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Kann man vom Drogenentzug süchtig werden?

Von einem Entzug selbst kann man diagnostisch nicht abhängig werden. Trotzdem kann sich ein Muster entwickeln, bei dem Menschen immer wieder zwischen starkem Konsum und anschließendem Entzug wechseln. Entscheidend ist dann weniger der Entzug als vermeintliches „Suchtobjekt“, sondern die Funktion dieses Kreislaufs. Ein Entzug kann beispielsweise mit dem Gefühl eines Neuanfangs verbunden sein, mit Stolz darüber, etwas Schwieriges geschafft zu haben oder mit einer erzwungenen Pause vom Alltag. Auch die Rückkehr in einen vertrauten Zustand von Stress und Chaos kann eine Rolle spielen, wenn ein ruhigerer Alltag zunächst ungewohnt oder schwer auszuhalten ist.

Die Folge geht der Frage nach, warum jemand wiederholt Konsum und Entzug herbeiführen könnte, obwohl der Entzug körperlich und psychisch belastend ist. Im Mittelpunkt stehen mögliche Motive wie Triumph, Neustart, Rückzug vom Alltag und die Schwierigkeit, Stabilität auszuhalten. Statt nur das Verhalten zu stoppen, wird gefragt, welches Bedürfnis damit erfüllt wird und wie dieses auf andere Weise erreicht werden kann. Thematisiert werden deshalb auch alternative Formen von Erholung, Selbstfürsorge und Unterstützung. Deutlich wird: Wer immer wieder Entzüge herbeiführt, ist nicht „süchtig nach Entzug“, kann aber in einem funktionalen Kreislauf aus Konsum, Krise und Neuanfang feststecken, der ebenso ernst genommen werden sollte.


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Kann man vom Drogenentzug süchtig werden?

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PODCAST-METADATEN

Folge: 66
Erscheinungsdatum: 04.05.2023
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Kann man vom Drogenentzug süchtig werden?
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript

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Transkript Beginn

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Kann man von Entzügen, also von körperlichen Entzügen von Drogen, von psychoaktiven Substanzen süchtig werden? Eine Frage, die aus der Community kam und die ich in dieser Podcast-Folge gerne mit euch durchgehen möchte. Dabei schauen wir uns sowohl an, ob das diagnostisch möglich ist, also ob es eine Sucht nach Entzügen gibt,

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Wir schauen uns die verschiedenen Motive an, wie es zu dieser Situation kommen kann. Und am Ende gebe ich euch noch Denkanstöße und Tipps, wie man mit der Situation umgehen kann. Viel Spaß beim Hören. Diese Podcast-Folge wird euch präsentiert von Safe Party People Frankfurt.

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Hallo und herzlich willkommen bei einer neuen Folge Psychoaktiv. Ich bin Stefanie Bötsch, ich bin Suchttherapeutin und wir sprechen hier im Podcast alle zwei Wochen vorteilsfrei und auf wissenschaftlicher Base über Themen rund um psychoaktive Substanzen. Heute besprechen wir in dieser Folge eine Frage, die mich über Instagram erreicht hat von einem Hörer. Und zwar hat er gefragt, hey, ich

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In dieser Frage steckt so viel Stuff drin, dass ich einfach dachte, hey komm, da mache ich gleich eine ausführliche Podcast-Folge darüber, weil ich glaube, dass die Antwort auch viele andere Hörer und Hörerinnen interessiert. Der erste Punkt ist,

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Der erste Teil dieser Frage ist meiner Meinung nach das Thema: Was ist eigentlich Sucht oder kann man von allem süchtig werden? Oder in diesem Falle: Kann man von Entzügen überhaupt süchtig werden? In der Alltagssprache wird das Wort Sucht ja super häufig genutzt. Sei es: Hey, ich bin süchtig nach Schokolade. Hey, ich bin süchtig nach Sport.

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Das hat in dem Sinne noch gar nicht so viel mit krankhaften Verhalten zu tun, sondern wird in der Alltagssprache sehr häufig dafür verwendet, um zu sagen, dass man etwas sehr oft, sehr häufig macht oder das Gefühl hat, ohne diese Sache nicht auskommen zu können. Der Punkt ist leider, dass

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das ein bisschen schwierig ist, weil diese Alltagssprache oft auch was Stigmatisierendes hat für die Menschen, die eben wirklich erkrankt sind an einem Abhängigkeitssyndrom beziehungsweise an einer Substanzgebrauchsstörung, die nämlich tatsächlich nicht oder nur sehr schwer ohne die Substanz oder ein Verhalten können. Aber dem hingehend

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muss man dahin wirklich mal ein bisschen unterscheiden, weil das süchtig in der Alltagssprache wirklich viel weniger bedeutet als in der Diagnostik. Wir haben ja hier in dem Podcast schon sehr oft über Diagnostik gesprochen. Einer der ersten Folgen geht auch um die Abhängigkeitsdiagnose. Die werde ich an diesem Punkt jetzt

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nicht nochmal wiederholen. Aber die Abhängigkeitsdiagnose, die wir nach der ICD-10, also das ist unser Klassifikationssystem, stellen, kann nicht auf Entzüge gestellt werden. Und zwar nur auf psychoaktive Substanzen.

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Also auf Alkohol, Nikotin, Amphetamin, Methamphetamin, Ecstasy, also relativ viele Substanzen, die da eben aufgezählt sind. Auf die kann man ein Abhängigkeitssyndrom stellen, wenn die Diagnosekriterien erfüllt sind, aber nicht auf Entzüge. Auch ist es möglich, dass eine Abhängigkeitsdiagnose auf verschiedenes Verhalten gestellt werden kann.

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Ganz vorne sind hier zu nennen das Glücksspiel oder auch das Gaming, wo schon länger auch in die Richtung geforscht wird, aber auch das Kaufen. Zur Verhaltenssucht haben wir tatsächlich noch nicht so viel gesprochen in dem Podcast, wird auf jeden Fall nachgeholt. Aber auch hier merkt ihr, da geht es um ganz gezieltes Verhalten und auch dahingehend können wir keine Diagnose stellen auf ein Abhängigkeitssyndrom auf Entzüge.

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Trotz allem jagt ja die Person, die diese Frage gestellt hat, vermeintlich nach dem Gefühl des Entzugs hinterher. Und da kommen wir dann zu dem Punkt, wie das einzuschätzen ist therapeutisch. Und zwar haben wir hier ein Motiv vorliegen. Denn an sich…

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sind es nicht die Substanzen an sich, die uns abhängig machen. Es ist vielmehr die Motive hintendran, die wir haben. Und Substanzen sind sozusagen ein Werkzeug, um diese Motive, um diese Bedürfnisse zu erfüllen. Das können ganz viele verschiedene Motive sein. Es kann sein, dass man Gefühle nicht spüren möchte, deswegen konsumiert man. Es kann sein, dass man Gedanken unterdrücken möchte. Es kann aber auch sein, dass man mit Psychologie

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psychoaktiven Substanzen sozialer ist und deswegen konsumiert. Das sind alles Motive, die hinter einem Substanzkonsum stecken und wenn wir keine andere Möglichkeit haben, diese Motive anderweitig zu befriedigen, kann es eben sein, dass die psychoaktive Substanz immer eine größere Rolle in unserem Leben einnimmt und somit eben sich eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt. Jetzt ganz plakativ gesagt, gibt natürlich noch mehrere Aspekte, aber

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hier mal an dieser Stelle zusammenfassend. Und wenn nun jemand sagt, hey, ich bin nicht süchtig nach Entzügen, kommen wir genau zu dieser Fragestellung. Was könnten möglich Motive sein, dass man sozusagen süchtig nach Entzügen wird? Ein mögliches Motiv ist das Motiv des Neuanfangs.

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Wenn man einen Zug geschafft hat, hat man oft das Gefühl eines Neustarts. Man hat etwas geschafft, etwas sehr Invasives für den Körper, aber auch für die Psyche. Und das ist überwunden und nun geht das Leben wieder richtig los. Jetzt kann man neu starten.

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Das ist ein Gefühl, was viele Menschen auch kurz nach dem Entzug durchaus haben. Und das kann man sich sozusagen dementsprechend selbst generieren. Dazu kommt, dass dieses Triumphgefühl gegenüber der Abhängigkeit sich ja auch einstellt. Das heißt, ja, ich habe die Abhängigkeit in diesem Punkt besiegt. Ich habe einen Entzug gemacht. Ich bin jetzt draußen. Ich bin jetzt an dem Punkt, wo ich gerade bin, geblieben.

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clean und das ist natürlich ein fantastisches Gefühl von einem Triumph, von einem Sieg gegenüber eines Abhängigkeitssyndroms und

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Eben diesem Gefühl, was ja auch aus der Nachricht ein bisschen rauskommt, weil man das Gefühl so geil findet. Es kommt jetzt nicht ganz raus, ob man das Gefühl des Entzuges geil findet oder das Gefühl nach dem Entzug. Aber es könnte eben genau das gemeint sein, das Gefühl nach dem Entzug, des Triumphes von Yay, ich habe es geschafft. Und dass man eben genau diesem Gefühl nachjagt, weil man ja auf jeden Fall einen Erfolg zu feiern hat.

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Und diesen Erfolg kann man sich selbst immer wieder herbeiführen, indem man selbst wieder in ein sehr hohes Konsummuster tritt, das dann einen Entzug zur Folge hat und damit eben sicher diesen Erfolg, diesen Triumph, dieses Gefühl von ich habe gewonnen selbst herbeiführt.

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Eine andere Art und Weise, wie man die Nachricht deuten kann, wie ich ja gerade schon gesagt habe, ist, dass man das Gefühl des Entzuges selbst so geil findet, wo man sich jetzt erst mal fragen kann, hä, wie kann das denn sein? Ein Entzug ist total hart für den Körper, total hart auch für den Kopf und was soll denn daran geil sein?

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Da würde ich mal einladen, mal ein bisschen genereller vielleicht auch zu denken, dass es ja durchaus sein kann, das kenne ich auf jeden Fall auch von mir, dass man es richtig genießt, mal eine ordentliche Krippe zu haben. Warum? Es ist einfach eine absolute Pause vom Leben. In der Zeit, wo ich eine Krippe habe, wo ich richtig krank bin, mache ich nichts anderes. Dann gebe ich mir in der Regel endlich mal die Erlaubnis, nichts zu tun. Nur auf dem Sofa zu liegen, nur auf dem Bett zu liegen,

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Serien zu gucken, vielleicht zu lesen, wenn es die Kopfschmerzen mitmachen und ich zwinge mich sozusagen, beziehungsweise die Krankheit zwingt mich, all den Stress wie Arbeit oder vielleicht auch Beziehung etc. wegzulegen, denn ich kann ja eh nichts gerade ändern. Ich bin ja krank.

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Und genau das kann man sich eben auch mit dem Entzug herbeiführen. Während dem Entzug hat man eine Phase, wo man sich nur darum kümmert, wieder clean zu werden, wieder einen Status zu erreichen, wo man wieder alltagsfähig ist und die Macht oder den Griff, vor allem den körperlichen Griff der Substanz durchführt.

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zu entkommen. Und wenn man das erstmal geschafft hat, haben wir, wie wir es ja schon im vorherigen Punkt haben, auch ein Erfolgserlebnis. Und in der Zeit hat man sozusagen das Gefühl, ich mache irgendwo was Produktives, ich stelle meine Gesundheit wieder her und gleichzeitig habe ich eine Zeit, wo ich mir von mir selbst nichts anderes abverlange als das. Und somit gönne ich mir eine Art Blaupause von meinem Alltag, von meinem Stress, indem ich eben einen Entzug durchführe.

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Und ein letztes Motiv, was mir dazu eingefallen ist, was ich bei sehr, sehr vielen Klienten und Klientinnen bei mir auch sehe, ist die Schwierigkeit, ein, ich nenne es mal, geregeltes Leben in Anführungszeichen auszuhalten. Es ist leider oft so, dass man davon ausgeht, naja, wenn die Substanz weg ist oder wenn ich es auch schaffe, längere Zeit abstinent zu leben, wenn das mein Ziel war, dann…

09:35

dann läuft es wieder. Und es kann auch oft sein, dass sich dadurch erstmal viele Ziele auch wirklich ergeben, dass man vielleicht wieder zurück in den Job kommt, dass die Partnerschaft besser läuft, dass man wieder mit dem Sport anfängt, dass man mehr Freunde trifft. Doch vor allem, wenn man über eine längere Zeit eine Abhängigkeitserkrankung hatte, dann ist man selbst oft mehr stressgewöhnt als eben ein geregelter Alltag, der vielleicht auch manchmal…

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ein bisschen langweilig sein kann. Und es gilt tatsächlich, diesen Status auch auszuhalten. Denn unser sehr gestresstes Hirn, das möchte eigentlich immer wieder gerne zurück zu dem Stress, weil es das ist, was es eigentlich gewohnt ist.

10:14

Das heißt, man muss erst mal neu lernen, diese andere Art von Alltag überhaupt auszuhalten. Das hört sich jetzt vielleicht total abstrus an, aber nicht umsonst sagt man sehr oft auch, dass viele Rückfälle wirklich auch so aus dem Nichts kommen, weil ohne dass irgendwas Größeres anstand. Und das entspringt oft auch aus dieser Schwierigkeit, dieses neue geregelte Leben auszuhalten.

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Und ich nutze da eigentlich auch immer gerne so die Metapher, weil ich finde, dass die sehr einprägsam ist. Und zwar, wenn man sich sozusagen das Gehirn vorstellt wie so ein Autobahnnetz. Und die Straßen, die so richtig große Autobahnen sind, das sind immer die Straßen, die wir am meisten fahren. Wenn wir sozusagen gewöhnt sind, immer Stress zu haben, dann haben wir eine sechsspurige Autobahn in unserem Gehirn,

11:08

die wir eigentlich immer am liebsten und am leichtesten fahren. Und wenn jetzt alles so geregelt läuft und das alles neu für uns ist, dann ist das eigentlich eher so ein Schotterweg, vielleicht auch so ein Feldweg, den wir nicht so gerne fahren. Und den gilt es erst immer wieder zu fahren, bis er halt am Ende auch eine Autobahn ist und es uns leichter fällt. Aber genau in diesem Zwiespalt, in dem wir uns befinden,

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kann es eben sein, dass man Entzüge nutzt, also auch der Konsum und dann den darauffolgenden Entzug nutzt, um einfach aus diesem Zwiespalt rauszukommen und zu sagen, ja okay, ich gehe wieder dahin zurück. Das ist eine bewusste oder unterbewusste Entscheidung. Werbung

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Doch was machen wir jetzt mit dieser Erkenntnis oder mit diesen Motiven? Im ersten Schritt gilt es, wenn es euch ähnlich geht, immer erstmal herauszufinden, was ist eigentlich bei einem selbstlos? Was ist das eigene Motiv und um was geht es einem eigentlich selbst? Es kann natürlich sein, dass es neben den Motiven, die ich gerade aufgezählt habe, noch ganz individuelle Motive gibt. Logischerweise. Es funktioniert meistens nie mit Theorien oder mit Hypothesen, alle Menschen abzudecken. Es

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Es könnte auch sein, dass man den Entzug und diese Blaupause so ein bisschen vorschiebt, aber es auch um die Substanz selbst geht, um die Lust auch einfach wieder zu konsumieren und den Rausch zu verspüren. Vielleicht ist es auch ein Gesamtpaket. Da gilt es wirklich im ersten Schritt, sich selbst zu unterfragen und zu schauen: Hey, um was geht es mir persönlich? Wenn man dann das Motiv für sich herausgearbeitet hat, geht es im nächsten Schritt darum zu schauen: Was gibt es für Alternativen, um dieses Motiv zu befriedigen?

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Denn ich finde es immer sehr wichtig zu betonen, wir kämpfen nie gegen was, sondern für etwas. Weil ganz viele Klienten und Klientinnen von mir sagen auch immer, ja, ich möchte abstinent leben und ich möchte keinen Alkohol oder so mehr konsumieren. Sag ich, ja, okay, das ist aber so ein Negativziel, aber für was möchte man das eigentlich nicht mehr? Was tritt an deren Stelle?

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Wenn es zum Beispiel darum geht, dass man einem stressigen Leben entgehen möchte und sich mit dem Entzug eine Pause gönnen möchte, dann ist natürlich die logische Frage, wie gönne ich mir anders Pausen? Wie komme ich zu dem Status hin, wo ich einfach mich mal ganz in Ruhe lasse? Und auch das einzuüben. Und ich weiß, dass es deutlich schwerer ist und ich habe ja vorhin auch den Podcast

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in den Vergleich zu Erkrankungen gezogen, dass sich manche Leute freuen, wenn sie mal wirklich eine Grippe haben und ich kenne das tatsächlich auch von mir manchmal. Und da gilt es halt wirklich zu lernen und das ist auch eine Sache, wo man sich selbst immer wieder auch erstmal hinbringen muss.

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wie man sich Pausen setzt und sich einfach mal komplett in Ruhe lässt, wie man den Laptop, das Handy etc. pp. auslässt und wirklich nur mal für sich ist. Und da darf man gerne kreativ sein. Manche von euch wissen ja zum Beispiel, dass ich in einem Vipassana-Seminar war Anfang des Jahres. Dazu mache ich auch noch eine Folge. Das war 10 Tage ohne Handy, ohne Lesen, 10 Tage Schweigen, 100 Stunden Meditation. Ich habe

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das mal wirklich gebraucht, um aus meiner großen Stressphase rauszukommen und so einen harten Break zu machen und seitdem fällt es mir deutlich einfacher, auch in meinem Alltag,

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klare Breaks von der Arbeit einzufügen. Und natürlich ist die abschließende Frage auch immer an der Stelle, wer kann einem dabei helfen? Denn es ist manchmal super schwer, solche großen Veränderungen sich selbst beizuführen, dahin zu kommen. Und klar kann hier immer auch eine Drogenberatung helfen. Es gibt aber auch zum Beispiel Online-Chats, die man nutzen kann, auch zum Thema Abhängigkeitserkrankungen und Substanzkonsum oder

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im Idealfall sogar auch vielleicht sich therapeutische Unterstützung nehmen.

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Ich mag vor allem aktuell, dass im Prinzip sich dieses Online-Chat-Angebot immer mehr ausbaut, weil da an der Stelle hat man halt einfach wirklich schon die Chance, kleine, anonyme Beratungsangebote anzunehmen. Und auch da hat man wenigstens schon mal, zumindest in einer limitierten Form, die Möglichkeit, Input zu bekommen von einer neutralen Person und allein in einen Prozess einzusteigen, in dem man

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ja so ein bisschen äußere Kontrolle oder Motivation hat, um seine Themen anzugehen.

15:35

So meine Lieben, das war es schon mit dieser Folge. Wie ihr merkt, haben wir heute besprochen, dass es nicht möglich ist, diagnostisch, also auf einer diagnostischen Ebene von Entzügen süchtig zu werden, wie die Anfangsfrage eben war. Aber dass es eben dafür verschiedene Motive geben kann, die genau zu einem solchen Verhalten führen und dieses eben auch verstärken.

15:59

Um genau an diesen Aspekten zu arbeiten, macht es eben Sinn zu schauen, was für ein Verhalten kann an die Stelle dieses Verhaltens treten und für was mache ich das eigentlich? Ich hoffe, euch hat diese Podcast-Folge gefallen. Wenn, könnt ihr gerne mir ein Follow dalassen oder sie liken oder eine Bewertung, je nachdem auf welcher Plattform ihr das gerade hört. Und auf Spotify kann man auch Kommentare schreiben.

16:23

seit neuestem, falls das eine Möglichkeit ist, wo ihr mit mir in Kontakt treten möchtet. Sonst findet ihr mich natürlich auch auf Instagram oder könnt mir eine E-Mail schreiben unter psychoaktiv.podcast at gmail.com Aber ich habe seit neuestem jetzt auch die Möglichkeit, dass ihr mir anonym

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Podcast-Themen schreiben könnt. Weil ich kann mir auch gut vorstellen, vor allem wenn es um so private Themen geht, dass euch das eher schwerfällt, eine Identität preiszugeben. Und deswegen dachte ich mir, ich mache einfach ein anonymes Google Doc. Das habe ich euch in den Shownotes verlinkt. Und da könnt ihr einfach eure Themenwünsche eintragen bzw. wie heute gerne auch

17:04

eine Frage, eine Situation eintragen und dann schaue ich, dass ich sie hier in diesem Podcast besprechen kann. Und sonst wünsche ich euch noch eine wunderbare Zeit und bis bald. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stefanie Bötsch.


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