Stigmatisierung von Sucht | Sucht ist keine Entscheidung!

Das Wichtigste in Kürze: Stigmatisierung und Sucht

✓ Stigmatisierung von Menschen mit Suchterkrankung ist ein sozialer Prozess, bei dem die Suchterkrankung als persönliches Versagen abgestempelt wird, anstatt sie als ernsthafte Erkrankung anzuerkennen, was für Betroffene den Zugang zu notwendiger Hilfe und gesellschaftlicher Teilhabe massiv erschwert.

✓ Die Open Hearts – Open Minds Initiative der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht) wirkt der Stigmatisierung von Suchterkrankungen entgegen, indem sie Aufklärung fördert und Sucht als behandelbare chronische Krankheit statt als moralisches Versagen definiert.

✓ Entstigmatisierung beginnt bei einer bewussten Sprache und der Haltung, Sucht als behandelbare chronische Erkrankung zu begreifen, was durch die Unterstützung des Manifests der Kampagne Open Hearts – Open Minds sowie das Teilen von Aufklärungsinhalten mit dem eigenen Netzwerk aktiv gefördert wird.




Was ist Stigmatisierung?

Stigmatisierung ist ein sozialer Prozess, bei dem bestimmten Menschen oder Gruppen ein negatives „Etikett“ zugeschrieben wird und sie deshalb abgewertet und ausgegrenzt werden. Menschen mit Suchterkrankungen erleben häufig Stigmatisierung. Viele sehen

in der Sucht ein persönliches Versagen, statt eine ernsthafte Erkrankung, die Unterstützung und Verständnis braucht.

BereichStigmatisierende / Diskriminierende BeispieleNicht-stigmatisierende Alternativen
SpracheVerwendung abwertender Begriffe wie „Junkie“, „Alki“ oder „Süchtiger“.Fokus auf die Person: „Mensch mit einer Suchterkrankung“ oder „Substanzgebrauchsstörung“.
ArbeitsweltDirekte Ablehnung einer Bewerbung, sobald eine Suchtvergangenheit (z. B. Lücke durch Therapie) bekannt wird.Fokus auf Qualifikation und Belastbarkeit; Unterstützung durch betriebliche Wiedereingliederung (BEM).
GesundheitKörperliche Schmerzen werden nicht ernst genommen, sondern pauschal auf den Suchtmittelkonsum geschoben.Vorurteilsfreie Diagnose und Behandlung der aktuellen Symptome, genau wie bei jedem anderen Patienten.
Soziales„Ratschläge“ wie: „Du musst dich nur mal zusammenreißen“ (Sucht als Charakterschwäche).Anerkennung der Sucht als chronische Krankheit; Unterstützung bei der Suche nach professioneller Hilfe.
WohnungsmarktKündigung oder Verweigerung von Mietverträgen aufgrund der bloßen Vermutung eines Rückfalls.Mietverhältnis basierend auf dem tatsächlichen Verhalten und getroffenen Vereinbarungen bewerten.
PrivatlebenSozialer Rückzug von Freunden, „weil man mit solchen Leuten nichts zu tun haben will“.Offenes Gespräch suchen, Grenzen setzen, aber als soziale Stütze erreichbar bleiben.

Welche Folgen hat Stigmatisierung für Menschen mit Suchterkrankungen?

Stigmatisierung verschärft bei Menschen mit Suchterkrankungen Scham und Isolation, wodurch sie Hilfe oft meiden oder Behandlungen abbrechen. Sie führt zu Selbststigmatisierung mit Selbstwertverlust, erhöhtem Depressionsrisiko und sozialem Rückzug. Zusätzlich drohen Diskriminierung am Arbeitsplatz, im sozialen Umfeld oder im Gesundheitssystem sowie strukturelle Benachteiligungen.

Die Open Hearts, Open Minds Initiative

Die Initiative Open Hearts – Open Minds ist eine bundesweite Kampagne der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht), die sich gezielt für die Entstigmatisierung von Menschen mit Suchterkrankungen einsetzt. Ihr Kernanliegen ist es, Sucht als behandelbare, chronische Erkrankung begreifbar zu machen und das veraltete Bild eines moralischen Versagens abzulösen. Durch Aufklärung und ein zentrales Manifest möchte die Kampagne Sichtbarkeit für Betroffene schaffen, Hürden abbauen und eine vorurteilsfreie Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen fordern.

Das Manifest fordert einen offenen, wertschätzenden und diskriminierungsfreien Umgang mit Menschen mit Suchterkrankungen, die Gleichstellung von Suchterkrankungen mit anderen Erkrankungen, den Abbau struktureller Benachteiligungen sowie bessere, niedrigschwellige Unterstützungs- und Behandlungsangebote zur nachhaltigen Entstigmatisierung in Gesellschaft, Politik und Medien.

Was kannst du tun?

Das Engagement gegen Vorurteile beginnt mit einer wertschätzenden Sprache und einer Haltung, die Sucht als behandelbare Erkrankung versteht. Ein sichtbares Zeichen für diese Solidarität lässt sich durch die Unterstützung des Manifests der Kampagne Open Hearts – Open Minds setzen. Werde ein Teil der Kampagne und unterzeichne auch du das Manifest!

Bereich Stigmatisierende / Diskriminierende Beispiele Nicht-stigmatisierende Alternativen

Privatleben Sozialer Rückzug von Freunden, „weil man mit solchen Leuten nichts zu tun haben will“. Offenes Gespräch suchen, Grenzen setzen, aber als soziale Stütze erreichbar bleiben.

Das Teilen dieser Inhalte auf Plattformen wie LinkedIn trägt ebenfalls dazu bei, die Aufklärung im beruflichen Umfeld zu fördern und den Fokus konsequent auf den Menschen, statt auf die Diagnose zu richten.

Logo der Initiative „Open Hearts Open Minds“ zur Entstigmatisierung von Suchterkrankungen.

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