Leistungsfähigkeit und Sucht – Ist meine Sucht wirklich ein Problem? (Fallbesprechung)

Phil ist 20 Jahre alt und konsumiert seit drei Jahren täglich Tilidin. Obwohl seine Dosis zeitweise bei 1.000 Milligramm lag, hat er sie ohne Unterstützung auf 200 bis 400 Milligramm reduziert. Er hat sein Abitur abgeschlossen, arbeitet, spielt Fußball und erlebt das Opioid nicht als Rauschmittel, sondern als angenehmen Begleiter, der seinen Alltag erleichtert und seine Leistungsfähigkeit steigert. Erst sein Wunsch, zur Bundeswehr zu gehen, bringt ihn ins Nachdenken: Ist eine Abhängigkeit überhaupt problematisch, solange das eigene Leben zu funktionieren scheint?
In dieser Fallbesprechung geht es um die Wirkung von Tilidin, mögliche Konsummotive jenseits von Rausch und Realitätsflucht sowie die Unterscheidung zwischen körperlicher Abhängigkeit und einem diagnostischen Abhängigkeitssyndrom. Betrachtet werden außerdem die besonderen Sicherheitsanforderungen bei der Bundeswehr und die Grenzen des Konzepts einer „funktionalen Abhängigkeit“. Berufliche Leistung allein sagt wenig darüber aus, wie frei und stabil ein Leben tatsächlich ist: Wer nur mit einer täglich verfügbaren Substanz funktioniert, muss auch körperliche Abhängigkeit, Entzugsrisiken, eingeschränkte Selbstwirksamkeit und die Frage nach bisher verdeckten psychischen Belastungen berücksichtigen.
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