Träume als Belastung – Wie Träume mit Drogenkonsum zusammenhängen

Träume können nach verändertem oder beendetem Substanzkonsum plötzlich deutlich intensiver und belastender werden. Dabei träumen Menschen nicht grundsätzlich weniger oder mehr, entscheidend ist häufig, wie gut sie sich an ihre Träume erinnern und wie emotional diese ausfallen. Gerade nach längerem Cannabiskonsum berichten manche Menschen, dass Träume nach dem Absetzen wieder sehr präsent werden. Die genauen Ursachen dafür sind nicht eindeutig geklärt. Veränderungen der Schlafarchitektur werden diskutiert, ebenso Gedächtniseffekte und die Tatsache, dass nach dem Konsumstopp zuvor gedämpfte Gefühle und Belastungen wieder stärker verarbeitet werden.
Die Folge erklärt die Grundlagen von REM- und Non-REM-Schlaf, Unterschiede zwischen Albträumen, belastenden Träumen und traumatischen Wiederholungsträumen sowie mögliche Gründe für unterschiedliche Traumerinnerungen. Ein Schwerpunkt liegt auf sogenannten Konsumträumen, in denen Menschen von Rückfällen oder Substanzkonsum träumen und danach mit Angst, Schuldgefühlen oder starkem Verlangen aufwachen können. Solche Träume sind nicht automatisch ein Zeichen für einen bevorstehenden Rückfall, können aber wichtige Themen sichtbar machen. Thematisiert werden außerdem therapeutische Möglichkeiten wie wiederholte Konfrontation mit belastenden Trauminhalten und das bewusste Verändern des Traumendes. Deutlich wird: Belastende Träume sind kein nebensächliches Schlafphänomen, sondern können eng mit Konsum, Abstinenz, emotionaler Verarbeitung und Rückfallängsten verbunden sein.
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Träume als Belastung – Wie Träume mit Drogenkonsum zusammenhängen
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PODCAST-METADATEN
Folge: 67
Erscheinungsdatum: 18.05.203
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Träume als Belastung – Wie Träume mit Drogenkonsum zusammenhängen
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
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Transkript Beginn
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Das Thema Träume beschäftigt mich tatsächlich schon sehr lange. Nicht nur, weil ich selbst superintensiv träume, sondern auch, weil meine Klienten und meine Klientinnen das Thema immer wieder einbringen. Und weil ich merke, dass da auch immer großes Unsicherheit bei diesem Thema herrscht, möchte ich heute eine Podcast-Folge drüber machen. Wir reden ganz kurz über den Schlaf allgemein und was Träume eigentlich sind. Wir sprechen aber auch über Traumerinnerungen und warum sich manche sehr einfach an Träume erinnern und manche nicht.
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und schauen uns in diesem Rahmen auch die Traumerinnerungen in Bezug auf Cannabis näher an. Außerdem sprechen wir über Konsumträume und ganz am Ende erfahrt ihr noch, was man eigentlich gegen unangenehme Träume tun kann. Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein! Diese Podcast-Folge wird euch präsentiert von Safe Party People Frankfurt.
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Hallo und herzlich willkommen bei einer neuen Folge Psychoaktiv. Schön, dass ihr wieder mit dabei seid. Das Thema Träume beschäftigt mich schon wirklich lange, aber tatsächlich in den letzten Wochen ist es mir aus verschiedenen Richtungen wieder untergekommen. Auf der einen Seite habe ich einen Klienten, der wirklich sehr an seinen Träumen, schlechten Träumen auch leidet und diese ihn eben auch im Alltag sehr stark beeinflusst.
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Auf der anderen Seite habe ich auf Twitter eine Diskussion verfolgt, wo es eben genau darum ging, warum Menschen mit Cannabis eigentlich nicht träumen. Dazu werden wir aber später ein bisschen genauer reden. Schauen wir uns doch erstmal grundlegend an, was wir über Schlaf wissen. Bis in das 20. Jahrhundert hinein war Schlaf tatsächlich einfach ein passiver Zustand, die Abwesenheit von Wachheit. Über die Elektrophysiologie und digitale Elektronik konnten wir jedoch zwei aktive Faktoren
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fundamentale Regulationszustände herausfiltern werden im Schlaf. Das ist einmal der REM-Schlaf, das bedeutet Rapid Eye Movement. Der Begriff prägt sich daraus, dass man eben seine Augen hin und her bewegt hinter geschlossenen Lidern. Und den REM-Schlaf nennt man eben auch Traumschlaf.
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Und dann haben wir den Non-REM-Schlaf. Dieser besteht aus Leichtschlafstadien und Tiefschlafstadien. Insgesamt hat man fünf Schlafstadien. Zwei Leichtschlafstadien, zwei Tiefschlafstadien und eben den REM-Schlaf. Und diese treten eben in ungefähr 90-minütigen Schlafzyklen auf. Bei einem ungestörten Schlaf hat man…
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ungefähr vier bis sechs solcher Zyklen. In den ersten zwei Zyklen nimmt der Tiefschlaf vor allem einen großen Teil der Zyklen ein und zum Ende eher der REM-Schlaf. Ein junger Erwachsener verbringt so ungefähr die Hälfte der Schlafzeit im Leichtschlaf und ein Viertel im Tiefschlaf und den anderen Viertel im REM-Schlaf. Es ist übrigens total normal, dass man mehrfach im Schlaf kurz aufwacht. Ganz viele sagen ja immer so, ja, sie wachen beim Schlafen immer auf, aber normalerweise wacht man immer kurz auf,
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und schläft wieder ein und das ist ziemlich normal. Oft erinnert man sich allerdings nicht mehr daran, dass man in der Nacht aufgewacht ist. So viel erstmal ganz im Allgemeinen zum Schlaf. Tiefer möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht drauf eingehen. Jetzt drängt sich natürlich erstmal die Frage auf, wann wir eigentlich träumen. Am Anfang der Nacht, also wenn man gerade schlafen geht, ist man im Einschlafstadium. Das ist so ein
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Übergangsstadium zwischen Wachsein und Schlafen und das wird oft von bizarren Bildern und Gedanken begleitet. Das nennt man dann Wachträumen oder hypnagoge Halluzinationen.
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Und das Stadium hält oft kurz an und oft schreckt man daraus auf und weiß gar nicht, ob man wirklich geschlafen hat oder nicht. Allerdings erinnert man sich an Einschlafträume in der Regel nicht mehr, wenn man dann auch wirklich durchschläft. Ganz am Anfang habe ich ja schon gesagt, dass die REM-Schlafphase auch Traumschlaf genannt wird. Das liegt tatsächlich daran, dass man sich vor allem in dieser Zeit an seine Träume erinnert. Allerdings träumen wir in jeder Phase. Doch die Träume im Non-REM-Schlaf sind meist deutlich nüchterner und distanzierter zu uns.
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REM-Schlafträume sind dann echt super intensiv und emotional und deswegen fällt es uns leichter, uns auch an diese zu erinnern. Das kann man sich vielleicht auch an einem ganz guten Beispiel merken. Erinnert euch doch mal jetzt ganz kurz spontan, was ihr so letzte Woche gemacht habt und welche Situation da sofort bei euch in den Kopf kommt. Mir fällt zum Beispiel ein, dass ich letzte Woche ein sehr intensives Gespräch hatte, was mich auch sehr traurig gemacht hat.
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Und das ist so das Erste, was mir einfällt und dahinter verblassen erstmal alle anderen Erinnerungen der Woche. Wenn ich jetzt ein bisschen tiefer nachdenke, kommen da natürlich noch mehr Sachen, aber eben dieses schwierige Gespräch ploppt sofort auf. Und so ist es halt auch ein bisschen mit den Träumen. Alles, was so Standard, normal, langweilig, distanziert zu uns war, kommt.
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kommt uns einfach nicht so einfach ins Gedächtnis, während die emotionalen Träume im REM-Schlaf deutlich besser im Gedächtnis hängen bleiben. Im REM-Schlaf treten dann eben auch Gefühle wie Angst, Trauer, aber auch Freude hinzu. Allerdings ist es so, dass wirklich 80% der REM-Schlafträume eher negativ eingefärbt sind. Bei negativen Träumen bzw. belastenden Träumen unterscheidet man dann noch einmal zwischen Albträume und Bad Dreams, also schlechte Träume bzw. Angstträume.
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Albträume definieren sich tatsächlich dadurch, dass man aus dem Schlaf aufschreckt. Nur das sind Albträume. Alles andere sind Bad Dreams, also wie schon gesagt schlechte Träume bzw. Angstträume. Das heißt aber nicht, dass irgendwie Angstträume weniger intensiv sind oder weniger belastend sind. Man schreckt halt einfach nicht darauf aus.
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In der normalen Sprache bzw. in der Alltagssprache sagen die meisten Menschen zu allen belastenden Träume Albträume. Also ich habe nicht das Gefühl, dass diese Unterscheidung sehr verbreitet oder sehr bewusst ist. Von Albträumen und Bad Dreams sind dann noch posttraumatische Wiederholungsträume zu unterscheiden. Diese können sowohl im REM- als auch im Non-REM-Schlaf auftreten. Und diese spiegeln dann halt ein tatsächlich erlebtes und traumatisches Erlebnis an,
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relativ realitätsnah wieder und scheinen den sogenannten Flashbacks, die man ja auch im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung kennt, sehr ähnlich zu sein. Am Ende dieser Folge rede ich auch noch mal genauer darüber,
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Ja, das ist ein sehr guter Punkt.
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weil das kann einfach auch belastend sein bzw. auch nicht wirksam. Ich erinnere mich, das war vor längerer Zeit auch schon so, da hatte ich einen Klienten, der aufgrund dieser posttraumatischen Belastungsträume wirklich nicht mehr schlafen wollte. Das führte dann dazu, dass er sehr, sehr hohe Mengen an Amphetamin und Methamphetamin, also Stimulantien, konsumiert hat, um eben dem Schlaf aus dem Weg zu gehen. Das war ein sehr extremer Fall eigentlich.
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Also hatte ich auf jeden Fall in dieser Extreme nicht. Trotz allem gebe ich dieses Fallbeispiel mal mit, weil es lohnt sich auf jeden Fall, wenn jemand versucht, Schlaf zu vermeiden, auch ganz intensiv über Träume zu sprechen und zu schauen, ob dahingehend vielleicht das Problem liegt. Und dadurch hat man eben auch einen guten Ansatzpunkt. Es hat ein bisschen gedauert bei dem Klienten, bis das wirklich auch so war.
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rausgearbeitet werden konnte, dass es wirklich diese Träume sind, die ihn so belasten. Hat es aber relativ klar gemacht, wie die weitere Behandlung weitergehen sollte und zwar, dass man da wirklich eine Behandlung braucht, wo Trauma und Abhängigkeitserkrankung gleichzeitig behandelt werden können, weil sonst wäre das wahrscheinlich nicht gut gegangen innerhalb der Behandlung. Aber ich weiß leider selbst, solche Kombi-Behandlungen sind sehr rar gesät, was es echt an vielen Fällen kompliziert macht. Musik
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Jetzt wissen wir schon mal grundlegend, wie Träume funktionieren. Nun gibt es aber noch ein Problem. Und zwar höre ich das schon öfters, die Aussage, ich träume nie. Jetzt wissen wir schon mal, das kann eigentlich gar nicht sein, weil jeder träumt. Aber was sehr wohl sein kann, ist eben, dass Menschen eine unterschiedliche Traumerinnerung haben. Ich zum Beispiel, ich habe eine Traumerinnerung.
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Ich bin so ein richtiger Bad-Dream-Mensch. Ich zum Beispiel habe richtig viele Bad-Dreams. Also ich träume alle meine Ängste, meine Fantasien. Ich träume alles durch. Das ist echt manchmal super, super anstrengend. Und ich erinnere mich auch an sehr, sehr viele Träume kurz nach dem Aufstehen. Ich vergesse sie dann über den Tag relativ schnell wieder. Ich weiß aber normalerweise schon, was ich geträumt habe. Und das ist meistens ziemlich nervig, weil es halt eben auch…
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Und ja, wie gesagt, ich verarbeite viele Ängste durchs Träumen. Mein Partner zum Beispiel, der erinnert sich eigentlich sehr, sehr selten an seine Träume. Warum das so ist, dazu gibt es tatsächlich verschiedene Theorien und Hypothesen. Ich werde die an dieser Stelle mal aufführen, allerdings nicht alle, weil das sind echt ein paar, sondern mal beispielhaft und voran.
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Dadurch, dass es eben Theorien oder Hypothesen sind, hat man vielleicht auch schon ein bisschen rausgehört, wir haben keine allgemeingültige Erklärung, wo wir sagen, das ist der Grund, warum sich manche Menschen gut an Träume erinnern und manche nicht, sondern es gibt halt Theorien dazu. Um mal mit jemandem anzufangen, der sich wirklich sehr viel mit Träumen beschäftigt hat, möchte ich zuallererst die Verdrängungshypothese aufführen von Freud.
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Er sagt, dass ein Traum, der Wünsche und Triebe enthält, die für das „Ich“ nicht akzeptabel sind, von einer inneren Zensur verändert werden. Ist dies nicht möglich, werden sie komplett verdrängt.
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Also kurz, wir haben sowas wie ein innerer Bodyguard, der versucht, nur das an uns heranzulassen, was wir wirklich auch verarbeiten können. Und falls das nicht möglich ist, verdrängen wir diese Träume. Das Problem an dieser Theorie ist, sie ist natürlich wissenschaftlich überhaupt nicht nachprüfbar. Schomba hat versucht, die Traumerinnerung mit der Lifestyle-Hypothese zu erklären. Diese besagt, dass der persönliche Lebensstil die Traumerinnerungsfähigkeit beeinflusst.
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Dabei sagt er, dass introvertierte Menschen mit einem kreativen Denkstil und im Wachzustand einer größeren Vorstellungskraft sich eher an Träumer erinnern als extrovertierte Personen, die eben mehr nach außen orientiert sind und sich eher auch für sachliche Inhalte interessieren. Das ist natürlich sehr plakativ, denn es gibt ja auch Mischgewebe und macht das relativ schnell auch wieder ungenau. Neben den Hypothesen haben sich aber auch viele, viele Studien mit dem Thema beschäftigt.
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Und die unterscheiden eben zwischen Trade- und State-Faktoren. Trade-Faktoren sind dabei Merkmale, die über die Zeit relativ stabil sind, wie zum Beispiel die Persönlichkeit oder die Gedächtnisfähigkeit. Und die State-Faktoren, dabei handelt es sich eben um kurzfristige Faktoren, wie nächtliches Erwachen, aber auch Stress, belastende Lebensereignisse oder auch die Stimmung des Vortags.
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Diese State-Faktoren erklären dabei eben auch die Schwankungen der Traumerinnerung, also warum man sich zum Beispiel zu manchen Zeiten sehr gut an Träume erinnert und zu manchen Zeiten einfach gar nicht gut. Für diese Podcast-Folge habe ich auch ein Video von Dr. Hans-Günter Wess angeschaut. Er ist psychologischer Psychotherapeut.
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und ein sehr renommierter Schlafforscher. Und er hat in seinem Video von einem Erinnerungsmuskel gesprochen. Im Prinzip meinte er damit, dass wenn uns Träume einfach nicht interessieren und wir gar nicht erst versuchen, uns an diese zu erinnern, werden wir uns auch nicht erinnern. Wenn man aber auf einer regelmäßigen Basis sich jeden Morgen kurz beim Zähneputzen hinstellt und wirklich überlegt, hey, was habe ich eigentlich gestern geträumt?
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Oder was habe ich in der Nacht geträumt? Was kam darin so vor? Dass man dann über die Zeit auch anfängt, sich mehr an seine Träume zu erinnern.
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Was in diesem Podcast über Träume und Substanzkonsum auf gar keinen Fall fehlen darf, vor allem nicht, wenn es um Traumerinnerungen geht, ist das Thema Cannabis und Träume. Ich habe das tatsächlich oft, sei es unter meinen Klienten, Klientinnen oder eben auch in anderen Gesprächen, dass die Frage immer wieder aufkommt, hey, wenn ich kiffe, träume ich nicht und wenn ich aufhöre zu kiffen, träume ich wieder. So, wir wissen ja jetzt schon, dass wir eigentlich immer träumen. Trotz allem ist das ein Thema, was wirklich immer wieder aufploppt.
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Der Twitter-Account The War on Drugs hat da auch am 30. März eine kleine Umfrage gestartet, die natürlich nicht repräsentativ ist, sie ist über Twitter, fand ich aber ganz interessant. Und zwar hat er auch eben genau das gefragt, ob man weniger träumt, wenn man Cannabis konsumiert. Und da haben 385 Leute mitgemacht und davon haben 25% gesagt, dass sie immer nach dem Konsum weniger träumen, dann 34%, dass sie nur bei regelmäßigen Konsum weniger träumen.
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Dann 22 Prozent, nein, alles wie immer. Und 19 Prozent kann mich eh nie erinnern. Also wir haben da eigentlich eine relativ ausgewogene Aufteilung, würde ich sagen. Also wir wissen jetzt schon, dass wir nicht weniger träumen, sondern dass die Traumerinnerung in irgendeiner Art und Weise beeinträchtigt ist. Also an was liegt das beim Cannabiskonsum?
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Ich kann schon mal spoilern, eine klare Antwort werdet ihr heute nicht bekommen, da es die nicht gibt. Wenn man diese Frage googelt, kommen einige Artikel, die sagen, das liegt hauptsächlich daran, dass die REM-Schlafphase durch den Cannabiskonsum verkürzt wird. Allerdings, wenn man sich Studien dazu anschaut, ich werde euch mal eine Sammelstudie verlinken, also eine Refuse-Studie verlinken, auf die ich mich jetzt beziehe.
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ist das nicht eindeutig nachweisbar. In dieser Refuse-Studie wurden elf Studien betrachtet, wo einige gesagt haben, ja, die REM-Schlafphase verkürzt sich. Dann gab es sogar welche, die gesagt haben, nee, bei denen hat sich die REM-Schlafphase verlängert und bei anderen ist gar nichts passiert. Das Gleiche gilt tatsächlich auch für den Tiefschlaf. Einige Studien haben angezeigt, dass er sich verlängert, bei anderen blieb alles gleich, bei anderen hat er sich verkürzt. Also dementsprechend kann man beobachten,
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im Rahmen der Veränderung der Schlafphasen keine genaue Antwort finden, ob es eventuell daran liegt. Eine andere Erklärung könnte sein, dass ein regelmäßiger Cannabiskonsum oder der Cannabiskonsum auf die Gedächtnisleistung schlägt und dadurch, dass das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt ist durch den Cannabiskonsum, dies eben die Traumaerinnerung erschwert. Also auch das wäre eine Möglichkeit.
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Eine, die für mich sehr logisch ist oder die für mich auch am besten greifbar ist, ist einfach auch der Aspekt, vor allem wenn ich lange regelmäßig konsumiert habe und dann meinen Konsum einstelle.
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Eine Erklärung, die für mich sehr logisch ist und mit denen ich auch am meisten mit meinen Klienten arbeite, ist, dass wenn man für eine längere Zeit wirklich regelmäßig konsumiert und dann komplett aufhört, dass eine extremst große Veränderung im Alltag ist. Also das Albträume sind auch Teil von Entzugserscheinungen von Cannabis. Das ist auch dokumentiert. Aber die ziehen sich meistens noch in die Länge beziehungsweise weit über den Entzugsprozess.
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Status hinaus, wenn man das so möchte. Der Körper hat erstmal sehr viel zu verarbeiten bzw. man selbst hat sehr viel zu verarbeiten, denn die Substanz, die man regelmäßig sich zugefügt hat, ist plötzlich weg. Es ist zum Beispiel auch sehr häufig so und sehr normal, auch ein bisschen abhängig von welcher Erkrankung, aber dass man, wenn man eine Psychotherapie startet,
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auch mehr träumt. Einfach, weil es viel mehr zu erarbeiten gibt. Man stoßt plötzlich auf Themen, die man eventuell sehr lange Zeit mit Substanzen abgedeckt hat, abgeschwächt und abgedämpft hat und die ploppen hoch. Oder was auch super viele meiner Klienten, Klientinnen haben, mit einem sehr langen, regelmäßigen Substanzkonsum, ist auch, dass Gefühle
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Also dass Gefühle plötzlich wieder ein Thema werden, dass sie klarer werden, die man eben so lange eben abgedämpft hat. Und all das spiegelt sich eben in den Träumen wieder, weil sie eben da weiterverarbeitet werden, weil Themen weiterverarbeitet werden und der Tag schlichtweg alleine auch nicht reicht und man dadurch auch in
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intensivere Träume in der REM-Schlafphase hat. Und dadurch erinnert man sich auch ein bisschen mehr daran. Wir haben ja vorhin auch über die Traitfaktoren gesprochen, die eine Traumerinnerung beeinflussen und da waren eben so Sachen wie Krisensituationen, schwere Situationen Thema. Vor allem der Anfang von der Therapie, wenn man so in den
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tiefe Auseinandersetzung mit sich selbst geht, aber auch diese starke Veränderung, wenn man von einem regelmäßigen Konsum zu gar keinem Konsum mehr übertritt, dann hat man wirklich viel, mit das man erstmal arbeiten muss, verarbeiten muss und das kann eben auch zu viel intensiveren Träumen führen. Musik
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Für Menschen, die eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt haben oder, ich meine, dafür braucht man keine Diagnose, man lange regelmäßig konsumiert hat und sich nun dafür entscheidet, gar nichts mehr von einer Substanz oder allgemein nicht mehr zu konsumieren, spielen Substanzen,
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Also kurz:
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Ein Traum von einem sogenannten Rückfall. Diese Drug Dreams werden eben von Betroffenen als sehr intensiv wahrgenommen und führt oftmals dazu, dass die Betroffenen während des Traums und nach dem Erwachen mit super starken Emotionen konfrontiert sind. Dabei kann es zu Schuld-, Angst- und Panikgefühlen kommen, die auch wirklich nach dem Traum erstmal weiter bestehen können. Beziehungsweise auch es den Menschen nach dem Aufwachen sehr schwer fällt erstmal zu gucken,
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ob das jetzt Realität war oder nicht. Teilweise wird auch berichtet, dass dann eben der Drang, die Substanz zu konsumieren, sehr stark zunimmt nach dem Traum. Und im Allgemeinen wird eh ein Zusammenhang hergestellt zwischen Konsumträumen und Drogenverlangen. Und zwar, dass das Verlangen entweder bewusst oder auch unbewusst
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durch diese Träume zunehmen. Allerdings habe ich vor Ewigkeiten mal eine Studie gelesen, die ich leider nicht gefunden habe. Ich weiß nicht mehr, wo ich die her habe. Also leider kann ich die euch nicht verlinken.
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Aber ich fand die sehr spannend, deswegen werfe ich das einfach mal mit ein, weil es auch für mich gar nicht so unschlüssig ist. Und zwar hat eben diese kleine Studie den Zusammenhang zwischen Substanzträume, Rückfallträume und Rückfälligkeit, also tatsächliche Rückfälligkeit in Augenschein genommen. Und dabei kam raus, dass die Menschen, die eben intensiv von Rückfallträumen,
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Rückfällen träumen, eher eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, rückfällig zu werden bzw. in dem Zeitraum nicht rückfällig geworden sind. Dazu wurden zwei Hypothesen aufgestellt, die meiner Meinung nach auch ziemlich zusammenhängen. Auf der einen Seite, dass eben die Menschen, die davon träumen, sich den Rückfall vor Augen führen und sich eben weiter mit dem Thema Konsum auseinandersetzen.
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Aus der Praxis kenne ich es leider, dass Menschen, die eben abstinent werden und dann sagen, okay, jetzt habe ich nie wieder was mit Drogen zu tun, das fasse ich nie wieder an und wir müssen da auch gar nicht mehr drüber sprechen, damit eigentlich sich einen eigenen Risikofaktor bauen, weil sie eben das Thema versuchen zu verdrängen. Also dadurch, dass man eben davon träumt, hat man eben das Thema Substanzkonsum weiterhin präsent und denkt darüber nach und setzt sich damit auseinander.
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Ein weiterer Grund, der meiner Meinung nach daran ansetzt, ist eben, dass man diese Träume mit in die Therapie, wenn man in einer ist, nimmt und dann eben weiter mit der Therapeutin das Thema reflektiert und dadurch auch wirklich einen guten Aufhänger hat, Ängste, Sorgen und Rückfallsszenarien wirklich auch zu besprechen. Doch was mache ich mit diesen belastenden Träumen?
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Neulich meinte ein Klient zu mir, ey, ich will einfach wieder Cannabis konsumieren, weil ich habe überhaupt keinen erholsamen Schlaf. Es ist so stressig, die ganze Zeit zu träumen. Ich will das einfach alles wieder weg haben. Was ich total verstehen kann, weil Träume wirklich auch sehr belastend sein können, was wir ja in dieser Folge auch besprochen haben. Vor allem, wenn sie nach einer langen Abstinenzzeit, in dem Falle war es schon ein Jahr, einfach nicht weggehen.
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Allerdings gibt es auch eine Übung, die ich euch in zwei Varianten jetzt hier in dieser Podcast-Folge vorstellen möchte, die ihr anwenden könnt, um eben mit euren Bad Dreams oder euren Albträumen umgehen zu können.
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Und zwar ist der erste Schritt die Konfrontation. Ich persönlich mache sowas lieber immer schriftlich, das geht aber auch in der Imagination. Und zwar setzt man sich hin und schreibt den Traum, der aktuell am häufigsten vorkommt oder der einem am intensivsten ist, auf.
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Man schreibt ihn auf und versucht sich dann wirklich auch in die Gefühle und in das Geschehen hineinzuversetzen, auch wenn die Gefühle erstmal schmerzhaft und schwierig für einen sind. Man muss da richtig reingehen und sich eben mit der Situation zu konfrontieren. Die erste Variante der Übung ist nun, sich über 10 bis 20 Tage jeden Tag ein bis zwei bis drei Mal wirklich mit diesem Traum zu konfrontieren. Was passiert dadurch?
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Eine sogenannte systematische Desensibilisierung. Dadurch, dass wir uns dem Traum immer wieder stellen und uns immer wieder den Gefühlen stellen, verliert er seine Macht und wird nicht mehr so intensiv. Diese Übung wiederhole ich dann mit dem nächsten, den zweithäufigsten Traum und noch mit einem dritten. Und meistens ungefähr so nach dem dritten entsteht dann eine Generalisierung. Das bedeutet, dass
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alle schwierigen Träume einem nicht mehr so belastend vorkommen bzw. nicht mehr so eine Macht überein haben.
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Eine erweiterte Variante für diese Übung ist, dass man, nachdem man sich den Traum aufgeschrieben hat und ihn imaginiert hat, sich ein anderes Ende dafür ausdenkt, der den Traum nicht mehr so angstvoll macht. Und das kann wirklich alles sein. Es kann sein, dass man sich vorstellt, dass ein Löwe,
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ein zahmer Löwe zu einem kommt und einen beschützt. Es kann sein, dass in so einem dunklen Angstraum einfach jemand das Licht anschaltet und alles ist easy. Man kann sich überlegen…
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dass das, was man sich gruselig vorgestellt haben, eigentlich nur ein Luftballontier ist. Mir fällt gerade nichts mehr wirklich ein. Aber seid da kreativ, ist es ein Traum. Alles ist möglich. Und dann geht es eben darum, dass man sozusagen den Traum mit dem neuen Ende sich wie bei der anderen Variante sich jeden Tag zwei bis drei Mal vorstellt, sich da reinfühlt und auch dadurch gibt es
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den Effekt, dass diese Träume nicht mehr so belastend und so schwierig einem vorkommen. Ja, meine Lieben, das war es mit der heutigen Folge. Mich würde total interessieren, wie euch diese Folge gefallen hat. Also schreibt mir gerne. Auf Spotify kann man jetzt auch Kommentare schreiben. Ihr könnt mir aber auch gerne unter psychoaktiv.podcast at gmail.com schreiben oder unter meinem Instagram-Kanal psychoaktiv.podcast.
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Es ist einfach wichtig, dass ihr mit euren belastenden Träumen nicht alleine bleibt. Redet mit Menschen drüber. Wenn ihr in Therapie seid, redet auch in der Therapie drüber. Man kann daran arbeiten und es hilft auch einfach, darüber zu reden und damit schon in eine gewisse Konfrontation zu gehen. Wir hören uns sehr bald wieder. Ich freue mich drauf. Habt eine wunderschöne Woche. Bis dann. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stephanie Bötsch.
24:04
Untertitelung des ZDF, 2020

