentlich schon viel erreichen kann. Man gibt Informationen, man kann Sachen verhindern. Wenn ich jetzt daran denke, dass Leute zum Beispiel eine Substanz, eine Pille zum Beispiel haben, die hochdosiert ist, die sie dann nehmen würden, keine Informationen haben und daraus vielleicht ein Krankenhausaufenthalt entsteht, weil eine Überdosierung ist, dann sind wir ja hier auch an dem Punkt, dass man eigentlich mit Drug Checking schon im kleinen Maße mit wenig finanziellen Mitteln schon viel hätte verhindern können.

10:38

Jemand, der im Krankenhaus landet, muss danach vielleicht oder kann mehrere Wochen nicht zur Arbeit gehen. Das heißt, dort entstehen auch wieder Kosten. Ein Krankenhausaufenthalt für Überdosierung mit Nachbehandlung etc., da sprechen wir hier vielleicht auch schon schnell von 20.000 Euro oder mehr. Also was ich einfach damit sagen möchte, ist, dass Drug Checking einfach eine sinnvolle Sache ist, die man einfach umsetzen könnte, um auch Kontrollen,

11:01

am Nachhinein wirtschaftliche Kosten zum Beispiel zu sparen, gesundheitlich den Leuten präventiv was zu geben. Genau, es ist halt wichtig anzumerken, dass die Kosteneinsparungen durch Drug-Checking-Angebote nicht ausschließlich auf der Vermeidung von medizinischen Notfällen beschränkt sind. Durch die Identifizierung von gefährlichen Substanzen und

11:18

Bereitstellung von Informationen sind Drug-Changing-Programme halt auch dazu in der Lage, langfristige gesundheitliche Schäden zu reduzieren, die ansonsten zusätzliche medizinische Kosten verursachen könnten. Darüber hinaus sollte man Drug-Changing-Angebote vielleicht nicht ausschließlich anhand der finanziellen Amortisierung bewerten, da das Hauptziel darin besteht, Leben zu retten.

11:38

und die öffentliche Gesundheit zu schützen. Ich denke, wenn wir hier mal ganz kurz noch den Weg zurück zum stationären und dann zu dem Drug Checking schlagen, ist es ja so, wie du schon gesagt hast, es gibt gewisse Hürden. Und im stationären diese Hürde, dorthin zu gehen und zu wissen, dass die Polizei mich eventuell abfangen kann,

11:55

auch wenn es vielleicht für die stationären Ort eine Regelung gibt von einem Umkreis oder sonstiges, kann natürlich trotzdem außerhalb des Umkreises immer noch die Gefahr bestehen. Und ich denke aber, das was wir hier in Thüringen jetzt gerade haben und so wie Patrick das auch gesagt hat, die Hard-Reach-Community zu erreichen, denke ich, ist der große Vorteil, dass man halt direkt bei den Leuten ansetzen kann. Und ich habe das auch selbst gemerkt in der Arbeit, die wir machen, dass sobald

12:21

Sobald man mit den Leuten niedrigschwellig kommuniziert, sie abholt, sie dafür sensibilisiert, ist das so ein Umdenken. Sie werden dann halt auch mehr mit der Thematik konfrontiert und gehen dann einen ganz anderen Weg, reagieren ganz anders auf Methoden, reagieren ganz anders auf Ergebnisse. Und das dann zu verbinden mit

12:38

der Suchthilfe zum Beispiel oder einem anderen Beratungs- und Präventionsprojekt ist halt mega. Ja und ganz grundlegend ist man natürlich dazu in der Lage Konsumierende davon abzuhalten gefährlich oder stark gestreckte Substanzen zu nehmen. Das ist auch das was unsere Erfahrungen zeigen. Die Leute haben in der Regel keinen Bock darauf sich zu vergiften oder bestimmte Substanzen zu konsumieren.

12:59

Wir hatten beispielsweise in unserem ersten Jahr eine ganze Reihe von Amphetaminproben, die mit pharmakologisch wirksamen Mengen Crystal Meth versetzt waren. Und da wurde auch oft nachgefragt, ob wir dazu in der Lage wären, die Substanz für sie zu vernichten, weil das Interesse am Konsum gänzlich verflogen ist, die Leute diese Substanz nicht konsumieren wollten.

13:23

die Substanz an sich eigentlich auch nicht einkaufen wollten. Und von daher hat man da auch die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen auf die Bildung von Konsumentscheidungen. Was ich immer noch auch einen wichtigen Aspekt finde, so aus der suchttherapeutischen Hinsicht oder auch aus der Suchtentwicklung, natürlich nur ein kleines Zahnrad von vielen. Aber wenn ich eine Substanz teste und mich anders mit dem, was ich konsumiere, beschäftige, als einfach Rinn und Gut ist,

13:47

ist das ja auch schon grundlegend ein deutlich bewussterer Konsum. Und das ist einer von vielen Schutzfaktoren, was auch so eine Abhängigkeitsentwicklung einfach angeht. Auf jeden Fall. Allein mit der Etablierung von solchen Angeboten, auch im Party-Kontext, findet eine Sensibilisierung bei der Zielgruppe statt. Die werden dazu angehalten, sich überhaupt mal Gedanken davorzulassen,

14:05

darüber zu machen, warum gibt es denn so ein Angebot überhaupt, kommen dann auch oft mit uns ins Gespräch und es dient dann schon auch der Identifizierung von problematischen Konsummustern. So, jetzt haben wir ja auch schon dadurch, dass das eben in Sozialarbeiterische eingebettet ist,

14:20

Ein bisschen auch dieses Argument aus dem Weg geräumt, hey, das ist ja eine Qualitätsprüfung für die Dealer und Dealerinnen. Was fallen euch noch für Nachteile an? Vielleicht auch welche, die gerne dagegen gehalten werden, die jetzt halt nicht so…

14:35

Also so ad hoc fallen mir in der Form keine unmittelbaren Nachteile ein des Drugcheckings. Natürlich ist immer so ein bisschen die strafrechtliche Komponente zu betrachten.

14:55

die wir nicht komplett ausgrenzen können. Also wir können den Leuten nun mal keine abschließende Sicherheit geben, wenn man mit illegalen Substanzen in der Tasche unterwegs ist. Mit was wir immer mal konfrontiert wurden, wäre, dass es

15:11

zu einer Verharmlosung des Drogenkonsums führen würde. Das ist etwas, was wir an der Stelle nicht bestätigen können, eben weil die Analyseergebnisse da ganz oft eine ganz andere Sprache sprechen und man da bei weitem nicht von einer Verharmlosung reden könnte.

15:27

Und was auch so ein Argument war, was uns immer mal entgegenkam, wäre, dass es zum Drogenkonsum verleiten würde. Aber das ist auch was, was schon in diversen Evaluationen und Studien widerlegt wurde. Und wir können das in der Form auch nicht bestätigen. Es kam noch niemand zu uns.

15:43

der sich aufgrund unseres Projekts das erste Mal in den Schwarzmarkt oder so begeben hätte. Also es sind in der Regel schon Menschen, die ersten Konsumerfahrungen schon längst getätigt haben. Und von daher würde ich das so an der Stelle auch nicht bestätigen wollen. Ja, wir haben, glaube ich, einfach grundlegend ein totales Problem, einen psychoaktiven Substanzkonsum anzuerkennen, dass er wirklich da ist und uns darum zu kümmern. Und Drugchecking ist halt auch…

16:08

ein offizielles Programm, das erstmal grundlegend anerkennt, dieser Konsum findet statt und es muss irgendwie begleitet und unterstützt werden. Weil wir ja, glaube ich, immer sehr internalisiert haben, naja, was illegal ist, darf nicht sein.

16:22

Ja, ist so. Also es wird ja auch im Grunde, die Leute müssen sich ja auch die Erfahrung selber sammeln. Und wie man illegale Drogen konsumiert, ist hierzulande halt gänzlich eigentlich gar nicht pädagogisiert. Aus dem Elternhaus kriegt man am ehesten noch mit, wie man Alkohol konsumieren sollte. Ob das jetzt ein guter Umgang ist, das sei mal dahingestellt, der da vermittelt wird. Aber bei illegalen Substanzen hört das halt komplett auf. Da sind die Leute sich selbst überlassen, die Erfahrung zu sammeln.

16:52

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16:56

So, jetzt hatten wir schon das stationäre Drug-Taking angesprochen und dann ein bisschen zum On-Site-Drug-Taking kommen wir gleich. Aber bevor wir das ansprechen, kommen wir nochmal zu den Selbsttests. Denn Frank, da bist du natürlich der Spezialist drinnen. Magst du uns ein bisschen von den Selbsttests erzählen, was die für Vorteile haben und wie ihr mit Miraculix eben solche Tests auch bereitstellt und wie die funktionieren? Sehr gerne.

17:22

Was ich an Selbsttests sehr schön finde, ist, dass man halt hier die Eigenverantwortung übernehmen kann. Man kann sich klar selbst darauf vorbereiten und ist nicht abhängig von irgendeinen anderen Faktoren, sei es dem stationären oder wenn ich weiß, das sind Leute auf Partys, die das testen, sondern ich kann wirklich die Sache für mich selbst durchführen. Man muss dazu sagen, wir haben mittlerweile auch hier die Möglichkeit, das wirklich durchzuführen.

17:46

Es gibt schon lange, lange mehrere Testmöglichkeiten, wenn ich da jetzt an qualitative Reagenzien oder ähnliches denke. Was aber die Leute noch nicht so selbst für sich, vor allem hier in Deutschland, verstanden haben. In anderen Ländern wird das schon sehr durchgeführt. Hier in Deutschland noch nicht. Aber das ist auch gar nicht schlimm, weil es gibt ja jetzt Miraculix. Ja.

18:08

Guter Werbespruch.

18:38

die man dort selbst durchführen kann und dann am Ende ein Ergebnis erhält, was schon mal mehr als eine Ja-Nein-Aussage ist, weil wir da diesmal eine Zahl dahinter setzen. Was zum Beispiel in Richtung MDMA natürlich eine sehr wichtige Sache ist. Die Pillen sind über die Jahre immer höher konzentriert

18:54

beziehungsweise weiß man nie, was in einer Pille selbst drin ist. Man muss immer jede Pille einzeln betrachten. Und wenn ich da diesen Test durchführe und am Ende weiß, okay, die Pille hat so und so viel Wirkstoffgehalt, kann ich mit der Information halt anders umgehen und arbeiten, als wenn ich jetzt eine Pille hätte, die ich nicht testen würde.

19:12

Genau, also vielleicht kurze kleine Erklärung dazu. Qualitative Tests, das sind im Prinzip Tests, die halt wirklich auch nur sagen, okay, da ist der Stoff drin oder da ist dieser Stoff nicht drinnen und nicht sozusagen die Konzentration, um das vielleicht nochmal ein bisschen zu klarifizieren, weil ich glaube, das ist vielen nicht so bewusst. Und falls ihr Dr. Felix Blei hören möchtet, Folge 31 und 32 gibt es auch ein super Interview in der Doppelfolge zu Psilocyben Pilzen. Mit dem Felix kann ich an dieser Stelle nur weitergehen.

19:41

weiterempfehlen. Genau, was die qualitativen Reagenzien angeht, das sind halt Chemikalien, die gibt es schon seit 100 Jahren, die auch dafür benutzt werden. Und hier ist es halt so, dass ich das auf eine Substanz geben kann. Da gibt es einen Farbumschlag.

19:55

Und anhand des Farbumschlages kann ich differenzieren, ist es die Substanz oder nicht. Das Problem an der Sache ist, wenn die Substanz mit weiteren Sachen gestreckt ist zum Beispiel, kann es natürlich sein, dass diese Reagenz auch gleichzeitig auf das anschlägt und dann eine andere Farbe ergibt. Deswegen müsste man diese immer mit viel kombinieren, um dann am Ende ein relativ valides Ergebnis oder mehrere Informationen zu bekommen und daraus dann ein Ergebnis zu schließen.

20:19

Deswegen ist es immer relativ schwierig, mit einer Ja-Nein-Antwort am Ende zu arbeiten, weil man halt auch hier nie weiß, was drin ist. Genau, und das ist halt eben einfach der super Vorteil an der ganzen Sache, dass man eben jetzt wirklich zu Hause testen kann und eben auch eine Orientierung bekommt, welcher Wirkstoffgehalt wirklich in der Substanz ist.

20:36

Welche psychoaktiven Substanzen kann man denn schon testen, Frank? Das sind ja noch nicht alle. Genau, das sind noch nicht alle. Wir haben damals gestartet, also kurze Vorgeschichte. Gerne. Die Tests wurden damals an der Universität in Jena entwickelt. Dort hat der Herr Dr. Felix Blei über Magic Mushrooms promoviert und in dieser Zeit auch die Tests entwickelt. Dort haben wir dann einen Antrag geschrieben und konnten diese Tests dann anhand eines, nennt sich Exist Gründerstipendium,

21:03

quasi weiterentwickeln. Das heißt, wir haben dort Fördergelder gekriegt und ein Jahr Zeit, die Tests quasi weiterzuentwickeln und dann auf den Markt zu bringen. Das war auch die Zeit, wo wir die ersten drei Tests rausgebracht haben. Das heißt, wir haben gestartet mit einem quantitativen Test für Psilocybin. Das heißt,

21:20

dem Wirkstoff der Magic Mushrooms, dem MDMA bzw. Ecstasy und dem LSD. Das waren unsere drei Tests, mit denen wir damals gestartet haben. Daraufhin haben wir das natürlich versucht zu erweitern und haben dann einen weiteren Test für THC und CBD entwickelt. Hier ist es schön, da kann man nämlich das THC und das CBD in zwei unabhängigen Färbungen bestimmen und kann das dann quasi auch direkt zuordnen. Das sind die quantitativen Tests, die wir derzeit im Angebot haben.

21:49

Sind natürlich aber nicht stillgeblieben und haben auch weitere Tests entwickelt, weil wir auch im Zuge des On-Site-Drug-Checkings gemerkt haben, es gibt Substanzen, die müssen einfach analysiert werden. Wenn ich jetzt in Richtung Amphetamin denke zum Beispiel, weil dort der Wirkstoffgehalt meistens sehr gering vorliegt und noch viel weiteres drin sein kann, war das für uns dann eine Priorität, einen nächsten Test zu entwickeln. Deswegen haben wir auch einen Test für Amphetamin entwickelt.

22:13

Der ist gerade in den letzten Zügen der Fertigstellung und es gibt jetzt weiterhin sogar einen Prototypen für das Kokain, weil auch hier festgestellt wurde, dass es oft mit Levamisol gestreckt sein kann und die Leute auch überhaupt nicht wissen, wie viel da wirklich drin ist.

22:30

Mega cool, also geil, dass ihr das immer ausbaut und vielleicht wird an dieser Stelle jetzt auch gleich klar, warum Patrick und du hier sind, denn Miraculix und die Suchthilfe Thüringen, ein Match made in heaven, haben eben dieses Onslaught.

22:42

On-Site-Drug-Checking gestartet und damit sozusagen auch das erste Drug-Checking, was in Deutschland wirklich stattfindet. Wie kommt es, dass Thüringen Drug-Checking macht auf Partys, wenn wir eigentlich erst am 23. Juni einen Vorstoß im Bundestag haben, dass dieses PTMG endlich dahingehend verändert wird?

23:01

Ja, das war eine ganze Stange Arbeit und Planung. Wie ich vorhin schon erwähnt habe, ursprünglich war das Ganze stationär geplant. Das mussten wir dann leider erst mal auf Eis legen, eben weil es so ein paar Stellschrauben gab, die wir schwer beeinflussen konnten in der Form. Deswegen mussten wir uns weiter Gedanken machen, wie wir Drug Checking in Thüringen umsetzen können und haben dann in dem Verfahren quasi Miracolix kennengelernt und

23:28

und konnten dann quasi das erste On-Site-Angebot planen. Man muss dazu sagen, dass die Analyse von Substanzen in der Form auch im bisherigen BTMG nicht verboten ist. Es sind halt die üblichen Sachverhalte verboten: Besitz, Handel, Inverkehrbringung und so weiter. Die Analyse als solches nicht.

23:49

Und Besitz ist so eine Streitfrage unter Juristen. Eigentlich setzt Besitz einen Besitzwillen voraus und wenn man das quasi entgegennimmt, um es der Analyse zuzuführen, dann fehlt der in den Augen einiger JuristInnen. Aber das ist jetzt auch nichts Valides, worauf wir uns stützen konnten.

24:07

Daher haben wir unser Angebot so ausgestaltet, dass die Analyse zu einem Großteil von der Klientel selbst durchgeführt wird. Bis zu einem gewissen Punkt, bis die Betäubungsmittel in Lösung gebracht wurden und dann übernehmen die Chemiker*innen von Miracolix an der Stelle. Dadurch waren wenigstens die Mitarbeitenden in der Form rechtssicher aufgestellt, dass sie sich da in der Form nicht strafbar machen.

24:34

Darüber hinaus haben wir dann auch festgestellt, dass es auch so einen pädagogischen Mehrwert hat, wenn die Leute, die zu uns kommen, erstmal in die Rolle des Laborassistenten schlüpfen müssen und quasi selber Bestandteil des Analyseverfahrens werden. Genau. Wir hatten hier quasi den großen Vorteil, dass wir unsere Tests mit ins Spiel bringen konnten und quasi diese Besitzabsicht umgehen. Es ist so, wenn das Klientel zu uns kommt, sind sie halt direkt in diese Analyse integriert. Das heißt, die Leute, die vorbeikommen,

25:03

und die Substanzen bei sich tragen und selbst schon die Gefahr haben, weil sie die Substanzen haben, werden bei uns quasi empfangen und dann sind sie in diese Analyse integriert. Das bedeutet, sie werden von uns angeleitet, sie bereiten die Probe selber vor, sie wiegen diese ab

25:19

Dann wird mit unserem Test eine Extraktion durchgeführt. Diese Extraktion wird dann der Wirkstoff aufgenommen, in ein Nachweisgläschen gegeben. Dort entsteht ein Farbumschlag und sobald dieser Farbumschlag passiert ist, ist die Originalsubstanz nicht mehr im BTMG. Die Struktur ist so verändert, dass es dort nicht mehr auftritt. Und ab dem Zeitpunkt können wir auf jeden Fall legal damit arbeiten. Genau, und dieses On-Site-Vorgehen ermöglicht natürlich auch eine dezentrale Organisation.

25:43

Wir sehen bisher davon ab, im Vorfeld anzukündigen, wo wir sind, um den Klientelschutz wenigstens in der Form zu ermöglichen und keine Razzia oder was auch immer zu riskieren. Wir koppeln aber auch verschiedene Methoden der chemisch-toxikologischen Analytik. Ein Grundbaustein stellen die Tests von Miracolix dar und darüber hinaus wird noch

26:08

mit verschiedenen anderen Verfahren, beispielsweise Antigentests, Dünnschichtchromatographie und noch diversen anderen Verfahren ein möglichst breites Bild generiert, um einen möglichst breiten Informationsstand zu vermitteln. Patrick, du hast jetzt gerade nochmal einen Haufen andere Analyseverfahren angesprochen, die ihr neben diesen klassischen Miraculix-Tests noch macht.

26:31

Bei mir sind jetzt viele Fragezeichen aufgetaucht, denn ich kenne mich tatsächlich nicht so gut mit Drugticking aus. Möchtet ihr da vielleicht einfach nochmal ein bisschen tiefer eingehen, was ihr da macht? Genau, da hake ich vielleicht an der Stelle ein und versuche das noch einmal zu erklären. Also wie schon erwähnt, versuchen wir mehrere Tests miteinander zu kombinieren, um am Ende so viel Informationen wie möglich zu kriegen.

26:52

Das heißt, wir starten bei den meisten Substanzen mit einem unserer Q-Tests, um quasi die Konzentration zu bestimmen und schon mal einen Hinweis zu kriegen, ist es die Substanz, die gebracht wurde oder nicht.

27:06

Das Ergebnis bzw. die Substanz wird dann noch mit anderen Tests kombiniert. Das heißt, wir machen hier zum Beispiel noch einen Antikörpertest, der in einem ganz geringen Cutoff-Wert quasi in schon wenig Menge bestimmen kann, ob noch weitere Stoffe drin sind. Gehen wir mal in Richtung, was erwähnt wurde,

27:23

Speed können wir mit so einem Antikörpertest z.B. noch detektieren, ist dort z.B. Crystal Meth noch enthalten. Darüber hinaus kombinieren wir das bei vielen Substanzen auch noch mit den angesprochenen qualitativen Reagenzien, um dort auch nochmal Hinweise auf andere Substanzen zu bekommen. Zusätzlich haben wir hier z.B. aber auch noch kleine Tests, die auf andere Substanzen wie z.B. synthetische Cati-Ionen detektieren können.

27:47

Also wir versuchen wirklich, ein breites Spektrum an unterschiedlichen Tests miteinander zu kombinieren, um wirklich viel Aussage über die einzelne Substanz zu bekommen. Ah, okay. Jetzt habe ich es auf jeden Fall verstanden. So, jetzt schauen wir mal, wie kann ich mir das vorstellen? Also On-Site Drug Checking bedeutet ja auf Race?

28:07

Oder wo seid ihr noch alles on-site unterwegs? Wir sind auf Raves, wir sind auf Festivals, wir waren aber auch schon in Clubs. Also ja, das lässt sich so pauschal gar nicht sagen. Überall letztendlich, wo gefeiert wird. Und…

28:22

Wie kriegt ihr denn euren ganzen Stuff dahin? Wie kann ich mir das jetzt mal vorstellen? Ich habe verstanden, ich habe eine Substanz, ich komme zu euch, ich werde das durch so einen Miraculix-Test selbst analysieren. Ich habe dann dementsprechend auch eine nähere Bindung zur Substanz. Sorry, komische Ausdrucksweise.

28:39

Aber wo seid ihr? Habt ihr da einen extra Raum? Seid ihr da in einem Bus? Wie kann ich mir das sagen? Habt ihr ein Zelt aufgestellt? Wie geht es dann vonstatten? Ja, also das ist auch ganz unterschiedlich, je nachdem, wo wir stehen. Im Klubeinsatz sind wir natürlich immer darauf angewiesen, dass wir irgendwie Räumlichkeiten gestellt bekommen. Das klappt in der Regel auch ganz gut.

29:00

Im besten Fall sind es getrennte Räumlichkeiten voneinander, sodass man in dem einen Raum die Analyse durchführen kann und in dem anderen Raum dann das Beratungsgespräch. Das sieht auf Festivals und Open Airs natürlich ein bisschen anders aus.

29:14

Da stehen uns zwei Fahrzeuge mittlerweile zur Verfügung. Ein RTW, der sich gerade im Umbau befindet, sprich ein Rettungswagen. Das ist das Analysefahrzeug und dazu noch ein Wohnmobil, das uns dann als Beratungsstützpunkt zur Verfügung steht. Die Fahrzeuge stehen in der Regel recht nah beieinander, sodass da keine weiten Laufwege mit verbunden sind. Und das klingt auch in der Regel sehr gut, muss ich sagen.

29:41

Vielleicht ist es total hilfreich, ich werde ein bisschen Bilder zu den Tests und sowas auf meine Instagram-Seite stellen für diese Folge unter psychoaktiv.podcast, findet ihr das dann, dann bekommt ihr vielleicht auch nochmal ein bisschen ein plastischeres Bild, wie das alles ausschauen kann. So, die Miraculix-Tests, ich habe die mir ja auch schon mal selbst angeschaut.

30:02

Die brauchen ja einen Moment. Ich weiß tatsächlich nicht, wie das bei diesen anderen Maschinen geht, wie lange die brauchen, aber man braucht ja auf jeden Fall ein bisschen, um so einen Test durchzuführen. Pi mal Daumen, 15 bis 20 Minuten. Was sagt ihr? Beziehungsweise Frank, was sagst du, wie lange brauche ich, um so einen Test durchzuführen? Es ist unterschiedlich. Die meisten Tests funktionieren innerhalb von 10 bis maximal 15 Minuten lang.

30:26

Der Test für Psilocybin braucht ungefähr eine halbe Stunde, weil wir hier noch einen Inkubationsschritt dazwischen haben, der halt gemacht werden muss. Aber ich würde sagen, das ist wirklich nicht viel Zeit, um ein Ergebnis zu erhalten.

30:38

Nee, das meine ich gar nicht. Nur, wenn ich, also gar nicht, also nicht im Allgemeinen finde ich das nicht viel Zeit, sondern wenn ich in der Schlange stehe, wie viele Leute können denn dann gleichzeitig einen Test machen? Weil wenn zehn Leute vor mir in der Schlange stehen, um zu testen und ich brauche zehn bis 15 Minuten, dann stehe ich da ja 150 Minuten. Das war so meine Überlegung. Tatsächlich haben wir seit immer versucht, das Ganze etwas zu optimieren, um die Prozesse quasi schneller zu machen. In der Zeit, also

31:04

Also es kommt jemand zu uns und wird quasi angeleitet, bereitet es vor. Dann entwickelt sich der Test und braucht seine zehn Minuten. In dieser Zeit setzen wir jetzt schon am Beratungsgespräch an. Das heißt, derjenige, der bei uns an der Substanz mitgemacht hat, seine ersten Informationen erhalten hat,

31:21

wie der Test funktioniert, was passiert, geht dann quasi schon in die Beratung und im Beratungsgespräch selbst nach den zehn Minuten wird quasi das Ergebnis weitergegeben und kann dort im Beratungsgespräch dann direkt darauf eingegangen werden. Dann haben wir eine kleine Zeit, sobald wir das Ergebnis weitergegeben haben, uns neu vorzubereiten und dann kann schon der nächste zu uns. Das heißt, wir haben schon diverse Abläufe optimiert,

31:42

um auch den Leuten es schneller zu ermöglichen, ihre Substanzen zu testen. Deswegen sind wir auch meistens im Party-Setting immer mit mehr als einem Berater unterwegs, dass wir halt genau dies realisieren können. Ah, mega. Genau, Beratungsgespräch klingt an der Stelle immer sehr hochschwellig. Das ist aber doch ein sehr, sehr, sehr niedrigschwelliges Beratungsgespräch auf Augenhöhe.

32:03

Wo wir auch so ein paar Konsumtrends eruieren wollen, ein paar Daten erheben. Alles anonym, also keine Daten, die irgendwie Rückschlüsse auf einzelne Individuen zulassen würden. Wir fragen nicht nach dem Namen, nicht nach dem Wohnort oder irgendwas, sondern eher themenbezogene Daten oder…

32:18

um halt auch so eine Art Monitoring zu gewährleisten und gegebenenfalls auf die doch gegebene Dynamik auf dem Markt und in dem Themenfeld schnellstmöglich reagieren zu können. Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen. Also sie macht ein Monitoring, wird aber auch das Angebot evaluiert beziehungsweise irgendwie wissenschaftlich begleitet? Ja, wird es. Wir werden seit letztem Jahr über die AGE Psychotropie Substanzen der Berliner Charité evaluiert.

32:44

Wir sind da jetzt aktuell im Juli 2023, im letzten Monat der Datenerhebung und es wird wohl im dritten oder vierten Quartal diesen Jahres dann noch die Publikation der Evaluationsstudie geben. Super, mal schauen, ob ich das mitbekomme, dann kann ich das eben auch weiter posten.

33:02

Wie werden denn diese Einsätze von den Clubs angenommen? Haben die da Bock drauf? Oder, ich meine, ich kenne das ja auch noch so vom Psycare oder so, dass es ja viele, dass es manchmal so ist, dass die sich nicht eingestehen wollen oder auch eben genau dieses Sichtbarmachen von Drogenkonsum, dass da einfach…

33:17

Probleme bestehen. Das ist ja beim Drug-Checking dann noch expliziter. Wie wird das denn angenommen? Ganz unterschiedlich. Also grundsätzlich waren wir jetzt schon dazu in der Lage, in den letzten drei Jahren uns da ein recht gutes Vertrauensverhältnis zu veranstalten, im Thüringer Nachtleben aufzubauen. Dennoch ist es natürlich ein Thema oder ein Angebot, das mit einer gewissen Diskretion einhergeht.

33:39

Von daher, ich würde sagen, als wir das Angebot gestartet haben, waren die Reaktionen zunächst mal verhalten. Mittlerweile kennen uns doch eine Vielzahl an Veranstaltern in Thüringen und haben da auch Bock drauf auf das Angebot. Ich habe so auch das Gefühl, dass es sich langsam auch ein bisschen rumspricht und Clubs auf jeden Fall für dieses Thema auch sensibler werden. Ich meine, eine Club-Logistik ist natürlich immer irgendwie eine andere, als wenn ich auf einem Festival bin.

34:08

Aber ich glaube, dass die Clubs mittlerweile auch merken, dass Einkonsum stattfinden kann, dass sie vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle Probleme haben. Was heißt Probleme, aber das halt mitbekommen und dem Thema mittlerweile offener gegenüber sind und dann tatsächlich auch bei uns anfragen, ob wir nicht die ein oder andere Veranstaltung mit begleiten können. Genau, also wir haben da auch feststellen können, dass tatsächlich so eine Art Umdenken stattfindet und

34:31

Man sich ein bisschen verabschiedet hat, nicht überall, aber schon in gewissen Kreisen von dieser Null-Toleranz-Politik, nenne ich es mal. Und dann eher angefangen wurde, sich…

34:41

mehr Gedanken zu machen, wie man anders mit der Thematik umgehen kann, wenn man es schon nicht ganz verhindern kann, dass man es wenigstens sicherer gestaltet und Anlaufstellen bietet. Das ist schon ein Umdenken, das gerade in den letzten Jahren hier schon stattgefunden hat. Jetzt sollen ja Modellprojekte realisiert werden und Drugchecking soll nicht nur in Thüringen möglich sein, sondern eben auch in den verschiedenen Modellprojekten.

35:04

Wisst ihr oder habt ihr eine Ahnung, wie sowas organisiert wird? Also wird es auch da weiter mit den Tests von Miracolix gehen? Oder was wird da angewendet? Wie ist das geplant? Oder ist das alles noch sehr schwammig? Es ist grundsätzlich schon erstmal noch sehr schwammig, muss man sagen. Also das Gesetz ist ja in der Form auch noch nicht raus. Wenn ich mich nicht täusche, müsste es heute durch den Bundesrat, wenn es denn durchkommt, möchte ich jetzt keine Tendenz geben. Ich kann mir schon vorstellen, dass es durchkommt, aber ja…

35:33

Die letzten Jahre haben einem auch gezeigt, dass der Bundesrat da gerne mal für Überraschungen zu haben ist. Und von daher keine Ahnung. Mich stört ein bisschen an dem Gesetz, dass es wirklich nur Modellprojekte thematisiert und nicht Drug-Checking-Angebote generell, auch über den Modellstatus hinaus.

35:50

Aber das ist vielleicht auch ein bisschen auf die Goldwaage gelegt. Was sich dann konkret für uns ändern wird, das wird sich, glaube ich, dann erst zeigen. Wir sind jetzt schon im Gespräch mit VertreterInnen der einzelnen Ressorts, sprich Justizministerium, Innenministerium und allen voran Gesundheitsministerium, mit denen wir sowieso im ständigen Kontakt stehen.

36:09

Und da muss man dann schauen, was die rechtliche Grundlage darüber hinaus hergibt. Wir haben natürlich auch ein steiles Interesse daran, die Analyse zu professionalisieren in der Form, was im Onsite-Setting gar nicht so leicht ist, mit großer Maschinerie da zu arbeiten. Aber was im Konkreten da auf uns zukommt, kann ich jetzt leider gerade noch nicht sagen.

36:31

Super, Leute. Ich bin tatsächlich hier an dem Punkt fertig mit meinen Fragen. Wir haben heute super viel über Drug-Checking gelernt. Wir haben geschaut, was so die Vor- und Nachteile sind, was Drug-Checking überhaupt ist. Wir haben ein bisschen näher geschaut, was Miraculix mit den Tests auch macht, die man zu Hause verwenden kann. Und was ich natürlich besonders spannend fand, war, wie man das mit den Tests verwendet.

36:52

die Einblicke in das On-Site-Druckchecking in Thüringen, denn in Deutschland findet schon Druckchecking statt und ich finde es großartig und ich hoffe, dass wir mit den Modellprojekten den nächsten Schritt gehen. Das letzte Wort, beziehungsweise die letzte Absatz ist Platz für Eigenwerbung aller Art. Habt ihr was mitgebracht, was ihr gerne noch zum Schluss loshaben wollt?

37:15

Also Werbung in der Form jetzt eigentlich nicht, aber da unser Drug-Checking-Angebot eng an das Safer Nightlife-Angebot der Drogerie gekoppelt ist, würde ich gerne auch nochmal den Aufruf starten. Wir suchen stets nach ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Die Drogerie lebt davon schlussendlich und

37:35

Wer da Interesse dran hat, Bock drauf hat mitzumachen, der kann sich natürlich gerne mal bei uns melden. Gibt es da Voraussetzungen, die man erfüllen muss? Nein, jetzt keine Ausschlusskriterien, außer vielleicht, dass man über 18 Jahre alt sein sollte. Aber hinsichtlich Profession und so weiter gibt es da jetzt keine Voraussetzungen. Man hat auch die Möglichkeit, über uns an Schulungen teilzunehmen.

37:57

und dadurch auch fit zu werden für den Einsatz im Nightlife. Naja, man sollte natürlich bei euch aus der Nähe von Erfurt kommen, oder? Ja, nicht unbedingt aus Erfurt. Wir haben auch viele aus Jena beispielsweise. Aber wenn man aus Thüringen kommt, ist das natürlich schon schwer von Vorteil. Auf jeden Fall. Frank, hast du noch was? Ja, eine ganz einfache Botschaft. Testet euer Zeug. Sei es mit Tests, die ihr euch einkauft, sei es mit unseren quantitativen Tests, sei es über Präventionsangebote.

38:24

Testet euer Zeug. Und wenn ihr mal nicht wisst wie, dann schreibt uns ganz gerne. Wir sind da offen. Wir haben auch verschiedene andere Stellen in Deutschland, wo man Sachen testen kann. Wenn ich an Legal High zum Beispiel denke oder ähnliches. Und wir helfen da auch ganz gerne weiter und vermitteln hier auch oder geben Input, wie man am besten vielleicht mit der einen oder anderen Sache vorgeht, was man nutzen kann. Von daher will ich jetzt gar nicht so Werbung für uns machen, sondern für die Sache allgemein.

38:48

Und belass das dabei. Und das ist ein großartiges Schlusswort. Freunde, wir hören uns am 7. September wieder. Ich wünsche euch einen wunderschönen August, noch eine schöne Rest-Festival-Zeit. Nutzt die Tests, testet euren Stuff und bis dann. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch.


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