Haiku – achtsam, poetisch, therapeutisch?




Auf dem Heimweg vom Sport lauschte ich im Deutschlandfunk einem Beitrag über Haikus. Schon wieder Haikus… Nachdem ich damals im Gymnasium ein paar klägliche Versuche gestartet habe Haikus im Deutschunterricht zu verfassen, habe ich seit Jahren nicht mehr an diese Gedichtsform gedacht.

Und jetzt begegnet sie mir innerhalb von zwei Wochen in zwei komplett unterschiedlichen Kontexten und wecken mein Interesse auf einer ganz anderen Ebene.

Wildschweine sogar
werden weggeweht
Herbststurm

Matsuo Bashō (1644–1694)

Aber starten wir mal von Anfang. Was sind Haikus eigentlich?

Haiku ist eine japanische Gedichtsform. Es sind Kurzgedichte und bestehen gerade mal aus drei Zeilen mit insgesamt siebzehn Silben. Reimen muss sich ein Haiku dabei nicht.

Im Deutschunterricht habe ich sie auch als nichts anderes als das gesehen. Kurze, einfache Gedichte.

Da ich schon damals gerne Gedichte geschrieben habe, fand ich diese Art ehrlich gesagt etwas faul und unspektakulär.

Meine erneute Begegnung mit Haikus war diesmal eine andere.

Der Nutzen im Weniger

Schon seit meiner Campingreise ist der Wunsch nach weniger in meinen Alltag eingekehrt. Ich miste unermüdlich meine Wohnung aus. Versuche Dinge zu vereinfachen. Beschäftige mich damit, in welchen Lebensbereichen minimalistische Ideen Sinn machen.

Es ist fast schon ironisch, dass genau in dieser Zeit das Haiku wieder in mein Aufmerksamkeitsraum tritt.

Im Deutschlandfunk lerne ich, dass Haiku die literarische Form des Zen Buddhismus ist. Denn ein Haiku ist vielleicht technisch ein sehr kurzes Gedicht, doch in sich ist es vor allem eins: eine achtsame Begegnung mit dem was ist.

In drei Zeilen beschreibt man auf ein Minimum an Worten reduziert was man wahrnimmt. Mit all der Klarheit und den Widersprüchen, die gerade eben da sind.

Paß auf, Heuschreck
daß du mir nicht den Tau
in Scherben trampelst

Kobayashi Issa (1763–1828)

Schreiben als therapeutische Begleitung

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