Was ist Alkohol? Von der Chemie zur Kulturgeschichte

Alkohol ist chemisch betrachtet kein einzelner Stoff, sondern eine ganze Stoffgruppe. Wenn im Alltag von Alkohol gesprochen wird, ist jedoch fast immer Ethanol gemeint, also der psychoaktive Bestandteil von Bier, Wein und Spirituosen. Davon zu unterscheiden ist Methanol, das ebenfalls zu den Alkoholen gehört, dessen Stoffwechselprodukte aber schwere Vergiftungen verursachen können. Auch die Herstellung ethanolhaltiger Getränke unterscheidet sich grundlegend: Bier und Wein entstehen durch Gärung, Spirituosen durch anschließende Destillation. Aus diesen Verfahren haben sich über Jahrtausende sehr unterschiedliche Getränke, Konsumformen und kulturelle Traditionen entwickelt.
Die erste Folge der Alkohol-Reihe schafft die chemischen und historischen Grundlagen für eine genauere Auseinandersetzung mit Ethanol. Sie erklärt die Unterschiede zwischen Ethanol und Methanol, ordnet Bier, Wein und Spirituosen nach ihrer Herstellung ein und verfolgt die Geschichte alkoholischer Getränke von frühen Gärungsprozessen über antike Trinkkulturen und mittelalterliche Destillation bis zu Gin-Epidemie, Brandweinpest und Prohibition. Dabei zeigt sich, wie eng Alkohol mit Ernährung, Medizin, Handel, Ritualen und gesellschaftlicher Ordnung verbunden war. Deutlich wird: Die besondere Stellung von Alkohol lässt sich nicht allein durch seine pharmakologische Wirkung erklären, sondern auch durch eine jahrtausendealte Kulturgeschichte, die Herstellung, Verfügbarkeit und Konsumnormen bis heute prägt.
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Alkohol wirklich verstehen Teil 1 – von Ethanol, Methanol und andere Feinheiten
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PODCAST-METADATEN
Folge: 62
Erscheinungsdatum: 09.03.2023
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Alkohol wirklich verstehen Teil 1 – von Ethanol, Methanol und andere Feinheiten
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
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Teil 1 der Alkohol-Folge baut erstmal eine Menge Allgemeinwissen zu Alkohol oder besser gesagt zu Ethanol auf. Wir grenzen dabei Methanol von Ethanol ab und schauen uns dann kurz die verschiedenen Herstellungsweisen von ethanolhaltigen Getränken an und wie aufgrund dieser die verschiedenen ethanolhaltigen Getränke klassifiziert werden können.
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Außerdem machen wir einen Deep Dive in die Geschichte des Alkohols und beschäftigen uns dabei mit der Frage, ob Alkohol wirklich der Grund war, warum die Menschen sesshaft geworden sind und schauen uns außerdem verschiedene Alkoholepidemien an. Falls euch mein Podcast gefällt, empfehlt ihn gerne weiter und folgt ihn oder bewertet ihn auf eurer Lieblings-Podcast-Plattform. Das hilft mir, dass dieses Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt und mehr Menschen den Podcast auch finden können. Und nun viel Spaß bei der Folge. Musik
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Diese Podcast-Folge wird euch präsentiert von Safe Party People Frankfurt.
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Willkommen bei einer neuen Folge Psychoaktiv. Schön, dass du wieder mit dabei bist. Und heute kommen wir zu einer Folge, die vielen von euch ziemlich unter den Nägeln gebrannt haben. Und ich kann das schon verstehen. Es gab ja oft Kritik, warum mein Podcast Alkohol und Drogen Podcast heißt. Dazu habe ich übrigens auch eine Erklärungsfolge aufgenommen, falls euch das interessiert. Und ja, wenn man das dann erstmal so akzeptiert, dann möchte man natürlich auch die Alkohol-Folge haben. Und ich kann das absolut verstehen.
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Es hat tatsächlich jetzt zweieinhalb Jahre gebraucht, bis ich diese Folge aufgenommen habe. Und das hat schlichtweg den Grund, dass die Informationen, die wir zu Alkohol haben, unfassbar weitläufig sind. Es gibt so viel zu lesen, zu recherchieren.
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Ich habe in die Alkoholfolgen, es werden mehrere Folgen sein, über 30 Stunden Recherche reingepackt und habe immer noch nicht das Gefühl, dass ich überhaupt alles erkundet habe, dass ich alles weiß. Nicht mal einen Bruchteil eigentlich, wenn man ehrlich ist. Und mir hat das wirklich in der Recherche ein bisschen den letzten Nerv gekostet. Und die, die mich schon ein bisschen länger hören, die wissen, dass ich bis…
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Herbst letzten Jahres mein Master gemacht hatte. Das heißt, Nerven hatte ich eh nicht so viele und ich bin echt froh, dass ich so lange mit der Alkohol-Folge gewartet habe, denn nun konnte ich eben meine Zeit nutzen, viel, viel, viel recherchieren und euch eben jetzt eine wahrscheinlich deutlich besser durchdachte und recherchierte Folge präsentieren, wie ich es wahrscheinlich letztes Jahr getan hätte. Oder es
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Es hätte mich einfach deutlich mehr Nerven gekostet, seien wir mal ehrlich. Aber nun ist es endlich soweit und wir werden uns auf jeden Fall innerhalb von den nächsten drei Folgen, also diese und die nächsten zwei, sehr intensiv mit dem Thema Alkohol beschäftigen. Und es werden auf jeden Fall auch wieder ein paar mehr Folgen zu Alkohol kommen, weil es gibt wirklich viele Themen, die an das Thema Alkohol abhängen.
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die ich mit einer normalen Substanzkundefolge nicht abdecken kann. Und auch meine Extrafolge, also meine Themenfolge, die ich recherchiert habe, auch das sind Teile, die abgedeckt werden. Und es wird sozusagen der Komplexität der Problematik nicht komplett gerecht. Und dementsprechend werdet ihr das Thema Alkohol hier und da immer mal wieder aufgegriffen bekommen von mir. Genau, aber…
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Heute starten wir in den ersten Teil der Alkohol-Folge. Und bevor wir gleich in den wissenschaftlichen und Erklär-Teil starten, wollte ich euch eigentlich gerne eine kleine Anekdote aus meinem Schottland-Urlaub letzten Jahr erzählen. Und zwar habe ich dort gelernt, woher der Ausdruck, der englische Ausdruck kommt, »get shitfaced drunk«.
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To get shit-faced drunk, da kann man im Prinzip im Englischen beschreiben, wenn man wirklich, wirklich drüber betrunken ist. Also richtig dolle besoffen. Und ich dachte tatsächlich die ganze Zeit, es kommt daher, dass wenn man zu viel trinkt,
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dass einem das Gesicht halt so zusammenfällt, dass man so ein Knautschgesicht hat vom Betrunkensein und ja, dass man deswegen das beschreibt als Getting Shitfaced Trunk. Ich fand die Erklärung plausibel, hab nie so viel mehr drüber nachgedacht und fand aber…
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die wahre Erklärung unfassbar interessant. Ob die jetzt stimmt oder nicht, die wurde mir auf einer Free-City-Tour in Edinburgh erzählt, aber ich fand sie gut genug, um sie heute hier mit euch teilen zu wollen. Und zwar war das so, dass in Edinburgh früher das Abwassersystem wirklich schlecht war. Und
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Und so kam es halt, dass viele Menschen ihre Hinterlassenschaften einfach aus dem Fenster rausgekippt haben, schön auf die Straße raus. Das heißt, die Stadt hat gestunken. Das war echt, ich kann es mir echt nicht vorstellen, obwohl man das ja schon öfters gehört hat, dass sozusagen in bestimmten Zeiten einfach die
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die Toilette einfach ausgeschüttet wurde auf der Straße. Aber ich stelle es mir echt ein bisschen eklig vor oder kann es mir gar nicht vorstellen. Naja, auf jeden Fall hat die Stadt Edinburgh da durchaus ein Problem drin gesehen. Vor allem, wenn man halt so über den Tag ganz entspannt durch die Straße gelaufen ist und dann einfach so einen Nachttopfinhalt über den Kopf geschüttet bekommt. Da ist halt der Tag schon mal ein bisschen im Arschgelände gesagt.
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So, und dann hat sich die Stadt Edinburgh was Gutes überlegt und hat gemeint: Ja, ihr dürft eure Hinterlassenschaften erst ab 22 Uhr aus dem Fenster rauskippen. Das Problem an der ganzen Sache ist, dass die Bars in Edinburgh auch um 22 Uhr geschlossen haben. Das heißt, man musste eigentlich gucken, dass man immer so um 21.30 Uhr die Bar verlässt und nach Hause kommt, weil um 22 Uhr alle Leute ihre Hinterlassenschaften aus dem Fenster gekippt haben.
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Und ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wohin diese Geschichte geht. Und zwar, wenn man in der Bar versackt ist, zu viel konsumiert hat und deswegen es nicht rechtzeitig aus der Bar raus geschafft hat, haben sich sozusagen die Menschen, die bis 22 Uhr in der Bar waren, mit den ausgelehrten Nachrichten,
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Nachttöpfen getroffen. Und zwar haben die dann eben alles abbekommen, weil die Bürger und Bürgerinnen von Edinburgh genau diesen Moment abgepasst haben, dann um 22 Uhr alles rausgekippt haben und Menschen, die dann halt betrunken oder weniger betrunken aus den Bars raus sind, das alles abbekommen haben. Und daher kommt eben auch die englische Redensart Getting Shitface Drunk, weil du so betrunken bist, dass du sozusagen Hinterlassenschaften in dein Gesicht bekommen hast.
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So, das war ein kleiner sprachlicher, sogar ein englischsprachiger Ausflug. Und nun starten wir ins Thema rein. Wenn wir von Alkohol reden, meinen die meisten Menschen im Alltag eigentlich ethanolhaltige Getränke. Alkohol ist ehrlich gesagt für den Anlass,
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Tatsächlich ein eher unpräziser Begriff, beziehungsweise an sich schon eigentlich umgangssprachlich, hat sich aber so in unseren Sprachgebrauch eingebürgert. Denn Alkohole sind nämlich eigentlich eine komplette Stoffgruppe, zu denen Stoffe wie Ethanol, Methanol, Propanol, Butandiol, Ascorbinsäure gehören. Und das sind nur einige, die ich hier nenne. Wir kümmern uns heute aber tatsächlich hauptsächlich um Ethanol, denn Methanol
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Das ist der Alkohol, der in den uns bekannten ethanolhaltigen Getränken wie Bier, Wein oder Schnaps vertreten ist. Dadurch, dass Ethanol sich in alkoholischen Getränken befindet, ist es die am zweithäufigsten konsumierte psychoaktive Substanz auf der Welt.
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Wundert nicht? Vielleicht wundert es ein paar, dass es wirklich nur die zweithäufigst konsumierte psychoaktive Substanz ist. Ja, ich würde mal hier fragen, wer errät es, was ist die am meisten konsumierte psychoaktive Substanz der Welt? Bitte nicht spicken. Schreibt es mir gerne auf meine E-Mail oder auf meinen Instagram-Kanal. Findet ihr alles in den Shownotes.
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Und wer es als erstes mir richtig schreibt, bekommt einfach mal ein Sticker-Paket nach Hause geschickt. Bin mal gespannt, ob ihr es erratet. Aber bevor wir uns ja mehr oder weniger in drei Folgen, aber vor allem auch jetzt hier, uns um Ethanol kümmern, möchte ich erstmal auch ein paar Sätze über Methanol verlieren. Methanol wurde früher auch Holzgeist oder Holzalkohol genannt.
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Das kommt daher, dass Methanol früher durch eine trockene Destillation von Holz gewonnen wurde. Eine trockene Destillation ist übrigens eine Erhitzung unter Luftausschluss. Aber wie Destillation genau oder ungenau so ein, ich versuche es einfach zu erklären, funktioniert, das schauen wir uns gleich später an.
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Methanol ist der einfachste Vertreter der Stoffgruppe der Alkohole. Das bedeutet, dass es die einfachste chemische Verbindung vorweist. Methanol zählt aber als sehr giftig. Dies ist aber bei näherer Betrachtung nicht ganz korrekt. Methanol selbst kann auch in geringen Mengen bei der Produktion von ethanolhaltigen Getränken entstehen. Kleine Mengen werden allerdings über die Lunge und Niere unverändert ausgeschieden.
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Dass uns das nichts anhaben kann, liegt daran, dass Methanol an sich als sehr wenig giftig gilt. So ist Methanol in ethanolhaltigen Getränken auch nicht komplett verboten, sondern es gibt eine offizielle Begrenzung für den Methanolgehalt. Das Problem an Methanol ist nämlich das Stoffwechselprodukt, also das, was unser Körper aus Methanol baut, wenn es nicht einfach ausgeschieden werden kann. Bei Methanol ist das Formaldehyd und
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Und Ameisensäure. Ameisensäure sorgt, nachdem man ein paar Stunden eigentlich gar keine Symptome hat, zu einer metabolischen Azidose. Das bedeutet, dass es zu einer stoffwechselbedingten Übersäuerung des Blutes kommt. Die hierfür typischen Symptome sind Herzinsuffizienz, Koma, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Erdbeben.
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sehr, sehr tiefe Atemzüge bei eigentlich einer gleichen Atemfrequenz. Dass Formaldehyd zu den Vergiftungssymptomen beiträgt, ist tatsächlich eher umstritten, da es sich wirklich super schnell im Körper in Ameisensäure abbaut. Eine Methanolvergiftung verläuft in drei Phasen. In der ersten Phase hat man eine berauschende Wirkung, die man schon vom Ethanol kennt, aber tatsächlich eher tendenziell etwas schwächer. Nach sechs
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Stunden etwa startet man dann in die Phase 2 mit Kopfschmerzen, Schwächegefühl, Übelkeit und Erbrechen. Kurz die Symptome der metabolischen Azidose setzen ein. In der dritten Phase kommt es dann zur Schädigung der Nerven, insbesondere des Sehnervs.
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Es können also Sehstörungen entstehen, die zwar wieder zurückgehen können, aber im schlechtesten Fall kommt es tatsächlich zu einer dauerhaften Erblindung. Da klingelt es vielleicht auch bei manchen von euch, denn es gab ja mal, das ist schon ewig her, aber irgendwie erinnere ich mich dran vielleicht, weil mein Gehirn für solche Informationen sehr viel Platz hat, aber es gab so ein paar Erblinderungen.
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Zeitungsartikel zum Thema gepanschten Alkohol und dass Menschen daran erblindeten. Und dabei ging es halt eben auch um Methanol oder zu viel Methanol in diesem gepanschten Alkohol, was dann eben am Ende zu dieser Erblindung geführt hat. Es kann allerdings auch durch den Konsum von Methanol zu einer Atemlähmung kommen und
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deswegen kann der Konsum auch wirklich tödlich enden. So viel zu kleinen Hintergrundinformationen zu Methanol. Jetzt werden wir uns wirklich dem Ethanol, ethanolhaltigen Getränken oder Alkohol widmen. Ich nutze das in den Folgen immer so ein bisschen als Synonym. Ich hoffe, das verwirrt euch nicht zu sehr. Ich finde bloß Alkohol fühlt sich manchmal im Satzflow nicht so akkurat und richtig an. Musik
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Wer meine Substanzkunde-Folgen kennt, weiß ja, dass ich es tatsächlich immer sehr genau mag.
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Und ich habe mich natürlich, wie ich mich das auch bei manchen anderen Substanzen frage, wie klassifiziert man eigentlich richtig alkoholische Getränke? Denn ich meine, Alkohol, dadurch, dass es so präsent ist in unserer Gesellschaft, begleitet einen ja in irgendeiner Art und Weise sein Leben lang. Ob man es jetzt konsumiert oder nicht, spielt dabei nicht so eine Rolle. Und irgendwie denkt man doch dann, dass das irgendwie völlig klar ist.
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Fand ich aber tatsächlich gar nicht und ich musste mich ein bisschen länger damit beschäftigen, um für euch dann schnell Licht ins Dunkle bringen zu können. Die grundlegende Unterscheidung bei Alkohol ist einmal die Art der Herstellung. Und da haben wir die Gärung und die Destillation. Schauen wir uns erstmal die Gärung an. Der Ausgangsstoff für die alkoholische Gärung ist meistens Glucose. Glucose ist die einfachste Zuckerform, die in der Natur vorkommt.
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Diese Glucose wird dann von Hefezellen, das sind nur unter dem Mikroskop zu erkennende Pilze, in Alkohol und Kohlendioxid umgewandelt. Beides ist für die Hefepilze eigentlich nur Abfallstoffe. Die möchten nämlich nur die Energie durch den Prozess gewinnen, um wichtige Moleküle aufzubauen. Der chemische Prozess findet dabei immer in einer anoxischen Umgebung statt, also ohne Sauerstoff. Bis die Glucose in Ethanol umgewandelt ist, gibt es allerdings wirklich Mineralstoffe,
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mehrere Zwischenschritte, in denen sich sowohl Brennstraubensäure und Acetaldehyd bildet. Alkoholische Gärung ist bei den ethanolhaltigen Getränken sowohl bei Bier als auch bei Wein relevant. Beide Gärungen basieren auf Zuckermolekülen. Bei Bier ist die Ausgangssubstanz Stärke, die dann in Zuckermoleküle aufgespalten
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Und bei der Weinherstellung ist es der zuckerhaltige Traubensaft. So, nun haben wir sozusagen schon die erste Unterscheidung und zwar alkoholhaltige Getränke, ethanolhaltige Getränke, die durch die alkoholische Gärung hergestellt werden und zwar Bier und Wein. Was uns natürlich noch fehlt, ist der Schnaps, also Spirituosen und der wird durch Destillation hergestellt.
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stellt. Destillation beschreibt den Vorgang zur Trennung und Reinigung von Alkohol. Auch von anderen flüssigen Stoffen wohlgemerkt, aber heute geht es ja nur um Alkohol bzw. Ethanol. Dies geschieht durch Verdampfung und anschließender Wiederverflüssigung. An sich beruht dieses Prinzip auf den unterschiedlichen Verdampfungstemperaturen der einzelnen Bestandteile der Flüssigkeiten. So verdampft Wasser bei 110 Grad und Alkohol bei 78 Grad und Aromastoffe bei 80 Grad. Bei einer Destillation sind
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wird eine alkoholhaltige Flüssigkeit auf 80 Grad erhitzt. Dabei verdampfen Alkohol und Aromastoffe. Dabei verdampfen Ethanol und Aromastoffe. Und die steigen dann in einen Kühltunnel auf, wo die Stoffe dann wieder flüssig werden. Und somit haben wir anhand der Herstellung die drei Oberkategorien, die wahrscheinlich auch jedem was sagen. Bier, Wein und Spirituosen bzw. Schnaps. Aber die lassen sich natürlich auch noch einmal unterteilen. Bei Bier-
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wird auch dabei nochmal innerhalb der Herstellung unterschieden. Und zwar in obergäriges und untergäriges Bier. Und auf Englisch wäre das einfach Ale und Lager. Obergärig bedeutet, dass die Hefe in moderaten bis warmen Temperaturen gearbeitet hat. Also so circa auf 15 bis 20 Grad.
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Typische obergärige Biere sind Pale Ale, Kölsch oder Weißbier. Untergäriges Bier zählt eher als neues Bier. Denn wie man sich vielleicht denken kann, braucht es dafür kühle Temperaturen. Vier bis maximal neun Grad. Dementsprechend kam das eher in der früheren Geschichte eher so per Zufall vor, dass ein untergäriges Bier gebraut wurde. Einfach, weil es halt zufällig kühl war.
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Und bekannte untergärige Biere sind Pilz, Helles oder Merzen. Bei Wein kann man grundlegend erstmal zwischen Schaumwein und Stillwein unterscheiden, also mit oder ohne Kohlensäure. Dann wird der Wein wieder in Rot, Rosé und Weiß unterteilt und je nach Restzucker in lieblich, halbtrocken oder trocken. Chardonnay, Riesling, Melot, das sind eben Namen, die verschiedene Rebsorten beschreiben. Kommen wir noch zu den Spirituosen. Bei den Spirituosen kann man die verschiedenen Schnäpse eben noch unterscheiden.
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anhand des Ausgangsmaterials unterscheiden. Somit gibt es Spirituosen aus alkoholhaltigen Flüssigkeiten wie zum Beispiel Weinbrand. Es gibt Spirituosen aus zuckerhaltigen Rohstoffen wie Obst, zum Beispiel Tresterbrände wie Krappa, Wässer wie Kirschwasser, Geiste wie der Himbeergeist oder Obstbrände wie Calvados und Pflanzendestillate wie Rum oder Tequila. Außerdem kann Schnaps aus stärkerhaltigen Rohstoffen gebraut werden wie Getreide und Kartoffeln,
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Und das ist zum Beispiel Whisky oder Korn. Und dann gibt es noch Schnäpse aus landwirtschaftlichen Ursprungs. Und auch hier handelt es sich hauptsächlich um Getreide und Kartoffeln. Und dazu gehören zum Beispiel der Wodka, der Gin und der Uso. Und dann gibt es natürlich noch die Liköre. Ihr wundert euch vielleicht, warum ich es für wichtig empfinde,
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wirklich auch so sehr nochmal auf die verschiedenen Arten der ethanolhaltigen Getränke einzugehen und die ordentlich zu klassifizieren. Ich finde das aber auch nochmal deswegen sehr wichtig, um klar zu werden, was so eine lange Kultur eben auch aus einer psychoaktiven Substanz machen kann.
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Für diese Folge habe ich euch als letzten Teil einen richtigen Deep Dive in die Geschichte versprochen. Aber tatsächlich ist es gar nicht so einfach, die Geschichte von Alkohol zum Reisen. Und ich musste schon bei der Recherche feststellen, ich muss mir einfach auch Punkte aus der Geschichte rauspicken, um euch einfach mal eine Idee zu geben, welche Punkte ich in der Geschichte versprochen habe.
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welche Rolle der Alkohol in der Geschichte spielt, denn er spielt eine relativ große Rolle. Also das kann man einfach nicht anders sagen. Und dementsprechend habe ich das so gemacht, dass ich euch auch viele eher so Beispiele mitgebracht habe, damit man schon mal eine Idee bekommt. Aber ja, ladt euch gerne dazu ein, einfach auch mal ein bisschen mehr da reinzulesen, denn es ist schon super interessant, wie die
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sich psychoaktive Substanzen per se, aber auch insbesondere der Alkohol in die verschiedenen Kulturen, Ereignisse reinzunehmen.
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reinflechtet. Aber starten wir mal rein. Wann und wo genau Alkohol zum ersten Mal bewusst hergestellt wurde, ist wirklich schwierig nachzuvollziehen. Ich habe in den verschiedenen Quellen wirklich auch verschiedene Annäherungen gefunden. Man geht davon aus, dass Alkohol etwa 10.000 vor Christus in der Mittelsteinzeit entdeckt wurde. Und zwar einfach bei einem zufälligen Gärungsprozess von überreiften Feldfrüchten. Dadurch, dass Alkohol relativ leicht herzustellen ist, an sich braucht man ja nur Wärme und irgendwas, was gärt,
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hat sich Alkohol fast überall auf dem Globus verbreitet. Außer halt in sehr kalten Regionen, wo Wärme eben Mangelware war, wie zum Beispiel Alaska, Kanada oder Grönland. Dort kam die Inuit erst im 19. Jahrhundert mit dem Alkohol in Berührung, also wirklich spät im Gegensatz zum Rest der Welt. Ich möchte an diesem Punkt auch noch mal gerne einen Schwenk nach Australien machen, denn auch hier hält sich das Gerücht fest, dass die Aborigines erst mit der europäischen Invasion in Berührung von Alkohol kamen. Auch das stimmt so nicht.
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Aborigines haben alkoholische Getränke aus verschiedenen Pflanzen hergestellt. Allerdings war der Gebrauch einfach innerhalb der Tradition auch sehr stark reglementiert. Aber auch Schamanen haben oft versucht, mit Obst, Kräutern, Gewürzen und Getreiden die verschiedensten Arten von Ethanol-haltigen Getränken herzustellen. Diese wurden dann für mehrtägige Rituale genutzt, in der Alkoholrausch im rituellen Rahmen als Art Erleuchtung wahrgenommen wurde und von wirklich höchster Wichtigkeit war.
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Wie es dann eventuell weitergegangen ist, kann man ein bisschen unterscheiden in Wein und Bier. Die ersten Weinwildreben gab es schon vor 80 Millionen Jahren, geht man aus. Das konnte anhand von Fossilienfunden festgestellt werden. Gezielter Weinbau konnte jedoch erst mit dem Beginn der Sesshaftigkeit nachgewiesen. Die Ursprünge im Weinbau werden dementsprechend im Jahre 5800 v. Chr. in Georgien, aber auch 5000 v. Chr. im heutigen südlichen Irak gesehen. Die ersten Hinweise, dass
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Bier hergestellt wurde, liegt in etwa bei 3500 v. Chr. In einer 5500 Jahre alten Siedlung im Iran wurde nämlich Gefäße gefunden, die Spuren von Hefe und Oxalat beinhalten. Diese wurden dann als bierähnliches Gebräu interpretiert. Es gibt aber auch schon schriftliche Beweise, wie Schrifttaf
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Die sind aus Mesopotamien, die im Brauprozess bzw. eine Zutatenliste für Bier abbilden. Hopfen war allerdings damals noch nicht bekannt. In den USA haben übrigens Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen versucht, diese historische Brauweise nachzuahmen. Allerdings war das Bier wohl ziemlich ekelhaft und hätte wie Essig geschmeckt.
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Man kann aber natürlich sich auch nicht so ganz sicher sein, ob sie es wirklich richtig gemacht haben. Auch in ägyptischen Quellen von ca. 3000 v. Chr. finden sich Belege, dass sowohl Bier als auch Wein hergestellt wurde.
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Der Evolutionsbiologe, Ökologe und Zoologe Josef H. Reichelhof stellt außerdem in seinem Buch »Warum die Menschen sesshaft wurden«, das größte Rätsel unserer Geschichte, die Hypothese auf, dass Menschen deswegen sesshaft wurden, dass sie gerne Bier brauen wollten. Dies argumentierte er damit, dass Getreide nur dann angebaut werden kann, wenn man eben auch vor Ort bleiben möchte. Denn Ackerbau braucht eben Sesshaftigkeit.
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Allerdings kann es auch einfach sein, dass sich das alles gegenseitig bedingt hat. Durch die Entdeckung von wilden Getreidearten merkten die damaligen Jäger und Sammler den großen Vorteil der Getreide, und zwar ihre Lagerfähigkeit. Dafür fingen sie an, sesshaft zu werden, um eben Nahrungsmittel vorrätig zu haben. Bei der Lagerung entdeckten sie dann die Gärung von Getreide bzw. Getreidebrei und somit war der Schritt zum Bierbrauen auch nicht mehr weit. Kann also irgendwie beides sein.
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Die erste Ausschankordnung findet man dann wohl in Babylonien. Babylonien bezeichnet das Gebiet, das zwischen der heutigen irakischen Stadt Bagdad und dem Persischen Golf liegt. In Babylonien galt im 18. Jahrhundert vor Christus nämlich der Kodex Hammurati.
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der vom damaligen Herrscher Hammurabi festgesetzt wurde. Dieser Kodex wurde in eine steinerne Stele gemeißelt und befasste sich sowohl mit häuslichen Konflikten, aber auch Verbrechen und hatte eben auch eine Schankordnung mit dabei. Diese besagte unter anderem, die Wirtin, die sich ihr Bier nicht in Gerste, sondern in Silber bezahlen lässt oder die minderwertiges Bier ausschenkt,
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wird erdrängt. Eine Priesterin, die ein Bierhaus aufsucht oder gar ein solches eröffnet, wird verbrannt. Die Wirtin, die in ihrer Gaststätte politische oder staatsgefährdende Diskussionen duldet, ohne die Gäste der Obrigkeit auszuliefern, wird getötet. Bierpanscher werden in ihren Fässern erdrängt oder so lange mit Bier vollgegossen, bis sie ersticken. Also auch wirklich eine schreckliche Zeit für Frauen und das Panschen sollte man definitiv auch unterlassen.
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Die ersten Anzeichen, dass es Probleme mit Alkohol bzw. mit Trinkgelagen gab, sind schon in der Antike zu finden. Dies zeitlich in etwa von 800 v. Chr. bis 600 n. Chr. anzusetzen. Der römische Schriftsteller Seneca beschreibt in seinen Schriften die Trinkgelage und setzt sich auch an diesem Punkt schon sehr kritisch damit auseinander.
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Trunkenheit beschreibt er unter anderem als freiwilliger Wahnsinn, aber auch als Krankheit. Allerdings gab es mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens in Europa auch eine Reduktion des Alkoholkonsums und Wein und Bier spielten auf dem ganzen Kontinent eine Zeit lang eine geringe Rolle. Grund hierfür war schlichtweg, dass die früheren Trinkzitten in Verruf geraten sind. Aber auch dies hatte ein Ende. Ab dem 8. Jahrhundert förderte Karl der Große, König des Fränkischen Reiches,
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aber auch andere Herrscher, wieder die Produktion von alkoholischen Getränken und somit auch den Handel. Zwar war Karl der Große ein Gegner der Trunksucht, sah aber für sich ein, dass auf Wein und Bier als Energielieferant nicht verzichtet werden kann.
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Also galten für ihn, wenn man es so nimmt und aus früheren Wissen stand, gesundheitspolitische Gründe, aber natürlich auch wirtschaftliche. In seinem Buch „Alkohol, die mächtigste Droge der Welt“ beschreibt Wolfgang Schwelle das Mittelalter, das ging in etwa so vom 6. bis zum 15. Jahrhundert, als das größte Besäufnis der Geschichte. Grund hierfür war jedoch nicht nur die Förderung von Alkohol durch die Herrscher, sondern auch die schrecklichen hygienischen Bedingungen in Form von verseuchtem Wasser.
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Somit war Bier und Wein aus Regenwasser schlichtweg sicherer zum Durstlöschen. Aber es war halt auch eine günstigere Variante, um seinen Hunger zu stillen. Somit hatte man im Prinzip zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ein weiterer Grund war jedoch auch, dass Alkohol als Teil der Entlohnung genutzt wurde. Leibeigene und Tagelöhner bekamen somit ihre Dienste teilweise mit Bier und Wein bezahlt.
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Kommen wir noch zu einem weiteren, ja nennen wir es Meilenstein der Alkoholgeschichte. Ein berühmter persischer Arzt, der zwischen 864 und 925 gelebt hat, erfand nämlich die Destillation. Allerdings nicht zum Schnapsbrennen, sondern für medizinische Zwecke und ihm gelang somit eigentlich wirklich ein krasser Durchbruch in der Medizingeschichte.
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Erst 400 Jahre später kam die Methode dann nach Europa und in der Medizinschule Salermo in Italien gelang es dann das erste Mal Wein zu destillieren und somit Schnaps zu erzeugen. Hochwertige Destillate galten dann lange Zeit als absolutes Allheilmittel. Sogar in der Pestepidemie im 14. Jahrhundert glaubte man im Weingeist eine Waffe gegen die Pest gefunden zu haben.
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Alkohol war aber auch vor allem bei zwei Gruppen sehr dolle verbreitet und zwar bei Soldaten und Seefahrer. Letztere brachte mit der Wiederentdeckung der sogenannten Neuen Welt im Jahre 1492 das erste Mal die Völker Amerikas mit dem hochprozentigen Alkohol in Kontakt.
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Und dieser hochprozentige Alkohol, da steckt wirklich auch sehr viel der Probleme drinnen, die sich einfach in den verschiedenen Völkern auch entwickeln. Weil wir haben ja jetzt schon gehört, die Gärung bzw. das Herstellen von Alkohol war überall auf der Welt irgendwo relevant. Aber wirklich dieses Brennen, dieser hochprozentige Alkohol hat dem Ganzen einfach nochmal eine ganz andere Ebene gegeben.
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Machen wir aber mal einen kleinen Sprung in das Zeitalter der industriellen Revolution und somit auch in die Zeit der Gin-Epidemie. Von Beginn des Jahrhunderts bis 1750 verzehnfachte sich der Pro-Kopf-Konsum von billigem Brandwein in Großbritannien. Man geht dabei davon aus, dass im Jahr 1750 jeder erwachsene Londoner im Durchschnitt 63 Liter Gin im Jahr trank.
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Oder vielleicht sogar noch mehr. Das muss man sich mal vorstellen. Das sind täglich 0,175 Liter Gin und dabei ist Wein, Bier und Whisky noch nicht mal mit einberechnet. Und das konstant durch die Bevölkerung. Eine Epidemie, der Abertausenden Menschen zum Opfer gefallen sind. Und die Gesellschaft war wirklich zutiefst erschüttert. Man kann an dieser Stelle wirklich zu Recht sagen, dass es sich hierbei um die erste bekannte Drogenkrise der europäischen Geschichte handelte.
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Um die Epidemie einzudämmen, wurde die Brandweinsteuer erhöht, der Konsum ging zwar zurück, aber nicht ganz so viel wie gedacht. Erst eine große Dürre und die damit ansteigenden Getreidepreise, die sich natürlich auch auf den Preis der Spirituose auswirkten, sorgte erst für eine Einbruchung
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Aber auch in Deutschland gab es eine alkoholbezogene Epidemie, die sogenannte Brandweinpest von 1800 bis 1830. Der Schnapsverbrauch stieg zu dieser Zeit auf 40 Liter im Jahr pro Erwachsenen an. Ein Grund hierfür findet sich, wie auch schon in der Gin-Epidemie, in den günstigen Preisen von Schnaps, die aufgrund vieler Lizenzen zum Brennen und einem Überangebot von Kartoffeln den Schnaps günstigeren
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günstiger machte als das Bier. Zusammenfassend kann man sagen, dass im 19. Jahrhundert weltweit sehr viel Alkohol konsumiert wurde und viele Menschen durch das maßlose Trinken viele Probleme hatten. Es wurden Familien zerstört und es gab einfach eine extremst hohe gesundheitliche Gefährdung. Um dem entgegenzuwirken, gab es dann auch immer mehr Abstinenzbewegungen, die sich gegen dieses Verhalten stellten.
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Ab Beginn des 19. Jahrhunderts wurde aber auch Alkohol das erste Mal als Erkrankung wahrgenommen. So kam es, dass die USA zwischen 1920 und 1933 den Alkohol sogar komplett verbahrt. Dass das wohl nicht ganz so gut funktioniert hat, verrät vielleicht uns schon, dass dieser Versuch ein Ablaufdatum hatte.
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Zwar hat die USA damals die Prohibition so in den siebten Himmel gelobt, dass man denken könnte, dass die USA durch das Verbot paradiesische Zustände geschaffen hat. Zahlentechnisch hat sich das allerdings nicht so ganz niedergeschlagen. Denn sowohl das organisierte Verbrechen als auch das illegale Brennen von Schnaps ist extremst stark angestiegen. Damit gab es auch viel mehr Todesfälle aufgrund von gepanschten Schnaps.
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Außerdem konnten Ärzte damals Wein und Whisky wirklich auch verordnen. Und zwar ungefähr einen halben Liter über zehn Tage lang. In einem Jahr wurden dann wohl 14 Millionen Alkoholatteste ausgeschrieben. Viele frühere Wirte und Schankkellner haben dann einfach in Zusammenarbeit mit geprüften Apotheker Whisky-Abiotheken aufgemacht. Also im Prinzip eine Bar in Form einer Apotheke.
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Europa ging das Problem jedoch etwas entspannter an. Auch wenn diese Einsicht schon längst wissenschaftlich überholt war, teilten sie in guten und
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und schlechten Alkohol ein. Der gute Alkohol war hierbei Bier und Wein und das schlechte Alkohol Brandwein. Aber auch im deutschen Kaiserreich von 1871 bis 1918 gab es immer mehr Abstinenzvereine, die auch guten Zulauf hatten. Trotzdem war es den Vereinen nicht möglich, die Erlachse-Alkoholpolitik zu einer Kursänderung zu bewegen. Und an dieser Stelle möchte ich die geschichtlichen Hintergründe tatsächlich schon schließen. Man kann
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zu der Geschichte des Alkohols wirklich ganze Bücher schreiben. Aber ich wollte einfach interessante Meilensteine raussuchen. Doch wenn wir uns die deutsche Alkoholpolitik heute anschauen, trifft Lachs wohl immer noch die Realität im Kern. Kommerzialisierter Verkauf mit Alkoholwerbung, Sonderangeboten, Lifestyle-Darstellungen sind bei uns immer noch gang und gäbe. Auch unsere Kultur ist fest verwoben mit dem Alkohol.
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Und so gibt es neben enorm großen Alkoholgelagen wie das Oktoberfest kaum noch ein Volkfest, an dem Alkohol nicht den Mittelpunkt der Aktivität einnimmt. Es gibt konsumfördernde Freizeitgestaltungen wie der Bierbachelor, wo man eine Urkunde bekommt, wenn man zehn Bier in zehn Bars trinkt.
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Und das gibt es tatsächlich in mehreren Städten. Auch gibt es so einen sogenannten Kastenlauf oder Biermarathon. Ein Wettbewerb, wo man ein Kasten Bier mit seinem Team auf einer bestimmten Strecke trinken muss. Wir haben Politiker, die es als Ehre ansehen, Bierbotschafter zu sein. Ein Titel der Brauereiindustrie für besonderes Engagement im Namen des Bieres.
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Nur ein kleiner Hinweis, wie sehr die Alkohollobby mit der Politik verstrickt ist. Außerdem verkaufen wir als einer der wenigen europäischen Länder ganz legal Alkohol an
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16-Jährige und das bis zu 14 Prozent. Kurz, wir leben in einer extremst alkoholfördernden Umgebung und es ist teilweise absurd, was da abgeht. Zur Alkoholpolitik würde ich allerdings auch gerne nochmal eine ganz eigene Folge machen. Also wenn ihr zufälligerweise eine Expertin oder einen Experten mit dem Thema kennt, dann sagt mir Bescheid, weil dann könnt ihr vielleicht auch diese Entwicklung, diese aktuelle Entwicklung noch besser darstellen. Musik
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So meine Lieben und das war es mit der Einstiegsfolge zu Alkohol. Wir haben heute ein bisschen was über Methanol gelernt. Wir haben gelernt, wie ethanolhaltige Getränke eingeteilt werden können und wir haben ein paar Meilensteine der Geschichte kennengelernt.
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Das alles ist unser Grundgerüst, bevor wir in zwei Wochen in der zweiten Alkoholfolge viel über die Wirkung, die Wirkweise in unserem Körper, unerwünschte Wirkungen lernen werden. Also da erwartet euch echt noch super viel Input. Falls euch die Folge gefallen hat, ich freue mich mega über eure Unterstützung. Sei es, indem ihr den Podcast weiterempfehlt, ihn bewertet.
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ihm folgt auf eurer Lieblings-Podcast-Plattform oder mich vielleicht sogar auf Steddy unterstützen möchtet. Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächste Folge und bis dahin habt eine gute Zeit. Tschüss! Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkohol-Podcast mit Stefanie Bötsch.

