Das Frankfurter Bahnhofsviertel – zwischen Ablehnung und Humanität

Das Frankfurter Bahnhofsviertel steht oft für Bilder von offener Drogenszene, Sexarbeit, Armut, Konsum im öffentlichen Raum und gesellschaftlicher Überforderung. In dieser Psychoaktiv-Folge geht es darum, genauer hinzuschauen: Welche Menschen halten sich dort auf? Welche Hilfen gibt es vor Ort? Und warum ist das Bahnhofsviertel nicht einfach ein „gescheitertes“ Viertel, sondern auch ein Ort, an dem akzeptanzorientierte Drogenhilfe sichtbar wird? Im Gespräch mit Sophie Hanack vom La Strada und Andreas Henke von OSSIP geht es um Konsumräume, Streetwork, niedrigschwellige Beratung, Übernachtungsangebote und die Frage, wie Hilfe dort ankommen kann, wo Menschen sie tatsächlich brauchen.
Die Folge zeigt, dass offene Drogenszenen nicht durch Wegschauen verschwinden und dass Sichtbarkeit nicht automatisch Inkompetenz bedeutet. Frankfurt stellt Hilfsangebote bewusst in die Nähe der Szene: Konsumräume, Kontaktläden, Streetwork, Notschlafstellen und medizinische Unterstützung sollen Risiken reduzieren, Todesfälle verhindern und überhaupt erst wieder Kontakt ermöglichen. Gleichzeitig geht es um die Spannungen im Viertel, um Sicherheitsgefühle, Stigmatisierung, mediale Darstellungen und die Frage, wie eine Stadt mit Menschen umgeht, die durch viele soziale, psychische und gesundheitliche Raster gefallen sind. Die Folge ordnet das Bahnhofsviertel damit nicht als reines Problemgebiet ein, sondern als umkämpften öffentlichen Raum zwischen Ablehnung, Humanität und akzeptanzorientierter Drogenpolitik.
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Das Frankfurter Bahnhofsviertel – zwischen Ablehnung und Humanität
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PODCAST-METADATEN
Folge: 82
Erscheinungsdatum: 01.02.2024
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Das Frankfurter Bahnhofsviertel – zwischen Ablehnung und Humanität
Sprecher: Stefanie Bötsch, Sophie Hanack (LaStrada), Andreas Henke (OSSIP)
Typ: Transkript
Transkript Beginn
00:02
Wir sammeln bis zu 3.000, 4.000 Spritzen pro Monat ein. Das muss man schon als große Erfolge sehen. Wenn man sich vorstellt, dass man in seinen schamhaftesten Momenten gefilmt wird und das viral geht, ist schwierig. Wir schauen nicht weg, sondern wir schauen hin. Und das ist humanitär und nicht Inkompetenz, wie das immer gerne dargestellt wird. Musik
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Psychoaktiv, euer Drogen- und Alkoholpodcast mit Stefanie Bötsch. Zieht’s euch rein!
00:46
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Psychoaktiv. Ich bin Stefanie Bötsch, ich bin Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin und wir sprechen hier alle zwei Wochen über Themen rund um psychoaktive Substanzen, Suchttherapie, gesellschaftliche Themen und was halt mir sonst noch so einfällt und das alles wissenschaftlich basiert.
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Ab und zu gibt es auch Interviews und genau so eins machen wir heute. Ich sitze nämlich im Frankfurter Bahnhofsviertel in den Räumen von Ossip. Was das genau ist, werdet ihr später gleich noch erfahren. Und wir wollen heute ganz genau über diese sprechen. Seit acht Jahren ist ja Frankfurt meine Wahlheimat. Und das Bahnhofsviertel ist vielleicht ein bisschen fast wie so eine Visitenkarte von Frankfurt. Denn man steht einfach direkt drin, wenn man hier am Bahnhof ankommt.
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Und genau dieses Viertel schafft es auch sehr häufig in die Schlagzeilen und zwar nicht nur in Frankfurt, sondern leider auch über Frankfurt hinaus. Und Grund hierfür ist auf der einen Seite die offene Drogenszene, auf der anderen Seite aber auch die Sexarbeit und es wird viel über Verelenungen gesprochen, über Müll geklagt und nach Veränderungen geschrien. Wenn man auf jeden Fall Bahnhofsviertel Frankfurt auf Google eingibt, sind das genau die Schlagzeilen, die einem so entgegenquellen.
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Und genau über diese Herausforderung mit diesem Viertel möchte ich heute sprechen. Aber was mir halt auch noch viel wichtiger ist, auch einen genauen Eindruck bekommen, welche Menschen eben der offenen Drogenszene hier auch angehören und welche Bedürfnisse damit einhergehen. Denn wenn man von Veränderung spricht, sollte man in erster Linie auch erstmal auf die Menschen schauen, die hier leben. Und dafür sitze ich natürlich nicht alleine hier, sondern habe zwei Gäste heute mit dabei, die genau in diesem Viertel arbeiten.
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Hallo.
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Ich freue mich, da zu sein. Ich freue mich, dass ihr hier seid. Und ich würde mal sagen, wir starten vielleicht erstmal ganz grundlegend damit, was eure Arbeit ausmacht, damit die Hörer und Hörerinnen so ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen, mit welcher Realität ihr jeden Tag arbeitet. Und ich würde vielleicht erstmal mit dem La Strada anfangen. Sophie, magst du uns mal erzählen, was macht man eigentlich im La Strada? Was ist das für eine Einrichtung?
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Das La Strada ist das Drogenhilfezentrum der Aids-Hilfe Frankfurt. Wir befinden uns tatsächlich nicht ganz direkt im Bahnhofsviertel, sondern am Rande. Man sagt immer so eine gute Zigarettenlänge vom Bahnhof, also in Laufnähe. Nichtsdestotrotz liegt eine Straße dazwischen, muss man immer sehen. Wir sind die Kontakt- und Beratungsstelle für Gebraucherinnen, Aktivisten,
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Wir haben eine Übernachtungsstätte mit 25 Übernachtungsplätzen für Männer und Frauen. Und wir haben auch noch das betreute Wohnen im Haus selbst. Wir haben keinen eigenen Wohnraum, aber eben Mitarbeiterinnen, die in die Privatwohnräume der KlientInnen gehen. Wir haben auch noch das betreute Wohnen im Haus selbst.
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Also ein umfassendes Angebot. Wir verfolgen das Konzept der Niedrigschwelligkeit und der Akzeptanzorientierung. Das bedeutet, dass Klienten relativ schwellenlos – wir haben eine kleine Stufe, das muss man sagen, das ist natürlich schon dann die Schwelle – räumlich
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aber relativ schwellenlos zu uns kommen können und ohne auch, dass ein manifester Ausstiegswunsch aus der Sucht jetzt die Voraussetzung für unsere Hilfe ist. Also ihr habt im Prinzip einen kompletten Rundumschlag, was ein Mensch braucht für den Alltag, der eben Hilfe sucht.
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Wie wird denn euer Angebot besucht? Ist es denn was, was viel besucht wird oder eher weniger? Wir haben so im Durchschnitt 150 bis 200 Besucherinnen pro Tag, die verschiedene Bedürfnisse mitbringen. Das kann sein, einfach sich kurz auszuruhen. Dadurch, dass wir ein bisschen aus der Szene herausgelöst sind, nicht direkt im Bahnhofsviertel, bieten wir einen Schutz- und Ruheraum. Also ein Kontaktcafé, wo man sich einfach auch hinsetzen kann, ohne irgendwas zu wollen, was essen kann. Wir bieten ein warmes Mittagessen an.
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Wir haben relativ klare Stammklientel. Der Durchschnittsklient, sage ich mal, ist männlich, Mitte 40, ohne Obdach und so weiter.
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und mit ganz, ganz vielen verschiedenen Anliegen, die wir probieren zu bearbeiten. Sophie, magst du vielleicht für diejenigen, die das nicht wissen, kurz erklären, was ein Konsumraum ist? Gerne. Also im Prinzip ist es eine Räumlichkeit, integriert oft in Kontaktläden, wo Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, aber auch studentische Hilfskräfte den Konsum der Klienten beaufsichtigen.
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Dafür haben sie natürlich eine Schulung abgelegt, ein Training im Drogennotfall als auch in der Deeskalation. Und es ist im Prinzip ein gefließter Raum, wo Klientinnen und Klienten sitzen, ihre mitgebrachten Drogen dort konsumieren können, aber unter hygienischen, sicheren Umständen. Also wir vergeben sauberes Spritzutensil, eine saubere Spritze, eine saubere Pumpe, aber auch Löffel, alles, was man eben für den intravenösen oder auch Rauchkonsum braucht.
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Genau, das ist im Prinzip ein schadensminimierender Ansatz, den wir da verfolgen und die Klienten können dort sicher konsumieren. Und im Notfall greifen wir natürlich auch ein und leisten Hilfen, um Notfälle oder Todesfälle zu vermeiden. Wir in Frankfurt sind ja Konsumräume schon relativ lange auch gewohnt, was hilft.
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richtig cool ist, aber wir haben ja auch Bundesländer wie zum Beispiel Bayern, aber es ist auf jeden Fall nicht das einzige Bundesland, die sich sehr gegenüber Konsumräume sperren, weil sie sagen, naja, es ist eine Verharmlosung, man befürwortet den Konsum, man gibt sozusagen ganz öffentlichen Raum, damit Menschen konsumieren können und ist das nicht eigentlich illegal? Das würde ich jetzt mal hier kurz in den Raum werfen.
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Und vielleicht magst du was dazu sagen. Ich habe in Bayern studiert, also in Nürnberg tatsächlich. Also ich kenne die Argumente sehr gut und habe auch Landesflucht im Prinzip betrieben, um in Frankfurt hier zu arbeiten. Same, same. Also ich komme ja auch aus Franken und habe tatsächlich aus ähnlichen Gründen beschlossen, erstmal Bayern zu verlassen, weil ich finde, in Bayern kann man halt nur bis zu einem gewissen Grad auch lernen. Das stimmt, ja. Wobei es auch tolle Projekte gibt.
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Das muss man trotzdem auch sagen, mit denen wir teilweise auch kooperieren. Aber zu deiner Frage zurückzukommen, die Argumente sind relativ einfach, denen ist relativ einfach zu begegnen. Erstens gibt es eine Rechtsverordnung auf Bundesebene, die Drogenkonsumräume zulässt. Ein
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ein Gesetz, das Betäubungsmittelgesetz und dann erlassen im Prinzip die Länder Rechtsverordnungen. Das ist sehr, sehr klar und sehr streng auch geregelt, was da alles gegeben sein muss. Also eine Räumlichkeit, ausgebildete Fachkräfte, die diesen Raum betreiben. Es darf nicht gedealt werden, es darf nicht beim Konsum geholfen werden. Also es gibt wirklich ganz, ganz klare Regeln. Das kann man alles auch in den Rechtsverordnungen nachlesen. Es ist kein rechtsfreier Raum.
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sondern ein Schutzraum für Menschen, für erwachsene, mündige Menschen, die sich entscheiden, Drogen zu konsumieren. Und das auch ganz klar. Das würden die so oder so machen, ob es diese Räume gäbe oder nicht. Wir bieten aber einen sicheren Schutzraum für diese Menschen, um Todesfälle zu vermeiden. Und die Statistiken zeigen, es gab bisher keinen Todesfall in Drogenkonsumräumen.
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Und das ist, glaube ich, unser größter Erfolg. Und den halte ich auch weiterhin hoch und denke, dass es in anderen Städten die erhöhte Drogentodeszahlen haben. Das muss man ganz klar sehen. In Frankfurt waren die Todeszahlen in den 90ern bei 200, 300, ich weiß es nicht genau, und sind jetzt bei 20 bis 30 im Jahr. Also das ist schon eine massive Verbesserung, würde ich sagen. Und auch die Spritzen, die wir tauschen, also das Spritzbesteck, was sonst im
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öffentlichen Müll landen würde oder auf den Straßen. Wir sammeln bis zu 3.000, 4.000 Spritzen pro Monat ein. Das muss man schon als große Erfolge sehen. Absolut. So jetzt ist es ja so, dass Konsumräume ganz klassisch früher vor allem mit dem Austeilen von Spritzen, sauberer Konsum, vor allem sauberer IV-Konsum in Verbindung gebracht wurden.
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wurde. Jetzt ist es ja so, dass die hauptkonsumierte Substanz Crack ist im Bahnhofsviertel. Ist dementsprechend der Besuch im Konsumraum runtergegangen oder habt ihr vielleicht auch Rauchräume? Gute Frage. Seit 2019 haben wir uns dem Trend natürlich gebeugt und auch einen Rauchraum installiert im La Strada. Wir haben aktuell vier Plätze, werden den aber erweitern auf sechs, weil einfach die Nachfrage massiv gestiegen ist, wie
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Wir teilen auch sauberes Rauchzubehör aus, also eine Pfeife. Da gibt es Metallpfeifen, Glaspfeifen, je nach Gusto, Siebe, Mundstücke und natürlich Mittel zum Desinfizieren der Plätze. Also wir haben einen Rauchraum und Frankfurt hat ja vier Konsumräume und jeder Konsumraum hat natürlich auch so seine Eigenheiten und Trends und Besucherinnen, Spezifikationen einfach. Bei uns ist es so aktuell, dass wir 60 Prozent Rauchkonsum feststellen und 40 Prozent Rauchkonsum.
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intravenösen oder nasalen Konsum. Also das ist auf jeden Fall merklich. Hat sich das verändert? Früher war einfach der Druck, also der intravenöse Konsum viel, viel höher und jetzt wandelt sich das so. Vielleicht dann auch nochmal eine bisschen spezifischere Frage bezüglich Crack-Konsum.
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Wo sind denn dort, weil ich glaube, das liegt vielleicht für viele nicht so auf der Hand, weil die Problematik beim IV-Konsum, wenn man kein sauberes Besteck etc. nutzt, das ist glaube ich inzwischen vielen klar, aber wo ist denn das Risiko, wenn man kein sauberes Rauchbesteck benutzt?
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Auf der Straße werden Pfeifen sehr oft geteilt. Da wird nicht der Stoff verkauft, sondern der Zug aus der Pfeife. Man kann sich vorstellen, alles, was man am Mund hat, und dann in eine Pfeife zieht oder pustet, und dann kommt ein nächster. Das geht sofort in den Organismus des anderen. Sämtliche Infektionskrankheiten können übertragen werden. Oft sind auch wunde Stellen im Mund. Da können auch HIV, Hepatitis herrschen.
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übertragen werden im schlimmsten Fall. Außerdem ist es natürlich das Stadtbild. Wenn überall geraucht wird und dieser Geruch des Cracks oder auch des Heroins, Heroin wird ja noch mal anders konsumiert als Crack, nicht in einer Pfeife, sondern tatsächlich mit einer Alufolie eingesogen, im Prinzip die Dämpfe, die dabei entstehen. Und das ist natürlich auch für das Stadtbild vielleicht auch unangenehm, wenn man da gerade seinen Privathaushalt oder sein Geschäft hat. Und deswegen ist es da auch wichtig,
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ein Auge drauf zu haben und auch beim Rauchkonsum, es kommt zwar sehr, sehr viel seltener vor, aber kann man sich überdosieren, gerade wenn man natürlich schon intoxikiert in den Rauchraum kommt. Oder eine Psychose kann sich auslösen, ein Krampfanfall, je nachdem, das sind alles Risiken, denen wir begegnen möchten, die Klienten doch in unsere Einrichtungen zu bringen und da unter professioneller Fachaufsicht zuzuhören.
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Und auch danach vielleicht sich nochmal auszuruhen. Dieser Konsumraum oder dieser Kontaktladen ist so die erste Anlaufstelle für viele Klienten, auch in den sozialen Bezug zu kommen oder ins Gesundheitssystem zu kommen. Also es ist wirklich ganz, ganz niedrigschwellig und setzt sehr,
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ganz, ganz unten an, um diese Menschen überhaupt erstmal wieder in Kontakt mit wirklichen Fachkräften zu bekommen, ohne dass eine große Voraussetzung gegeben sein muss. Und vielleicht als abschließende Frage, wie hoch ist denn euer Durchlauf über den Tag? Sowohl beim Konsumraum, aber vielleicht auch bei der Notschlafstelle. Ich weiß nicht, ob ihr das auch für das Kontaktcafé zählt. Also wir haben 25 Plätze in der Notschlafstelle, in der Übernachtung.
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Die sind voll ausgelastet. Also gerade jetzt bei den kalten Temperaturen könnte ich die tatsächlich doppelt belegen. Da kommen jede Nacht Anfragen. Wir haben 16 Männerplätze und neun Frauen. Und das ist zu 99 Prozent belegt. Ganz klar. Im Kontaktcafé, da haben wir so um die 150 bis 200 Besucher, je nach Tag. Das ist auch abhängig von den anderen Drogenkonsumräumen und deren Öffnungszeiten tatsächlich abhängig.
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Und im Konsumraum haben wir zwischen 80 und 120 Konsumvorgänge pro Tag. Auch das abhängig von Tag, Wetter. Man kann das nie so richtig ausmachen, wann mehr Leute kommen oder wann weniger. Bei uns ist insbesondere die Mittagszeit stark besucht, weil wir halt ein warmes Mittagessen anbieten und das natürlich auch lockt. Cool, danke für die Informationen. Und Andi, jetzt würde ich mal zu dir rüberschwenken. Und du hast ja
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Ein bisschen eine andere Aufgabe und zwar leitest du OSSIP. Jetzt magst du vielleicht erstmal sagen, für was OSSIP steht, weil ich konnte es mir ad hoc nicht merken. Ja, es ist auch ein ausgedehntes Wortkonstrukt. Es ist eine Abkürzung. Ich sage immer so ein bisschen im Spaß, da ist alles drin. Es ist wie so ein Smoothie, es ist alles drin, was sozialarbeiterisch Sinn ergibt. Also OSSIP ist die Abkürzung für offensive Sozialarbeit, Sicherheit, Intervention und Prävention.
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Alles in einen Mixer auf den Knopf gedrückt, kommt auch SIP unten raus. Und was macht ihr? Was sind die Inhalte eures Projekts? Also es steckt ja im Namen Streetwork, Straßensozialarbeit. Wir sind im Viertel unterwegs, im Bahnhofsviertel, sind eingewoben, kooperieren eng mit allen Einrichtungen, sind im Städtenaustausch und sprechen Menschen an, die sich im Bahnhofsviertel aufhalten, meistens obdachlos sind.
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in Notunterkünften untergebracht sind, teilweise, aber wo wir sagen, die im Prinzip die Einrichtungen im Bahnhofsviertel nicht in der Form wahrnehmen, wie sie sie wahrnehmen könnten oder sollten, nicht ausreichend versorgt sind. Und das ist…
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Ich sage mal ganz plakativ, wenn wir an Wetterlagen denken, wird das sehr deutlich. Jetzt haben wir hier die kalte Jahreszeit. Wir finden Leute draußen auf der Straße vor, die auf dem Bordstein schlafen, teilweise eingewickelt in Decken, aber auch teilweise inadäquat gekleidet, sodass das im Prinzip eine lebenssichernde Maßnahme ist, dass wir durch die Straßen ziehen und nach den Leuten schauen, wecken und dann auch in Einrichtungen bringen können.
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und versuchen so eine Verbesserung der Situation herzustellen. Im Sommer ist es genau das Umgekehrte, da ist es dann die Hitze. Wir haben es ja mit Menschen zu tun, die intoxikiert sind. Das heißt, die nehmen ganz oft Wärme, Kälte, Schmerzen, Wunden nicht in der Form wahr, wie wir das wahrnehmen würden und dann auch dementsprechend handeln. Deswegen ist das eine Hilfeleistung, Hilfestellung, dass wir gucken, dass die Menschen nicht da draußen schlimmstenfalls auch versterben, erfrieren, dehydrieren, kollabieren.
15:22
Das ist so im Prinzip der erste Blick, wenn wir durch die Straßen gehen. Dann gucken wir, ob irgendwo Menschen liegen, die hilflos sind, die in Zuständen sind, wo wir sagen, ist hilflos, müssen wir gucken. Auf der anderen Seite ist es natürlich im Bereich des Streetwork wichtig, dass wir Kontaktangebot machen. Wir sprechen alle an, sind auch ansprechbar.
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Du hast ja eben abgelesen, also das sieht man jetzt nicht, aber wir haben Dienstkleidung, Teamkleidung, da sind wir quasi erkennbar auf der Straße. Das ist ein großer Vorteil.
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Hat vielleicht in manchen Dingen auch Nachteile, aber wir erleben das als sehr vorteilhaft. Das ist ein Angebot, uns anzusprechen. Die Leute wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wenn wir die Straße entlanglaufen, weiß jeder, ach, das sind die SozialarbeiterInnen, sodass wir da auch gut in der Szene vernetzt sind und auch ganz oft angesprochen werden aus verschiedensten Himmelsrichtungen, weil man einfach immer wieder dieses grüne Logo sieht und sagt,
16:15
Ist ein Gesprächsangebot. Das wird angenommen, das wird wahrgenommen, auch für Menschen, die durchs Viertel laufen. Auch da ist die Mitteilung, hier sind Menschen, die sich kümmern, die gucken. Wir sind auch für Menschen ansprechbar, die hier durchs Viertel laufen und sagen, ich habe da hinten jemanden liegen sehen oder ich habe da irgendwie ein komisches Gefühl. Könnt ihr mir erklären, kann ich irgendwie hilfreich sein? Könnt ihr mal nach dem gucken. Also das ist immer ein Angebot für alle, die im Viertel unterwegs sind, uns anzusprechen. Wird auch rege Gebrauch von gemacht, vor allem natürlich von der Klientel.
16:43
Und nun ist ja das Bahnhofsviertel, mir wird immer nachgesagt, dass es gewisserweise gefährlich ist. Ich muss ehrlich zugeben, mit meinen ganzen Elektrosachen und dem Wert, mit dem ich gerade hierher gelaufen habe, grummelt es mir auch im Bauch, obwohl ich rundlegend ein gutes Sicherheitsgefühl in Frankfurt habe, aber vor allem überflüssig.
17:00
Es ist halt einfach sehr viel Technik-Stuff, den ich dabei hatte. Sowas verstärkt es natürlich auch ein bisschen. Würdest du denn deine Arbeit erst mal als ersten Punkt als gefährlich ansehen? Also ich sage mal, es gehört mit Sicherheit ein hohes Maß an Aufmerksamkeit dazu. Wenn ich den Hans Guck in die Luft mache und nicht sehe, wo ich hintrete, kann daraus was resultieren. Wir haben hier im Bahnhofsviertel immer wieder auch offene Nadeln rumliegen. Da ist es wichtig, dass wir gucken, wo wir hintreten.
17:25
Es ist wichtig, dass wir gucken, wer kommt uns entgegen. Menschen, die konsumieren, haben häufig auch mal Taschen dabei, laufen, schlängern irgendwie auf dem Gehweg entlang, wenn dann einer eine Tasche einem ans Bein haut und da war gerade eine offene Pumpe. Also wir müssen aufmerksam sein. Wir müssen, ich sage mal, vorausschauend fahren, vorausschauend laufen an der Stelle, im Blick haben, was um uns herum passiert. Das
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Bei Streetwork ist immer so, dass da mindestens zwei Personen draußen unterwegs sind. Das heißt auch, wenn eine Person abgelenkt ist, zum Beispiel in einem Gespräch ist mit einem Klienten und sich da fokussiert und die Aufmerksamkeit in Richtung des Klienten oder der Klientin geht, ist der andere Kollege oder die Kollegin dabei und behält das Umfeld im Blick, dass einfach Dinge, die vielleicht jemand sonst nicht sehen kann, einfach beäugt werden können. Ist mir auch schon passiert, dass ich von einer Kollegin auf die Straße geschoben wurde, weil ich nicht gesehen habe, dass hinter mir einer mit einer Flasche angefangen hat rumzuwedeln.
18:15
Die Krisensituationen oder Konfliktsituationen entzünden sich hier relativ schnell. Ich würde per se nicht sagen, dass es irgendwie ein Argwo in uns gegenüber gibt. Also ich erlebe ganz viel respektvollen Umgang. Das erleben wir jeden Tag. Nur es gibt ja unheimlich viele Streitigkeiten, Konflikte innerhalb der Klientel und da müssen wir natürlich gucken, dass wir da nicht dazwischen geraten. Deswegen ist Aufmerksamkeit ganz wichtig und wichtig.
18:39
Also prinzipiell, naja, ist es ein gefährlicher Job? Ja, hier im Bahnhofsviertel gibt es Potenziale. Es gibt ja auch Menschen, die durchs Viertel laufen oder die sich originär hier aufhalten oder das Bahnhofsviertel auch suchen, weil es ja auch als der Ort beschrieben wird, wie du das vorhin auch schon so angedeutet hast. Ja, eben ein Ort, wo man sich auch mal daneben benehmen kann, wo man auch die Anonymität sucht und entsprechend, ja, müssen wir aufmerksam sein voran.
19:04
Von daher, ja, es gibt natürlich Risiken, keine Frage. Wie groß ist denn die offene Drohungsszene im Bahnhofsviertel? Gibt es dazu Zahlen? Also wenn man sich die Zahlen aus den Konsumräumen anguckt, da kann Sophie sich ja ein bisschen detaillierter was zu sagen. Es sind wohl viereinhalbtausend Menschen, die so im Jahr die Konsumräume nutzen. Da gibt es aber auch viel Zu- und Abfluss. Also wir haben hier nicht viereinhalbtausend Menschen im Bahnhofsviertel. Da sind viele dabei, die haben…
19:28
Heimatorte, in die sie zurückkehren und im Prinzip das Bahnhofsviertel nutzen, um in die Anonymität zu gehen, um vielleicht nicht zu Hause auf dem Klo zu konsumieren, wo vielleicht Familie mit wohnt und eben auch vielleicht auch der Vernunftgedanke zu sagen, ich gehe lieber in einen Druckraum, wo ich weiß, dass sich um mich gekümmert wird, wenn ich überdosiert bin, da kann mir zu Hause keiner helfen. Von daher haben wir auch Zufluss immer für den Konsum aus den umliegenden Regionen.
19:54
Aber auch wieder den Abfluss. Wir sagen jetzt für uns, für OSSIP, die Zielgruppe, gibt es eine Zahl, schätzwert eher, sagen wir so zwischen 250 und 350 Personen, sind die Zielgruppe, die sich hier originär im Frankfurter Bahnhofsviertel aufhalten, obdachlos sind, die Angebote nicht ausreichend wahrnehmen und nach denen geschaut werden muss. Was trotz allem eine ganze Menge ist, 250, 350. Das fällt auf jeden Fall auf. Werbung
20:24
Kommen wir vielleicht ein bisschen jetzt auch zu einem allgemeineren Thema, um mal ein bisschen zu gucken, weil das Bahnhofsviertel ist ja sehr viel diskutiert.
20:36
Und eben auch die Problematik in dem Sinne, dass Menschen, die vielleicht auch jetzt komplett neu in Frankfurt ankommen, ich denke immer an meine Mom, ein fränkisches Dorf und dann stehen sie plötzlich in Frankfurt, denken sich nichts bei, denken sie, ja super, nehme ich ein Hotel im Bahnhofsviertel, ist gleich zentral. Also den Gedankengang kann ich nachvollziehen, wenn man viel mit Gleitstätten und so unterwegs ist. Und dann natürlich hier mit der Drogenszene und mit Sexarbeit in gewisser Maßen konfrontiert ist.
21:04
Wie schätzt ihr die Sache ein? Also wie geht ihr sozusagen mit diesem Konflikt um? Was ist da eure Haltung? Sophie, vielleicht magst du als erstes was dazu sagen? Also ich finde, historisch gesehen ist das Bahnhofsviertel natürlich ein Schmelztiegel von allem und jedem, der hier eine Heimat finden will. Es ist ein sehr, sehr kleines Viertel, das muss man sagen, sehr stark und dicht bevölkert ist.
21:24
Das kommt noch hinzu. Hinzu kommt auch natürlich gerade die Umbauarbeiten am Bahnhof. Ganz, ganz viele Nischen, die unsere Klientinnen und Klienten früher genutzt haben, sind einfach weggefallen. Also die B-Ebene als Zugang, die Taunusanlage ganz früher in den 80ern, das sind Nischen, die weggebrochen sind. Und wo sollen die Leute hin? Also…
21:44
So wie Treffpunkte für, ich sage mal, auch die in Anführungsstrichen Normalbevölkerung immer weiter wegbrechen. Marktplätze, Orte, wo man nichts konsumieren muss und sich treffen kann, fallen vermehrt weg, auch durch die Digitalisierung, durch soziale Medien, durch Netzwerke. Und die Leute suchen sich diese Räume. Das ist hier klassischerweise lang der Kaisersack gewesen, der jetzt auch durch die Bauarbeiten noch enger geworden ist, auch zunehmend enger wird.
22:12
Das ist einfach ganz spannend zu sehen. Trotzdem, dass auch nicht nur unsere Gruppe das Bahnhofsviertel aufsucht, also nicht nur unsere Klientel. Das sind, wie du schon sagtest, Sexarbeiterinnen, freier Partyvolk. Wir haben viele, viele Clubs, viele, viele Kneipen, auch Szenebars, tolle Restaurants, Kulturangebot. Also hier strömt ja Wochenende für Wochenende ein massiver Anteil Frankfurterinnen und Frankfurter, aber auch das ganze Umland, Touristinnen und Touristen.
22:39
aus ganz Deutschland und der Welt in das Viertel. Allein die Pendlerzahlen sind ja massiv. Also wenn Frankfurt eine halbe Million oder eine Dreiviertelmillion Einwohner hat und jeden Tag über 300.000, 400.000 Leute rein und raus pendeln, das macht was mit einer Stadt. Das macht die dynamisch. Das muss man, glaube ich, einfach, wenn man aufs Bahnhofsviertel guckt,
22:56
immer nochmal sehen. Also im Prinzip, und das finde ich vielleicht ganz wichtig, weil es wird halt immer sehr betont, die offene Drogenszene und auch eine gewisse Spannung dahingehend, aber wie du schon sagst, das Bahnhofsviertel, hier ist ja extremst viel und es ist wirklich, man kann da sehr schnell einmal eine Runde drum drehen, das dauert jetzt nicht ewig und
23:14
Und es treffen einfach unfassbar viele Menschen zueinander. Und was halt zusätzlich noch kommt, verbessert mich dahingehend gerne, weil ich mich nicht ganz so gut auskenne, ist, dass hier ja die ganze Zeit neuer Wohnraum geschaffen wird. Und was halt viel passiert mit in Anführungszeichen verruchten Vierteln, dass sie natürlich interessant werden für Gentrifizierung, Wohnungsbau usw.
23:33
Und dann ziehen da Menschen hin und wollen plötzlich in so hippe Viertel gehen und dann aber ihre Ruhe haben. Und das baut ja nochmal zusätzliche Spannungen auf. Also ich kann ja prinzipiell erstmal verstehen,
23:46
wenn jemand hier ins Viertel kommt und jetzt nicht sozialarbeiterisch vorgeprägt ist in irgendeiner Form, dass das anmutet, negativ. Das kann ich prinzipiell. Ängste, Sorgen, Nöte, dass man Bilder, die man hier vielleicht sieht, auch teilweise sehr schlecht verkraften, vertragen kann. Hier sind Menschen, die kommen ja nicht freiwillig alle hierher. Wenn man hier arbeitet, kriegt man vielleicht irgendwann mal gesagt, wenn man bei der Deutschen Bahn arbeitet zum Beispiel, ja,
24:12
Kommt man aus der thüringischen Tundra und dann arbeitet man auf einmal im Frankfurter Bahnhofsviertel. Das ist krass, keine Frage. Ich bin hier beteiligt bei so Seminaren, die vom Präventionsrat veranstaltet werden für Firmen, weil die auch natürlich gucken müssen, dass sie ihren MitarbeiterInnen was anbieten, damit die nicht alle die Flucht ergreifen. Und das ist interessant, also für mich ist das sehr interessant, weil ich als Sozialarbeiter hier im Viertel mit meinem Pulli, wo draufsteht, dass ich Osset bin, natürlich eine ganz andere Rolle habe.
24:40
Und die kriege ich auch auf der Straße gespiegelt und ich kenne ja auch dann viele Menschen, die sich im Viertel bewegen. Wenn man jetzt aber hier arbeitet, dann hat man den Zugang nicht. Wenn man Dinge durch die Gegend trägt, wie du das gerade geschildert hast. Natürlich ist das potenziell vielleicht auch das eine oder andere Geschäftsmodell eines Klienten, einer Klientin, die irgendwie zusehen muss, dass sie sich ihre Drogen finanziert. Wir haben diese Fälle hier im Viertel.
25:03
Von daher habe ich großes Verständnis, dass nicht jeder hier ins Viertel kommt und sagt, ja, das ist alles verständlich, ich kann das alles gut verstehen. Ich kriege in diesen Seminaren ganz oft Rückgemeldet, dass Leute Albträume haben, dass Bilder in den Schlaf verfolgen, dass man nicht weiß, wie man sich im Viertel verhalten soll. Ganz viele Menschen, die wirklich empathisch sind, unterstützen wollen und eher sagen so, ich habe ein total schlechtes Gewissen, wenn ich mir angewöhnen muss, immer vorbeizulaufen, weil ich einfach keine Zeit habe, anzuhalten und nach jedem zu gucken.
25:31
Also da gibt es ganz viele innere Kämpfe, die da geführt werden. Und dass das Druck macht und dass das auch Leidensdruck erzeugt, teilweise kann ich sehr gut verstehen. Deswegen ist es so wichtig, finde ich, aber dass einfach auch klar ist, dass es diese Hilfseinrichtungen gibt, dass es diese Angebote gibt. Wenn man sich in den Medien, so die Medienlandschaft verfolgt, finde ich, da läuft häufig so im Subtext mit, warum macht denn da keiner was? Bilder werden dargestellt und Situationen werden geschildert und irgendwie immer so im Subtext, ja, wieso macht keiner was?
25:59
Das machen ganz viele, ganz viel. Das finde ich ist eine ganz wichtige Info. Ich finde aber auch zum Beispiel, dass wir, wenn wir ansprechbar sind,
26:09
dass wir da auch ein Stück weit vielleicht unterstützen können, auch solche Situationen aufzulösen. Da möchte ich vielleicht auch gleich noch einhaken mit, warum macht keiner was? Vielleicht dann nochmal betonen, also OSSEP und das LASTRA, das sind nicht die einzigen Einrichtungen hier in der Gegend. Wisst ihr, Artok, wie viele wir hier im Bahnhofsviertel haben? Es gibt Drogenkonsumräume, es gibt das Nachtcafé, es gibt die Frauenberatungsstelle, es gibt…
26:34
K9, genau, die ist noch am Rande. Die machen auch Substitutionsstelle, machen Grundversorgung, ganz hilfreiche Einrichtungen auch. Also es gibt eine Hilfeinfrastruktur hier in diesem Viertel. Ja, und da wird ganz viel gemacht. Wichtig ist mir vielleicht nochmal zu sagen, diese Zahl von diesen 250 bis 350,
26:49
Das ist nicht eine homogene Gruppe. Da wechselt immer wieder. Es gibt immer wieder Veränderungen in der Zusammensetzung. Das sind auch Untergruppierungen. Da verändert sich ganz viel. Wir haben ganz viel Abfluss von Menschen in zum Beispiel JVA. Wir haben Abfluss in Entgiftungen. Wir haben Abfluss in therapeutische Einrichtungen. Wir haben Abflussrückführungen in Handwerksgruppen.
27:08
In Heimatorte, ganz viel. Das heißt ja immer, wir haben hier so diesen Faktor, dass alle nach Frankfurt kommen wollen, weil sie hier in der Drogenhilfe unterkommen wollen oder versorgt werden wollen. Wenn hier jemand ankommt, dann weisen wir darauf hin, Frankfurt ist kein gutes Pflaster. Wenn du hier bleibst, wirst du wahrscheinlich deine Lebenssituation nicht verbessern.
27:25
Von daher weisen wir darauf hin und unterstützen auch, bringen die Leute zum Bahnhof und machen Rückführungen, bezahlen die Tickets und dann sollen die wieder zurück in die Heimatorte fahren und vielleicht ihre Problemlagen, die sie dort haben, die sie dazu veranlasst haben, nach Frankfurt zu gehen, eher lösen, weil das hilfreicher ist für die Personen. Und damit halten wir ja auch ein Stück weit die Leute auch weg aus dem Bahnhofsviertel. Und das machen wir nicht, weil wir die unsympathisch finden, sondern weil es einfach für die Person selber nicht gut sein wird, wenn sie hier in Frankfurt strandet.
27:51
Und das sehen wir immer wieder. Wir haben unheimlich viele Leute, die, also eigentlich jeden Tag kommen die Kolleginnen von der Straße und sagen wieder ganz viele Leute, die wir nicht kennen, die sich hier aufhalten, temporär und dann aber auch wieder gehen.
28:04
einige wenige bleiben hängen. Jetzt muss man ja sehen, von der Struktur her ist ja so, dass das Bahnhofsviertel sich anbietet für Menschen, die vielleicht Heimatflucht betrieben haben, weil es einfach hier diese Anonymität gibt, die ja von vielen auch gesucht wird. Wenn ich im kleinen Ort wohne, wo mich jeder kennt, alte Schulfreundinnen, Freunde, Verwandtschaft, weiß ich nicht, und man irgendwie vielleicht eine Suchtbiografie hat und das auch sichtbar wird, dann ist das unangenehm. Ich kenne Leute, die mir dann sagen, ich wollte da nicht mehr einkaufen gehen, habe lange im Taunus gearbeitet. Da
28:33
Da habe ich solche Sätze gehört, ich will nicht mehr einkaufen gehen, weil ich treffe da Leute, die mich kennen und dann muss ich mir diese Blicke, unsere Klientel ist sehr, sehr sensibel, die merken Blicke ganz deutlich. Und die sagen dann auch, nee, das will ich mir nicht geben, dann gehe ich lieber in die Anonymität und die gibt es im Bahnhofsviertel immer in Verbindung mit dem Rotlicht.
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Weil im Rotlicht im Prinzip das gleiche System herrscht. Da gehen auch Menschen hin, die jetzt nicht erkannt werden wollen. Es gibt in jedem kleinen Ort die Möglichkeit, wahrscheinlich irgendwie ein Bordell aufzusuchen. Wenn man dann rauskommt und die Nachbarin trifft zum Beispiel. Schwierig. Deswegen auch, das ist ein Klientel-
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diese Freier, ja, wir sagen immer die erlebnisorientierten, die hier ins Bahnhofsviertel kommen, um in der Anonymität unterzugehen. Und das passt immer gut zu unserer Klientel halt zusammen. Vielleicht nochmal auch auf diese Spannungen dann zu sprechen, die da durchaus entstehen. Ich weiß, in diesen Diskussionen, die man auch dahingehend machte, wo man immer so sagt, naja,
29:27
Wir wollen das Elend nicht sehen. Warum schafft man das denn nicht in Frankfurt, das so ein bisschen zu verschleiern? Und was wird da gerne als Vergleich genommen? München finde ich jetzt nicht so passend im Vergleich, weil ich meine, in München werden die Leute einfach komplett aus dem öffentlichen Raum weggedrückt.
29:42
Aber auch das Züricher Modell wird ja auch gerne angenannt. So hier, man sieht die Menschen nicht, die gehen ganz anonym in den Druckraum rein. Die haben ja auch Druckräume und das ist doch alles super schön. Und ich möchte da mal ein bisschen die Frage auch in den Raum werfen.
29:59
ganz offen, dürfen denn offene Drogenszenen auch mit ihren ganzen Kontroversen, die sie aufwerfen, Teil eines Stadtbildes sein? Oder geht dann nicht dieser öffentliche Wunsch nach, wir wollen so ein Elend nicht sehen, wir wollen kein Gefahrgefühl in einem Viertel haben, geht das vor? Was sind da eure Meinungen zu? Also das ist ja eine Haltung. Wir hatten hier mal bei OSSIP eine Praktikantin, Hospitantin, die kam aus Coburg, Bayern. Ja.
30:27
Ah, da habe ich studiert. Ja, auch Studentin von dort. Grüße dahin, wenn sie zuhört. Im Abschlussgespräch sagte sie, sie findet das total großartig, wie hier mit den Menschen umgegangen wird. Also es ist ja eine Frage der Haltung. Man könnte ja auch diese Haltung einnehmen und jetzt nicht nur die SozialarbeiterInnen, sondern auch alle anderen, dass wir sagen, ja, wir müssen uns eine solche Drogenszene vielleicht leisten, weil das sind ja nicht Leute, die feiern wollen und irgendwie alle selbst verantwortlich sind für ihr Tun dort, sondern das sind viele Menschen, die aus ganz vielen Gründen
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in ihrem Leben durch viele Raster gesaust sind und letztlich im Bahnhofsviertel gestrandet sind. Es sind kranke Menschen, suchterkrankt. Und es ist auch die Kehrseite der Medaille. Nicht jeder Mensch in dieser Gesellschaft gehört zu den Gewinnern, in Anführungszeichen. Also wirtschaftlich, sage ich jetzt mal. Es gibt viele Menschen, die einfach ihren Platz nicht finden und
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Das zu sehen, finde ich, ist eigentlich ein Auftrag an alle, sich klarzumachen, nicht jeder wird in dieser Gesellschaft seinen Platz finden aus vielen Gründen und dann muss man hingucken. Und wenn man hinguckt, und das erfahren wir ja in unserer Arbeit täglich, dann sehen wir ganz viele Punkte, wo wir einfach sagen müssen, ja, vielleicht hatte der Mensch auch gar keine Chance, seinen Platz zu finden. Ja, das hat was mit Herkunftsfamilien zu tun, das hat was mit dem Aufwachsen zu tun, das hat was mit Ressourcen zu tun, die man vielleicht auch braucht, um in verschiedenen Situationen die
31:46
die richtigen Antworten zu geben. Ich bin im Konsumraum mal gefragt worden, habe als Student auch gearbeitet im Konsumraum, bin ich mal gefragt worden von einem Klienten, warum bin ich hier? Da habe ich gesagt, weil du eine Summe falscher Entscheidungen getroffen hast.
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Dann hat er mich gefragt, wie komme ich hier wieder weg? Ja, du musst eine Summe richtiger Entscheidungen treffen. Und ich finde, das klingt so leicht. Ja, es klingt auch so banal zu sagen, ja, dann laufen doch natürlich die Streetworker draußen auf der Straße rum und sagen dem Klienten, hier, dein Bein ist offen, du hast da eine Wunde, geh doch mal zur Wundversorgung. Und dann, dass der Klient dann sagt, ach so, ja, wusste ich nicht, habe ich irgendwie nicht gewusst, dass es diese Stelle gibt, dann gehe ich da jetzt natürlich hin. So einfach ist es nicht. Wir haben damit Menschen zu tun.
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die auch psychisch erkrankt sind, die ganz viele Dinge nicht können. Wo kleinste alltägliche Dinge für uns, wo wir sagen, das ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich meine Post aufmache, dass ich meine E-Mails beantworte, dass ich meine bürokratischen Dinge erledige, dass ich auf mich achte körperlich. Das ist da an vielen Stellen einfach, spielt nicht die erste Geige. Und das muss man sehen. Das haben wir täglich, diese Erfahrung. Und ich denke, alle diejenigen, die nicht diese Probleme haben,
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könnten ja auch in einer anderen Haltung sich diesem Problem oder diesen Menschen auch nähern. Ja, ich glaube, da ist halt auch oft das Problem, dass viele Menschen sich das nicht vorstellen können. Ich meine, häufig ist ja auch das Argument, wenn man den Aspekt der Erkrankung anspricht, na ja, warum machen die denn keine Therapie? Warum gehen die denn nicht in Reha, in Entgiftung etc.?
33:11
Und da möchte ich vielleicht auch nochmal betonen, dass, und ich meine, das erkennen wir an vielen Erkrankungen, dafür muss man nicht im Bahnhofsviertel sein, dass Menschen mit Depressionen oder mit ADHS, die vielleicht noch ganz normal im Alltag angedockt sind, auch schon extreme Schwierigkeiten haben, sich zu überwinden.
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Und sich vor allem auch seinen eigenen Herausforderungen zu stellen. Und Menschen, die im Bahnhofsviertel sind, in der offenen Drogenszene, die haben ja meistens nicht nur eine Suchterkrankung, sondern oft sehr komplexe Erkrankungen bezüglich PTBS, SPS.
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Persönlichkeitsstörung und, und, und. Und sich dem zu stellen, auch mit der großen Frage, wie weit komme ich? Und auch die Substanzen loszulassen und zu sagen, okay, ich stelle mich den jetzt nüchtern, weil das ist im Prinzip der einzige Weg in Deutschland, wie man Therapie aktuell bekommt. Das heißt, die Menschen verlieren
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in einem Zug so ihre eingewählte Medikation, nenne ich das jetzt mal, auch wenn das natürlich nicht mit einer normalen Medikation zu vergleichen ist, aber eine gewisse Selbstmedikation, die vielleicht entartet ist in eine Suchterkrankung. Aber das muss dann losgelassen werden und plötzlich ist man mit all
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allem konfrontiert, warum man diese Substanzen konsumiert und dafür müssen erstmal Entgiftungen auch ordentlich vorbereitet sein, das aufzufangen. Ich möchte an dem Punkt vielleicht auch nochmal auf die Folge Traumabindungssucht bei Kinder und Jugendlichen, die ich gemacht habe, ich verlinke sie in die Shownotes, nochmal auch hinweisen, wo ich finde, dass
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sehr gut beschrieben wurde, dass wir eigentlich wirklich traumasensible Entgiftungen brauchen, um die Menschen da aufzufangen. Weil sonst ist ja plötzlich alles, was mich hält, weg. Und alles, was ich nicht haben wollte, kriege ich komplett konfrontiert. Plus noch die Entzugserscheinungen, die kommen ja auch noch drauf. Und es ist nicht einfach mal in die Therapie gehen. Und das war mir jetzt einfach nochmal wichtig, das auch hier sehr stark zu betonen. Vielleicht kann ich nochmal kurz ergänzen, also wir sind ja gerade ins neue Jahr gestartet, so das
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ist ja dann auch immer so ein Ritual, dass jeder sich fürs neue Jahr irgendwelche tollen Dinge vornimmt. Meistens sind es dieselben wie fürs letzte Jahr. Und da sind wir ja alle irgendwie Menschen, die bessere Voraussetzungen haben. Und trotzdem kriegen wir ganz vieles nicht auf die Kette.
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Und jetzt erwarten wir das von Menschen, die sehr perspektivlos sind, die deswegen auch in so eine bestimmte Starre vielleicht gefallen sind, also die einfach nicht in Bewegung sind, weil dafür braucht es ja irgendwie auch ein Ziel und irgendwie ein Optimismus, irgendwie das Vertrauen darin, dass die Situation vielleicht besser wird. Wenn man aber lange obdachlos ist, lange hier im Viertel unterwegs ist, das Leben auf der Straße macht ja auch was mit einem.
35:38
dass man da vielleicht auch mal so ein bisschen die Hoffnung verliert und deswegen auch so ein Stück statischer wird. Von solchen Menschen kann man vielleicht nicht erwarten, dass die dann sagen, ich ändere jetzt mal gerade eben mein Leben um 180 Grad. Und was dazu kommt, finde ich, dass im institutionellen Rahmen funktionieren diese Menschen immer ganz gut. In dieser Zeit der Therapie machen ganz viele Prozesse durch und sind da gut aufgehoben. Teilweise auch in Haft, muss man sagen,
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Aber dieses Wieder-ins-Bahn-Nuss-Viertel-Kommen, also was ist danach? Kein soziales Netzwerk zu haben, nicht zu wissen, wohin, keine Familie, niemanden, der danach da ist, die Nachsorge, das ist oft der Knackpunkt, wo es schwierig wird. Also viele haben eine Therapie gemacht und haben das auch als sinnvoll befunden.
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Aber da aus Eigenarbeit, sage ich mal, selbstständig das zu schaffen, dann diese Szene auch loszulassen, das ist teilweise deren Familie, auch wenn es da diese Freundschaften und Beziehungen in der Form, in der wir es vielleicht kennen, nicht unbedingt gibt. Weil wenn jemand dann keinen Stoff oder Stein mehr hat, dann ist die Beziehung auch manchmal schneller vorbei, als sie wieder angefangen hat. Und nichtsdestotrotz fühlen die sich hier zu Hause. Das Bahnhofsviertel ist deren Zuhause und es ist das Einzige, was sie kennen.
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oft und wo sie das erste Mal stabile Beziehungen vielleicht auch erfahren haben. Und das, glaube ich, ist
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noch mal wichtig zu betonen und dass wir es mit Menschen zu tun haben, die alle eine eigene Geschichte und Biografie haben. Und das sind nicht nur irgendwelche Menschen, die eine abgebrochene Bildungskarriere haben, sondern das sind Menschen, ich habe mich schon über Physik, über Kunst, über tolle Themen mit Menschen unterhalten. Ich habe schon herzlich gelacht im Konsumraum auch über Geschichten. Mir kam auch schon die Gänsehaut und auch das Gefühl, gleich Tränen auszubrechen, weil da wirklich ganz, ganz schlimme Geschichten dahinter stecken von sexuellem Missbrauch in der Kindheit.
37:18
zur Adoption freigegeben, keine familiären Bezüge, kein Zuhause zu haben. Und ich finde, wenn wir uns da so ein bisschen begegnen könnten, also mit Verständnis und zumindest in der friedlichen Koexistenz, ja, und das sage ich auch unseren Klienten immer, auch ihr müsst Verständnis haben, wenn jemand dort wohnt oder arbeitet, ja, ich
37:38
jemanden vor der Tür zu haben, der intravenös konsumiert, das ist kein schöner Anblick. Aber dann aufeinander zuzugehen und das zu erklären und zu sagen, hey, aus dem und dem Grund, ich lasse dich kurz konsumieren, aber bitte morgen such dir vielleicht was anderes. Ich habe vielleicht Kinder oder was auch immer.
37:54
einfach in Kontakt zu kommen, in Diskussion zu kommen. Und wenn man es nicht schafft, sich Hilfe zu holen und dann vielleicht bei den Kollegen von OSSEP oder bei den Kollegen, die Sozialarbeiter sind im Viertel, das fände ich besser als immer dieses Aggressive. Geh weg, du hast hier nichts zu suchen. Also
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Die Klienten haben auch was im Bahnhofsviertel zu suchen, das ist deren Zuhause. Ist das denn der Ton, der häufig angeschlagen wird? Ich würde nicht sagen, also gibt es nicht häufig, glaube ich. Ich glaube, da gibt es schon viel, viel Verständnis im Viertel und ich glaube, viele Menschen, die dort wohnen, wissen auch, wo sie sich aufhalten.
38:27
Und nichtsdestotrotz kommt es manchmal vor, teilweise aus Unwissenheit, teilweise auch als Bewältigungsstrategie, um sich davon auch ganz klar zu distanzieren. Ich glaube, das ist für den eigenen Charakter vielleicht manchmal auch wichtig zu wissen, okay, ich bin hier und du bist da, aber ich würde darauf plädieren, einfach ein bisschen mehr zueinander zu finden und Verständnis zu zeigen.
38:47
Aber ich glaube, das kannst du vielleicht nochmal, ich kriege jetzt das Bahnhofsviertel außen gar nicht so mit, aber ich habe schon das Gefühl, dass viele, viele Menschen auch helfen wollen und diese Menschen auch sehen und sehr aufmerksam sind. Und auch den Kältebus zum Beispiel jetzt anrufen in der Nacht, die Kolleginnen und Kollegen auf der Straße informieren, das habe ich eigentlich schon. Also man hört ja immer die Lauten.
39:09
Und das sind halt leider meistens eher die, die so Beschwerden haben. Die hört man halt einfach mehr, weil die sich auch mehr Gehör verschaffen. Wenn jemand damit fein ist und irgendwie sagt, ich greife dann mal zum Hörer, das macht jetzt kein großes Aufsehen. Das passiert dann halt einfach.
39:22
Von daher denke ich, es ist auf gar keinen Fall so, dass es hier per se eine Ablehnung gäbe. Es gibt ganz viele Menschen, die sich damit auch arrangieren, die auch tatsächlich, wie du sagst, eher hilfreich sein wollen. Das ist ja letztlich auch ein Auftrag mit von OSSIP. Also hat er vorhin gesagt eingangs, also diese lebenssichernden Maßnahmen. Natürlich binden wir Leute bei uns an, sozialarbeiterisch und beraten, betreuen die, vermitteln die, versuchen nämlich genau diese Zuversicht zu geben, dass eine Veränderung möglich ist, zu motivieren.
39:50
dass die Leute Vertrauen bekommen und sagen, ja, ich mache mich da nochmal auf den Weg und bitte mit dem Sozialarbeiter oder mit der Sozialarbeiterin gemeinsam. Weil alleine ist es im Prinzip das Betreten von fremden Sphären.
40:02
Der dritte Auftrag bei uns ist das sozialräumliche Wirken. Und das ist ja im Prinzip genau das, zu gucken, dass wir auch ein Stück versuchen, das ist in der Sozialarbeit immer so ein bisschen kritisch gesehen, wenn man sagt, man agiert ordnungspolitisch. Ich finde, einen Einfluss, den man hat aufgrund von Beziehungen zur Klientel, dafür zu nutzen, dass sich die Situation im Viertel verbessert für alle, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit für mich. Und Klientinnen darauf hinzuweisen, zu sagen, wenn ihr euch hier immer in der Art und Weise verhaltet,
40:30
Ihr habt hier einen Raum gefunden, einen Platz, einen Ort für euch gefunden. Wenn ihr den behalten wollt, behandelt ihn gut, sonst nimmt man ihn euch weg. Nehmen wir immer wieder wahr, dass das dankend angenommen wird. Klientinnen bedanken sich für den Hinweis, weil es ist ja auch klar, wenn wir das nicht sagen würden, irgendwer beschwert sich ja dann sowieso. Also wir sind ja quasi der Satellit, der das empfängt und dann an die Klientinnen weitergibt. Und das funktioniert eigentlich, finde ich, ganz gut. Da müssen wir sehen,
40:55
OSSIP ist jetzt, gab es eine Veränderung, ist jetzt vor zwei Jahren erst an den Träger Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. gegeben worden, federführend. Wir mussten ein Team aufbauen. Wir sind jetzt komplett seit August letzten Jahres 9,5 Stellen, also zwölf Personen auf zwölf Personen aufgeteilt.
41:11
Machen wir hier diese soziale Arbeit im Bahnhofsviertel? Man muss sich zeigen, man muss den anderen die Möglichkeit geben, einen selber kennenzulernen, müssen die Leute kennenlernen. Das hat ganz gut funktioniert, denke ich, und das ist eigentlich die Grundlage, auch diese Arbeit so machen zu können.
41:25
Vielleicht das noch ergänzend, in diesen Seminaren gab es ganz, ganz viel positive Rückmeldung und das ist dann auch wieder für mich sehr hilfreich, auch für mich so ein bisschen zu filtern. Auf der einen Seite immer mehr, was ich vorhin schon mal sagte, klar zu machen, ich habe da eine andere Rolle, aber auf der anderen Seite eben auch zu sehen, dass es unheimlich viele Menschen gibt, die sich einfach Gedanken machen und die aber nicht die Lauten sind.
41:43
Aber die zu hören und da gibt es wirklich, das glaubt man so, wenn man durchs Viertel läuft, erlebt man das nicht, man sieht es nicht. Aber in diesen Seminaren sieht man es und deswegen bin ich da sehr dankbar, dass ich da Teil davon sein kann. Und das können ja auch Multiplikatoren sein. Also ich war vielleicht dann in diesem Seminar als Mitarbeiter eines großen Unternehmens im Bahnhofsviertel und trage das dann weiter und kann dann auch erklären, warum Menschen da sind. Ich habe dann irgendwie so ein bisschen Input bekommen und wir haben zum Beispiel auch ein Kooperationsprojekt wird gegründet,
42:07
In einem Projekt, was bei uns regelmäßig kocht, das sind Menschen, die überhaupt gar keine sozialarbeiterische Erfahrung haben, die eher in einer großen Bank arbeiten und für uns kochen.
42:18
Und die kommen jede Woche und kochen bei uns und kriegen so viel Lob und Rückmeldung von den Klienten. Und das ist total schön, dass durch so eine kleine Begegnung da was geschaffen wird. Und die dann auch sagen, ach, das war so nett. Und die Klienten machen dann irgendwelche Essenswünsche und dann wird der Essenswunsch gekocht. Und das ist wirklich…
42:37
Und die haben auch ganz viele Fragen. Es sind auch ganz, ganz viele Mythen und Vorurteile. Also Fragen, die man dann immer gestellt bekommt. Wie viele Tote gab es bei euch? Gebt ihr Drogen aus? Das sind so ganz viele Mythen, die umgehen und wo niemand so ein richtiges
42:52
Und da finde ich es ganz, ganz, ich mache auch ganz gerne Führungen außerhalb unserer Betriebszeit natürlich mit jungen Menschen, die nicht unbedingt soziale Arbeit studieren. Einfach um zu zeigen, was machen wir hier, warum machen wir das und warum ist es auch sinnvoll. Und ich glaube, das sollten wir uns beide beibehalten da als Fachleute.
43:11
Fachkräfte auch in die Gesellschaft zu gehen und zu sagen, das machen wir aus diesem und jedem Grund und das sind unsere Klientinnen. Also ich finde das auch ganz wichtig, weil wenn wir es nicht tun, dann, die Frage ist ja da, dann beantworten sich diese Menschen, die so viele Fragen haben, ihre Fragen anhand von Medien, die da auch Angebote liefern und das ist einfach nicht das realistische Bild.
43:31
Und das finde ich eben ganz wichtig. Deswegen habe ich auch viel meiner Fragen tatsächlich von diesen reißerischen Artikeln abgeleitet, weil ich mir denke, das Bahnhofsviertel ist so belastet von Vorurteilen in allen Richtungen. Und ich glaube, es fällt vielen schwer, so einen Zugang dazu zu finden, beziehungsweise auch den richtigen Ansprechpartner dazu zu finden, um sich darüber zu informieren, sich weiterzubilden. Und da ist mir gerade noch was eingefallen und dazu würde ich gerne noch eure Meinung haben, weil es gibt ja auch inzwischen sehr viele YouTube-Channels,
43:59
die die Menschen einfach interviewen und die darstellen. Ich habe mir ein paar Videos auch mal davon angeschaut. Ich finde es sehr schwierig und ich würde aber trotz allem eure Meinung gerne genau zu diesen Kanälen hören. Ich meine, das Frankfurter Bahnhofsviertel wird ja sehr häufig auch dargestellt. Wie nehmt ihr das wahr? Wie bewertet ihr das? Weil das ist ja wirklich schon massiv. Ich finde die Darstellung unserer Klienten durch soziale Medien sehr falsch.
44:25
Oft werden Klienten mit einer Art Hilfe gelockt in diese Videodokumentationen, sage ich mal, die aber auf keiner Fachlichkeit basieren. Also das sind Menschen, die keine Sozialarbeiter, keine Psychologen sind, die auch das Hilfesystem nicht wirklich kennen und die auch tatsächlich massive Fehler begehen in der Sozialarbeit und es auch teilweise behindern in unserer Sozialarbeit.
44:51
die dann teilweise auch Geld anbieten für Videos, die die Klienten dann drehen. Da gibt es wirklich ganz, ganz schlimme Videos, finde ich, die unsere Klienten sehr diffamieren und ganz komische Vorurteile schaffen.
45:04
Es ist ein öffentlicher Raum, man kann da natürlich filmen. Trotzdem würde ich da an den gesunden Menschenverstand appellieren und auch an die Moral, sich zu überlegen, okay, wen filme ich da? Kann dieser Mensch das vollumfänglich nachvollziehen, was mit diesem Videomaterial passiert, auf welchen Kanälen der landet und wie er oder sie auch dargestellt wird? Und das…
45:23
Würde ich gerade, wenn sich Klienten in Zuständen befinden im Gebrauch illegaler Drogen, würde ich jetzt mal nicht immer zu 100 Prozent bestätigen, dass sie es nachvollziehen können, was da wirklich passiert und wo es zum Schluss auch landet. Und wir haben auch wirklich Klienten, es gibt ja auch viele Privatsender, die durchs Viertel sehr offensiv mit großen Kameras laufen, wo auch Klienten tatsächlich sehr aggressiv mittlerweile reagieren, weil die natürlich dann das auch sehen und sich total falsch dargestellt fühlen. Und dann…
45:50
Geld dafür zu bezahlen, dass sich jemanden Druck setzt, das geht gar nicht, muss ich sagen. Ja, und es ist ja auch immer so ein bisschen mit dem Deckmann, wir helfen den Personen, indem wir sie darstellen, aber da möchte ich auch nochmal auf den Aspekt zurückkommen, dass es so eine Reintegration sehr schwierig machen kann, sollten Menschen es wirklich für sich schaffen, aus dem Konsum rauszulösen und irgendwo anders neu anfangen, sondern dann gibt es da YouTube-Videos von dir, wie du vielleicht
46:19
total auf einer Substanz bist, sehr intime Sachen erzählst. Also in solchen Videos werden ja teilweise auch sehr intime Sachen erzählt. Und das hat dann x-tausende von Views, von denen der Mensch, der den YouTube-Kanal macht, natürlich auch massiv verdient. Das darf man auch nicht vergessen. Also ich kann erstmal grundlegend verstehen, warum unsere Klientinnen sich da beteiligen. Zum einen ist es so, dass es teilweise bezahlt wird. Man kann sich schnell Geld verdienen.
46:44
schnell und einfach. Auf der anderen Seite schlägt es ja genau in die Kerbe. Das ist ja genau das, was unsere Klientinnen immer sagen. Das Schlimmste ist, wenn man nicht mehr wahrgenommen wird, wenn man ignoriert wird, wenn man quasi den sozialen Tod gestorben ist. Und das ist ja genau das Gegenteil. Das ist Aufmerksamkeit, da setzt sich jemand hin, Kamera läuft, man kann seine Geschichte erzählen und
47:02
Ich würde vermuten, dass einige sich davon irgendwie auch versprechen, dass das irgendwie dazu führt, dass es eine Veränderung gibt. Vielleicht, dass eine rettende Hand kommt. Weiß ich nicht. Irgendwie so. Vielleicht, dass so eine Hoffnung geweckt wird. Wenn ich das jetzt erzähle, vielleicht gibt es irgendwen, der vielleicht mir Geld gibt, der vielleicht mir Klamotten bringt. Irgendwie so. Diese Motivation kann ich erst mal verstehen. Aber es ist genau, wie du sagst, es sind ganz intime Dinge, die man preisgibt. Und das berichten uns Klientinnen, die auch sagen, wenn sie das sehen …
47:30
dann würden die sich am liebsten umbringen. Also suizidale Äußerungen aufgrund eines Videos, was kursiert, wenn sie das sehen würden. Und das finde ich sehr schwierig. Und es ist so, es sind ganz intime Äußerungen. Und wenn man sich das vorstellt, dass man in seinen schamhaftesten Momenten gefilmt wird und das viral geht, ist schwierig. Das macht…
47:51
erstmal augenscheinlich im ersten Moment nicht so viel aus, weil viele Klientinnen das erstmal gar nicht sehen. Aber es ist ja, wie du sagst, wenn es darum geht, dass jemand vielleicht in eine Entgiftung geht, in eine Therapie geht und dann kommt vielleicht jemand und sagt, ach hier, da ist ja ein Video von dir irgendwie auf YouTube und dann guckt man sich das an. Ich glaube nicht, dass das dazu beiträgt, dass der Mensch selbstbewusster wird und dass der Lösungen findet, die gut sind. Ich habe da auch eine Klientin von mir, eine ehemalige im Hinterkopf, die damals ein
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Zeitungsinterview schon sehr lange hergegeben hat, wo, glaube ich, aber auch sie zugestimmt hat, ein Bild abzudrucken. Und das hat ja eine viel geringere Reichweite. Und als sie dann 15, 20 Jahre aus der Sexarbeit ausgestiegen ist und aus dem Substanzkonsum ausgestiegen ist, ist sie jeden Tag mit der Angst auf die Arbeit gegangen, dass ihr Chef aus welchen Gründen auch immer
48:43
auf dieses Interview, wo sie sich eben mit einem Bild geäußert hat, stößt und sie dann ihren Job verliert und ihre Stabilität verliert. Und das muss ja auch nicht mal realistisch passieren. Allein die Angst, die da passieren kann, das darf man einfach auch nicht unterschätzen. Das Internet vergisst nicht. Und ob immer alle Medien mit der notwendigen Sensibilität
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Diese Dokumentation oder diese Videos dann teilen, also teilweise ist das ja wirklich unterlegt mit schlimmsten Montagen und schlimmsten Bildern und auch Musik, die nicht die Sensibilität einfach aufbringt für die Situation, in der sich diese Menschen auf der Straße befinden. Und das finde ich eigentlich schwierig. Ich finde es toll, grundsätzlich zu sagen, hey, ich möchte einen Beitrag leisten, ich möchte in irgendeiner Form helfen.
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Und da sind wir auch total dankbar und auch auf Spenden angewiesen tatsächlich, wenn es um Kleidung geht oder um Essen, um zu Weihnachten. Das sind auch tolle Projekte, die Privatmenschen auf die Beine stellen können und die auch Geld generieren können. Das muss man ja auch ganz klar sagen. Aber es ist halt immer dieser Zwiespalt zwischen, okay, wo fängt die Hilfe an und wo helfe ich mir vielleicht selber, indem ich auch Ruhm umfasse.
49:53
Und im Prinzip auch Geld generiere dadurch, dass ich da Klicks und Zahlen ins Netz für meinen Account oder für meinen Kanal habe. Und das, glaube ich, muss man immer so in die Balance setzen.
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Ich glaube, man muss sich auch noch mal angucken, an wen richten sich diese Videos? Also wer konsumiert das und was macht das? Und da sehen wir auch Dinge, die wir nicht positiv bewerten können. Also wenn junge Menschen, Minderjährige, hier im Viertel unterwegs sind und sichtbar keine Grenze ziehen, keinen gesunden Abstand halten zur Drogenszene, weil sie die Protagonistinnen aus dem Netz kennen und eher so eine Form von, da ist ein Prominenter oder eine Prominente. Also das macht ja auch was. Man hat das Gefühl, man kennt die Person.
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Deswegen zieht man keine Grenzen, man geht nah ran. Und da kommt man in eine Vermischung, in eine Verquickung, wo ich sage, junge Menschen sollten irgendwie vielleicht einen gesunden Abstand wahren, sich nicht zu sehr vermischen, weil das kann ja auch was auslösen. Das bringt einen ja selber im Prinzip auch nah an Substanz. Und die Unverfügbarkeit von Substanz ist ja auch irgendwie der größte Schutz.
50:53
Und der verschwimmt da an der Stelle. Naja, und was ich auch ein bisschen mitbekommen habe, ist halt auch, wenn jüngere Frauen in solchen Videos auftauchen, natürlich auch sehr viele schreckliche Angebote, anders kann man es nicht sagen, von Männern, die diese Situation ausnutzen möchten, kommen. Also das ist ja auch noch ein anderer Aspekt. Werbung
51:17
Ich möchte jetzt zum Abschluss kurz nochmal mit euch in die Zukunft gucken und vielleicht auch mal so in eure Wunschliste rein spicken.
51:26
Was würdet ihr gerne euch fürs Bahnhofsviertel und für eure Arbeit wünschen und vor allem aber auch für euer Klientel wünschen, wenn ihr noch ein bisschen mehr rausholen wollt? Einfach noch ein bisschen, dass die Arbeit effektiver wird, dass das Klientel sich auch wohler fühlt in dem Viertel, dass vielleicht die Spannungen nachlassen. Was braucht es dafür? Was würdet ihr euch wünschen?
51:50
Also an erster Stelle würde ich vielleicht setzen, eine ganz langfristige, stabile und sichere Finanzierung. Frankfurt macht sehr viel tatsächlich für den Drogenhilfebereich, weil wir es auch machen müssen, weil viele Kommunen und Städte drumherum nicht so viel Angebot haben.
52:08
Aber ich finde immer, die Drogenhilfe ist so ein bisschen der Spiegel auch in die Szene. Also wenn es der Drogenhilfe nicht so gut geht, geht es oft den Klienten auch nicht so gut. Und ich sage mal, soziale Arbeit kostet Geld. Das ist nichts, was jeder kann. Das setzt eine gute fachliche Ausbildung, setzt eine gute Resilienz auch voraus.
52:25
gute Bewältigungsstrategien in diesem harten Arbeitsalltag auch zu durchstehen. Und das kostet Geld. Und die Betreuung und Begleitung unserer Klienten kostet auch Zeit. Also kurzfristige Unterbringungen sind super. Und das haben wir auch dieses Jahr mit einem Pilotprojekt auch mal was Neues probiert. Und nichtsdestotrotz
52:44
ist es nicht, ich setze jetzt einen Klienten in eine Wohnung und dann ist alles gut. Die brauchen Wohnräume, natürlich, aber da steckt massive Sozialarbeit und Betreuung, Begleitung, psychologischer Natur, medizinischer Natur dahinter. Also da sind verschiedenste Fachrichtungen an einem Menschen gebunden, um diesen Menschen
53:02
einen Perspektivwechsel zu ermöglichen. Und das muss man, glaube ich, ganz klar sehen. Und die Drogenhilfe hat für gewöhnlich nicht die beste Lobby. Da fließen jetzt nicht die Spendengelder hinein, die zum Beispiel in Kinder in Not oder Tiere in Not, das sind einfach andere Lobbys, die da mehr Geld generieren. Die Drogenkonsumenten und Konsumenten sind nicht so niedlich oder die tun einem nicht so leid, dass man da vielleicht auch gerne so spendet, wie man es in andere Projekte tut. Und
53:31
Das ist, glaube ich, was es einfach braucht. Ja, viele, wenn man sich die Drogenkonsumräume anschaut, sowohl bei euch als auch bei uns, das sind alte Häuser, die sind nicht dafür gemacht gewesen, Drogenkonsumräume zu werden. Das sieht man einfach an allen Ecken und Enden, dass es da an Modernisierung und Sanierung fehlt.
53:49
Dann wünsche ich mir natürlich gut ausgebildete Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, sie sieht das auch zutrauen, in der Drogenhilfe zu arbeiten. Das ist nicht der einfachste und beliebteste Job. Ich glaube aber, dass man da sehr schnell und stark greifen kann, dass man ganz, ganz viele Erfahrungen macht, die man in anderen Jobs nicht macht.
54:07
Die wünsche ich mir. Wir suchen auch gerade noch einen Sozialarbeiter oder Sozialarbeiterin. Gerne bewerben. Und für die Klienten wünsche ich mir einfach, was eingangs schon gesagt wurde, das Verständnis für ihre Lebenssituation und für ihre Geschichten und Biografien. Ich wünsche mir kurzfristigere und unbürokratische Lösungen. Also jemanden erstmal in Leistungsbezug zu bekommen. Viele sind auch nicht versichert, auch wenn man sich das nicht vorstellen kann, dass in Deutschland man nicht versichert sein kann. Gibt es Menschen…
54:34
Und einfach mal was auszuprobieren, zu sagen, hey, was kannst du dir vorstellen? Wo siehst du dich in den nächsten paar Jahren? Und ganz, ganz kleine Schritte zu gehen. Vielleicht erst mal nur schon alleine mal ins La Strada zu schaffen und nicht immer nur in der Elbe, Mosel und Kaiserstraße zu sein, kann schon mal ein Schritt sein. Vielleicht eine Substitutionsambulanz zu finden, die nicht in der Kaiserstraße oder direkt im Bahnhofsviertel ist.
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einfach mal so drei, vier Schritte zu machen, kleine Brücken zu bauen und das auch schon als Erfolg zu werten und nicht von unseren Klienten und Klienten immer zu erwarten. Und jetzt müssen sie aber clean sein, ein Haus haben, Kombifahren und eine Familie aufbauen. Das sind Ziele, die sind utopisch, die werden sie nicht erreichen. Also da kann ich mich bei allen Punkten anschließen. Ich glaube, diese Haltung, die du dir wünschst, die wünsche ich mir auch. Und ich glaube, die ist ganz wichtig, weil wir brauchen diese Haltung, damit wir auch die Sozialarbeit machen können, weil die braucht Zeit.
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Und wenn da jemand mit der Uhr steht und sagt, ja, aber ihr habt doch jetzt schon irgendwie und der muss doch jetzt mal, dann geht es an der Realität vorbei. Es sind kleine Schritte, kleine Veränderungen, kleine Verbesserungen und die gehen wir ja auch, nur die sind halt nicht sofort so sichtbar. Von daher denke ich, diese Haltung ist ganz wichtig. Wir bräuchten Räume. Das ist ja immer so dieses Thema, du hast vorhin von den Konsumräumen berichtet. Das sind ja auch Räume, die dadurch, dass da die Türen auf sind und man dort konsumieren kann, andere Räume entlasten.
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Und auch das bräuchten wir mehr in diesem Viertel. Wir haben im Moment wirklich eine Situation durch Baustelle, Bahnhof, Hauptbahnhof, durch viele Veränderungen architektonischer Art, defensive Architektur oder
56:03
aggressive Architektur, wie man es auch nennen will, wo einfach Nischen wegfallen, was alles sehr viel sichtbarer macht. Ja, aber wenn wir keinen Raum anbieten, wo die Menschen hin können, dann sind die halt auch so in der Öffentlichkeit. Und das ist wieder der Zustand, an dem sich dann alle stören. Also wir brauchen irgendwie einen Raum, wo sich die Klientinnen aufhalten können und nicht so auf dem Präsentierteller sitzen. Wäre eine Win-Win-Situation, weil die haben ja auch keine Lust darauf.
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Das ist ja nicht, dass die sich gerne immer unter die Augen aller stellen. Die ziehen sich ja auch ganz gerne mal zurück, aber eben diese Rückzugsmöglichkeiten gibt es im Moment de facto eigentlich nicht mehr wirklich.
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Von daher glaube ich, das wäre etwas, was sehr hilfreich wäre. Ja, auch ein Stück die Anpassung der Hilfsangebote an die aktuelle Situation. Wir haben gesprochen Crack-Konsum. Ja, der Crack-Konsum ist einfach eine Veränderung in der Struktur hier im Viertel. Macht nämlich, weil es fluktuativer Konsum ist, dass man das gerne auf der Straße macht. Es geht schneller so. Wir haben Menschen, die sind Polytox, die konsumieren auch intravenös, wenn die dann da sitzen und an der Pfeife ziehen.
57:04
packen sie auch wieder ihr Besteck aus und konsumieren in der Öffentlichkeit intravenös. Also es hat so einen Rattenschwanz. Von daher denke ich, auch da müssen wir die Angebote, oder es wäre schön, wenn die Angebote angepasst werden könnten. Was gut wäre, was es im Moment ja auch noch nicht gibt, wäre ein medizinisches Angebot, also ähnlich wie Substitution bei Heroinabhängigkeit, dass es da was gibt, was wir Crack-Abhängigen anbieten können. Das haben wir im Moment nicht. Von daher müssen wir warten, bis es sowas gibt.
57:33
macht halt die Behandlung schwieriger und löst natürlich nicht das Problem. Wir können nicht einfach allen die Pfeifen wegnehmen und sagen, du machst jetzt Entzug, das wird nicht funktionieren. Und auch da wieder das Verständnis dafür, dass die Situation so ist, wie sie ist und dass die nicht so ist, weil alle Menschen die Hände in den Schoß legen und nichts tun, sondern weil die einfach so ist, weil sich Strukturen verändert haben und wir in der Suchthilfe darauf Antworten finden müssen. Ja, und da darf man halt auch einfach nicht vergessen, dass flexibel zu sein auch immer, wie du auch schon gesagt hast, eine Geldfrage ist.
58:02
Und damit ist die soziale Arbeit in vielen Bereichen, aber auch besonders in der Drogen- und Suchthilfe nicht gerade gesegnet. Aber ich möchte jetzt gerne an dem Punkt auch zum Ende kommen und ich finde es mega spannend und schön, wie ihr die Situation im Bahnhofsviertel und euer Arbeitsfeld beschrieben habt.
58:19
Was mir, glaube ich, am meisten auch noch in meinem Kopf hängen geblieben ist und damit möchte ich gerne auch abschließen, dass man vielleicht das Bahnhofsviertel nicht wie so ein Failed-Viertel sehen soll, sondern eher, dass das ein ganz schönes humanitäre Entgegenkommen auch in dem Sinne ist, dass wir in Frankfurt sagen, nein, die müssen nicht in den Untergrund, die dürfen sichtbar sein. Wir bauen das Hilfsangebot um diese Menschen auf. Dieses Viertel lebt eben auch irgendwo von Kontraste, es
58:44
Es zieht auch viele Menschen, Touristen an. Hier fließt dementsprechend auch Geld im Tourismus. Das hat ja viel mehr Punkte noch dazu. Und es ist von Frankfurt aus…
58:56
Eine krasse und starke Entscheidung zu sagen, wir schauen nicht weg, sondern wir schauen hin. Und das ist humanitär und nicht Inkompetenz, wie das immer gerne dargestellt wird. Und das finde ich, habt ihr sehr schön rausgearbeitet und möchte mich dementsprechend bedanken für eure Zeit heute. Ich hoffe, es hat euch auch ein bisschen Spaß gemacht. Ihr könnt mir gerne die Links zu euren Einrichtungen und Spenden etc. werde ich alles in die Shownotes packen.
59:19
Habt ihr noch irgendwas anzufügen? Vielen Dank, dass du uns hier eingeladen hast. Ich fand das total nett. Schön, das freut mich. Kann ich mich auch anschließen. Prima. Super, dann bis zum nächsten Mal.
