USA gegen Venezuela: Wie ein Drogennarrativ einen Angriff legitimierte

Drogenpolitische Begriffe werden nicht nur genutzt, um Konsum und Handel zu beschreiben. Sie können auch politische Gewalt legitimieren. In dieser Folge geht es um den Angriff der USA auf Venezuela und die Frage, welche Rolle das Narrativ vom angeblichen „Narkoterrorismus“ dabei gespielt hat. Im Zentrum steht nicht die Verteidigung der Regierung Maduro, sondern die nüchterne Prüfung, ob Venezuela tatsächlich die zentrale Kokainbedrohung für die USA darstellt, als die es politisch inszeniert wurde.

Die Folge schaut auf Kokainrouten, den Begriff „Cartel de los Soles“, US-Anklagen, Terrorismus-Framing und wirtschaftliche Interessen an venezolanischem Öl. Dabei zeigt sich, wie aus Korruption, Transitwegen und einzelnen Verbindungen zum Drogenhandel ein größeres Bedrohungsszenario konstruiert werden kann. Drogen eignen sich dabei besonders gut als moralisches Feigenblatt, weil sie schnell Angst, Abwehr und Zustimmung zu außergewöhnlichen Maßnahmen erzeugen. Genau deshalb lohnt es sich, bei solchen Narrativen genau hinzuschauen und zwischen realen drogenpolitischen Problemen, politischem Framing und geopolitischen Interessen zu unterscheiden.

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USA gegen Venezuela: Wie ein Drogennarrativ einen Angriff legitimierte

PODCAST-METADATEN
Folge: 128
Erscheinungsdatum: 22.01.2026
Podcast: Psychoaktiv
Titel: USA gegen Venezuela: Wie ein Drogennarrativ einen Angriff legitimierte
Sprecher: Stefanie Bötsch

Typ: Transkript

Transkript Beginn

00:02
Am 3. Januar bekomme ich eine Push-Nachricht: Die USA haben Venezuela angegriffen. Maduro, der Präsident, ist festgenommen. Die offizielle Begründung dafür lautet: Venezuela betreibe „Narkoterrorismus“, der sich gezielt gegen die USA richtet. Aber was bleibt übrig,

00:22
wenn man die politischen Emotionen abzieht und sich nur die Daten anschaut? Heute gehen wir der zentralen Frage nach: Wie real ist diese angebliche Narkobedrohung Venezuelas wirklich?

00:46
„Psychoaktiv“, euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Bötzsch. Zieht’s euch rein.

00:56
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Psychoaktiv“. Schön, dass du wieder mit dabei bist. Wir sprechen hier alle zwei Wochen über Themen rund um Drogenkonsum und Sucht, und das jenseits von Schwarz-Weiß-Denken, wissenschaftlich und differenziert.

01:15
Eigentlich wollte ich im Januar eine Podcastfolge über Ketamin machen. Ich gebe ja Anfang des Monats über meine Social-Media-Kanäle immer Monatsprogramme raus. Keine Sorge, diese Folge ist nur verschoben, denn mir brennt ein Thema unter den Fingernägeln,

01:35
und ihr habt mir im WhatsApp-Kanal und auch auf Instagram zugestimmt, dass wir dieses Thema mal lieber vorschieben. Denn am 03.01. hat mich eine Eilmeldung auf dem Tagesschau-WhatsApp-Kanal ganz schön schockiert. Da hieß es,

01:54
warte, ich lese es euch mal vor: „US-Präsident Donald Trump hat bestätigt, dass die USA Venezuela angegriffen haben. Es habe sich um einen groß angelegten Angriff gegen das Land und seinen Anführer gehandelt.

02:10
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sei gefangen genommen und außer Landes gebracht worden.“ Gut, jetzt sind wir hier natürlich bei „Psychoaktiv“ und schauen uns Themen immer unter dem Gesichtspunkt von Drogen, psychoaktiven Substanzen an. Also, was hat diese Meldung überhaupt damit zu tun?

02:30
Tatsächlich viel, denn die USA braucht natürlich eine Erklärung, warum sie ein Land angreift und dessen Präsidenten aus dem Land entfernt. Das muss man sich erstmal vorstellen. Und der zentrale Vorwurf, den die USA den Staatschef von Venezuela und seinen Verbündeten macht,

02:52
ist, dass sie sehr tief in den Drogenschmuggel verwickelt sind und damit eine große Gefahr für die Sicherheit der USA. Und weil wir hier uns bei „Psychoaktiv“ für mehr interessieren als nur für den Jogging-Zweiteiler von Maduro: Kein Witz, es sind ja so Bilder veröffentlicht worden,

03:12
wie eben Maduro aus dem Land entfernt wurde, und da hatte er Nike-Jogginganzug an, und es gab sehr viel Aufmerksamkeit für diesen Jogginganzug, das war einfach absurd.

03:26
Wir sind hier in diesem Podcast definitiv nicht so oberflächlich, sondern wir werden hier bei „Psychoaktiv“ diesen Vorwurf des Drogenschmuggels und diesen Vorwurf auch, dass Venezuela ein Narkostaat ist, genauer anschauen. Wir untersuchen,

03:46
ob dieser Drogenverband wirklich belastbar ist oder einfach politisch instrumentalisiert. Doch zuerst begrüßen wir natürlich noch die neuen „Psychoaktiv+“-Mitglieder, die diesen Podcast überhaupt möglich machen. Willkommen, Stefan und Felix.

04:02
Du möchtest den Podcast auch unterstützen und gleichzeitig Bonusfolgen und Artikel und Werbefreiheit? Der Link zur „Psychoaktiv+“-Mitgliedschaft ist in der Folgenbeschreibung. Und jetzt starten wir in die Hintergründe des Konflikts zwischen den USA und Venezuela.

04:25
Nach der Festsetzung von Präsident Nicolás Maduro Anfang des Jahres hat dieser Konflikt eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die US-Regierung begründet ihr Vorgehen, wie schon gesagt, unter anderem mit dem Vorwurf, Maduro stehe an der Spitze eines großen Drogennetzwerks.

04:46
Bevor wir bewerten, ob das als Begründung trägt, müssen wir uns erst einmal das Fundament legen, und zwar stellen wir uns zu Anfang mal die Frage: Wie funktioniert denn der Kokainhandel in dieser Region überhaupt?

05:00
In der öffentlichen Wahrnehmung liegt der Fokus ja häufig auf den Drogenkartellen und spektakulärer Kriminalität und Narkogeschichten, die wir halt irgendwie auch aus Serien oder Filmen kennen. Wenn wir aber deutlich nüchterner draufschauen,

05:20
ist der Kokainhandel vor allem ein illegaler Markt mit einer ziemlich robusten Ökonomie. Es gibt eine Produktion, es gibt die Verarbeitung, den Transport, den Umschlag und den Export, und überall dazwischen gibt es halt unterschiedliche Dienstleistungen, die Risiken senken und Gewinne absichern sollen.

05:40
An sich ist der Kokainhandel ein eigenes wirtschaftliches System, nur eben halt kein legales. Dieses System startet mit der Produktion in der Andenregion, also vor allem in Kolumbien, Peru und Bolivien. Dort wird Koka, also die Koka-Pflanze,

06:00
angebaut und zunächst zu einer Kokapaste bzw. einer Kokainbase verarbeitet, und erst in einem weiteren Schritt entsteht daraus Kokainhydrochlorid, also das weiße Salz, das wir im europäischen Markt Kokain nennen. Und ja, bis wir es in Deutschland,

06:21
Europa oder auch in den USA konsumieren, ist es in der Regel auch noch gestreckt, aber das ist noch mal eine ganz andere Baustelle. Ich verlinke euch aber auf jeden Fall auch die Kokainfolge, falls ihr mehr zu der Substanz Kokain erfahren wollt. Darüber sprechen wir heute in der Folge gar nicht so viel. Dann beginnt der nächste Teil,

06:41
der in diesem Kontext auch noch mal wichtiger wird, und zwar der Warenfluss. Und dieser Warenfluss, der läuft selten direkt vom Produktionsort zum Zielmarkt, denn meistens geht er natürlich auch über mehrere Transitregionen, also Länder oder Küstenräume, in denen die Ware zwischendurch gelagert wird,

07:01
umgeladen wird oder auch neu geroutet wird. Darüber haben wir übrigens auch schon mal in Folge 91 gesprochen, als wir über den Weg von Captagon gesprochen haben, also wie z.B. so ein Drogenweg ausschauen kann. Falls euch dieses Thema mehr interessiert, verlinke ich euch auch noch mal diese Folge in den Shownotes.

07:23
Aber heute sprechen wir über Kokain, und irgendwann kommt der Übergang in den Zielmarkt. Bei Kokain ist es in der Regel Nordamerika oder auch Europa, was eben die Märkte sind, die am meisten Kokain abnehmen. Für Europa beschreiben die europäischen Marktanalysen seit Jahren ziemlich klar,

07:43
dass eben die meisten Mengen, die größten Mengen, über die Seehäfen kommen, also oft in kommerziellen Containern. Aber für dieses Thema ist auch der Schmuggel nach Europa nicht so wichtig, wir konzentrieren uns heute auf die USA.

08:00
Und für die USA wiederum laufen zentrale Schmuggelkorridore häufig über Zentralamerika und Mexiko. Und das ist wichtig, denn logischerweise ist der Export in die USA etwas anderes als der Export nach Europa. Und damit sind wir schon bei einem Punkt,

08:18
der im Prinzip das Ganze zusammenhält, und zwar die Logistik. Die Logistik in dem Kontext ist sozusagen das Dach über dem System, also die Organisation des Wie: Wie kommt die Ware von A nach B, über welche Zwischenstationen, mit welchen Transportformen, welche Leute, welche Absicherung, welche Geldwege?

08:39
Und aufgrund dieser Logistik und eben, ja, dieser Vogelperspektive auf den ganzen Ablauf kann eben auch sehr gut auf politische Veränderungen reagiert werden. Wenn also ein Staat stärker kontrolliert wird oder Häfen besser überwacht werden, wird sich eben eine neue Route ausgedacht, die eben besser funktioniert.

09:00
Ebenso werden Strukturen genutzt, die gerade besonders durchlässig sind, z.B. wenn ein Staat den Drogenhandel mehr duldet oder, ich nenne es mal, aktiver wegschaut.

09:11
Wir reden also beim Kokainexport um einen sehr hochadaptiven illegalen Markt mit wirklich sehr viel System, der eben sich auch immer wieder wandeln kann. Gut, das ist erstmal wichtig, um die Grundlagen zu verstehen.

09:31
Was wir uns jetzt natürlich fragen müssen, um die ganze Situation zu verstehen, ist: Welche Rolle spielt denn eigentlich Venezuela im Transit und Export von Kokain?

09:47
Um sich ein Bild über die Transit- und Exportwege zu machen, lohnt es sich mal, einen Blick in den UNODC-Report 2025 zu werfen. In diesem werden nämlich die wichtigsten Kokainrouten über Wasser, Land und Luft für 2023 bis 2024 aufgezeigt.

10:06
Da werden die Kokainflüsse nach Volumen geschätzt, basierend auf offiziellen Sicherungsstellungsdaten, Abfahrts- und Bestimmungsangaben, also das, was im Prinzip die betroffenen Staaten melden. Ich poste die Bilder auf jeden Fall auch mal auf Instagram und dem WhatsApp-Kanal, da könnt ihr das auch noch mal besser nachvollziehen.

10:27
Aber ich beschreibe es euch natürlich auch: Was sieht man also auf diesen Karten? Klar, was ich eben gerade schon gesagt habe, der Schwerpunkt der Produktion liegt klar in der Andenregion, also Kolumbien und dann Peru und Bolivien. Wenn wir uns die Route zu Wasser anschauen, ist die dichteste Routenbildung,

10:49
die verläuft über Zentralamerika, Karibik Richtung Nordamerika. Hier ist vor allem die Route aus Kolumbien nach Jamaika und von dort aus weiter nach Nordamerika, die die am meisten frequentiert scheint. Ja, auch beim Weg über Wasser taucht Venezuela als Knotenpunkt auf,

11:10
aber man sieht sehr deutlich, dass da der meiste Export tatsächlich nach Europa geht und nur ein ganz kleiner Teil über die DOMREP Richtung Nordamerika verläuft. Wenn man sich dann noch den Landweg anschaut, dann sieht man klar, dass Kokain von Kolumbien nach Venezuela geht,

11:30
aber natürlich nicht von Venezuela in die USA zu kommen, weil es keine Ländergrenzen zwischen Venezuela und den USA gibt, logisch. Spannend wird es aber dann noch, wenn man sich die Luftroute anschaut.

11:41
Diese zeigt nämlich wirklich verstärkt Flüsse aus Venezuela in Richtung den USA, eben über kleinere Flüge oder Geheimrouten und auch im Vergleich zu allen anderen Luftrouten in die USA. Da scheint es wohl, dass die Venezuela-USA-Luftroute am stärksten ausgeprägt ist.

12:03
Was können wir also aus den Karten erstmal schließen? Venezuela ist ein Teil eines größeren transnationalen Netzwerks. Man kann allerdings an den Karten nicht erkennen, dass Venezuela in irgendeiner Weise die zentrale Rolle einnimmt.

12:19
Was man weiß, ist, dass Venezuela auch immer mal als Ausweichland für Teile der Produktion und Logistik dient, wenn die Lage seines Nachbarlandes Kolumbien sich anspannt.

12:30
Wie wir ja schon im vorherigen Kapitel besprochen haben, ist die Kokainwirtschaft hier einfach auch sehr anpassungsfähig und verändert je nach Bestimmung und Kontrolle im Land ihre Organisation. Gut, jetzt wissen wir, dass Venezuela in Bezug auf Kokainhandel zwar kein unbeschriebenes Blatt ist,

12:49
aber anhand der Daten des UNODC-Berichts sieht man eigentlich nicht, dass Venezuela so einen zentralen, wichtigen Teil einnimmt. Es ist einfach Teil eines Netzwerks, in den auch andere Länder sehr stark verwickelt sind.

13:09
Warum also haben die USA trotzdem Venezuela und speziell den Präsidenten Maduro so als zentralen Drogenfeind der USA bezeichnet und damit auch einen kompletten militärischen Eingriff gerechtfertigt? Dafür müssen wir uns den Vorwurf der USA noch mal genauer anschauen.

13:34
Um die Zusammenhänge zu verstehen, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit schauen, denn schon im Jahr 2020, also während Trump daserste Mal Präsident war,

13:44
erhob das US-Justizministerium eine Bundesanklage gegen den Präsidenten Nicolás Maduro und auch gegen seine Ehefrau Celia Flores und darüber hinaus auch noch gegen mehrere Regierungs- und Militärvertreter. Und diese Anklage, die basierte auf dem Vorwurf,

14:04
dass der Präsident und die Regierungs- und Militärvertreter Venezuelas seit Jahrzehnten mit kolumbianischen Guerilla-Gruppen und Kartellen zusammenarbeiten und Kokain in großen Maßen in die USA schmuggeln.

14:20
Und dabei sollten eben auch staatliche Ressourcen Venezuelas und auch die Institutionen Venezuelas genutzt wurden, um eben diesen Schmuggel zu begünstigen. Und schon in dieser Anklage fällt ein ganz bestimmter Name, der in diesem Kontext extremst wichtig ist, und zwar „Cartel de los Soles“ oder auch auf Deutsch „Kartell der Sonnen“.

14:42
Und von diesem Kartell soll Maduro der Chef sein, und deswegen schauen wir uns dieses „Cartel de los Soles“ mal genauer an. Wenn wir an Kartelle denken, welches fällt euch da als erstes ein?

14:56
Mir auf jeden Fall das sehr berühmt-berüchtigte Sinaloa-Kartell aus Mexiko oder auch das damalige Cali-Kartell. Und was ich damit verbinde, ist ganz klar eine große Verbrechergruppe mit mafiösen und hierarchischen Strukturen, und die sich eben mit illegalem Handel von Drogen,

15:16
Waffen und Menschen finanzieren. Wichtig vielleicht an der Stelle: Es geht selten nur um Drogen, da steckt meistens noch viel, viel mehr dahinter.

15:24
Vom „Cartel de los Soles“ habe ich allerdings vor dieser Recherche noch nie gehört, obwohl ich mich auch schon, es ist jetzt schon ein paar Jahre her, wo mein Interesse sehr den Kartellen gegolten hat und ich mich mehr damit beschäftigt habe. Und „Cartel de los Soles“ habe ich aber noch nie gehört, deswegen fand ich es total spannend,

15:44
mal so ein bisschen die Hintergründe aufzudecken. Der Begriff „Cartel de los Soles“ selbst taucht tatsächlich erstmal schon Mitte der 1990er Jahre auf, und damals ging es eigentlich mehr um einige Offiziere der venezolanischen Nationalgarde, die eben in Korruptionsaffären verwickelt waren,

16:05
unter anderem eben auch in den Schmuggel von Kokain. Und diese Offiziere trugen so goldene Sonnensterne auf ihrer Schulter, also wie man das ja manchmal so im Militär hat, und daher kommt überhaupt der Name „Cartel de los Soles“. In den 90ern war „Cartel de los Soles“ vor allem eine Bezeichnung für einzelne korrupte Militärs,

16:26
und schon damals gab es keinen Hinweis auf eine organisierte kriminelle Struktur, wie man es eben von Kartells erwarten würde. Außerdem wurde der Begriff eher national genutzt, genauso in den 2000ern, als Chávez regiert hat, da wurde z.B.

16:43
der Begriff häufiger von der Opposition genutzt und war eher so ein innenpolitisches Schlagwort für die korrupten Machenschaften von Menschen in hohen staatlichen Positionen. Vielleicht kann man das damit vergleichen, wenn man Spahn mit seinem irrsinnigen Maskendeal im Volksmund Verbrecher nennt,

17:06
weil er so viel Steuergelder in den Sand gesetzt hat. Es ist also eine vielleicht übertriebene Bezeichnung für politisches Fehlverhalten, ich glaube, das trifft’s vielleicht ganz gut. In den 2010er Jahren allerdings wurde das „Cartel de los Soles“ ein Begriff, den man immer mehr auch international kannte,

17:26
und das hatte mehrere Gründe. Venezuela wurde immer instabiler, es gab eine Hyperinflation, es gab Hunger ohne Ende, die Gesundheitsversorgung ist zusammengebrochen, es gab massive Proteste mit sehr harten Eingriffen der Politik, es gab Repression und extremst viele Venezolaner haben das Land verlassen,

17:47
sind aus dem Land geflüchtet. Maduro wurde 2013 Präsident, und auch da wurde der Begriff schon genutzt, um ihn zu diskreditieren, denn gerade der Zerfall der staatlichen Strukturen hat eben ein sehr gutes Umfeld geliefert, um diesen Begriff emotional aufzuladen. Gerade die USA, aber auch spanischsprachige Medien nutzten eben den Begriff,

18:09
um, ja, das Regime als kriminelle Struktur darzustellen. Doch mit der Anklageschrift im Jahr 2020 hat dann der Begriff noch mal eine neue Bedeutung bekommen, denn mit dieser Anklage wurde aus einem Schlagwort, das von Presse und politischen Gegnern und politischen Kritikern genutzt wurde,

18:28
aus diesem politisch-medialen Mythos plötzlich ein juristisch verwendeter Begriff in einem offiziellen US-Dokument. Er wurde also in einen strafrechtlichen Rahmen übertragen.

18:41
Die US-Justiz behauptete dementsprechend erstmals explizit, dass das „Cartel de los Soles“ eine Art koordiniertes kriminelles Netzwerk im Staatsapparat Venezuelas sei, und das ist etwas, wofür es nach wie vor keine unabhängigen empirischen belastbaren Belege gibt,

19:03
und trotzdem steht es in einer Anklageschrift. Das ist schon ziemlich insane.

19:12
Wir haben den ersten Teil damit beendet, dass wir im Jahr 2020 waren, in dem eben die USA Maduro direkt anklagt. Dann gibt es allerdings erstmal einen Regierungswechsel hin zu Biden, und er führt zwar die Sanktionen gegen Venezuela,

19:33
verstärkt aber dieses Drogennarrativ und auch dieses Sicherheitsnarrativ nicht weiter.

19:39
Und an dieser Stelle sollten wir auf jeden Fall auch noch mal über die Politik Maduros sprechen, nicht dass diese Analyse den Eindruck erweckt, so Maduro wäre ein unbeschriebenes Blatt und plötzlich kommt die USA und entführt ihn.

19:56
Die Regierungsführung von Maduro wird als autoritäre und als demokratisch extrem problematische Politik bewertet, und in seiner Regierungszeit hat er in Venezuela eine humanitäre Krise ausgelöst. Außerdem ist z.B. die Präsidentschaftswahl 2024 in Venezuela auf extreme Kritik gestoßen,

20:18
und Wahlbeobachter haben eben eine mangelnde Transparenz und von einer Einschränkung der Opposition berichtet. Und in Reaktion darauf haben wirklich viele Staaten, auch Deutschland, Maduro nicht als legitimer Sieger anerkannt, und darauf reagieren natürlich andere Länder.

20:36
Und schon Mitte der 2010er Jahre begannen die USA unter Präsident Obama mit gezielten Sanktionsmaßnahmen gegen die venezolanischen Regierungsmitglieder, z.B. wegen Repression und Menschenrechtsverletzungen. Und später weitete dann Trump den Druck noch mehr aus, und zwar auf die gesamte Öl- und Finanzwirtschaft Venezuelas,

20:57
und unter Präsident Biden blieben dann viele dieser Sanktionen bestehen und wurden eben auch als Druckmittel für politische Reformen genutzt. Die Präsidentschaft von Maduro ist also aus humanitärer und demokratischer Sicht eine Katastrophe für die Menschen, die in Venezuela leben, untragbar. Doch um das Thema der heutigen Folge wirklich zu verstehen,

21:19
braucht es eine wichtige Unterscheidung, und zwar: Wann sind es Reaktionen auf das autoritäre Regime von Maduro, und wann wird denn ein Drogennarrativ gesponnen, und warum wird dieses Drogennarrativ gesponnen? Und wir konzentrieren uns in dieser Folge vor allem auf Zweiteres. Kommen wir also wieder zurück zum Drogennarrativ der USA.

21:44
Wir haben die Anklage 2020, dann hatten wir die Biden-Regierung, und jetzt seit dem 01.01.2025 ist Trump wieder Präsident der USA und knüpft an die Anklage von 2020 an. Und genau hier beginnt dann auch die eigentliche Eskalation immer weiter zu eskalieren,

22:06
denn Trump übernimmt nicht nur die juristische Grundlage der damaligen Anklageschrift, er interpretiert sie auch noch deutlich aggressiver. Während die Anklage 2020 im Kern ein rechtliches Verfahren war, das auf eine strafrechtliche Verfolgung einzelner Personen abzielte, wird sie unter Trump zu einer Sicherheitsdoktrin umfunktioniert.

22:26
Es werden also wieder Begriffe aufgenommen wie Narkoterrorismus, „Cartel de los Soles“, staatlicher Kokainhandel und rahmen eben genau das als unmittelbare Bedrohung für die Vereinigten Staaten.

22:41
Und auch wenn diese Begriffe und diese Sagen darumherum aus Expertenperspektive extremst fragwürdig und empirisch schwer zu belegen sind, bekommen sie eine bemerkenswerte politische Schlagkraft.

22:57
Und bereits im Frühjahr 2025 stuft die US-Regierung das „Cartel de los Soles“ als „Foreign Terrorist Organization“, kurz FTO, ein, und das ist aus zwei Gründen super bemerkenswert.

23:12
Erstens, weil der Begriff „Cartel de los Soles“ selbst kein klar definierter Name eines tatsächlich existierenden Kartells, also einer kriminellen Organisation ist, sondern eine historisch gewachsene, politisch aufgeladene Bezeichnung.

23:29
Und zweitens, weil diese Einstufung die Tür für einen ganz anderen Instrumentenkasten öffnet.

23:36
Die Einstufungen als FTO sind im US-Rechten ein enorm mächtiges Werkzeug, denn sie ermöglichen militärische Operationen, Geheimdienstkooperationen und auch extraterritoriale Festnahmen und sogar gezielte Angriffe. Und das sind alles Maßnahmen,

23:56
die im klassischen Strafrecht in den USA nicht vorgesehen sind. Diese Einstufung gibt dementsprechend der US-Regierung die Möglichkeit, Maßnahmen zu ergreifen, die rechtlich sonst nur im Kontext von Terrorismus erlaubt wären. Und in dieser Zeit wird in US-Medien und auch Regierungsbriefings immer mehr das Bild verstärkt,

24:17
dass Venezuela ein Narco-State ist, und als dieser Narco-State eben ein feindlicher Akteur für die USA. Und das ist wirklich was ganz anderes als die Aussage, dass ein Staat korrupt ist. Und während Biden noch ganz klar den Fokus auf politische Reformen,

24:39
Menschenrechte und diplomatischen Lösungen gesetzt hat, bläst Trump einfach immer mehr dieses Bedrohungsszenario auf, und zwar kontern Experten und verweisen z.B. eben auf die UNODC-Daten, dass dieses Ausmaß an Kokainschmuggel,

24:59
was Venezuela vorgeworfen wird, nicht belegbar ist. Trotzdem kann sich dieses Narrativ einfach weiter aufblasen und verbreiten.

25:09
Und bevor wir jetzt gleich auf die komplette Eskalation Anfang des Jahres selbst kommen, lohnt sich noch mal ein Blick auf die Monate davor, denn die große militärische Operation mit dem Angriff auf die Hauptstadt Venezuelas, die kam nicht aus dem Nichts,

25:24
denn in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 verschärft die US-Regierung den Ton und auch die Aktionen Schritt für Schritt. Bereits im späten Jahr 2025 gab es mehrere militärische Zwischenfälle unter dem Vorwand der maritimen Drogenabwehr,

25:44
und unter diesem Vorwand erhöht eben die USA ihre Präsenz in der Karibik. Das beginnt erst mit verstärkten Patrouillen der US Coast Guard und mündete in einer Phase, in der immer häufiger Boote, die aus venezolanischen Gewässern kommen sollen, abgefangen oder zum Teil sogar beschossen wurden.

26:06
Berichten zufolge sind im Rahmen dieser Angriffe über 100 Menschen umgekommen. In den offiziellen Mitteilungen ist meist die Rede von verdächtigen Schnellbooten, Drogenlieferungen oder eben auch Schmugglernetzwerken über Wasser, doch die wirklichen Belege bleiben sehr vage oder komplett aus.

26:27
Parallel nehmen aber auch die Berichte über angebliche Flugzeuge im venezolanischen Luftraum zu, die laut US-Angaben Drogenrouten nutzen oder terroristische Verbindungen haben sollen, aber auch hier fehlt es an international überprüfbaren Daten. Doch kumuliert entsteht halt hier ein Bild,

26:47
das eben auch erzeugt werden soll: Venezuelaerscheint nicht mehr als Staat mit einem Korruptionsproblem, sondern als ein aktiver Teil eines militärisch organisierten Schmuggelnetzwerks, das die USA bedroht. Wenn wir das alles im Hinterkopf behalten, die Anklage von 2020,

27:07
die Verschärfung der Rhetorik ab 2025, die Einstufung als terroristische Gruppe und die wiederkehrenden Zwischenfälle auf See und in der Luft, dann wird klar: Die Stimmung war bereits extrem aufgeheizt, als der Januar 2026 begann.

27:26
Und hier überschlagen sich dann die Ereignisse: Am Morgen des 03. Januars 2026 bestätigt Donald Trump in einer Fernsehansprache, dass die USA einen sogenannten begrenzten, aber notwendigen Einsatz gegen Venezuela durchgeführt haben. Und was kurz darauf klar wurde: Es handelt sich nicht um einen einzigen Schlag,

27:46
sondern um eine koordinierte, geplante militärische Operation, die eben auch aus mehreren Komponenten bestand. Die US-Streitkräfte führen einerseits Luftschläge gegen Ziele in der Nähe des Präsidentenpalasts, aber auch militärischen Einrichtungen und sogenannten Schmuggelinfrastrukturen aus.

28:05
Das bedeutet laut offizieller Erklärung Start- und Landepisten, Radarstationen, angeblichen Depots, wo Kokain gelagert wurde oder sonst mit dem Drogenhandel in Verbindung stehen sollen.

28:18
Gleichzeitig landet eine Spezialeinheit in der Nähe von Caracas, und innerhalb weniger Stunden wird Präsident Nicolás Maduro festgesetzt und außer Landes gebracht. Trump behauptet in seiner offiziellen Rede oder halt in seinem ersten Statement, Maduro sei ein Anführer einer terroristischen Drogenorganisation.

28:40
Außerdem soll er aktiv mit anderen Gruppen wie z.B. Tren de Aragua kooperiert haben, die die USA bedrohen würden, und er sagt auch, die Operation sei durch das US-Recht gedeckt wegen der Terroristeneinstufung und auch unter der Berufung auf Selbstverteidigung gegen Narkoterrorismus.

29:00
Völkerrechtlich ist das jedoch extremst dünn, denn Drogenhandel ist kein legitimer Kriegsgrund. Weder die UN-Charta noch bestehende internationale Abkommen erlauben eine militärische Intervention in einen anderen souveränen Staat, nur weil Drogen über sein Territorium geschmuggelt werden,

29:21
auch nicht, wenn man den Handel als korruptionsgetrieben oder staatlich geduldet bewertet. Das gilt selbst dann, wenn staatliche Akteure involviert sind, was ja wirklich auch in vielen Regionen vorkommt, ohne dass es militärische Einsätze auslöst. Und dazu kommt natürlich noch die Einstufung des „Cartel de los Soles“ als Terrororganisation.

29:42
Das ist nämlich einfach nicht empirisch begründet, weil, wie wir gesehen haben, gibt es keine unabhängigen Daten, die belegen würden, dass Venezuela ein kohärentes, staatlich organisiertes Drogennetzwerk betreibt. Es gibt Korruption, ja, aber das gibt es auch in Ecuador, Honduras, Mexiko oder Guatemala,

30:02
ohne dass diese Länder als Narkoterrorstaaten definiert werden.

30:06
International wird der Angriff deshalb auch äußerst kritisch gesehen: Die EU äußert ernsthafte völkerrechtliche Bedenken, mehrere lateinamerikanische Staaten sprechen von einer inakzeptablen Verletzung der Souveränität, Russland und China verurteilen die Aktion schlichtweg als illegal. Ein weiteres Problem war außerdem,

30:28
dass viele der Ziele, die in Venezuela getroffen wurden, lagen zwar in der Nähe von Militäranlagen, aber es wurden keine belastbare Evidenz dafür vorgelegt, dass diese Anlagen tatsächlich für den Drogenhandel genutzt wurden, und das unterscheidet diesen Angriff stark von so klassischen Anti-Drogen-Operationen, bei denen es zumindest Belege,

30:49
Satellitendaten oder Funde gibt. Und während die US-Regierung ihre Operation mit der nationalen Sicherheit begründet, bleibt unklar, wie groß die reale Bedrohung tatsächlich war. Vor allem hat sich die ganze Argumentation ja auf das Narrativ, dass Maduro das „Cartel de los Soles“ anführt, ausgelegt.

31:11
Doch jetzt ist es gerade der 13.01., also gerade mal 10 Tage nach der ersten Verkündung, schlägt die USA schon wieder einen anderen Ton an. In der neuen Anklageschrift wird Maduro plötzlich nicht mehr als Chef eines Drogenkartells bezeichnet.

31:29
Der Begriff „Cartel de los Soles“ wird in dieser neuen Anklageschrift einfach nicht mehr verwendet. Stattdessen wird von einem System von Klientelismus und Korruption, in dem einzelne Akteure von Drogenschmuggel profitieren, gesprochen, und das ist wirklich krass.

31:46
Ihr dürft dabei nicht vergessen, dass die Terroristeneinstufung des „Cartel de los Soles“ ja eine zentrale Argumentation der USA war, warum der Angriff gerechtfertigt ist. Ich habe mir die Pressekonferenz von Trump am 03.01. natürlich angeschaut, und er hat da wirklich die ganze Palette rausgehauen, dass Venezuela Narkoterrorismus betrieben hat.

32:07
Es ging um Vergewaltigung einer 12-Jährigen durch die Gruppe Tren de Aragua Agua, die eben vom „Cartel de los Soles“ unterstützt wurde. Es ging darum, dass durch dieses Netzwerk amerikanische Frauen vergewaltigt wurden.

32:19
Es wurde also dieses enorme Bild des angreifenden, in die USA eingreifenden „Cartel de los Soles“ gebildet, und jetzt, nicht mal zwei Wochen später, verschwindet das „Cartel de los Soles“, und es geht wieder um Korruption und natürlich um Öl,

32:40
weil zum Schluss müssen wir uns natürlich auch noch fragen, was das alles eigentlich sollte, wenn es nicht der Narkoterrorismus war. Was neben der Bekämpfung des angeblichen Narkoterrorismus sonst noch von Interesse der USA war, ist eigentlich gar kein Geheimnis, denn in der Rede von Trump ging es natürlich noch um mehr.

32:59
Trump verkündete nämlich, dass die USA Venezuela jetzt leiten wird und dessen Ölressourcen nutzen wird. Laut offiziellen Aussagen strebt die US-Regierung an, die Kontrolle über den Export venezolanischen Öls zu übernehmen, die Einnahmen zu sichern und langfristig mit US-Firmen in der Ölproduktion zu kooperieren.

33:21
Nur wenige Tage nach der Operation traf Trump sich schon mit den Spitzenmanagern großer US-Ölkonzerne und forderte sie eben auch auf, mit Investitionen von bis zu 100 Milliarden US-Dollar in Venezuela die Energieinfrastruktur wieder aufzubauen und eben die alte Ölindustrie wiederzubeleben.

33:42
Dieses Angebot las sich wie ein Aufruf zur Rückkehr von US-Firmen, die dort schon lange vor dem Chavismus aktiv waren, und zeigt: Die USA sehen ein wirtschaftliches Interesse an, ja, einer schnellen Reintegration venezolanischer Ölfelder in die globale Lieferkette. Der US-Energieminister erklärte,

34:02
dass die Vereinigten Staaten die Verkäufe venezolanischen Öls indefinit kontrollieren wollen und dass die Gewinne zunächst in US-kontrollierten Konten fließen sollen, eben auch, um den Wiederaufbau der Infrastruktur zu finanzieren. Wir sehen also, dass ökonomische Interesse, vor allem in Bezug auf Öl,

34:22
waren Teil der offiziellen Agenda, und das wurde wirklich offen und mehrfach wiederholt, aber gleichzeitig wird dieses Thema im politischen Diskurs oft nicht als Hauptgrund für die militärischen Maßnahmen benannt, weil es schlicht deutlich schlechter klingt.

34:37
„Wir greifen ein, um Zugang zu Rohstoffen zu sichern“, wirkt völkerrechtlich und moralisch deutlich problematischer als „Wir bekämpfen Narkoterrorismus“. Was hier dahinter steht, lässt sich gut mit einem Konzept aus der Politikwissenschaft erklären, und zwar Securitization. Darunter versteht man den Prozess,

34:56
bei dem ein politisches Thema, egal ob Migration, Drogen, Energie oder Gesundheit, als Sicherheitsbedrohung dargestellt wird, und zwar so, dass außergewöhnliche Maßnahmen plötzlich legitim wirken, die sonst aber nicht erlaubt werden. Und genau das ist im Fall Venezuela passiert: Korruption, Drogenrouten,

35:16
Maduro wurden rhetorisch zu einem Narkoterrornetzwerk, das angeblich direkt die USA bedroht. Empirisch schwer haltbar, politisch funktioniert es aber sehr gut, und dieses Thema wurde zusätzlich durch dieses Framing stabilisiert. Also Framing meint, wie ein Thema sprachlich eingerahmt, bewertet und emotional aufgeladen wird.

35:38
Dabei ist natürlich die Wahl der Begriffe sehr entscheidend, wie wir ein Problem wahrnehmen. Zum Beispiel: Korruption im Staat klingt eher nach einem politischen Problem, Narkoterrorismus klingt deutlich mehr nach einer existenziellen Bedrohung, und Framing beeinflusst natürlich, welche Maßnahmen als angemessenerscheinen.

35:57
Und eins vielleicht noch: Die humanitäre Krise in Venezuela wäre völkerrechtlich kein Grund für einen Angriff, und sie würde auch nicht zum politischen Narrativ der Trump-Regierung passen, denn wenn es den USA tatsächlich darum gegangen wäre, Menschen zu schützen, hätte es viele andere Regionen gegeben, in denen die Lage auch sehr kritisch ist.

36:19
Und das passt natürlich auch nicht zu Trumps America First, denn Trump richtet den Blick nach innen für die Idee, was vermeintlich das Beste für die USA ist, und nicht etwa auf humanitäre Intervention im Ausland. Und wie gesagt, die USA macht hieraus ja auch wirklich kein Geheimnis,

36:38
sondern benennt ganz klar ihr Interesse am Öl und welche Pläne es dahingehend gibt. In diesen Pod werden nur noch sehr viele Drogennarrative mit reingemischt, um diese Aktion zu legitimieren.

36:54
Wir kommen zum Ende dieser Folge, und ich möchte mit euch ein Fazit ziehen: Dass Drogennarrative genutzt werden, um andere politische oder wirtschaftliche Ziele zu legitimieren, ist wirklich nichts Neues. Das zieht sich wirklich schon lange durch die Geschichte der internationalen Politik, und Drogen haben da einfach eine besondere Funktion,

37:14
denn sie eignen sich hervorragend als moralisches Feigenblatt. Kaum ein anderes Thema lässt sich so leicht emotionalisieren und als Sicherheitsbedrohung framen, als Drogen und deren Handel, denn immer wenn wir von Drogenhandel sprechen,

37:33
da taucht doch sofort bei jedem so ein Bild von kriminellen und menschenverachtenden Strukturen auf, und das lässt sich einfach politisch gut weiterverwenden. Ursprünglich wollte ich in dieser Folge mehrere Beispiele vergleichen, aber je tiefer ich in das Venezuela-Thema eingestiegen bin, desto klarer wurde mir,

37:53
es macht viel mehr Sinn, ein Beispiel einmal gründlich auseinanderzunehmen, denn erst wenn man sich die Ebenen einzeln anschaut, die realen Drogenrouten, die politischen Interessen, die rhetorische Verschiebung, die völkerrechtliche Frage, erst dann erkennt man, wie komplex solche Narrative eigentlich gestrickt werden.

38:12
Und gerade im Fall Venezuela sieht man das wirklich sehr deutlich: Ja, es gibt Korruption, und ja, es gibt Verbindungen einzelner Akteure zum Drogenhandel, aber der große Frame eines Narkoterrorstaats, der die USA bedroht, hält einfach einer Prüfung nicht stand. Zum Schluss möchte ich aber auch noch mal betonen,

38:32
dass das nicht heißt, dass Maduro ein unschuldiges Opfer ist, denn er trägt eine massive Verantwortung für das Leid im eigenen Land, aber es heißt eben auch nicht, dass der Angriff der USA aus einer realen drogenpolitischen Bedrohung heraus notwendig gewesen wäre.

38:53
Ich wünsche den Venezolanern am Ende von Herzen, dass für sie eine Verbesserung aus dieser Situation eintreten wird, und ganz ehrlich, ich schaue gleichzeitig auch sehr besorgt in die Zukunft, weil ich mich wirklich frage, was das für eine Auswirkung auf andere Länder hat,

39:11
wenn die USA anscheinend ungestraft ohne Probleme ein anderes Land angreifen kann. Ich bin bei dieser Folge wirklich sehr gespannt auf eure Meinung, und falls ihr also auf einer Plattform hört wie Spotify, YouTube oder Castbox, schreibt doch gerne in die Kommentare, was ihr zu dem Thema denkt,

39:30
sonst freue ich mich natürlich sehr, wenn ihr dem Podcast eine gute Bewertung dalasst oder ihn auch an jemanden weiterempfiehlt, der sich vielleicht auch für dieses Thema interessiert, und sonst hören wir uns dann in zwei Wochen wieder mit der versprochenen Ketaminfolge, die zugunsten dieser Folge noch mal zwei Wochen verschoben wurde. Bis dahin, tschüss.


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