Research Chemicals werden häufig als „Legal Highs“ oder neue psychoaktive Stoffe vermarktet und bewegen sich oft in rechtlichen Grauzonen. In dieser Folge geht es darum, was hinter diesen Begriffen steckt und warum ständig neue Substanzen auftauchen, obwohl immer wieder nachreguliert wird. Entscheidend ist dabei: Diese Stoffe sind nicht automatisch sicherer, nur weil sie zeitweise legal erhältlich sind – häufig ist sogar genau das Gegenteil der Fall.
Die Folge ordnet ein, warum Research Chemicals ein besonderes Risiko darstellen: unklare Wirkstärke, fehlende Langzeitdaten, schwierige Qualitätskontrolle und ein extrem dynamischer Markt, in dem Erfahrungswissen kaum entstehen kann. Im Mittelpunkt stehen synthetische Cannabinoide, synthetische Cathinone, neue Opioide, Benzodiazepin-Analoga und LSD-Derivate sowie die Frage, warum Regulierung allein das Problem nicht löst. Deutlich wird: Wer Research Chemicals konsumiert, bewegt sich oft in einer Blackbox und gerade deshalb braucht es mehr Drug Checking, bessere Aufklärung und einen realistischeren Blick auf Nachfrage, Regulierung und Schadensminderung.
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Research Chemicals: Drogen legal kaufen?
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PODCAST-METADATEN
Folge: 132
Erscheinungsdatum: 19.03.2026
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Research Chemicals: Drogen legal kaufen?
Sprecher: Stefanie Bötsch
Typ: Transkript
00:02
Heute da und in 6 Monaten wieder unrelevant. Die Lebensdauer von sogenannten Research Chemicals oder neuen psychoaktiven Substanzen auf dem Markt ist in der Regel extrem kurz. Hersteller und die staatliche Regulierung befinden sich in einem ewigen Katz-und-Maus-Spiel. Doch warum ist das so?
00:23
Warum reißt der Faden an neuen Substanzen nie ab, obwohl dauernd nachreguliert wird? Genau das schauen wir uns heute in dieser Folge genauer an.
00:43
„Psychoaktiv“, euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Bötzsch. Zieht’s euch rein.
00:54
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Psychoaktiv“. Hier besprechen wir jeden zweiten Donnerstag unterschiedliche Themen rund um Drogenkonsum und Sucht. Und das natürlich auf einer wissenschaftlichen Basis und so differenziert, wie es nur geht. Denn auf Schwarz-Weiß habe ich keinen Bock und ihr vermutlich auch nicht.
01:13
Ich bekomme immer wieder Substanzprofilwünsche zu Stoffen, die gerade irgendwo aufgetaucht sind. Es gibt neue Namen, neue Abkürzungen, neue Moleküle. Und ganz ehrlich: Oft sind diese Substanzen nach ein paar Monaten schon gar nicht mehr relevant. Sie sind verschwunden oder durch die nächste Varianteersetzt.
01:32
Und die Folge wäre ja mehr oder weniger für die Katz gewesen. Deshalb dachte ich mir, statt immer nur einzelne Substanzen zu besprechen, schauen wir uns heute mal das System dahinter an. Was sind eigentlich sogenannte Research Chemicals oder auch neue psychoaktive Stoffe? Warum bringen sie so viel Risiko mit sich?
01:53
Und warum tauchen immer wieder neue Namen auf, obwohl eigentlich doch ständig nachreguliert wird? Und die Frage, die mir häufig in Artikeln zu dem Thema begegnet: Warum wird eigentlich nicht mal ordentlich gesetzlich durchgegriffen?
02:07
Es kann doch nicht sein, dass immer wieder Substanzen auf dem grauen, halblegalen Markt landen und relativ einfach zu bekommen sind. Warum wird dann nichts gemacht? All das schauen wir uns in dieser Folge an. Bevor wir aber ins Thema einsteigen, begrüßen wir natürlich erst mal noch mal die neuen „Psychoaktiv Plus“-Mitglieder,
02:26
die mit ihrer Mitgliedschaft diesen Podcast überhaupt erst möglich machen. Hallo Markus, Thorsten und David, danke, dass ihr mit am Start seid. Und wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, findest du den Link zur „Psychoaktiv“-Mitgliedschaft als ersten Link in der Folgenbeschreibung. Und jetzt lasst uns in die Folge reinstarten.
02:48
Starten wir doch erst mal mit der Begriffsklärung. Also, was sind Research Chemicals? Was sind neue psychoaktive Stoffe? Was sind Designerdrogen und was sind Legal Highs? Das sind all die Begriffe, die in dem Kontext immer wieder genannt werden. Und lasst sie uns einfach mal einzeln kurz betrachten.
03:08
Starten wir mit dem Begriff „neue psychoaktive Substanzen“. „Neue psychoaktive Substanzen“ ist ein juristisch-regulatorischer Begriff und bezeichnet psychoaktive Stoffe, die nicht unter das UN-Einheitsabkommen von 1961 oder die UN-Konvention von 1971 fallen,
03:28
aber vergleichbare Risiken für die öffentliche Gesundheit aufweisen. Kurz zur Erinnerung: Wir hatten das Thema schon in der Folge zur Prohibition von Drogen. Die verlinke ich euch auch mal in den Shownotes. Und allgemein gibt es heute einige Querverweise. Ich werde nicht immer darauf hinweisen, aber es lohnt sich auf jeden Fall, in die Shownotes zu schauen,
03:47
weil da findet ihr alle Folgen, die an diese Folge anschließen oder ergänzend gehört werden können. Aber zum UN-Einheitsabkommen: Das UN-Einheitsabkommen war dererste globale Versuch, den Umgang mit psychoaktiven Stoffen international zu regeln. Damals fiel vor allem Opium und Opioide,
04:07
Kokain und Koka-Blätter und Cannabis und Cannabis-Harz darunter. Und die Staaten, die das Abkommen ratifizierten, verpflichteten sich damit, diese Stoffe strafrechtlich zu kontrollieren. Und die UN-Konvention von 1971 ergänzt das Einheitsabkommen dann noch um weitere Substanzen wie Amphetamine,
04:27
LSD, Benzodiazepine und Barbie-Turate. Neue psychoaktive Stoffe oder kurz NPS werden gezielt so entwickelt, dass sie bestehende Drogengesetze zunächst umgehen und zumindest zeitweise sich in einer rechtlichen Grauzone befinden. Um der Regulierung zu entgehen, werden NPS als scheinbar harmlose Produkte verkauft,
04:47
zum Beispiel als Badesalze, als Pflanzendünger, als Räuchermischung und häufig mit dem Hinweis, nicht zum menschlichen Verzehr geeignet. Das ist natürlich nur Tarnung. Und das ist auch in der Szene bekannt, dass das nur Tarnung ist. Unter neue psychoaktive Stoffe können ganz unterschiedliche Substanzen fallen, die wir uns auch gleich noch mal genauer anschauen.
05:09
Die wohl bekanntesten Vertreter sind aber synthetische Catenone oder auch synthetische Cannabinoide, die auch beide eine eigene Folge hier im Podcast haben.
05:18
An sich bezeichnen also neue psychoaktive Stoffe Substanzen, die ganz gezielt auf eine Regulierungslücke abzielen und eben versuchen, teilweise im Graumarkt zu fungieren und so psychoaktive Substanzen an den Mann, die Frau zu bringen und damit eben auch strafrechtlicher Verfolgung zu entgehen.
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Neue psychoaktive Stoffe ist daher auch ein offiziell juristischer Begriff, aber inhaltlich relativ gleich auch mit dem Begriff „Legal Highs“, würde ich sagen, der im Prinzip auch genau das beschreibt, nämlich ja legaler Rausch, Legal Highs, also Substanzen, die gewissermaßen legal sind.
05:56
Ich hoffe, ihr hört meine Anführungszeichen, zumindest für eine gewisse Zeit lang. Der Begriff Designerdroge wird auch immer mal wieder in dem Kontext verwendet, aber allerdings auch nicht sehr trennscharf. Denn manchmal finde ich den Begriff für eigentlich fast alle synthetischen Substanzen, inklusive dann auch plötzlich MDMA. Grundlegend ist aber auch damit gemeint,
06:18
dass bekannte chemische Strukturen ein bisschen abgewandelt werden, damit sie das bestehende Gesetz umgehen können. Also, das ist im Prinzip die Definition von einer Designerdroge. Während neue psychoaktive Stoffe oder Legal Highs eher ein juristisch-regulatorischer Begriff ist, vor allem neue psychoaktive Stoffe,
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kommt der Begriff Research Chemicalsursprünglich aus der Chemie und der Pharmakologie. Dort bezeichnet der Begriff Research Chemicals chemische Substanzen, die für Forschungszwecke synthetisiert wurden, deren pharmakologische Eigenschaften noch nicht vollständig untersucht sind und die keine reguläre medizinische Zulassung haben.
06:59
Es geht also um Laborchemikalien, wenn man so möchte, die zu Forschungszwecken hergestellt werden. Und wenn wir jetzt auf den Drogenhandel im Grau bis Schwarzmarkt schauen, dann wird genau dieser Begriff eben genutzt, um Substanzen zu vermeintlichen Forschungszwecken zu verkaufen. Die haben dann auch das Label „Not for Human Consumption“.
07:20
Und auch so wird versucht, der Strafverfolgung zu entgehen. Wir haben also auf der einen Seite die Begriffe Legal Highs oder MPS, die eher einen juristischen Blickwinkel einnehmen, und auf der anderen Seite Research Chemicals oder auch Designerdrogen, die eher einen chemischen Blickwinkel einnehmen. Im Großen und Ganzen spricht man aber meistens vom genau gleichen Phänomen.
07:45
Okay, jetzt haben wir über die Definition gesprochen. Schauen wir uns nun auch mal an, über welche Substanzen wir hier eigentlich genau sprechen. Ich orientiere mich dabei erst mal an den EMCDDA-Daten, die sich damit befassen, was in Europa aktuell relevant ist und welche Substanzen hier auftauchen.
08:05
Wie schon vorhin erwähnt, ist eine ganz große und wichtige Gruppe die synthetischen Cannabinoide. Die kennt ihr vielleicht auch noch von damals, als sie als Spice oder Kräutermischung verkauft wurden. Heutzutage machen sie wieder Schlagzeilen, vor allem als Beimischung in E-Liquids unter den Namen Django,
08:24
Bala Liquid, Gurke, C-Liquid und ja, was der Szene sonst noch so einfällt. Synthetische Cannabinoide setzen auch am Cannabinoid-Rezeptor an, sind jedoch in der Regel deutlich potenter als THC.
08:39
Häufig sind synthetische Cannabinoide nämlich Voll-Agonisten, während THC nur ein Partial-Agonist ist. Das bedeutet, synthetische Cannabinoide können voll am Rezeptor ansetzen und diesen wirklich sehr stark aktivieren. Ihr könnt euch vielleicht als kleine Eselsbrücke merken, dass umso weiter die Strukturformel sich chemisch von THC unterscheidet,
09:01
umso höher kann man erwarten, dass auch das Risiko der Substanz ist. Ihr könnt euch vielleicht noch an HHC erinnern, das vor zwei Jahren mal in aller Munde war. HHC war auch voll synthetisch hergestellt. Und nein, nur weil man es in Cannabisblüten nachweisen konnte, wurde es nicht daraus extrahiert.
09:19
Da habe ich damals mit Fabian Peter Steinmetz schon mal ausführlich drüber gesprochen, dass die HHC-Konzentration in Cannabisblüten eine Extraktion sehr unwahrscheinlich macht, weil es einfach nur so extrem gering in der Cannabisblüte vorkommt. Also auch HHC gehört zu den synthetisch hergestellten Cannabinoiden, ist aber chemisch sehr eng verwandt mit THC.
09:41
Die synthetischen Cannabinoiden, die man aber heutzutage in den E-Zigaretten findet, haben normalerweise mit der chemischen Struktur von THC nur noch sehr wenig bis gar nichts zu tun. Synthetische Cannabinoide gibt es ja schon etwas länger. Deswegen sind die ersten auch noch im Betäubungsmittelgesetz geregelt, während die neueren nun unter das neue psychoaktive Stoffe-Gesetz fallen.
10:04
Synthetische Cannabinoide sind dabei eine Substanzgruppe, wenn das nicht jetzt gerade schon von meinen Erklärungen klar wurde. Und unter diese Substanzgruppe fallen wirklich zahlreiche Substanzen, und es werden auch immer wieder neue generiert. Übrigens, als zentrales Produktions- und Exportland für synthetische Cannabinoide galt lange China.
10:25
2021 allerdings gab es eine neue Regulierung vor Ort, und die komplette Substanzgruppe der synthetischen Cannabinoide wurde in China verboten. Und das hat man tatsächlich auch in Europa gespürt. Und ich finde das immer sehr spannend, wenn man so den internationalen Drogenmarkt auch mal anschaut und was verschiedene Regulierungen auch für Auswirkungen haben können.
10:45
Und inzwischen ist es tatsächlich so, dass man davon ausgehen kann, dass viele synthetische Cannabinoide einfach hierzulande in Europa auch hergestellt werden. Kommen wir zu den synthetischen Catenonen. Die sind gewissermaßen der Stimulanzien-Vertreter des NPS-Marktes und wurden früher unter dem Begriff Badesalze verkauft.
11:06
Falls ihr euch gefragt habt, was denn eigentlich hinter diesen Badesalzen steckt: Das waren in der Regel synthetische Catenone. Im Jahr 2023 wurden übrigens Funde von 37 Tonnen synthetischen Catenonen in der EU beschlagnahmt, also recht ordentlich und spielt hier definitiv eine Rolle.
11:26
Gerade Mephetron, also 4-MMC, aber auch die Derivate, die manchmal auch als Mephetron bezeichnet werden, wie 3-MMC oder 2-MMC, etablieren sich immer mehr in verschiedenen Szenen. Und auch darüber gibt es übrigens schon eine Folge. Pharmakologisch sind sieähnlich wie Amphetamine oder Kokain, indem sie in das Monoaminsystem eingreifen,
11:48
also in die Botenstoffe Dopamin, Noradrenalin und Serotonin. Diese Neurotransmitter steuern Motivation, Wachheit und Stimmung, wenn ihre Freisetzung gesteigert oder ihre Wiederaufnahme blockiert wird. Entsteht eben der stimulierende und euphorische Effekt.
12:07
Immer wieder aktuell in den Schlagzeilen sind natürlich auch die neuen synthetischen Opioide. Da haben wir natürlich ganz vorne dabei die Nitazene und Fentanyl, aber auch 7-OH oder ODSMT, die immer mal wieder Artikel bekommen oder, wie es bei Fentanyl und Nitazene sind, wirklich auch häufig diskutiert werden.
12:29
Gerade bei Nitazene und Fentanyl hat man das Problem, dass auch innerhalb dieser Substanzklassen es erhebliche Potenzunterschiede gibt und auch dadurch der Konsum sehr risikoreich wird. Und die Substanzen sind teilweise so potent, dass man eben nur eine extrem kleine Dosis braucht, was eben auch dazu führen kann, dass schon kleine Abweichungen zum Tod führen können.
12:51
Wir haben also einen neuen Markt an synthetischen Opioiden, die schwer einschätzbar sind, die in den Markt eindringen, unter anderem auch, weil natürliches Opium weniger zur Verfügung ist, was eben die Basis ist, um Heroin herzustellen und einfach ein deutlich erhöhtes Risikopotenzial mit sich bringen.
13:09
Schließlich finden sich unter den NPS auch noch neue Benzodiazepin-Analoga, also sedierende Substanzen, die an den GABA-Rezeptoren wirken. Pharmakologisch verstärken sie,ähnlich wie die klassischen Benzodiazepine, die hemmende Wirkung des Neurotransmitters GABA im zentralen Nervensystem, und das führt zu einer beruhigenden,
13:28
angstlösenden und muskelentspannenden Wirkung. Im NPS-Kontext tauchen immer wieder neue Derivate auf, etwa Ethizolam, Flupromazolam oder Dichloroethizolam. Diese Substanzen sind häufig auch sehr potent und pharmakologisch deutlich schlechter bis gar nicht untersucht als die zugelassenen Arzneimittel.
13:48
Synthetische Cannabinoide, synthetische Catenone, neue synthetische Opioide oder auch neue Benzodiazepin-Analoge spielen im Kontext von NPS die größte Rolle und bringen auch die meisten Probleme mit sich.
14:01
Neben diesen zahlenmäßig dominierten Gruppen finden sich aber auch NPS, die Richtung dissoziative Wirknis-Substanzen gehen oder auch halluzinogene Substanzen sind. Bei den Halluzinogenen haben wir seit Jahren immer wieder LSD-Derivate, etwa 1-PLSD, 1-VLSD oder 1-CPLSD.
14:22
Dasändert sich fast jährlich. Diese Substanzen sind strukturell eng mit LSD verwandt und werden als Broadrock verkauft. Wenn wir über NPS im halluzinogenen Bereich sprechen, sollten wir auch kurz NBOME-Derivate besprechen, die vor allem in den 2010er Jahren eine sehr große Rolle gespielt haben.
14:42
Dabei handelt es sich nämlich um hochpotente Phentylamin-Derivate, die ebenfalls am 5-HT2A-Rezeptor wirken und auch eine LSD-ähnliche Wirkung hervorrufen kann oder soll. NBOME-Verbindungen tauchten damals super häufig eben auch auf Plottern auf und wurden teilweise auch als LSD verkauft.
15:02
Allerdings haben die eine extrem hohe Potenz und auch eine extrem steile Dosis-Wirkungskurve. Und deswegen war eine Überdosierung oder auch eine Fehldosierung sehr häufig. Nach regulatorischen Anpassungen und auch mehreren schweren Intoxikationen sind sie dann auch mehr oder weniger vom europäischen NPS-Markt ja nicht verschwunden,
15:24
aber auf jeden Fall nicht mehr präsent. Und neben den halluzinogenen Stoffen finden sich unter den NPS auch dissoziativ wirkende Substanzen. Gemeint sind damit vor allem chemische Varianten von Ketamin oder PCP oder Stoffe, die halt die Wirkung nachbilden sollen.
15:42
Und Beispiele hierfür sind zum Beispiel 2-FDCK oder 3-MeopCP oder andere Ketamin bzw. PCP-Derivate, die immer mal wieder im europäischen Frühwarnsystem auftauchen und dann auch wieder verschwinden.
15:57
So, das ist mal ein ganz grober Überblick, welche Substanzen wie welche Rolle im NPS-System spielen. Wie gesagt, zu synthetischen Cannabinoiden, synthetischen Catenonen, zu Benzodiazepinen gibt es alles Folgendes. Sie sind alle in den Shownotes verlinkt. Keine Sorge, ich werde dran denken. Da könnt ihr euch auch in jede Substanz noch mal genauer reinhören.
16:20
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16:25
Wir haben jetzt schon ein paar Mal vom Betäubungsmittelgesetz gesprochen, auch schon vom neuen psychoaktiven Stoffe-Gesetz gehört, und ich möchte euch hier nicht weiter im Regen stehen lassen und es euch erst mal besser erklären. Das Betäubungsmittelgesetz setzt den Handel, Besitz und Herstellung und den Erwerb von bestimmten psychoaktiven Substanzen unter Strafe.
16:47
Was ihr über das Betäubungsmittelgesetz wissen müsst, es bezieht sich aber immer auf ganz klar definierte Substanzen. Und genau das hat damals zu dem bekannten Katz-und-Maus-Spiel der Händler von NPS und dem Gesetz geführt, hat es ausgelöst. Und das ist ein Problem,
17:06
das nicht nur Deutschland hat, sondern ich glaube mehr oder weniger alle europäischen Länder. Als wir gerade schon von synthetischen Cannabinoiden gesprochen haben, meinte ich ja schon, dass die ersten synthetischen Cannabinoide noch unter das BtMG gefallen sind, also das Betäubungsmittelgesetz. Und an sich lief das so ab: Neue Substanzen wurden zunächst sichergestellt,
17:27
also auch schlichtweg im Markt gekauft und mussten analytisch bestimmt werden. Und erst dann konnte das Risiko eingeschätzt werden, und dann musste es in die Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes aufgenommen werden. Und bis das alles erledigt war, gab es schon die nächste Abwandlung, und das Spiel ging einfach immer so weiter.
17:46
Also, wir hatten sozusagen so ein: Neue Substanz kommt raus, sie muss erst gekauft werden, analysiert werden, Risiko eingeschätzt werden, und dann konnte sie überhaupt erst aufgenommen werden. Und das braucht halt einfach Zeit. Es ist auch einfach aufwendig, muss man auch dazu sagen. Ich weiß nicht, ob man das so sehr auf Bürokratie und Deutschland schieben kann.
18:06
Dafür kenne ich mich dann auch am Ende mit dem ganz genauen Prozess nicht genug aus. Aber allein auch solche Substanzen zu kaufen und zu bestimmen, ist einfach auch mit einem gewissen Aufwand verbunden, und man braucht auch die Leute, die das können. Aber weil man halt auch gemerkt hat: Okay, so geht es nicht weiter, es kommen immer wieder neue Substanzen, so macht es keinen Sinn, wurde eben 2016 das neue psychoaktive Stoffe-Gesetz ins Leben gerufen.
18:28
Und das sollte halt eben genau diese Lücke füllen, weil das NPSG etwas konnte, was das BtMG nicht konnte. Und zwar konnten komplette Substanzgruppen reguliert werden. Eine weitere Besonderheit ist auch, dass nach dem NPSG der Besitz zum Eigenkonsum in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt wird. Strafbar sind nämlich vor allem Herstellung, Handel und Inverkehrbringung.
18:50
Konsumenten sind also besser geschützt durch das Gesetz, während halt der Besitz beim BtMG durchaus sehr streng und hart teilweise verfolgt werden kann. Gut, so viel dazu. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Hat das NPSG das Katz-und-Maus-Spiel denn beendet? Und dazu gibt es ehrlich gesagt kein klares Ja oder Nein,
19:11
sondern eher so ein Jein. Denn was das Problem oder auch die Herausforderung mit dem NPSG ist: Ja, es sind jetzt ganz schön viele Stoffgruppen darunter verboten, und es gibt sehr viele Stoffe, die wahrscheinlich auch unter das NPSG sicher fallen würden. Aber das muss man auch erst mal herausfinden.
19:31
Denn auch dafür müssen die Substanzen gekauft werden, analysiert werden und dann geschaut werden, ob diese analysierte Substanz überhaupt in die Stoffgruppen fällt, die im NPSG reguliert wurden. Und auch das ist wieder ein Vorgang, ein Aufwand. Und die Anlage zum NPSG ist wirklich extrem komplex.
19:52
Und dementsprechend bleiben wir so ein bisschen beim Vorgang, dass man sich wieder die Substanzen erst mal kaufen muss, sie sich erst mal chemisch anschauen muss und dann gucken muss: Okay, fallen die unter das BtMG? Vielleicht fallen sie unter das NPSG oder fallen sie vielleicht noch nirgends drunter, und wir müssen das NPSG erweitern. Das heißt, es bleibt irgendwie immer noch so ein gewisses Katz-und-Maus-Spiel,
20:14
obwohl vielleicht auch die Substanzen, die auf einem Graumarkt sind, wieder mit Anführungszeichen, schon durchs NPSG reguliert sind. Aber auch das gilt es halt erst mal nachzuweisen. Und hinzu kommt auch, dass manchmal das BtMG die Möglichkeit der Regulierung gesamter Stoffgruppen beeinflusst. Und das finde ich ganz interessant.
20:33
Das können wir uns mal am Beispiel von LSD anschauen, wo wir halt auch noch bei diesem klassischen Katz-und-Maus-Spiel bleiben. Denn LSD selbst ist im Betäubungsmittelgesetz in der Anlage ausdrücklich erfasst und damit klar reguliert. Es handelt sich also nicht um eine neue psychoaktive Substanz, sondern um eine seit Jahrzehnten international kontrollierte Substanz.
20:54
Anders verhält es sich natürlich mit diesen leicht strukturell veränderten Derivaten wie 1-VLSD oder 1-CPLSD. Diese sind nämlich chemisch sehr, sehr eng mit LSD verwandt, unterscheiden sich jedoch formal in einzelnen Molekülbestandteilen. Und solche minimalen Modifikationen können dazu führen,
21:13
dass eine Substanz zunächst nicht eindeutig unter die bestehende BtMG-Regelung fällt. Gleichzeitig ist das NPSG nur für Stoffe gedacht, die nicht bereits vom BtMG erfasst sind. Und dadurch kann eben zeitweise ein juristischer Prüf- und Auslegungsbereich entstehen.
21:32
Nennen wir es mal so, indem man halt gucken muss, ob man überhaupt diese Stoffgruppe rund um, also diese Veränderung von LSD, ob die im NPSG so erfasst werden können, weil man nicht sozusagen die LSD-Stoffgruppe im NPSG erfassen kann, weil LSD ja schon im BtMG erfasst werden. Das heißt,
21:51
ihr merkt vielleicht schon: Alles extrem komplex und gar nicht mehr so einfach. Und es stellt sich vielleicht auch an dieser Stelle überhaupt die Frage: Ist eine strengere, schnellere, konsequentere Regulierung auch überhaupt die Lösung? Darüber sprechen wir am Ende noch mal, wenn wir uns die Lösungsansätze anschauen. Ich möchte erst noch mal mit euch über die allgemeinen Herausforderungen sprechen,
22:12
die beim Konsum entstehen.
22:17
Neue psychoaktive Stoffe, Research Chemicals, das ist natürlich unfassbar viele unterschiedliche Substanzen, die nicht mal in die gleiche Stoffgruppe gehören müssen. Das heißt, die haben natürlich alle noch mal ihr eigenes Risikoprofil, abhängig von Stoffgruppe, Substanz etc. pp. Allerdings haben alle Research Chemicals ein gewisses Risikoprofil,
22:39
das sie gemeinsam haben. Und das schauen wir uns in diesem Kapitel mal ein bisschen genauer an. Wir haben erst mal das Problem der unklaren Wirkstärke, denn viele neue psychoaktive Stoffe, insbesondere synthetische Cannabinoide oder auch neue synthetische Opioide, sind deutlich potenter als die Substanzen,
23:00
die sie emittieren. Und schon kleine Dosisunterschiede können einen großen Wirkungsunterschied hervorrufen. Häufig ist es auch so, dass die Händler Substanzen deklarieren, die am Ende gar nicht drin sind.
23:13
Und auch da es nicht sicher ist: Okay, was konsumiere ich denn gerade und welche Dosis braucht es da eigentlich oder welche Wirkstärke hat diese Substanz? Und gerade bei Opioiden und bei den Downern kann es halt im Extremfall zu einer Art Depression führen oder auch zum Tod oder bei synthetischen Cannabinoiden zu starken psychischen, aber auch vegetativen Reaktionen.
23:36
Es ist also ein bisschen so eine Wirkungsstärken-Lotterie, wo man am Ende nicht so 100 % weiß, was einen erwartet. Ein ganz großer Aspekt ist natürlich die fehlende Datenlage. Denn über fast alle Substanzen, die ins NPS fallen, wissen wir nicht, wie sie wirken, vor allem nicht langfristig.
23:56
Wir haben keine Ahnung über die Langzeitwirkungen. Die Substanzen sind ja auch nur super kurz am Markt. Wir wissen nicht, wie sie metabolisiert werden, wie hoch die toxische oder letale Dosis ist oder auch wie sie mit anderen Substanzen interagieren. Man bleibt also im Prinzip seine eigene Laborratte, wenn man die Substanzen konsumiert, weil man halt die Substanzen an sich als allererstes testet.
24:18
Und gerade im NPS-Bereich hatte ich schon immer mal wieder auch Klienten, die ein extrem hohes Wissen über psychoaktive Substanzen und so mitgebracht haben. Und ich habe da leider aber auch manchmal gemerkt, dass dieses allgemeine hohe Verständnis zu pharmakologischen Grundwirkungen und und und.
24:37
Klar ist es immer gut und gibt eine gewisse Sicherheit, aber manchmal führt das leider auch zu Selbstüberschätzung. Denn egal, wie viel man sich vielleicht grundlegend auskennt,ändert es ja nichts daran, dass die Substanzen, die man konsumiert, keine Datengrundlage hat. Und das heißt, man arbeitet maximal mit Hypothesen bis Glaubenssätze,
24:57
und das kann halt auch einfach extrem gefährlich sein. Ein hohes Wissen kann einem helfen, den Substanzkonsum zu steuern, zu regulieren, zu gestalten. Klar, aber ein hohes Wissen, wenn man trotzdem extrem viel konsumiert, schützt einen am Ende nicht vor einer Atemdepression. Ein weiterer Punkt ist die Qualitätskontrolle.
25:17
Und gerade wenn wir von so Online-Shops sprechen, dann hat man manchmal so den Eindruck: Okay, das ist so ja so ein total professionell chemisches, fast schon apothekenähnliches Unternehmen. Und das gibt manchmal so ein falsches Gefühl von Qualitätskontrolle.
25:35
Aber diese Online-Händler sind natürlich erst mal dafür da, dass es alles gut ausschaut, dass man ein gutes Kaufgefühl hat. Aber die sind natürlich nicht verpflichtet zu irgendwelcher Qualitätskontrolle. Es steht ja meistens auch drauf, dass es gar nicht zum menschlichen Konsum ausgelegt ist. Und deswegen darf man sich da auf gar keinen Fall täuschen lassen.
25:54
Auch wird häufig ganz genau gesagt, welche Substanz drin ist. Und im besten Fall ist es auch so. Aber es hat sich auch immer wieder in Drug Checking Ergebnissen gezeigt, dass in Online-Shops Substanzen verkauft worden sind, wo gesagt wurde, welche Substanz drin ist, diese aber am Ende auch nicht drin war. Und dann ist natürlich ein Risikoaspekt der extrem dynamische Markt.
26:14
Es kommen immer wieder neue Substanzen auf den Markt. Dementsprechend kann halt auch kaum Erfahrungswissen aufgebaut werden, weil schon wieder die neue Substanz da ist.
26:24
Und man lässt sich im Prinzip immer wieder und immer wieder auf neue Substanzen ein und hat damit eben auch das Problem, dass man immer wieder neues Erfahrungswissen generieren muss und das halt auch einfach am Ende schiefgehen kann. Und dazu kommt natürlich, und das leitet sich im Prinzip aus all dem, was ich gerade gesagt habe, ab,
26:43
dass Safer Use Prinzipien, die allgemeinen Safer Use Prinzipien, ziemlich schnell bei NPS an ihre Grenzen stößt. Denn Safer Use basiert normalerweise darauf, dass wir Kenntnis über die Substanz haben, Kenntnis über die Dosierung, Wissen über die Wirkdauer, Wissen über die Risiken.
26:59
Und bei Research Chemicals sind halt genau diese Grundlagen häufig deutlich unsicherer oder einfach nicht bekannt. Dadurch gibt es keine etablierten Dosisrichtwerte zur wirksamen Dosis, toxischer Dosis, Wirkdauer und Wechselwirkung. Natürlich wird sich da auch ausgetauscht in Foren und auch versucht, Wissen aufzubauen.
27:19
Aber grundlegend dadurch, dass wir auch eine gewisse Masse an Substanzen haben, ist es halt deutlich weniger Wissen, was wir haben, als durch etablierte Substanzen wie MDMA, Kokain, Amphetamin, die schon Jahre, Jahre, Jahre auf dem Markt sind, gewissermaßen auch einigermaßen erforscht wurden, aber halt als auch ein gewisses Erfahrungswissen gibt von Konsumierenden, mit dem sie sich austauschen können.
27:42
Dann kommt es dazu, dass Drug Checking sehrerschwert ist. Und es gibt in Frankfurt, das packe ich euch auch mal in die Links, die Möglichkeit, NPS testen zu lassen. Das ist meines Wissens aktuell auch mit das einzige Testzentrum, wo man so als Konsument relativ niedrigschwellig Substanzen auf NPS testen lassen kann, kostenlos.
28:04
Aber es ist halt auch extrem aufwendig, überhaupt NPS zu testen. Und deswegen ist das Drug Checking allgemein sehrerschwert. Aber in Deutschland haben wir jetzt auch noch nicht so ein sehr flächendeckendes Drug Checking Angebot. Und dann gibt es vielleicht noch den Aspekt, dass gerade so ein Begriff wie legal heißt und der Begriff legal gleich so eine falsche Sicherheit mitbringt von: Na ja,
28:24
okay, wenn es legal ist, kann es ja nicht so schlimm sein. Und ich glaube, das ist vielleicht über die Zeit ein bisschen abgeschwächt, weil man inzwischen weiß, was mit legal heißt gemeint ist. Aber auch gerade für eine sehr junge Zielgruppe ist vielleicht auch das gerade so der Verkaufsargument, also das, was vielleicht auch manchmal, was bei synthetischen Cannabinoiden immer noch vorkommt,
28:44
in fucking sorry Automaten steckt, dass das ja nicht so was Schlimmes sein kann oder nicht so was Risikoreiches sein kann. Zusammenfassend kann man also einfach sagen, dass NPS nicht nur wissenschaftlich unerforscht sind, sondern auch in der Regel keinen langen User Erfahrungsschatz mit sich bringen, weil sie eben auch nicht lange auf dem Markt sind.
29:05
Und dadurch hat man immer eine Unsicherheit, eine Lotterie, so ein bisschen den Laborrattenmodus, den man einfach einnimmt, wenn man NPS konsumiert und damit sowohl ein akutes unbekanntes Risiko eingeht, vor allem aber, und das ist ja auch noch ein großer Punkt, der da gerne weggeschoben wird, ein komplett unabsehbares Langzeitrisiko eingeht.
29:31
Jetzt haben wir viel über Definitionen gesprochen, über Stoffgruppen, über Risiken, über Regulierungen. Und wenn wir es ehrlich zu Ende denken, dann bleibt doch irgendwie auch noch mal grundlegend die Frage: Warum gibt es Research Chemicals überhaupt? Und warum verschwinden sie nicht einfach trotz neuer Gesetze? Okay,
29:49
das haben wir jetzt halt einigermaßen geklärt, aber auch Aufklärung über die teilweise sehr schweren gesundheitlichen Schäden, die damit auch immer im Kontext auftreten. Dererste Punkt ist natürlich: Die Nachfrage ist da. Research Chemicals entstehen natürlich nicht im luftleeren Raum. Wenn eine bekannte Substanz streng reguliert wird oder schwerer zugänglich wird, verschwindet die Nachfrage nicht.
30:11
Und es hat sie auch noch nie getan. Und ich meine, der Wunsch nach Räuschen außerhalb der erlaubten Substanzen ist halt noch nie abgebrochen. Und was passiert dann eben? Der Markt reagiert. Und damit kommen wir gleich zum zweiten Punkt, der eng damit zusammenhängt. Regulierung erzeugt in der Regel einfach immer nur Anpassung und nicht,
30:31
dass etwas verpufft oder wegfällt. Das ist ja immer so ein bisschen eine Illusion, dass man immer nur an den Stellschrauben der Prohibition drehen kann und irgendwann verschwindet der Konsum.
30:42
Aber Leute, überlegt euch mal, wie viele Jahrzehnte wir das versuchen und wie absolut gar nicht das funktioniert und immer wieder verschiedene Substanzen ihr absolutes High erleben, gerade in den westlichen Gesellschaften. Das heißt, man könnte sich schon fragen, wann vielleicht die Erkenntnis wirklich auch mal durchgreift,
31:01
dass wir mit den Regulierungen den Konsum eigentlich nicht wirklich beeinflussen. Denn was passiert? Durch Regulierung wird Anpassung erzeugt. Also eine Substanz wurde im BtMG verboten, eine leicht veränderte Variante taucht auf, diese wird analysiert, geprüft, reguliert und die nächste Varianteerscheint.
31:20
Mit dem NPSG konnte diese Entwicklung auch in den letzten zehn Jahren nicht gestoppt werden, sondern lediglich ein bisschen ausgebremst, ein bisschen ungemütlicher gemacht worden. Aber grundlegend existiert ja genau dieser Trend auch noch so, wie er damals vor ein paar Jahren entstanden ist. Und auch an dieses Argument anschließend muss man sich halt auch noch überlegen.
31:41
Und das ist mein letzter Punkt in dem Kontext, dass legal ein echt starkes Verkaufsargument ist und dass Menschen eher bereit sind, sozusagen auch komplett neue Substanzen, von denen man nicht weiß, wie sie eigentlich genau wirken oder gar nicht vielleicht genau weiß, was es überhaupt für Substanzen sind, zu konsumieren, anstatt bei altbekannten Substanzen zu bleiben,
32:03
die aber halt eine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen. Also legal ist schlichtweg ein Verkaufsargument, das zieht und für was es sich einfach auch lohnt, weiter am Gesetz vorbeizuarbeiten. Und jetzt stellt sich natürlich am Ende noch die Frage: Was könnte es denn für mögliche Lösungsansätze geben? Und das schauen wir uns jetzt noch mal an.
32:25
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32:30
Lösungsansätze für den Konsum bei illegalisierten Substanzen, aber auch bei NPS, ist immer etwas herausfordernd und man braucht wirklich ganz unterschiedliche Perspektiven, die man einnehmen muss. Und wir gehen es halt einfach mal auf ein paar noch zum Schluss ein.
32:47
Auf der einen Seite stehen natürlich die Konsumenten und die große Frage: Wie kann man die Möglichkeit auf Harm Reduction erhöhen? Wie kann man den Konsum für die Konsumenten sicherer gestalten? Und ja, da fällt mir ehrlich gesagt als allererstes wieder ein, dass es ein besseres Drug Checking Angebot in Deutschland geben kann.
33:07
Ich weiß von mehreren Bundesländern, dass sie wirklich sich extrem dafür einsetzen, dass Drug Checking in ihre Bundesländer kommt und es wirklich unfassbar schwierig ist, das zu etablieren. Und bei NPS brauchen wir halt meistens auch noch mal speziellere Drug Checking oder Leute, die eben auch auf NPS reagieren können und die analysieren können. Wie gesagt, in Frankfurt gibt es das schon,
33:27
aber es sollte eigentlich nicht nur ein NPS Drug Checking in Deutschland geben. Oder ich weiß gar nicht, ob es noch ein anderes gibt, muss ich ehrlich gesagt sagen. Ich glaube, es ist aber das einzige Programm. Dann ist es natürlich wichtig, dass das, was analysiert und ja herausgefunden wird, auch einen guten Weg zu den Konsumenten findet, also dass Aufklärung und auch Einordnung stattfindet.
33:49
Und am besten nicht unbedingt immer mit einer herzzerreißenden Funkdokumentation. Darüber werde ich diesen Monat auch noch mal in einem Quickie sprechen, sondern halt wirklich, dass man Systeme aufbaut, wo Konsumenten wirklich gut informiert werden und die Informationen bekommen, die sie auch brauchen und nicht mit einem Gießkannensystem über alle drüber.
34:11
Aber das ist so ein bisschen meine Meinung. Und schon jetzt gibt es eben auch Monitoring und Frühwarnsysteme, unter anderem eben auch europaweit. Und das ist halt eben total hilfreich, um ein bisschen den Markt zu beobachten, obwohl der halt sich auch einfach unfassbar schnell verändert. Aber natürlich passiert auch Konsum immer auf einer gesellschaftlichen Ebene.
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Und die gesellschaftlichen Aspekte, was Menschen süchtig macht im Allgemeinen oder zu problematischem Konsum verleitet, die lasse ich hier einfach mal weg. Das wäre vielleicht auch mal, wir hätten eine ganz eigene Folge dazu machen. Aber es gibt ja einmal diese regulatorische gesellschaftliche Seite, die haben wir jetzt halt sehr ausführlich darüber gesprochen.
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Und man könnte natürlich sagen: Ja, wir müssen irgendwie schauen, dass wir das System, das neue psychoaktive Stoffe Gesetz, dahingehend verbessern, dass es viel schneller und breiter reguliert, vielleicht inklusive der Illusion, dass, wenn wir härter mit strengeren Regeln und strengeren Strafen durchgreifen, dass es was verändert. Ihr hört schon ein bisschen raus.
35:11
Ich bin bei so was immer eher kritisch, weil na ja, die Erfahrung gibt uns vielleicht recht, dass es eben nicht klappt, weil die Nachfrage sich einfach auch nicht in Luft auflöst.
35:21
Was ich sehr spannend finde, ist allgemein vielleicht auch die Auseinandersetzung damit, wie man das, nennen wir es mal, das Freizeitrausch Angebot in Ländern reguliert ausbauen könnte. Und dabei rede ich halt von Substanzen mit einem geringen Schadenspotenzial und nicht jetzt neue psychoaktive Stoffe,
35:42
die ja überhaupt nicht einschätzbar sind bis jetzt. Und ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen habt, aber Tschechien hat ein neues Gesetz, und zwar 2023/24, verabschiedet mit der Kategorie psychomodulierende Stoffe mit geringem Risiko.
35:58
Und das Ziel ist, Substanzen mit vergleichsweise geringem Gesundheitsrisiko nicht vollständig zu verbieten, sondern reguliert zugänglich zu machen, also mit Altersgrenze, mit Jugendschutz, Verkaufsbeschränkungen und Aufklärung. Und in diese Kategorie fällt in Tschechien zum Beispiel Kratom. Ein anderes Beispiel dafür sind zum Beispiel auch Cava Cava Bars,
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die es zum Beispiel in den USA gibt. Und Cava Cava ist auch ein Downer. Und in den Bars gibt es halt keinen Alkohol, sondern Cava Cava Drinks. Und ja, ich bin jetzt nicht naiv. Das ist nicht die Lösung für den problematischen Konsum, der eventuell auch im Kontext von NPS stattfindet. Aber ich glaube auch,
36:38
so eine gewisse Neugierde auf andere Substanzen, die vielleicht auch in andere Bahnen zu lenken und allgemein so dieses das Rausch Angebot so ein bisschen zu erweitern, könnte eine gewisse Neugierde abschwächen und hat zusätzlich einfach. Und das ist aber dann noch mal ein ganz anderer Punkt. Den Vorteil,
36:57
dass zum Beispiel Kratom oder Cava Cava allgemein ein deutlich geringeres Schadenspotenzial hat als Alkohol und dadurch eben einfach auch die gesündere Variante zum Berauschen wäre. Aber ja, also ich finde es immer total schwierig mit den Lösungsansätzen. Falls ihr da noch weitere Ideen habt oder was für euch Ansatzpunkte wären,
37:19
schreibt es gerne in die Kommentare. Das geht auf Spotify und YouTube oder auch bei Castbox zum Beispiel. Fände ich auf jeden Fall spannend.
37:30
So, ihr Lieben, wir kommen zum Ende dieser Folge und ihr merkt, das Thema Research Chemicals ist wirklich sehr komplex. Was mir persönlich wichtig wäre, dass ihr aus der Folge mitnehmt, ist erst mal das Verständnis, dass es einen Markt gibt, in denen es zahlreiche Substanzen gibt, zu denen sehr wenig Erfahrungswissen, Erfahrungsschatz einfach da ist,
37:51
und zwar weder aus Forschung noch aus langjährigem Konsumentenwissen. Und daraus entsteht eben immer eine gewisse Blackbox um die Substanzen, dass das Risiko nicht wirklich einschätzbar macht. Und so viel kann ich euch auch dazu sagen: Es wird dazu nicht mehr so viel mehr Forschung geben zu den einzelnen Substanzen, weil es sich einfach gar nicht lohnt. Denn an sich entwickelt sich der Markt so schnell.
38:12
Was bringt es uns, die Substanz A zu erforschen, wenn sie in sechs Monaten schon keine Sau mehr juckt? Deswegen gilt es sowohl meiner Meinung nach, das Drug Checking Angebot auszubauen, Wissen über die aktuellen Substanzen irgendwie zusammenzutragen und zumindest einen gewissen Informationsfluss dahingehend aufzubauen. Und wie gesagt,
38:31
falls ihr noch gute Ideen habt, schreibt es gerne in die Kommentare. Zu guter Letzt möchte ich euch noch auf ein neues Feature in der psychoaktiv Mitgliedschaft aufmerksam machen, denn es wurde sich ja immer wieder gewünscht, dass es Zusammenfassungen zu den einzelnen Folgen geben soll oder auch Transkripte.
38:49
Und dem bin ich jetzt nachgegangen und ich habe nicht einfach irgendwie eine riesen Dokumentssammlung aufgebaut, wo man sich blöd rumklicken kann. Nein, es gibt eine KI, mit der ihr jetzt einfach den kompletten Zugriff auf alle psychoaktiv Transkripte habt. Und die beantwortet euch Fragen auf Grundlagen der Transkripte, spuckt euch Zusammenfassungen raus.
39:10
Es kann für die Arbeit, wenn man mit Klienten arbeitet, Informationsblätter erstellen. Es ist also richtig krass geworden und ihr habt jetzt im Prinzip durch diese KI als Mitglied Zugriff auf fünf Jahre inhaltlicher psychoaktiv Arbeit. Den Link zu psychoaktiv Plus, also dem Mitgliederprogramm, das dranhängt, findet ihr gleich als ersten Link in der Beschreibung.
39:32
Und ich freue mich, wenn ich mit dem Tool euch ermöglichen kann, dass ihr noch mehr mit den Inhalten von psychoaktiv arbeiten könnt und dementsprechend viel Spaß und wir hören uns beim nächsten Mal wieder.

