Hochbegabung und Drogenkonsum

Hochbegabung bedeutet nicht automatisch schulische Höchstleistung oder ein problemloses Leben. Menschen mit hoher intellektueller Leistungsfähigkeit können besonders schnell, komplex und vernetzt denken, gleichzeitig aber mit Unterforderung, starker Reizverarbeitung, Perfektionismus oder dem Gefühl kämpfen, nicht richtig dazuzugehören. Gerade wenn passende Herausforderungen und soziale Rückmeldungen fehlen, können Schwierigkeiten bei Selbstwert, Emotionsregulation oder Selbstorganisation entstehen. Hochbegabung kann damit Ressource und Belastung zugleich sein und wirkt sich deutlich umfassender auf den Alltag aus als ein hoher IQ-Wert allein vermuten lässt.
Im Gespräch mit der Psychotherapeutin Frauke Niehues geht es um die Definition von Hochbegabung, die Aussagekraft von IQ-Tests und die Unterschiede zwischen Hochbegabung und Hochleistung. Die Folge spricht über assoziatives Denken, Unterforderung, Hochsensibilität, das sogenannte Fixed Mindset und darüber, warum Hochbegabung in Therapie und Beratung leicht übersehen oder mit anderen Phänomenen verwechselt werden kann. Auch der Zusammenhang mit psychoaktiven Substanzen wird eingeordnet: Konsum kann aus Neugier und einem hohen Bedürfnis nach neuen Erfahrungen entstehen, aber auch der Regulation von Überforderung, Anspannung oder psychischen Beschwerden dienen. Deutlich wird: Für Substanzkonsum gibt es bei Hochbegabung kein einheitliches Muster, entscheidend sind vielmehr die individuellen Merkmale, Belastungen und Bewältigungsstrategien einer Person.
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Hochbegabung und Drogenkonsum
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PODCAST-METADATEN
Folge: 61
Erscheinungsdatum: 23.02.2023
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Hochbegabung und Drogenkonsum
Sprecher: Stefanie Bötsch, Frauke Niehues
Typ: Transkript
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Transkript Beginn
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Hochbegabung. Ein Thema, das, bevor ich dieses Interview aufgenommen habe, tatsächlich in meiner suchttherapeutischen Realität kein großes Thema war. Es war weder Teil meiner Ausbildung, noch bin ich sonst in irgendeiner Art und Weise auf dieses Thema gestoßen.
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Nach diesem Interview ist mir allerdings bewusst, dass viel mehr Suchttherapeuten, Therapeuten per se oder auch Berater sich mal diesem Thema annehmen sollten und wenigstens grundlegend darüber Bescheid wissen sollten. Ich habe heute eine wunderbare Gästin in meinem Podcast und wir reden über die Definition von Hochbegabung, über Egoismus.
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und wie die genau funktionieren, über die Besonderheiten, die ein Mensch mit Hochbegabung mitbringt und am Ende sprechen wir auch, welche Interaktion es zwischen psychoaktivem Substanzkonsum und Hochbegabung gibt. Außerdem gibt uns unsere Gästin Einblicke, warum die Forschung zu psychologischen Themen aktuell wirklich in der Krise steckt. Ich wünsche euch an dieser Stelle viel Spaß bei diesem super, super spannenden Interview.
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Falls euch mein Podcast gefällt, empfehlt ihn gerne weiter, lasst mir einen Follow da oder bewertet ihn auf dem Streaming-Dienst, wo ihr ihn gerade anhört. Und jetzt viel Spaß bei der Folge.
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Willkommen bei einer neuen Folge Psychoaktiv. Ich habe mich heute Morgen in den Zug gesetzt und bin nach Gießen gefahren, um die liebe Frauke Nihus zu besuchen in ihrer Praxis. Frauke ist psychologische Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie, Dozentin an mehreren Universitäten. Sie leitet mit Manfred Prior ein MEG-Ausbildungsinstitut. MEG steht dabei für Milton Erickson Gesellschaft und
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Und dabei geht es um Hypnose. Und sie führt das Können macht Spaß Portal für Hoch- und Höchstbegabung. Und genau das wird heute tatsächlich unser Thema sein. Hallo Frauke, schön, dass du heute da bist. Hallo Stefanie, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich.
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Ich freue mich auch total, denn heute haben wir ein Thema, von dem ich tatsächlich seit der Schule nichts mehr gehört habe. Ich weiß noch, dass es immer ein paar Kinder gab in meiner Klasse, die ein bisschen hippelig unterwegs waren und dann das geheißen hat, dass die hochbegabt sind. Das hat mich damals mal ein bisschen gewundert. Es gab eine Hochbegabtenklasse in einer anderen Schule, wo mein Bruder war.
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Aber sonst seitdem ist eigentlich das Thema Hochbegabung überhaupt kein Thema mehr gewesen. Und ich frage mich so gleich am Anfang, was definiert denn eigentlich eine Hochbegabung? Ja, Hochbegabung definiert sich im Grunde genommen über die intellektuelle Leistungsfähigkeit. Und ganz praktisch heißt man, dass man in Deutschland hochbegabt ist ab einem IQ von 130.
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Das sind in etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Und höchstbegabt ist man bei einem IQ von 146. Das ist einer von tausend. Also hochbegabt sind zwei von hundert, höchstbegabt sind einer von tausend. Das ist es ganz konkret. Und wenn wir ins Wissenschaftliche gehen, dann sieht es so aus. Man geht davon aus, dass der IQ normal verteilt ist. Und ein IQ von hundert bedeutet, dass 50 Prozent schlauer sind als man selbst und 50 Prozent weniger schlau sind als man selbst.
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Wenn man sich diese Normalverteilung anguckt, manche kennen das, das sieht aus wie so eine Glockenform und genau in der Mitte, wo sich das teilt, ist der IQ von 100. Jetzt gibt es zwei Standardabweichungen, wo die Kurve praktisch die Richtung ändert, könnte man sich jetzt ganz, wenn man sich das ganz runtergebrochen vorstellt. Und wenn man zwei Standardabweichungen über der Norm ist, also entfernt von 100 nach oben, dann gilt man als hochbegabt und höchstbegabt ab drei Standardabweichungen über der Norm.
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Wichtig ist zu wissen, der IQ, die Leute denken häufig, das ist ein absoluter Wert, aber das ist ein Prozentrang. Das heißt, der IQ sagt etwas darüber aus, wie man im Vergleich zu anderen Leuten steht. Und man wird, wenn der IQ gemessen wird, vor allem mit seiner Alterskohorte verglichen. Das heißt, üblicherweise werde ich mit den Menschen in einer Fünfjahres-Alterskohorte gemessen.
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Und das liegt daran, dass es einen sogenannten Flynn-Effekt gibt. Die Leute werden immer intelligenter. Und das heißt, wenn ich jetzt, ich werde bald 50, den gleichen IQ habe wie mein Sohn, der 20 wird, dann kann der viel mehr im intellektuellen Bereich als ich. Das heißt, er wird mit den Gleichaltrigen verglichen und ich auch. Und obwohl wir den gleichen IQ haben, ist unsere Leistungsfähigkeit unterschiedlich.
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Es gibt jetzt Diskussionen über den Flynn-Effekt aktuell. Der scheint eine Weile ausgesetzt zu haben. Der schwankt immer so ein bisschen. Aber grundsätzlich hält man das noch weiterhin so, dass man die Leute in ihrer Altersgruppe vergleicht. Macht ja auch irgendwo Sinn, wenn ich es mir überlege, weil man hat ja dann eben diesen direkten Vergleich.
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Und man hat ja sozusagen auch weniger Zeit, so einen Wissensstand aufzubauen. Genau, wobei es da jetzt noch zwei Unterschiede gibt, nämlich die Intelligenz verändert sich ein Stück weit im Alter. Also der IQ ist extrem stabil über die Lebensspanne, weil es halt eben ein Prozentrang ist. Trotzdem ist es so, dass ich in jüngeren Jahren eine Stärke in der fluiden Intelligenz habe. Das heißt, schnell Dinge zu erfassen und je älter ich werde,
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desto eine größere Rolle spielt die sogenannte kristalline Intelligenz. Das heißt mein Wissensschatz und mein Erfahrungsschatz. Und das sind unterschiedliche Zusammensetzungen meines Könnens dann. Und das heißt, wir haben unterschiedliche Stärken.
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Ich habe in meiner Recherche noch gemerkt, dass es einen Unterschied gibt zwischen Hochbegabung und Höchstleistung und dass es manchmal ein bisschen schwierig ist, die auseinanderzuhalten, so auf den ersten Blick. Kannst du da vielleicht mal ein bisschen drauf eingehen? Ja, also das ist eine sehr, sehr gute Frage und das wird ganz oft verwechselt und es gibt Hochbegabte, die keine guten schulischen Leistungen bringen.
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Hochbegabung ist die reine intellektuelle Leistungsfähigkeit, aber Hochleistung ist nicht nur das, sondern um Hochleistung zu erbringen, brauche ich eine Mischung oder eine Schnittmenge. Ich brauche Intelligenz, ich brauche Kreativität und Aufgabenzuwendung. Man kann sich das jetzt wie drei Ringe vorstellen. Ein Ring ist die Intelligenz, einer ist die Kreativität, einer die Aufgabenzuwendung. Und die Schnittmenge von diesen dreien, das ist dann sozusagen die Hochleistung.
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Und ob das zustande kommt oder nicht, hängt zusätzlich noch ab von den Rahmenbedingungen. Da spielen zum Beispiel die Familie, die Peergroup, die Schule eine große Rolle. So ist es zumindest in einem, finde ich, sehr guten Modell erklärt von Renzulli und Mönchs, die sich dem mal zugewendet haben und eine Grafik erstellt haben, woran man das sehr schön sehen kann. Also diese drei Ringe und dann kann man nochmal so ein Dreieck da drum machen und dann kann man da nochmal die Rahmenbedingungen betrachten.
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Und dann sieht man schon, alleine in dem Modell haben wir sechs Faktoren, die gut zusammenspielen müssen, damit es zur Hochleistung kommt. Ah super, das werde ich mal das Modell einfach auch in die Shownotes packen. Das habe ich auch bei dir auf der Seite gesehen, damit man sich das vielleicht auch einfach besser vorstellen kann. Musik
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Wir hatten es ja gerade schon vom IQ und dieser wird ja getestet. Ich war auf deiner Seite ein bisschen unterwegs und da gab es vom Mensa so einen kleinen Online-IQ-Test, den ich auch mal durchgeklickt habe und bei dem ich mir ehrlich gesagt etwas schwer getan habe. Das waren so ein bisschen die Aufgaben, wo ich vielleicht nicht so…
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gut drin bin. Da ging es um Zahlen, Folgen und so räumliches Denken und Pfeile, wo man gucken musste, wie die sich fortsetzen. Wie funktioniert denn ein richtiger IQ-Test? Sind es dann wirklich auch solche Aufgaben? Ja, also der Mensa IQ-Test ist ein richtiger IQ-Test und es gibt verschiedene Modelle der Intelligenz. Und wir haben auch sehr, also auf den ersten Blick, sehr unterschiedliche IQ-Tests mit unterschiedlichen Aufgaben.
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weil die sich sozusagen auf unterschiedliche Modelle beziehen.
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Ich sage mal, was alle gemeinsam haben. Intelligenz kommt aus dem Lateinischen und heißt erkennen, einsehen, verstehen. Und das geht immer um die kognitive und geistige Leistungsfähigkeit und zwar vor allem im Problemlösen. Also Intelligenz sagt was darüber aus, wie gut ich Probleme lösen kann. Und auch wenn wir verschiedene Definitionen von Intelligenz haben, das, was fast alle gemeinsam haben und die Schnittmenge ist, so wie ich es sehe, ist, dass sie sich auf logisches und schlussfolgerndes Denken beziehen.
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In den Modellen gibt es jetzt verschiedene Schwerpunkte oder Sichtweisen. Es gibt zum Beispiel Spearman, der sagt, es gibt einen Generalfaktor der Intelligenz, das ist die Schnelligkeit. Das heißt, die meisten IQ-Tests haben auch einen Zeitfaktor drin. Man hat eine begrenzte Zeit und es geht darum, wie viele Aufgaben man in dieser Zeit lösen kann. Es gibt Ausnahmen und wir können auch gewisse Ausnahmen machen, wenn wir jetzt wissen, dass jemand unter Zeitdruck nicht gut arbeiten kann, beschädigt.
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dass das Ergebnis verfälschen würde. Dann kann man das begründen und dann gibt es spezielle Tests, die man einsetzen kann und so weiter.
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Es gibt Modelle, die viele Intelligenzfaktoren bestimmen, zum Beispiel von Thurston, der bestimmt sieben Primärfaktoren, zum Beispiel räumlich-visuelle Faktoren, die Wahrnehmungsgeschwindigkeit, rechnerisch-mathematische Fähigkeiten, Gedächtnisleistung, Wortflüssigkeit, um nur einige zu nennen. Das heißt, wir haben auch Intelligenztests, die viele verschiedene Fähigkeiten versuchen, speziell abzutesten.
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Ein Intelligenzmodell habe ich auch schon genannt von Cattell, der auf die fluide und kristalline Intelligenz abspielt. Und wir haben zum Beispiel auch einen Intelligenztest, der sehr häufig eingesetzt wird, der auch den Wissenschatz ein Stück weit mit abprüft. Wir haben mehrdimensionale Antworten, zum Beispiel von Guilford, der unterscheidet in Denkinhalte, Denkoperationen, Denkresultate und weitere Modelle darin,
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die vor allem die Informationsverarbeitung ausdifferenzieren von Sternberg. Das heißt, hier geht es um Verarbeitungsgeschwindigkeit, was für ein Arbeitsgedächtnis, mit wie vielen Informationen gleichzeitig im Kopf kann eine Person umgehen. Das ist jetzt schon alles ziemlich viel. Wenn wir uns diese Modelle angucken, dann kann man sich vorstellen, dass auch Intelligenztests unterschiedliche Aufgaben haben. Und man könnte jetzt denken, das heißt, die sind ja total unaussagekräftig.
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So ist es aber nicht, nämlich wir haben zwar eine Vielfalt von Tests und ein guter Tester hat ein gutes Auge dafür, welchen Test er wem gibt. Wenn ich zum Beispiel jemanden habe mit ADHS, dann nehme ich keinen Test, der drei Stunden dauert und keinen mit langweiligen Aufgaben, sondern nehme ich einen Test,
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der in der Lage ist, die Aufgaben so zu wählen, wo man nicht bei Null anfängt und es aufbaut, sondern der in der Lage ist, Aufgaben zu nehmen, die für die Person interessant sind und relativ schnell geht. Das heißt, es ist ein großer Vorteil, dass wir diese Vielfalt von Intelligenztests haben und wir
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Das Teure und die Kunst bei einem Intelligenztest ist die Normierung. Das heißt, ein seriöser Intelligenztest ist üblicherweise mindestens an 10.000 oder 12.000 Leuten normiert, die damit getestet wurden und wo man dann diese Rangreihen erstellt und guckt, wie viele Aufgaben werden üblicherweise gelöst, welchem IQ würde das entsprechen. Und was ich bis heute nicht weiß, wie die Wissenschaftler das machen, die seriösen IQ-Tests sind aufeinander normiert.
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Das heißt, wenn ich in einem IQ-Test, der vielleicht nur mit grafischen Elementen arbeitet, wie zum Beispiel der Culture-Free-Test, der ohne Sprache auskommt, damit auch Menschen, die jetzt nicht Muttersprachler sind, den machen können, mache und dann einen IQ-Test, der ganz viele Dimensionen und meinen Sprachschatz abfragt, mache, dann werde ich den gleichen IQ haben, plus minus wenige Punkte.
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Und das sind die seriösen Tests und deswegen ist es auch nicht sinnvoll, irgendeinen Test im Internet zu machen, weil die dann wenig aussagekräftig sind. Und diese Arbeit der Forscher, diese IQ-Tests aufeinander zu normieren, finde ich persönlich total beeindruckend und frage mich, wie kriegen die das hin? Absolut, das hat mich jetzt auch gerade sehr beeindruckt, weil ich mir gerade dachte, als du das erzählt hast, okay, es gibt so viele verschiedene Tests,
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habe ich dann sozusagen auch super viele verschiedene Ergebnisse. Und dass die das schaffen, dass die untereinander richtig agieren, ist beeindruckend. Das ist wirklich beeindruckend. Und das steht immer genau in den Manualen. Oder in einem guten Manual kann man genau das ablesen. Da sind ganz viele Kennwerte von den Tests. Und jemand, der sich mit Tests auskennt, guckt dann auch da rein und guckt, wie weit weicht er von anderen Tests ab, was hat der Test für Kennwerte.
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Aber das, was du vor allem auch vorhin gesagt hast, möchte ich an dem Punkt auch nochmal betonen, denn seit ich mich auf die Recherche begeben habe für dieses Thema, wird mir ein IQ-Test nach dem anderen von meinem Algorithmus vorgeschlagen, dass die wirklich eine Spielerei sind. Auch der Mensa-Test, obwohl das ja eine sehr professionelle Firma ist,
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ein professioneller Anbieter von IQ-Tests ist, der betont eben auch, das ist mal eine Spielerei, da kann man mal reinschauen, aber es sagt jetzt erstmal nichts letztendliches zum IQ aus. Genau, also diese Mensa-Seite ist tatsächlich, stellt Teile eines seriös normierten IQ-Tests zur Verfügung, beziehungsweise die sind dem sehr ähnlich und das Gute an der Mensa-Seite ist, dass man diesen Test kostenlos machen kann und
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Und ich habe das schon vielen geraten, die große Angst haben vor dem IQ-Test oder sich zu blamieren oder sich zu schämen, wenn sie dann einem Tester gegenüber sitzen. Und das Gute ist, man kann diesen Test machen und man bekommt nicht die IQ-Zahl, sage ich mal, den konkreten IQ rückgemeldet, sondern der Test ist eigentlich gedacht, dass man eine Wahrscheinlichkeit rückgemeldet bekommt, ob man die 130 knackt und es sich für einen lohnt, zum großen IQ-Test, der dann natürlich auch Geld kostet und so weiter zu gehen.
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Und das ist insofern eine super Angelegenheit, man kann das selber machen. Und selbst wenn man ihn nicht schafft, dann heißt das nicht, dass man jetzt irgendwie einen IQ von 90 hat, sondern er kann trotzdem sehr, sehr hoch sein. Und man muss sein Selbstbild nicht infrage stellen oder irgendwas. Man hat es für sich testen können, man muss es nicht mit jemandem anders besprechen. Und für viele ist das ein Einstieg, dass sie sich da das erste Mal trauen, überhaupt einen IQ-Test zu machen und sich dem Thema anzunähern und es wirklich für sich machen zu können.
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Ich will dazu noch eine Sache sagen, weil wir bei Hochleistung waren. Also der IQ, obwohl es auch Schwierigkeiten im Schulsystem gibt, ist natürlich ein sehr guter Prädiktor auch für die schulische und beruflichen Erfolge. Es ist aber trotz allem so, dass die Hochleister in der Schule im Schnitt laut einer Studie von Rost einen IQ von 117 haben.
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Und das liegt daran, meiner Meinung nach oder meiner Einschätzung nach, dass man eine durchschnittliche Begabung hat, die Sachen in der Schule angeboten werden, recht gut versteht, aber gleichzeitig noch nicht alles versteht und man lernt zu lernen und sich diese Softskills anzueignen. Und diese Mischung führt dann zur Hochleistung. Also wenn ich alles sofort verstehe,
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dann ist das so lange super, bis ich nicht an eine Grenze stoße. Und wenn ich dann in der Schule nicht gelernt habe, wie gehe ich damit um, auch diese emotionale Selbstregulation mit der Frustration, mit der Selbstwertbedrohung, die das vielleicht beinhaltet,
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Wie überwinde ich das? Wie reguliere ich mich da emotional? Wie baue ich Durchhaltevermögen auf? Wie spreche ich mir Mut zu? Und wie halte ich das auch aus, wenn es mal langweilig ist oder aussichtslos aussieht eine Zeit lang? Das ist eine Sache, bei denen Hochbegabte häufig Schwierigkeiten haben in der Schule, dass sie genau das nicht lernen und dann rauskommen aus der Schule, vielleicht in der Uni sind.
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diese Softskills nicht haben und dann scheitern. Also ich habe etliche Hochbegabte hier, die ein 1, irgendwas Abi gemacht haben und im Studium kläglich gescheitert sind, das nicht abschließen konnten und dann eine große Selbstwertkrise hatten. Und da sind wir ja vielleicht auch schon ein bisschen in Richtung Thema Sucht. Man
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Manche Hochbegabten, manche bekommen nicht die Möglichkeit, in kleinen Schritten ihre Emotionsregulationsfähigkeit und Softskills aufzubauen, die wir aber unbedingt brauchen fürs Leben. Das ist sehr nachvollziehbar, wenn ich mir überlege, dass man eben, ich bin jemand persönlich, die sich immer schon sehr anstrengen musste, um Dinge zu schaffen. Das heißt aber auch, ich habe ein immenses Durchhaltevermögen über die Zeit entwickelt, weil ich Dinge vielleicht drei, vier Mal lesen muss, weil es mir eher schwerer fällt, Sachen sofort zu verstehen.
16:05
Und daraus hat sich über die Zeit eben ein hohes Durchhaltevermögen. Und weil ich halt netterweise auch sehr neugierig bin, beschäftige ich mich auch einfach mit vielen Themen, die ich dann halt sehr oft lesen muss manchmal. Aber wenn man sozusagen einem eine längere Zeit lang erstmal alles in Anführungszeichen zufliegt, diese schulischen Leistungen, da fehlen einem einfach ein paar Skills. Ganz genau. Und deswegen ist es auch so, dass Hochbegabte unbedingt die Möglichkeit brauchen, in der Schule zu scheitern. Ja.
16:33
Und dass das eine ganz wichtige Lernerfahrung ist, die uns durchs Leben bringt. Absolut. Auf das Thema Substanzkonsum kommen wir später noch ein bisschen mehr. Ich wollte gerade noch mal ein bisschen mehr auf den IQ-Test eingehen. Und zwar habe ich gelesen, dass mehr Jungs als Mädchen zum IQ-Test geschickt werden. Wieso? Ja, genau.
16:52
Also wenn ich meine Seminare gebe, dann fange ich üblicherweise mit folgender Übung an. Ich sage, bitte stellen Sie sich ein hochbegabtes Kind vor und wenn dann alle in ihrem Kopf was haben, dann frage ich, wer von Ihnen hat an ein Mädchen gedacht? Und da gehen wirklich häufig unter einem Drittel der Hände hoch. Ich hatte auch schon mal Gruppen, da ist keine einzige Hand hochgegangen.
17:13
Meine nächste Frage ist dann, wer von Ihnen hat ein Kind mit Migrationshintergrund gedacht? Und da geht häufig gar keine Hand mehr hoch. Dann frage ich, wer von Ihnen hat an ein Kind mit Rechtschreibschwäche gedacht oder sogar mit Rechenschwäche? Und das kann sich fast niemand mehr vorstellen. Aber auch das sind Menschen, die hochbegabt sein können. Und die Jungen fallen mehr auf, zum einen aufgrund der Rollenstereotype. Man traut es ihnen eher zu, man denkt eher in diese Richtung.
17:40
Auch die Lehrer stellen ihnen andere Fragen, herausfordernde Fragen. Das wissen wir auch aus der Forschung, dass Mädchen in Mädchenklassen größere mathematische Leistungen erbringen zum Beispiel. Die gehen einfach unter, weil sie nicht drangenommen werden, weil sie nicht herausgefordert werden, weil sie sich nicht melden, weil sie vielleicht dominiert werden und so weiter.
18:02
Das nächste ist, wenn es den Hochbegabten nicht gut geht, dann neigen Jungen eher dazu als Mädchen, wenn sie aggressiv werden oder wenn es ihnen nicht gut geht, dass sie das nach außen tragen. Also, dass sie der Klassenclown sind, dass sie auffallen, dass sie unbequem werden. Die Mädchen…
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machen das weniger. Ich habe hier auch schon etliche gehabt, die zum Beispiel Fehler in Klausuren einbauen, damit sie nicht so auffallen. Das heißt, auch da werden sie natürlich weniger entdeckt. Sodass wirklich explizit Fehler eingebaut werden von Mädchen, damit sie nicht auffallen.
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Was befürchten die dann? Das Problem ist bei Hochbegabung, dass man immer gucken muss, dass man sozial integriert bleibt. Also man ist als Hochbegabter, man kann mehr, man ist vielleicht kritischer, man hat ein höheres Interesse, vielleicht auch schon ein Interesse, das nicht altersgerecht wirkt. Und die große Herausforderung ist, wie bleibe ich in der Gruppe? Und zum einen, wie nerve ich die anderen nicht, ja?
18:57
Wie finde ich einen Anschluss zu den Themen, die die anderen interessieren? Aber auch, wie stelle ich keine Bedrohung dar? Also Hochbegabte lösen oft, ohne das zu wollen, das Gefühl Neid aus. Und Neid ist ein ganz feines Gefühl für die Ressourcenverteilung. Das entsteht, wenn ich Angst habe, dass der andere einen besseren Zugang zu Ressourcen hat. Also wenn wir mal in die Tierwelt gucken…
19:20
Das Alpha-Tier, also die Ressourcenverteilung ist stark mit dem Status verknüpft und das Alpha-Tier ist oben im Status. Und wenn es jetzt was zu fressen gibt, dann frisst es sich satt, der Nächste in der Rangreihe kriegt das, was übrig bleibt und so weiter. Das Alpha-Tier hat die größten Chancen in der Partnerwahl, das wird als attraktiv wahrgenommen.
19:40
Und das haben wir auch jetzt in der Pandemie gesehen, dass die Menschen, die den geringsten Zugang zu Ressourcen haben, die vom Status her unten stehen, das sind die, die das höchste Sterberisiko hatten. Also das ist bis heute, also Emotionen haben sich evolutionär entwickelt und das ist bis heute…
19:53
Wirkt das noch? Und jetzt ist Folgendes, wenn ich merke, dass jemand weiter oben ist und einen besseren Zugang zu Ressourcen hat, dann habe ich zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist, ich strenge mich ganz doll an. Also es gab mal eine Untersuchung in einer amerikanischen Mittelschichtstraße. Alle hatten die gleichen Häuser, ähnliche Autos und so weiter. Man hat die Leute gefragt, wie zufrieden sind sie. Alle waren ähnlich zufrieden, mehr oder weniger.
20:18
Dann hat man einem ein dickes Auto vor die Tür gestellt. So kann man sich vorstellen, was passiert ist. Die Leute waren unzufriedener. Jetzt hat jemand, der dann unzufrieden ist, zwei Möglichkeiten. Variante 1 ist,
20:30
Er strengt sich ganz voll an, arbeitet mehr, spart das Geld und kauft sich auch so ein Auto. Und dann ist er nicht mehr neidisch. Dann sind wir wieder bei der Ressourcenverteilung, gehen wir beide wieder gleich aus. Variante 1. Variante 2 ist, er denkt sich, ist mir viel zu anstrengend oder schaffe ich sowieso nicht. Und dann ist der Handlungsimpuls, dass ich dem anderen das kaputt mache. Dann warte ich, bis es nachts ist und zerkratze ihm sein Auto oder mache die Reifen kaputt, dann hole ich ihn runter. Der Effekt ist der gleiche. Wir sind auf einer Ebene und bei der Ressourcenverteilung geht es wieder gleich aus.
20:57
Ich falle nicht ab. Ich habe nicht die Gefahr, bei der Ressourcenverteilung zu kurz zu kommen und dann schlimmstenfalls zu sterben. Und das Problem ist, ich habe das jetzt an dem Beispiel mit dem Auto gemacht, ich muss mich nicht nur konkret auf dieses Auto beziehen, sondern ich kann den anderen im Status auch anders runterholen, indem ich zum Beispiel Gerüchte streue, ihm Informationen vorenthalte und hintenrum agiere. Das ist ein Impuls bei Neid. Und das erleben viele Hochbegabte sehr früh,
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Weil unser Schulsystem und unser gesellschaftliches System, die Schule und die Noten sind die Türöffner zu Ressourcen. Und das spüren die Mitschüler und Mitschülerinnen. Und sie merken, diese Person hat mehr Chancen auf die Ressourcen und das versuchen sie auszugleichen. Und das geht dann halt häufig hintenrum über Mobbing, über unschönes Verhalten den Leuten gegenüber. Und davor haben viele Hochbegabte Angst.
21:49
Und das heißt, sie verstecken sich, sie zeigen sich nicht und dafür sind sie sozial integriert. Also ich nenne das das Ambivalenz-Dilemma. Hochbegabte stecken ganz häufig in dem Dilemma, ich zeige mich so, wie ich bin und habe aber die Gefahr ausgestoßen oder gemobbt zu werden.
22:04
Oder ich verstecke mich und passe mich an, vielleicht auch in einer Art und Weise, die schädlich für mich ist, in der ich mich verleugne, in der ich Dinge mache, die nicht zu mir passen, die mich unter Stress setzen und so weiter. Dafür bin ich aber integriert und sicher. Das ist eine Entscheidung, die jede Hochbegabte vielfach am Tag treffen muss.
22:21
Und die bei vielen auch zu so einer Art Grundanspannung führt. Das hört sich tatsächlich auch nach einem sehr komplizierten und schwierigen Leben an. Und sehr weit weg von einer Annahme, die wahrscheinlich auch manchmal hinschwingt, so ja, wenn man hochbegabt ist, dann hat man keine Probleme, dann flutscht man durchs Leben, ohne dass irgendwelche großen Challenges sozusagen passieren. Aber es ist ja eigentlich tatsächlich genau das Gegenteil der Fall, dass sozusagen Menschen,
22:45
Naja, auch mit Hochbegabung, man anders als viele anderen ist und genauso mit vielen Vorurteilen und Stigma kämpfen muss, wie wenn man anders abweicht von der Gesellschaft, von der Gemeinschaft. Ganz genau. Also es ist einfach außerhalb der Norm und das geht immer mit Herausforderungen einher.
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Man hat auch Vorteile, man hat höhere Problemlösefähigkeiten und es kommt sehr auf die Rahmenbedingungen an. Es gibt Rahmenbedingungen, wo das sehr geschätzt wird und wo die Leute sehr geschätzt werden für das, was sie können, gefördert werden. Und es gibt halt Rahmenbedingungen, wo das nicht der Fall ist. Wir müssen aber auch hier aufpassen. Für Hochbegabte ist meine Ansicht nach immer eine Herausforderung. Also es gibt auch die, die als Genies angesehen werden. Auch das ist nicht gut. Auch das fördert sozusagen eine Art Narzissmus, sondern es geht darum zu sehen, Hochbegabung, was ist das?
23:29
Wie bin ich? Was habe ich für Eigenschaften, für besondere Merkmale? Was erwachsen daraus für Bedürfnisse und für Möglichkeiten? Und das ist aber auch nur ein Teil meiner Persönlichkeit und es gibt natürlich noch ganz viele andere Facetten. Und dass ich mich nicht darauf reduziere, sondern dass ein Hochbegabter in seiner gesamten Persönlichkeit gesehen wird…
23:50
Und dass ihm geholfen wird, mit den Herausforderungen umzugehen, die positiven Dinge sehr zu wertschätzen und dass ihm auch geholfen wird, eventuell, und das ist häufig durch eine Grundhaltung des Menschen grundsätzlich das Gleiche wert sind. Und deswegen bin ich dann auch sehr für inklusive Schulen zum Beispiel, wo man einfach lernt, sich auf der zwischenmenschlichen Ebene absolut zu wertschätzen und miteinander umzugehen in einem gegenseitigen Verständnis und immer zu gucken, wie können wir uns gegenseitig befruchten.
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Ja, und auch Hochbegabte können von anderen viel lernen, ist gar keine Frage. Und einfach auch da zu sehen, dass jeder seine Stärken und Schwächen mitbringt, genauso von normal, also durchschnittlich intelligenten Menschen, genauso wie Menschen, die vielleicht unterdurchschnittlich intelligent sind und eben auch Hoch- und Höchstbegabte. Also ich habe jetzt verstanden, dass IQ misst, wie gut man Probleme lösen kann.
24:38
Und trotz allem habe ich manchmal noch so ein bisschen das Gefühl, dass es eine sehr starre Idee von Intelligenz auch mit sich bringt. Denn es gibt ja auch sowas wie eine soziale Intelligenz oder eine künstlerische Intelligenz. Und ja, bei Sozialintelligenz vielleicht schon ein bisschen eher, dass ich sehe, dass da auch Problemlösen Sinn macht. Aber auch bei Künstlerischen, da sehe ich jetzt halt nicht unbedingt die Problemlösung.
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Wie schätzt du das ein? Ja, und es gibt auch die Modelle der multiplen Intelligenzen. Und für mich jetzt als Fachfrau sozusagen für Hochbegabung, Menschen, die mit Problemen zu mir kommen, die aus der Hochbegabung heraus entstehen, sehe ich es so, natürlich gibt es ganz viele verschiedene, in Anführungsstrichen, Hochbegabungen. Es gibt sportliche Hochbegabung, emotionale Hochbegabung, soziale Hochbegabung. Und das sind auch die vielen verschiedenen Facetten des Menschen.
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Ich würde trotzdem dafür plädieren, die intellektuelle Hochbegabung besonders in den Fokus zu nehmen, weil sie ist besonders umfassend. Sie wirkt sich in einer besonders umfassenden Art und Weise auf das Leben aus. Da kommen wir vielleicht gleich noch zu, was damit alles einhergeht.
25:40
Und sie geht auch mit besonderen Herausforderungen einher. Wenn ich musikalisch oder sportlich hochbegabt bin, dann wird mir nicht langweilig in der Schule, sondern dann kann ich das gut anderweitig lösen. Ich werde üblicherweise, gibt es ganz viele tolle Förderangebote und wenn ich sportlich hochbegabt bin, dann habe ich einen hohen Status in der Klasse. Also soll auch gefördert werden, natürlich und gewertschätzt werden. Aber bei der intellektuellen Hochbegabung, so wie unser Schulsystem und unsere Gesellschaft strukturiert ist zurzeit,
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geht es halt einfach mit besonderen Herausforderungen einher. Und deswegen müssen wir uns darum kümmern. Das leuchtet mir total ein, weil ich habe mal vor zwei, drei Jahren einen Vortrag beim DOSB gehalten über das Abhängigkeitssyndrom. Und da habe ich nur vor Internatsleiter und Leiterinnen gesprochen, die eben so Sporthochleistungsinternate leiten. Und das war ein Riesensystem, wie da eben Sportler zum Beispiel auch gefördert werden. Und ich wusste von einer hochbegabten Klasse bei uns im Umkreis, okay, ich werde mir
26:36
nicht so gut informiert gewesen damals, aber da ist ja eine ganz andere Förderung und auch nochmal, wie du gerade betont hast, ein anderes Stigma mit dabei, weil eben auch Hochbegabte mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen haben. Genau. Werbung
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Du hast es gerade schon erwähnt. Wie wirkt sich denn intellektuelle Hochbegabung auf das Leben auf? Also was für Fähigkeiten zeichnen hochbegabte Personen aus und wie laufen die so durchs Leben? Also in der Forschung ist es ja so, dass Hochbegabte zusammengefasst werden unter IQ von 130, so Punkt, dann gelten die alle gleich.
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Meine Erfahrung ist, dass Hochbegabte natürlich auch Profile haben und dass sie sich extrem unterscheiden können. Und mein Ansatz ist, findet man auch auf der Seite, kann man sich alles kostenfrei runterladen. Ich habe ein Profil erstellt, wo ich sozusagen aus der Literatur und meinen praktischen Erfahrungen raus alle Merkmale zusammengestellt habe, die mir in der Beratung vorkommen.
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Und dann kann man immer einschätzen, inwieweit ist das Merkmal bei mir herausgeprägt und inwieweit ist es eine Ressource und inwieweit eine Herausforderung. Und ein Merkmal kann beides sein, eine Riesenressource und eine Riesenherausforderung.
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Und ich unterscheide einmal in die intellektuellen Merkmale, das ist das, was man auch meistens mit Hochbegabung verknüpft. Das ist zum Beispiel ein schnelles und komplexes Denken, hohe logisch-analytische Fähigkeiten, intensive Konzentrationsfähigkeit, eine hohe Gedächtnisleistung und hohe sprachliche Fähigkeiten etc. pp.
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Und jetzt kann man sich schon vorstellen, wenn ich das kann und im normalen Unterricht bin, dann kann es sein, dass ich total unterfordert bin. Und es gibt einen Unterschied zwischen Langeweile und Unterforderung. Also Langeweile ist doof, Unterforderung ist wirklich physiologischer Stress. Also die Leute geraten unter Stress, die kriegen Kopfschmerzen, die Muskeln spannen sich an und so weiter.
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Damit geht noch mehr einher. Also viele Hochbegabte akzeptieren Unlogisches nicht. Also wenn man einem hochbegabten Kind sagt, das macht man so, dann sage ich immer, können Sie versuchen, aber kann ich Ihnen nur sagen, viel Glück. Also die gucken den Feld sofort aus, wenn es logische Brüche gibt. Das können die schlecht akzeptieren. Dadurch denken die häufig unkonventionell Ecken damit an.
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Eine Sache, die ich ganz wichtig finde und woran ich viele Hochbegabte erkenne, ist der Denkstil. In der Literatur wird das häufig als visuell-räumlicher Denkstil bezeichnet. Und zwar kann man sich vorstellen, also man kann sich jetzt einen auditiven, linearen Denkstil dagegen vorstellen. Das bedeutet dann, ich denke eins nach dem anderen, eins, zwei, drei, vier.
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Und wenn ich jetzt einen Fehler bemerke, sagen wir mal zwischen zwei und drei mache ich einen Fehler, dann würde ich in der Linie woanders landen, denke da weiter, merke ich den Fehler irgendwann nicht mehr so wieder.
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Bei so einem visuell räumlichen oder ich sage es assoziativer Denkstil ist es anders. Und zwar bei Hochbegabten ist es so, das Gehirn ist vernetzter, es funktioniert schneller und vernetzter. Wir haben mehr Assoziationen, da haben wir übrigens auch schon eine Schnittmenge mit ADHS. Und Hochbegabte denken netzwerkartig, das heißt, es geht ein Reiz rein und der explodiert im Kopf, sage ich jetzt mal, oder der hat ganz viele Verknüpfungen.
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Und Hochbegabte, wenn das System einmal an ist, dann ist es umfassend aktiviert und Hochbegabte brauchen so lange Informationen, bis sie alles in diesem großen Netzwerk, alle Verbindungen und Dynamiken stimmen, dann haben die das Thema in der Tiefe verstanden und können extrem gut darin navigieren.
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Und dieser Denkstil bedeutet aber auch, also zum einen, dass ich mit manchen Reizen überfordert bin. Also zum Beispiel kriegt ein Kind, schreibt eine Deutscharbeit und wird gefragt, was bedeutet die Farbe Rot? Ja, und dann heißt Rot, was ist das eigentlich? Wie funktioniert Wahrnehmung? Ist das in allen Kulturen gleich? Und, und, und, und, und. Und dann kann es sich zum Teil gar nicht mehr, also das geht ganz komplex.
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Da muss es das komplett verstehen und dann muss es das wieder runterbrechen, strukturieren und verständlich nach außen bringen und dabei auch ganz viel priorisieren. Damit sind manche überfordert. Das heißt aber auch, wenn ich so assoziativ oder man kann sich das auch mosaikhaft vorstellen, wie man dann denkt. Bei einem Mosaik ist es auch so, wenn ein Steinchen fehlt, dann macht mich das wahnsinnig. Und das kann zu so einem intellektuellen Perfektionismus, der auch quälend sein kann, führen. Und auch hier, alles hat seine Vor- und Nachteile.
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Und meine Hypothese ist, dass bei Hochbegabten, dass das nicht einfach nur die intellektuelle Fähigkeit ist, sondern auch wenn wir uns Studien angucken, ob das jetzt über die Funktionsweise des Gehirns ist, aber auch, kann ich gleich noch ein paar weitere zu nennen, dann ist meine Hypothese, dass Hochbegabung sich nicht nur auf den Intellekt bezieht, sondern dass es ein neurophysiologisches Set ist.
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Das Gehirn ist nicht nur vernetzter und schneller, was wir in verschiedenen physiologischen Parametern auch sehen können. Wir haben auch eine Korrelation mit bestimmten Erkrankungen wie Autismus-Spektrum, ADHS, Allergien, Autoimmunerkrankungen. Also ich könnte jetzt einige aufzählen. Das sind alles Erkrankungen,
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die mit einem zu schnell oder zu intensiv reagierenden Nervensystem in Verbindung stehen. Und das heißt, was ich immer wieder beobachte, über diese intellektuellen Merkmale hinaus, haben Hochbegabte auch häufig Schwierigkeiten, zum Beispiel mit Hochsensibilität, dass sie Reize sehr intensiv wahrnehmen. Wir haben ja auch die Korrelation zum Autismus, wo wir wissen, dass es eine Reizfilterschwäche gibt zum Beispiel. Das beobachte ich bei sehr, sehr vielen Hochbegabten,
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In einer guten Dosierung sind die feinfühliger und das ist ein Vorteil, aber manche sind auch total überfordert. Wir haben dann damit einhergehend auch andere Dinge. Wir beobachten immer wieder, und auch da gibt es Studien zu, eine enorme Offenheit und eine Unabhängigkeit im Denken, weil ich mich auf die Logik fixiere und nicht auf das Konventionelle. Das heißt, es gibt häufig Probleme mit der Konformität.
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Mein Gehirn braucht ständig Input, das hast du von dir auch schon genannt. Man ist schnell gelangweilt und man braucht eine gewisse, ich sage mal, Betriebstemperatur, um sich wohlzufühlen. Also Entspannung für Hochbegabte ist häufig studieren oder sich mit Mathe oder einem hochwertigen Buch oder so beschäftigen. Das können manche anderen gar nicht verstehen, aber dabei entspannen die sich.
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Und haben auch häufig, nicht alle, aber ein hohes Energielevel. Das heißt, sie überfordern teilweise sich und die Umwelt. Also so zu gucken, die Balance zu finden zwischen ich brauche Input und ich komme wieder runter. Also man kann sich jetzt auch vorstellen, wenn dieses ganze System hochgefahren ist.
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Da hatte ich auch schon Hochbegabte, die haben dann immer bis tief in die Nacht reingearbeitet, viel zu wenig geschlafen, weil sie gesagt haben, ich kriege das System nicht mehr runtergefahren. Oder ich weiß, wenn ich dieses System, ich bin gerade so gut drin, wenn ich das jetzt runterfahre, ich werde das morgen nicht an der gleichen Stelle wieder starten können. Und daraus ergeben sich so ganz viele Schwierigkeiten, auf die Leute, die nicht hochbegabt sind, vielleicht gar nicht kommen, weil sie denken, ist doch total easy. Aber man muss da schon eine gewisse Selbstregulationsfähigkeit haben.
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Mit dieser Hochsensibilität geht auch manchmal eine intensive Emotionalität einher. Also ich habe immer wieder Familien, gerade von Jungs, da haben wir auch wieder diese Rollenstereotype, die kommen, weil die Kinder eine intensive Wut haben, die man kaum in den Griff bekommt. Ganz liebe Kinder.
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Aber es gibt Punkte, wenn die getroffen werden. Das geht häufig auch um das Gerechtigkeitsempfinden. Auch hier haben viel Hochbegabte, weil sie es halt alles so prinzipiell und strukturiert und auf der Meta-Ebene abtragen, wo Dinge schnell, ich sag mal, ja, es wird so eine Prinzipienreiterei. Also wo mir dann ein kleines Kind sagt, der hat mich geärgert, das ist eine Verletzung der Menschenrechte. Also logisch gesehen stimmt es, aber ich glaube, das meinte das Kind auf dem Spielplatz nicht.
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Aber dann kann man sich vorstellen, dass es für dieses Kind dann um viel geht und dass es dann sozusagen drüber ist. Und wir haben einmal diese Wut, die besonders auffällt, generell eine intensive Emotionalität, aber auch zum Beispiel teilweise eine enorme Empathie und ein enormes Mitfühlen. Und ich habe immer wieder auch hochbegabte Kinder,
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mit denen wir hier daran arbeiten, sich abgrenzen zu können, weil die das so fein spüren im Anderen. Also hier merkt man, es gibt viele Herausforderungen. Was sind denn noch mehr Herausforderungen? Das würde mich tatsächlich interessieren, weil genau an den Herausforderungen kommen wir ja dann, glaube ich, auch so ein bisschen zum nächsten Themenfeld, wo es dann vielleicht um die dysfunktionale Bearbeitung der Herausforderungen durch psychoaktive Substanzen geht. Also was gibt es denn noch für Herausforderungen? Dann gehe ich mal ein bisschen mehr auf die psychologischen Herausforderungen hin.
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Also ein Gefühl, was viele Hochbegabte haben, ist das Gefühl des Andersseins oder des Wrong-Planet-Syndroms. Und zwar, weil sie Reize oft anders verarbeiten und andere Interessen haben, merken sie immer, sie passen nicht so ganz.
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Und das kann zu einer tief empfundenen Einsamkeit führen. Was ich schon gesagt habe, ist das Ambivalenz-Dilemma, dass ich immer gucken muss, passe ich mich an und bin integriert oder zeige ich mich, wie ich bin und folge meinen Bedürfnissen. Vielleicht auch diesen besonders kritischen Denken, was andere dann als sehr anstrengend empfinden und so weiter. Ich hatte ja schon einiges genannt. Auch das ist eine große psychologische Herausforderung.
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Auch eine Herausforderung ist der Narzissmus. Wir haben es eben schon angedeutet. Bei Hochbegabten ist es so, also Narzissmus, es ist leider im Moment so, auch in der Literatur, es ist ja so ein Trend, dass Narzissen so dargestellt werden, also eigentlich wie Psychopathen, was ich sehr schwierig und kritisch finde. Ich verstehe Narzissmus eher so, wir müssen uns gespiegelt und gesehen fühlen. Also Narzis wollte sich spiegeln.
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Und es ist für uns essentiell notwendig, dass wir sehen, was wir im Anderen auslösen, dass er uns erkennt und zwar so, wie wir sind, mit dem, was wir können, mit dem, was wir nicht können als Mensch. Und was bei Hochbegabten häufig passiert, also entweder dadurch, dass sie sich verstecken oder auch dadurch, dass sie überhöht werden, ist, dass sie nicht wirklich gespiegelt werden und dass sie sich häufig nicht einschätzen können. Wo stehe ich denn eigentlich? Wer bin ich denn?
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Und das führt häufig zu einem ganz instabilen Selbstwert. Ich weiß gar nicht, was noch dazu kommt, ist, dass Hochbegabte häufig nicht an ihre Grenzen stoßen, zum Beispiel in der Schule. Also wenn ich jetzt zum Beispiel im Sportverein bin, dann weiß ich, ich kann schneller laufen als Paul und langsamer als Fritz, dann weiß ich, wo ich stehe.
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Hochbegabte wissen das häufig nicht. Denen werden immer Aufgaben gegeben, die zu leicht sind. Und die wissen nie, wo ihre Grenze ist. Und sie suchen sie, weil das für uns essentiell wichtig ist, als Mensch mich einordnen zu können. Und das heißt, viele schwimmen und können sich nicht einordnen. Und dann entsteht häufig so eine narzisstische Symptomatik, mit denen die umgehen müssen. Und die suchen und suchen Einordnungsmöglichkeiten und schwanken dann von »Ich bin super« zu »Ich bin ganz schlecht« zum Beispiel.
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Was Hochbegabte auch häufig ausbilden, ist das sogenannte Fixed Mindset. Das ist ein Konzept, Carol Dweck steht dafür, ist in Amerika sehr bekannt, in Deutschland merkwürdigerweise nicht. In Amerika gibt es auch unheimlich viele Kinder- und Jugendbücher zu diesem Thema und hier kennt man es kaum. Carol Dweck hat festgestellt, es gibt Unterschiede zwischen den Mindsets und ein Mindset oder das Fixed Mindset. Diese Menschen sind leistungsorientiert, das heißt, nur die Leistung oder nur das Ergebnis zählt.
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Und das Problematische ist jetzt, dass der Erfolg wird in diesem Mindset auf eine stabile Eigenschaft zurückgeführt. Also ich bin gut in Mathe, weil ich intelligent bin. Hört sich jetzt erstmal noch nicht so schlimm an. Die Falle schnappt zu im Umkehrschluss. Wenn ich keine gute Note in Mathe schreibe, dann heißt das, ich bin dumm. Wenn ich etwas nicht schaffe, heißt das, ich bin dumm.
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Diese Menschen haben häufig auch große Selbstwertprobleme, weil immer wenn sie eine Aufgabe angehen, wenn sie es nicht schaffen, ist ihr gesamter Selbstwert in Gefahr. Diese Menschen suchen sich, wenn man ihnen verschiedene schwere Aufgaben zur Auswahl gibt, tendenziell die leichten Aufgaben.
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Und das Gegenteil und das gesunde Mindset ist ein sogenanntes Growth Mindset. Und diese Menschen sind lernorientiert. Und wenn die eine Aufgabe nicht schaffen, dann sagen die, oh, das liegt nicht daran, dass ich dumm bin, sondern deren Erklärung, ob man was schafft oder nicht, geht zurück auf Strategien und Anstrengungen. Also wenn ich jetzt eine schlechte Note in Mathe schreibe, heißt das nicht, dass ich dumm bin, sondern das heißt, ich muss meine Strategien überprüfen. Brauche ich eine andere Lernmethode? Muss ich mich mehr anstrengen? Und so weiter, weiter.
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Und diese Menschen sehen ihren Selbstwert nicht bedroht. Die können sich in Situationen reinbegeben und sich fragen, was kann ich daraus lernen. Und wenn man denen Aufgaben gibt mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden, dann suchen die tendenziell schwerere Aufgaben raus, weil es nicht bedrohlich ist, sondern eine Chance ist.
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Und bei Hochbegabten ist es so, also um ein Growth Mindset rausbilden zu können, muss ich ja die Erfahrung machen, dass ich Dinge auf Anstrengungen und Strategien zurückbilden kann. Und wenn Hochbegabte immer unterfordert sind, dann können sie kein Growth Mindset ausbilden, weil sie können den Schluss nicht ziehen. Ich habe eine gute Mathearbeit geschrieben, weil ich mich angestrengt habe.
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Und darauf weise ich immer hin. Das ist auch ein ganz großer wichtiger Punkt, warum Hochbegabte in der Schule Aufgaben brauchen, die sie fordern und wo sie genau das lernen können, die Softskills lernen können, aber auch diese Denke lernen können.
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Und das heißt, ich habe immer wieder Hochbegabte mit einem Fixed Mindset, die sich dann nicht mehr an Aufgaben, also die sich nichts mehr zutrauen, die Aufgaben, sobald sie sie nicht sofort verstehen, sofort fallen lassen. Und dann kann man sich vorstellen, dass das große Auswirkungen aufs Leben hat. Dass man sozusagen ein sehr starres Schwarz-Weiß-Denken haben, wenn ich was schaffe, bin ich gut, wenn ich was nicht schaffe, bin ich schlecht.
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Und dass es dazwischen einfach keine Graustufe gibt im Sinne von, ja, ist jetzt vielleicht blöd, dass ich das jetzt geschafft habe, aber hey, XY ist vielleicht supergut in der Aufgabe, vielleicht kann er mir helfen. Genau, zum Beispiel. Und ich setze es auch nicht in Relation. Also ich habe ja in meinem Leben schon viele Aufgaben, mal besser, mal schlechter, aber ich habe wahrscheinlich schon viel Positives in der Tasche. Aber diese eine Aufgabe jetzt, die entscheidet alles. Also die würde alle Erfolge, die ich schon hatte, wegwischen. Genau.
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Ich bin dann dumm, auch wenn ich schon fünf Einsen in Mathe geschrieben habe oder sowas. Es wird dann absolut.
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Das stelle ich mir tatsächlich auch sehr schwierig vor, weil man stößt ja auch, und das ist vielleicht auch nochmal wichtig zu sagen, auch in der Hochbegabung einfach an Aufgaben, die man vielleicht nicht sofort lösen kann. Also auch da nochmal gegen das Stigma, dass Hochbegabung immer bedeutet, ich schaue was an, löse es easy peasy, sondern es gibt überall auch Grenzen. Ganz genau. Und es gibt ja auch Hochbegabte, die ein Profil haben, dass die hochbegabt sind, weil die in einzelnen Fähigkeiten ganz stark herausstechen. Es gibt Inselbegabungen, die in einzelnen Fähigkeiten ganz stark herausstechen.
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Und jetzt kann es sein, wenn es gut läuft und wenn das Umfeld gut damit umgeht, dass sie dann diese anderen Punkte, wo sie nicht so gut sind, da ein Growth Mindset ausbilden können. Oder es kann sein, dass sie ein Fixed Mindset ausgebildet haben und dann sich auch diesen Sachen, wo sie eigentlich lernen müssten, gar nicht zuwenden. Du hast die Inselbegabung schon angesprochen. Das ist ja auch was, was man vielleicht gemeinhin eher auch mit der Autismus-Spektrum-Störung in Verbindung bringt, aber auch zum Teil verhindert.
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Das auch schon ein bisschen plakativ ist, weil ja nicht jeder in der Autismus-Spektrum-Störung eine Inselbegabung hat. Was gibt es denn in der Hochbegabung für Inselbegabungen? Also in der Hochbegabung gibt es im Grunde genommen, wenn man jetzt Intelligenztests macht, die verschiedene Faktoren abfordern,
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dann gibt es da schon deutliche Profile. Es gibt Menschen, die vor allem im Bereich Mathe eine sehr hohe Ausprägung oder logisch-analytisches mathematisches Denken eine sehr hohe Ausprägung haben. Es gibt Menschen, die im verbalen Bereich eine besonders hohe Ausprägung haben. Wir haben natürlich auch Menschen mit enormen Gedächtnisleistungen.
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Das heißt, es gibt durchaus Profile, dass es jetzt so ist, dass eine Sache ganz extrem heraussticht. Das sind eher Ausnahmen und das kennen wir tatsächlich eher vom Autismus-Spektrum. Wir hatten ja jetzt schon verschiedene Punkte, zum Beispiel, dass es Aufgaben braucht, die die Person auch fordert, dass man eben Hochbegabte nicht unterfordert. Ich hatte es vorhin von der hochbegabten Klasse, die es gab in der Schule meines Bruders. Was braucht denn eine hochbegabte Person sonst noch, um sich zu
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Also ich glaube, Hochbegabte brauchen vor allem gute Rahmenbedingungen. Also Hochbegabung ist ein Thema, wo man wirklich immer wieder merkt, wie wichtig ist das System und wie groß ist der Einfluss des Systems.
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Und Hochbegabte brauchen häufig, ich sage immer auch in der Schule, Hochbegabte brauchen keine Hilfe beim Verstehen. Hochbegabte brauchen bei anderen Dingen Hilfe. Zum Beispiel, gerade wenn ich so assoziativ bin. Das ist ja immer die Frage, wenn mein Netzwerk dann so explodiert, wenn ich das wieder zusammenkriege, ist das super und dann ist das auch sehr kreativ. Wenn ich das nicht mehr schaffe, dann bin ich praktisch im ADHS-Bereich, auch von den Schwierigkeiten her, die ich habe. Also das heißt, manche Hochbegabte brauchen Unterstützung dabei, wie strukturiere ich mich.
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Hochbegabte brauchen Unterstützung dabei. Wie kriege ich das, was in mir passiert, was so komplex ist, wie kriege ich das verständlich nach außen gebracht? Wie priorisiere ich das? Wie mache ich mich überhaupt verständlich?
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Also Hochbegabte brauchen häufig Unterstützung dabei zu verstehen, was ihre Merkmale sind und wie sie funktionieren. Man überträgt es ja. Also die können dann zum Beispiel was direkt verstehen und denken, alle verstehen das in der ersten Klasse oder sowas. Die können sich gar nicht in die anderen reinversetzen. Die verstehen gar nicht, warum die sich nicht für Themen interessieren, was anstrengend ist für die anderen im Kontakt mit mir und so weiter.
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Und mir ist es immer ganz wichtig oder auch in den Beratungen bei mir, wir gehen diese ganzen Merkmale durch. Und es hat einen riesigen Effekt, weil…
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weil die Leute dann verstehen, wie sie sind und sie verstehen dann auch, wie sie wahrgenommen werden und wie andere anders sind. Und daraus entstehen ganz viele Lösungsmöglichkeiten. Die Lösungsmöglichkeit ist ja eigentlich, dass wir uns gegenseitig verstehen und in einer wertschätzenden, konstruktiven Art und Weise uns übereinander austauschen und dann gucken, wie kommen wir gut zusammen. Was brauchst du, was brauche ich, wie regeln wir das am besten untereinander?
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Weil wenn man selbst hochbegabt ist, ist einem ja gar nicht klar, was einen anders macht. Und diese Erkenntnis dann im Detail, wie denken sie, wie unterscheidet sich das von anderen, wie unterscheiden sich ihre Bedürfnisse von anderen, wie unterscheidet sich ihre Reizverarbeitung von anderen, das bringt oft ziemlich viel. Da kommen viele Ideen
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wie ich anders in Situationen reingehen kann, wie ich anders auf andere zugehen kann, wie ich denen erklären kann, wie sie auf mich zugehen könnten und, und, und. Sind das dann schon Themen, die auch zum Beispiel, weil im besten Fall die Hochbegabung in der Schule festgestellt worden ist, es gibt eine Hochbegabtenklasse,
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Ist es dann auch etwas, was in diesen hochbegabten Klassen wirklich auch adressiert wird oder ist es eigentlich nur stumpfschwerere Aufgaben? Also üblicherweise, ich habe das fast noch nie mitbekommen. Also das ist natürlich auch eine Sichtweise, dass man sagt, Hochbegabung geht weit über das Intellektuelle hinaus, die kaum verbreitet ist, die für viele ganz neu ist.
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Und was dann auch der Lehrer oder die Schule häufig gar nicht als ihre Aufgabe sieht oder erkannt hat, ist gesellschaftlich nicht so gedacht häufig.
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Was oft auch hilfreich ist, ist, dass Hochbegabte, die sich in Gruppen, also wenn wir bei den hochbegabten Klassen sind, ich finde, man muss da immer eine gute Balance finden zwischen Kontakt zu Gleichaltrigen und soziale Kompetenz auch aufbauen. Das haben wir auch beim Springen. Springen kann eine sehr gute Möglichkeit sein. Ich habe aber auch schon öfter erlebt, dass Leute zwei-, dreimal gesprungen sind. Das war am Anfang super, dann kommen die in die Pubertät und dann werden Gleichaltrige ja noch aus anderen Gründen attraktiv. So, wie regle ich das dann? Ja.
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Das heißt, wir brauchen eine gute Balance und Hochbegabte haben häufig, auch wenn sie in Hochbegabtenklassen sind oder in Verbänden, einen Vorteil, den sie dann manchmal haben, ist, dass sie sich nicht mehr so als Alien fühlen und dass sie da Momente haben, wo sie in ihrer Komplexität und Geschwindigkeit einfach aussprechen können, was sie denken und nicht immer in diesen Spannungszustand geraten. Aber wie gesagt, am besten wäre es, es wäre ausbalanciert und man würde…
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sie in allen Bereichen unterstützen und auch die soziale Integration im Blick haben. Und da muss man den Punkt ja auch sagen, dass die Schulen ja allgemein nur bedingt emotionale Entwicklung, soziale Entwicklung fördern. Wir haben ein Schulsystem, was wirklich sehr auf die Lehre fokussiert ist und für alles andere eher geringerer Platz ist. Ganz genau. Also da umzudenken oder das noch weiter auszubauen, das fände ich toll. Und ich kenne viele Lehrer, die daran auch ein großes Interesse haben,
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Wir haben ja gerade bei Hochbegabten, auch bei den Eltern und den Schulen, viele Konflikte. Und natürlich gibt es Lehrer, die das nicht interessiert oder die eine schwierige Persönlichkeit haben. Ich erlebe aber auch sehr viele Lehrer, die ein großes Interesse daran haben, dass es den Kindern gut geht. Und ich kann hier auch immer nur sagen, dass das Schulsystem viele Lehrer den Raum gar nicht gibt und auch die Ressourcen gar nicht bereitstellt. Also dass man da auch genau guckt. Und ich denke, da müsste sich auch auf der
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politischen Ebene einiges tun. Ich glaube, bei sowas wie starren Wiederschulsystemen ist da tatsächlich der Hauptpunkt anzusetzen. Ich meine, wir merken es ja auch aktuell, wir haben extrem Lehrermangel an allen Ecken und Enden. Da werden Kinder durchrutschen. Vor allem, wenn man besondere Bedürfnisse mit sich bringt, das ist einfach schwer. Absolut, ja. Werbung
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Sind wir natürlich in einem Podcast zu psychoaktiven Substanzen und da interessiert mich an diesem Punkt natürlich, gibt es eine Interaktion zwischen Hochbegabung und dem Konsum psychoaktiver Substanzen? Wir haben ja jetzt auch schon mitbekommen, dass es super viele Schwierigkeiten gibt, die mit Hochbegabung entstehen.
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mit sich kommen. Wie ist das? Ja, also ich habe extra auch nochmal geguckt. Wir haben in der Hochbegabung ein großes Problem in der Forschung. Das ist ein generelles Problem, aber es zeigt sich bei der Hochbegabung ganz besonders. Und zwar haben wir zwei Forschungsstränge, die zu komplett unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wir haben die sogenannte Harmoniehypothese, die zum Beispiel durch Rost vertreten ist, dessen Studien ergeben, dass Hochbegabte emotional stabil und gesünder sind.
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Und wir haben die Disharmonie-Hypothese. Auch hierfür gibt es eine Menge Studien, zum Beispiel von Kapinski, die sagen, Hochbegabte haben ein höheres psychisches Erkrankungsrisiko. Wir können jetzt darauf eingehen. Ich glaube, hier zeigen sich ganz, ganz viele Schwierigkeiten in der Forschung. Zum einen zeigt sich, dass Forschung nicht objektiv ist und gerade Hochbegabung ist ein emotional und politisch hochbesetztes Thema.
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Wir haben hier aber, glaube ich, auch noch ganz große andere Schwierigkeiten, die sich hier zeigen. Und zwar, das ist auch häufig nicht bekannt, es gab die sogenannte Replikationskrise der Psychologie. 2013 hat man versucht, 100 Studien, also international war die Studie aufgestellt, man hat 100 Studien versucht zu replizieren. Nicht irgendwelche Studien, sondern Studien, die in drei der renommiertesten psychologischen Journals veröffentlicht wurden.
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Und man hat nur weit unter der Hälfte wirklich wieder Signifikanzen gefunden und hat festgestellt, dass die psychologischen Studien eine große Schwierigkeit haben, wiederholt zu werden, dass die Aussagekraft deutlich geringer ist, als man das so angenommen hat. Der amerikanische Statistikverband, ASA, hat irgendwann psychologische Studien untersucht und hat danach Warnhinweise rausgegeben, weil die Statistik häufig nicht gut ist.
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Und wir haben mittlerweile ja auch viele andere Hinweise, zum Beispiel das tote Lachs-Dilemma am Nobelpreis bekommen, wo man jetzt sagen könnte, ja, aber die neurowissenschaftlichen Studien, die sind doch sehr aussagekräftig. Da hat man Lachs in bildgebendes Verfahren gesteckt, hat danach alles Mögliche errechnet, tolle Ergebnisse gehabt. Das einzige Problem war, der Lachs war tot.
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Also es sind alles so Sachen, die einen so ein bisschen zweifeln lassen. Und ich glaube, dass die psychologische Forschung ganz viele Schwierigkeiten hat. Es ist ganz schwer, Verhalten in Zahlen zu übersetzen. Der Mensch ist so komplex, wir können das nicht runterbrechen. Es ist schon die Frage, ist es kurz vor Weihnachten, wann ich die Studie mache oder mitten im Sommer.
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Wir müssen Dynamiken erfassen, auch gerade bei Hochbegabten. Es geht ganz viel um innere und äußere Dynamiken und wir fokussieren uns immer mehr auf einzelne Punkte. Also selbst in der Soziologie haben wir als Qualitätsmerkmal der Forschung, dass sich quantitative und qualitative Forschung mischt.
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Und in der Psychologie fokussieren wir uns sehr, sehr stark nur auf das rein Quantitative, obwohl wir das Individuum untersuchen. Also ich sage dann immer, was soll mir so ein Durchschnittswert sagen? Was soll ich meinem Klienten sagen? 75 Prozent bringen sich in ihrer Situation nicht um. Also das ist für mich nicht sehr hilfreich. Das sind alles Dinge, die vielleicht zu diesen verschiedenen Ergebnissen führen. Und die psychologische Forschung ist an einem Punkt, da
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dass sie so weit in Frage gestellt ist, dass das amerikanische Militär, also in den USA sind die Forschungsstrukturen etwas anders als hier, einen Studienauftrag gegeben hat, der jetzt läuft mit 500 Wissenschaftlern, also keine kleine Studie, sondern 500 Wissenschaftler und das Ziel der Studie ist rauszufinden, also einen Algorithmus zu finden, welcher psychologischen Studie man noch trauen kann und welcher nicht. Also das ist der Stand der psychologischen Forschung und
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Und das heißt, wir müssen uns wirklich hinterfragen hinsichtlich unserer Forschungsmethoden, der Aussagekraft. Und ich denke, wir müssen da ganz grundlegend uns darüber auseinandersetzen. Also das als Hintergrund, um zurückzukommen zur Sucht und auch vor diesem Hintergrund, dass man das kritisch hinterfragen muss.
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Ich bin in meinem Kopf, ich habe ja viel gelesen, alles nochmal durchgegangen und mir ist nichts eingefallen, was ich diesbezüglich gefunden hätte. Ich habe dann nochmal bei Rost geguckt, Vertreter der Harmonie-Hypothese im Index, habe nichts zu Sucht gefunden.
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Keine wirklich aussagenkräftigen Dinge. Ich habe dann nochmal bei Kapinski geguckt. Er hat in seinen Studien, wobei man jetzt zum Beispiel sagen muss, ein großes Problem ist immer die Stichprobe, wie generiert man die? Und seine Stichprobe generiert sich aus Menschen, die Hochbegabtenverbänden beigetreten sind. Das ist natürlich auch nicht mehr repräsentativ. Es sind vielleicht auch Menschen, die dann eher Probleme haben, Lösungen suchen und so weiter.
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Der findet vor allem Dinge mit A, die auftreten. Autismus, ADHS, affektive Störungen, Ängste, Autominierkrankungen, Allergien. Keine Ahnung, warum das alles ein A ist. Aber Sucht steht da auch nicht im Vordergrund. Das heißt, ich kann vor allem aus meiner praktischen Erfahrung berichten.
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Auch hier ist es so, dass Hochbegabte höchst individuell sind und man das Profil angucken muss. Meine Erfahrung ist, es gibt ganz unterschiedliche Motive. Es gibt zum einen Hochbegabte, gerade wenn sie eine Hochsensibilität haben, die absolut die Finger von Drogen lassen, weil sie das so intensiv empfinden, weil es ein ganz großes Motiv ist, Kontrolle über das eigene Empfinden zu behalten.
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Dann gibt es natürlich, was wir schon hatten, die Offenheit und die Neugier. Das heißt, ich kenne auch etliche Hochbegabte, die viele Sachen ausprobieren. Also ganz aktuell ist zum Beispiel gerade Ketamin, wo ich jetzt schon etliche Hochbegabte hatte, die gesagt haben, probiere ich mal oder habe ich mal probiert. Aber das sind dann auch Leute, die zum Beispiel unterschiedliche Drogen durchprobieren, einfach aus Neugier und Inputbedarf.
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Dann haben wir natürlich die Hochbegabten, die eine Komorbidität, also Hochbegabung ist ja zum Glück keine Störung, aber die sozusagen hier andere durch die Hochbegabung oder mit der Hochbegabung einhergehend andere Schwierigkeiten haben. Und die nehmen dann meiner Erfahrung nach für diese Störungsbilder die üblichen Drogen, im Grunde genommen als eine Form von Selbstmedikation. Also ob ich jetzt Dämpfer nehme oder Aufputscher, je nachdem, was ich habe.
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Was wir auch noch haben bei Hochbegabung, weil es so wenig bekannt ist, was damit alles einhergehen kann, haben Hochbegabte eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit von Fehldiagnosen.
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Das heißt, auch die therapeutische Behandlung ist häufig nicht hilfreich. Und das ist auch eine Sache. Ich bin auch in verschiedenen Mailinglisten, auch eine ADHS, auch eine Asperger-Mailingliste und so weiter von Hochbegabten. Und da werden immer wieder Erfahrungen ausgetauscht, welche Medikamente Drogen helfen, welche nicht. Weil die Ärzte und Therapeuten da häufig nicht das Richtige anbieten, sodass es da eine große Suche nach Selbsthilfe gibt.
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Aber das wäre jetzt sozusagen, ich kann das nicht sagen, das ist das oder das ist das, sondern hier kann ich auch nur sagen, sehr individuell. Ja und es ist ja auch sehr typisch, alles was um psychoaktiven Substanzkonsum geht, dass es da Daten fehlen. Das ist ja, die Suchtforschung ist ja eigentlich ein riesengroßes Datenlecks, sowohl in der Quantie als auch in der Quali.
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Und das ist dann sozusagen mit etwas wie Hochbegabung, was ja auch so als Thema so ein bisschen unter den Tisch rutscht, punktuell, da auch wenig zu gibt für Interaktion, ist durchaus nachvollziehbar und so cooler, dass du irgendwie auch von deinen Erfahrungen erzählen konntest, dass das eben auch sehr komplex ist, wie es ja eigentlich auch bei vielen anderen ist. Was ich noch ganz interessant finde, du meintest ja gerade, dass sozusagen falsche Sachen verschrieben werden, dass…
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Das liegt dann zum Beispiel daran, es wird gedacht, dass ADHS davor liegt, aber keine Hochbegabung. Das heißt, es gibt Ritalin und plötzlich ist jemand, der überhaupt kein ADHS hat, auch noch auf Ritalin. Ganz genau. Also hatte ich jetzt gerade eine 14-Jährige, die das verschrieben bekommen hat mit 12. Die hat enorm abgenommen mit Ritalin, hat sich überhaupt nicht wohl gefühlt. Und das war im Grunde genommen eine Riesenleistung von ihr, auch entgegen der Ärzte, entgegen der Eltern, dass sie irgendwann gesagt hat, mir geht es so schlecht, ich setze das einfach ab.
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Und dann hat man gesehen, es ging ihr danach wirklich viel besser. Und das passiert immer wieder.
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Ja, also dass es Fehldiagnosen gibt oder dass es halt auch so ist, dass jetzt zum Beispiel eine Diagnose gestellt wird, wie zum Beispiel eine Depression und die Person auch eine Depression entwickelt hat. Aber dass diese Depression nur weggeht, wenn man das Thema Hochbegabung mit in den Fokus nimmt. Und das passiert häufig nicht. Und dann werden die Leute behandelt wie eine klassische Depression und dadurch wird es halt nicht besser. Und dann kommen die nicht weiter, haben auch das Gefühl, das Therapeutische ist ausgeschöpft.
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Und greifen dann als, ich sag mal, letzte Möglichkeit, weil alles andere nicht hilft, zu Drogen. Absolut nachvollziehbar. Weil dann kommt ja auch, da baut sich ja dann sozusagen auch ein Misstrauen gegenüber das Hilfesystem auf, wenn man sagt, naja, ich habe Therapie eigentlich durchgespielt. Es geht mir immer noch so schlecht wie vorher. Und eigentlich, ja, ich kenne das tatsächlich auch nicht so aus dem Therapeutischen, dass sozusagen auch Hochbegabung und IQ da so in der Präsenz auch ist. Musik
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Absolut spannend, was du heute erzählt hast, Frauke. Ich bin an dem Punkt tatsächlich fertig mit meinen Fragen. Fehlt dir noch irgendwas? Ich glaube nicht. Also wenn noch irgendwas auftritt, gerne. Und man kann ja auch auf dem Können macht Spaß Portal. Das ist eine Seite, die ist kostenfrei. Da findet man alles, was ich gesagt habe und noch viel, viel mehr. Viele Tipps, viele Materialien, auch für Schulen. Alles zum kostenfreien Download.
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Und wenn man da Fragen hat, kann man einfach noch gucken. Großartig. Ich packe alles in die Shownotes. Deine Seite, dein Kontakt. Und ja, vielen lieben Dank, dass du heute da warst. Ja, vielen Dank an dich und auch, dass du hier so viel hilfreiches Wissen verbreitest. Wunderbar. Sehr gerne. Das war Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stephanie Bötsch.

