Trigger und Suchtdruck: Umgang mit Hochrisikosituationen

Trigger werden häufig so verstanden, als seien sie objektiv gefährliche Reize, denen man möglichst vollständig aus dem Weg gehen sollte. In dieser Folge geht es darum, diesen Begriff im Kontext von Sucht genauer einzuordnen: Trigger können Orte, Gerüche, Situationen, Gefühle oder Erinnerungen sein, die durch frühere Konsumerfahrungen mit Bedeutung aufgeladen sind und Suchtdruck auslösen können. Entscheidend ist dabei nicht nur der Reiz selbst, sondern die persönliche Lerngeschichte und der Zustand, in dem ein Mensch diesem Reiz begegnet.

Die Folge erklärt, warum es langfristig nicht reicht, Trigger einfach nur zu vermeiden, und weshalb Rückfallprävention vor allem bedeutet, den eigenen Umgang mit Hochrisikosituationen zu stärken. Im Mittelpunkt stehen Cue Reactivity, Copingstrategien, Selbstwirksamkeit, Stressregulation und Urge Surfing. Dadurch wird deutlich: Ziel ist nicht, die eigene Welt immer kleiner zu machen, sondern besser zu verstehen, was Suchtdruck auslöst – und wie man trotz innerer Reaktion wieder mehr Handlungsspielraum gewinnt.

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Trigger und Suchtdruck: Umgang mit Hochrisikosituationen

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PODCAST-METADATEN
Folge: 136
Erscheinungsdatum: 14.05.2026
Podcast: Psychoaktiv
Titel: Trigger und Suchtdruck: Umgang mit Hochrisikosituationen
Sprecher: Stefanie Bötsch

00:02
Wie kannst du sowas sagen? Das hat mich extremst getriggert, und jetzt hab ich Suchtdruck. Solche Kommentare bekomm ich manchmal, zum Beispiel wenn ich über das Thema kontrolliertes Trinken spreche oder auch zu meinem Intro mit dem Satz „Zieht’s euch rein“. Aber was ist denn eigentlich ein Trigger?

00:21
Sollte ich in meinem Podcast mehr Triggerwarnungen nutzen? Oder greifen sie eigentlich viel zu kurz? Heute sprechen wir darüber, warum man Triggern nicht vollständig aus dem Weg gehen kann, was sie im Kontext von Sucht und Konsum auslösen können und wie ein sinnvoller Umgang damit aussehen kann.

00:49
„PSYCHOaktiv“, euer Podcast mit Suchttherapeutin Stefanie Bötzsch. Zieht’s euch rein!

01:00
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „PSYCHOaktiv“. Schön, dass du wieder mit dabei bist, und heute besprechen wir ein Thema, das mir schon ein bisschen länger unter den Nägeln brennt, denn es ist auch ein bisschen ein Thema, das ich im Kontext von Kommentaren, die manchmal in den „PSYCHOaktiv“-Kommentarspalten landen, besprechen möchte.

01:21
Ich habe es ja gerade schon in der Anmoderation erwähnt, dass gerade Themen um das kontrollierte Trinken auch mal für eine gewisse Empörung sorgen kann, beziehungsweise gerade bei dem Thema, es mal einen Kommentar gab, wo ich darauf hingewiesen wurde, dass ich doch über solche Themen nicht sprechen darf, denn das könnte ja bei jemandem Suchtdruck auslösen,

01:42
und bei der Person war es tatsächlich so, und das sei unverantwortlich. Und dementsprechend empfinde ich es als super wichtig, dass wir heute mal über Trigger reden, über Risikosituationen und über den Umgang damit.

01:57
Doch bevor wir gleich in das Thema reinstarten, begrüßen wir die neuen „PSYCHOaktiv Plus“-Mitglieder: Bernhard, Hendrik, Ursula, Tia und Sabine. Dieser Podcast ist finanziert dank seiner Mitglieder und kann so überhaupt nur stattfinden. Falls du also denkst: „Hey, ich lern bei ‚PSYCHOaktiv‘ super viel,

02:16
ich möchte, dass es noch lange weitergeht“, dann findest du den Link zu „PSYCHOaktiv Plus“ ganz oben in der Beschreibung. Und jetzt lasst uns in die Folge reinstarten und uns mit dem Thema Trigger beschäftigen.

02:32
Der Satz „Das triggert mich“ hat sich ja inzwischen in unseren normalen Sprachgebrauch eingebürgert und ist an sich ein schönes Beispiel dafür, wie Sprache, die wir eigentlich genutzt haben, um Dynamiken von psychischen Erkrankungen zu beschreiben, in den Alltag einziehen. Im Alltag wird der Begriff inzwischen sehr breit verwendet.

02:53
Manchmal beschreibt es tatsächlich eine starke innere Reaktion aufgrund eines gewissen Reizes, manchmal meint er aber eigentlich damit einfach nur: „Mich nervt etwas, es regt mich auf, das ist unangenehm.“ Und häufig ist dieser Begriff auch damit konnotiert,

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dass man Trigger eigentlich vermeiden will und dass es sie unbedingt auch zu vermeiden gilt. Wenn ihr mich fragt: Super schwierige Entwicklung, gerade was das Vermeiden angeht. Dazu kommen wir aber später noch mal. Schauen wir uns doch erst mal an, was im Fachkontext Trigger wirklich meinen.

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Fachlich ist Trigger kein einheitlicher Diagnosebegriff. Je nach Kontext sprechen Studien eher von Hinweisreizen, konditionierten Reizen, traumabezogenen Erinnerungsreizen, Stressoren, substanzbezogenen Hinweisreizen, Reizreaktivität oder Hochrisikosituationen. Gemeinsam ist all diesen Begriffen,

03:50
dass ein äußerer oder innerer Reiz auf eine Lerngeschichte trifft und dadurch eben eine emotionale, körperliche, kognitive oder motivationale Reaktion auslösen kann. Dabei ist wichtig, dass Trigger nicht etwas Universelles ist, sondern was sehr Individuelles. Was etwas bei einer Person auslöst,

04:10
kann für eine andere Person absolut unbedeutend sein und das auch innerhalb des gleichen Störungsbildes. Denn Trigger sind Reize, die für eine Person mit Bedeutung aufgeladen sind. Das kann durch frühere Erfahrungen passieren, durch Lernprozesse, durch Erinnerungen, durch körperliche Zustände oder auch durch die Bewertung einer Situation.

04:30
Ein Trigger ist also nicht einfach ein objektiv gefährlicher Reiz. Es ist ein Reiz, der für eine bestimmte Person in einem bestimmten Kontext etwas aktiviert. Und dieses Etwas kann auch auf verschiedenen Ebenen passieren. Ein Trigger kann körperliche Reaktionen auslösen, also zum Beispiel eine super Anspannung, Herzklopfen,

04:50
Übelkeit, Unruhe oder einfach so ein Gefühl von Alarm und Fight or Flight Modus. Er kann aber auch Gefühle aktivieren wie Angst, Scham, Wut, Ekel oder auch Traurigkeit. Er kann Erinnerungen oder auch innere Bilder oder auch Gedanken anstoßen. Im Traumakontext können auch Wiedererlebenssymptome auftreten,

05:12
etwa intrusive Erinnerungen oder Flashbacks. Und bei manchen Menschen kann eine Triggerreaktion auch zu Dissoziation führen, also in Zustände, in denen das Erleben wie abgespalten wirkt, Menschen sich innerlich weit weg fühlen, wie neben sich stehen, taub werden oder das Gefühl haben, nicht mehr ganz im Hier und Jetzt zu sein.

05:32
Und Trigger können gleichzeitig auch Handlungsimpulse wahrscheinlicher machen, wie weggehen, sich schützen, vermeiden, kontrollieren, sich zurückziehen oder etwas tun, das kurzfristig Erleichterung verspricht. Das ist wichtig zu wissen, weil bestimmte Reaktionen oder Verhaltensweisen manchmal so wirken, als kämen sie komplett aus dem Nichts.

05:53
Also auch für die Betroffenen selbst. Denn am Anfang hat man häufig noch keine Sensibilität dafür, was Trigger überhaupt sind, was Triggerreize überhaupt sind und was eine Triggerreaktion sein kann. Und plötzlich ist da Suchtdruck und plötzlich zieht man sich zurück und plötzlich wird man wütend, plötzlich dissoziiert jemand oder plötzlich entsteht ein starker Impuls, etwas zu vermeiden oder kontrollieren zu wollen.

06:15
Wenn also auf bestimmte Trigger sehr starke Reaktionen folgen, ist es Teil der Psychotherapie, genau auch Trigger auf der einen Seite zu versuchen zu identifizieren und auf der anderen Seite aber auch ein Umgang mit der Reaktion dazu zu lernen.

06:30
Doch bevor wir uns den Umgang mit Triggern genauer anschauen, wollen wir erst mal Trigger mehr im Kontext von Konsum und Sucht beleuchten.

06:43
Im Kontext von Sucht sprechen wir bei Triggern in der Regel über Cues und über Cue Reactivity. Darüber haben wir auch hier im Podcast in den 130 Plus Folgen, die wir hier schon haben, öfters gesprochen, zum Beispiel jetzt erst neulich in der Folge über Heilung und Sucht. Ich verlinke es euch auf jeden Fall auch in der Folgenbeschreibung,

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aber zum Beispiel auch, als wir allgemein über Rückfälle gesprochen haben. Auch die Folge verlinke ich euch. Gemeint ist mit Cues eigentlich auch das, was wir mit Triggern meinen, also Reize, sei es Bilder, Gerüche, Geschmack, Orte oder Situationen, die mit dem Konsum von psychoaktiven Substanzen verbunden sind und Craving, also sehr starkes Verlangen, auslösen.

07:27
Diese Reize wirken deswegen, weil sie vor allem mit den früheren Erinnerungen vom Konsum in Verbindung gebracht werden, also zu den Zeiten, wo noch vor allem viele positive Erinnerungen an den Konsum gebunden sind. Also zum Beispiel elektronische Musik, weil sie mit konsumintensiven, spaßigen und tranceartigen Nächten in Verbindung gebracht werden,

07:48
oder Geruch von Hopfen, der uns an entspannte Abende mit Bier in der Sonne erinnert und, und, und. Wichtig ist hier, dass in der Regel damit ein sehr schönes, positives, erfüllende Assoziation mitgeknüpft wird. Und diese Reize werden natürlich meist über längere Zeit an den Konsum gekoppelt,

08:08
also über den ganzen Prozess, wie sich vielleicht auch problematische Konsummuster entwickeln. Und damit bekommen sie eben auch eine immer stärkere motivationale Kraft. Wichtig ist an dieser Stelle vielleicht zu betonen, dass diese Reize nicht immer nur diese klassischen äußeren Reize sind, die man vielleicht sofort im Kopf hatte.

08:27
Ich hatte gerade ja den Rave erwähnt oder irgendwie den Biergarten oder was auch immer, sondern es können halt auch emotionale Zustände sein, wie zum Beispiel Stress, Scham, Einsamkeit oder Überforderung, also Gefühle, die man als unangenehm empfunden hat und diese in der Vergangenheit erfolgreich mit Konsum wegdrücken konnte.

08:47
Im Kontext mit Drogenkonsum, um das vielleicht in einem Satz sozusagen noch mal zusammenzufassen, bedeuten Trigger im Prinzip, dass die Reaktion hier ganz klar an den Suchtdruck geknüpft ist. Das heißt, es gibt einen Trigger, es gibt ein Cue und es löst starken Suchtdruck aus. Und das ist im Prinzip die Reaktion auf den Trigger,

09:08
der im Kontext von Sucht stattfindet. Allerdings gilt es auch bei der Cue Reactivity, bei den Forschungsergebnissen den kritischen Blick nicht zu verlieren. Vielleicht kennt ihr auch diese Darstellungen. Ich kenne sie auf jeden Fall aus meinem Master nach dem Motto: „Ein Mensch mit Abhängigkeit sieht Alkohol, Kokain oder eine Zigarette.

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Das wird ihm gezeigt und dann springt im Gehirn das Belohnungssystem an.“ Da gibt es dann immer so schöne Gehirnscans, die das auch irgendwie sehr schön zeigen. Und die Kernaussage gerade im Kontext von Sucht ist dabei, dass ein drogenbezogener Reiz, also die Bierflasche, die Laienkokain etc., zu einer Belohnungserwartung führt.

09:48
Das heißt, die betroffene Person sieht diesen Reiz. Man denkt: „Oh ja, wenn ich das konsumiere, dann erwartet mich eine Belohnung.“ Bei dieser Belohnungserwartung kommt es schon mal zu einem Dopaminausstoß und das sorgt wiederum zu Craving. Das ist so die klassische Erklärung eigentlich im Kontext zu Cue Reactivity und auch im Kontext zu diesen Gehirnscans,

10:09
die wir gerne in jeglichen Fortbildungen vorgelegt bekommen. Und die sind natürlich auch nicht falsch, aber es gibt so ein paar Einschränkungen, die man dabei nicht vergessen darf.

10:19
Es gibt nämlich eine Metaanalyse von Schacht und Kolleginnen, die eigentlich sehr schön aufzeigt, dass Menschen mit Alkoholproblemen sich eben nicht eindeutig von Kontrollpersonen entscheiden, was diese klassischen Belohnungsregionen angeht. Denn natürlich haben auch Menschen ohne Alkoholgebrauchsstörungen Reaktionen auf Alkoholreize.

10:40
Alkohol ist ja nicht nur für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen ein gelernter, sozialer, kultureller, bedeutsamer Reiz. Was aber eigentlich wirklich interessant ist, dass sich deutlichere Unterschiede zwischen Betroffenen und Kontrollpersonen in anderen Regionen zeigt, und zwar in Regionen, die nicht einfach nur mit Belohnung verbunden sind,

10:58
sondern eher mit Dingen wie Gedächtnis, Selbstbezug, Bewertung, Aufmerksamkeit, Kontextverarbeitung und sozialer oder sprachlicher Bedeutung.

11:07
Und wenn man das jetzt interpretieren müsste, und das muss man wirklich sehr vorsichtig ausdrücken, denn es ist wirklich nur eine Interpretation, könnte man sagen, dass ein Alkoholreiz bei einer Abhängigkeit möglicherweise stärker in persönlichen Erinnerungen, Routinen, Selbstbild,

11:25
soziale Situationen und früheren Konsumerfahrungen eingebettet sind und dass das der wichtige Part ist, noch mal mehr als der reine Belohnungseffekt. Also das Bierglas ist nicht einfach so ein Bierglas, das man sieht, sondern es ist der Feierabend, die Entlastung, die soziale Zugehörigkeit, all das. Oder kann aber auch sein,

11:44
dass es der Kontrollverlust, Scham und frühere Rückfälle ist, was auch wieder Suchtdruck auslösen kann, weil man dann unangenehme Gefühle sozusagen wegdrücken möchte. Es geht also im Prinzip um eine komplette Konsumgeschichte, was man damit verbindet, sowohl im Positiven als auch im Negativen.

12:03
Und dass sozusagen das nur immer auf das Belohnungssystem zurückzuschalten, so als einziger singulärer Faktor eventuell nicht ganz so eindeutig ist im Vergleich zur Kontrollgruppe, wie man es bisher angenommen hat.

12:19
Schauen wir uns nun aber mal an, wie man mit solchen Reizen und noch viel mehr mit der Reaktion auf diese Reize im Kontext von Substanzkonsum umgehen kann. Und lasst uns vielleicht erst einmal mit dem Konzept der Triggerwarnung starten, weil das war ja auch so ein bisschen der Aufhänger dieser Folge. Denn auch tatsächlich dazu gibt es Forschung.

12:41
Erst mal ganz kurz: Was ist eine Triggerwarnung? Eine Triggerwarnung ist im Grunde ein Hinweis am Anfang eines Textes, eines Videos oder einer Podcastfolge, dass bestimmte Inhalte vorkommen, also zum Beispiel sexualisierte Gewalt, Suizid, Gewalt im Allgemeinen oder eben Substanzkonsum. Die Idee dahinter ist,

13:01
Menschen sollen sich innerlich darauf vorbereiten können oder auch entscheiden können, ob sie diesen Inhalt gerade hören, lesen oder auch anschauen möchten. Die bisherige Forschung zeigt allerdings, diese Wirkung ist nicht wirklich so eindeutig, wie man es vielleicht erwarten würde. Eine Metaanalyse zu Triggerwarnungen,

13:20
Content Warnings oder auch Content Notes kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass solche Warnungen die emotionale Reaktion auf belastendes Material nicht zuverlässig reduzieren. Sie verbessern auch nicht das Verständnis des Inhaltes, was sich aber relativ zuverlässig zeigt. Triggerwarnungen erhöhen die antizipatorische Anspannung,

13:41
also die Anspannung, bevor der eigentliche Inhalt überhaupt kommt. Man könnte also sagen, es entsteht eine Art Angst vor der Angst aufgrund der Triggerwarnung, also eine Anspannung wegen einer möglichen inneren Reaktion, die vielleicht gleich auftreten könnte. Und wir haben ja gerade auch schon besprochen: Trigger sind ein höchst individuelles Thema.

14:03
Natürlich gibt es Inhalte, bei denen man eher davon ausgehen kann, dass sie für viele Menschen belastend sein können, zum Beispiel sexualisierte Gewalt oder Suizid. Aber ein Trigger kann halt auch noch viel subtiler sein. Eine bestimmte Formulierung, Tonfall, ein Geruch, ein Datum, Ort, ein Körpergefühl. Deshalb kann eine Triggerwarnung höchstens mal grob auf ein Thema hinweisen.

14:25
Sie kann aber nicht zuverlässig vorhersagen, was bei einer bestimmten Person tatsächlich eine starke Reaktion auslösen könnte. Und was eine Triggerwarnung natürlich auch nicht tut: Sie gibt ja auch keine Strategien mit, was man machen sollte, wenn so eine starke Reaktion ausgelöst wird. Manchmal ist es inzwischen so,

14:43
dass so Hinweise kommen wie: „Ja, wenn das Thema dich stört, überspring die Folge oder hör es mit jemandem gemeinsam.“ Aber häufig ist es eher so ein: „Hey, Achtung, dieses Thema kommt vor und Alarm, Alarm.“ Und dann kommen wir wieder zu dem Thema Angst vor der Angst. Aber die viel wichtigere Frage, um die es sich jetzt drehen wird, ist natürlich: Was mache ich, wenn in mir etwas ausgelöst wird?

15:05
Und hier kommen wir erst mal zu einem wichtigen Grundsatz, denn es ist nicht möglich, allen potenziellen Triggern sein Leben lang aus dem Weg zu gehen. Das gilt sowohl für die digitale Welt genauso wie für die Offline-Welt. Wir begegnen Worten, Gerüchen, Erinnerungen, Menschen, Orten, Werbung, Körperzuständen, Stress, Konflikten und Situationen,

15:26
die wir nicht immer kontrollieren können. Deshalb reicht es natürlich langfristig nicht, nur darauf zu setzen, dass andere Menschen alles vermeiden, was möglicherweise etwas in uns auslösen könnte. Und das bedeutet natürlich, dass man lernen muss, mit Reizen umzugehen und im Kontext mit Sucht natürlich mit konsumbezogenen Reizen umzugehen,

15:46
mit dem Suchtdruck und auch mit den Hochrisikosituationen. Und genau deshalb ist natürlich der Umgang mit solchen Reizen ein sehr zentrales Thema in der Suchttherapie. Und hier ist ein erster Schritt, erst mal zu versuchen, sogenannte Hochrisikosituationen zu erkennen, also Situationen, innere Zustände oder äußere Reize, in denen die Wahrscheinlichkeit steigt,

16:06
dass ein sehr hoher Konsumdruck entsteht und alte Muster aktiviert werden könnten. Und im Rückfallspräventionsmodell nach Malard, was so ein Goldstandard ist, würde ich fast sagen, spielen eben solche Hochrisikosituationen eine zentrale Rolle.

16:21
Aber natürlich nicht nur die Situation selbst, sondern viel mehr auch, welche Bewältigungsstrategien eine Person in diesem Moment zur Verfügung hat. In der frühen Abstinenz oder in einer frühen radikalen Veränderungsphase im Konsum kann es tatsächlich super sinnvoll sein, bestimmte Trigger erst einmal zu vermeiden oder auch zumindest zu reduzieren.

16:42
Darüber sprechen wir noch mal genauer, wenn wir auch über den stationären Bereich reden. Ganz praktisch kann es heißen, dass, wenn jemand gerade erst lernt, nüchtern zu bleiben oder den Konsum stark zu reduzieren, muss diese Person vielleicht nicht sofort mit Menschen in den Biergarten gehen, die diese Veränderung absolut nicht akzeptieren und die ganze Zeit versuchen, die Person zum Alkoholtrinken zu überreden.

17:04
Vielleicht ist es auch nicht sinnvoll, ausgerechnet jetzt gerade komplett am Anfang, in der ersten instabilen Phase, den Stiefvater zu besuchen, der einen wirklich immer zuverlässig emotional an seine absoluten Grenzen bringt. Im Rückfallpräventionsmodell wird so etwas als Stimuluskontrolle beschrieben. Bestimmte Reize werden reduziert,

17:24
entfernt oder auch vorübergehend gemieden, um die Wahrscheinlichkeit für Suchtdruck oder eben dementsprechend auch dem Konsum zu senken. Aber, und das ist halt super wichtig, das ist eine Stütze am Anfang, aber absolut nicht das Endziel, weil das Ziel in der Suchttherapie ist ja nicht, dass die Welt immer und immer kleiner wird.

17:44
Das Ziel ist, dass der eigene Handlungsspielraum im Laufe der Therapie und im Laufe des Heilungsprozesses wieder größer wird. Und hier an dieser Stelle kommen wir dann nämlich zu den Copingstrategien.

17:57
Und diese Copingstrategien haben das Ziel, dass man das Gefühl hat, dass man mit den unterschiedlichen Hochrisikosituationen umgehen kann und eben sich nicht diesen komplett ausgeliefert fühlt. Und das ist halt ein wichtiger Perspektivwechsel. Denn wenn wir immer nur auf den Trigger schauen, klingt es schnell so, als sei der Reiz selbst das Problem.

18:18
Es wäre der Biergarten das Problem oder der Geruch oder das Wort oder die Podcastfolge. Und ja, es ist vielleicht der auslösende Reiz, aber viel wichtiger ist natürlich der Umgang mit dem Reiz und der Reizreaktion. Und wenn Menschen mit solchen Situationen gut umgehen können, dann entsteht natürlich Selbstwirksamkeit,

18:37
also das Gefühl: „Ja, ich weiß, manche Sachen reizen mich, sie können auch für starken Suchtdruck führen, aber ich habe meine Strategien, damit umzugehen.“ Das ist sehr gut für die Selbstwirksamkeit und sorgt dementsprechend auch dafür, dass man mit den Situationen umgehen kann und ein Rückfall dementsprechend auch deutlich unwahrscheinlicher wird.

18:56
Wenn man aber überhaupt keine Bewältigungsstrategie dafür hat oder vielleicht die Bewältigungsstrategie ist, zu versuchen, sich eine komplett triggerarme Umwelt zu schaffen und das aber niemals 100 % funktionieren wird, dann sinkt die Selbstwirksamkeit, weil man ist ja komplett davon abhängig, dass Person XY ein bestimmtes Wort nicht mehr sagt,

19:18
eine bestimmte Podcastfolge nicht mehr produziert. Und gleichzeitig können dadurch eben auch positive Erwartungen an den Konsum stärker werden, wenn die eigene Selbstwirksamkeit in solchen Situationen abgeschwächt ist. Und dann kommt es halt wieder zu so Ideen, inneren Gedanken, dass, wenn man jetzt konsumiert, es leichter wird und alles dann besser wird usw.

19:39
Was aber wichtig ist: Wir reden ja hier von Copingstrategien. Das heißt also nicht einfach: „Reiß dich zusammen.“ Es heißt vielmehr: „Ich brauche konkrete Strategien für konkrete Situationen.“ Also die aktive Auseinandersetzung mit den Fragen: „Was mache ich, wenn ich nach einem Konflikt Suchtdruck bekomme? Was mache ich, wenn ich auf einer Feier bin und mir jemand etwas anbietet?

20:00
Was mache ich, wenn ich abends allein zu Hause sitze und der Gedanke kommt: ‚Jetzt wäre es doch eigentlich egal, trink einfach mal was‘? Was mache ich, wenn ich merke, dass ich anfange zu rationalisieren und mir den Konsum wieder schönrede? Und diese Strategien können sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal ist eben eine Verhaltensstrategie total sinnvoll,

20:21
also zum Beispiel die Situation zu verlassen, rausgehen, jemanden anrufen, nicht alleine bleiben, aber auch Geld oder Konsummittel nicht verfügbar zu haben, die Route zu wechseln, wenn so ein großer Trigger zum Beispiel auch eine ganz, ganz, ganz bestimmte Tankstelle ist usw. Manchmal gibt es aber auch sehr kognitive Strategien,

20:43
zum Beispiel sich daran erinnern, dass der Suchtdruck vorübergeht, den Gedanken nicht als Befehl zu behandeln, positive Konsumerwartungen zu hinterfragen oder sich klarzumachen, welche verzögerten Folgen ein Konsum hätte. Für manche ist es total hilfreich, sich dahingehend auch einen Notfallkoffer zu packen. Das war in der Sallusklinik,

21:01
wo ich gearbeitet habe, ganz schön, weil das war da in der App integriert, wo dann sich betroffene Personen zum Beispiel die Bilder von ihren Kindern reingemacht haben oder auch eine persönliche Notiz aufgenommen haben. Da kann man wirklich auch sehr kreativ sein. Natürlich kann man das auch zum Beispiel mit Emotionsregulation machen.

21:21
Das kann zum Beispiel Atemübungen sein, sich bewegen, duschen, etwas essen, schlafen oder alles, was eben hilft, den Körper aus der Alarmreaktion zu holen. Gerade bei extrem starkem Suchtdruck können natürlich auch Skills helfen. Das sind also stärkere äußere Reize wie zum Beispiel eine mega kalte Dusche oder Chili-Bonbons.

21:42
Aber das gilt es natürlich auch vorher einzuüben und zu gucken, was da sehr gut hilft. Über Skills haben wir übrigens auch schon gesprochen, und zwar in Folge 39 „Gefühle, Skills und Substanzkonsum“. Ich verlinke euch die Folge aber natürlich auch in den Shownotes. Ein hilfreiches Bild aus der Rückfallprävention ist hier auch das sogenannte Urge Surfing.

22:04
Suchtdruck wird dabei wie eine Welle verstanden. Es steigt an, erreicht einen Höhepunkt und nimmt wieder ab. Und die Aufgabe ist es nicht, die Welle wegzudrücken oder ihr sofort zu folgen, sondern Aufgabe ist es, auf der Welle zu bleiben, bis sie abflacht, also die Welle zu surfen. Denn viele Menschen erleben Suchtdruck so,

22:24
als würde er immer stärker und stärker werden und im Prinzip in eine Art Konsumzwang am Ende zwangsmäßig münden müssen. Beim Urge Surfing setzt es im Prinzip genau da an und vermittelt: „Na ja, es ist ein Impuls, es ist extrem unangenehm, aber er ist zeitlich begrenzt. Er kommt, er steigt,

22:43
er bleibt und geht auch wieder.“ Und all solche Strategien müssen vorbereitet und geübt werden. Das macht man in der Regel in der Suchttherapie, in der Rückfallprophylaxe, denn die Strategien sollen schon da sein und eingeübt sein, wenn es mal zu so einer Welle kommt und man sie tatsächlich braucht.

23:02
Und ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich dazu auch noch die Stressregulation. Wir haben ja schon auch vorher darüber gesprochen, dass Stress im Kontext von Sucht nicht nur ein Begleitfaktor ist, sondern eben auch selbst Suchtdruck auslösen kann. Das heißt, wenn wir über Triggerarbeit sprechen, dürfen wir nicht nur über Alkoholregale, Konsumorte oder Dealer-Kontakte sprechen.

23:22
Wir müssen natürlich auch darüber sprechen, was zu Schlaf, Überforderung, Einsamkeit, Konflikte, Scham usw. mit uns machen. Denn manchmal ist nicht der sichtbare Reiz der eigentliche Kipppunkt, sondern der Zustand, in dem eine Person sich befindet, wenn sie diesem Reiz begegnet.

23:42
Ein volles Bierregal nach einer stabilen Woche ist etwas anderes als ein volles Bierregal nach drei Nächten ohne Schlaf, einem Streit mit der Partnerin, das Gefühl von innerer Leere und irgendwie die Gedanken, dass man nicht mehr kann.

23:58
Deshalb gehört zum Coping nicht nur die Frage: „Wie gehe ich mit einem konkreten Trigger um?“, sondern auch: „Wie baue ich ein Leben, in dem ich nicht dauerhaft so erschöpft, angespannt oder überfordert bin, dass jeder Reiz einschlägt wie eine Bombe?“ Im Kontext von Malard nennt man das eben Lifestyle Balance.

24:18
Also, wenn das Leben fast nur aus Druck, Pflichten, Stress und Verzicht besteht, steigt eben auch das Bedürfnis nach einer schnellen Entlastung, aka eventuell Konsum. Wenn es aber andere Quellen für Freude, Ruhe, Verbindung oder Belohnung gibt, dann wird der Konsum unattraktiver bzw. nimmt eine kleinere Rolle an.

24:41
Ich möchte jetzt noch, bevor wir über meinen Umgang mit den Themen in Podcast und meiner Praxis sprechen, noch mal auf die besondere Rolle von stationären Einrichtungen sprechen. Ich erinnere mich da an eine Klientin, ist schon ein paar Jahre her, die kam aus einer stationären Reha und war bei mir in der Nachsorge und war auch wirklich verzweifelt, weil sie meinte,

25:01
sie hätte Ewigkeiten in der Drogerie verbracht, weil sie in der Reha gelernt habe, dass sie nie wieder ein Produkt mit Alkohol nutzen darf und sie einfach keine Creme ohne Alkohol findet. Wie auch?

25:15
Denn Alkohole werden in der Kosmetik sehr häufig genutzt, aber nicht jeder Alkohol ist Trinkalkohol und nicht jedes Produkt mit Alkohol ist suchtbezogen relevant. Ich war ein bisschen geschockt, aber es ist tatsächlich aus meiner Erfahrung kein Einzelfall.

25:32
Und deswegen versuche ich hier mal etwas Sensibilität zu schaffen zu den Besonderheiten von stationären Einrichtungen, aber auch die Wichtigkeit, einen klaren Transfer zum Alltag der Betroffenen herzustellen.

25:44
In den stationären Rehas oder auch Entgiftungen versucht man, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen, die in der Regel in einer sehr vulnerablen Phase auf ihrem Heilungswerdegang sind, gut arbeiten können. Wenn wir uns an das gerade eben Genannte erinnern, könnte man sagen, man erleichtert die Stimuluskontrolle, die bei einer ambulanten Behandlung,

26:06
wo man täglich wieder nach Hause geht, vielleicht nicht so einfach möglich wäre. Da in einer stationären Behandlung natürlich wieder viele Menschen sind mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, gibt es dementsprechend auch klare Regeln, die dann auch für alle gelten, auch wenn sie nicht für alle gleich sinnvoll sind.

26:25
Gemeint ist zum Beispiel das Verbot von alkoholhaltigem Mundwasser, alkoholhaltigem Waschmittel, aber auch in der Regel keine Gespräche über Drogen etc. etc. Das kann natürlich von Reha zu Reha unterschiedlich sein. Gleichzeitig gibt es dann noch Regeln, die durchgeführt werden müssen, damit Drogentests nicht falsch positiv sind,

26:44
die meiner Meinung nach aber nicht unbedingt was mit Triggerkontrolle zu tun haben, sondern tatsächlich eher mit falsch positiven Drogentests und deswegen nicht einfach eins zu eins in den Alltag übernommen werden müssen, wenn man aus der stationären Reha draußen ist, wie zum Beispiel der Verzicht von Mohnbrötchen, um keine falsch positiven Opioidtests zu bekommen,

27:04
oder der Verzicht auf Hefebackwaren direkt von einem Alkoholtest, weil eben es zu einem falsch positiven Alkoholartentest führen kann aufgrund der Hefebackwaren. Trotzdem haben wir ja gerade auch schon gelernt, dass die Stimuluskontrolle für den Anfang unterstützend wirken kann. Das Ziel jedoch ist, den Umgang mit den Triggern zu lernen.

27:25
Deswegen wäre es natürlich fatal, in der Reha vor allen Triggern zu versuchen, abzuschirmen, um dann Menschen nach der Entlassung ohne engmaschige Unterstützung selbst testen zu lassen, ob die theoretisch vermittelten Inhalte jetzt vielleicht auch hoffentlich gut funktionieren.

27:40
Man könnte an sich also sogar sagen, dass gerade in so einem engmaschigen Setting es das perfekte Setting ist, sich unterschiedlichen Risikosituationen gezielt auszusetzen, um seine Copingstrategien einzuüben.

27:53
Das gibt es auch wirklich als strategisch-therapeutische Intervention und nennt man Expositionstraining, wo man sich wirklich in aktiver Begleitung des Therapeuten zum Beispiel sein Lieblingsalkoholisches Getränk aussetzt, daran riecht, es vielleicht sogar an die Lippen führt, je nachdem natürlich,

28:11
was man sich selbst zutraut und der Therapeut es natürlich mit begleitet. Hier geht es ganz bewusst darum, aktiv zu erleben, dass Suchtdruck zwar auftritt, aber auch wieder nachlässt und nicht zwangsmäßig in Konsum enden muss. Und eine stationäre Behandlung hat natürlich nur dann Sinn, wenn sie wirklich alles gibt,

28:29
die betroffene Person bestmöglich auf den Umgang mit dem Konsum außerhalb der stationären Reha vorzubereiten. Nur habe ich leider manchmal das Gefühl, dass so ein bisschen verpasst wird, die sehr strengen Regeln von der stationären Reha mit den Klienten auf ihr eigenes persönliches individuelles Leben zu beziehen und sich zu überlegen,

28:49
was denn von den Regeln wirklich auch wichtig für ihr Leben außerhalb der Reha wichtig ist. Und auch wenn ich sehr hoffe, dass meine damalige Klientin das mit der Creme einfach grundlegend falsch verstanden hat, denn ich habe wirklich noch nie erlebt, dass eine betroffene Person einen Cremetiegel gegessen hätte aufgrund von Suchtdruck, zeigt dieses Beispiel trotzdem halt was sehr Wichtiges.

29:09
Wenn der Schutz nicht erklärt wird, den wir in der Reha aufbauen, kann eben dieser Schutz nach der Reha zu einer großen Verunsicherung führen. Und grundlegend sollte eine Suchttherapie nicht dafür sorgen, dass Menschen der Welt weniger vertrauen und immer mehr vermeiden müssen. Sie sollte dafür dazu führen,

29:28
dass Menschen ihre eigenen Reaktionen besser verstehen, Risiken realistischer einschätzen und wieder mehr Handlungsspielraum entwickeln. Und dieser Weg kann für jeden sehr unterschiedlich sein. Und deswegen möchte ich noch mal am Ende sehr kurz über meine eigene Haltung zu dem Thema sprechen.

29:46
Da wir diese Folge ja gestartet haben mit den Kommentaren, dass mein Podcast triggernd sein kann, möchte ich natürlich jetzt gerne noch mal meine eigene Haltung zu dem Thema teilen. Ich habe in meinem Podcast noch nie eine Triggerwarnung ausgesprochen und das werde ich auch nie tun. Das heißt aber nicht, dass ich über das Thema im Allgemeinen noch nie nachgedacht habe.

30:06
Ich habe da im Prinzip folgendes Vorgehen: Für mich ist es unfassbar wichtig, dass im Titel klar wird, um was es in der Folge geht. Wir nehmen mal vielleicht genau dieses Beispiel kontrolliertes Trinken oder zieloffene Ansätze, die im Prinzip Alternativen von Abstinenzen aus loten.

30:26
Solche Themen würde ich nie unter Titeln verstecken wie „Neue Wege aus der Sucht“ oder sowas in der Art, wo man einfach nicht weiß, um was es gehen könnte.

30:39
Und dann ist man vielleicht gerade in einem Prozess, wo man seine Nüchternheit stärken möchte und landet dann völlig unvorbereitet in einer Auseinandersetzung mit kontrolliertem Trinken. Das heißt, für mich ist eine Sache klar: In den Titeln, da weiß man, um was es geht. Punkt. Gleichzeitig steht auch in meiner Podcast-Beschreibung,

31:00
dass ich eine akzeptanzbasierte Haltung vertrete. Das heißt, auch wenn man da reinschaut, bekommt man schon mal grundlegend eine Idee, wie der Podcast ausgerichtet ist. Das sehe ich tatsächlich in meiner Verantwortung und da gebe ich tatsächlich sehr Acht drauf. Der Rest ist aus meiner Sicht die Verantwortung des Hörers, sowohl die Hörentscheidung und wenn eine Folge Suchtdruck ausgelöst hat,

31:21
auch mit diesem umzugehen, gerne auch mit professioneller Hilfe, wenn man merkt, dass es einem noch an Copingstrategien fehlt. Aber grundlegend kann ich nur dafür sorgen, dass man sich bewusst entscheiden kann, ob man sich mit dem Thema, was ich besprechen möchte, auseinandersetzen möchte oder nicht. Und ich finde es auch total spannend, weil ich zum Beispiel auch mal eine E-Mail bekommen habe von einem Hörer,

31:41
der meinte, ob ich es denn problematisch empfinden würde, weil er hört, meine Substanzkunde folgen, weil es ihm total beim Suchtdruck hilft, weil er sagt, diese sehr nüchterne, wissenschaftsbezogene Auseinandersetzung mit den Substanzen hilft ihm total, so einen Vogelblick auf sich selbst zu bekommen.

32:03
Und damit kommt er aus dem Suchtdruck raus. Er hat aber Sorge, weil er sich ja dann mit den Substanzen beschäftigt, dass das eigentlich schlecht ist. Und ganz ehrlich, das, was dir hilft, wenn das für dich eine Strategie ist, die gut funktioniert, bist du die Person, die definiert, welche Strategien für dich funktionieren. Punkt. Und er, die Person,

32:22
hat das ja voll und ganz reflektiert und da gibt es doch gar nichts dran auszusetzen. Und da merkt ihr vielleicht auch so ein bisschen, was meine Haltung als Suchttherapeutin im Kontakt auch mit anderen Menschen ist. Und zwar gibt es da für mich keine allumfassenden Regeln oder Ratschläge, noch viel weniger, sondern ich unterstütze meine Klienten natürlich einfach dabei,

32:41
für sich selbst herauszufinden, was wirklich Hochrisikosituationen sind und wie damit umgegangen werden kann. Großes Thema ist in dem Kontext ja auch immer alkoholfreie Getränke. Und wenn mich meine Klienten danach fragen, ob sie das trinken dürfen oder nicht, besprechen wir das natürlich, besprechen auch, was es auslösen kann.

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Aber unterm Strich bedeutet es ausprobieren, gerne auch während der Stunde, wenn es einem hilft. Denn für manche ist es wirklich eine fantastische Stütze. Diese also alkoholfreie Getränke trifft es ja nicht ganz. Alkoholisch imitierende alkoholfreie Getränke wäre wahrscheinlich das richtige Wort. Ja, auf jeden Fall. Ihr wisst schon, was ich meine: alkoholfreies Bier, alkoholfreier Gin, blablabla.

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Ähm, genau. Und für manche ist es halt einfach eine fantastische Stütze, gerade in Situationen, wo viel Alkohol getrunken wird, dass man so selbst ein Getränk in der Hand hat. Für andere ist es ein extrem starker Trigger und die haben auch nicht wirklich eine gute Zeit, das zu trinken, weil sie eben dadurch mit extremem Stress auseinandergesetzt werden. Das Gleiche gilt auch für die unterschiedlichsten Situationen.

33:44
Ich kann mich an einen Klienten erinnern, der zum Beispiel zum Thema gemacht hat, dass er immer zelten gegangen ist mit einer Gruppe und dieses Zeltwochenende hatte den Fokus des Saufens. So, da wird einfach richtig viel Bier getrunken, aber er würde gerne wieder dahingehen und schauen, wie es für ihn ist, jetzt nüchtern damit zu machen.

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Da hat sich dann ein Kasten alkoholfreies Bier organisiert für das Wochenende und wir haben das sehr gut durchgesprochen und der hatte ein gutes Wochenende, hat gemeint, das hat gut funktioniert und es war alles gut. Und wenn sich die Person das selbst zutraut und das gerne ausloten möchte, go for it.

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So findet man heraus, was geht und was nicht, was noch Sinn macht und was keinen Sinn macht. Denn es ist nun mal ein Prozess. Es ist einmal ein Prozess, seinen Konsum zu verändern und dann ist es aber auch noch ein weiterer Prozess, zu schauen, welches Leben passt zu meinem veränderten Konsumverhalten oder zu meiner Nüchternheit. Und ich meine, wer mir schon länger zuhört,

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der weiß, dass ich sehr wenig davon halte, so einen suchttherapeutischen Einheitsbrei mit klaren Regeln, die für alle gelten sollen, zu propagieren, sondern vielmehr so einen Erfahrungsraum zu öffnen und zu begleiten, in dem die Regeln sich jeder Einzelne selbst schreiben kann für sein Leben.

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Ihr Lieben, das war meine Folge zu Triggern, zu Risikosituationen, wie man das auch gerne nennen möchte. Was war mir in dieser Folge wichtig? Mir war einmal wichtig, ja, so eine gewisse Abgrenzung auch zu dieser Alltagssprache. Mich triggert irgendwas, weil ich mich so ein bisschen unbehaglich fühle. Darum ging es heute nicht.

35:23
Es ging darum, dass gewisse Reize, gewisse Cues eben sehr starke Reaktionen im Konsumkontext eben Suchtdruck auslösen können und dass ja eben starke Reaktionen in dem Kontext damit gemeint sind. Als zweiter Punkt ist, dass man Triggern nicht aus dem Weg gehen kann. Die werden einen begleiten, die können immer mal wieder auftauchen.

35:44
Und hier gilt es, Strategien zu finden, Copingstrategien aufzubauen, um eben damit zu lernen, wie man selbst damit umgehen kann. Und als letzter Punkt ist, und das ist mir auch immer wichtig, was jemanden triggert und was nicht. Das ist sehr individuell. Es gibt Menschen, die können auch nüchtern auf Raves gehen, manche nicht. Es gibt Menschen, die können gut mit Alkoholalternativen umgehen,

36:05
manche nicht. Das gilt es schlichtweg zu erproben und im besten Falle natürlich auch im Kontext von professioneller Begleitung. Und das war es mit dieser Folge. Falls ihr diesen Podcast supporten wollt, schaut doch gerne beim Mitgliederprogramm „Psychoaktiv Plus“ vorbei. Das ist der erste Link in der Folgenbeschreibung. Mit eurer Mitgliedschaft macht ihr diese Arbeit möglich und ich bedanke mich vom Herzen,

36:27
falls ihr Bock auf die Mitgliedschaft habt, aber natürlich auch, dass ihr hier wieder mit dabei wart. Und bis zum nächsten Mal. Tschüss.


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