Ist MDMA neurotoxisch?

Das Wichtigste in Kürze: Hochbegabung und Sucht

✓ MDMA kann unter bestimmten Bedingungen neurotoxisch wirken – besonders bei hohen Dosen, häufigem Nachlegen und kurzen Konsumpausen.

✓ Studien zeigen: Bei starkem und häufigem MDMA-Konsum kann das Serotoninsystem verändert sein. Für gelegentlichen Konsum ist das Risiko aber deutlich schwerer einzuschätzen.

✓ Im Artikel geht es auch um ein Praxisbeispiel: Was hilft, wenn jemand nach starkem MDMA-Konsum überzeugt ist, das eigene Gehirn zerstört zu haben?

Was bedeutet neurotoxisch?

Bevor man die Forschung zu MDMA und möglichen Langzeitfolgen einordnet, muss zunächst geklärt werden, was mit „neurotoxisch“ überhaupt gemeint ist. Der Begriff klingt schnell dramatisch, meint aber nicht, dass durch MDMA „Löcher im Gehirn“ entstehen. In der Wissenschaft beschreibt Neurotoxizität vielmehr mögliche Schädigungen von Nervenzellen oder ihren Fortsätzen. Gemeint sind also zum Beispiel Veränderungen an feinen Nervenfasern, die bestimmte Botenstoffsysteme im Gehirn betreffen.

Bei MDMA steht vor allem das serotonerge System im Mittelpunkt. Serotonin ist ein Botenstoff, der unter anderem an Stimmung, Schlaf, Appetit, Impulskontrolle und Gedächtnis beteiligt ist. Die Nervenzellen, die Serotonin ausschütten, besitzen lange, dünne Fortsätze – sogenannte Axone –, die sich wie ein Netzwerk durch Hirnregionen wie den Kortex und den Hippocampus ziehen. Wenn in Bezug auf MDMA von Neurotoxizität gesprochen wird, geht es deshalb vor allem um die Frage, ob diese serotonergen Axonendigungen langfristig geschädigt werden können. Hinweise darauf wären zum Beispiel niedrigere Serotoninspiegel, weniger Serotonin-Abbauprodukte oder eine verringerte Dichte von Serotonintransportern im Gehirn.

Wichtig ist dabei: Neurotoxizität ist kein Alles-oder-Nichts-Begriff. Die Aussage „MDMA ist neurotoxisch“ bedeutet nicht automatisch, dass eine einzelne Einnahme das Gehirn dauerhaft schädigt. Entscheidend ist vielmehr, unter welchen Bedingungen solche Effekte auftreten: bei welcher Dosis, bei welcher Konsumhäufigkeit, bei welchen Konsummustern und in welchem körperlichen Kontext.

Was zeigen Tierstudien zur Neurotoxizität von MDMA?

Die Annahme, dass MDMA neurotoxisch wirken kann, stammt zu einem großen Teil aus Tierstudien. Besonders frühe Arbeiten an Ratten und nicht-menschlichen Primaten zeigten, dass wiederholte MDMA-Gaben das serotonerge System deutlich verändern können. In einer Rattenstudie von O’Hearn und Kolleg:innen führte ein sehr hohes Dosierungsschema von 20 mg/kg MDMA oder MDA, zweimal täglich über vier Tage, zwei Wochen später zu einem deutlichen Verlust serotonerger Axonendigungen im Vorderhirn, während katecholaminerge Axone weitgehend verschont blieben (O’Hearn et al., 1988).

Auch Primatenstudien fanden Hinweise auf serotonerge Neurotoxizität. Ricaurte und Kolleg:innen zeigten bei Totenkopfäffchen, dass Verabreichungsweg und Häufigkeit eine Rolle spielen: Mehrfache subkutane Gaben führten zu besonders starken Serotoninverlusten, orale Gaben waren weniger wirksam, verursachten aber ebenfalls messbare Veränderungen. Selbst eine einzelne orale Gabe von 5 mg/kg MDMA führte zwei Wochen später noch zu Serotoninverlusten in bestimmten Hirnregionen (Ricaurte et al., 1988). Besonders relevant ist zudem die Frage der Dauerhaftigkeit: In einer späteren Primatenstudie fanden Hatzidimitriou und Kolleg:innen auch sechs bis sieben Jahre nach früherer MDMA-Behandlung noch veränderte serotonerge Innervationsmuster im Vorderhirn, zugleich aber Hinweise auf teilweise Erholung und Reinnervation (Hatzidimitriou et al., 1999).

Diese Befunde lassen sich nicht eins zu eins auf typischen menschlichen Freizeitkonsum übertragen. Vor allem …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner