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Scopolamin – die Wahrheitsdroge der Geheimdienste?

Scopolamin gilt in reißerischen Berichten als „Wahrheitsdroge“, mit der Geheimdienste Geständnisse erzwingen und Kriminelle ihren Opfern angeblich willenlos machen können. Besonders bekannt ist die Erzählung vom „Devil’s Breath“: Ein Pulver werde Menschen ins Gesicht geblasen, woraufhin sie augenblicklich die Kontrolle verlieren und sich später an nichts erinnern. In dieser Folge geht es darum, was an diesen Geschichten tatsächlich stimmt und warum die reale Wirkung von Scopolamin zwar Risiken birgt, aber deutlich weniger kontrollierbar ist, als solche Mythen vermuten lassen.

Die Folge erklärt, wie Scopolamin muskarinische Acetylcholin-Rezeptoren blockiert und dadurch Verwirrung, realitätsnahe Halluzinationen, Erinnerungslücken und schwere körperliche Komplikationen auslösen kann. Es geht um die medizinische Anwendung bei Reisekrankheit und Übelkeit, den Gebrauch scopolaminhaltiger Pflanzen in unterschiedlichen Kulturen sowie dokumentierte Fälle von Raub und sexualisierter Gewalt. Eingeordnet werden außerdem historische Versuche des US-Militärs, der CIA und des NS-Regimes. Als Wahrheitsserum ist Scopolamin jedoch ungeeignet: Halluzinationen, Suggestibilität und falsche Erinnerungen führen nicht zu verlässlichen Aussagen, sondern zu einem unkontrollierbaren Zustand.

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Scopolamin – die Wahrheitsdroge der Geheimdienste?

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PODCAST-METADATEN
Folge: 114
Erscheinungsdatum: 05.06.2025
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Scopolamin – die Wahrheitsdroge der Geheimdienste?
Sprecher: Stefanie Bötsch

Typ: Transkript

Transkript Beginn

00:01
Kann man das eigentlich so grob damit zusammenfassen? Der Trip war die Hölle, lasst mal lieber. Und ich finde es ehrlich gesagt manchmal etwas wild, was einfach so geglaubt wird, frei nach dem Motto, es handelt sich um eine Droge. Da ist alles möglich.

00:38
Psychoaktiv

00:43
Schön, dass du wieder eingeschaltet hast. Das ist der Podcast, in dem wir akzeptanzbasiert, ohne Vorurteile, wissenschaftlich und kritisch uns Themen rund um Drogenkonsum und Sucht anschauen. Und das jeden zweiten Donnerstag. Ich freue mich, dass du eingeschaltet hast und an die Person, die sich in den Kommentaren super darüber aufgeregt hat, dass ich immer eingeschalten anstatt eingeschaltet sage.

01:08
Hey, ich bin lernfähig. Aber ganz ehrlich Leute, fangt lieber nicht an, euch zu sehr darüber aufzuregen, dass ich Dinge falsch sage, denn ich habe richtig, richtig viele weirde Fehler in meiner Sprache. Und fragt mich ehrlich gesagt nicht, woher das kommt, denn ich bin sehr deutsch-kartoffelig, lesen ist seit jeher einer meiner größten Hobbys, Deutsch war immer mein Lieblingsfach, mich frustriert das selbst…

01:32
Aber es ist halt so. Viel schlimmer ist es eigentlich, dass ich fast jedes Sprichwort irgendwie falsch sage. Ich dachte auch die längste Zeit meines Lebens, dass Bärendienst etwas sehr Positives ist. Also so ein Dienst so groß wie ein Bär, das kann doch nur gut sein.

01:51
Tja, ich will gar nicht wissen, wie viele Menschen ich damit aus Versehen beleidigt habe. Also weist mich gerne darauf hin, wenn ich irgendwie dauerhaft irgendwas komisch oder falsch sage. Ich versuche wirklich an meiner Sprache zu feilen. Ich selbst merke es anscheinend nicht, aber spart euch ruhig die Empörung und verschwendet nicht so viele Ausrufezeichen. Bringt ja nix.

02:13
Aber genug davon, kommen wir mal zum viel, viel spannenderen Teil dieser Folge. Denn heute besprechen wir eine psychoaktive Substanz, um die sich wirklich auch sehr krasse und abgefahrene Geschichten wabern. Heute geht es um eine Droge, der nachgesagt wird, dass sie vom Geheimdiensten und den Nazis als sogenannte Wahrheitstroge dazu genutzt wurde, um Geständnisse aus Menschen herauszubekommen.

02:40
Es geht um eine Droge, die mit Überfällen vor allem in Lateinamerika und insbesondere in Kolumbien in Verbindung steht, angeblich, weil man schon durch das ins Gesicht blasen des Pulvers oder dem Kontakt einer kontaminierten Visitenkarte seinen Willen verliert und somit ein super leichtes Opfer darstellt. Aber auch eine Droge, die in der Medizin etabliert ist und eventuell viele von euch, die

03:04
diese auch schon in einer abgewandelten Form genutzt haben. Wir sprechen heute über Skopolamin und ich freue mich riesig, dass diese Substanz von einem meiner Psychoaktiv-Mitglieder sich gewünscht wurde und damit auch die Abstimmung gewonnen hat. Denn ich hatte ehrlich gesagt Skopolamin noch nicht auf meinem Zettel, aber die Substanzkundefolgen werden immer von den Mitgliedern bestimmt und deswegen kommen wir alle jetzt in den Genuss dieser super spannenden Folge.

03:31
Seit der letzten Folge darf ich auch ein neues Mitglied begrüßen, das dazugekommen ist, und zwar Conny, die auch gleich das große Paket gebucht hat. Vielen, vielen Dank dafür. Liebe geht raus. Und wir robben uns langsam an das Finanzierungsziel von 1.000 Euro ran, sind aktuell bei 888 Euro. Falls du also auch psychoaktiv nicht nur unterstützen möchtest, sondern gleichzeitig auch mitgestalten möchtest,

03:58
findest du den Link zur Mitgliedschaft wie immer in der Folgenbeschreibung. Und jetzt lasst uns in die Folge rein starten mit der Frage, was ist Skopolamin überhaupt? Musik

04:14
Scopolamin ist ein Wirkstoff, der in bestimmten Pflanzen der Nachtschattengewächse vorkommt. Zum Beispiel in der Engelstrompete, im Stechapfel oder auch im Tollkraut. Scopolamin gehört zur Gruppe der sogenannten Tropanalkaloide. Ein Alkaloid ist, wie wir auch schon in ein paar Folgen in Psychoaktiv besprochen haben, ein Alkaloid,

04:36
Eine natürliche, meist pflanzliche Verbindung. Andere bekannte Beispiele für Alkaloide wären zum Beispiel Koffein oder Nikotin.

04:44
Tropanalkaloide kommen aber vor allem in Nachtschattengewächsen vor. Und neben Skopolamin gehören zu dieser Gruppe zum Beispiel auch noch Atropin oder Hyoscyamin. Soviel mal zur Einordnung. In unserem Körper blockiert Skopolamin eine bestimmte Art von Rezeptoren. Die sogenannten muskarinischen Acetylcholin-Rezeptoren.

05:06
Und diese Rezeptoren sind Andockstellen für den Botenstoff Acetylcholin, der super viele wichtige Funktionen in unserem Körper steuert, zum Beispiel die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, die Muskelfunktionen, aber auch automatische Körperprozesse wie zum Beispiel der Herzschlag oder die Verdauung. Muskarinische Rezeptoren heißen übrigens so, weil sie ursprünglich nach dem Wirkstoff Muskarin aus dem Fliegenpilz benannt wurde.

05:32
Wir haben Fliegenpilze übrigens auch schon im Psychoaktiv besprochen, das ist die Folge 59. Und der Wirkstoff Muscarin wirkt eben sehr stark an diesem Rezeptor, so stark, dass er auch den Namen bekommen hat. Aber Skopolamin beeinflusst nicht nur das Gehirn, sondern auch das gesamte autonome Nervensystem, also jene Prozesse im Körper, die unbewusst ablaufen. Verdammt!

05:55
Verdauung, Atmung, Kreislauf oder Schweißregulation. Denn die muskarinischen Acetylcholin-Rezeptoren befinden sich nicht nur im Gehirn, sondern auch in vielen Organen. Normalerweise bindet dort der Botenstoff Acetylcholin und sorgt etwa dafür, dass wir Speichel produzieren, unsere Pupillen auf Licht reagieren oder unser Herz im Ruhezustand langsamer schlägt.

06:17
Doch wenn Skopolamin diese Rezeptoren blockiert, entsteht eine ganze Reihe an körperlichen Symptomen. Zum Beispiel weiten sich die Pupillen, der Mund wird trocken, die Haut hört auf zu schwitzen, der Puls beschleunigt sich

06:29
Und auch die Verdauung verlangsamt sich. Und das kann bis zur Verstopfung oder zum Harnverhalt, also dass man nicht mehr urinieren kann, führen. Und bei höheren Dosierungen oder bei sensiblen Personen kommt es zur starken Verwirrung, zu realitätsnahen Halluzinationen, Erinnerungslücken, Orientierungslosigkeit und auch allgemein eine starke Beeinträchtigung des Bewusstseins. In diesem Zustand kann es dazu kommen, dass Konsumierende oft weder sich selbst noch andere wirklich entlasten

06:58
Und sie erleben echt auch Trugbilder, Halluzinationen, die so real sich anfühlen oder ihnen vorkommt, dass sie es eben nicht unterscheiden können, dass es eine Halluzination ist. Und ein ganz wichtiger Punkt, wie ich gerade schon erwähnt habe, ist eben, dass man sich kaum an die Ereignisse erinnern kann, die passiert sind. Und das wird auch noch in mehreren Kontexten in dieser Folge eine Rolle spielen. Der Trip beginnt.

07:24
ist für sehr viele sehr beängstigend. Und wenn man auch so durch die Foren klickt, ich lese ja immer für die Recherche, für die Folgen auch immer sehr, sehr viele Forenbeiträge, kann man das eigentlich so grob damit zusammenfassen, der Trip war die Hölle, lasst mal lieber. Also es gibt wenige, wenige positive Trip-Berichte in Verbindung mit Skopolamin. Und in schweren Fällen kann der Konsum von Skopolamin eben auch

07:51
einige Risiken mit sich bringen, wie zum Beispiel Krampfanfälle, Kreislaufversagen, Atemdepression, extreme Unruhe oder auch Koma. Ich habe euch aus dem Forum der Land der Träume mal einen Ausschnitt eines Tripberichts zu Stechapfel mitgebracht. Hierzu nur ein kleiner Disclaimer. Skopolamin ist beim Stechapfel nicht das einzige relevante Alkaloid, sondern auch

08:16
Hyoscyamin, das ist eine natürliche Form von Atropin. Und die Person hat vorher auch im Trip-Bericht geschrieben, dass er wirklich eine sehr, sehr hohe Dosis genommen hat. Hören wir also mal rein.

08:28
Ich hielt ständig sehr verzweifelte, nervöse Selbstgespräche, da ich Angst hatte zu sterben. Da war beispielsweise die Atemnot, weil ich nicht fühlen konnte, wie ich atmete und ob ich noch atmete, ich könnte es ja vergessen. Dazu dachte ich, im Stehen nach unten ein- oder wegzusacken, wie im Treibsand, oder als ob ich fallen würde, weil meine Beine weich wie Pudding waren. Ich lief herum, im Kreis, nach vorne, nach hinten, durch das ganze Haus, denn solange ich nicht stehen blieb, konnte ich mich am Leben halten.

08:55
Irgendwann ging ich die Treppe wieder hoch, nachdem ich im Wohnzimmer meinen Zustand mittels Laufen nicht verbessern konnte. Was ich dazwischen gemacht habe, weiß ich nicht mehr. Ich müsste eigentlich viel erlebt haben, konnte mich aber kurz nach der Experience schon nur noch an wenige Sachen erinnern. Mir kam es merkwürdigerweise vor, als ob die Zeit schneller verging als normal, was wohl sehr ungewöhnlich ist. Ich hatte Angst, es könnte schlimmer werden. Deshalb ging ich zum Kacken oder Kotzen aufs Klo. Der Trip sollte aufhören. Hauptsache, er würde nicht schlimmer.

09:22
Zwei sich steigernde Ängste. Hoffentlich überlebe ich diesen Zustand und hoffentlich wird es nicht noch schlimmer. Größere Todesangst hatte ich nie. Heute hätte ich mich an dieser Stelle spätestens ins Krankenhaus einliefern lassen. Ich musste handeln.

09:34
Also, zum Klo. Einerseits würde wie auch beim Essen Zeit vergehen, ich wurde abgelenkt soweit es geht und ich konnte mir einbilden, meine Maßnahmen würden helfen. Beim Hochgehen der Treppe sah ich oben an der weißen Tapete bunte Farbflecken flackern, allerdings nur sehr kleine, wie digitale Sterne, ähnlich des Flimmern eines Fernsehers bei einer Störung. Die Treppe hochzugehen war nicht angenehm, weil mein Kreislauf immer noch im Keller lag.

09:58
Tiefer denn je. Ich saß auf dem Klo, meine Beine zitterten, ich blickte unten auf die Fliesen. Sie kamen mir vor, als wären sie von einer ganz zarten, klaren, gleichmäßigen Wasserschicht bedeckt, auf der sich Fusseln bewegten, Schwammen. Abgefahren. Geiler Flash.

10:12
Naja, dann könnten die Nebenwirkungen jetzt auch mal stoppen, aber den Befehl über das Alles hatte ich hier als letztes. Dieser Zustand war zu diesem Zeitpunkt aus meiner Sicht alles andere als das erwünschte spirituelle Ritual, immerhin diese eine unaufdringliche Pseudo-Visual. Des Weiteren widmete ich mich erstmal wieder voll dem Überleben dieses Tages.

10:31
Ich finde, das Fallbeispiel zeigt sehr deutlich, wie überfordernd ein Trip mit Stechapfel sein kann und vor allem mit sehr hohen Dosen. Und ich fand es auch ganz interessant, wie die Person versucht hat, den Trip immer irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Das ist allerdings super schwer möglich und wie er selbst sagt, medizinische Unterstützung wäre eigentlich ratsam gewesen an dem Punkt, wo er immer mehr die Kontrolle und das Wohlbefinden in diesem Trip verliert.

10:59
Und gerade bei so einer extrem hohen Dosis, wie er eben konsumiert hat, kommen eben auch die körperlichen Risiken dazu, die eben über einen reinen Bad Trip auch einfach hinausgehen. So, wenn man das jetzt alles so hört, dann ist es vielleicht im ersten Moment erstmal verwunderlich, dass Skopolamin auch sehr in die medizinische Geschichte verwoben ist. Wenn man so auch von der Wirkung hört und man sich fragt, okay, was soll das bitte bringen?

11:25
Und ich war ehrlich gesagt auch etwas überrascht, als ich feststellen musste, dass ich auf jeden Fall schon meine Skopolamin-Erfahrung gesammelt habe. Und das schon sehr früh, irgendwann im Teenageralter, aber tatsächlich in einer abgewandelten Form. Und das möchte ich euch jetzt erzählen. Lasst uns reinschauen, was Skopolamin mit der Medizin am Hut hat. Musik

11:49
Die Geschichte in der westlichen Medizin von Skopolamin reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Zu Beginn stand vor allem so die beruhigende, muskelentspannende und bewusstseinsdämpfende Wirkung im Fokus. Um 1900 wurde Skopolamin in Kombination mit Morphin zur sogenannten Dämmerungsnarkose bei Geburten eingesetzt. Das nannte man auch Twilight Sleep.

12:16
Und sollte halt für eine schmerzfreie, bewusstlose Entbindung sorgen. Also man sollte einfach nichts mitbekommen von der Entbindung.

12:25
Entwickelt wurde diese Methode übrigens um 1900 in Freiburg. Und naja, es funktionierte, wenn man das so sagen möchte, denn Frauen erinnerten sich oft an nichts mehr, also gar nichts mehr an der Geburt, reagierten aber während der Geburt mit Panik und mit Abwehrverhalten. Und das war natürlich nicht ganz Sinn der Sache. Deswegen wurde in Europa in den 1920ern gegründet,

12:51
dann schon auf diese Methode wieder verzichtet. In den USA hielt sich Skopolamin bei der Geburt tatsächlich relativ lange und zwar bis in die 1940er.

13:02
Auch in der Anästhesie war Skopolamin lange verbreitet. Und zwar in Kombination mit dem Schmerzmittel Petidin. Und es wurde halt dazu verabreicht, um die Menschen vor der Operation zu beruhigen, den Speichel und die Magensaftsproduktion zu reduzieren. Und auch, und das ist immer wieder der wiederkehrende Punkt, die Erinnerung an die Narkose auszulöschen. Und die Kombination aus Skopolamin und Opiat

13:27
war Standard in der chirurgischen Praxis bis weit in die 1970er Jahre. Aber wie wir jetzt auch schon immer wieder raushören, Skopelamin hatte natürlich auch viele unerwünschte Wirkungen und dementsprechend wurde es zunehmend mit sichereren Medikamenten ersetzt.

13:46
Kommen wir aber mal zu einer bis heute anerkannten medizinischen Anwendung, und zwar die Behandlung von Reisekrankheit und Übelkeit, und das besonders so im Kontext von Schiffs- und Flugreisen. Dafür gibt es Skopolamin als transdermales Pflaster, und das gibt halt eben die Substanz über dieses Pflaster über mehrere Tage gleichmäßig über die Haut ab. Und die Wirkung beruht darauf, dass Skopolamin das Gleichgewichtszentrum im Gehirn beruhigt

14:13
Und so eben auch die Übelkeit und das Erbrechen unterdrückt. So, und kommen wir jetzt auch mal zu meiner Skopolamin-Erfahrung. Und zwar nehme ich manchmal, eher sehr, sehr selten, Buscopan bei Periodenschmerzen ein. Und der Wirkstoff im Buscopan heißt Butylskopolamin. Das ist eine chemisch veränderte Form von Skopolamin, das eben ganz gezielt nicht ins Gehirn

14:41
Gehirn gelangen kann. Das funktioniert dadurch, dass eine Aminogruppe der Substanz zugegeben wird. Das sorgt dafür, dass die Substanz elektrisch geladen ist und dadurch kann sie die Blut-Hirn-Schranke nicht überschreiten und sorgt deswegen nicht für diese ganze Trip-Wirkung, die wir heute schon besprochen haben. Aber hat natürlich die positive, die erwünschte Wirkung und zwar, dass Kalorien

15:10
krampfartige Bauchschmerzen, Koliken oder Menstruationsbeschwerden abgeschwächt werden, weil es eben die glatte Muskulatur des Darms beruhigt. Warum es wichtig ist, darüber zu sprechen, ist, dass auch wenn Buscopan durch diese elektrische Aufladung

15:29
Keinen Rausch verursachen sollte, kursieren in Onlineforen immer wieder Erfahrungsberichte von Menschen, die versuchen mit Buscopan in extremst hohen Dosen eben genau so einen halluzinogenen Zustand zu erreichen. Scopolamin hat aber auch noch ein anderes Forschungsgebiet innerhalb der Medizin und zwar im Rahmen der Psychiatrie.

15:52
Denn man hat in ersten klinischen Studien gesehen, dass sehr niedrige Dosen intravenös verabreicht eine sehr schnelle antidepressive Wirkung entfalten können. Man geht davon aus, dass diese antidepressive Wirkung daherkommt, dass eben ein Gleichgewicht wichtiger Botenstoffe im Gehirn hergestellt wird und dadurch Prozesse gefördert werden, die für Stimmung und Antrieb eben wichtig sind.

16:20
Gerade für Menschen mit schweren Depressionen könnte das natürlich ein großer Fortschritt sein, denn so klassische Antidepressiva brauchen ja schon oft auch Wochen, bis sie überhaupt wirken. Aber auch hier ist der Haken, den wir bei Skopolamin eben haben, dass schon bei niedrigen Dosen Nebenwirkungen stattfinden können, wie zum Beispiel Verwirrung, Konzentrationsprobleme oder Kreislaufbeschwerden. Und das macht halt den Einsatz unnötig.

16:47
Kompliziert und auch heikel und man muss halt wirklich sehr, sehr gut abwägen, ob der Nutzen die Risiken wirklich überwiegt. Es ist halt einfach eine Gratwanderung.

17:01
So, jetzt haben wir, hoffe ich, alle eine sehr gute Idee davon bekommen, um was für eine Droge es sich bei Skopolamin eigentlich handelt. Und jetzt wollen wir uns in einem, ja, thematisch eher zweiten Teil dieser Folge ein wenig damit beschäftigen, wie Skopolamin kulturell eingebettet ist. Wir wollen…

17:23
den Dutzend von Skopolamin als sogenannte Wahrheitsdroge anschauen und auch Skopolamin als Mittel für kriminelle Tätigkeiten. Also wir haben noch ein paar Themen vor uns. Let’s go! Musik

17:39
Die Geschichte von Skopolamin beginnt natürlich nicht in westlichen Laboren, sondern ist schon viel, viel früher in Geschichte und Kulturen eingebettet. Wie ich ja schon erklärt habe, kommt Skopolamin in verschiedenen Nachtschattengewächsen vor. Im Stechapfel, in der Engelstrompete, im Bilzenkraut, in der Tollkirsche und in der Alraune. Und diese Pflanzen waren über Jahrhunderte Heilmittel. Schon deutlich früher, bevor Skopolamin eben, ja,

18:08
Zum Beispiel kannte man schon im antiken Griechenland das schwarze Bilzenkraut. Der griechische Arzt Dios Kurides schrieb im ersten Jahrhundert in seinem Heilpflanzenbuch Demateria Medica, dass das Bilzenkraut verrückt mache und schreckliche Träume verursacht und hat er davor gewarnt.

18:32
Aber auch in vielen indigenen Kulturen Amerikas spielt der Stechapfel, auch Datura genannt, eine rituelle Rolle. In Chile zum Beispiel nutzten Schamanen halluzinogene Tränke, um eben auch mit dem Geisterreich in Kontakt zu treten. Bei den Chumash in Südkalifornien war der Datura-Konsum Teil eines Initiationsritus. Und zwar war es so, dass vor allem Jungen einmalig das Getränk tranken, das hieß Toloache.

19:01
um eben eine Vision ihres eigenen Schutzgeistes zu erhalten. Und dabei wurde auch schon Safer Use betrieben, wenn man das aus heutiger Sicht bewerten möchte. Denn die Dosis wurde streng reguliert, denn es war auch schon damals klar, dass das Ganze eben auch gewisse Risiken mit sich bringt. Und es ging halt wirklich darum, eine reiche, gute, spirituelle Erfahrung zu ermöglichen. Auch im Amazonasgebiet zum Beispiel wurde da Tora, dort wurde es Toe genannt.

19:29
rituell genutzt und Schamanen setzen es dafür ein, um in Trance zu gelangen, Heilungen zu fördern oder auch Krankheitsdeutungen zu machen. Und eine ähnliche Rolle spielte die Engelstrompete in den Andenregionen von Kolumbien und auch von Peru. Zum Beispiel bei Bestattungen versetzte man da die Trauernden in Trance. Und teils haben sich tatsächlich bis heute diese traditionellen Zubereitungen gehalten. Man geht sogar davon aus, dass hochpotente Pulver aus den Pflanzen weiterhin

19:58
hergestellt werden können nach der traditionellen Art, wie man schon seit Jahrhunderten macht. Aber eben auch

20:06
heutzutage für die Verwendung für kriminelle Taten. Aber dazu kommen wir gleich. Erstmal machen wir nochmal einen kleinen Sprung nach Europa. Denn in der Zeit der Hexenverfolgung galten Tollkirsche, Bilzenkraut und Alraune als Zutaten der sogenannten Flugsalben. Die Alkaloide der Pflanzen wurden über die Schleimhäute aufgenommen und zwar eben durch Salben.

20:31
die Geschichten zufolge mit Besenstielen aufgetragen wurden. Man sieht darin den Ursprung von der Idee, dass es eben Hexen gibt, die fliegen können. Einmal eben durch das Auftragen der Salben mit dem Besenstiel und eben auch durch den Rausch, den die Menschen, die dann sozusagen mit diesen Salben behandelt wurden, erfahren haben. Also vielleicht auch ein Gefühl des Fliegens hatten und eben

20:58
Ganz wilde Visionen. Und heutzutage können wir das auf den Wirkstoff wie Skopolamin zurückführen. Damals war das allerdings nicht so. Ihr merkt also schon, die Geschichte von Pflanzen, die Skopolamin beinhalten, ist nicht nur sehr lang und auch kulturell in verschiedenen Kulturen verwoben, sondern hat auch mit einigen Mythen zu tun. Aber die Geschichten um Skopolamin enden nicht irgendwann mit der Hexenverfolgung,

21:24
sondern gehen bis heute weiter. Und zwar gibt es noch zwei Themen, über die wir heute sprechen. Einmal über den Devil’s Pref und beziehungsweise der kriminelle Nutzen von Skopolamin und natürlich dann auch den Aspekt von Skopolamin als Verhördroge.

21:44
Die Situation ist folgende. Man läuft durch die Straßen irgendwo in Kolumbien und plötzlich bläst dir jemand etwas ins Gesicht. Und du weißt ab diesem Zeitpunkt nichts mehr. Wenn man wieder aufwacht, sind alle Wertsachen verschwunden. Dieses Phänomen bekam den unaufgeregten Namen Devil’s Breath.

22:04
und beschreibt die Idee, dass Menschen durch das Anhauchen mit Skopolaminpulver ausgeraubt werden. Als ich das gelesen habe, bei so einer Recherche stößt man ja gerne erstmal auf die eher reiserischen Artikel, da habe ich mich ehrlich gesagt gefragt…

22:20
Geht das überhaupt? Und ich finde es ehrlich gesagt manchmal etwas wild, was einfach so geglaubt wird, frei nach dem Motto, es handelt sich um eine Droge, da ist alles möglich. Naja, bei Psychoaktiv lassen wir uns davon natürlich nicht beeindrucken, also ist es realistisch eher nicht. Man kann Skopolamin durch die Schlammhäute aufnehmen.

22:41
Zum Beispiel durch die Nase oder den Mund. Aber Skopolamin ist kein magisches Gas, sondern wird in diesem Fall in Pulverform verwendet. Es müsste also eine ausreichende Dosis in Nase und Mund gelangen und das sorgt in der Regel auch erstmal für spürbare Reizungen. Und selbst wenn Skopolamin

23:00
eine Dosis in den Nasen und Mund gelangt, dann braucht es auch erstmal nochmal einen Moment, bis überhaupt die Wirkung eintritt. Also die Idee, dass man nur kurz angehaucht werden muss und plötzlich wird die Welt schwarz und nichts mehr und man weiß nichts mehr, ist ein Mythos. Deutlich wahrscheinlicher ist allerdings, dass Skopolamin als Pulver gezielt in Getränke oder eben auch als Bestandteil von anderen Substanzen gemischt wird,

23:26
Und da werden vor allem auch in Kolumbien regelmäßig Fälle verzeichnet. Kolumbiens Gesundheits- und Polizeibehörden zählen dabei jährlich hunderte Verdachtsfälle, in denen eben Skopulamin mit Raub oder sexualisierter Gewalt in Verbindung gebracht wird. Es ist also relevant, aber an dieser Stelle sei vielleicht nochmal zu betonen, dass die am meisten verbreiteten Substanzen, die in so einem Kontext verwendet werden, Alkohol und auch Benzodiazepine sind.

23:54
Trotzdem hat Skopulamin vor allem auch mit dieser Devil’s Breath Idee sehr viel Aufmerksamkeit bekommen und ich hoffe, ich konnte ein bisschen beitragen, das ein bisschen besser auch jetzt einzuordnen. Aber auch die Vorstellung, dass man Menschen kontrollieren kann, dass sie die Erinnerung verlieren und dass man ja eventuell die Wahrheit aus ihnen rauskriegt, das ist nicht nur in

24:22
klassischen Verbrechen auf der Straße faszinierend, sondern eben auch bei Geheimdiensten und auch bei den Nazis. Und jetzt schauen wir uns genau das nochmal im letzten Kapitel an. Bereits in den 1920er Jahren wurde Skopolamin in den USA als sogenanntes Truth Serum, also Wahrheitsserum diskutiert.

24:51
Und da kommen wir auch wieder zur Geburtshilfe zurück, weil daher kam die Idee, denn ein texanischer Geburtshelfer, Robert House, hatte eben beobachtet, dass Frauen unter dieser Skopolamin-Morphin-Narkose bei der Geburt völlig enthemmt und ehrlich wirken. Ganz ehrlich, wenn ich darüber nachdenke, dann gibt mir das echt einen Schauer über den Rücken, weil ich mir auch einfach denke, die armen Frauen, das muss echt…

25:20
hart gewesen sein, unter solchen Bedingungen zu gebären. Ich habe noch kein Kind, aber ich stelle mir das schon als krasse Zusatzbelastung vor. Aber okay. Er, Robert House, hat eben diese Zustände wahrgenommen und hat sich eben gefragt, hey, könnten wir diesen Zustand nicht eigentlich auch super für Verhöre nutzen? Und testete seine Hypothese tatsächlich an Inhaftierten.

25:46
Das sickerte zu den Zeitungen durch und seitdem wurde Skopolamin eben bald als Wahrheitsdroge gehandelt.

25:53
Es gab allerdings keine belastbare wissenschaftliche Evidenz, dass das überhaupt funktioniert. In den 1940ern griff das amerikanische Militär das Konzept dann wieder auf. Im Rahmen von MK-ULTRA, einem geheimen CIA-Programm zur Bewusstseinskontrolle, wurden eben Versuche mit verschiedenen Substanzen durchgeführt.

26:15
Darunter aber auch LSD, Barbiturate, Amphetamine und eben auch Skopolamin. Ziel war es eben, Mittel zu finden, mit denen sich das Bewusstsein manipulieren lässt und man so einfach mit einer Substanz bei Gefangenen die Wahrheit rausbekommen kann. Aber auch, oder man stellt sich auf jeden Fall auch die Frage in diesem Programm, ob man Menschen psychisch umprogrammieren kann.

26:40
Und auch in der NS-Zeit wurde in Deutschland mit Skopolamin experimentiert. Allerdings nicht primär zur Wahrheitsfindung, sondern eher als Bestandteil von Betäubungsmitteln. Und in Konzentrationslagern kam Skopolamin dabei in Kombination mit Morphin, das kennen wir ja schon, oder eben auch anderen Sedativen bei medizinischen Versuchen, ich hoffe, ihr hört meine Anführungszeichen, zum Einsatz.

27:06
Es gibt auch Gerüchte und es sind wirklich auch nur Gerüchte, dafür gibt es keine belastbaren Beweise, dass die Nazis damals auch darüber nachgedacht und geforscht haben, ob man Skopolamin eben auch zur Kontrolle von Gegnern nutzen kann. Aber wie gesagt, dafür gibt es keine Beweise, habe ich allerdings als Hinweis auch in der Recherche gefunden. Wissenschaftlich betrachtet ist die Vorstellung der Wahrheitsdroge absolut irreführend.

27:35
Skopolamin kann zwar die Hemmungen senken und auch die Orientierung auflösen und auch das Kurzzeitgedächtnis so blockieren, dass man sich an die Erfahrung gar nicht mehr erinnert, aber es versteckt halt auch die Suggestibilität der Halluzinationen und auch die Desorientierung. Das heißt, es können ebenso auch falsche Erinnerungen oder erfundene oder verzerrte Aussagen entstehen. Es können Aussagen anhand der Halluzinationen, die man aktuell hat, entstehen.

28:03
Und die Personen wirken vielleicht ehrlich, aber was sie sagen ist absolut nicht zuverlässig und passiert im Rahmen einer Rauscherfahrung, die man als Außenstehender eben nicht einschätzen kann. Es ist aber bei Skopulamin so wie häufig bei Mythen, die sich mit Drogen beschäftigen, so dass die Mythen sich irgendwie in den Gehirnen festfressen, während die differenzierte Betrachtung zu wenig Platz bekommt.

28:30
Und ja, dafür gab es jetzt diese Folge, die tatsächlich jetzt auch schon ihr Ende findet.

28:41
Ihr Lieben, das war es mit meiner Folge zu Skopolamin. Und ich hoffe, ich konnte für euch ein bisschen mehr Licht ins Dunkle bringen und ihr habt jetzt einen deutlich besseren Überblick, was Skopolamin eigentlich ist, wie man die Gerüchte und Mythen, die damit in Verbindung stehen, einschätzen kann und wie man allgemein diese psychoaktive Substanz einschätzen kann. Was wir vielleicht in aller Kürze mitnehmen können, nochmal eine kleine Wiederholung,

29:07
Scopolamin ist ein Wirkstoff, das in geringen Dosen bei Schwindel, Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden kann, allerdings stark halluzinogen wirkt und echt mit sehr unangenehmen Rauschzuständen einhergehen kann. Ich finde es noch wichtig, dass wir uns mitnehmen, dass Nachtschattengewächse, also die Pflanzen, in denen Scopolamin teilweise vorkommt, kulturell stark in der indigenen Kultur verankert sind und eben für verschiedene rituelle und heilpflanzliche Zwecke genutzt werden. Und zum Schluss…

29:36
Vielleicht auch einfach, um es kurz und knapp zu halten. Skopolamin ist kein Wahrheitsserum und es ist schwierig, eine sehr starke Wirkung zu bekommen, wenn jemand einem nur kurz das Pulver ins Gesicht bläst. Ich hoffe, dir hat diese Folge gefallen. Falls das der Fall ist, freue ich mich, wenn du sie weiterempfielst und psychoaktiv auf deiner Podcast-Plattform folgst und, falls es geht, eine gute Bewertung dalässt. Das hilft dem Podcast und wäre echt mega.

30:04
Und falls du psychoaktiv gerne mitgestalten möchtest oder einfach noch mehr unterstützen magst, kannst du dir gerne das Psychoaktiv-Mitgliedschaftsprogramm anschauen.

30:15
Dadurch finanziert sich dieser Podcast und sorgt dafür, dass ich alle zwei Wochen hier solche Folgen rausbringen kann. Den Link dazu findest du natürlich in der Folgenbeschreibung. Ah ja, und das habe ich ganz vergessen. Ich habe jetzt auch einen WhatsApp-Channel. Auch da findet ihr den Link in der Folgenbeschreibung. Jetzt kann ich sagen, ey, komm in meine WhatsApp-Gruppe. Aber es ist keine WhatsApp-Gruppe, keine Sorge.

30:35
Kanäle spammen nicht so sehr wie Gruppen. Naja, und jetzt habe ich glaube ich genug geredet. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag. Wir hören uns in zwei Wochen wieder oder wann immer auch du die nächste Folge hörst. Tschüss!


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